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Gutenberg > Christian Reuter >

Graf Ehrenfried

Christian Reuter: Graf Ehrenfried - Kapitel 2
Quellenangabe
typecomedy
booktitleGraf Ehrenfried
authorChristian Reuter
year1961
publisherMax Niemeyer Verlag
addressTübingen
titleGraf Ehrenfried
pages1-3
created20020511
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1700
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Der Schau-Platz praesentiret eine Stadt / und im Prospecte zeiget sich Graf Ehrenfrieds Audienz-Gemach.

Erster Handlung

Erster Aufftritt.
Fortunatus / Marode / Sylvester.

Fortunatus. JCh wolte wündschen / daß Jhr: Excellenz und Hoch-gräffl. Gnaden zu Hause wären / vielleicht stündet ihr Jhm alle beyde an.

Sylvester. Wird denn der Herr Graf lange aussen seyn?

Fortunatus. Mein Freund / das kan ich nicht wissen; So bald Er aber von Hofe kömmt / will ich eurer bey Jhrer Excellenz und Hochgräfl. Gnaden schon bestens gedencken.

Marode. Ey ja / mein Herr Capit. Lieutenant, Er sey immer so gütig / und rede bey dem Herrn Grafen unser bestes / wir wollen uns schon gegen denselben mit der Zeit danckbar erweisen.

Fortunatus. Es hat davon gantz nichts zu sagen / denn mein gnädiger Herr muß ohndem noch zu seinem Staate noch ein paar tüchtige Jäger halten.

Marod. Hält denn der Herr Graff ietzt gar keinen Jäger?

Fortun. Er hält wohl einen / allein es ist ein alter Kerl / der sich nicht mehr mit dem Gesichte behelffen kan.

Sylvest. Wo ist denn derselbe?

Fortun. Mein gnädiger Herr hat ihn gestern in seine Graffschafft geschickt / da soll er ein wenig die Wild-Bahne recognosciren / denn es wurde neulich her bericht / die Unterthanen schössen daselbst die Hasen so weg.

Marod. Es hat uns gestern ein alter Jäger zwey Meilen von hier begegnet / vielleicht ist es derselbe gewesen.

Fortun. Wie sah er denn aus?

Marod. Er hatte einen alten Dachs-Rantzen auff dem Buckel / und einen erschrecklichen großen Barth.

Fortun. Ja / denselben hat er / denn mein gnädiger Herr hat ihn immer damit geschraubt / und gesagt: Wenn er sich nicht würde den grossen Barth abscheeren lassen / so wolte Er selbst einmal her seyn / und ihn solchen mit einem Strohwische abbrennen.

Sylvest. Sieh! sieh! ist dieser bey dem Herrn Grafen in Diensten?

Fortun. Mein gnädiger Herr hat ihn bißhero nur das Gnaden-Brodt gegeben / und weil er ein alter Kerl ist / so braucht er ihn manchmahl zu verschicken / dafür hat er Jährlich 10. Rthlr.

Marod. Ey das ist mehr als zu viel vor so einen Jäger / der nicht mehr schiessen kan.

Fortunatus. Allein / wie seyd ihr denn in eurer Jägerey beschlagen? Versteht ihr denn euer Weydewerck auch recht aus dem Fundamente?

Sylvester. Ey dafür hat es keine Sorge / mein Herr Capitain Lieutenant, ich wolte / daß mir meine Büchse hier reden könte / da solte er mit grosser Verwunderung hören / wie viel Rephüner ich einmahl damit auf einer Weide geschossen / und wenn mir die Büchse dasselbe mahl nicht dreymahl nach einander versaget hätte / so wolte ich einen Schuß gethan haben / der dobbersche seyn sollen / so aber flogen von dem abgeschnappe die meisten fort / und traff also ihrer nicht mehr als siebenzehn.

Fortunatus. Rephüner?

