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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 10
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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c. Io.

Diese Fabel gehört wesentlich zu der Umgebung des argivischen Heradienstes, eben so wesentlich wie die ihr in mehrfacher Hinsicht verwandte Heraklesfabel. Sobald aber die am Himmel beobachteten Vorgänge auf die Erde übertragen und im Sinne der mythischen Geographie erklärt und weiter ausgeführt wurden, hat sich daraus unter Einwirkung des Verkehrs mit Byzanz und Aegypten eine Geschichte gebildet, in welcher der symbolische Kern zwar noch zu erkennen, aber durch so viele jüngere Elemente doch sehr verdunkelt ist.

Io ist der MondSpäte Schriftsteller behaupten daß ’Ιὼ im Dialekte der Argiver den Mond bedeute, Suid. v. ’Ιὼ, Eustath. z. Dion. P. 92 u. A. Welcker Aeschyl. Tril. 127 erklärte das Wort durch ιέναι, doch ist die erste Sylbe in Io gewöhnlich lang. (Ovid Her. 14, 103 gebraucht sie kurz.) Andre haben an einen Ursprung dieses Namens aus Aegypten gedacht, da ioh im Koptischen der Mond heiße. Doch war der aegyptische Mondgott männlich oder mannweiblich, s. Plut. Is. Osir. 43 (Parthey S. 191) u. Pott. Jbb. f. class. Phil. S. B. 3, 300 ff. als wandelbarer und wandelnder, wie diese beiden Eigenschaften des Mondes denn das Gemüth und die Phantasie des Volkes und seiner Märchen und Sagen von jeher am meisten beschäftigt haben. Sie ist eine Priesterin der Hera, weil diese die Himmelskönigin ist. Als schöne Jungfrau erregt sie die Liebe des Zeus und wird deswegen von der Hera in eine Kuh verwandelt (das gewöhnliche Symbol des gehörnten Mondes) und dem Argos Panoptes zur Hut übergeben, dem riesigen Hirten mit den tausend Augen, welcher den gestirnten Himmel bedeutet (1, 303) und im Minotauros oder Asterion, dem Wächter des kretischen Labyrinths, sein Gegenbild findet. Ob die Dichtung von diesem Argos Panoptes und vom Hermes Argeiphontes gleich ursprünglich zur Iosage gehörte oder nicht muß dahingestellt bleiben; jedenfalls bedeutet die Entführung der Kuh durch Hermes am wahrscheinlichsten das zeitweilige Verschwinden des Mondes und seine Wanderung durch unbekannte Gegenden, bis er im Osten als Vollmond wiedererscheint. 39 Denn mit dieser Entführung beginnt der Wahnsinn der Io und ihr Umherirren durch den finsteren Norden bis zu dem Lande der Verheißung im lichten Osten, wie diese Schilderungen uns besonders durch Aeschylos bekannt sind. Die geographische Beschreibung dieser verworrenen Bahn wurde theils durch das beliebte Spiel mit Namen bestimmt, wie dieses bei der Beziehung des ionischen Meeres und der beiden Bospori auf den Namen und die Gestalt der Io der Fall ist, deren schon durch die Mythe bestimmtes Bild die griechischen Seefahrer und Ansiedler in jene Gegenden begleiteteΒόσπορος eigentlich eine so enge Meeresstraße daß eine Kuh hinüberschwimmen kann, dann auf die Io bezogen, wie dieses namentlich am thrakischen (früher mysischen) und am kimmerischen Bosporos der Fall war, außer welchen man später auch einen indischen Bosporos kannte, s. Aesch. Pr. 133, Sappl. 544, Eurip. Iph. T. 393, Schol. Apollon. 2, 168, Steph. B. v. Βόσπορος, Eustath. Dionys. P. 140 u. A. Die Erklärung dieser Benennung durch argivische Ansiedler in Byzanz b. O. Müller Proleg. 132 scheint mir weder nöthig noch sonst gerechtfertigt., theils durch das Entgegenkommen des verwandten Bildes der Isis in AegyptenHerod. 2, 41 τὸ γὰρ τη̃ς ’Ίσιος άγαλμα γυναικήιον βούκερών εστι κατάπερ ‛Έλληνες τὴν ’Ιου̃ν γράφουσι.. Dieses führte weiter dahin daß Io in Aegypten die Mutter des Epaphos d. h. des aegyptischen Apis und durch ihn die Stammmutter eines Geschlechtes von Königen und Helden wurde, welches sich nach den Lehren der griechischen Logographie von Aegypten aus über Phoenikien, Kilikien, Theben und Argos verbreitet hatte.

