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Gutenberg > Christian Reuter >

Graf Ehrenfried

Christian Reuter: Graf Ehrenfried - Kapitel 5
Quellenangabe
typecomedy
booktitleGraf Ehrenfried
authorChristian Reuter
year1961
publisherMax Niemeyer Verlag
addressTübingen
titleGraf Ehrenfried
pages1-3
created20020511
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1700
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Dritter Handlung

Erster Aufftritt.
Der Schau-Platz bleibet eine Stadt / und wird wieder Tag.

Leonore. (mit einem Supplic in der Hand.)

Jch muß doch sehen / ob der Herr Graf auffgestanden ist / damit ich mit Jhm reden kan / und wenn Er mich nicht zu seiner Gemahlin nimmt / so will ich schon einen andern Weg mit ihm gehen; denn das wären keine Künste / ein Frauenzimmer kan man leichte zu was bereden / und hätte sich Graf Ehrenfried nicht so hoch vermessen / daß Er mich heyrathen wolte / so solte er mich zu solchen wollüstigen Händeln wohl nicht leichtlich beredet haben; aber dem sey nun wie ihm sey / wil Er in Güte seinen grausamen Schwüren und Promessen nicht nachkommen / so wil ich hier dieses Supplic / welches ich mir gestern einen Advocaten habe machen lassen / gleich ietzo Jhro Königl. Maj. persönlich übergeben / damit es doch nur kund wird / wie er mir so erbärmlicher Weise mein Ehren-Schlößgen auffgebrochen hat. Will Er mir aber zu meiner Ehre wieder helffen / so soll es auch die Katze hinter dem Herde nicht einmahl erfahren. Ach! ihr liebes Frauenzimmer / ich bitte euch umb des Himmels willen / trauet doch nimmermehr keinem Kerl zu viel / er mag auch seyn / wer er will / sie haben alle den Schelm in Nacken / und wenn sie auch gleich schwüren / daß ihnen die Schienebeine knackten / so ist ihnen doch nichts zu gläuben / denn ich weiß es am besten / wie es einen hernach gereuet / denn ich habs aus der Erfahrung mit meinem Grafen / allein er muß mich heyrathen / oder ich will meinen Kopff nicht sanfte legen. (Gehet ab.)


Anderer Aufftritt.
Mummel-Märten. (mit einem viereckigten Kasten.)

Je hader der Hencker / was wird mein Herr Graf noch vor ein reicher Herr werden! da habe ich ihm müssen einen viereckigten Kasten holen / denselben wil er zu einem Glücks-Topffe machen / und alle seine Sachen hinein setzen. Er spricht: weil andere Glücks-Töpffer von solcher Profession reich würden / warumb solte er es / als ein Graf / nicht auch so weit bringen können. Es soll die Person 6. Pfennige geben. Wer nun Lust und Belieben hat / sein Glücke in meines Herrn seiner Schlotterie oder wie er auff Lateinisch den Glückstopff nennet / probiren will / der kan nur / wenn die Bude eröffnet wird / herbey kommen / vielleicht hat er das Glücke / daß er so viel gewinnet / damit er sich sein Lebetage damit behelffen kan.

(geht ab.)


Dritter Aufftritt.
Leander. Jucundus.

Leander. Jch wills ja nimmermehr hoffen / daß der Graf eine Lotterie auffrichten will.

Jucun. So viel mir sein Cammer-Junge auf der Gassen erzehlete / wäre es gantz gewiß.

Leander. Was werden aber für Raritäten hinein gesetzet werden?

Jucund. Darum habe ich nun eben nicht gefraget / dieses sagte mir der Junge / daß die Person 6. Pf. geben solte.

Leander. Ey so werden wohl vortreffliche pretieuse Sachen auffgesetzet werden.

Jucun. Wer weiß denn? Vielleicht steht des Hn. Fendrichs Falconet-Kugel / und sein grosser langer Stoß-Degen auch mit auff dem Spiele.

Leander. Ja das war eine grausame Lügen von dem Kerl.

Jucund. Jch vermeinte / sie würden gestern wieder kommen / allein sie blieben aussen / wie das Röhr-Wasser.

Leander. Vielleicht hat der Herr Hauptmann frische Salpeter-Kugeln gemacht / die er mit in seines Grafens Glücks-Topff setzen will.

Jucund. Nun wir wollen doch auch hinein gehen / wenn die Glücks-Bude eröffnet wird / vielleicht gewinnen wir auch was.

Leander. Jch wage schon ein paar Dreyer mit dran / allein wir werden nicht viel gewinnen.

Jucund. Wenn gleich / ich weiß daß ein hauffen Volcks nur zum Possen hinein gehet / und siehet die curieusen Gewinste mit an.

Leander. Da bin ich gut dafür / daß Lappereyen genug werden mit auff dem Spiele stehen.

Jucund. Wir wollens doch mit ansehen.

Leander. Aber wenn soll denn die schöne Lotterie eröffnet werden?

Jucund. Der Junge sagte / so bald die Zeddel fertig wären / solte es gleich angehen.

Leand. Ey so haben wir noch Zeit.

Jucund. Wir wollen unterdeßen auff ein Gläßgen Spaniol zu Herr Johansen in Weinkeller gehen / und einen Jungen hin schicken / der ein wenig recognosciren soll / wenn es angehet.

Leand. Jch trincke schon ein Gläßgen mit / allein zu dem närrischen Polter-Wirthe komm ich nicht wieder / denn er schreibet gar zu viel an.

Jucund. So wollen wir an einen andern Ort gehen / es gilt mir alles gleich.

Leand. Wir wollen stracks hier gegen über gehen / und da können wir auch gleich erfahren / wenn des Herrn Grafens Lotterie wird eröffnet werden.

Jucund. Jch lasse mir alles gefallen. (gehen ab.)


Vierdter Aufftritt.
Cursino. Culin.

Culin. So ists dein rechter Ernst / daß du wilst durchgehen?

Curs. Jch habe die Brieffe von so einen Herrn / der einen kein Kost-Geld giebt / man kan ja nicht von der Lufft leben.

Culin. Das ist wahr / und wenn ich bey dem Küchen-Jungen bey Hoffe nicht manchmahl von dem verbrandten Schöpsen-Braten und verdorbenen Wildprete etwas erbettelt hätte / ich glaube / ich wäre längst verhungert.

Curs. Ey / es ist ja ausser der Weise / ist gleich manchmahl ein Heller Geld da / so nehmens die grossen Diener weg / und unser einer muß crepiren.

Culin. Du hertzer Bruder / sie kriegen eben auch nicht viel / gestern hat er nun die 30. Rthl. welche er hat auff den Rock borgen lassen / in der Glücks-Bude verspielet / heute ist nun wieder nichts da / wo zum Hencker will es denn immer herkommen?

