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Gutenberg > Christian Reuter >

Graf Ehrenfried

Christian Reuter: Graf Ehrenfried - Kapitel 3
Quellenangabe
typecomedy
booktitleGraf Ehrenfried
authorChristian Reuter
year1961
publisherMax Niemeyer Verlag
addressTübingen
titleGraf Ehrenfried
pages1-3
created20020511
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1700
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Anderer Handlung

Der Schau-Platz zeiget eine Gasse und im Prospecte einen Wein-Keller.


Erster Aufftritt.
Herr Johannes und Jucundus.

Joh. WJe viel?

Jucund. Eine gantze Compagnie wird zu dir kommen / schaffe du nur prav zu fressen und zu sauffen an.

Joh. Und wenn ihrer Tausend kommen / es ist genug da / Gott lob!

Jucund. Was hastu denn vor Lampreten alle?

Joh. Was du haben wilst: Krams-Vögel / Rep-Hüner / Schneppen / wilde Schweinskeulen / Lerchen / Haasen / und auch was von Fasanen / Gott lob!

Jucun. Wo zum Hencker kriegstu denn die Fasanen her?

Joh. O ho! ich will dir wohl ander Wildpret weisen.

Jucun. Was denn?

Joh. Trappen Gott lob! wenn du sie kennest.

Jucun. Jch gläube / du hast gar einen Kobalt / der dir alles zuschleppt.

Joh. Je ja / es hat sich was zu Kobelten.

Jucun. Von rechten Dingen könte es / dächte ich / doch nicht zugehen / daß du allezeit so ein hauffen rar Wildpret immer im Vorrathe hast.

Joh. Je Momflere! wenn man Geld hat. Nu! da hasts.

Jucun. Das ist wohl wahr / Bruder / allein man kan aber nicht allezeit vor Geld etwas bekommen / was man haben will / zumahl / wenn es ausser der Zeit ist.

Joh. Momflere! komm du zu mir / wenn du wilst / du sollst allemahl bey mir haben / was du verlangest.

Jucun. Das wäre doch viel.

Joh. Was ich sage / ich bin kein ehrlicher Mann / wenns nicht wahr ist.

Jucun. Höre / Bruder / ich will ietzo gleich hingehen / und es etlichen noch sagen / daß sie sich bald bey dir einfinden sollen.

Joh. Momflere, ein Wort: (sagt ihm heimlich ins Ohr /) zahlen sie auch wacker / die her kommen wollen?

Jucun. Ey vortrefflich / Sie haben gantze Schubsäcke voll Ducaten bey sich.

Joh. Was du sagest?

Jucun. Jn Wahrheit / du magst mirs gläuben oder nicht.

Joh. Mein Tage nicht gehöret! Aber / Momflere, kommen auch Grafen mit?

Jucun. Ja / Bruder / nicht alleine Grafen / sondern auch Fürsten.

Joh. Ey ne!

Jucun. Auff mein Wort / es kommen Grafen und Fürsten mit zu dir.

Joh. Top!

Jucun. Top! ein Schelm / wenns nicht wahr ist.

Joh. Jn deinem Nahmen aber?

Jucun. Es sey in meinem oder in deinem Namen / genug / daß Sie kommen.

Joh. Nun laß Sie kommen / bin ich doch schon da.

Jucun. Aber du must dich auch prav lustig mit machen.

Joh. Momflere, ich will Dinge machen / die du mein Lebe-Tage nicht wirst gesehen haben / aber / Momflere, vexiren müssen Sie mich nicht.

Jucun. Ey du bist ein Narre / wer wird dich denn vexiren? du bist ein prav Mann.

Joh. Das bin ich auch / Gott lob!

Jucun. Nun / Adjeu / Herr Bruder / in einer halben Stunde wollen wir bey dir schmausen.

Joh. Top!

Jucun. Top! Herr Bruder / Adio! (Gehet ab.)

Joh. De gratias, Momflere. (rufft seine Frau:) Dicke! Dicke!


Anderer Aufftritt.
Johannes / Walpe.

Walpe. Was wilstu denn / mein lieber Mann?

Joh. Frag lange.

Walpe. Jch werde ja fragen dürffen / was es giebt.

Joh. Gäste wollen kommen. Weists nu?

Walpe. Laß sie kommen in GOttes Nahmen / ich will sie schon satt machen.

Joh. Weists denn auch / wer alles kömmt?

Walpe. Das kan ich nicht wissen / weist du es aber / so sage mirs / damit ich mich ein wenig drauff schicken kan.

Joh. Achtzig / Gottlob!