Io hieß als argivisches Landeskind nach der gewöhnlichen Ueberlieferung einfach eine Tochter des lnachosSo bei Herodot, den Tragikern, Ovid, Lukian u. A., wie Phoroneus und hin und wieder auch Argos Panoptes. Doch ließen andre Genealogen sie von andern Heroen der argivischen Vorzeit abstammen, welche an solchen alten Namen reich war: bald vom Iasos, durch welchen man einen älteren Namen der Landschaft ’Ίσσον ’Άργος zu erklären suchteApollod. 2, 1, 3, Paus. 2, 16, 1 vgl. Odyss. 18, 246 m. d. Schol. u. Eustath., Hesych, Steph. B. v. ’Ίσσος. Aristid. rhet. p. 3 ed. Ddf. ’Ίσσος γὰρ ὰν ούτω γε νικώη περὶ λόγους καὶ Κρίασος καὶ Κρότωπος καὶ Φορωνεὺς καὶ εί τις ’Αργει̃ος εκ μύθου., bald vom Peiren oder Peiras oder Peirasos, den die Ueberlieferung des argivischen Heradienstes als Stifter des ersten, angeblich aus einem Birnbaum zu Tiryns geschnitzten Bildes dieser Göttin nanntePlut. de Daedal. b. Euseb. pr. ev. 3, 8 λέγεται δὲ Πείρας (gen. Πείραντος) ο πρω̃τος ’Αργολίδος ‛Ήρας ιερὸν εισάμενος τὴν εαυτου̃ θυγατέρα Καλλίθυιαν ιέρειαν καταστήσας εκ τω̃ν περὶ Τίρυνθα δένδρων όχνην τεμὼν ευκτέανον ‛Ήρας άγαλμα μορφω̃σαι, vgl. Clem. Protr. p. 41 u. Bd. 1, 135, [344]. Paus. 2, 16, 1; 17, 5 u. Schol. Eur. Or. 920 nennen ihn Πείρασος, bei Hesiod u. Akusilaos hieß er Πειρήν, s. Apollod. l. c. u. Herodian π. μον. λεξ. 17, 4.. Dieselbe 40 Ueberlieferung kannte Io als erste Priesterin der Hera und zwar unter dem Namen Καλλιθόη oder Καλλίθυια, welcher die Bedeutung einer Schwärmenden hatDie Phoronis b. Clem. Str. 1 p. 418 Καλλιθόη κλειδου̃χος ’Ολυμπιάδος βασιλείης ‛Ήρης ’Αργείης etc. Καλλίθυια Πείραντος heißt sie bei den Chronologen und b. Aristides l. c, vgl. Scaliger z. Euseb. p. 24A, ’Ιὼ Καλλιθύεσσα b. Hesych s. v. Vgl. Aesch. Suppl. 291 κληδου̃χος ‛Ήρας, v. 548 ed. G. Hermann θυιὰς ‛Ήρας d. h. eine in heiliger Aufregung Schwärmende, s. Bd. 1, 537, [1685]., also wie jener Wahnsinn und die Irren der Io auf die verworrenen Wege des Mondes deutet. Unter diesem Namen wurde Io in dem seit Hellanikos von den Chronologen oft benutzten Verzeichnisse der argivischen Herapriesterinnen als die erste einer langen Reihe genannt. Ja eine spätere Ueberlieferung kannte diese Kallithyia auch als Mutter eines argivischen Heroen, des Trochilos, welcher zugleich für den ersten Fuhrmann des Landes gleich dem attischen Erichthonios und für den ersten Hierophanten gelten mußte, so daß man ihn sogar zum Vater des attischen Triptolemos und diesen dadurch zu einem argivischen Heroen gemacht hatΤροχίλος von τροχὸς das Rad, vgl. Schol. Arat. Phaen. 161 u. Paus. 1, 14, 2..

