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Grenadier Wordelmann

Georg Hermann: Grenadier Wordelmann - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorGeorg Hermann
titleGrenadier Wordelmann
publisherDas Neue Berlin
printrun2. Auflage
editorBernhard Kaufhold
year1976
firstpub1930
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131104
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wgs9110
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Und dann kam nach einer kurzen Nacht für Schmitzdorff das tägliche Leben, und das laufende Band der Arbeit begann wieder zu rollen. Im Haus, in den Ställen, in der Remise und der Scheune, auf dem Feld, dem Garten, dem Acker, dem Krug mit durchfrorenen Gästen nach der Nachtfahrt – denn die Post, die ja eigentlich hier nicht halten sollte, tat es doch stets unter einem andern Vorwand – und mit ein paar Bauern des Abends, die noch eine halbe Stunde bei einem Krug Dünnbier sitzen wollten. Mit Scheuern und Kochen für die Sophie. Und mit dem Malchen, die doch die Mutter brauchte, wenn auch der Karo das Kindermädchen ersetzte.

Es waren eigentlich schöne Tage, recht warm noch und mit kaum einem Tropfen Regen. Aber schon mit viel Tau in den Nächten, wie meist um diese Zeit, wenn die Astern blühen und die Sonnenblumen mit ihren großen Blumenköpfen über die vergrünten Holzzäune der Bauerngärten sehen. Wenn die Felder schon abgeerntet sind oder gerade abgeerntet werden, bis auf Futterrüben und Kartoffeln, die noch warten müssen. Wenn die Rebhühner sich zu Völkern zusammentun und nach kurzem Schwirrflug mal hier, mal da einfallen. Wenn die Hasen, die solang im hohen Korn tagsüber gut verborgen sich halten konnten, wieder in den Feldrainen Deckung suchen müssen ... Wenn die Drosseln schon an den schwarzen Holunderbeeren zupfen ... Wenn die Singvögel, einer nach dem andern, Abschied nehmen und dafür wieder die Saatkrähen und die grauen Nebelkrähen, die man lange Zeit nicht gesehen hatte, in ganzen Schwärmen dem Pflüger nachziehn, der das Land schon für das Winterkorn neu umbricht ... Wenn in den Mittagsstunden auf den letzten hohen Blüten der roten Disteln – die andern stäuben schon als Samen, von den Distelfinken zerrupft, durch die stille Luft dahin – in der mattgolden Sonne die letzten Schmetterlinge mit dem bunten Rad ihrer Flügel melancholisch schon sich drehen und gar nicht mehr auffliegen wollen ... Also wenn es eben nicht mehr Sommer ist und auch noch nicht Herbst mit schwelenden Kartoffelfeuern, deren Rauch in den Nachmittagsstunden bis zur frühen Dunkelheit das ganze Land verschleiert ... Wenn die Wälder noch nicht gelb sind. Aber wenn hier ein Zweig sich verfärbt und dort ein Birkenbusch zwischen den Krüppelkiefern wie eine kleine, gelbe, seidene Fahne zu lodern schon beginnt und die Weidenruten am Graben über Nacht spitze Blättchen ins Wasser zu streuen anfangen, solche, die noch ganz grün sind und doch sich vom Zweig schon lösen, als ob sie des Spiels müde würden. Schöne, aber nachdenkliche Tage!

Zwischen Schmitzdorff und der Sophie war es eigentlich nicht viel anders, als es vordem gewesen war und wie es schon ähnlich gewesen war, als seine erste Frau langsam verblödete und dahinsiechte und an Trunk zugrunde ging. Nur, daß sie beide jetzt in einer klareren Luft lebten, leichter atmeten, nicht mehr das Gefühl hatten, daß sie sich oder irgend etwas sonst zu verbergen hätten; nur, daß sie nicht mehr auseinanderfahren mußten, wenn sie beisammensaßen und hörten, daß draußen noch jemand vorüberging, der vielleicht doch noch in den Krug kommen könnte und sie überraschen. Daran, daß es doch vielleicht bei ihrer Trauung nicht mit rechten Dingen zugegangen war, dachten sie nicht. Oder wenn sie wirklich daran dachten, so dachten sie es schnell wieder weg. Wozu auch?

Auf der Straße oder im Feld konnte man sie aber nicht zusammen sehen, da ja des Kindes wegen, das sich die Sophie gleich am nächsten Morgen ganz in der Frühe von ihrer Schwester Wilhelmine, der Fischern Krüger, wiedergeholt hatte, und des Krugs wegen einer doch immer zu Hause sein mußte. Und das war gut so. Denn so kam es, daß der Gendarm Jaensch und der Schulze Lier, denen es wohl niemand mitgeteilt hatte, daß sie doch jetzt beide zusammen lebten, sie vorerst unbehelligt ließen.

Sophie hatte aber ihrer Schwester alles erzählt, wie sie mit königlicher Genehmigung sich hätten trauen lassen. Denn ihr Christian wolle doch den Pastor hier, der sich so obstanatsch gegen sie gezeigt hätte, nichts zu verdienen geben.

Und die Mine hatte sich aufrichtig damit gefreut. Denn wenn sie auch neben ihrem roten Esau in einem Jahrzehnt aus einer feisten, weißblonden und stets lachenden Bauerndirne zu einer mürrischen, verschmutzten und abgearbeiteten Frau geworden war, so war sie doch im Kern das gute Tier geblieben, das sie von je war. Und sie gönnte ihrer kleinen Schwester alles, was die sich nur wünschte, ohne oder mit priesterlichem Segen. Warum nicht: Der Vater Christian war immer ein anständiger Mann gewesen, der jut und freundlich zu sie jewesen war und den sie alle gern gehabt hatten, der ihnen im Winter Holzpuppen geschnitzt und Puppenwagen zum Fest gebaut hatte, der von der Landwirtschaft etwas verstand, mit den Tieren von je eine glückliche Hand hatte, mit dem Krug sich viel Mühe gab, sehr fleißig war und nicht trank – sie begriff gar nicht, warum ihre Schwester Anna, die Eue, immer so auf ihm jetzt herumhackte!

Und vor allem war er ja auch noch ganz rüstig. Man sah ihm seine Jahre – ja, aber wie alt war er denn eigentlich? – nicht an. Wenn ihre Schwester Sophie ihn wollte und ihn gern hatte, ging das doch keinen Menschen sonst was an. Später könnte sie sich immer noch mal einen jüngeren heiraten. Und daß das Malchen jetzt einen Vater bekommen hatte, war auch sehr recht. Jewiß is keiner schlecht zu so 'n Würmchen – wat kann et denn davor? Aber ein Vater is eben doch wat anderes. Es tat ihr wirklich leid, daß es wieder aus dem Haus war. Man jewöhnt sich doch an so een Kind wie an einen vernünftigen Menschen.

Na, sie hatte ihre Pflicht getan und die Sophie so lange bei sich gehabt, wie es ihr der Gendarm Jaensch und der Schulze Lier aufgegeben hatten, bis sie nun die Erlaubnis vom König bekommen und geheiratet hatte. Weiter hatte sie, als Schwester, nichts damit zu schaffen. Das andere ging sie jar nischt an. Ihr Krüger hatte dem Vater Christian schon den richtigen Rat gegeben mit de Bittschriftenlinde. Ohne ihren Mann wären die noch heute jenau so schlau wie vorher.

