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Gutenberg > Christian Reuter >

Graf Ehrenfried

Christian Reuter: Graf Ehrenfried - Kapitel 4
Quellenangabe
typecomedy
booktitleGraf Ehrenfried
authorChristian Reuter
year1961
publisherMax Niemeyer Verlag
addressTübingen
titleGraf Ehrenfried
pages1-3
created20020511
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1700
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Zwölffter Aufftritt.
Herr Johannes zu den vorigen.

Joh. Allo! Einmahl herumb getruncken! (Nimmt ein Glaß.)
Prost Momflere, (trincket.)

Es leben alle gute Freunde hier /
Die treue allerbravsten Gäste bey mir /
Das bring ich dir /
Jtzund bey mir /
Aus diesem Glase hier.
        Ein Runda!

(Die Musicanten machen ein Runda / und andere lustige Sachen. Herr Johannes mit seiner Dicke tantzt einmahl / und machts so gut als er kan. Als der Tantz aus ist / geht Walpe ab. Die Musicanten spielen weiter fort. Und nach geendigter Music /)


Dreyzehender Aufftritt.
Walpe / und die Vorigen.

Walpe. Es ist ein Kerl draussen / er will gerne ein paar Wort mit dem Herrn Fleck-Schreiber reden.

Jnjurius. Warum kommt er denn nicht herein?

Walpe. Er will nicht / er sagte : Er hätte sich nicht lange auffzuhalten.

Jnjurius. Wollet ihr ihn wohl sagen / daß er ein wenig verziehen solte / ich will gleich zu ihm kommen.

Walpe. Ja / ich wills ihn sagen mein Herr. (Gehet ab.)

(Die Music lässet sich wieder hören / Jnjurius trinckt sein Gläßgen aus und taumelt unter wärender Music zur Wein-Stube hinaus / weil er gantz truncken ist / worauff hernach der Wein-Keller bedeckt wird.)


Vierzehender Aufftritt.
Jnjurius / Courage.

Courag. (Führet Jnjurio bey dem Arme.) Er sehe sich vor mein Herr Fleckschreiber / daß er hier nicht fält.

Jnjurius. Mein Freund / lasset ihr mich nur gehen / ich will mich schon nach Hause finden.

Courag. Ey lasse er sich doch immer führen / es ist finster auff der Gasse / damit er nicht etwa ein Unglück nimmt.

Jnjurius. Es hat nichts zu bedeuten / ich werde mich schon in acht zu nehmen wissen.

Courag. Man sieht manchmahl wie es geht / denn die Nacht ist niemands Freund.

Jnjurius. Ach es thut mir kein Mensche nichts.

Courag. Das ist wohl alle gut / mein Herr Fleck-Schreiber ; Allein manchmahl ist doch nicht zu trauen / denn bißweilen trägt sichs zu / daß einer auf den andern einen Groll hat / und gedencket ihn bey der Nacht daß so genannte Johannes-Brod zuzustellen / wenn er nun im Finstern seinen Feind nicht recht erkennen kan / so muß hernach wohl gar ein unschuldiger ehrlicher Mann / auf welchen man die Intention niemahls gehabt / den Buckel voll Schläge mit nach Hause nehmen.

Jnjurius. Dergleichen ist nun wohl nicht zu besorgen.

Courag. Man kan nicht wissen / trug sichs doch neulich auch zu / daß einer den andern gerne in die Haare wolte / und in der grossen Boßheit und Trunckenheit sahe er nicht einmal / mit wem er zu thun hatte / und kriegte also eben auch einen unrechten beym Kopffe.

Jnjurius. Das ist viel ein anders / denn wenn man truncken ist / so kan man sich wohl leichte irren; Jst mirs doch unlängst ebenfalls so gegangen / daß ich einem Unrechten in die Haare fiel / allein das geschahe im Wein-Keller / und nicht auf öffentlicher Gasse.

Courage. Es kan aber einen auf der Gasse eben auch begegnen / und zumahl wenn man des Abends immer späte nach Hause gehet / wie der Herr Fleck-Schreiber.