Walpe. Wie viel?

Joh. Was ich sage / auff mein Wort / auch wohl Neuntzig.

Walpe. Je wer denn alle?

Joh. Fürsten / Grafen / Freyherrn / Barone

Walpe. Keine Studenten?

Joh. Eben auch welche.

Walpe. Wenn sie nur prav Geld haben.

Joh. Dicke! lauter Ducaten.

Walpe. Hastu sie denn schon gesehn?

Joh. Auff mein Wort / gantze Ficken voll haben sie. Nu!

Walpe. So komm denn / daß wir ein wenig Anstalt in der Küche machen.

Joh. Dicke / geh du nur / und mache die wilde Schweins-Keule mit zu rechte / ich will her seyn / und die grossen Gläser immer ausspielen.

Walpe. Ey / mein Essen soll schon bereit seyn. (gehet ab.)

Joh. Und an einschencken und anschreiben soll es / Gottlob / auch nicht fehlen. (gehet ab.)


Dritter Aufftritt.
Leonore / Courage.
(begegnen einander.)

Leonore. Höre doch / Courage / hastu den Herrn Grafen nicht gesehen?

Courage. Höre doch / Lorgen / hastu des Grafens seine Jungfer Köchin nicht gesehen?

Leonore. Ey was habe ich mit der Köchin zu thun.

Courage. Je was schiert mich denn der Graf.

Leonore. Nein / in rechten Ernst / hastu ihn nicht gesehen?

Courage. Ja / ich habe ihn gesehn.

Leonore. Wo denn?

Courage. Er ließ sich nur vor kurtzen auff einer Zober-Stange von seinen Bedienten nach Hofe tragen.

Leonore. Du damischer Dieb / es wird eine Carosse gewesen seyn / worauf er ist nach Hofe gefahren.

Courage. Ey lerne du mich doch einen Hasen für eine Kuh ansehen / ich werde ja wissen / was eine Zober-Stange ist / oder was eine Carosse ist.

Leonore. Er wird ja solch närrisch Ding nicht vornehmen.

Courage. Ey er nimmt wohl närrischer Zeug für / ist er doch einmahl mit dem Könige im Schlaf-Beltze und einer Feder-Mütze auf dem Kopffe / gar auf die Jagd geritten / und hat / wo mir recht ist / weder Schuh noch Strümpffe angehabt.

Leonore. Er hat aber eine schöne Carosse, warum fährt er denn nicht in derselben?

Courage. Er kan auch nicht immer fahren. Ein grosser Herr / als wie der Herr Graf ist / muß ja eine Abwechselung haben.

Leonore. Weistu nicht / ob er bald wird wieder nach Hause kommen.

Courage. Ja / das kan ich dir nicht sagen / vor Abends kömmt er wohl schwerlich wieder / denn es ist ein Glücks-Töpffer bey Hofe angekommen / da ist er mit den Damens in die Glücks-Bude gegangen.

Leonore. Ja / so wird er wohl schwerlich für Nachts wieder kommen.

Courage. Jch zweiffele selbst / daß er vor Mitternacht wieder kömmt.

Leonore. Jch muß ihn sprechen / ich treffe ihn auch an / wo ich will.

Courage. Nur früh zu ihm gegangen / da trifft man ihn am allerersten an.

Leonore. Das werde ich auch wohl thun.

Courage. Wie steht ihr denn beyde mit einander / ist denn eure Sache bald richtig?

Leonore. Ey was soll sie richtig seyn. Drum wolte ich gerne mit ihm daraus reden / und wenn er nicht will / wie ich will / so will ichs an den König gelangen lassen / denn er hat mir meine Ehre recht abgestohlen.

Courage. Wenn ich als wie du wäre / Lorgen / und er wolte mir nicht geben / was ich verlangte / so wolte ich ihn knall und fall auff die Ehe anklagen.

Leonore. Ey das will ich ohndem schon thun. Jch bin itzo bey einem Advocaten gewesen / der hat mir ein Supplic gemacht / das soll ich / wenn er in Güte nicht will / dem Könige selbst übergeben.

Courage. Ey wo wohnt denn der Affocate?

Leonore. Jch habe nicht gefragt / wo er wohnt / so viel ich aber von der Wirthin im Wein-Keller vernehmen kunte / so soll er gar viel Frauen-Zimmer bedient seyn / die ihre Ehren-Kräntze verlohren haben.

Courag. Das wird mir gar der rechte seyn / allein / wie muß er heissen?

Leonore. Die Leute titulirten ihn nur Herr Fleck-Schreiber.