Und eines Abends, zu Beginn der nächsten Woche, spät, als alle schon fort waren und es ganz still war, klopfte es noch, und es kam ein Mann herein mit einem Käppchen und einem dunklen Tuchrock und Schnallenhosen, still, und mit einem blassen und fast weißen Gesicht und einem kleinen blonden oder mehr braunroten geteilten Bart. Er hatte einen Packen auf dem etwas krummen Rücken und sehr langsame Bewegungen seiner kleinen weißen Hände. Es sah aus, als ob er Harfe spielte.

»Verzaihn Se, Madame«, sagte er zu Sophie, als er den Packen auf die Bank stellte, »kann ich vielleicht den Herrn Schmitzdorff sprechen, ich hab' e Kommission for ihm.«

Aber dann kam Schmitzdorff, der hinten im Stall noch mal gefüttert hatte, schon hereingestapft.

»Na, wat bringste denn noch so spät auf de Nacht, Jude«, sagte er breit, denn er hatte diesem stillen kleinen Mann gegenüber das Gefühl rassenmäßiger Überlegenheit. Er war nicht böse auf ihn. Wollte ihm nichts Schlimmes. Aber er hatte die Empfindung, daß es nichts mehr als ein netter Scherz von ihm wäre, wenn er ihm zum Beispiel jetzt am Bart zupfen würde. Während wieder der Nathan Reimann den Schmitzdorff von der lebensabgewandten Warte seiner Talmudgelehrsamkeit überhaupt nicht mehr erblickte. Daß er mit alten Kleidern handelte und Kommissionen lief und dadurch mit allerhand Menschen unbelehrbarer Art zusammentreffen mußte, war eine Nebensächlichkeit im Dasein, ungefähr so, als ob man sich die Nase wischte, und war so winzig und abseits, daß diese Menschen überhaupt nicht zur Diskussion für ihn standen.

Und sicher war das eine vom wahren Sinn des Menschentums ebenso weit entfernt wie das andere.

»Komm, setz dir hin und schwenk erst mal eenen in de Jacke, wird schon kühl auf de Nacht jetzt!« rief Schmitzdorff und drückte den kleinen Mann mit seinen beiden riesigen behaarten Händen auf die Ofenbank nieder. Das machte ihm Spaß.

»Verzeihn Se«, sagte Nathan Reimann wieder, ich muß doch noch weiter. Aber Se wissen ja, wenn mir de Madame in mein Kasseröllchen hier e paar Eier kochen würde – ich hab' seit heute früh um neune nichts mehr zu mir genommen –, so wäre ich ihr dafür dankbar.«

»Ach was, hier nimm dir 'ne Schmalzstulle, essen hält Leib und Seele zusammen, wat in 'n Mund 'rinjeht, is keene Sünde, aber wat 'rausjeht, kann eene werden.« Er tapschte dem Nathan Reimann wieder auf die Schulter. »Da muß dir doch schonst ganz schwach und flau sein?«

»Frieher«, sagte mit einem leisen Lächeln der Nathan Reimann, »hab' ich sogar jede Woche e Tag gefastet. Aber heut bin ich nicht mehr so verrückt fromm. Ma soll fröhlich in Gott sein.«

Da kam die kleine Sophie wieder mit der Kasserolle und den Eiern herein, und Nathan Reimann sah sie mit seinen milden blauen Augen von unten herauf und wie erwachend aus seinen Gedanken an. »Du hast e scheene Frau, Bauer«, sagte er, »wie Rahel, von der in de Schrift steht, se wäre klein und zierlich gewesen. E Baum is scheen, e scheenes Tier is scheen, aber scheener is doch e scheener Mensch, wo durch sein Ponem de Seele Gottes wie e Kerze durch e Laterne von innen her durchschimmert. E scheene Frau is wie e Brosche, wie e Segensspruch for eenen Mann, wo schon bei Jahren is. Ich wünsch' der, daß de recht lange dich an ihr freuen magst.« Und dann sah Nathan Reimann weg und beschattete mit der Hand die Augen. »Ich hab' schwache Augen, und wenn man nu so den ganzen Tag immer in de Sonne geht«, meinte er wieder entschuldigend, aber mit merkwürdig weinerlicher Stimme, »tränen se mer. Aber hier«, und er reichte dem Schmitzdorff ein eingeschlagenes Papier, »des hat ma mir für euch gegebben; was es is und soll, is mer nicht bekannt«, setzte er hinzu. Und man oder ein anderer wenigstens als Schmitzdorff hätte merken können, daß er, der Nathan Reimann, besonderen Wert darauf legte, das hier vor Zeugen festzustellen.

Also war es der Trauschein. Wußte er es nicht, daß dieser nette und lustige Grenadier Wort halten würde! Sophie hatte es nicht geglaubt. Aber er hatte ihr gleich gesagt, daß man sich auf den verlassen könnte. Eine sehr schöne Hand schrieb er nebenbei, der Hofprediger Behrens, fast noch schöner und schwungreicher als ein Bataillonsschreiber. Aber eigentlich hatte Schmitzdorff sich gedacht, er würde doch etwas anderes schreiben als das, was er, der doch kein studierter Mann war, ihm da aufgesetzt hatte. Er sollte sich doch nur danach etwas richten können, der Herr Hofprediger. Aber da das wohl genügte, so hatte er eben wieder recht.

Der Nathan Reimann erhob sich. »Verzaih, Bauer«, sagte er, »aber ich muß weiter. Ich hab' noch auf e adligen Landsitz zwischen Burg und Magdeburg e Kommission auszurichten, und da mecht' ich morgen in alle Friehe dort sein.« Vielleicht gab es so einen adligen Landsitz zwischen Burg und Magdeburg, aber sicher hatte da Nathan Reimann nichts zu suchen. Und dann schätzte er es auch nicht, daß man auf ihn die Hunde hetzte.

Damit jedoch nahm er gegen den Einspruch Schmitzdorffs seinen Packen von der Diele auf und ging.

Die zweieinenhalben Silbergroschen, die Schmitzdorff ihm aufgedrungen hatte – heute war er nicht so generös wie das letztemal mit einem Achtgroschenstück –, lagen, ebenso wie das damals, nachher, als Nathan Reimann fort war, wieder vor Schmitzdorff auf der Tischkante.

 

Aber in den nächsten Tagen sagte die kleine Sophie, daß sie doch Sonntag nachmittag ihre beiden Schwestern und ein paar Mädchen und Freundinnen von der Schule her zu Kaffee und Kuchen einladen wollte. Ihren Buchsbaumkranz mit Oranjenblüten hatte sie zu diesem Behuf schon in den Glaskasten gestellt. Und da die Oranjeblüten längst abgeblättert waren, wenn sie auch dem ganzen Kranz noch ein Spürchen ihres südlichen Duftes hinterlassen hatten, so hatte sie von dem Brautkranz ihrer Mutter wenigstens einige der künstlichen weißen Myrtenblüten mit dem Draht abgezupft und auf ihren Kranz hinübergepflanzt. Die Mutter hätte es ihr gewiß gern erlaubt, wenn sie sie noch hätte darum fragen können. Waren ihr doch ganz andere Dinge recht gewesen. Denn sie war es ja damals gewesen, die die Geschichte von dem nächtlichen Edelmann mit dem Tressenhut erfunden und in Umlauf gesetzt hatte.