Die gewöhnliche Erzählung aber der Sage, wie sie seit Hesiod, Akusilaos und Aeschylos bis Ovid und Hygin wiederholt zu werden pflegteHesiod im Aegimios u. in den Katalogen, s. Kirchhoff im Philol. 15, 13. Vgl. Apollod. 2, 1, 3, Ovid M. 1, 582–750, Hygin f. 145., ist folgende. Zeus liebt die schöne Priesterin der Hera, welche sie aus Eifersucht verwandelt, oder wie zuerst Hesiod erzählt hatte, Zeus verwandelt seine Geliebte in eine Kuh, nehmlich um seine Liebe zu ihr abschwören zu könnenVgl. Bd. 1, 108, [249]. Bei Aesch. Suppl. 299 verwandelt Hera, um ihre Priesterin dem Zeus zu entziehen, die Io in eine Kuh, worauf Zeus sich in einen Stier verwandelt. Bei Ovid M. 1, 597 überrascht Zeus sie in der Gegend von Lyrkeia, d. h. an den Inachosquellen, in der Gestalt eines dichten Nebels.. Immer ist diese Kuh eine schimmernd weiße und strahlendeβου̃ς λευκή b. Apollod., nitens, nivea b. Ovid. Auf Bildwerken erscheint Io bald als Kuh, z. B. auf den Münzen von Byzanz mit der Inschrift Πυ, auch auf Gemmen und alterthümlichen Vasenbildern, bald als παρθένος βούκερως d. h. als gehörnte Jungfrau, ausnahmsweise auch als Kuh mit menschlichem Oberleibe d. h. im Augenblicke der Verwandlung, vgl. Mosch, id. 2, 45, Virg. A. 7, 790, Gerhard Myken. Alterthümer Berl. 1850. wie der Mond, und immer ist das Symbol älter als 41 die Sage, wie dieses Symbol denn ohne Zweifel eine alte Ueberlieferung des Cultus der Hera war. Hera fordert darauf die Kuh vom Zeus und setzt ihr zum Wächter den Argos Panoptes, welcher in der späteren Tradition auch zum Heroen mit verschiedenen Genealogieen und verschiedenen Abenteuern geworden istBei Aeschylos ist er γηγενής, bei Andern galt er für einen Sohn des Inachos oder des Agenor oder des Arestor u. s. w. Seine Thaten betreffen meist Arkadien, Apollod. l. c.. Argos bindet die ihm anvertraute Kuh an einen Oelbaum des Hains der Hera zwischen Myken und Argos, welcher fort und fort gezeigt wurdeApollod. ου̃τος εκ τη̃ς ελαίας εδέσμευεν αυτήν, ήτις εν τω̃ Μυκηναίων υπη̃ρχεν άλσει. Plin. 16, 239 Argis olea etiam nunc durare dicitur, ad quam Io in vaccam mutatam Argus adligaverat. Also in dem Haine am Berge Euboea, welcher bald zu Myken bald zu Argos gerechnet wurde, je nachdem dieses oder jenes die Oberherrschaft hatte. Auch der Name Εύβοια wurde gewöhnlich auf die Io bezogen, s. Bd. 1, 133, [335]., während die Dichter diese Weide der Io bald auf die lernaeische Flur bald in den schönen Thalgrund von Nemea verlegtenAesch. Pr. 673 ff., Lukian D. D. 3, Et. M. v. ’Αφέσιος.. Dann erscheint Hermes im Auftrage des Zeus um die Tausende der Augen des Wächters durch den Zauber seiner Flöte und seines Stabes einzuschläfern, worauf er ihm mit einem Sichelschwerdte, demselben welches Hermes später dem Perseus überließ, den Kopf abschneidetFalcato ense b. Ovid M. 1, 717 und auf Münzen und Gemmen, während Hermes auf den Vasenbildern gewöhnlich mit einem Schwerdte bewaffnet ist. Bei Apollodor warnt ein Falke den Argos, den Hermes dann durch einen Steinwurf tödtet.. Die Augen setzt Hera auf den Schweif des Pfaus, des ihr geheiligten Vogels, welcher wie Argos Panoptes ein Symbol des gestirnten Himmels warOder der Pfau entsteht aus dem Blute des Argos, Mosch. id. 2, 58.. Der ganze Vorgang, von der Verwandlung der Io bis zur Enthauptung des Argos und ihrer Flucht, ist auf vielen Denkmälern, Gemmen, Münzen, Vasengemälden im Bilde vergegenwärtigtPanofka Argos Panoptes, Berl. Akad. 1837, Gargallo Grimaldi Ann. d. I. 1838 p. 253–266, M. d. I. 2 t. 59, El. céramogr. 