Curs. Drum wird es das beste seyn / daß man die Lauff-Schuhe anziehet / und seinen Marsch aus der Stadt nimmt.

Culin. Je Bruder / wenn du fort marchirest / so gehe ich mit / alleine wir wollen uns erst vom Grafen unsern Abschied geben lassen.

Curs. Ey was frag ich nach seinem Abschiede.

Cul. Wo denckstu aber zu?

Curs. Jch will wieder nach Jtalien zu meiner Mutter reisen / wenn du nun mit wilst / so mache fort / denn hier warte ich nicht länger.

Cul. Wie kommen wir aber fort / wenn wir kein Geld haben?

Curs. Je fragstu nicht Dinge / wo kommen denn die Bettler fort?

Cul. Ey so werden wir schöne Güter mit in unser Vaterland bringen.

Curs. Das mags thun / hunger leiden kan ich hier länger nicht.

Cul. Wie aber / wenn wir uns in Teutschland nach einen andern Herrn umthäten?

Curs. Du bist wunderlich / wer wird denn so ein paar nackichte Kerl annehmen / als wie wir sind / ja wenn wir noch was auff dem Leibe hätten / so möchte es noch seyn / so aber gehen wir ja / als wenn wir von dem Galgen gefallen wären.

Cul. So mache nur fort / ich will mit marchiren / damit wir mit Ehren aus der Stadt kommen / sonst wo es der Graf erfähret / daß wir durchgehen wollen / so schickt er uns nach / und wenn er uns kriegt / so läst er uns alle beyde in den Bock spannen/und ziehet uns die Mundirung darzu noch aus.

Curs. Je das geschicht / darum laß uns nur sehen / wo der Zimmermann das Loch gelassen hat.

Cul. So komm nur / an mir fehlts ja nicht. (gehen ab.)

Es wird musicirt / und unter währender Music eröffnet sich der Prospect und zeiget Graf Ehrenfrieds Glücks-Bude / worinnen allerhand Lappereyen und Sachen zu sehen seyn. Der Graf stehet mit Mummel-Märten in der Glücks-Bude / vor derselben aber stehen alle seine Bedienten / wie auch andere Leute / und greifft einer nach dem andern hinein / worzu auch endlich Leander / Jucundus und andere Leute kommen und hinein greiffen / Mummel-Märten muß die Gewinste austheilen. Die Sachen / so da zu sehen / werden alle heraus gegriffen / und wird zu iedem Gewinste getummelt. Einer geht ab / der andere zu / und nach dem die geltenden Gewinste alle heraus gegriffen seyn / wird unter währender Music die Glücks-Bude wieder bedeckt.


Fünffter Aufftritt.
Jnjurius (mit verbundenen Kopffe /) Herr Johannes.

Joh. Da hasts nu!

Jnjur. Es hat nichts zu bedeuten / die Hosen sollen ihn schon dafür auffgebunden werden.

Joh. Jch war dein Glücke noch / Momflere.

Jnjur. Wie so?

Joh. Halb todt hätte er dich geschmissen / auff mein Wort.

Jnjur. Er soll mir die Schmertzen theuer gnug bezahlen.

Joh. Je ja / es ist was zu bezahlen da.

Jnjur. Es wird sich schon weisen.

Joh. Du fingest aber an.

Jnjur. Davon ist nun gantz kein Wort zu gedencken / wenn die Sache vor dem ordentlichen Richter kömmt / so soll sichs schon geben.

Joh. Ehrlich Gottlob! du wirst die Schläge wohl behalten müssen.

Jnjur. Jch will ihn schon solche Intrüschen machen / daß er Zeit Lebens an mich gedencken soll.

Joh. Es klagt dich aber kein Mensche / nu!

Jnjur. Was schere ich mich umb die Leute / ob sie Mitleiden mit mir haben oder nicht / ich frage nicht ein Hare darnach.

Johan. O ho / wenns so ist / will ich gerne nichts sagen.

Jnjur. Bruder? ich bin kein ehrlicher Mann / wenn ich nicht die gantze Familie mit allen ihren Adhærenten biß in die Grube verfolgen will.

Joh. Was hilfft dichs aber Momflere?

Jnjur. Das ich so meine Freude drüber habe.

Joh. Momflere, und wenn ich dir rathen soll / so thu du's nicht / auf mein Wort / ich bin kein ehrlicher Mann / du wirst wieder geschoren.

Jnjur. Darauff laß ichs ankommen / ich versichre dich / daß mir leichtlich keiner soll gewachsen seyn.

J oh. Dencke du an mich wenns nicht geschicht / denn ich kenne einen Gottlob! Er hat mich auch manchmahl geschoren.

Jnjur. Wen meynestu denn?

Joh. Den dorte / wegen der falschen Zeugen. Weists nu?

Jnjur. Jch kan dich nicht verstehen.

Joh. Wie du neulich sagtest.

Jnjur. Jch weiß mich noch nicht drauf zu besinnen.

Joh. Momflere weists denn nicht mehr / wie du neulich sagtest / du hättest einen Bauer 6. Gülden gegeben / daß er hätte falsch über ihn schweren müssen. Weists nu?

Jnjur. Ach dort / ja / O der Kerl ist mir viel zu leichte / denn ich habe ihn schon manche Intrüsche gemacht.

Joh. Dencke du an mich / wenn er dich nicht wieder schiert.

Jnjur. Dafür ist mir gar nicht bange.

Joh. Jch weiß was ich weiß / und wenn dirs nicht gehen wird / als sonst iemanden / so sage daß ich kein ehrlicher Man bin.

Jnjur. Jch lasse es darauff ankommen.

Joh. Was wilstu aber darnach machen / wenns so geschicht?

Jnjur. Ey / laß mich mit solchen Lappereyen ungeschoren.

Joh. Brüdergen / ein Schelm ders falsch mit dir meynet / nu! und ich wolte / daß du für deine Schläge 1000. Rthlr. schmertze-Geld bekämest / vielleicht hülffe michs auch was.

Jnjur. Jch lasse der Sache ihren ordentlichen Lauf / es wird sich mit der Zeit schon geben.

Joh. Ja wenn die Zeugen auch gut vor dich ausgesaget hätten?

Jnjur. Warumb das nicht / und wenn deine Kerl die Wahrheit verschwiegen haben / so muß ich dich ebenfalls abhören lassen.

Joh. Ein Schelm thut das / und darzu würde dichs auch fein viel helffen.

Jnjurius. Wie so denn?

Johan. Momflere, du schmist ja aus / nu! was wilst du denn machen?

Jnjurius. Ey du must sagen / jener hätte ausgeschlagen.

Joh. Und ich solte drüber schweren?