Courage. Wo trifft man ihn aber an?

Leonore. Er sitzt dort bey Herr Johansen im Wein-Keller / und hat ein Gläßgen Wein für sich stehen.

Courage. Jch will doch hernach auch hingehen / und den Herrn Fleck-Schreiber in einer Sache um Rath fragen.

Leonore. Du hast gewiß auch mit einer zu thun!

Courage. Ach nein / es ist sonst was.

Leonore. Darff mans aber nicht wissen?

Courage. Warum nicht / das kan ich dir wohl sagen / ist es doch kein Schelm-Stück.

Leonore. So sage mirs doch.

Courage. Die gantze Affaire ist diese : Jch habe mich mit des Grafens seiner Köchin verlobt / und mein Herr der wills nicht zugeben / daß ich das Mensche nehmen soll. Drüm möchte ich gerne mit einem rechten Ungerechtsmacher reden / was er mir hierinnen für einen Rath giebt / denn ich habe gar willens / ich will ihn bey dem Könige verklagen / wenn ers nicht zugeben will.

Leon. Je du hertzer Courage du / dieser Fleck-Schreiber wird dir bald eine Intrüsche sagen / wie du es machen solst / denn das soll ein Mann seyn / der auff lauter Cäußgen und Practiqven abgerichtet ist.

Courag. Ey / das muß mir gar der rechte seyn.

Leon. Die Wirthin hat mir Dinge von demselben Fleck-Schreiber erzehlet / daß man sich hatte putzig drüber lachen mögen.

Courag. Wie so denn?

Leon. Sie erzehlte mir / wie daß derselbe Mann so ein vortrefflicher Liebhaber von Frauenzimmer wäre.

Courag. Jst er denn noch jung?

Leon. Ey / es ist ein Stein-alter Mann / der schon auff der Grube gehet.

Courag. Was hat er denn nun mit dem Frauenzimmer gemacht.

Leon. Er soll sich mög' in ein artiges Mädgen verschammeriret gehabt haben / und dasselbe hätte er auch / weil er so hefftig in sie verliebt gewesen / in gelben Damast kleiden lassen / und hernachmahls nur das Rübsen-Stücke geheissen.

Courag. Ey warum nicht gar das Schoten-Stücke. Hat aber dasselbe Frauen-Zimmer den alten Courtisan auch Gegen-Liebe bewiesen?

Leon. So viel ich von der Wirthin vernahm / so hätte sie ihm nicht einmahl eine charmante Mine gemacht / vielweniger / daß sie ihm für das geschenckte Damastene Kleid sonsten seinen Willen erfüllen sollen.

Courag. Ja / es geht bißweilen so / wenn alte Männer mit jungen Mädgen löffeln wollen / allein es geschicht ihnen gar recht / wenn sie hernachmahls für ihre Spendagen ins Fäustgen nein ausgelacht werden.

Leon. Ein artiges Histörgen erzehlte mir die Wirthin von diesem so genandten Fleck-Schreiber : Er hätte einsmahls auff einer Hochzeit nach einer Bären-Music mit Frauenzimmer nackend um einen Dannen-Baum herumgetantzet / welches ihm diese Stunde noch übel ausgeleget würde.

Courag. Ey das kan ich mir leicht einbilden / nackend zu tantzen! es kömmt gar zu ärgerlich heraus / wenns doch noch im Hemde gewesen wäre.

Leon. Hernach so sagte mir die Wirthin auch / wie daß dieser Fleck-Schreiber allen Leuten dienete / sie möchten recht oder unrecht haben / wer ihm nur Geld brächte / der wäre ihm angenehm.

Courag. Das muß mir gar einer von den rechten seyn.

Leon. Uber eines muste ich recht hertzlich lachen.

Courag. Uber was denn?

Leon. Die Wirthin sagte mir / wie daß er einmahl ein paar Partheyen in einander gehetzt / über welches Unrecht dieser Fleck-Schreiber von einem Frauenzimmer in öffentlicher Gerichts-Stube wäre ein alter Rock-Seicher geheissen worden.

Courag. Was hätte er denn darzu gesaget?

Leon. Was solte er gesaget haben. Er hatte solches zu registriren gebethen / alleine wegen anderer Affairen hattens die Gerichten nicht gehöret / und war also dieses Frauenzimmer noch so mit einem blauen Auge davon gekommen / sonst hätte er ihr unstreitig einen Injurien-Process an den Halß geworffen.

Courag. Je könte man doch von diesem Fleck-Schreiber eine perfecte Comœdie machen.