Die kleine Sophie also schob nun tagelang große Napfkuchenformen und Bleche voll blauschwarzem Pflaumenkuchen und gelbgrünem Apfelkuchen, die für ein ganzes Volksfest gereicht hätten – genug, um einen Zimmerboden damit auszulegen! – in den Backofen. Schon Tage vorher roch man es bis draußen auf die Dorf Straße hinaus. Die Botenfrau mußte eigens nach Brandenburg und fünfundzwanzig Lot richtigen Bohnenkaffee und Rohrzucker statt des täglichen Sirups mitbringen. Denn in Wust bekam man beides nicht.

Schmitzdorff wollte zwar nicht, daß die Eues eingeladen würden. Einen Grund konnte er nicht dafür angeben. Er wollte es nur nicht. Er mochte diese Leute eben nicht. Wenn die da wären, würde ihm der ganze Kuchen nicht schmecken. Aber seine Frau sagte ihm, daß ihr doch die Anna das Kleid geliehen hätte, und ohne Kleid hätte sie doch nie und nimmer nach Potsdam zu ihrer Trauung gehen können. – So etwas mögen andere tun, sie jedenfalls hätte das nie getan. – Und dafür müsse man sich doch erkenntlich zeigen, janz jleich, wie man sonst über die Leute denkt. Und dann sei es doch mal ihre Schwester. Und sie wolle ihr ja jrade heute sagen, daß sie doch nicht mit dem Kleid zum Erntefest nach Gollwitz gegangen wäre, um sich da einen jungen Kerl anzukratzen, sondern in de Residenz nach Potsdam, um sich da mit ihren Christian trauen zu lassen. Wenn se des vorher gewußt hätte, die Anna, so hätte sie ja jar nich mit 'rausgerückt. Des aber würde sie ärgern. Und des würde sie jrade freuen.

Und am Sonntag nachmittag standen die schweren gelben Steinguttassen auf dem Tisch, von denen sie noch schnell ein Dutzend von einem herumziehenden Händler sich gekauft hatte. Aber sie konnten sie in der Wirtschaft brauchen, später. Denn die Gäste aus der Postkutsche, denen waren immer die Zinnäpfe nicht fein genug. Die behaupteten, Zinn wäre nicht sauber, diese Stadtnarren. Dabei wurde es doch alle vierzehn Tage sogar mit Zinnkraut gescheuert. Am Sonntag nachmittag standen also in einer langen Reihe die gelben Kaffeetassen auf einem langen Tisch und dazwischen die hochgehäuften Kuchenschüsseln und die zimmetbraunen Napfkuchen, wie schwere prähistorische Wagenräder aus jenen ganz frühen Zeiten, da man noch keine Radnaben kannte. Und zwischen diesen Kuchengebirgen wieder leuchteten in alten Zinnkrügen grellbunte Astern und orangene Studentenblumen und Amarant, fuchsrot und hängend, und sogar ein paar mächtige Sonnenblumen.

Denn daß man Blumen auf den Tisch und gar noch zu Kaffee und Kuchen stellen könnte, das hatte die kleine Sophie jetzt in Potsdam gelernt. In Wust hatte bisher, solange es bestand, und sicherlich war es schon fünfmal vordem entstanden und vergangen – und auch für diese seine Vorgänger kann besinnungslos gutgesagt werden –, noch niemand solchen Gepflogenheiten gehuldigt. Und es ist nur zu bedauern, daß die Zeit dafür zu kurz war, als das es Nachahmung hätte finden können. Denn es blieb ja leider bei dem einmaligen Versuch.

Und alle kamen; teils aus Neugier, teils, weil sie gern einen richtigen Kaffee und ein Stück Pflaumenkuchen hatten, und im ganzen eben doch, weil sie die kleine Sophie von früh an mochten. Noch vom Lehrer Müseler her. Manche der Freundinnen waren verheiratet. Und die andern hatten auch schon Kinder. Aber die Männer, die gegenwärtigen wie die zukünftigen, durften nachher nur kommen, sie abholen.

Und alle hatten sich sauber und hübsch und noch feiner dazu gemacht, als es der Sonntag schon bedingte. In weitröckigen, engmiederigen, vergißmeinnichtblauen, rosigen und lachsfarbenen, geblümten – und die ganz neumodischen sogar in gestreiften! – Kattunkleidern mit vielen Falbeln und Rüschen und Besätzen. Mancher Rock hatte wie ein Stadthaus Erdgeschoß und drei Etagen. Und die Mieder waren mit weißen, gerafften, hauchdünnen Gazefichus und Gazeeinsätzen, Gazeärmeln und Gazeschals durch die Schultern und Arme und Busen, deren Fülle sich einfach über die Enge der Mieder lustig machte, weniger rot erschienen, als sie es noch gestern abend auf dem Feld oder im Stall noch gewesen waren.

Alle konnten sich nicht gut bewegen so, alle sahen etwas schwerfällig aus und fühlten sich auch nicht allzu behaglich darin. Ebenso wie in den gepuderten und hochgebundenen und mit breiten roten oder blauen Bändern durchzogenen Flechten, die bei richtiger Verteilung für drei Frisuren gereicht hätten und nun wie zu dem Turmgehäuse einer riesigen Perlmutterschnecke zusammengedreht waren.

Gestern das Kopftuch auf dem Feld, das halb von der Schulter gerutschte Leinenhemd und der blaue Arbeitsrock aus selbstgesponnenem und selbstgewebtem und selbstgefärbtem und selbst mit Modeln bedrucktem Bauernleinen hatte ihnen allen eigentlich besser gestanden. Und die bloßen Füße mit den klar gegliederten Zehen, die so fest und sicher und schön auftraten, waren zu ihnen passender als die feinen Tuchschuhe mit den hohen Hacken, in die sie die bislang unverdorbenen Füße nun hineingezwängt hatten und die erst darauf hinwiesen, daß die Füße in keiner Beziehung zur Körpergröße eigentlich standen.

Dieser Sonntagsstaat gab den Bauernfrauen und Mädchen etwas merkwürdig Ruhiges und Steifes, das dadurch erhöht wurde, daß ihre Bewegungen langsam waren – manche trugen sogar Tüllhauben mit Silberstickereien, was sie doppelt feierlich machte, da es sie noch zwang, den Kopf hoch und gerade zu halten – und daß ihre Gesichter alle groß im Schnitt und sehr unbeweglich waren, da viel dumpfe Einfachheit und wenig an geistigem Leben hinter diesen Zügen lag. Solch eine konnte sicher drei Stunden wort- und reglos den Winternachmittag auf der Ofenbank sitzen und durch das Fenster in den Schneefall draußen sehen; oder sie konnte stundenlang mit ihrem Schatz Hand in Hand sitzen, ohne daß einer von ihnen beiden den Mund auftat. Weder er noch sie. Man ahnte nicht einmal, ob in der ganzen Zeit auch nur ein Gedanke über den unbelichteten Film ihres Hirns gehuscht war.