Jnjurius. Wie anders?

Johan. Und wenn du mir 10. Ducaten gäbest / ich thäte das Ding nicht.

Jnjurius. Du kanst aber leichte schweren / es hat ja nichts zu bedeuten.

Johan. Je behüte mich mein Gott dafür!

Jnjurius. Wäre es nun nicht eine Sache / wenn du mir diesen Gefallen erwiesest.

Joh. Nicht tausend Ducaten wolte ich nehmen / hohl mich GOtt! nicht 10. tausend. Aber Momflere weistu was / laß den Bauer wieder holen / der über jenen dorte / wie du wohl weist / vorm Jahre falsch geschworen hat / und gieb ihn noch einmahl 6. fl. er thuts schon.

Jnjurius. Ja / was weiß derselbe Mann von dieser Affaire?

Johan. Warumb hatte er aber über jenen geschworen / vor 6. fl. und falsch? Nu?

Jnjurius. Ja ietzo möchte es nicht angehen.

Joh. Merckstu was? du wirst die Schmertzen und die Beulen wohl behalten müssen.

Jnjurius. Ja wenn die Wunden nicht thäten.

Joh. Auch Wunden Gottlob! Wie viel denn?

Jnjurius. Greiff nur mit der Hand hieher / so wirstu sie alle an dem Griffe haben können.

Joh. (fühlet Jnjurio auff dem Kopff.) O ho! sind doch das keine! (zehlet.) 1. 2. 3. 3. 4. 5. 7. keine mehr? ne / 7. Gottlob / auch wohl 8.

Jnjurius. Wenn mir nur der Kopff nicht so geschwollen wäre.

Joh. Schadet dirs aber was am Gedächtnisse?

Jnjurius. Es schadet mir wohl nichts / allein die Intrüschen wollen mir doch nicht mehr so beyfallen / wie sonst.

Joh. Hast du denn auch einem Wund-Zeddel eingegeben?

Jnjurius. Jch habe auff eine iedwede Wunde den Barbier einen Zeddel machen lassen.

Joh. Auch schon auff dem Rathhause?

Jnjur. Wie sonsten?

Joh. Oho! Straffe Gottlob! dürffte doch wol gefallen?

Jnjur. Daran wird es nicht gnug seyn / ich will ihn schon anders scheren.

Joh. Momflere, wenn ich dir rathen solte / so vertrüge ich mich mit dem Manne wieder / und liesse ihn was zum Besten geben.

Jnjur. Daraus wird nimmermehr nichts / weil die Welt stehet.

Joh. Wie du wilst.

Jnjurius. Jch will ihn noch drücken / daß er sein Tage an mich gedencken soll.

Joh. Meinethalben / wenn die Schlägerey nur bey mir nicht wäre vorgegangen.

Jnjur. Was kanst du dafür / deswegen komm ich doch wohl wieder zu dir.

Joh. Wenn denn?

Jnjurius. Jch will nur erstlich zum Balbier gehen / und mich verbinden lassen / hernach so will ich gleich auff ein Gläßgen zu dir kommen.

Joh. Top!

Jnjurius. Ein Wort ein Mann.

Joh. Ein Schelm der nicht kömmt.

Jnjurius. Was ich sage. Adjeu. (gehet ab.)

Joh. Dein Diener Momflere. (Jndem Jnjurius fortgehet / sieht Herr Johannes ihn hinten mit einer hönischen Mine nach / und spricht:) Sieben Wunden / Gottlob / auch wohl achte oder 9. (gehet ab)


Sechster Aufftritt.
Mummel-Märten (hat ein Päctgen unterm Arme.)

Je da wär ich wohl ein rechter Bärenheuter / daß ich einen Augenblick länger bey dem Grafen bliebe. Jch dachte wohl / daß es so ablauffen würde / denn man dencke nur / was er vor närrische Dinge vornimmt / da setzt er so ein Hauffen Sachen auf das Spiel / und hat mehr Treffer als Fehler auf den Nummern / so muß er ja verspielen. Nun / er hat ja auch nicht das Geringste mehr in seinen Vermögen / und ich habe die Briefe von so einen Herrn / wenn er nichts hat. Keinen Heller Kost-Geld habe ich / weil ich bey ihm bin / von ihm bekommen / und wenn ich mir durch Stehlen manchmahl nicht ein Accidens gemacht hätte / so würde ich wohl schmale Bissen bey ihn haben fressen müssen. Weil aber die Freude nun ein Ende hat / und nichts mehr bey dem Herrn Grafen vor mich zu holen ist / so hab ich incognito von ihn meinen Abschied genommen / er mag sich nun den Hn. Capitain-Lieutenant des Nachts die stinckigten Knochen krauen lassen / biß er einschläfft / ich habe Stanck genug bey meiner Nächtlichen Auffwartung von ihm verschlucken müssen. Jch will schon sehen / wo ich einen andern Herrn kriege / der mir satt zu fressen giebt / daß ich mich nicht mehr auff das Promoviren legen darff / denn sonst / wenn ich grösser würde / dürffte ich eine Gewohnheit drauß machen / und mit der Zeit gar an den Galgen kommen. (will abgehen.)


Siebender Aufftritt.
Mummel-Märten / Mirax / Narruffsky / Pamphilius.

Mirax. (Kriegt ihn bey den Ermel.) Halt Vogel / wo wilstu hinaus?

Mum. M. Warum denn / was gehts denn euch an? Last ihr mich immer gehen.

Mirax. Warte nur / wir müssen anders mit dir reden.

Mum. M. Was hab ich denn mit euch zu thun / lasset ihr mich immer ungeschoren.

Mirax. Helfft doch dem Vogel halten / daß er uns nicht durchgehet. (Pamph. / Narruffsky / greiffen Mummel-Märten an.)

Pamph. Halt du / wir müssen besser mit dir reden.

Mirax. Höre Dieb / was hast du in dem Päckgen?

Mum. M. Ey was gehts denn euch an? es ist meine schwartze Wäsche / ich will sie zu meiner Wäscherin tragen.

Mirax. Nein nein / wir müssen sehen was du eingepackt hast.
(Mirax macht das Päckgen auf / und schüttet einen Hauffen alte Hembden und Lumpen auffs Theatrum und spricht:) Vogel sind das deine Hembden?

Mum. M. Wem werden sie sonst seyn?

Narruff. Je Herr Stallmeister / da ist mein Oberhembde mit dabey / welches mir vor 4. Wochen aus dem Coffre ist gestohlen worden.

Mirax. Und dieses sind meine 2. Hembden / welche mir vorgestern nur wegkommen sind.

Pamph. Und dieses ist meine Nestel-tuchene Krause / welche ich mir vor 2. Tagen bey dem Jtaliener gekaufft habe.