Leon. Ach wenn ichs nur nicht vergessen hätte / was mir die Wirthin alles von den süssen Nächten / und noch andern Streichen / so dieser Fleck-Schreiber soll vorgenommen haben / erzehlet hat.

Courag. Es scheint / als wenn an demselben Affocaten wohl nicht viel gebackens wäre.

Leon. Er soll aber sehr viel zu thun haben.

Courag. Jch will doch für die lange Weile hin gehen für den Weinkeller / und ihn lassen heraus kommen / da will ich bald hören / was er am Schilde führet. (gehet ab.)

Leonore. Und ich will Morgen früh Graf Ehrenfriedgen eine Visite geben / und bey ihn hören / ob er mich nehmen will. (gehet ab.)


Vierdter Aufftritt.

(Der Prospect eröffnet sich / und zeiget
Herr Johannsen seine Wein-Stube / worinnen
sitzt Jnjurius / Leander / Jucundus und
andere Wein-Gäste / haben ein Musickgen /
und sind sehr lustig mit einander. Jnjurius
singet sein Leib-Stückgen wie folget / und
klimpert mit den Händen dazu.)

Ach Dannen-Baum ach Dannen-Baum /
Du biß ein edler Zweig / &c.


Fünffter Aufftritt.
Herr Johannes / (mit einem Glase Wein)

Joh. Momflere, das ist ein Weingen / und wenn du ihn in der Stadt besser kriegst / als mein Wein ist / so bin ich kein ehrlicher Mann.

Leander. Wie vielerley Wein schenckstu denn aus einen Fasse?

Joh. Je ja / Gottlob! Komm nur mit hinunter in meinem Keller / da will ich dir meine Weine weisen / was ich für Weine alle habe.

Leander. Nun allons! Bruder / trinck mir eins zu!

Joh. Dein Diener Momflere. (will trincken.)

Leander. Ey / du must mir auch einen Verß darzu machen.

Joh. (reimet.)

Momflere, das bring ich dir /
Jn Gesundheit meiner Herrn Gäste hier.
Es lebe die gantze Compagnie bey mir /
Für und für /
Das bring ich dir /
Allhier bey mir.
Da hasts!

(Trincket und giebt hernach das Glaß Leandern.)

Jucun. Du kanst brave Verse machen Bruder.

Joh. Was fehlt ihnen denn? wer weiß / ob du es so gelernet hast.

Jucund. Ey / du bist ein braver Mann.

Joh. Was bin ich / he!

Leander. Ein Schelm bist du.

Joh. Jn deinen Nahmen.

Leander. Nein nein Bruder / du bist ein wackerer Mann.

Joh. Das war ein Wort.

Jnjur. Herr Johannes / da lasse mir noch eins einschencken.

Joh. (Rufft seine Frau.) Dicke! Dicke!


Sechster Aufftritt.
Walpe / (kömmt gelauffen.)

Walpe. Was wilstu denn / lieber Mann!

Joh. Da hole Wein!

Walpe. Alsobald / (nimmt das Glaß / geht ab.)

Leander. Höre / Bruder / wer war gestern bey dir?

Joh. Gestern war alles voll bey mir.

Leander. Wer denn?

Joh. Ein hauffen Cavallier, Studenten / auch Grafen / Gottlob!

Leander. Was denn für Grafen?

Joh. Ehrenfriedgen / Gottlob! der Graf / wenn du ihn kennest. Kennestu ihn?

Leander. Warumb solte ich ihn nicht kennen.

Joh. Ein wackerer Herr.

Jucund. Jst es denn dieser / welcher so viel Leute hält?

Joh. Ja / Momflere, der ists.

Jucun. Was bedienen sie denn alle für Chargen bey den Grafen.

Joh. Einer ist Hauptmann / Feuerfaxgen / wenn du ihn kennest / hernach ist einer Capitain Lieutenant bey ihn / und auch einer Fendrich / Friedenschildgen / wenn du von ihn gehöret hast / es sind alles prave Leute.

Jucun. Führet er so einen grossen Staat? ey so muß er auch viel Einkommens haben.

Joh. Je ja / wenn ichs und du nur hätten / Momflere, wir wolten schon damit auskommen.


Siebender Aufftritt.
Walpe / (zu den Vorigen / bringet Wein.)

Walpe. (zu Jnjurio.) Hier / mein Herr Fleck-Schreiber / da ist sein Gläßgen.

Jucund. Da bringe sie mir auch noch eins.

Walpe. Gleich / mein Herr. (nimmt das Gläßgen.)

Joh. Dicke.