Jnjurius. Wenn es darnach hätte gehen sollen / so müste ich schon zum öfftern / das so genannte Johannis-Brod / bekommen haben / und zumahl / weil mir die gantze Stadt fast zu wider ist.

Courage. Was ist aber die Ursache / daß ihn die Leute zuwider seyn?

Jnjurius. Jch mache ihnen immer so viel Intrüschen / und darüber beschweren sich die Leute so grausam.

Courage. Was sind denn das vor Dinger / Intrüschen?

Jnjurius. Wißt ihr nicht was Intrüschen seyn?

Courage. Je nein / Herr Fleck-Schreiber / ich weiß es nicht.

Jnjurius. Mein Freund / Intrüschen sind solche subtile Cäußgen / womit man die Leute prav schieret.

Courage. Jst das aber recht / daß man die Leute schiert?

Jnjurius. Es mag recht oder nicht recht seyn / gnug / daß ich so meine Freude drüber habe.

Courag. Und wenn einer einmahl dem Herrn Fleck-Schreiber vor seine Intrüschen den Buckel brav ausblauen wird / so werden die Leute hernachmahls auch ihre Freude drüber haben.

Jnjurius. Dafür hat es gute Wege / denn mir wird leichtlich niemand nichts thun.

Courag. Jst es doch alle gut / aber er sage mir doch / wenn ich zu ihm kommen soll?

Jnjurius. Kommt nur Morgen früh zu mir in mein Hauß / da will ich euch schon mit einem guten Rathe an die Hand gehen.

Courag. Aber mein Herr Fleck-Schreiber / wenn nur sein guter Rath auch helffen wird.

Jnjurius. Hilfft er nicht / so will ich euch hernach schon ein paar Intrüschen mit sagen / die gewiß gut seyn sollen.

Courag. Ey ja / Herr Fleck-Schreiber / er thu es immer / ich will schon danckbar dafür seyn.

Jnjurius. Kommt nur morgen zu mir / gute Nacht.

Courag. Ey / was ich noch fragen wolte / wo wohnt denn der Herr Fleck-Schreiber?

Jnjurius. Jch wohne nicht weit von der Schule.

Courag. Wie frage ich aber nach Jhn?

Jnjurius. Wenn ihr an die Schule kommt / so fragt nur nach dem Hause mit dem leeren Schilde / oder nach der Nonnenherberge / daselbsten wohne ich.

Courag. Je nu nu / mein Herr Fleck-Schreiber / weil ers nicht haben will / daß ich ihn nach Hause begleiten soll / so schlaffe er wohl / und morgen früh so will ich schon zu ihm kommen.

Jnjurius. Das könnt ihr thun / schlafft wohl.

Courag. Er schlaffe auch wohl / Herr Fleck-Schreiber / und sehe zu / daß er nicht fält. (Gehet ab.)

Jnjurius. Ey dafür hats gute Wege. (taumelt fort / und singet: ach Dannenbaum &c.)


Funffzehender Aufftritt
(Vier masqvirte Personen bringen Graf Ehrenfrieden getragen / welcher sich sehr ungebärdig stellet. Mummel-Märten / von ferne mit einer brennenden Fackel.)

Ehrenfr. Jhr Bestien / lasset mich zu frieden / oder ich will euch alle vier in dem Bock spannen lassen. Holla! he! Herr Capitain-Lieutenant! Herr Hauptmann! Herr Fendrich! Stallmeister! Cammer-Diener! Mummel-Märten!

Mumm. M. Jhr Gnaden / hier bin ich!

Ehrenfr. Jhr Hundsfötter / kommt mir zu Hülffe.

Mumm. M. Wer auch helffen könte / Jhr. Gnaden.

Ehrenfr. Geschwind lauff und sieh / wo meine Leute alle stecken.

Mumm. M. Je das Gott erbarm / was will draus werden / ich muß doch gar Feuer ruffen. (geht ab.)

Ehrenfr. Jhr verdammten Bösewichter / lasset mich gehen / oder die Schraube soll euch übel bekommen. Holla! he! bin ich denn gantz und gar verlassen?