Sylvest. Ja / mein Herr Capitain Lieutenant, Rephüner.

Fortunatus. Auff einer Weide?

Sylvest. Ja auff einer Weide.

Marod. Was will sich der Herr Capitain Lieutenant darüber verwundern ! Habe ich doch mit meiner Büchse hier drey Hasen auff einen Schoß auff einer grossen Eiche geschossen; und wenn ich dazumahl nur gut Zündkraut hätte auff der Pfanne gehabt / daß es geschwinde wäre loß gegangen / so hätte ich auch wohl noch ein paar Füchse mit ergattern wollen / so aber brannte es langsam ab / und als die schlauen Füchse das Feuer rochen / marchirten sie fort / die 3. Häßgen aber musten Haare lassen.

Fortunatus. Füchse und Haasen auff einer Eiche?

Marod. Ja / mein Herr Capitain Lieutenant, auff einer Eiche sassen sie / und spielten mit einander.

Fortunatus. Je habe ich doch mein lebetage dergleichen nicht gehöret / und bin doch mit meinem Herren Grafen auf so mancher Haasen-Hetze und Fuchsjagt gewesen.

Marod. Es ist in Wahrheit keine Lügen.

Fortunatus. Das Ding muß ich meinem gnädigen Herrn / sobald er von Hofe kömmt / erzehlen.

Marod. Das kan der Herr Capitain Lieutenant thun / und wenn uns der Herr Graf deswegen selbst zur Rede setzt / können wir ihn bey unsern Gewissen nicht anders berichten / alß daß dieses alles wahr sey.

Fortunatus. Wenn ihr darthun könnet / daß diese Dinge mein gnädiger Herr sich einbilden kan / und hälts für keine Schraube / so wird er euch schwerlich von sich lassen / und absonderlich / wenn ihr die Historie mit den Hasen-schiessen auf der grossen Eiche beweisen könnet.

Marod. Das muß mein Cammer-Rath hier mit guten Gewissen / wenn es verlanget wird / eydlich aussagen.

Sylvest. Und wenns der Herr Graf mit den Rephüner-schiessen / auf der Weide mir auch nicht gläuben will / so kanst du mirs eben auch beschweren.

Marod. Ja / hertzlich gerne / wenns verlangt wird.

Fortunatus. Das wäre doch viel / wenn dieses wahr wäre.

Marod. Ey wenn ich doch nur damahls gut Zündkraut hätte auff der Pfanne gehabt / es hätte mir wohl kein Fuchs weit springen sollen. So bald ich aber in des Herrn Grafens Dienste kommen werde / so will ich mir schon gut Pulver zulegen / das fix loß brennet.

Fortunatus. Nicht allein gut Pulver / sondern ihr müßt euch auch auf tüchtigen Haasen-Schroot befleißigen / denn es giebt in meines Herrn seiner Graffschafft erschrecklich viel Haasen.

Sylvest. Ey wir wollen sie schon wegputzen / denn auff meine Büchse kan ich mich so gut verlassen / als wie der Bock auff seine Hörner.

Marod. Und mit meiner hier / will ich mit Willen auch wohl keinen Schuß verfehlen / denn es ist ein Damascener-Gemächte.

Fortunatus. Je nu nu / ich wills meinem gnädigen Herrn / wenn er nach Hause kömmt / so erzehlen / und euer Bestes gedencken. Wolt ihr nun so gut seyn / und etwan nach Mittage umb 2. oder umb 3. Uhr / vor meines gnädigen Herrns sein Zimmer kommen / so solt ihr für andern Audienz haben / und verhoffentlich mit einer erfreulichen Resolution begnadiget werden.

Marod. Gantz gut / mein Herr Capitain Lieutenant, wir wollen uns hier nicht länger auffhalten / sondern die bestimmte Zeit schon in Acht zu nehmen wissen; Nur darumb bitte ich nochmahls / er rede unser Bestes / wir wollen dafür danckbar seyn.

