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Grashalme

Walt Whitman: Grashalme - Kapitel 50
Quellenangabe
typepoem
authorWalt Whitman
titleGrashalme
publisherVerlag Deutsche Volksbücher GmbH.
yearo.J.
translatorJohannes Schlaf
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140424
projectid2faf22c8
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Wer lernt meine Lektion aus?

Wer lernt meine Lektion aus?
Meister, Geselle, Lehrling, Geistlicher und Atheist,
Der dumme und der weise Denker, Eltern, Kinder und Kaufmann, Kommis, Markthelfer und Kunde,
Redakteur, Schriftsteller, Künstler, Schulbube; tretet heran und beginnt!
Es ist keine Lektion – es öffnet die Tore zu einer Lektion,
Und diese einer andern und jegliche noch einer andern.
Die großen Gesetze geben und nehmen ohne Beweisgründe;
Ich bin von gleicher Art, denn ich bin ihr Freund.
Ich liebe sie, wie Gleiches das Gleiche; ich bleibe nicht stehen und katzenbuckle nicht.
Lässig lieg' ich da und lausche auf wunderschöne Geschichten von Dingen und Ursachen der Dinge;
So schön sind sie, ich sporne mich, zu lauschen.
Was ich höre, niemandem kann ich's sagen – mir selbst kann ich's nicht sagen – es ist sehr wunderbar.
Es ist kein Kleines; diese runde prächtige Kugel, die sich so genau in ihrer Bahn bewegt, immer und ewig, ohne einen einzigen Stoß oder die Ungenauigkeit einer einzigen Sekunde nur;
Ich glaube nicht, daß sie in sechs Tagen geschaffen wurde, noch in zehntausend, noch in zehn Billionen Jahren;
Noch daß sie entworfen und gebaut wurde, ein Teil nach dem andern, wie ein Architekt ein Haus entwirft und baut.
Ich glaube nicht, daß siebzig Jahre die Lebensfrist eines Mannes oder eines Weibes sind;
Noch daß siebzig Millionen von Jahren die Lebensfrist eines Mannes oder eines Weibes sind,
Noch daß Jahre jemals meine oder eines andern Existenz enden werden.
Ist es wunderbar, daß ich unsterblich bin? Wie ein jeder unsterblich ist?
Ich weiß, daß es wunderbar ist; doch mein Augenlicht ist ebenso wunderbar, und wie ich in meiner Mutter Leib empfangen wurde, ist ebenso wunderbar;
Und wie ich durch eine Zahl von Sommern und Wintern als Kind wie im Traum kroch, um dann sprechen und laufen zu lernen, – all dies ist ebenso wunderbar.
Und daß meine Seele dich in dieser Stunde umarmt, und daß wir aufeinander wirken ohne uns jemals gesehen zu haben und ohne vielleicht je uns zu sehen, ist durchaus ebenso wunderbar;
Und daß ich derlei Gedanken denken kann, ist ebenso wunderbar;
Und daß ich dich daran gemahnen kann, daß auch du sie denkst und weißt, daß sie wahr sind, ist ebenso wunderbar.
Und daß der Mond um die Erde kreist und fort kreist mit der Erde, ist ebenso wunderbar;
Und daß beide sich im Gleichgewicht halten mit Sonne und Sternen, ist ebenso wunderbar.

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