Mum. M. Ja / gleich so / als wenn ein bunter Hund nicht dem andern ähnlich sähe.

Pamph. Was ist denn dieses da.

Mirax. Je was zum Hencker ist denn das vor eine Binde?

Pamph. Je das ist des Herrn Capit. Lieutenants seine Sontags- Scherpe, die er von dem Hn. Grafen hat verehrt bekommen.

Mirax. Je du Haußdieb / kanst du so wacker einpacken?

Narruff. Habe ichs nicht immer gesagt / der Vogel würde einmahl nehmen was er kriegte / und fort marchiren.

Pamph. Ja / das hab ich längst immer gedacht.

Mirax. Jst es doch auch eingetroffen / ie du Haußdieb du.

Mum. Jhr dürfft mir nur meine Sachen zufrieden lassen / sonst seyd ihr ärgere Diebe als ich.

Mirax. Kanstu denn sagen / daß die 2. Hembden auf deinen Miste gewachsen seyn?

Narruff. Und meinestu denn dieses Ober-Hembde sey deine?

Pamph. Du must wohl dein Lebtage viel Nestel-tuchene Halß-Krausen getragen haben.


Achter Aufftritt.
Fortunatus / und die Vorigen.

Fortunatus. Habt ihr den Vogel angetroffen?

Mir. Ja / mein Herr Capitain-Lieutenant, wir haben ihn noch ergattert.

Fortunatus. Was zum Hencker seyn das für Sachen da?

Mirax. Das ist unsere gute Wäsche / die hat der Vogel alle mit eingepackt.

Fortunatus. Was ist denn dieses hier?

Mirax. Kennt denn der Herr Capitain-Lieutenant das Ding nicht?

Fortun. Je das ist ja meine Sontags-Scherpe / welche mir der Herr Graf geschencket hat. Ey! ey! bistu nicht ein Vogel?

Mumm. M. Last euchs lieb seyn / Herr Capitain-Lieutenant / daß ihr sie hier antrefft / ich habe es zu euern besten gethan / daß ich sie so lange bey mir auffgehoben habe.

Fortun. Ey du bist der rechte Auffheber du.

Mumm. Warum nicht / denn wenn ihr sie bey der Hand gehabt / ihr hättet sie doch nur versetzt / oder um ein liederlich Geld im Wirths-Hause verkaufft / so aber habe ich sie euch nur auffgehoben.

Fortun. Heist denn das auffgehoben / wenn man eines andern seine Sachen heimlicher Weise wegnimmt.

Mumm. M. Zum wenigsten wird es auch kein Diebstück seyn.

Fortun. Was wär es denn sonsten?

Mumm. M. Je wenn ihrs so nehmen wolt / so seyd ihr eben auch ein Dieb.

Fortunat. Je du Vogel du / halts Maul.

Mumm. M. Als wenn es irgend nicht wahr wäre mit dem Petschaffte?

Fortunat. Was denn vor ein Petschafft?

Mumm. M. Ey ja doch? habt ihr nicht neulich des Grafens sein Petschafft in den Wirths-Hause einen Paruqven-Macher vor 4. Gr. verkaufft?

Fortunat. Was sagstu?

Mum. M. Was sagst du? als wenn es irgend nicht wahr wäre / der Mann hat mirs selbst gesagt / er wird mirs nicht aus den Fingern saugen / ihr habts ihn erstlich vor einen Thl. gebothen. Hat denn der Graf davon ein Wort gewust.

Fortunat. Das ist mit des Herrn Grafens seinen Consens geschehen / und darum hastu dich nichts zu bekümmern.

Mum. M. Wo will denn der Herr Graf was davon gewust haben / denn wie er euch gestern / da der Befehl wegen des Hasens-Schiessens solte gesiegelt werden / fragte / wo sein Petschafft wäre / so sagtet ihr heimlich zu ihme / es stünde mit versetzt / allein ich wuste es besser. Wenn ich euch da nun auch hätte beschämen wollen / was würden denn die Leute gedacht haben?

Fortunat. Je du Bestie du halts Maul. Fort ihr Kammer-Dieners / zieht dem Vogel die Livray aus / mein gnädiger Herr will es haben / und last den Dieb hernach an Galgen lauffen.
(geht ab.)

Pamph. Fort / raus mit der Jacke / der Grafe wills haben.
(ziehen ihn aus.)

Mum. M. Da nehmt die alte Hülle immer hin / wenn ich sie nicht behalten soll / sie ist ohne dem nicht 6. Pf. werth.

Narruff. Genug / daß es der Graf so befohlen hat.

Mum. M. Da habt ihr sie / tragt sie euern Grafen hin / und sprecht / er soll sie in seine Glücks-Bude hengen / vielleicht gewinnt er damit seine Sachen wieder.

Mirax. Mit solchen Reden kanstu Vogel nur stille schweigen / oder wir werden dir zu guter letzt noch einen Buckel voll Schläge mit auf den Weg geben.

Mum. M. Thuts / wenn ihrs nicht lassen könnt.

Pamph. Wir hätten keine Ehre davon. Wenn du aber ein rechtschaffener Kerl wärst / wie wir / so soltest du schon längst ein paar Ohrfeigen weg haben / so aber bistu nur ein Junge.

Mum. M. Wenn ich gleich ein Junge bin / so hab ich doch von dem Grafen nicht so viel Ohrfeigen gekriegt / als ihr.

Mirax. Geht nur fort ihr Herrn / nehmt euere Sachen und vermenget euch nur nicht weiter mit ihn / es hat keiner keine Ehre davon.
(Nehmen ein ieder seine Wäsche / und gehen davon.)

Mum. M. Nehmt die lausigten Lumpen immer hin / wenn ihr mir sie nicht lassen wolt / ich will doch wohl sehen / wo ich andere kriege. Das mahl so einen Grafen gedienet und nimmermehr wieder. Jch will zehnmahl lieber bey Hofe einen Pagen aufwarten / als so einen Herrn / da habe ich doch satt zu fressen / und darf mir den Hunger nicht durch Stehlen vertreiben. Daß des Grafens beyde Läuffer ihren Abschied auch hinter der Thüre genommen haben / hat sie nichts anders als der liebe Hunger darzu gebracht / und wenn er sie anträffe / er liesse ihnen die Livray eben auch ausziehen; Aber es mag immer seyn / was frage ich nach den alten schäbichten Rocke / bin ich doch mit allen Pagen-Jungen bekannt / und der eine ist auch mein Vetter / zu dem will ich hingehen / und ihm mein Unglück klagen / vielleicht hilfft er mir / daß ich auch ein Pagen-Junge werde / wenn ich mich gleich von dem Pferde auff den Esel setzen müste. (gehet ab.)