Sylvest. Ey ja / er thue es immer / wer weiß / wo wir sonst einander wieder brauchen.

Fortun. Jhr dürfft deswegen keine Sorge tragen / ich wills schone machen.

Marod. Nun wir wollen uns ohnfehlbar einstellen.

Fortunatus. Das thut / und nehmt die gesetzte Zeit in Acht.

Sylvest. Es soll geschehen. (Marode und Sylvester gehen ab.)


Anderer Aufftritt.
Fortunatus. (alleine.)

Nun es kömmt auch alles zu mir gelauffen / und will durch mich bey meinem gnädigen Herrn Beförderung haben. Ja es ist auch fast kein einziger Diener bey meinem Grafen / der nicht sagen muß / daß er durch mich sey befördert worden / auch zum wenigsten meines Herrn sein so genannter Mummelmärten / der Cammer-Junge / hat mir sein Glücke zu dancken. Mit diesen beyden Jägern nun kostet es mir nicht mehr / als ein einziges Wort / so sind sie alle beyde Gräffliche Diener / zumahl / wenn ich meinem gnädigen Herrn die Historia von dem siebenzehen Rephüner-schüßen auf der Weyde / und das drey Hasen-schüßen auff der Eiche erzehlen werde. O mor pleu! wie wird Er die Augen verkehren / und das Kinn kratzen. An Leuthen fehlt es zwar meinem Grafen nicht / allein das Kost-Geld und die Besoldung bleibt immer bey Jhm gar zu lange in der Wäsche; Warumb? Der liebe Graf verthut selbst so viel / und wenn es denn nicht zulangen wil / so heist es : Herr Capitain Lieutenant, schafft Rath / geht / nehmt mein Kleid / meine Halßkrause / meinen Degen / meine seidenen Strümpffe / versetzt es / verschachert es / denn ich muß Geld haben. Ach wie manche schöne Nacht habe ich die alte Klunte / meines Herrn seine Trödel-Frau / aus dem Bette pochen müssen / daß sie mir bald auff meines Herrn seine verschammerirten Hosen / bald auf seine Weste / oder ein paar Hembden / Geld lehnen müssen; Und wenn es denn zu gesetzter Zeit hat sollen wieder eingelöset werden / so ist hernach bey meinem Herrn Grafen kein Mensch zu Hause gewesen. Jtzund stehen nun wieder ein hauffen Sachen versetzt / ich will gerne sehen / wenn Er Sie wieder wird einlösen lassen. Zwar fragte ich darnach auch nichts / wenn nur die Leute nicht immer zu mir gelauffen kämen / und qvälten mich so. Doch kan ich die guten Leute auch nicht drumb verdencken / weil sie wissen / daß ich meines Herrn seine Hand-Gelder alle unter mir habe / ja / es wäre gut zahlen / wenn wir nur allemahl was hätten.


Dritter Aufftritt.
Klunte und Fortunatus.

Klunte. Glück zu! Herr Capitain Lieutenant, Glück zu!

Fortunatus. Grossen Danck / Mutter Klunte / großen Danck. Was bringet denn ihr guts?

Klunte. Was soll ich bringen? Jch wolte nur bey dem Herrn Capitain Lieutenant vernehmen / ob des Herrn Grafens seine Sachen nicht etwan heute oder Morgen wieder könten eingelöset werden.

Fortunatus. Ja / Mutter Klunte / ich zweiffele / ob es so bald wird seyn können / denn mein gnädiger Herr ist itzt gantz nicht bey Gelde.

Klunte. Ey / ey / das ist ein schlechter Trost.

Fortunatus. Ja ich wolte euch gerne helffen / wenn nur einige Möglichkeit da wäre.

Klunte. Mein Herr Capitain Lieutenant, er kan mirs nicht gläuben / wie mich die Leute ängstigen / wo des Herrn Grafens Sachen stehen / sie kommen alle Augenblick zu mir in mein Hauß gelauffen / und geben mir die allerleichtfertigsten Wort.

