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Grenadier Wordelmann

Georg Hermann: Grenadier Wordelmann - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorGeorg Hermann
titleGrenadier Wordelmann
publisherDas Neue Berlin
printrun2. Auflage
editorBernhard Kaufhold
year1976
firstpub1930
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131104
projectidc4bf36ee
wgs9110
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Nachwort

Da diese Geschichte nunmehr schon seit langen Jahrzehnten, seit hundertfünfzig Jahren sogar, diesen Namen hat, also einmal – wenn auch nicht gerade so, so doch wohl ähnlich – Wahrheit und Wirklichkeit war, so wollte ich ihr auch keineswegs einen anderen Namen mehr geben, trotzdem ich mir durchaus im klaren darüber war, daß dieser Titel ein schlechter Titel für sie ist und nicht den Kern trifft. Ungefähr nur solcher Art ist er, als ob man Hamlet »Laertes« nennen würde, Othello »Jago«, Maria Stuart »Leicester« und Romeo und Julia »Der wackere Apotheker«. Und doch ist es lehrreich, sich zu vergegenwärtigen, warum man diese Geschichte nicht unter dem Namen des eigentlichen Hauptspielers überliefert hat, sondern nur unter dem einer tragikomischen Nebenfigur. Nämlich einfach deshalb, weil man den eigentlichen Helden noch gar nicht als solchen erkannt hatte und auch nicht erkennen konnte.

Denn für jede Zeit gibt es nur einen beschränkten Kreis von menschlichen Fragen, die sie mitempfinden kann. Alles sonst nimmt sie als Gegebenheit hin. Jede neue Zeit aber sieht dort schon wieder Voraussetzungen, wo jene noch ihre Probleme hatte. Und sieht schon dort Probleme, ihre Probleme, wo jene noch ihre unumstößlichen Gegebenheiten erblickte. Ich fürchte, unsereiner würde einem Menschen des siebzehnten Jahrhundert nur schwer haben klarmachen können, daß Hexen nicht zu verbrennen sind, weil ja Menschen überhaupt nicht verbrannt werden sollen, und außerdem noch, weil es überhaupt gar keine Hexen gibt. Genauso, wie es einem Manne aus dem Jahre zweitausendeinhundert nur schwer gelingen würde, einem von uns klarzumachen, warum fast unser ganzes Gemeinschaftsleben nebst der Rechtsprechung, die es zu ordnen vorgibt, für ihn nur eine Kette unerhörter Barbarismen darstellt.

Für mich also war nicht mehr wie für den Chronisten der Leibgrenadier Wordelmann aus Potsdam der Held – trotzdem ich ihn liebhabe, diesen verschlagenen Westpreußen, schon seines komischen Namens wegen –, sondern einfach der Bauer, der dumme und beschränkte Kossät und Krüger Christian Friedrich Schmitzdorff aus Wust bei Brandenburg.

G. H.

 

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