(Die Masqven tragen Graf Ehrenfrieden fort.)


Sechzehender Aufftritt.
Feuerfax / Fortunatus / Friedenschild / Mirax / Narruffsky / Pamphilius mit blossen verrosteten Degen / Sylvester / Marode mit auffgeschlagenem Hahne / Cursino / Culin / Kilian / Damastor mit Sebeln / Mummel-Märten leuchtet mit der Fackel.

Fortunatus. Wo sind die Bestien.

Mumm. M. Hier hier / Herr Capitain-Lieutenant, hier.

Fortunatus. Allons! Stechet / hauet / schlaget / schüsset zu.

Alle. Steht ihr Hunde. (Sie stechen und hauen alle auf einen leeren Fleck / Sylvester / Marode / wollen Feuer geben / alleine ihre Büchsen versagen ihnen allebeyde.)

Mumm. M. Liegen sie nun?

Feuerfax. Man stehet ja hier niemand?

Mumm. M. Kommt nur hieher / hier wirds seyn. (führet sie an eine andere Ecke.)

Fortunatus. Da ist auch kein Mensche.

Mumm. M. So müssen sie sich unsichtbar gemacht haben / denn den Augenblick hatten sie den Herrn Grafen hier in der Klauße.

Friedens. Vielleicht sind sie mit Jhn durch diese Gasse hier marchiret.

Mumm. M. Es kan auch wohl seyn.

Fortunatus. Das Ding kömmt mir vor / als wenns ein abgelegter Karn wäre.

Friedens. Du wirst ja gesehen haben / wie die Kerl aussahen?

Mumm. M. Was solte ich nicht gesehen haben / sie hatten erschreckliche grosse Nasen / und sahen aus / wie die leibhafftigen Henckers-Knechte.

Feuerfax. Sie werden Masqven vor den Gesichtern gehabt haben / damit man sie nicht hat erkennen sollen.

Mumm. M. Das kan nun auch wohl seyn / denn ich stund nur von ferne / und wie der Herr Graf schrie / daß man ihn zu Hülffe kommen solte / so lief ich stracks nach euch / und nun weiß ich nicht / wo sie mit hin seyn.

Fortunatus. Jhr Herren lasset uns ein wenig recognosciren / vielleicht treffen wir sie an.

Feuerfax. Der Meynung bin ich auch.

Friedens. Jch rathe es den Kerlen der Tebel hol mer nicht / daß sie sich antreffen lassen.

Mumm. M. Ey macht auch fort / wenn wir noch gehen wollen.

Fortunatus. Allons! leuchte du / und ihr Herren folget mir alle nach / und wenn es was setzen möchte / so werdet ihr schon wissen / was bey der Sache zu thun ist. (gehen ab.)

(Es wird musicirt, und unter wärender Music, eröffnet sich eine Bad-Stube / worinnen Graf Ehrenfried halb ausgezogen auff einer Schwitz-Banck sitzet / eine Masque hält ihn hinten bey dem Kopffe / und ein masqvirter Bader schröpffet ihn / die andern sehen zu / und haben ihre Vexationes mit dem Herrn Grafen; nach verrichteter Arbeit tragen sie ihn wieder auf die Gasse / und lauffen davon.)


Siebenzehender Aufftritt.
Ehrenfried allein.

O ihr vermaledeyeten Furien / wie habt ihr mich gepeiniget / und wenn mich die Bestien gleich in dem Bock gespannet / ich glaube nicht / daß sie mich ärger hätten martern können / als durch ihr verzweifeltes Schröpffen. Allein ich will mir das Ding schon hinter ein Ohr schreiben / und es ad notam nehmen / denn der eine Vogel war mir mehr als zu wohl bekandt / und der andere / welcher mir das stinckende Wasser ins Gesichte goß / den wolte ich auch wohl errathen. Aber es hat nichts zu sagen / wer weiß / wie es die Gelegenheit einmahl wieder giebet / daß ich mich revangiren kan. Doch wundert mich bey dieser rencontre nichts mehr / als daß mich meine Leute so verlassen hatten. Ja / wenn ich irgend niemand hätte? und der verdammte Junge / mein Mummel-Märten / kam auch nicht wieder. Jch will die Hundsfötter alle mit einander in den Bock spannen lassen / damit sie einandermahl an ihre Auffwartung gedencken.