Also wenn auch die Kleider der Mädchen meist städtisch waren – nur die ältere Generation wie Schmitzdorff und sein Schwiegersohn Krüger, nicht der Eue, trugen mit ihren langen Leinenröcken und ihren roten Westen sich eigentlich noch bäurisch –, so machten es doch die Silberschnüre am Mieder, die die Frauen noch trugen, weil sie sie ererbt hatten, und die silbernen Ohrringe und die breiten Silberplatten, daß ihre Kleidung hier nicht als Mode, sondern weit eher zwischen den Blumen, den Kuchenbergen und den eigelben Porzellantassen hier als eine feste und altüberlieferte Tracht wirkte.

Schmitzdorff und seine beiden Schwiegersöhne, denn die Anna und ihr Mann mit dem Fußangelgesicht und die Wilhelmine mit dem roten Esau waren auch gekommen, waren die einzigen Männer zwischen so viel Frauen. Aber sie hatten gar nichts von ihrem Harem. Denn die Frauen saßen stumm und steif um den blumengeschmückten langen Tisch und sprachen nur unter sich, leise und wortweise, wenn auch jedes Wort einen Untergrund und eine geheime Absicht hatte. Und sie aßen dazu feierlich ein Stück Kuchen nach dem andern, ohne Pause, ohne Aufhören, in einem nach Geheimgesetzen bestimmten Turnus. Jede neue Art des Blechkuchens oder des Obstkuchens oder des Kranzes oder des Käsekuchens oder des Napfkuchens lobten sie umständlich. Und hätten sie das nicht getan, so hätte das als sehr unerzogen gegolten. Und sie tranken dazu den Kaffee, den sie unmäßig sich gesüßt hatten, in kleinen Schlucken, wie einen Likör.

Alle im Dorf nahmen sie Haus bei Haus durch. Jeder bekam nur ein paar Worte, die seine letzten Schwächen und Geheimnisse für den bloßlegten, der sie kannte, und für den genugsam andeutete, der nicht um sie wußte. Man ließ ahnen, welche Frau es mit einem andern hielte, wer heiraten wolle oder müsse, wer so verschuldet wäre, daß er vom Hof gejagt würde, wer von den Alten abkommen könne und wer ein Kind schon bekam mit sechzehn Jahren und deshalb demnächst von der Kanzel herunter vor der ganzen Gemeinde bloßgestellt werden würde.

Die Sophie saß zwischen ihren Freundinnen. Und der Schmitzdorff zwischen seinen beiden Stieftöchtern und deren Männern. So wollte es wieder die ungeschriebene Etikette. Weil diese beiden Frauen eben, da sie nicht allein, sondern mit ihren Männer waren, mehr Würde hatten und mehr Achtung beanspruchen konnten als jene, die ohne Männer hier waren. Ganz zu schweigen von denen, die noch ledig waren. Und weiter, weil sie zur engsten Familie gehörten. Also eigentlich hier mit die Gastgeber waren.

Schmitzdorff sagte seinen Schwiegersöhnen, daß sie sich von nun an »du« nennen sollten, da sie ja von jetzt an doch Schwäger wären und jene deshalb nicht mehr »Sie« zu ihm zu sagen brauchten. Eigentlich wären sie ja auch nie seine Schwiegersöhne gewesen, sondern nur die Männer seiner Stieftöchter.

Aber der Eue und der Krüger sagten einmal widerwillig »du« zu ihm – das heißt, dem roten Esau, dem Fischer Krüger, war es peinlich, daß er zu solch einer Respektsperson, wie der Vater Christian für ihn war, nun von einer Minute zur andern »du« sagen sollte und ihm die nötige Ehrerbietung nicht mehr erweisen sollte. Dem Fußangelgesicht aber, dem Eue, war es zwar gleichgültig, wie er sagte, ob »du« oder »Sie«; aber da er innerlich der ganzen Sache mit der königlichen Genehmigung – denn dann hätte doch hier der Herr Pastor und das Konsistorium oder der Herr Pastor durch das Konsistorium wenigstens doch auch etwas davon hören und zu wissen bekommen müssen – und der Trauung in einer Wohnung in Potsdam ebensosehr mißtraute, so fiel er, stets wieder sich verbessernd, doch eigentlich absichtlich in das ihm geläufigere »Sie« zurück.

Der Mine sagte es am meisten zu, »du« zu sagen, und es fiel ihr am leichtesten, und sie sagte nicht nur »du«, sondern gleich auch »du, Schwager« zu ihm. Während die Anna, die Eue, meinte, sie hätte doch immer »Sie« gesagt und sie könne sich jetzt nicht mehr daran gewöhnen, auf einmal »du« zu sagen.

Die Frauen und Mädchen aber, mit Sophie an der Spitze, bunt und steif dasitzend wie ein Beet von verschiedenfarbigen Stiefmütterchen, die alle nach der Sonne sich gedreht haben, plauderten weiter über ihre Dorfgenossen, schrieben jedem und jeder mit wenigen Worten den Steckbrief und aßen immer von neuem die Reihe herum Obst- und Käsekuchen und Mohnkuchen und Napfkuchen; während sie den süßen Kaffee in kleinen Schlucken wie Likör dazu über die Zunge fließen ließen. Sie achteten gar nicht – auch Sophie nicht –, was um sie vorging und daß sich hier langsam, aber drängend, ein Unwetter zusammenzog. Ein Kartenspieler nimmt, wenn er das Blatt in der Hand hat, nur wenig Notiz von der näheren Umwelt. Die Schachspieler werden wenigstens auf den zehnten Anruf reagieren und aufschauen. Aber für einen Kreis von Frauen, die sich in Klatsch verbissen haben, ist die ganze Umwelt nur noch ein Kirchhof, der nicht mehr besucht wird.

Schmitzdorff hatte noch mehr und noch tiefere Falten über die Stirn und um seine Narbe da bekommen, als er schon ohnehin hatte.

»Ick habe for meinen König geblutet, wie an dir noch kaum zu denken war«, sagte er und hieb auf den Tisch mit der Faust. »Jawoll, Anna, des hab' ick Und wenn ich zu meinen König jetzt – denn ick bin ein alter Grenadier – kommen tue un sage: ›König! Ick habe dir nich in Stiche gelassen, nu lasse mir ooch nicht in Stich‹, denn weeß ich, was er tut; auch wenn du es nich zu wissen weißt oder so hier vor alle Leute tust. Wenn ick zu dir sage, du kannst ›du‹ zu mir sagen, so mußt du dir dadurch geehrt fühlen. Jawoll. Weil du dadurch mit einen alten Soldaten, der dir gerettet hat und euch alle und das janze Land hier, uff eene Stufe dir stellen kannst.« Schmitzdorff redete sich immer mehr in Zorn hinein.

