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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 103
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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c. Die Aethiopis.

Ein Gedicht des Arktinos von Milet, in welcher Stadt Achill als Heros verehrt wurde. Es ist nach der Ilias das älteste, doch erkennt man auch so deutlich eine Nachbildung der Ilias, welcher es auch darin glich daß es vornehmlich ein Gedicht zur Verherrlichung des Achill, eine Achilleis war. Wesentliche Unterschiede waren die Einflüsse des späteren Glaubens z. B. die Mordsühne und Heroenverehrung und die Einflechtung neuer Ereignisse in den trojanischen Krieg, welche die Ilias schon deshalb nicht gekannt haben kann, weil sie es wiederholt und ganz bestimmt ausspricht daß Achill gleich nach Hektor sterben werde, wie sie denn auch zwar nicht den Tod des Helden beschreibt, wohl aber den ganzen Schmerz und alle traurigen Empfindungen über seinen Tod vorwegnimmt. In der Aethiopis dagegen traten als neue Gestalten erst die Amazone Penthesilea, dann der Aethiope Memnon auf und erst nachdem dieser den Antilochos und Achill deshalb (wie in der Ilias wegen des Patroklus Hektor) den Memnon erschlagen hatte, wurde er selbst von seinem Schicksal ereilt. Uebrigens war das Gedicht mit großer Kunst erfunden und ausgeführt, auch sind die darin behandelten Sagen in der griechischen Kunst und Poesie immer sehr beliebt gewesen. Diese späteren Nachklänge müssen auch hier wesentlich beitragen die Conception erster Hand wieder herzustellen.

Noch war Troja mit der Klage des Hektor beschäftigt, als die Amazone Penthesilea mit andern Amazonen als Bundesgenossin erschien, eine Tochter des Ares, Thrakerin nach ihrer Abkunft. So wacker fochten diese kriegerischen Jungfrauen in der wieder entbrannten Schlacht, daß die Griechen von neuem sehr bedrängt wurden, bis Achill hinausstürmte und 436 die Amazonenkönigin erlegte. Schon hatte er sie tödtlich getroffen, da sah er ihre frische Jugend und große Schönheit und gestattete bewegten Herzens den Troern ihren Leichnam fortzutragen, daß er feierlich bestattet werden mögeθαυμάζων εκείνης τὴν ρώμην ομου̃ καὶ τὸ κάλλος καὶ τὸ νεαρὸν τη̃ς ηλικίας εδάκρυε καὶ τοὺς ‛Έλληνας παρεκάλει ταφη̃ς αξιου̃ν τὴν νεάνιδα Tzetz. Lyk. 999 vgl. Prop. 3, 11, 13–16 u. Iustin M. ad gent. 1 υπὸ ’Αμαζόνος νεκρα̃ς νενίκητο. Daß die Amazonen in der Aethiopis zu Pferde gekämpft, wie Welcker ep. Cycl. 2, 216 annimmt, ist kaum wahrscheinlich, obgleich die Amazonen oft beritten gedacht (Pind. Ol. 8, 47) und auch der Kampf zwischen Achill und Penthesilea auf einigen Vasenbildern so dargestellt wird. Doch spricht Virgil A. 11, 661 von ihrem Wagen, quum se Martia curru Penthesilea refert. Vgl. dens. A. 1, 490 ff. und Seneca Agam. 217.. Als Thersites ihn deswegen beschimpfte und verleumdete, ja den Leichnam der kriegerischen Jungfrau verstümmelte, tödtete er den Unverschämten mit einem Faustschlag, worüber Diomedes als naher Verwandter des Thersites sehr erzürnt wurde, so daß unter den Griechen ein Aufstand ausbrachDaß Thersites dem Achill und dem Odysseus immer besonders verhaßt gewesen sagt die Ilias 2, 220. Die spätere Fabel b. Lykophr. 999 Tz., Quint. Smyrn. 1, 722 ff., Schol. Il. l. c, Schol. Soph. Philokt. 445 u. A. Von dem dramatischen Dichter Chaeremon gab es einen ’Αχιλλεὺς Θερσιτοκτόνος.. Achilles schiffte also nach Lesbos um dem Apoll und seiner Schwester und Mutter ein Opfer darzubringen, worauf Odysseus ihn von dem vergossenen Blute reinigte. Der tiefe Eindruck, den die sterbende Penthesilea auf Achill machte, wurde durch die Künstler dadurch noch mehr hervorgehoben daß sie die Jungfrau in seinen Armen sterben ließenSo das Gemälde des Panaenos, des Bruders des Phidias, in Olympia s. Paus. 5, 11, 2 und verschiedene Sarkophagreliefs. Vasenbilder b. Gerhard A. V. t. 205–207, Trinksch. t. C, 4–6, wo Penthesilea zu Achills Füßen um Erbarmen fleht, während er ihr von oben den tödtlichen Stahl in die Brust stößt. Vgl. Overbeck a. a. O. 497 ff..