Walpe. Was denn / lieber Mann.

Joh. Bringe ihn doch eins aus dem grossen Fasse an der Mauer / No.75.

Walpe. Ey die Weine sind alle gut.

Joh. Thu du's / ich wills haben.

Walpe. Ja doch / (gehet ab.)

Jnjurius. Jch will dirs bringen / Herr Bruder.

Joh. De gratias, Momflere.

Jnjurius. Es lebe!

Joh. Was denn? Es lebe! nun mache fort / es lebe!

Jnjurius. Warte / ich will dirs erstlich zutrincken. (trincket / und als er getruncken) Da Bruder / thu mir nun bescheid / und mache mir einen Verß darzu.

Joh. Nu / Momflere, itzt will ich einen Verß machen / den du dein Lebetage nicht gehöret hast.

Jnjurius. Nu / mache fort. Es lebe!

Joh. (reimet.)

Es lebe die Sonne von Pohlens Gemüthe!
Sachsens Treue bleibe allezeit bey Elb-Strohms Güte.
Die Hand des HErrn schütze unsern König Lebenslang Gemüthe /
Die hohen Seulen bleiben allezeit in dessen Segens-Güte.
Es lebe der Unterthanen Schutz noch 1000 Jahr in frölichen Gemüthe.
So wohl bey mir
Und dir /
Als auch in Pohlen weit von hier.
Da hasts!
(trincket.)

Dergleichen hast du mein Tage nicht gehört.


Achter Aufftritt.
Walpe / (zu den Vorigen.)

Walpe. Nun / da bringe ich den Herrn einen Wein / er ist recht aus dem Mutter-Fäßgen.

Jucun. Solte der recht gut seyn?

Joh. Und wenn du ihn so gut in der Stadt kriegst / als wie der Wein ist / so bin ich ein Schelm.

Leander. Das bist du auch.

Joh. Jn deinen Nahmen.

Leander. Nein / Bruder / in deinen Nahmen.

Joh. Ja / du schierst mich wohl.

Jucun. Wenn ich als wie du wäre / Herr Bruder / ich ließe mich nicht so schimpfen.

Joh. (Zu Leandern.) Was bin ich / he! (fast ihn bey den Arme) Was bin ich!

Leander. Ey du bist ein brav Mann.

Joh. Das war ein Wort.

(Hier agiret Herr Johannes noch allerhand possirliche Schwäncke / Walpe geht ab und zu.)


Neundter Aufftritt.
Fortunatus / zu den Vorigen.

Fortunatus. Gehorsamer Diener / meine Herrns / Jhr Diener / meine Patrons.

J oh. Willkommen / Momflere, willkommen! Wo hastu denn Ehrenfriedgen / deinen Grafen / bringst du Jhn nicht mit?

Fortunatus. Nein / Er ist noch bey Hofe in der Glücks-Bude / und wird wohl heute schwerlich zu dir kommen.

Joh. Gewinnt der Graf auch wacker?

Fortunatus. Was solt Er gewinnen / Er ist gar selten glücklich. Alleine ich habe abermahl was gewonnen. (Zieht ein Schnup Tuch aus dem Schubsacke /) / Bruder / ist das nicht ein schön Schnup-Tuch? Es ist dem Grafen gewesen / Er hats verspielt.

Leander. Hats der Herr Capitain-Lieutenant Lust zu verkauffen / so will ich einen Handelsmann darzu abgeben?

Fortunatus. Es ist mir zwar endlich nicht viel nütze / doch / weil ich ietzo Geld brauche / wer mir einen Rthlr. dafür giebt /der soll es haben.

Leander. Ey behüte Gott / wer wolte vor ein altes Schnuptuch einen Rthlr. geben;

Fortunatus. Meine Patrons / es hat beym Sapperment viel Geld gekostet / der Graf hats getragen.

Leander. Ey das gläube ich gar wohl / allein dafür gebe ich keinen Rthlr.

Fortunatus. Wenn ich ietzo nicht so gar nothwendig Geld brauchte / ich wolte es selber behalten; so aber muß ich heute mit dem Grafen noch ein bachadie machen. Gebe mir der Herr 4. Groschen baar Geld / so soll Ers doch haben.

Leander. Zwey Groschen will ich dem Herrn geben / wenn er will / hier ist Geld.

Fortunatus. So nehme Ers nur dafür hin / vielleicht gewinne ich dem Grafen mit des Herrn 2. Groschen 50 Rthlr. abe.

(Leander giebt Fortunato 2. Groschen.)

J oh. Momflere, Herr Capitain Lieutenant, was wilstu denn trincken?