Fortunatus. Die närrischen Leute haben ja Pfand genug für ihr geliehen Geld / und warumb dringen sie denn so auf die Einlösung;

Klunte. Sie sprechen dieses : Die gesetzte Zeit wäre umb / keinen Zinß bekämen sie weiter / und also müste auch das Wort gehalten seyn.

Fortunatus. Das Wort gehalten seyn? als wenn sich ein grosser Herr / wie mein Graf ist / solcher Lappereyen halber eben an das Wort binden müste / ich dächte sie könten ja wohl noch ein acht oder 14. Tage warten.

Klunte. Das habe ich ihnen alles schon gesagt / sie wollen sich aber durchaus nicht weisen lassen.

Fortunatus. Und wenn sie nicht wollen / so müssen sie doch warten / biß mein gnädiger Herr Geld kriegt.

Klunte. Davon habe ich ihnen auch gesagt / allein sie gaben mir zur Antwort : Das liessen sie wohl bleiben. Und wenn heute oder Morgen der Herr Graf seine Sachen nicht wieder bey sie würde einlösen lassen / so wolten sie sie Ubermorgen entweder verkauffen / oder auff den Trödel hengen.

Fortunatus. Ey das wäre eine schöne Schraube / wenn meines Herrn seine versetzten Sachen solten vertrödelt werden.

Klunte. Alleine mein Herr Capitain Lieutenant, was ist aber hierinnen zu thun?

Fortunatus. Hört / ich will mit Jhr. Excellenz, meinen gnädigen Herrn / aus der Sache reden / kommt nur nach Mittage umb 2. oder umb 3. Uhr / vor sein Zimmer / da ist er zu Hause / und alsdenn solt ihr bey ihm Audienz haben.

Klunte. Es ist gantz gut / mein Herr Capitain Lieutenant, ich will gleich hingehen / und die Leute so lange vertrösten / biß ich mit den Herrn Grafen selbst geredet hätte.

Fortunatus. Das thut / und saget denen Leuten / daß sie / ohne Vorbewust meines Herrn / kein getrödele mit seinen Sachen vornehmen solten / oder mein gnädiger Herr würde sie auff öffentlicher Gasse in den Bock spannen lassen.

Klunte. Gantz wohl / mein Herr Capitain-Lieutenant, ich will gleich hingehen / und nach Mittage umb 2. oder 3. Uhr dem Herrn Grafen auffwarten. (Gehet ab.)

Fortun. Das könnt ihr thun. Jch weiß auch nicht / wie mein gnädiger Herr ist / daß Er vor gar nichts sorget. Er bekömmt doch so manchen schönen Ducaten / und so manch schönes Kleid von Jhrer Königlichen Majestät geschencket / allein es ist Jhm so viel nütze / als den Kindern ein spitziges Höltzgen / denn es weiß kein Hencker nicht / wo Er das Geld alle hinthut. Er hat zwar auff meine Recommendation einen Cammer-Jungen angenommen / welchen Er nur seinen Hauß-Dieb nennet / derselbe Vogel hat Jhn auch schon so viel verschleppt / daß er den Galgen wohl zehen mahl verdienet hätte / und mein Herr Graff ist so gnädig / und sagt der Kröte deßwegen nichts / ja Er heists ihn vielmehr / als daß Ers ihn verbiethen solte. Jch will noch gerne sehen / wie Er künfftig den Staat fort führen will / das Kost-Geld fällt auch nicht allemahl richtig / einen Diener nach dem andern nimmt Er an / und wundert mich nur / daß die pravsten Leute von der Welt bey Jhm so gerne in Diensten seyn wollen. Jch will mich meiner Qvalitäten halber zwar nicht rühmen / und es meinem Herrn Grafen auch nicht vorgeworffen haben / dennoch aber muß Er selbst gestehen / daß ich Jhn vor etlichen Jahren unter den Lüneburgischen commandiret habe. Er war anfänglich mein Musqvetirer / hernach mein gefreyter Corporal / und ich war sein Fendrich. Jtzund aber ist Er mein gnädiger Herr / und ich bin sein getreuer Capitain-Lieutenant. Was Er itzund mir befiehlt / das muß ich thun. Jch kan aber sagen / daß ich alle Libertät bey Jhrer Excellenz und Hoch-Gräflichen Gnaden habe / und was Er seinen Geheimbden Räthen nicht wissen lassen will / dasselbe vertrauet Er mir. Warumb? Er weiß wohl / daß sein Herr Capitain-Lieutenant verschwiegen ist.