Dann erschien Memnon, das Kind des fernen Aethiopiens, ein Sohn der Eos und des Tithonos, also ein naher Verwandter des PriamosIl. 20, 237, Apollod. 3, 12, 4, Diod. 4, 75., in strahlender Waffenrüstung, welche auch ein Werk des Hephaestos war, der schönste aller Männer vor Troja, also ein ebenbürtiger und in allen Stücken würdiger Gegner des Achill. Thetis wußte daß ihr Sohn sterben müsse sobald er diesen Held getödtet, daher ihn Achill im Kampfe vermied. Da fiel Antilochos durch Memnon, der liebenswürdige Sohn des Nestor, der dem Peliden nach dem Tode des 437 Patroklus sein bester Freund geworden war: ein berühmtes Beispiel kindlicher Liebe, denn er suchte mit seinem Leibe den fliehenden Vater zu retten (Pindar P. 6, 28 ff.). Nun galt es den Freund zu rächen, seine Leiche zu sichern, so daß Achill keine andre Rücksicht kannte. Beide Mütter flehten und sorgten, Eos und Thetis, als ihre Söhne kämpften und Zeus wieder zur Wage griff, bis endlich Memnon fiel und von seiner Mutter klagend in die ferne Heimath getragen wurde. Aeschylos und Sophokles hatten diese Dichtung verherrlichtVon Aeschylos gab es einen Memnon und eine Psychostasie, von Sophokles einen Memnon und Aethiopen, vgl. G. Hermann opusc. 7, 343 sqq., Nitzsch Sagenpoesie 607 ff. und viele Kunstwerke beschäftigten sich mit der ganzen Geschichte des Memnon, von seiner Ankunft bis zu der verhängnißvollen Entscheidung durch die Wage des Zeus, der Entführung der Leiche durch Eos oder die geflügelten Brüder Schlaf und Tod, und der TodtenklageVgl. die von Paus. 5, 22, 2 beschriebene Marmorgruppe zu Olympia, Memnons Todtenklage b. Philostr. 1, 7, die des Antilochos ib. 2, 7, Overbeck 512–536. Ueber die Psychostasie, durch welche das Schicksal der beiden Kämpfenden entschieden wurde, vgl. L. Schmidt Ann. d. I. 29, 118 ff., Mon. 6, 5. Die Leiche des Memnon wird gewöhnlich von der Eos entführt, O. Jahn Arch. Beitr. 108, auch auf dem Theater, Poll. 4, 130, doch griffen auch hier, wie bei der Leiche Sarpedons, der Schlaf und der Tod zu, Gerhard A. V. t. 221. 222, Mon d. I. 6, 21.. Diese letzte hatte ihre Begründung im Cultus des Memnon, sowohl an seinem Grabe zu Susa, welches gewöhnlich für seine Heimath galt, als an dem an der Mündung des Flusses Aesepos in Mysien gelegenen, wo man das Märchen von den Memnonischen Vögeln erzählte, den verwandelten Aethiopen des Memnon, welche jährlich aus ihrer fernen Heimath herbeikämen um an dem Grabe ihres verstorbenen Herrn zu kämpfen und zu klagenSchon Polygnot deutete auf diese Vögel, Paus. 10, 31, 2. Ueber das Grab am Aesepos und zu Susa und über die Klagen und die Memnonischen Vögel hier und dort s. Str. 13, 587, Mosch, id. 3, 42, Ovid M. 13, 576 ff., Aelian N. A. 5, 1, Plin. 10, 74, Serv. V. A. 1, 751, Cramer An. Paris. 1, 25. Memnons Straße von Susa durch Phrygien an den Hellespont b. Paus. l. c. u. Diod. 2, 22. Vgl. Bd. 1, 345 u. Welcker ep. Cycl. 2, 204 ff.. Ohne Zweifel lagen bei solchen Dichtungen alte orientalische Sagen und Gebräuche zu Grunde, welche sich frühzeitig über Kleinasien verbreitet hatten. Doch fuhr die Dichtung und der Volksglaube fort den Memnon nach eigner Eingebung zu verherrlichen. Der Thau des frühen Morgens, sagte man, sei die Thräne der Eos, womit sie an jedem Morgen von neuem das geliebte Kind beweine, und als man später in Aegypten, in der Nähe von Theben, die 438 bekannten Klänge des alten Kolosses hörte, glaubte man den altberühmten Helden des Ostens zu hören, welcher mit diesen Tönen früh Morgens die Mutter begrüße, also noch immer ein Leben habe, während sein Gegner und Besieger Achill, der Sohn der Nereide, für immer verstummt sei, sowohl in seinem Grabe am Hellespont als in seiner thessalischen HeimathC. I. n. 4747..