Neundter Aufftritt.
Courage / Grethgen.

Greth. Habe ich dirs nicht gesagt / Courage / daß ein gut Wort manchmahl mehr hilfft / als sonsten was.

Courag. Das ist wahr / Grethgen / ich gab meinen Herrn deinetwegen vortreffl. gute Worte / und es hätte mich lästerlich verdriessen sollen / wenn er mir den Consens abgeschlagen hätte.

Grethe. Gelt! es ist so besser / als wenn du zu den Advocaten wärest gegangen?

Courag. Ach / du hertzes Kind / ich wäre ohndem nicht zu ihm gegangen ; denn es hat mir heute frühe eine Frau erzehlet / daß derselbe Fleck-Schreiber gantz nichts studieret hätte / denn die Cäußgen die er bißweilen macht / heist er nur lauter Intrüschen / und mit solchen Intrüschen führet er so manche ehrliche Leute in die Processe hinein / daß sie hernachmahls Ach und Weh über ihn schreien.

Grethe. Ey ich weiß gar wol / ich wolte dirs immer gestern sagen / daß du zu demselben Manne nicht gehen soltest / denn es ist ein rechter Ehren-Kräncker.

Courag. Je warum thut er aber das?

Grete. Je weiß mans denn? Neulich so hat er ein paar Partheyen in einander gehetzt / und in seinen Concipirten Klag-Schreiben solche Anzügligkeiten gebraucht / daß ich dirs nicht sagen kan.

Courag. Mich wundert aber / daß so einen Calumnianten das Handwerck nicht gelegt wird.

Grete. Ey! es hat immer drauf gestanden / daß ihm die spitzige Feder hat sollen verschnitten werden / und stehet auch noch drauff.

Courag. So ein Mensch / der eines andern seine Ehre abschneiden will / und ist selbst hinten und forne mit Peche besudelt / der ist nicht werth / daß ihn der Erdboden trägt.

Gret. Er würde dir ein schönes Supplic gemacht haben.

Courag. Jch dancke meinen GOtt / daß ich denselben Fleckschreiber nicht habe von nöthen gehabt / denn wenn mir der Kerl meinen Herrn mit unbescheidenen Worten angegriffen hätte / und ich hätte hernach das Ding dem Könige übergeben / ich wüste nicht / was ich ihm gethan hätte.

Grete. Ach! es sind ihm wegen seiner anzüglichen Injurien halber in diesem Jahre wol über 20. Rthlr. Straffe zuerkandt worden.

Cour. Ey du magst mir der rechte Advocate seyn.

Grete. Jn einer benachbarten Stadt nicht weit von hier / so hat er sich schon in 2. Jahren nicht sehen lassen dürffen / wenn er sich da blicken läst / so nimmt ihn der Rath daselbst gleich in Arrest.

Courag. Was hat er denn da gethan?

Grete. Nach seiner gewöhnlichen Art / soll er auch nichts als lauter Schmäh-Worte in einer daselbst eingegebenen Klage-Schrifft gebraucht haben / weswegen ihm 10. Rthlr. Straffe zuerkant worden / und dieselben hat er noch nicht abgetragen.

Courage. Mich wundert / daß von der hohen Obrigkeit so einen Practiqvenmacher seiner unverantwortl. anzüglichkeiten halber / nicht mit ernstlicher Straffe auf die unnützen Schelm-Finger geklopt wird.

Grete. Es wundert mich selbst / daß ihnen so viel nachgesehen wird / und wenn mein Hr. Graf so einen Advocaten in seinen Lande hätte / und er griffe ehrliche Leute in Schrifften so an / wie dieser Fleck-Schreiber / so will ich nicht ehrlich seyn / wenn er ihn nicht alle Tage dreymal in den Bock spannete / und karbatzschte ihn so lange / biß er spräche: er wolte es unterwegens lassen.

Courage. So ein Kerl wär auch nichts bessers werth.

Grete. Wer hat dir aber diesen Fleck-Schreiber zugewiesen?

Courage. Höre nur / Fräul. Lorgen / die mit deinen Herrn hat zu thun gehabt / die begegnete mir gestern auf der Gassen / und fragte nach den H. Grafen; wie ich ihr nun zur Antwort gab / daß er wohl möchte bey Hofe seyn / und sie ihn gerne sprechen wolte / so erzehlte sie mir / wie daß sie bey einen Advocaten gewesen wäre / und sich lassen ein Supplic machen / dasselbe möchte sie / wenn der Herr Graf nicht wolte / wie sie / dem Könige geben / und ihn verklagen.

Grete. Ach potz tausend / sie ist heute bey meinen Herrn flugs gantz frühe gewesen / was sie aber vor Bescheid bey ihn bekommen / das kan ich dir nicht sagen.

Courag. Und derselben erzehlte ich auch / wie ich und du ein paar werden wolten / und daß mein Herr darein nicht consentiren wolte / so recommendirte sie mich an diesen so genannten Fleck-Schreiber / und erzehlte mir erschreckliche Schwäncke von ihm / die sie von Herr Johannsen seiner Frau im Weinkeller erfahren hätte.

Grete. Wo hat die Wirthin aber drum gewust?

Courag. Derselbe Fleckschreiber liegt alle Abende da / und säufft / daß er nicht mehr stehen kan / hernach klettert er an den Wänden nach Hause / wie ich denn selbst gestern mit Augen gesehen habe.

Grete. Warestu denn auch in dem Weinkeller?

Cour. Nein / ich liesse ihn nur heraus ruffen / und wie er kam / so kunte er auf keinen Beine stehen / viel weniger daß er ein klug Wort mit mir hätte reden sollen.

Gret. Ey das sind mir die rechten Advocaten / die aus Tag Nacht / und aus Nacht Tag machen.

Courag. Aber höre doch Gretgen / weil ich nun meines Herrn seinen Consens habe / und du deines Grafen seinen / wie wollen wir denn unsere Sachen nun anstellen?

Grete. Jch weiß mein Treu nicht / wie wir es anstellen werden.

Courag. Rede doch mit dem Grafen wegen des Hochzeit-Geschencks / wie daß wir beyde nun richtig wären.

Grete. Ach! du hertzes Kind / darvon darf ich ihn itzo kein Wort gedencken.

Courage. Warumb aber nicht?

Gretgen. Fragstu warumb? als wenn du es etwa nicht wüstest / daß er sich eine Glücks-Bude zugelegt / und darinnen alle seine Mobilien verspielet hat.

Courage. Je warumb nimmt er solche närrische Dinge vor / und bringt sich muthwillig umb das Seinige.

Grete. Jch kan es wohl sagen / daß er Zeit seiner Tage noch nicht so melancholisch gewesen ist / als ietzo / zumahl / da ihm seine beyden Läuffer und der Cammer-Junge / sein Haußdieb / mit der Livrey durchgegangen seyn.