»Nanu, Schwager«, sagte die Mine Krüger und legte ihm die Hand auf die Schulter und suchte ihn zu beschwichtigen. »Nu sei man schon stille. Du kannst doch hier nicht vor alle Leute «

»Aber ick weeß schon, dir is des nich recht, Anna, daß ick nich den ollen Schlieker hier, dem ihr nur so hinten 'reinkriecht, die zwei Daler Gebieren in den Rachen jeschmissen habe Aber wenn mein König zu mir sagt: ›Schmitzdorff, du kannst dir bei mir in Potsdam von meinen Hofprediger kopulieren lassen‹, denn weeß er, warum er das tut, und denn is des eine Ehre for mir.«

Die Mädchen und Frauen aber sprachen ruhig weiter, trotzdem eigentlich nun Schmitzdorf derart lärmend geworden war, daß man ihn kaum noch überhören konnte.

»Aber, Vater Christian«, sagte der rote Krüger, »wir hören ja noch janz jut wir wollen des ja jar nich jetzt wissen. Wir glauben Ihnen das ooch so«, meinte er gutmütig. »Kommen Se, Vater Christian, ich gieße Ihnen noch ein Tässekin von Ihren schönen Kaffee in. Dadazu, daß wir uns hier zanken, sin wir ja eigentlich doch nich herjekommen.«

»Nee«, sagte das Fußangelgesicht, der Eue, »wat braucht Er denn hier vor alle Leute mit meine Frau zu schimpfen un ihr bloßzustellen Wer schimpft, is in Unrecht Die scharf gepfefferte Wurst hat immer een schlechtes Jewissen!«

»Ick habe kein schlechtes Jewissen, Eue. Ick, Jott sei Dank nich!« schrie Schmitzdorff und hieb dabei auf den Tisch, daß sogar einige von den Mädchen drüben, trotzdem dort gerade sehr wissenswerte Dinge zur Sprache kamen, einen Augenblick auf- und hinüberschauten. »Willstet sehen, Eue? Hier. Kannste noch lesen ? Denn lies.« Und er zerrte aus einer Geldtasche, die er als Wirt immer halb unter seiner Weste trug, ein gefaltetes Papier. »Na, wat steht denn hier schwarz auf weiß? – ›Daß ich als Königl. Hoffprediger ich als eine Kabenetz Order von Ihro Kön. Majestäten empfangen habe, daß ich diesen Krüger Schmitzdorff in Wust aufbiethen und trauen soll, also habe ihnen aufgeboten und getrauet, welches geschehen den achten Augustus.‹ Da, hier kannst du es ja selbst sehen, Eue: ›Welches ich gebührend quittiere. Behrens‹.«

Eue nahm dem Schmitzdorff das Papier ab und wendete es ruhig nach allen vier Ecken, betrachtete es oben und unten und ob ein Siegel drauf wäre, kehrte es wortlos um und betrachtete wieder die weiße Seite des Blattes.

»Na ja«, sagte er, »denn is es ja jut, Vater Christian«, und er erhob sich. »Aber ick muß jetzt jehen. Ick wollte so auch nich so lange bleiben. Ick muß nach die eene jelbe Kuh noch mal sehen. Die frißt schon seit gestern abend nich mehr und hat een ganz aufjetriebenen Leib. Wenn des nich besser wird, denn muß ich ihr durch den Schäfer die Winde stechen lassen Adje, Vater Christian«, sagte er, »un dadrum keene Feindschaft nich. Wenn des nichts is mit die jelbe Kuh – denn eijentlich is des jetzt ja jar nich an die Zeit, denn das Futter is ja janz trocken schon wieder –, denn komme ick nachher noch mal wieder. Laßt es euch noch jut schmecken. Nee, Annekin, bleib du man ruhig noch een bißchen da, bei Vater Christian. Un wenn er meint, daß es besser is, un er will des, daß du von jetzt an ›du‹ zu ihm sagen sollst, dann kannst du das auch ruhig man dun.«

Schmitzdorff sah Eue verlegen an. »Na ja«, sagte er schüchtern, »nu jeh man nu schon. Aber was reizt ihr mir denn erst? Ich hab's doch nu wirklich schwer jenug!«

Die Wilhelmine beugte sich zu ihrem Mann, dem roten Esau, herüber. »Du«, sagte sie, »det is nischt. Den Eue trau' ick nich übern Weg.«

Aber dann stand die kleine Sophie auf und reichte noch mal Kuchen herum. Sie hatte noch die Reserve von allen Schüsseln auf einer einzigen großen vereinigt und frug jeden und jedes, ob er nicht ein' Johannisbeerschnaps, ein' Lebenserwecker, einen Pfefferminz oder einen grünen Jäger wollte.

Die Mädchen aber standen schon auf, und die jungen Frauen wollten jetzt gehen. Denn Wust war kein großes Dorf, und endlich mal mußte man doch mit allen durch sein. Aber einige wollten auch hinten in die Kammer, um sich noch mal das Malwinchen anzusehen, das dort für die Nachmittagsstunde auf dem Fußboden vor dem großen Bett eine Spielecke bekommen hatte.

Als plötzlich eine Unruhe in sie kam, denn in der Tür standen der Schulze Lier und neben ihm der Gendarm Jaensch. Der Schulze Lier war sehr breit und sehr schwerfällig mit einem Wusch brauner Haare über der hohen gebuckelten Stirn; aber, wie solche übergroßen Leute oft, die äußerlich fürchten machen, eigentlich ein wohldenkender und anständiger Mann, der gewiß die Macht, die ihm seine Bauern und der Staat in die Hände gelegt hatten, nicht oder nicht mehr als nötig mißbrauchte. Aber der Gendarm Jaensch war aufgeblasen und dumm. Und da er sonntags eine bessere Uniform anhatte als wochentags, die abgeschabt war und meist durchgestoßene Ärmel hatte, so kam er sich sonntags noch mehr vor und sah wie die leibhaftige Dummheit auf Flaschen gezogen aus und hatte immer, wenn er sprach, die Hand am Griff seiner breiten Plempe, den Kopf im Nacken und blickte mit den wäßrig-blauen und ganz ausdruckslosen Augen über die Spitze seiner roten Nase fort auf das Objekt seiner Verachtung und der behördlichen Maßnahmen. Und so auch hier durch die ganze Breite der Gaststube hin, auf Christian Schmitzdorff.

Der Schulze Lier ging quer durch den weiten Raum, durch den jetzt von der breit offenen Tür und den beiden kleinen Fenstern her der rote Dunst des heraufziehenden Abends hereinflutete, wie auf einer Jan-Steenschen Gaststube, die ja auch meist im Abendlicht liegen, auf Schmitzdorff zu, der plötzlich allein war. Nur die kleine Sophie versuchte, zu ihm herüberzukommen; aber der Gendarm Jaensch hatte ihr den Weg vertreten, daß sie doch nicht ganz neben ihren Mann zu stehen kam. Alle sonst waren zurückgewichen, und die Mädchen und Frauen standen in Hümpeln und streckten die Köpfe vor. Aber sie gaben keinen Laut von sich.

»Na, Christian Schmitzdorff«, sagte der Schulze Lier nicht unfreundlich. »Ick höre eben, du hast geheiratet inzwischen?«

»Das jeht keinen wat an, Lier«, sagte Schmitzdorff.

»Ick komme hier nicht als Lier, sondern als der Schulze von Wust. Deinen Freund Lier jeht es auch nichts an. Da hast du wieder recht. Aber der Schulze muß dich danach nämlich fragen, Christian. Wenn du also dir verehelicht und mit der Sophie zusammengetan hast da wird Er doch auch einen Trauschein haben?« Jetzt wurde er schon amtlich.