Achill wurde durch die Geister der Schlacht bis in die Nähe der Stadt getrieben, in die verhängnißvolle Gegend des Skaeischen Thores, wo Apoll den Sturm der Griechen schon mehr als einmal gebrochen hatte, wenn sie im Begriff waren »wider das Schicksal« d. h. ehe die Stunde gekommen war die Stadt zu zerstören. Schon wollte Achill durch das Thor hinein dringen, da traf ihn ein Pfeil des Paris, den Apollo lenkte, nach der jüngeren Sage in die allein verwundbare FerseAuf den Tod durch den Apoll deutet schon die Ilias 19, 416; 21, 277; 22, 359, wo der sterbende Hektor mit dieser Rache droht. Vgl. Soph. Philokt. 334, Virg. A. 6, 56, Horat. Od. 4, 6, 3–24. Die allein verwundbare Ferse b. Hygin f. 107, da Achill doch Il. 21, 166 am rechten Arm verwundet wird.. Später erzählte man von einem Verlöbnisse des Achill mit der Polyxena und daß er bei dieser Gelegenheit im Tempel des Apoll von Thymbra meuchlings getödtet sei, in demselben Tempel den er früher durch das Blut des Troilos befleckt hatteHygin f. 110, Serv. V. A. 3, 322, Philostr. Her. 737.. Immer ist Apollo der eigentliche Urheber seines Todes, der Schutzgott Trojas und der Priamiden, so gereizt durch den Tod des Troilos, des Hektor, daß er seiner eignen Versprechungen bei der Hochzeit des Peleus und der Thetis vergessen hatteAesch. b. Plat. rep. 2 p. 383 B. Daher b. Catull 64, 300 Apollo und Artemis bei jener Hochzeit allein nicht zugegen sind..

Ueber seiner Leiche und um seine Waffen entbrannte ein wüthender Kampf, der den ganzen Tag währte, so daß sich Berge von Erschlagenen um den todten Helden häuften, bis endlich Zeus mit einem Sturmwinde darein fuhr, so daß die Griechen den Leichnam und die Waffen retten konntenOd. 24, 37 ff. Vgl. Od. 5, 309, wo Odysseus auf seinem Floß an diesen Kampf denkt. Wäre ich doch gestorben ήματι τω̃ ότε μοι πλει̃στοι χαλκήρεα δου̃ρα Τρω̃ες επέρριψαν περὶ Πηλείωνι θανόντι.. Aias trug den Gefallenen, Odysseus wehrte die verfolgenden Feinde ab. Auch diese Vorgänge, sowohl der Kampf um die Leiche als die bei dem Streite um die Waffen Achills oft erwähnte Rettung des Leichnams, sind durch schöne Kunstwerke, jener 439 durch die Gruppe im Giebel des Athenatempels von Aegina, dieser durch ein statuarisches Werk von noch höherem Werthe verewigt wordenWelcker A. D. 1, 144 ff., akad. Kunstmus. zu Bonn S. 75 ff., Overbeck 537 ff. Auch die Vasenbilder beschäftigen sich oft mit diesen Vorgängen..