3 t. 98–101, Minervini Bullet. Napol. 3, 42–46. 73 t. 4.. Denn gleich nachdem Tode des bewachenden Riesen beginnt die große Wanderung der Io durch den Norden nach Osten, wie andre Dichtungen von der großen Bahn der Selene reden, nach welcher dieselbe frischgebadet im Okeanos mit leuchtendem Gespanne wiederkehre, eine Geliebte 42 des Zeus und von ihm die Mutter der Pandia d. h. des Vollmonds (1, 3471, 347). Motivirt wird dieser verworrene Lauf durch wilde Angst und Wahnsinn, in welchen Io durch eine von der Hera auf sie losgelassene Kuhbremse, die Plage der Heerden in südlichen Ländern, versetzt wirdAesch. Suppl. 540 ένθεν ’Ιὼ οι̃στρω ερεσσομένα φεύγει αμαρτίνοος, πολλὰ βροτω̃ν διαμειβομένα φυ̃λα, vgl. Odyss. 22, 300, Virg. Ge. 3, 148. Daher οιστροπλήξ b. Aesch. Pr. 681 u. Soph. El. 5. Im Prometheus des Aeschylos wird sie vom Gespenst des getödteten Riesen verfolgt, bei Ovid M. 1, 725 durch eine schreckliche Furie, bei Hygin f. 145 durch die personificirte Formido.. So geängstigt rennt sie zunächst nach Norden längs der Küste des Meeres, welches von ihr den Namen des ionischen bekommen haben sollAesch. Pr. 829 ff., Apollod., Hygin, bei welchen sie vor Angst ins Meer springt, vgl. Schol. Apollon. 4, 308, Tz. Lykophr. 630., dann über Illyrien und den Haemos an den thrakischen Bosporos bei Byzanz, wo man sich mit ihrem Andenken viel beschäftigteMan zeigte bei Byzanz die Weide der Io in dem anmuthigen Wiesengrunde, welcher jetzt den Namen der süßen Wasser von Europa führt. Ihre angebliche Tochter Κερόεσσα d. h. die Gehörnte d. i. Io selbst galt für die Mutter des Byzas. Auf den Münzen der Stadt ist die über einen Delphin schreitende Kuh das Symbol des Bosporos. Vgl. Hesych Miles. 6–8.. Von dort führte sie die gewöhnliche Sage weiter nach dem Lande der Skythen und an den kimmerischen Bosporos, worauf sie noch viele andre Länder und Meere durchirren mußteApollod. πολλὴν χέρσον πλανηθει̃σα καὶ πολλὴν διανηξαμένη θάλασσαν Ευρώπης τε καὶ ’Ασίας. Hesych Mil. ‛Ήρα δὲ χολωθει̃σα επὶ τω̃ γενομένω οι̃στρον επιπέμπει τη̃ δαμάλει καὶ διὰ πάσης αυτὴν ελαύνει ξηρα̃ς τε καὶ υγρα̃ς. Später ließ man sie auch wohl umgekehrt zuerst an die beiden Bospori und dann an das ionische Meer gelangen. Ammian. Marc. 22, 8, 13., bis sie endlich nach Aegypten kommt, wo sie durch Zeus ihre alte Gestalt wiedergewinnen und die Mutter des Epaphos werden sollte. Natürlich wurden diese Wanderungen der Io von den Dichtern mit freier Phantasie geschildert, wie davon namentlich Aeschylos ein Beispiel giebt, der noch dazu selbst in den Schutzflehenden anders dichtet als im Prometheus. In jenem Stücke nehmlich v. 544 ff. rennt sie, nachdem sie den thrakischen und kimmerischen Bosporos durchschwommen, durch Phrygien, Mysien, Lydien, Kilikien und von da wie es