»Na ja des kannste ja jleich sagen, daß de den sehen willst«, sagte Schmitzdorff und kramte mit ungeschickten Fingern in seiner Geldkatze herum. »Voilà – hier is er, Herr Schulze.«

Der Schulze Lier nahm ihn dem Schmitzdorff ab. Und da es dort, wo er stand, nicht mehr gut lesehell war, ging er mit ein paar schweren Schritten zur Tür hin, wo noch mehr Licht war, und las den Schein. Und wandte ihn ebenso wie der Eue vorhin nach allen Richtungen hin und her, nahm umständlich eine große Lesebrille aus dem blauen Rock mit den Goldknöpfen – denn heute war ja Sonntag –, putzte die, setzte sie auf und betrachtete jeden Schriftzug nochmals einzeln.

»Also Lier oder Herr Schulze halte mir hier nich länger auf, du siehst, es sind Leute da, meine Ehefrau hat hier eine kleine Festlichkeit, und in der wünschen wir nich jestört zu sein. For Jäste sind wir heute nich da.«

»Hier ist keine Festlichkeit mehr, Christian. Die Frauenzimmer sollen nach Hause jehen. Mit den Trauschein stimmt was nich. Un mit die Trauung und mit die immediate Dispensation, da is es nich mit rechte Dinge zujegangen.«

Und damit schob der Schulze Lier den Schein in die Tasche seines blauen Rocks mit den Goldknöpfen. »Des nehme ich mal zu die Akten, Schmitzdorff«, sagte er, »denn ein' Pastor Behrens, den jibt es jar nich in janz Potsdam. Und solange mir nichts bewiesen ist, daß die Ehe vorschriftsmäßig und richtig vollzogen is und die Dispens erteilt und jegeben worden is, so lange, Schmitzdorff, gilt sie vor mir als nich vorhanden – und so lange halte ich mir an meine Vorschriften, die dahin jehen, Schmitzdorff«, er hatte ein zweites Papier vorgezogen und las durch seine große Brille im Abendschein in der Tür stehend davon ab, »daß Er mit seine Stieftochter nich zusammenbleiben darf, sondern sie sich separieren müßten von der Hagen! – Also die Sophie Gottliebe Kühlbrodt – denn for mir is sie noch nich Frau Schmitzdorff, ehe des nich jeklärt is, ick jlaube nich, daß ich mir irren tue, aber wenn ick mir irren tue, so tue ick det eben als Amtsperson, die seine Pflicht tut – wird als Inkulpanten solange zu ihre Schwester, die Wilhelmine Krüger, jeborene Kühlbrodt, durch den Gendarm Jaensch jebracht jetzt werden. Und die Eheleute Krüger haben mir bei Strafe zu bürgen, daß keinerlei Verkehr zwischen Schmitzdorff und der Sophie Gottliebe Kühlbrodt stattfindet, weder körperlich noch mündlich, noch schriftlich und durch Boten Na, allez, allez, allez«, er stampfte mit dem Fuß auf, »hier jibt's nichs mehr zu jaffen. Die Frauensleute können nun nach Hause jehen, die Kinder schreien schon.«

Langsam und scheu drückten sich die Frauen, eine nach der anderen, von den beiden großen Buketts rechts und links im Raum zur breiten Tür auf die abendrote Dorfstraße hinaus. Denn so wie Buketts, nicht mehr wie Stiefmütterchenbeete sahen jetzt die Frauen in ihren weiten und blumigen und gestreiften bunten Kleidern aus, wie sie so dicht aneinandergedrückt standen.

»Ja, und die Sophie Gottliebe Kühlbrodt soll man auch jehen, denn sie hat hier nichts mehr verloren. Wat sie an Sachen hat, das soll ihr denn noch heute nachjebracht werden.«

Schmitzdorff stand am Tisch, dessen Platte er von hintenher umkrallt hatte, und sah zu ihr herüber: seine kleine Frau! Na, es sollte ja nun doch wohl nicht sein!

Aber da riß sich die kleine Sophie los von dem Gendarmen Jaensch und sprang mit einem Satz zu ihrem Christian hinüber, aber Jaensch wollte ihr nach.

»Lassen Sie ihr, Jaensch, wenn sie seine anjetraute Jattin is, so derf sie des und von ihm Abschied nehmen; und wenn se des nich is, so wollen wir mal auch nich so sein.« Denn der Schulze Lier war ja eigentlich ein anständiger und menschlich denkender Mann, der auch nicht begriff, warum er eigentlich hier gegen diese beiden so auftreten mußte.

Und die kleine Sophie legte noch einmal ihre Arme um Schmitzdorff, der sehr still, und als ob er eines mit einem Holzscheit über den Kopf bekommen hatte, am Tisch stand, noch einmal die beiden Arme um den Hals. »Du brauchst gar nicht traurig zu sein, Christian ich jeh' jar nich von dich wech ick nehme dir mit. Verstehste mir, meen Ollerken? Na, denn erklär' ick dir des des nächste Mal.«

Aber da war schon Wilhelmine Krüger mit dem kleinen Malchen auf dem Arm, das schrie, weil man es von seiner Spielecke aufgenommen hatte.

»Na«, sagte Lier, »nu haben se sich jenuch jesagt. Nu jeh mit die Leute mit, Jaensch, un nachher kommste wieder hier zurück. Aber die Sophie Gottliebe Kühlbrodt hat sich morjen zur Einvernehmung bereit zu halten.«

Der Fischer Krüger, der rote Esau, ging langsam und gesenkten Kopfes hinter seiner Frau und dem Malchen und der Sophie her, und bei Schmitzdorff blieb er stehen. »Na, leb wohl, Schwager Christian«, sagte er laut, »un es war sehr schön bei dich heute nachmittag.« Und dann nahm er Schmitzdorffs Hand, und es sah aus, als ob er sie eine ganze Weile wortlos und gerührt ihm drückte.

»Vater Christian«, sagte er ganz leise, »du bist 'ringeschliddert. Die haben dir wat vorjemacht. Die haben dir betrogen. Ick würde die beim Namen nennen. Du kannst for das nich bestraft werden. Du hast in juten Jlauben jehandelt.«

Schmitzdorff schüttelte den Kopf.

»Also denn uff Wiedersehn ooch, Schwager Krüger«, sagte er laut, daß Lier es hören sollte. »Nee, nee«, setzte er ganz tonlos und leise und ohne die Lippen zu bewegen hinzu, »ich bin een oller Soldat, Schwager, der jibt keen' Kameraden an.«

Und dann war nur noch der Schulze Lier allein mit ihm im Raum. Das heißt, draußen stand noch eine ganze Mauer von Menschen auf der Dorfstraße und vor der Tür und machten lange Hälse und noch längere Ohren.