Nun war wieder Klage über Klage bei den Griechen. Antilochos wurde bestattet, Achills Leichnam ausgestellt. Da erschien Thetis mit den Nereiden aus dem Meere aufsteigend; die Griechen erbebten als sie die göttlichen Stimmen über den Wogen hörten und wären entflohen, wenn der erfahrene Nestor sie nicht zurückgehalten hätte. Und sie stellten sich zur Klage um den Leichnam, den sie mit köstlichen Gewändern bekleideten, und die neun Musen traten zu ihnen und klagten mit ihnen: da blieb kein Auge trocken. Siebzehn Tage und Nächte dauerte diese Klage der Sterblichen und der Unsterblichen: am achtzehnten Tage wurde die Leiche verbrannt, mit vielen Opfern und kriegerischen Umzügen um den brennenden Scheiterhaufen, bis am nächsten Morgen die Gebeine gesammelt werden konnten, in einem goldnen Kruge, den Hephaestos dem Dionysos, dieser der Thetis geschenkt hatte, die des Achill vermischt mit denen des Patroklos, und abgesondert, aber in demselben Kruge die des Antilochos, welchen Achill nächst dem Freunde seiner Jugend am meisten geliebt hatte. Dann wurde der berühmte Grabeshügel am Gestade des Hellespontos aufgeworfen, welcher den Vorüberschiffenden fort und fort den Ruhm des großen Aeakiden verkündete. So erzählt die Odyssee 24, 43–84, nach welcher Achilles so gut wie die anderen Helden und Verstorbenen in der Unterwelt istOd. 11, 467 ff., wo Achilles, Patroklos und Antilochos gleichfalls zusammen auftreten, als vierter Aias der Telamonier. Den Chor der Musen an der Leiche Achills kennt auch Pindar l. 7, 56 ff. Den goldnen Krug hatte Dionysos der Thetis zum Dank für die Rettung vor dem Thrakerkönige Lykurgos geschenkt, Schol. Od. 24, 74 vgl. Lykophr. 273 Tz.. Dahingegen die späteren Begriffe von Heroenthum und Heroendienst von selbst zu einer noch größeren Verherrlichung geführt haben; und schon in der Aethiopis entführte Thetis den Leichnam des Sohnes aus dem brennenden Scheiterhaufen, um den Seligen im Geleite aller Götter und Dämonen nach der Insel Leuke an der Donaumündung zu bringen, wo er von den Pontosschiffern und den griechischen Colonieen als verklärter Heros und Ποντάρχης mit seinen Freunden und Geschlechtsverwandten verehrt wurde, mit Spielen, Opfern und 440 WeihungenSchon Alkaeos nannte ihn einen König der Skythen fr. 49. Von der heiligen Insel Pind. N. 4. 49, Eurip. Iph. T. 435 ff., das Werk des Skopas b. Plin. 36, 26 (Bd. 1, 470), Paus. 3, 19, 11, nach welchem auch die beiden Freunde und die beiden Aianten, der lokrische und der salaminische dort zugegen gedacht wurden. Vgl. v. Köhler sur les îles et la course d'Achille, Mém de l'Acad. de S. Petersb. 10, 581–819 u. Boeckh C. I. 2 p. 87 n. 2076. 2077. 2080. 2096b–f. Auch am kimmerischen Bosporos befand sich ein Achilleion Str. 11, 494.: wahrscheinlich eine Folge seiner älteren Verehrung am Hellespontos und zu Milet, durch dessen Handel und Pflanzstädte der Pontos erst zum Euxeinos wurde. Andre Dichter nannten statt dieser Insel Elysion d. h. die Inseln der Seligen im Weltmeere des Untergangs und verbanden ihn dort oder auf Leuke mit der Medea oder mit IphigeniaVon der Medea Apollon. 