Achtzehender Aufftritt.
Mummel-Märten mit der Fackel / Fortunatus / Feuerfax / Friedenschild / Mirax / Narruffsky / Pamphilius / Marode / Sylvester / Cursino / Culin / Damastor / Kilian.

Mumm. M. (Gehet etwas zu voran.) Hier her ihr Herren / hier sind sie.

Alle. Hunde!

Ehrenfr. Halt!

Mumm. M. Je halt doch / es ist der Herr Graf nur allein.

Fortunatus. Jhr. Excellenz, sie verzeihen uns / es ist finster / wir dachten es wären die Bösewichter / welche Jhr. Excellenz hätten umbringen wollen.

Ehrenfr. Ey ihr seyd feine Leute / nun ist es Zeit daß ihr kommt.

Feuerfax. Jhr. Gn. wir haben sie ja gesucht.

Ehrenfr. Ey Sapperment! müst ihr denn alle von mir gehn / wenn ich nach Hause fahre?

Fortunatus. Jhr. Excellenz, sie werden mich entschuldiget halten / daß ich nicht bin wieder nach Hofe kommen / denn die alte Trödel-Frau hat mich so lange mit den Gelde auffgehalten.

Ehrenfr. Wie viel hat sie euch denn auf den Mantel-Sack und auf die Stiefeln gegeben?

Fortunatus. Nicht mehr als 5. Rthlr.

Ehrenfr. Wo ist denn das Geld?

Fortunatus. Morgen früh so soll ich wieder hinkommen und es holen.

Ehrenfr. Nun / so vergeßt es auch nicht.

Fortunatus. Nein / Jhr. Excellenz, ich wills nicht vergessen.

Ehrenfr. Aber Hr. Hauptmann / was habt denn ihr für eine Excüse / daß ihr nicht seyd bey der Aufwartung gebliben?

Feuerfax. Jhr. Hochgräfl. Gnaden / die Zähne thaten mir so lästerlich weh.

Ehrenfr. Ey / warumb nicht gar was anders / ich dencke aber immer Herr Hauptmann / das Ding wird eine Schraube seyn.

Feuerfax. Ey / behüte Gott! wer wird denn Jhr Excellenz mit Lügen berichten.

Ehrenfr. Wo stackt aber ihr / Herr Fendrich?

Friedens. Jhr. Excellenz, ich ließ meine Schuh flicken.

Ehrenfr. Die Entschuldigung mag auch noch hingehen; aber wo waret denn ihr Stallmeister?

Mirax. Jhr. Excellenz, ich war zu Hause und machte das Bette zu rechte.

Ehrenfr. Die Entschuldigung gehet auch noch hin. Weiter?

Narruffsky. Jch und mein Cammerrath hier / liessen uns die Hosen flicken / so musten wir beyde so lange in der Hölle sitzen / biß der Schneider mit fertig war.

Ehrenfr. Jst denn die Liverey schon wieder zerrissen?

Pamphil. Jhr. Excellenz, haben wir doch noch keine Hosen bey sie bekommen.

Ehrenfr. Warum thut ihr aber die Mäuler nicht auf?

Narruffsky. Haben wirs doch wohl 10. mal wegen der Hosen dem Hn. Capitain hier gesagt.

Ehrenfr. Ey / Herr Capitain Lieutenant, warum lasset ihr den Cammer-Dienern keine Hosen machen?

Fortunatus. Jhr. Excellenz, haben doch meine selbst keinen gantzen Boden mehr.

Ehrenfr. Warum zieht ihr aber keine neue an?

Fortunatus. Ja / Jhr. Excell. an anziehen solte es gar nicht fehlen / wenn ich nur welche hätte.

Ehrenfr. Warumb lasset ihr euch denn keine machen?

Fortunatus. Ja / Jhr. Gnaden / es wäre gut machen / wer nur Geld hätte?