Courage. Von den Läuffern habe ich nichts gehört / aber von dem Jungen das weiß ich / ich dachte aber / den hätten sie wieder ertappt / und die Livrey ausgezogen?

Grete. Ja / von dem hat der Herr Graf die Livrey auch wieder bekommen / aber von den andern nicht.

Courage. Wo ist denn dein Herr?

Grete. Er sitzt drinnen in seinem Zimmer / und hat sich gantz geistlich angezogen / und ließt stets in einem großen Buche / ich horchte vorhin ein bißgen zu / da hörte ich / daß er sagte / Er wolte das Hof-Leben gantz cassiren / und ein Apt werden.

Courage. Was machten aber seine Leute?

Grete. Dieselben stunden alle in langen Mänteln umb ihn herumb / und hatten ein iedweder ein Buch unter dem Arme.

Courage. Jch dencke / weil er alles in seinem Glücks-Topffe zugesetzt hat / so wil er gar ein Pietiste werden.

Grete. Je Zeit wäre es / wenn er einmahl sein Leben ändern wolte.

Courage. Ach laß dir nur nicht Leid dafür seyn / er wird das Ding nicht lange treiben.

Grete. Alleine / wie machen wir es mit unserer Hochzeit?

Courage. Höre Gretgen / suche du nur deinen Braut-Schmuck immer zu rechte / ich wil mein Bräutigams-Kleid auch auskehren / und wil mit Fräulein Lorgen reden / wenn die es so weit bringt / daß der Graf sie heyrathen muß / so können wir hernach flugs mit unterlauffen.

Grete. Es ist gantz gut / Courage / allein / wenn nun nichts drauß wird?

Courage. Je wird nichts drauß / so wird nichts drauß / so machen wir vor uns Hochzeit / und streichen das Hochzeit-Geschencke hernach vor uns alleine ein.

Grete. Je nun / wie du wilst / es soll an mir nicht fehlen / ich wil gleich gehen / und meinen Braut-Schmuck anlegen / damit ich im Fall der Noth flugs fix und fertig bin.

Courage. Das thu du / ich will dergleichen thun / und wenn ich von Fräulein Lorgen erfahren kan / wie es mit ihrem Beylager stehet / so wil ich dir gleich Antwort wissen lassen.

Gretgen. Nun so mache nur fein bald / damit wir einmahl zusammen kommen. (gehen ab.)

(Der Prospect eröffnet sich.)

Zehender Aufftritt.
Graf Ehrenfried / (in einem schwartzen Habite / kleinem Uberschlag / kurtzen Mäntelgen und schwartzen Sammet-Mützgen / mit einem schmalen Hütgen / ingleichen Feuerfax / Fortunatus / Friedenschild / Mirax / Narruffsky / Pamphilius / Marode / Sylvester / Damastor und Kilian / (alle in langen schwartzen Mänteln / und ein iedweder ein Buch unterm Arme.)

Ehrenfried.

Ade / du Wollust-Welt / mit allen deinen Schätzen /
    Mein Wandel soll hinfort ein frommes Leben seyn.
Ade / du Königs-Hoff / du vormahls mein Ergötzen /
    Jch werde hinfort nicht mehr bey dir sprechen ein.

Das Schicksal hat mich nun geführt in einen Orden /
    Wo nichts als Frömmigkeit und heilges Wesen ist /
Dem Himmel sey gedanckt / daß ich bin Apt geworden /
    Dieweil mein Hertze nun das Zeitliche vergißt.

Fortunatus. Jhre Hochwürden / was werden aber Jhro Majestät von der plötzlichen Veränderung dencken?

Ehrenfried. Sagt mir doch nur / mein Herr Capitain-Lieutenant, wie ichs auff der Welt besser haben könte / als so? Jch habe ja mein schönes Auskommen von so vielen Klöster- Intraden, das ich bey Hofe nicht habe.

Fortunatus. Das ist wahr / Jhre Hoch-Ehrwürden / Sie haben vortreffliche Intraden, allein ihre Graffschafft trägt Sie doch auch was rechtes ein.

Ehrenfr. Diesen ungeachtet / so bin ich des Hof-Lebens so überdrüßig / als wenn ichs mit Löffeln gefressen hätte.

Fortunatus. Wie Jhro Hochwürden belieben / wenn Sie uns nur auch mit der Zeit zu guten Chargen helffen können.

Ehrenfried. Darauff habt ihr euch zu verlassen / es soll kein halbes Jahr ins Land gehen / so solt ihr alle mit einander Patres seyn.

Alle. Wir bedancken uns / Jhro Hochwürden / vor die allzugrosse Sorgfalt für Dero getreue Diener.

Ehrenfried. (besinnt sich) Ein Apt seyn und das Hofe-Leben cassiren? Nein / der König möchte auch dencken / ich wäre gar ein Bärenhäuter und hätte kein Hertz im Leibe / fort / laßt uns den Habit wieder ablegen / (schreyet) puff!

Alle. Puff! puff! (gehen ab.)


Eilffter Aufftritt.
Leonore.

Je daß doch solchen Practiqven-machern flugs die Hälse gebrochen wären mit ihren vermaledeyten Intrüschen. Man dencke nur / da ließ ich mir gestern bey dem so genanndten Fleck-Schreiber ein Supplic machen wegen meines Grafens / und sagte ihm doch alles vor / wie ers machen solte / so hat der Mann Zeug hinein gesetzt / und den Grafen so herunter gemacht / daß es die Schweine nicht einmahl gefressen hätten. Und wenn der König nicht so allergnädigst gewesen wäre / und Mitleiden mit meinem Zustande gehabt / ich würde fein viel damit ausgerichtet haben / so aber hat er mir versprochen / der Graf solte und müste mich heyrathen / Er wolte gleich zu ihm schicken / und ihm bey seiner höchsten Ungnade ansagen lassen / wofern Ers nicht thun wolte / solte ihm von Stund an der Hoff verbothen seyn. Jch dencke / Graf Ehrenfriedgen wird sich auch solches nicht weigern / bin ich ihm zuvor gut genug gewesen / so kan Er ietzo auch mit mir zu frieden seyn / und mich zu seiner Frau Gemahlin machen. Jhro Majestät haben mir auch auff das Beylager 4000. Rthlr. Hochzeit-Geschencke zugesagt / und wenn der Graf das hören wird / daß ich so viel Geld bekommen werde / so wird Er sich wohl nicht lange sperren. Drumb will ich geschwinde / geschwinde gehen / vielleicht kan heute noch gar Hochzeit werden.


Zwölffter Aufftritt.
Clare / Fortunatus.