»Schmitzdorff«, sagte der Lier, »ick könnte dir nun nachher durch den Jaensch abführen und bei Widerstand krummschließen lassen. Aber was hat des zwischen uns beide olle Freunde forn Sinn und Zweck. Wat soll ick dir da vorher Schwierigkeiten machen! Und ins Haus bleibt auch keener, und for die Tiere muß doch ooch eener dasein. Aber ick muß een Akt aufnehmen, ich muß das morjen in aller Frihe weiter nach Brandenburg jeben, da werden wir uns denn beide nachher hier hinsetzen, und du wirst mir in aller Ruhe erzählen, wie des eigentlich jejangen is und sich regiert hat; und denn werden sie morgen in Brandenburg dir wohl weiterfragen. Dadrauf mußte jefaßt sind. Dir kann ja nichts passieren, wenn de nich von de Wahrheit abweichst. Denn nach allem, was ich so jehört habe durch den Eue, und der hat das wohl wieder von der Krügern, haben se dir ja schwer übern Löffel balbiert.«

In Wirklichkeit hatte der Schulze die Scheune, in der er ihn für die Nacht hätte einsperren können, schon ziemlich voll von wandernden Handwerksburschen und fahrendem Volk, das er wegen Bettelei und kleiner Diebstähle halber und falscher Papiere wegen oder eben nur so, weil es arme Hunde waren, hatte aufgreifen lassen und nun auf den Schub oder nach Brandenburg bringen wollte. Und der Schmitzdorff da würde ja doch seinen Krug und seinen Acker nicht im Stich lassen und ihm durch die Lappen gehn. Und außerdem war ihm der Vater Christian noch zu gut, um ihn da mit diesem verlausten und vergrindeten Gesindel die Nacht über zusammenzusperren. Ja, wenn er gerade Platz gehabt hätte, wäre das was anderes gewesen.

»So, Schmitzdorff«, sagte der Schulze Lier, »nu jib mir mal die Jallapfeltinte her, damit ich auch schreiben kann. Die Aktenbogen und den Aktenzwirn und die Gänsekiele und das Federmesser habe ich mir schon selbst mitjebracht.«

Und damit schob der Schulze Lier ein paar der noch halbvollen eigelben Steinguttassen und einige von den Kuchentellern, auf denen einsame, abgebissene Stücke Pflaumenkuchen trauerten, weil sie so überflüssig geworden waren, beiseite, fegte die Krümel mit der Hand von der Tischplatte, wischte nochmals mit seinem Sacktuch die Platte, putzte seine Brille und setzte sie wieder umständlich auf und breitete seine weißgelben Aktenbogen aus. Denn der Schulze Lier liebte schriftliche Arbeiten und war besonders geschickt darin.

»Ja, un einen Kienspan oder eine Kerze werde ich auch dazu brauchen. Un nu wollen wir uns mal beide janz ruhig wie zwei alte Freunde unterhalten. Du kannst mich erzählen, und ich werde dir mal fragen. So rück mir mal die Kerze 'rüber. Angst brauchste vor mir jewiß nich zu haben. Ick beiße dir nich. Ick bin froh, wenn de mir zufrieden läßt. Ick jebe denn des, wat wir hier schreiben, morjen an den Stadtsekretär Maurer nach Brandenburg, und der kann denn des Weitere veranlassen. Nich wa, damit habe ick denn nichts mehr zu tun. Also rück mal des Licht een bißken 'rüber.«

Und Schmitzdorff hatte sich an den Tisch gesetzt und ihm die Kerze zurechtgerückt, er stützte die beiden Ellbogen auf und hatte den Kopf in die Hände genommen und saß da vor dem Schulzen Lier wie damals auf dem Meilenstein am Rande von dem Kornfeld. Das war grün damals und blühte, jetzt war es abgeerntet, und an seiner Stelle waren nur noch ein paar kurze Stoppeln, und auch die waren vielleicht schon wieder untergepflügt.

Oder er saß auch da zwischen den beiden Zinnkrügen mit Astern und Sonnenblumen gerade wie der falsche Prediger, der Paul Georg Mettich, zwischen den beiden kleinen lackgrünen und weißblühenden und duftenden Orangebäumchen in ihren Kübeln, bevor er zu sprechen begann und noch die Arme aufgestützt hatte. Und Schmitzdorff hatte sich da etwas aufgebaut. Sehr hoch und sehr fest, wie er sich hatte glauben gemacht, und das war nun plötzlich in ihm zusammengestürzt. Nun kamen Behörden, nun kamen Gerichte, nun kamen Akten und Untersuchungen. Das kam ganz langsam angerollt, aber es kam. Schritt für Schritt. Wie eine Straßenwalze, die sich kaum vom Fleck zu bewegen scheint und die doch jetzt nur hier ist und die morgen schon da ist. Und alles, was dort vorher war, platt in den Boden hineingedrückt und zusammenpreßt und glatt und eben und gleichmacht.

Schmitzdorff war sehr dumpf und stumpf. Nein, in diesem Augenblick hatte er keinen Mut und auch keine Lust zur Gegenwehr. Da drüben war der Feind, die Satzung, der Staat, und solange es einen Staat gibt, wird es kein Recht geben. Wenn es Gewehre und Kanonen gewesen wären, dann wäre er gegen sie losgegangen. Vielleicht unter dem Zwang, aber er hätte seinen Kuhfuß in die Faust genommen und wäre losgestürmt trotz seiner hinkigen Füße. So wie er das gelernt hatte.

Aber das waren keine Kanonen. Es war schlimmer. Da war der Schulze, und was die waren, die hinter dem Schulzen Lier standen ein großer, nach der Ferne zu verdämmernder Haufen von Menschen mit Perücken, gleichgültigen, pergamentenen Gesichtern, die im Aktenstaub Federkiele spitzten und weite Fluchten von kahlen Sälen, in denen sie hausten und Menschen folterten, mit Worten, weil sie es mit Daumenschrauben nicht mehr durften. Und es war modrige Streu da und dicke Mauern und Ketten und Stockschläge und Fiddeln und Dunkelarrest und Hungern und Schwindsucht und Gestank und was es noch sonst alles gab, mit dem diese blutlosen, seelenlosen Perücken da gedankenlos um sich warfen wie die Seiltänzer mit ihren Bällen auf dem Jahrmarkt.

Wenn man verwundet auf dem Acker nach der Schlacht liegt und die Marodeure dann kommen, so ist es das einzige, was man tun kann, den Atem anhalten, steif daliegen, die Augen zumachen und sich totstellen. Und wenn man denen in die Hände fällt, so ist es das einzige, was man tun kann: lügen, lügen, lügen und die Tarnkappe der Dummheit über den Kopf ziehen, daß man denen unsichtbar bleibt; den Einfachen, den Treuherzigen, den Simpel spielen.

Und das tat Schmitzdorff.

»Also rück mal 'raus mit de Sprache, Vater Christian, wie war denn die Sache. Aber was vorher war, brauchste mir jar nich zu erzählen, daß du die Sophie heiraten wolltest, und ob des recht war oder nich, daß sie das nich zujeben wollten, darüber habe ich keine Meinung. Daß das Konsistorium oder die Gerichte es nicht wollten, das weiß ich schon. Ich will hören, wie das nu gekommen is, daß du ihr nu doch trotzdem geheiratet hast!«

Und Schmitzdorff erzählte, und der Schulze Lier ließ unter der stillen Kerze den Federkiel leise knirschen. Und das war der einzige Laut in der Gaststube noch. Denn draußen hatten sich die Zuschauer doch allgemach wieder verlaufen, weil es Abendbrotzeit geworden war und weil morgen der Tag wieder früh anfing. Und die Neugier mag noch so stark sein, an dem Abendbrot und dem Schlaf zerschellte sie. Und der Lier fragte, wenn Schmitzdorff schwieg, und zog ihm, denn der Schmitzdorff war plötzlich wieder sehr ungelenk, aber sehr treuherzig und sehr simpel mit dem Wort geworden – wie er meinte –, klug und fein die Würmer aus der Nase.