Ehrenfr. Nun geduldet euch nur / ich will euch ehester Tage / wenn ich werde von meiner Grafschafft die Steuer-Gelder bekommen / alle miteinander auf das properste heraus mundiren lassen. Aber daß ich weiter frage : wo seyd denn ihr Ubrigen gewesen / wie ich von Hofe fuhre? Nu wenn wirds? habt ihr gar keine Mäuler?

Mumm. M. Jhr. Excellenz, was sollen sie sagen / sie wissen wohl / daß sie unrecht haben.

Ehrenfr. Damit ihr aber einandermal fein an euere Aufwartung gedencken könnet / so solt ihr morgen alle sechse in den Bock gespannet werden.

(Cursino / Culin / Marode / Sylvester / Damastor und Kilian / knien nieder und sprechen:) Ey Jhr. Gnaden / sie werden ja das nicht thun.

Ehrenfr. Nu es hilft nichts / Straffe muß seyn.

Fortunatus. Was ist denn Jhr. Excell. begegnet / da sie sind nach Hause gefahren?

Ehrenfr. Jch wills euch morgen schon erzehlen / kommt nur und begleitet mich zur Ruhe / damit sich meine ermüdeten Kräffte in etwas erholen können.

Alle. Wie Jhr. Excellenz befehlen werden.

(Cursino / Culin / Marode / Sylvester / Damast. und Kil. (knien wieder nieder und sprechen:) Jhr. Hochgräfl. Gn. sie schencken uns immer die Straffe wegen das Bockspannens.

Ehrenfr. Schert euch nur fort mit zu Bette / es wird sich morgen schon geben. (gehen ab.)


Neunzehender Aufftritt.
Thomas (bläset mit seinem Hörnichen und singet:)

Hört / ihr Herren / laßt euch sagen:
Der Seiger der hat Zehne geschlagen /
Bewahrt das Feur und auch das Licht
Daß kein Schade geschicht.

(bläset /) Gehet ab.

Inwendig wird eine Nacht- Music gehöret / und vor Graf Ehrenfrieden Schlaf-Zimmer folgende Aria gesungen:

Ruhe wohl auf deine Schmertzen /
Und vergiß der grossen Noth /
Dachtest du gleich in dem Hertzen:
Armer Graf / itzt kömmt dein Tod!
Weil du so viel grosse Wunden
Durch das Schröpffen hast empfunden.


Zwanzigster Aufftritt.
Grethe. (siehet sich umb.)

Jch sehe wohl / Courage ist noch nicht hier ; ich will ja nicht hoffen / daß Er mir gar untreu werden wird. Meines Grafens seinen Consens habe ich nun weg / daß ich heyrathen soll / und das wäre auch eine schöne Sache / wenn er mich so rüm rücken wolte / und nur so eine Nase machen. Ja ich wolte es wohl diesen Augenblick verreden / nimmermehr keinem Kerl mehr zu gläuben / und wenn er auch gleich schwüre / daß ihm die Augen zum Kopffe heraus fielen.


21. Aufftritt.
Courage / Grete.

Courag. Bist du da / Gretgen?

Grethe. Je sieh da / Courage / kömmst du?

Courag. Wie du wohl siehest.

Grethe. Du hertzer Courage du / du kanst mirs nicht gläuben / wie mir so bange nach dir gewesen ist / ich dachte / du würdest gar nicht wieder kommen.

Courag. Je wenns meinem Herrn seinem Kopffe hätte nachgehen sollen / so würdest du mich wohl schwerlich wieder bey dir gesehen haben.

Grethe. Warumb aber?

Courag. Mein Herr der wills durchaus nicht haben / das ich dich heyrathen soll.

Grethe. Was ist aber die Ursache?

Courage. Ja / du Hertzes-Kind / das kan ich dir selbst nicht sagen.

Grethe. Was wird aber nun draus?

Courage. Je was wird draus werden?

Grethe. Das wäre eine schöne Sache / und ich habe meines Grafens seinen Consens schon weg / Er hat mir auch schon Glücke darzu gewündscht / und ein Hochzeit-Geschencke versprochen.