Clare. Jch muß meinen Hauß-Zinß haben / oder das Ding muß anders werden.

Fort. Je seyd ihr nicht eine wunderliche Frau / ie tragt doch deßwegen keine Sorge / mein gnädiger Herr bezahlt euch alles / und wenns 1000.  Rthlr. wären.

Clare. Das heist immer so / er hätte mich längst bezahlen können.

Fortun. Das soll auch geschehen.

Clare. Wenn er das Geld genommen / das er manchmahl liederlich verspielt / und in den Glücks-Topff gesetzt / er hätte mich 100. mal bezahlen können.

Fortun. Es ist wohl wahr / allein ein grosser Herr muß ja woran seine Lust haben.

Clare. Er muß aber auch darbey seinen Respect in acht nehmen / und sich umb so eines bagatels willen / nicht so vielmahl mahnen lassen.

Fortun. Je meine Frau! grosse Herren / wie mein Herr Graf ist / die machens bißweilen nicht anders.

Clare. Es ist aber nicht gut / und wenn ich ja ein grosser Herr seyn wolte / als wie der Herr Graf auch würcklich einer ist / so schaffte ich mir auch ein eigen Hauß / und liesse mir wegen des Hauß-Zinses / keine solche Verdrießligkeit machen.

Fortun. Was brauchts aber mein gnädiger Herr / daß er sich hier in dieser Stadt ein Hauß kauffte / ja wenn er continue hier wohnte / er hat in seiner Grafschafft wohl 10. Häuser.

Clare. Ey das gläube ich gar wohl / ich bin eine arme Frau gegen dem Herrn Grafen / und wenn ich mir an einen frembden Orte eine Stube miethete / und solte mich die Hauß-Wirthin um den Hauß-Zinß mahnen lassen / ich dächte es wäre mir eine grosse Schande.

Fortun. Ja / ich kan mir nicht helffen / es ist kein Geld da.

Clare. So höre ich mein Wunder / ich soll noch länger warten? Ach nein / der Herr Capitain-Leutenant kans nur den Herrn Grafen hinterbringen / wofern ich heut oder morgen wegen des Hauß-Zinses nicht contentiret würde / so wolte ich seine Stube zuschliessen / und wolte weder ihn / noch iemand von seinen Leuten wieder in mein Hauß lassen. (gehet ab.)

Fortun. Das wär auch was schönes / und mein Herr Graf dürffte wohl wider seinen Willen Hochzeit machen müssen / wo wolte er denn hernach seine Braut hinführen / bey Hofe würde sichs auch nicht wol schicken / weil alle Gemächer schon besetzt seyn.


Dreyzehnder Aufftritt.
Fortunatus / Kilian / (kömmt geschwind gelauffen.)

Kilian. Herr Capitain-Lieut. er soll geschwind zum Herrn Grafen kommen / die Stücke sollen gelöset werden / daß darzu Anstalt gemacht wird.

Fort. Liegt denn alles an mir / die Commission könte ja wohl der Hr. Hauptmann oder Fendrich über sich nehmen.

Kilian. Der Herr Graf trug es ihnen allen beyden auf / allein Sie entschuldigten sich und sagten: Sie wüsten keinen Bescheid um die Ladung / hätten auch ihr lebtage keines loßbrennen sehen.


Vierzehnder Aufftritt.
Damastor / und die Vorigen.

Dam. Wo bleibst du denn so lange / hastu es denn dem Hn. Capit. Lieut. noch nicht gesagt wegen der Stücken?

Fort. Ja / ich weiß es schon.

Dam. Ey er soll geschwinde geschwinde kommen / seine neue Braut ist angekommen.

Fort. Wenn dieses ist / so muß ich doch wohl gehen.


Funffzehnder Aufftritt.
Kilian / Damastor.

Kil. Je Bruder / werden wir auf der Hochzeit nicht fressen?

Dam. Narre / heiß es doch keine Hochzeit / bey vornehmen Leuten nennt man es ein Beylager.

Kil. Ey es mag heissen wie es will / wenn ich mich nur einmahl recht satt fresse.

Dam. Ey ich wills auch nicht schonen.

Kil. Komm laß uns gehen / damit wir nichts bey der Aufwartung versäumen.

Dam. Es ist wahr / sonst kriegen wir bey der Braut keine Hochzeit-Krausen. (gehen ab.)


Sechzehnder Aufftritt.
Courage / Grete / (beyde in ihren Hochzeitkleidern.)

Greth. Nun es ist auch eine Liebe unter den beyden Leuten / ich kan dirs nicht sagen.

Courag. Wer hätte das Ding dencken sollen / daß so geschwinde was aus dem Beylager werden solte?

Grethe. Ja / mein Schatz / das macht der König / und ehe der Graf sich den König hätte zum Feinde gemacht / er hätte eher noch eine dazu genommen / die 6. mahl hätte tauffen lassen.

Courag. Wenn soll denn das Beylager angehen?

Greth. Morgen gleich / und ietzo wird die Zusage geschehn.

Courag. Ey so müssen wir das Ding auch nicht versäumen / daß wir uns dabey mit einstellen / sonst dürfften wir hernach vergessen werden.

Greth. Freylich haben wir hohe Zeit.

Cour. So komm mein liebster Schatz / du süsser Zuckerstengel / Du liebes Gretgen du / komm laß uns eiligst gehn.

Gret. Jch folge dir mein Kind / Cour. du bleibest doch mein Engel /

Gret. So küsse mich einmal / Cour. es soll geschwind geschehn.

(küsset sie / gehen ab.)


Siebzehnder Aufftritt.
Graf Ehrenfried / Leonore / beyde in seltsamen Hochzeit Schmucke. Fortunatus / als ein Hochzeitbitter / Feuerfax / Friedenschild / Mirax / Narruffsky / Pamphilius / Damastor / Kilian / Marode / Sylvester in neuen Halßkrausen mit rothen Schleiffen / etl. Hochzeitbitter u. Schalmeypfeiffer gehn voran.

Ehrenfr. Weil es der Himmel also beschlossen / und der König will es so haben / so mags drum seyn / sie sollen meine Gemahlin werden / hier ist meine Hand.

Leon. Und hier ist meine Hand / daß ich den Herrn Grafen allezeit mit gebührender Liebe und Treue biß in das Grab werde verbunden seyn.

Ehrenfr. Allons, Herr Capit. Lieut. respective Herr Hochzeitbitter / lasset die Stücken loß brennen.

Fort. Jhr. Excellenz, es ist keines geladen.

Ehr. Jch hab es ja befohlen / daß Salve soll gegeben werden.

Fort. Jhr. Excell. es ist kein Pulver da gewesen.

Ehrenfr. Warum habt ihr keins holen lassen?