scheint über Cypern durch das Meer nach Aegypten. Im Prometheus dagegen vs. 706 ff. und 790 ff. sind diese Wege weit künstlicher und schwieriger, obwohl wir dem 43 Dichter nicht sicher folgen können, denn offenbar sind manche Verse ausgefallen und verschiedene Namen sind nicht verständlich. Vom ionischen Meere ist sie durch die skythische Wüste zum Prometheus gelangt (1, 77), welcher den ihr noch bevorstehenden Weg als Seher beschreibt. Sie werde von dort weiter an den Kaukasos und über denselben zu den Amazonen gelangen, welche sie über den kimmerischen Bosporos, die Grenze von Europa und Asien, führen würden. Hier solle sie weiter gegen Morgen gehen und werde dann noch viele unbekannte Gegenden bis an die äußersten Grenzen des Südens und des Nordens durchschweifen müssenOffenbar sind die Graeen und Gorgonen einerseits und die Greife und Arimaspen andrerseits nur die äußerste Grenze der Wanderungen, über welche im Einzelnen nicht mehr aufs Klare zu kommen ist. Die Aethiopen sind nach Suppl. 285 die Nachbarn der Inder. Ueber die Quellen des Helios s. Bd. 1, 3371, 337., bis sie endlich zu den Aethiopen an den Quellen des Helios und an den Fluß Aethiops gelangen werde. Dieser werde sie an den Nil und der Nil in das Delta seiner Mündung führen, wo ihrer und ihres Stammes die bessere Zukunft warte. Denn dieses bleibt immer das Ziel der Verheißung und der letzte Ausgang von so vielen Leiden und Prüfungen. Dort, so sagen die Dichter seit Aeschylos und Pindar, an der Nilmündung von Kanobos, habe Io ihre alte Gestalt und Schönheit wiedererlangt und vom Zeus mit sanfter Hand berührt den Epaphos geborenAesch. Pr. 846 ff. Der Name ’Έπαφος von der Berührung des Zeus, βοὸς εξ επαφη̃ς Suppl. 16, vgl. 45. 312. 535. Schol. Eur. Phoen. 678 ότι ο Ζεὺς επαφησάμενος τη̃ς ’Ιου̃ς πάλιν εις γυναι̃κα αυτὴν μετεμόρφωσε. Apollod. όπου τὴν αρχαίαν μορφὴν απολαβου̃σα γεννα̃ παρὰ τω̃ Νείλω ποταμω̃ ’Έπαφον παι̃δα. Ovid M. 1, 738 vultus capit illa priores fitque quod ante fuit. Stat. Theb. 6, 278, Hygin f. 145. Io als Kuh durch das Meer schwimmend, Zeus sie am Nil berührend und verwandelnd, Hermes den Argos tödtend, d. h. die Wanderung, ihr Anfang und ihr Ende, in drei Bildern an einem goldnen Korbe b. Mosch. 2, 44–61. Schönes Bild von der Ankunft der Io in Aegypten b. R. Rochette peint. de Pompei t. 17, Zahn 3, 8., den Sohn des Zeus und gesegneten König des fruchtbaren Nilthales, wo er viele Städte, namentlich Memphis gründetePind. N. 10, 5 πολλὰ δ' Αιγύπτω τὰ κατώκισεν άστη ται̃ς ’Επάφου παλάμαις, nehmlich Argos durch den von dort stammenden Epaphos. Vgl. Pyth. 4, 14 u. Aesch. Suppl. 581, welcher den Epaphos δι' αιω̃νος μακρου̃ πάνολβον nennt. Nach Aesch. Suppl. 311 wurde Epaphos in Memphis geboren, nach Apollod. heirathete er Μέμφιν τὴν Νείλου θυγατέρα und benannte nach ihr die Stadt.. Er entspricht dem aegyptischen Apis, welcher 44 vornehmlich in Memphis verehrt wurdeHerod. 2, 153, Strabo 17, 807, welcher den Apis für identisch mit Osiris erklärt. Vgl. Ovid M. 1, 747 ff., da Io je länger desto mehr mit der Isis verschmolz, vorzüglich in den Zeiten und an den Orten griechischer Bildung z. B. in Alexandrien.