4, 814 Schol., welcher sich auf Ibykos und Simonides beruft, von der Iphigenia Antonin. Lib. 27 nach Nikander u. Eustath. Dion. P. 306. Beide Combinationen stammen wohl aus dem Pontos. Von der Helena Paus. l. c. u. Philostr. Her. 745. Die Dichtung vom Euphorion, einem geflügelten Kinde der Helena von Achill auf den Inseln der Seligen geboren ὸν διά τὸ τη̃ς χώρας εύφορον Ευφορίωνα ωνόμασαν, und wie Zeus denselben geliebt und auf der Insel Melos mit seinem Blitze erschlagen und die Nymphen, die ihn begruben, in Frösche verwandelt habe, findet sich erst beim Ptolemaeos Hephaestion, einer Sammlung vieler jüngerer mythologischer Combinationen, wie sie durch die alexandrinische und überhaupt die spätere Bühne und Ortssage zu entstehen pflegten. Vgl. die Ausg. von Roulez Lips. 1834., oder mit Helena, den heldenmüthigsten aller Heroen vor Troja mit der schönsten Frau und der Ursache wie dem Preise des Kriegs. Oder man verehrte ihn und den Vater neben der Thetis und den Nereiden sowohl an der Küste Sepias unter dem Pelion, der durch die kühne Werbung des Peleus berühmten Stätte, als sonst hin und wieder an den Küsten und Strommündungen; oder es war der gewöhnliche Heroencultus in den vielen Städten und Gegenden, die sich zu seiner Verehrung bekanntenDas angesehenste Heiligthum blieb immer das am Hellespont, wo durch die Mytilenaeer und Athenienser sogar ein kleiner Ort Achilleion entstand und von den Iliern regelmässige Todtenopfer gebracht wurden, aber auch von Andern durch regelmässige oder ausserordentliche Sendungen, namentlich von den Thessalern, s. Str. 13, 596. 600, Plin. 5, 125, Philostr. Her. 742. Hier soll Achill dem Homer im vollen Glanze seiner Waffen erschienen sein und der Dichter darüber das Licht seiner Augen verloren haben, Westerm. biogr. p. 31, 20. Der Cultus auf der Insel Astypalaea, den Cic. N. D. 3, 18, 45 besonders hervorhebt, hängt ohne Zweifel mit den Aeakiden auf Kos zusammen, worüber O. Müller ind. schol. Gott. 1838. H. des Achill in der Nähe von Sparta, wo die Epheben ihn verehrten, Paus. 3, 20, 8, Kenotaphium im Gymnasium zu Elis mit einem Trauerfest der Frauen, P. 6, 23, 2. In Epiros verehrte man ihn unter dem Namen ’Άσπετος Plut. Pyrrh. 1. Andre Heiligthümer oder Denkmäler in der Nähe von Smyrna, an der Küste von Messana, in Tarent, in Sicilien b. Steph. B. v. ’Αχίλλειος δρόμος u. Aristot. Mirab. 106.. Sein ausgezeichnetes Bild 441 war das eines jugendlich schönen und starken Helden von schlankem und leichtem Körperbau.

Auf die Bestattung folgten die Leichenspiele, bei denen Thetis Preise von nie gesehener Schönheit und Kostbarkeit aussetzte (Od. 24, 90). Auch kam es nun zur Entscheidung über die Waffen des Achill, auf welche sowohl Odysseus als Aias Anspruch machten, vor einem Gerichte bei welchem Odysseus seine Sache so gut zu führen wußte, daß er den Sieg gewann, den verhängnißvollen, in Folge dessen sich Aias in sein Schwerdt stürzte (Od. 11, 545). Denn Aias war an Heldenmuth und Heldenkraft der Nächste an Achill, darüber konnte kein Zweifel sein. Aber Odysseus, auch dieser tapfer und beim Kampfe um die Leiche hochverdient, war klüger und beredter als Aias und unerschöpflich an listigen Anschlägen, welche für die nächste Zukunft des Kriegs noch mehr als Heldenmuth und Heldenkraft entscheiden sollten. Hatte er doch noch vor kurzem bei einem Opferschmause mit Achill gestritten, nicht lange vor dem Tode des letzteren, daß Troja nur durch Klugheit, nicht durch Tapferkeit zu bezwingen sei, zur großen Freude des Agamemnon, welcher durch ein Orakel wußte daß auf diesen Streit der Besten das nahe Ende folgen werde (Od. 8, 75–82 Schol.). Deshalb traten jetzt die Aeakiden einer nach dem andern ab und der List des Laertiaden blieb die Palme vorbehalten; obwohl die Dichtung jenen Sieg des Odysseus natürlich noch anders motivirte. Namentlich sollte Pallas Athena für ihn entschieden haben, sie und die troischen Gefangenen, wie es in einem interpolirten Verse der Odyssee hießOd. 