Fortunatus. Herr Bruder / ich werde hier nicht verziehen können / ich muß gleich wider zum Grafen gehen.

Joh. Wie du wilst.

Fortunatus. Jhr Diener / meine Patrons / Sie leben wohl.

Leander. Serviteur, Herr Capitain-Lieutenant, und wenn Er wieder was gewinnt / so komme Er her / ich wills Jhn wieder abhandeln.

Fortunatus. Es kan geschehen / meine Patrons. (geht ab.)

Jucun. Der arme Capitain Lieutenant, hat gewiß nicht viel Besoldung bey seinen Grafen.

Leander. Wie es scheint / so mag es wohl nicht viel seyn.

Joh. Nun / wie ist es denn / einmahl herumb getruncken!

Leander. Allons! Bruder / deine Gesundheit / laß mir ein Runda darzu machen.

Joh. Fort / allo! he! Ein Runda.

(Die Musicanten machen ein Runda / und andere lustige Stückgen / worbey es nach und nach finster wird.)


Zehender Aufftritt.
Feuerfax / Friedenschild / (und die Vorigen.)

Feuerfax. Schuldiger Diener / meine Herren.

Friedens. Serviteur Messieurs.

Joh. Willkommen Herr Hauptmann / Momflere. Friedenschildgen / auch willkommen.

Friedens. Serviteur Herr Bruder / wie stehts / was machst du guts?

Joh. So / es muß sich noch leiden / Gottlob; setzt euch doch nieder.

Friedens. Wir werden nicht lange verziehen.

Joh. Was wolt ihr denn trincken?

Friedens. Was hast du denn guts?

Joh. Sect / Alacanten-Wein / Neckerwein / Moseler / Spanischen / Rhein Wein / auch Land-Wein / Gottlob.

Feuerfax. Jch mag keinen Wein trincken / ich habe bey Hofe viel gesoffen.

Joh. Was wilst du denn?

Feuerfax. Herr Bruder / laß uns nur ein gut Glaß Bier geben.

Joh. Jch habe kein Bier.

Friedens. Hier steht ja welches auf dem Tische?

Joh. Warumb wolt ihr aber keinen Wein trincken?

Friedens. Es eckelt uns für den Weine so / wir haben bey Hofe zu viel gesoffen.

Joh. Dicke!

Walpe. Mein Schatz.

Joh. Hole ihn doch nur ein Glaß Bier.

Walpe. Ja / lieber Mann. (gehet ab.)

Leander. Die Herren setzen sich doch zu uns an dem Tisch her.

Feuerfax. Wir werden nicht lange verziehen.

Friedens. Wir müssen wieder zu dem Herrn Grafen nach Hofe gehen.

Leander. Mögen sie doch so lange warten als sie wollen / deßwegen können sie sich ja wohl niedersetzen.

Joh. Setzt euch doch nieder / es ist ja Platz genug da.

(Sie setzen sich)

Friedens. Wird das Bier bald kommen.

Joh. Es ist gleich da.


Eilffter Aufftritt.
Walpe / (mit einem Glaß Bier zu den Vorigen.)

Walpe. Da bringe ich den Herrn ein Glaß Bier / sie werdens in der Stadt nicht besser finden.

Feuerfax. Ey das gläube ich ihr gar wohl.

Joh. Von der Neige hättest du ihnen bringen sollen.

Walpe. Weßwegen denn?

Joh. Warumb sauffen sie keinen Wein?

Walpe. Je / lieber Mann / wer kan denn die Herren zwingen / wenn sie nicht wollen.

Joh. Nu allons, einmahl herumb getruncken.

Jucundus. Prosit Herr Bruder / deiner Dicke Gesundheit.

Joh. Sie lebe / meine Dicke / in meinem Nahmen aber.

Jucundus. Allons, ein Runda. (Jucund. trinckt.)

(Singen.)

Alle.

Runda Runda der Wein ist gut
Runda dinellula.
Er macht uns einen frischen Muth /
Runda dinellula.

Joh. Das ist viel!

Jucundus. Da thu mir Bescheid / wir wollen dir auch ein Runda singen.

Joh. Nun allo he! singt!

(Sie fangen alle wieder an zu singen.)

Runda Runda der Wein ist gut /
Runda dinellula.
Herr Johannes ist ein 15hut /
Runda dinellula.

Joh. Ein Schelm heist mich so.

Leander. Ey Bruder wir meinen ja dich nicht.

Joh. Das war ein Wort.

Leander. Umb Vergebung mein Herr Fendrich / daß ich frage? Hält denn ihr Herr Graff auch viel Volck.