Vierdter Aufftritt.
Mummel-Märten / Fortunatus.

Mumm. M. Mein Herr Capitain-Lieutenant, Er soll geschwinde / geschwinde nach Hofe zu dem Herrn Grafen kommen.

Fortunatus. Wo ist denn der Herr Hauptmann und der Herr Fendrich?

Mumm. M. Sie sind auch bey Jhrer Excellenz dem Herrn Grafen.

Fortunatus. Soll etwan bey Hofe eine Bären-Hetze angestellet werden?

Mumm. M. Das weiß ich nun nicht; Alleine das weiß ich wohl / daß der gantze Schloß-Hoff mit lauter Haasen-Netzen umstellt ist / und wie ich oben neben dem Herrn Grafen zum Fenster heraus guckte / so sahe ich auch schon ein hauffen Haasen in der Bestallung herumb lauffen.

Fortunatus. So / so / es wird eine Haasen-Jagd angestellet werden / und da wird der Herr Graf haben wollen / ich soll dieselbe mit ansehen.

Mumm. M. Jch dencke wohl / daß ich den Herrn Capitain-Lieutenant deßwegen habe ruffen müssen / drumb halte Er sich nur nicht lange auff / daß Er noch zu rechte kömmt / sonst möchte der Herr Graf schmälen / und mir wohl gar die Schuld geben / daß ich so langsam in ausrichten wäre.

Fortunatus. Die Haasen-Jagd wird doch ietzo nicht gleich angehen?

Mumm. M. Man kan nicht wissen / denn mein Herr der hieß mich geschwinde / geschwinde nach euch lauffen / und rieff mir hinden nach : Wenn ich nicht alsofort würde wieder kommen / und Euch mitbringen / so wolte Er mich drey Tage nach einander lassen in den Bock spannen.

Fortun. So werden sie gewiß mit dem Haasen-Hetzen warten / biß ich komme?

Mumm. M. Ja freylich warten Sie auff Euch.

Fortun. Weil das ist / so komm nur.

Mumm. M. Jch werde dem Herrn Capitain-Lieutenant folgen.

(Geht ab.)


Fünffter Aufftritt.
Courage und Grethe.

Grethe. So hast du mich gleichwohl rechtschaffen lieb?

Courag. Ja / liebes Gretgen / von Grund der Seelen / und ich wolte / daß ich nicht Courage hieße / wenn ich dich nicht tausendmahl lieber habe / als mich selbsten.

Grethe. Die Worte sind wohl gut / allein es ist dem hunderten Kerl nicht zu trauen / und der tausende meynet es mit einem ehrlichen Mägdgen nicht allemahl auffrichtig.

Courag. Das ist alle wahr / Gretgen. Allein ich wolte nicht mehr wüntschen / als daß du nur in mein Hertze gucken köntest / da soltest du sehen / wie lieb ich dich hätte.

Grethe. Jst das wohl möglich / hast du mich recht von Hertzen lieb?

Courag. Ja / Gretgen.

Grethe. Wie lieb aber denn?

Courag. Ach so lieb / so lieb / ich möchte dich flugs für lauter Liebe auff-fressen.