11, 547 παι̃δες δὲ Τρώων καὶ Παλλὰς ’Αθήνη. Aristarch verwarf den Vers, da diese Wendung der Sage erst »bei den Kyklikern« vorkomme, vgl. d. Schol. und wahrscheinlich Arktinos in der Aethiopis gedichtet hatte; während die kleine Ilias in gleichem Sinne die Entscheidung durch ein belauschtes Gespräch troischer Frauen auf der Mauer der belagerten Stadt herbeiführen, aber auch hier Athena zur rechten Zeit das für Odysseus entscheidende Wort eingeben ließAristoph. Eq. 1056 Schol.. Auch war in der Aethiopis bereits von dem verdüsterten Gemüth des Aias die Rede, welches der Asklepiade Podaleirios an seinen flammenden Augen erkannte, in der kleinen 442 Ilias entschiedener von seinem Wahnsinn und wie er in demselben die Heerden geschlachtet habe. Weiter dichtete Aeschylos von dem Schicksal des Aias und seines Halbbruders, des Teukros, von dem Waffengerichte bis zur Heimkehr des TeukrosVon Aeschylos gehören dahin die drei Stücke ‛Όπλων κρίσις, Θρη̃σσαι, wo das Schwerdt des Aias bei dem ersten Versuche des Selbstmordes sich bog, bis »ein Dämon« ihm die verwundbare Stelle seines Leibes zeigte, und Σαλαμίνιαι, s. G. Hermann Opusc. 7, 362–387. Von römischen Dichtern behandelten Ennius, Pacuvius, Attius u. A. dieselben Fabeln., und eben so Sophokles in dem erhaltenen Aias und andern sich anschließenden Tragödien. Es ist die Selbstüberhebung des Aias, in welcher er beim Abschiede von seinem Vater auch wohl ohne die Götter fertig zu werden gemeint und später den Beistand der Athena ausdrücklich verschmäht hatte, welche bei Sophokles sein Schicksal entscheidet. Darum ist er im Waffengerichte unterlegen, darum schlägt die Göttin ihn mit Wahnsinn, als er in der Nacht ausgeht um sich an den Atriden und an Odysseus zu rächen, so daß er statt ihrer die Heerde trifft; eine Schmach die der Hochgesinnte um keinen Preis überleben mag. Also stürzt er sich in sein Schwerdt, das Schwerdt des Hektor, welches ihm dieser in dem bekannten Zusammentreffen für seinen Gürtel gegeben und welches sich nun als das Geschenk des Feindes an seinem Leben erwiesSoph. Ai. 661 ff. 756 ff. 815 ff. 1026 ff.. Doch hat die attische und andrer Griechen Verehrung auch diesem Heroen trotz eines solchen Endes zu den höchsten Attributen des Heroendienstes verholfenNach der kleinen Ilias wurde Aias nicht einmal ordentlich verbrannt, so zürnte Agamemnon, Eustath. Il. 285, 34, vgl. Horat. S. 2, 3, 187 ff. Doch entschied sich mit der Zeit die Meinung immer mehr zu seinen Gunsten, wozu sein Charakter als Aeakide und sein Cultus in Athen und andern Gegenden nicht wenig beitrug, vgl. Pind. N. 7, 20 ff.; 8, 23 ff, Welcker kl. Schr. 2, 291. Von dem Aianteion am Hellespont, wo die Rhodier einen Ort desselben Namens gründeten, entsprechend dem Achilleion am andern Flügel des alten Schiffslagers, s. Str. 13, 595, Plin. 5, 125, Paus. 1, 35, 3, welcher aus dem Munde der späteren Bevölkerung dieser Gegend die Sage erzählt daß die Waffen des Achill nach dem Schiffbruch des Odysseus bei dem Grabe des Aias antrieben. Ueber den Cult auf Salamis und in Athen s. unten. und ausgezeichnete Künstler beschäftigten sich mit seiner KatastropheParrhasios, Timanthes u. A., Plin. 7, 126; 35, 72. 136, Overbeck a. a. O. 561 ff., welche von dem griechischen Theater auf das römische verpflanzt wurde, während der Volksglaube 443 späterer Zeiten in der Hyakinthosblüthe die Anfangsbuchstaben seines Namens und den Ausdruck seiner Klage erkannteEuphorion b. Meineke Anal. 69. 123 vgl. Ovid M. 13, 394, Plin. 21, 66, Paus. 1, 25, 3. Auch b. Soph. Ai. 430 wird der Name Αίας mit αιαι̃und αιάζειν combinirt..

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