Auch die phoenikische Astarte wurde als wandernde Kuh gedacht und unter diesem Bilde oder als gehörnte Frau dargestellt, daher auch sie mit der Isis und in Folge davon mit der Io identificirt wurde. Also sucht nun auch diese, gleich der aegyptischen Isis, nachdem sie durch böse Mächte ihren Knaben verloren, denselben durch ganz Phoenikien und Syrien, auf welcher neuen Wanderung Io namentlich in Byblos einkehrtApollod. l. c. vgl. Plut. Is. Osir. 15. 16, Lukian Dea Syr. 7. Damit hängt zusammen das Fest der άφιξις ’Ίσιδος εκ Φοινίκης, Plut. l. c. 50, wodurch sich ein Gedicht des Kallimachos ’Ιου̃ς άφιξις Suid. erklärt.. Darauf wendet sie sich, nachdem sie den Epaphos gefunden, zurück nach Aegypten, wo sie jetzt dem Könige Telegonos ihre Hand reicht und ein Bild der Ceres stiftet, vielleicht das der Ceres oder Isis Pharia, welches wegen seiner alterthümlichen Form mehrfach erwähnt wirdTertull. Apol. 16, ad Nat. 1, 12. Auch diese Isis wurde mit der Io identificirt, welche den Boden Aegyptens zuerst auf der Insel Pharos betreten habe, Sync. p. 237. Daher die Pharia iuvenca, quae bos ex homine est, ex bove facta dea, und welche die Sternkundigen auch am Himmel nachzuweisen wußten, Ovid F. 5, 619 ff., Hygin P. A. 2, 21.. Wieder andre Sagen und Culte sind aus der Verschmelzung dieser Fabeln mit der jüngeren argivischen Mythologie entstanden, da zu solchen Combinationen im hellenistischen Zeitalter nicht selten zufällige Namensanklänge einen hinreichenden Anlaß gaben, z. B. wenn man erzählte daß der argivische Triptolemos von seinen Landsleuten ausgeschickt sei um die in Tyros verschwundene Io zu suchen. Er sei deshalb zuerst in Kilikien umhergestreift, wo damals einige Argiver seiner Begleitung Tarsos gegründet hätten, und darauf nach Syrien gelangt wo er sich am Orontes niedergelassen habe, während sein Sohn Gordys noch weiter vorgedrungen sei. Die Nachkommen jener argivischen Ansiedlung am Orontes seien später nach Antiochien verpflanzt worden, wo Triptolemos als Heros verehrt wurdeStrabo 16, 750 vgl. O. Müller Qu. Antiochen. 18 sqq. Eine ähnliche Bewandniß hat es mit der Io in der Gegend von Gaza und Iope s. Stark Gaza 586. und neben ihm Io, welche sich aus Aegypten in diese Gegend geflüchtet und einem Orte Ione oder Iopolis am Berge 45 Silpion ihren Namen gegeben habe; daher sich Antiochien zugleich von Argos und von Athen abzustammen rühmte. So hatte sich mit dem Strome der Bildung auch der Strom der Sage geradezu umgekehrt, denn dieser attisch-argivische Triptolemos in Antiochien ist in der That nichts Anderes als ein umgekehrter Kadmos.

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