Friedens. Nein / Monsieur, er hat von gemeinen Soldaten noch nichts geworben. Aber auf das Früh-Jahr will er etliche Regimenter werben lassen.

Joh. Das ist viel.

Friedens. Ja / er muß doch in seiner Grafschaft Soldaten haben / damit er in Fall der Noth seine Vestungen defendiren kan.

Jucundus. Der Herr Graf aber hat sonst sehr viel Leute.

Feuerfax. Ja die hält er nur zu seinem Staate.

Friedens. Jch wolte daß es morgen wieder zu Felde gienge / es solte mir so lieb seyn / als wenn mir einer 100. species Ducaten verehrete.

Leander. Es scheinet / als wenn der Herr Fendrich schon mehr wäre darbey gewesen.

Friedens. Mons. mag mirs gläuben oder nicht / ich bin vor diesen mit gewesen in Ungarn / vor Ofen / vor Wien / vor Stuhl-Weissenburg / und bald gar mit vor Constantinopel. Jtem draussen am Rhein vor Mayntz / vor Bon, Mons, und Namur / ja ich habe mich der Tebel hol mer so versucht im Kriege / daß / wenn ich alles erzehlen solte / einem die Haare zu Berge stehen würden.

Leander. Allein / ist auch der Herr Fendrich ohne Blessuren immer davon gekommen?

Friedens. Ja / Monsieur, das kan ich wohl sagen / daß mir kein Finger ist verletzet worden / und bin doch in sehr gefährlichen Scharmützeln mit gewesen.

Friedens. Messieurs, sie mögen mirs gläuben oder nicht / ich bin bey der Eroberung von Namur mit einer Falckenet-Kugel auff die Hertz-Cammer geschossen worden / daß es der Tebel hol mer gepufft hat.

Jucundus. Und wäre nicht durch gegangen?

Friedens. Nein / Monsieur.

Joh. Auch kein blauer Fleck?

Friedens. Nicht das geringste war zu sehen; sondern ich langte die Kugel ohne eintziges Verletzen aus dem Busen heraus / daß sich auch alle meine Cammeraden darüber verwunderten.

Joh. Das ist viel.

Friedens. Herr Bruder / du magst mirs gläuben oder nicht / ich kan diese Stunde noch dieselbe Kugel weisen.

Jucundus. Jch dächte / es könte fast unmöglich seyn.

Friedens. Mons. Lasse mich nicht schweren / allein es ist der Tebel hohlmer wahr.

Leander. Dächte man doch nicht / daß dieses von rechten Dingen zu gehen könte?

Feuerfax. Warum nicht / Monsieur, Es giebt viel Dinge vor Hauen / Stechen und Schiessen / die doch natürlich seyn / und mancher / der es nicht weiß / dächte es wäre Hexerey.

Leander. Solte das wohl möglich seyn?

Feuerfax. Monsieur, schau er : hier habe ich eine Salpeter-Kugel / die ist ihrer Güte halber 200. Rthlr. werth / wenn ich davon nur einer Linse groß abbreche / und schmiere mich damit / so mag einer auff mich hauen / auff mich stechen / und auff mich schüssen / es wird nicht durchgehen.

Joh. Mein lebetage nicht gehört!

Leander. So eine Kugel möcht ich haben.

Feuerfax. Wenn Monsieur selbige verlangt / so kan ich sie ihn schon lassen.

Leander. Wie theuer denn?

Feuerfax. Monsieur mag mir nur einen species Ducaten dafür geben.

Leander. Nein / mein Herr Hauptmann / so viel Geld wende ich auff eine Salpeter-Kugel wohl nicht.

Feuerfax. Höre er Monsieur, weil ich ietzo nothwendig Geld brauche / so soll er mir 4. gute Groschen dafür geben.

Leander. Hier sind 2. Groschen / kan sie der Herr Hauptmann dafür vergessen / mehr gebe ich nicht dafür.

Feuerfax. Weil es der Herr ist / so will ich sie ihn doch dafür lassen / damit er nun sieht / was für einen Effect dieselbe hat.

Leander. Hier ist Geld / mein Herr Hauptmann. (Giebt ihn 2 Groschen vor die Kugel)

Feuerfax. Monsieur, der Hencker zerreise mich / wenn ich ihn nicht zehen Thaler an derselben Kugel schencke / denn es ist eine rechte Rarität.

Friedens. Diesen Degen hier / Messieurs a vôtre permission (Ziehet den langen Stoß-Degen auff 3 mahl heraus.) den wolte ich keinen vor 30. Thlr. geben / auff denselben kan ich mich verlassen.