Fort. Ja / Jhr. Excell. ich hab kein Geld gehabt.

E hr. Allons: der Hertzog von Tölle! puff! schreyet.

Alle. Puff! puff!


Achzehnder Aufftritt.
Courage / Grethe und die Vorigen.

Courag. (Schiesset einen Puffer loß.) Das Puff klinget ein bißgen besser.

Ehr. Wer hat dir dieses befohlen?

Courag. Herr Graf / das war ein Freuden-Schuß.

Ehr. Wo hastu das Gewehr bekommen?

Courag. Mein Herr hats neulich in der Glücks-Bude gewonnen / und mir verehrt.

Ehr. Du hättest aber erst sollen um Perdon bitten.

Courag. Ja Herr Graf / das hab ich nicht gewust / ich dachte / weil es an ein Puff! puff! gehet / so must du auch mit loßpuffen.

Greth. Gnäd. Herr / sie halten es ihn immer zu gute / denn es ist mein Schatz.

Ehr. Nun / weil es so ist / so mag es seyn / und weil du mir so lange Zeit ehrlich und treu gedienet hast / so solt ihr morgen auf meinen Beylager mit unterlauffen / damit es euch nicht viel Unkosten verursacht.

Greth. Jch bedancke mich / gnäd. Herr / vor die grosse Gnade.

Cour. Auch grossen Danck / Hr. Graf / vor das gute Anerbieten.

Ehrenfr. Herr Hochzeitbitter?

Fort. Jhr. Excellenz.

Ehr. Jhr möget heut noch nach Hofe gehen / und den König mit seiner gantzen Hofstadt auf mein Beylager bitten.

Fort. Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gn. es soll geschehen.

Courag. Und meinet wegen bittet Jhn auch / vielleicht krieg ich auch ein Hochzeit-Geschencke.

Ehr. Ey das war eine erschröckliche Schraube.

Fort. Du kanst wohl selber bitten / wen du haben wilst / und darzu werden Jhr. Majest. wohl fein viel von deiner Person wissen.

Courag. Ey wer weiß denn / vielleicht bin ich bey Hofe so gut bekandt / als ihr auf dem Trödel und Brandtewein-Hause / wo ihr den Herrn Grafen neulich sein Petschafft vor 4. Groschen verkaufft habt.

Ehr. Stille itzund von solchen Discoursen, und last uns auf den morgenden Tag bedacht seyn.

Gret. Jch wolte daß es schon morgen wäre / und auch schon wieder Abend / und ich läge auch schon im Bette und schlieffe / und hätte meinen Schatz in Arme / und wüste auch schon wie es – – (umbfasset Couragen.)

Courag. Nu nu / du wirsts ja nicht versäumen.


Neunzehnder Aufftritt.
Herr Johannes zu den Vorigen.

Joh. Top! es lebe!

Ehrenfr. Sieh da / Bruder Poltermatz / wo kömst du her?

Joh. Ein Schelm heist mich so / Jhr. Gnaden.

Ehrenfr. Nu Narr / du wirst nicht böse werden.

Joh. Jn deinen Nahmen ja.

Ehr. Ey du bist ein brav Mann.

Joh. Ehrlich Gottlob! das bin ich auch.

Ehr. Du bist mein lieber Bruder / ein Schelm müste dich tadeln.

Joh. Das war ein Wort.

Ehr. Was bringstu denn guts / Bruder?

Joh. Jhr. Gn. ein klein Restgen. (langet einen Auszug aus den Schubsacke.)

Ehr. Wie viel ist es denn?

Joh. Sechzehn / Gottlob. (giebt ihn den Zeddel.)

Ehr. Sechzehn Kannen?

Joh. Ja Jhr. Gnaden / nicht mehr als Sechzehn.

Ehr. Höre Bruder / ich werde morgen Beylager haben / und darzu muß ich ohndem noch mehr Wein bey dir holen lassen / nimm den Zeddel nur so lange wieder zu dir / und brings hernach in eine Summa.

Joh. Was du sagst?

Ehrenfr. Auf mein Wort / dieses hier soll meine Gemahlin werden.

Joh. Ey ne!

Ehrenfr. Es ist nicht anders; wie gefält dir denn meine Braut?

Joh. Ein wacker Mensch / schöne / wohl gewachsen / und auch fein qvappelich / Gottlob.

Ehr. Du wirst ja auch zu mir zur Hochzeit kommen?

Joh. Top! Mache nur / daß es bald wird / ich will schon kommen.

Ehr. Aber guten Wein must du mir zukommen lassen.

Johan. Momflere, ich will dir einen Wein lassen / desgleichen du dein Lebtag nicht getruncken hast.

Ehrenfr. Das wäre ja brav.

Joh. Und wenns nicht wahr ist / so bin ich ein Schelm.

Fort. Das bist du auch.

Joh. Jn deinen Nahmen ja!

Fort. Nein Bruder / in deinen Nahmen.

Joh. Ja / du schierst mich wohl.

Fort. Nein / Bruder / es ist so böse nicht gemeynet / du bist ein brav Mann.

Joh. Was bin ich / he!

Fort. Ein brav Mann bist du.

Joh. Das war ein Wort.

Ehr. Kommt lasset uns fein bald zum Hochzeit-Schmause schicken. Denn morgen ist der Tag / da neues Glücke lacht.

Cour. Je Gretgen / wie will ich dich an mein Hertze drücken /

Greth. Ein Schelm / der es auch nicht fein appetitlich macht.

Leonor. Mein allerliebster Graf / wie halten wirs denn morgen?
An welchem Ort soll denn das Hochzeit-Fest geschehn?

Ehrenfr. Dafür laß ich allhier die Hochzeitbitter sorgen /
Dieselben werden schon auf das Logis mit sehn.

Joh. Momfler, komm du zu mir / und schlaf bey meiner Dicke /
Laß deine Braut mit mir in deinen Nahmen gehn.

Ehr. Nein / Bruder Poltermatz / ich dancke für das Glücke.

Joh. Ein Schelm / der heist mich so / Ehrenfr. Du wirst ja Schertz verstehn.

Joh. Jn deinen Nahmen Ja / Ehr. Du bist mein lieber Bruder /
Jch halte viel auf dich / ich will nicht ehrlich seyn.

Joh. Momfler und leb ich gleich bißweilen mit in Luder /
Hab' ich doch bey der Stadt Gottlob den besten Wein.

Ehrenfr. Auf! Hochzeitbitter auf! schickt euch zum Grand-Ballette,
Und exerciret noch einmahl den neuen Tantz;

Leon. Hernach / mein werther Graf / so gehen wir zu Bette /

Greth. Und morgen setz ich auf / den schönsten Blumen-Krantz.


Ballet von des Grafens Hochzeitbittern.

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