Courag. Ja / wenn ich dieses auch von meinem Herrn hätte bringen können / so aber will Er durchaus nicht.

Grethe. Je wenn Er nicht wolte / so wüste ich schon / was ich im Sinne hätte.

Courag. Je / was denn?

Grethe. Wenn ich an deiner Stelle wäre / und mein Herr der wolte nicht zugeben / daß ich solte eine Frau nehmen / so wolte ich ihm gleich den Stuhl für die Thüre setzen / denn es giebet Herren-Dienste genug bey Hofe.

Courage. Das ist alle wahr / Grethgen / alleine wenn ich dieses auch thäte / und liefe hernachmahls die gantze Welt durch und durch / so bekäme ich doch keinen solchen guten Herrn wieder / als ich ietzo habe.

Grethe. Das wäre viel.

Courag. Ja / Grethgen / das ist wahr. Jch habe solche Tage bey ihm / die ich mir nicht besser wündschen könte / und ich mag ihn ansprechen umb was ich will / so giebt er mirs / nur eine Frau will Er mich nicht nehmen lassen.

Grethe. Was wäre mir aber das?

Courage. Weist du was / Grethgen / ich bin diesen Abend bey einem Advocaten gewesen / und erzehlte ihm meine Sache / der Mann aber hatte sich so bestialisch vollgesoffen / daß er nicht einmahl wuste / was er mir antworten solte / ich soll aber morgen früh wieder zu ihm kommen.

Grethe. Ach du hertzer Courage! wenn du die Sache unter die Advocaten spielen wilst / so werden sie einen Proceß aus dem Consense machen / der in 20. Jahren nicht aus wird.

Courag. Jch kan ja leichte mit ihm reden / damit ich nur höre / ob Ers vor rathsam hält / daß ich meinen Herrn wegen des Consenses bey dem Könige verklagen soll?

Grethe. Das wolte ich dir nun auch nicht rathen.

Courage. Warumb aber nicht?

Grethe. Man sieht / wie es geht / wenn man seinen eigenen Herrn bey der hohen Obrigkeit verklagt / man habe auch recht / wie man will / so wird einem armen Diener doch nicht geholffen; Mein Rath wäre / du gäbest Jhm gute Wort / vielleicht last Ers noch geschehen; dann zu einem Advocaten zu gehen / rathe ich dir durchaus nicht.

Courage. Jch will her seyn / und morgen früh nüchtern noch einmahl mit meinem Herrn aus der Sache reden / will Er / wohl gut / will Er aber nicht / so will ich mir ein Klage-Schreiben machen lassen und Jhn ordentlicher weise bey dem Könige dieser wegen verklagen.

Grethe. Je nu / nu / meinen Willen hast du ; Wenn du aber dadurch dir deinen Herrn zum Feinde machest / so gieb mir die Schuld hernach nur nicht.

Courage. Jch will das Ding schon machen / bekümmere dich nur umb nichts. Aber höre / Grethgen / umb welche Zeit mag es ietzo wohl seyn?

Grete. Der Wächter hat / deucht mich / Eilffe geruffen.

Courage. Jst es denn schon so spät?

Grete. Es war ja bald 10. Uhr / wie der Herr Graff mit seinen Leuten nach Hause kam / und das verzog sich auch wohl eine halbe Stunde; Nun / wie lange sind wir denn wohl hier?

Courage. Schläfft denn dein Herr schon?

Grethe. Ach ja / es ist alles zu Bette.

Courage. Liegen Sie denn nun alle auff einer Streu?

Grethe. Alle mit einander.

Courage. Jch möchte das Nacht-Lager doch gerne sehen.

Grethe. Verzieh / ich wil dirs öffnen. (Gehet ab.)

Courag. Ey ja / Grethgen / ich wil dir ein andermahl wieder was zu Gefallen thun.


(Graf Ehrenfrieds Schlaff-Zimmer wird eröffnet / und zeiget eine Straputzke / worauff der Graf mitten unter seinen Leuthen auf der Erden liegt / und haben sich alle mit ihren Röcken zugedeckt.)


22. Aufftritt.

Grethe. Nun wie gefallen dir denn diese Gast-Betten?