Jucundus. Wie so / weil er so lang ist.

Feuerfax. Nein Monsieur, und wenn tausend andere Klingen ihn nur anrühren / so müssen sie alle springen.

Joh. Wie gehts aber zu?

Friedens. Das will ich dir gleich sagen. (steckt ihn wieder in die Scheide.)

Joh. Wie denn?

Friedens. Jch habe nicht mehr als eine Erbse groß von des Herrn Hauptmanns seiner Salpeter-Kugel mir in Knopff machen lassen / und davon müssen alle andere Klingen springen / sie mögen seyn aus Spanien oder aus Teutschland.

Joh. Das ist viel.

Feuerfax. Ja Herr Fendrich / es wird finster / wir werden müssen marchiren / der Graf dürffte wohl heute zeitlich nach Hause gehen / und sich schlaffen legen.

Friedens. Es ist wahr / er sahe ohndem alle schläfrig aus. Herr Bruder / wie viel haben wir Bier?

Johan. Eine treffliche Zeche / ein Glaß.

Friedens. Was kostet es?

Johan. Als wenn du's irgend nicht wüstest.

Feuerfax. Wie viel denn?

Johan. Zwey Groschen Gottlob!

Friedens. Hier wird Geld seyn. (Giebt ihn Geld.)

Johan. Wolt ihr denn nicht noch eins?

Feuerfax. Nein / wir haben nicht Zeit / ein andermahl.

Johan. Wie du wilst Momflere, aber höre ein Wort. (Saget Feuerfaxen etwas heimlich ins Ohr.) Das Restgen / Momflere?

Feuerfax. Was vor ein Restgen.

Johan. Bey Ehrenfriedgen / deinen Herrn / die 16. Kannen Wein / Nu! da hasts.

Feuerfax. Ja so / ich dachte du woltest von mir was haben.

Johan. Nicht doch.

Feuerfax. Höre Bruder / ich kan dir keinen bessern Rath geben / als daß du es auffsetzest / was es macht / und bringest es hernach meinen gnädigen Herrn hin / wenn er zu Hause ist.

Johan. Welche Zeit wohl.

Feuerfax. Komm nur morgen früh um 9. Uhr oder des Nachmittags umb 2. oder 3. Uhr / so ist er zu Hause / und alsdenn kanst du dich nur bey ihm anmelden lassen.

Johan. Gantz gut Momfler, ich will hinkommen.

Feuerfax. Das thu du nur / es wird ihn recht lieb seyn. (Steht mit Friedenschilden auff.) Nun ihr Diener meine Herren.

Leander. Serviteur Herr Hauptman / Er lasse sich seine Salpeter-Kugel nicht tauren.

Feuerfax. Es hat nichts zu sagen / kan ich mir doch schon eine andere wieder machen.

Friedens. Serviteur Messieurs, Sie leben wohl.

Jucundus. O ihr Diener / Herr Fendrich.

Johan. Lebe wohl Momflere, kommt auch bald wieder zu mir / bringt Ehrenfriedgen auch einmahl wieder mit.

Friedens. Wir wollen sehen / wie es die Gelegenheit geben wird / Adjeu!

Leander. und Jucundus. Serviteur.

(Feuerfax und Friedenschild gehen ab / Herr Johannes giebt ihm das Geleite.)

Leander. Was meynstu Bruder / solten die Dinge wohl wahr seyn mit der Falckenet-Kugel?

Jucundus. Je wer wird denn solch Ding gläuben. Jch glaube nicht / daß der Kerl einmahl einen todten Hund gesehen hat / geschweige / daß er wäre mit der Falckenet-Kugel auff die Brust geschossen worden.

Leander. Ey / was fehlte denn dem Hn. Hauptmann mit seiner Salpeter-Kugel / die er mir vor 2. Groschen verkaufft hat?

Jucundus. Wenn du die 2. Groschen versoffen hättest / oder einem armen Menschen dafür gegeben / vielleicht hättest du sie besser angewendet / als so.

Leander. Jch habe nur solches aus Spaß gethan / ich weiß indem wohl / daß sie zu nichts hilfft.

Jucundus. Die armen Officirer / sie dachten wunder / was sie vor Thaten gethan hätten.

Leander. Ey / das sind die rechten Officirer / man solte wohl was kluges mit sie ausrichten können / zumahl der Fendrich mit seinen Stoß-Degen.

Jucundus. Habe ich doch Zeit meiner Tage keinen solchen Degen gesehen.

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