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Grashalme

Walt Whitman: Grashalme - Kapitel 41
Quellenangabe
typepoem
authorWalt Whitman
titleGrashalme
publisherVerlag Deutsche Volksbücher GmbH.
yearo.J.
translatorJohannes Schlaf
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140424
projectid2faf22c8
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Pioniere! Pioniere!

Kommt, ihr sonngebräunten Jungen!
Folgt in guter Ordnung, haltet eure Waffen wohlbereit!
Habt ihr die Revolver? Habt ihr eure scharfgeschliffenen Äxte?
Pioniere! Pioniere!
Denn wir dürfen hier nicht weilen,
Müssen vorwärts, Teure! Gegen Ansturm und Gefahr;
Wir die jugendkräftigen Rassen; steht die Zukunft doch auf uns!
Pioniere! Pioniere!
Oh ihr Jungen aus dem Westen!
Ungeduldig, voller Tatkraft, voller Männerstolz und Treue;
Deutlich, Kinder, seh' ich euch in der ersten Vorhut schreiten!
Pioniere! Pioniere!
Stehen still die alten Rassen?
Sinken sie mit ihrer Lehre müde hin jenseits der See?
Unser wird die ewige Arbeit, wird die Last und wird die Lehre!
Pioniere! Pioniere!
Das Vergangene lassen wir hinten,
Gehen los auf eine neue, weit're, wechselreichere Welt;
Frisch und stark ergreifen wir sie, Welt der Arbeit und des Marsches,
Pioniere! Pioniere!
Werfen tapfere Bataillone
In die Schluchten, durch die Pässe, bis zu steilen Bergeshäuptern;
Und erobern, halten, trotzen, wagen unbekannte Wege,
Pioniere! Pioniere!
Und wir fällen Urzeitforste;
Dämmen, winden Ströme; reißen in den Tiefen Minen auf;
Messen weite Länderflächen; furchen jungfräuliche Erde,
Pioniere! Pioniere!
Männer wir von Kolorado,
Von den riesigen Bergesgipfeln, Sierren und Plateaus;
Von den Minen und den Schleusen kommen wir, vom Jägerpfad,
Pioniere! Pioniere!
Von Nebraska, von Arkansas,
Inlandsrasse, von Missouri, Festlandsblut in unsern Adern;
Alle reichen sich die Hände, aus dem Süden, aus dem Norden,
Pioniere! Pioniere!
Nimmermüde, unwiderstehliche,
Oh geliebte Rasse du! Oh mir schmerzt die Brust vor Liebe!
Oh ich trauere und jauchze doch! Für euch alle entbrannt in Liebe,
Pioniere! Pioniere!
Hebt sie hoch, die hehre Mutter!
Schwenkt sie hoch, die milde Herrin, Sternenherrin! (Beugt die Häupter!)
Hoch die kriegerische Herrin! ernst, unbeugsam, wohlgerüstet!
Pioniere! Pioniere!
Seht, ihr Jungen, wohlentschlossen;
Bei den Scharen, die uns folgen, dürfen wir nicht wanken noch weichen;
Millionen Geisterscharen drängen drohend hinter uns,
Pioniere! Pioniere!
Vorwärts in geschlossnen Reihen,
Stets zur Stelle ist Ersatz, Reihen füllend, die der Tod gerissen;
Durch die Schlacht, durch Niederlagen; nimmer halten, immer vorwärts!
Pioniere! Pioniere!
Oh im Ansturm Tod zu finden!
Müssen welche fallen und sterben? Und ist ihre Stunde gekommen?
Nun, im Marsch stirbt sich's am schönsten, und die Lücken sind bald gefüllt!
Pioniere! Pioniere!
Alle Pulse dieser Erde
Fallen ein und schlagen mit uns, schlagen mit des Westens Vormarsch;
Einzeln und allzusammen; immer vorwärts, alles für uns!
Pioniere! Pioniere!
Wimmelnden Lebens Wechselschau,
Alle Formen, aller Schein, alle Arbeiter am Werke;
Auf der See und auf dem Lande; alle Herren mit ihren Sklaven:
Pioniere! Pioniere!
Sie, die still unglücklich lieben;
Die Gefangenen im Gefängnis; die Gerechten wie die Schlechten,
Alle Frohen, alle Bedrückten, alle Lebenden und Toten:
Pioniere! Pioniere!
Ich; mein Leib und meine Seele,
Wir, ein seltsam Trio, tasten, wandern unsern Weg,
Über diese Gestade und Schatten, die uns mit Gesichten bedrängen:
Pioniere! Pioniere!
Das Gestirn, das rollend kreisende,
Sieh! und seine Brudersphären, Sonnen- und Planetenschwärme,
Leuchtende, lichte Tage und die Nächte, die mystischen, traumerfüllt:
Pioniere! Pioniere!
Uns gehören sie, sind bei uns,
Alle für die nächste Arbeit, während Ungeborene warten.
Heute sind wir an der Spitze, klären für ihr Werk den Weg!
Pioniere! Pioniere!
Oh ihr Töchter aus dem Westen!
Jüngere und ältere Töchter! Oh ihr Mütter und ihr Weiber!
Nie könnt ihr euch von uns trennen, müßt in unseren Reihen schreiten!
Pioniere! Pioniere!
Sänger, auf Prärien harrend!
(Tote Barden andrer Länder, ruhet nach vollbrachtem Werk!)
Schon hör ich euch singend nahen; ihr erhebt euch, schreitet mit uns!
Pioniere! Pioniere!
Weder liebliche Ergötzung,
Noch auch Polster und Pantoffel, noch Behagen stillen Fleißes,
Noch erschlaffender, sichrer Reichtum, geruhiger Genuß für uns!
Pioniere! Pioniere!
Schwelgen die gefräßigen Schlemmer?
Schlafen sie, die fetten Schläfer, hinter ängstlich sicheren Türen?
Unser bleibt die rauhe Kost und auf hartem Boden die Decke!
Pioniere! Pioniere!
Ist die Nacht herabgesunken?
War der Weg zuletzt so mühsam? Hielten wir entmutigt inne?
Nun, zur Rast ein Stündchen gönn' ich; ruht, vergesset eure Müh'!
Pioniere! Pioniere!
Doch beim Rufe der Trompete,
Lang, ach lang vor Tagesanbruch, – horch! wie hell und klar getragen!
Auf! Und stellt euch an die Spitze! – Auf! An die gewohnten Plätze!
Pioniere! Pioniere!

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