Courage. Ey vortrefflich! liegen sie doch da unter einander / wie Kraut und Rüben. Wer ist denn dieses da / der sich mit dem Kopffe so nahe an des Herrn Grafens seine Wind-Büchse geleget hat?

Grethe. Es ist Mummel-Märten / wie ich dir gestern erzehlet habe / der muß dem Grafen allemahl die Füße krauen / biß er einschläfft / und über dem krauen schläfft das Aaß nun allemahl selber ein.

Courage. Jch dachte / Er hätte auch einen Jungen / welchen Er nur seinen Hauß-Dieb hiesse?

Grethe. Das wird ja die Kröte seyn; Man darff auch fast nicht das geringste in den Weg legen / so katzt ers weg / und mich wundert / daß das Rabenfell ietzo so feste schläfft / denn wenn die andern Diener im besten Schlaffe seyn / so stehet der auff / und visitiret allen die Schubsäcke / und stiehlet weg / was er kriegt.

Courage. Was spricht aber der Graf darzu?

Grethe. Was soll Er sprechen ; Er lacht drüber / und spricht noch wohl gar / es ist eine Schraube / wenn er Jhn gleich selbst bestiehlt.

Courag. Ey du wärest recht für meinen Herrn / hader potz Velten / wie würde Er dich auf die Finger klopffen / wenn du Jhm was nähmest.

Grete. Ja / es darff den Diebs-Vogel kein Diener nicht einmahl sauer ansehen / solche Stücken hält der Graf auf ihn.

Courag. Aber wer sind denn diese hier?

Grete. Sieh nur / ich wil dir sie alle zeigen / wie sie da liegen: Das in der Mitten ist der Herr Graff / neben ihm zur Rechten da liegt ein Läuffer / und zur Lincken der andere Läuffer.

Courag. Wer ist denn das über des Herrn Grafens Kopffe?

Grete. Das ist der Herr Secretarichs.

Courage. Der so schöne Befehle machen kan?

Grete. Ja der ists / und hierunten liegen die beyden Jäger / da liegen die Cammer-Diener und Heyducken / und hier liegt der Herr Hauptmann und der Herr Fehndrich.

Courage. Wer ist denn das da auff dem Stule?

Grete. Das ist der Herr Capitain-Lieutenant.

Courage. Warumb liegt er aber nicht auch mit auff der Straputzke?

Grete. Es muß einer alle Nacht umb die andere wachen / heute ist nun die Reihe an dem Herrn Capitain-Lieutenant, allein sie wachen / daß es besser thäte.

Courage. Wenn steht denn der Graf nun wieder auff?

Grete. Ach Er hat keine gewisse Zeit / manchmahl steht Er flugs umb 1. umb 2. Uhr auff / und wenn denn seine Leute nicht gleich mit allard seyn / so begeußt Er sie über und über mit Wasser.

Courage. Je nun / ich dancke / Gretgen / daß du mir deines Grafens sein Schlaf-Zimmer gezeiget hast / ich wil nun auch gehen / und mich ein wenig in die Boye legen / damit ich morgen frühe fein bey Zeite aufstehen kan / und mit meinem Herrn recht nüchterner Weise noch einmahl von dem Consense reden.

Grete. Ey gieb du Jhm nur gute Worte / und bitte Jhn / ich weiß / Er wirds zu frieden seyn.

Courage. Je nu / nu / ich wil meinen besten Stecher dran setzen / kan ichs in Güte so weit bey ihm bringen / wohl gut / wo nicht / so muß ich Jhn doch beym Könige verklagen. Schlaff wohl / Gretgen.

Grete. Schlaff wohl / Courage / und sage mir morgen fein bey Zeiten Antwort wieder.

Courage. Es soll geschehen / gute Nacht.

Grethe. Gute Nacht. (Gehen ab.)