»Also«, sagte der Schulze Lier endlich und steckte sich den Federkiel hinter das Ohr und ergriff das Sandfaß und schwenkte es über den Aktenbogen hin, daß die Druckstellen sich mit bunkernden schwarzen Körnchen überlegten, und schüttelte und blies den überflüssigen Streusand wieder umständlich ab. »Also nu lese ich dir noch mal vor, was de jesagt hast, und du kannst nachher deinen Namen 'runterschreiben, damit sie in de Stadt auch nich denken, daß ich etwas dazuerfunden habe! Ick habe das natürlich nich so aufjesetzt, Christian, wie wir das beredt haben, sondern so, wie es die Leute da in de Stadt verstehen können.«

»Also, er erschien vor mir – denn eigentlich darf ich des ja jar nich hier aufnehmen, ick hätte dir durch den Jaensch eigentlich vorführen lassen müssen –, vor mir erschien also der Krugwirt Christian Friedrich Schmitzdorff und gab auf mein Befragen an:

Als ihm die letzte, abschlägige Resolution bekannt geworden, sei er auf Zureden des Schwiegersohns Krüger nach Potsdam gegangen, um bei des Königs Majestät zu supplizieren. Zu dem Ende habe er sich an denjenigen Menschen gewandt, der ihm die erste Immediatvorstellung verfertigt. Dieser habe auf dem Markt zu den ›Drei Hechten‹ gewohnt. Und ihm nochmals eine Vorstellung gemacht, mit der er sich an die Lange Brücke an die Linde zu Potsdam gestellet. Den Namen wüßte er nicht. Es soll aber ein Sekretär aus Berlin sein. Die Supplik wäre ihm von einem königlichen Pagen abgenommen worden. Nach einer Stunde sei der Page wiedergekommen und habe ihm gesagt, seine Resolution sei dahin ausgefallen, daß er sich bei dem Prediger, dessen Namen er nicht kennt, melden solle, der die Order erhalten werde, ihn aufzubieten und zu trauen. Eben dieser Mensch, welcher ganz ordentlich und proper gekleidet gewesen, einen weißen Tuchrock getragen und frisiertes Haar gehabt, hätte ihn zu dem Prediger geführt. Er wisse das Haus und die Straße nicht. Auch nicht den Namen des Predigers. Würde das Haus aber wiederfinden und den Prediger wiedererkennen. Er hätte einen schwarzen Rock und Mantel, den gewöhnlichen weißen Predigerkragen und eine runde gepuderte Perücke getragen. Nach drei oder vier Wochen habe er durch einen Boten, dessen Namen er nicht wisse, aber gleichfalls ihn wiederzuerkennen sich getraue, eine Botschaft erhalten, die Behrens unterzeichnet gewesen sei, daß er am Dienstag, den achten Augustus, nach Potsdam mit seiner Braut zur Trauung kommen soll. Er habe sich eingefunden dort mit seiner Braut in einem Haus, das zwei Ochsenköpfe gehabt hätte, und der Prediger habe ihn auf gewöhnliche Art getraut und eingesegnet. Für das Kopulieren habe der Prediger – das aber war das erste und letzte wahre Wort! – einen Friedrichsdor verlangt, sei aber mit zwei Talern dann zufrieden gewesen. Das Memorial hätte einen Gulden gekostet. Der Page hätte nichts verlangt und nichts erhalten. Das Kopulationsattest hätte er erst vor acht Tagen durch eben jenen Boten, dessen Namen er nicht kenne, ihn aber wiederzuerkennen sich getraue, erhalten und überreichte es zu den Akten. Der Schmitzdorff wisse und glaube fest, daß alles ordentlich zugegangen sei, und lebe daher seit dem achten Augustus bis heute, da sie von mir vorläufig separiert geworden, mit seiner Stieftochter als Mann und Frau. Aufgenommen am 27. Augustus, Schulze Lier in Wust Nu schreib hier deinen Namen, wo ›jelesen und für richtig befunden‹ steht.«

Christian Friedrich Schmitzdorff schrieb Schmitzdorff und steckte die Feder aufatmend in das irdene Tintenfaß.

Der Gendarm Jaensch war eingetreten und sah den Schulzen Lier mit seinen wässerigen Augen an. »Soll ick den Schmitzdorff abführen und in Jewahrsam nehmen, Herr Schulze?« sagte er und schielte sehnsüchtig nach den Schnapsflaschen mit den bemalten Bildchen und den schwungvollen Aufschriften Pfefferminz und grüne Pomeranzen, Korn und Johannisbeer hinüber.

»Ach nee«, sagte der Schulze Lier, »warum denn? Dazu liegt nach alledem, wat ick hier eben jehört und aufjenommen habe, jar keen Grund vor. Darnach kommt jar nischt. Un es ist jar nich unmöglich, daß der Eue sich einer falschen Bezichtigung schuldig gemacht hat.«

Der Schulze Lier war ein echter Kriminalist, denn er hatte mit seinen Fragen dem Schmitzdorff die Antworten geradezu in den Mund gelegt. Wenn er kein echter Kriminalist gewesen wäre, so hätte er bemerken können, daß dieses Protokoll zum mindesten so sehr von ihm selbst als von dem Inkulpaten stammte.

»Na, Schmitzdorff«, sagte er und stand auf, »also ick jeh' nu, ick hoffe schon, des wird in ein paar Tagen wieder in Ordnung jejen, wenn des stimmen tut, was du mir hier jesagt hast, und nu mach mal auch, daß du zu Bette kommst, Vater Christian, du siehst schon janz müde aus. Des wird ein bißchen einsam heute nacht hier for dir werden, aber det kommt allens wieder. Mir tut's leid, aber dafor kann ick nich. Ick muß von Amts wegen solchen Sachen nachjehen, Schmitzdorff, dafor bin ick Schulze. Un wenn ick es wieder nich tue, du sollst mal sehen, wie die mir von oben aufs Dach steigen. Da heißt es jleich, unfähig und absetzen und so «

Schmitzdorff war auch aufgestanden und geleitete – und er hatte das Gefühl, als hätte man ihm mit der Breitseite des Seitengewehrs in die Kniekehlen geschlagen, wie das die Korporale immer beim Exerzieren mit den jungen Rekruten machten, so erschlafft war sein Schritt – den Schulzen Lier bis zur Tür hin.

»Es tut mir wirklich leid, Lier, daß du dir umsonst Mühe und Schreibarbeiten jemacht hast und dazu noch wegen mir«, sagte Schmitzdorff und bemühte sich zu lächeln, »des hättest du mir und dir sparen können.«

Und dann ging die Tür zu.

 

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