Es wird eine schläfferige Music gehöret / und nach Endigung derselben

23. Aufftritt.
Thomas.

Siehe da! steht doch des Herrn Grafen seine Schlaf-Stube gar offen. Jch wil ja nicht hoffen / daß irgend ein Dieb bey Jhm eingebrochen hat / und Jhn bestehlen wollen. Es könte doch wohl seyn / weil alles so feste schläfft. Oder hat Er deßwegen die Stuben-Thür mit Fleiß offen gelassen / daß Er mich etwan hören will / wie viel ich ruffe. Und wenn ich wissen solte / daß Ers deswegen gethan hätte / so ruffte ich vor seinem Hause gleich nicht. Denn der Herr Graf ist manchmahl gar zu wunderlich. Neulich so kam Er mir auch auff der Gasse des Nachts nachgelauffen / und nahm mir das Horn / und bließ damit durch alle Gassen durch; wie Er aber an das Schloß kam / und da so ein abscheulich geblase anfieng / so kam einer mit einer Karbatzsche zum Schlosse heraus / und zukarbatzschte da meinen Herrn Grafen braun und blau. Ey wie kam Er hernach so stillschweigend wieder zu mir / und gab mir mein Hörngen wieder; Ach wie suchte ers hinter den Ohren / und gieng fein säuberlich nach Hause. Jch muß aber hier doch wohl ruffen / damit die Leute hören / welche Zeit es ist / kömmt iemand / und wil mir was thun / oder das Horn wieder nehmen / so habe ich schon Ordre / wie ich mich verhalten soll. (bläset und ruffet:)

Hört / ihr Herren / laßt euch sagen:
Der Seiger und der hat Zwey geschlagen /
Steht auff / es wil Tag werden.

(bläset und gehet ab.)


24. Aufftritt.

Ehrenfried. (erwacht / und rufft seine Leute / welche aber nicht hören wollen.) Holla! he! auff!

Mumm. M. (regt sich) Jhr. Gn. was giebts denn?

Ehrenfr. Wasser her / ich muß die Bursche munter machen / wenn sie nicht aufstehen wollen.

Mumm. M. Jhr. Gnaden ich will gleich welches holen. (hänget seinen Rock über die Achseln / und gehet ab.)

Ehrenfr. Holla! Herr Capitain Lieutenant! Herr Fendrich! wie ists? wolt ihr nicht auf! he! Hausdieb! wo bleibst du denn mit dem Wasser?

Mumm. M. (Inwendig von weiten /) ich bringe gleich welches / Jhr Gnaden.

Ehrenfr. Wie könnt ihr Leute doch so feste schlaffen? he! Wasser her!


25 Aufftritt.
Mummel-Märten (mit einer Hose Wasser.)

Mumm. M. Da bringe ich Wasser / Jhr Gnaden.

Ehrenfr. Gib her. (Mummel-Märten giebt dem Grafen die Hose Wasser / der Graf begiesset sie über und über / worauff sie plötzlich auffahren / und sich alle sitzend possirlich umbsehen.)

Ehrenfr. (spricht) Ey das war eine Schraube Gelt / Herr Capitain-Lieut. das war eine erschreckliche Schraube?

Fortunatus. Ja / Jhr. Excellenz, das war gar eine nasse Schraube.

Ehrenfr. Warum steht ihr nicht auff / wenn ich euch ruffe.

Fortunatus. Jhr. Excell. es ist aber noch nicht Tag?

Ehrenfr. Ey was frage ich nach dem Tage / ich stehe auf / wenn ich will / es mag Tag oder Nacht seyn.

Mumm. M. Soll ich denn den Kasten noch dort holen / wie mir Jhr Gnaden gestern bey Hofe befohlen haben?

Ehrenfr. So bald es vollends Tag wird / so gehe hin / wir wollen indessen her seyn / und die Nummern machen.

Mumm. M. Gantz gut / Jhr Gnaden.

Ehrenfr. Nun allons! fort / ziehet euch an ; wie sitzt ihr da? Soll ich noch mehr Wasser holen lassen?

Alle. Ach nein / Jhr. Excellenz, wir wollen uns geschwinde anziehen.

(Stehen alle eiligst auff / ziehen ihre Röcke an / und unter wärendem Anziehen wird das Nachtzimmer bedecket.)


Ballett von Nachtwächtern.

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