Grethe. Gar auff-fressen? Das wär auch eine abscheuliche Liebe.

Courag. Du Hertzes-Kind / man redet nur so / wenn eines das andere recht lieb hat.

Grethe. Ja so / das ist ein anders. Nun / wenn ichs wüste / daß es dein rechter Ernst wäre / mich zu heyrathen / und daß du mir hernachmahls auch getreue verbleiben woltest / und nicht irgend extra gehen / so wolte ich gantz kein Bedencken nehmen / dir diesen Augenblick noch mein Ja-Wort zu geben.

Courag. Ja / Gretgen / da hast du meine Hand / und ich bin nicht ehrlich / wenn ich dich nicht von Hertzen lieben will; aber – –

Grethe. Und was aber?

Courag. Das Extra-gehen wirst du ja so genau nicht nehmen?

Grethe. Was? extra-gehen? Nein / Courage / das stünde mir zum wenigsten nicht an / zu leiden.

Courag. Weswegen aber nicht? Es ist ja heutiges Tages Grand mode?

Grethe. Ey / Grand mode hin / Grand mode her / wenn ich soll einen Mann nehmen / so muß er entweder mein Leib-eigen seyn / oder ich habe die Brieffe von so einem Schatze.

Courag. Je nu / nu / ich frage endlich nichts darnach; Wilstu es nicht haben / daß ich manchmahl mit andern Frauenzimmer reden soll / so must du mirs hingegen auch versprechen / niemand anders / als mich alleine / zu lieben.

Grethe. Das will ich auch thun.

Courag. Ja / ihr Frauen-Volck thuts manchmahl mehr als zu viel.

Grethe. Das erfordert auch ihre Schuldigkeit / daß Sie ihre Männer rechtschaffen lieb haben sollen.

Courag. Ja / Sie solten wohl; aber – –

Grethe. Mit deinem Aber. Es wäre nicht gut / wenn das Weibsen ihr Gewissen nicht besser bedencken solte / als das Mannsen.

Courag. Es solte wohl / ja / wenn Sie es auch thäten ; allein Sie thuns manchmahl mehr als zu viel / daß hernach der arme Mann wider sein Wissen und Willen muß Gevatter-Briefe schreiben lassen.

Grethe. Du redest wohl närrisch Zeug / Courage / wenn du mir dieses nun mit Eydlichen Zeugen beweisen soltest / wie schöne würdest du mit der Lügen in Drecke sitzen bleiben?

Courag. Je Närrchen / wer wird denn solch Ding beschwehren können? man redet nur so / wie es manchmahl pflegt im Stande der geflickten Hosen her zu gehen.

Grethe. Laß uns davon nur stille schweigen / und von unserer Heyrath reden.

Courag. Was wollen wir lange reden / du darffst nur Ja sagen / ob du mich haben wilst oder nicht.

Grethe. Es läßt sich ja flugs nicht so thun / und wenn ich gleich lange Ja spreche / so muß ich doch erstlich meines gnädigen Grafens seinen Consens haben.

Courag. Alle recht / Gretgen / allein du kanst ja nicht eher dem Grafen davon gedencken / biß wir mit einander richtig sind.

Grethe. Je nu / nu / wenn du mich rechtschaffen lieben wilst / und auch für gut halten / so hast du hiermit meine Hand / ich sage Ja / du solst mein lieber Schatz seyn.

Courag. Du darffst dir deswegen keine Sorgen machen / ich will dich schon lieb und werth halten ; allein halt du mir auch nur feine gute Farbe.

Grethe. Das verspreche ich dir hiermit / so wahr ich noch ein ehrliches Mädgen bin / daß ich dir biß in den Tod treu verbleiben will.

Courag. Das ist viel geredt.

Grethe. Das will ich auch halten.

Courag. Nun weil du das thun wilt / so hast du hiermit meine Hand auch / und verspreche / dich so lange zu lieben / zu ehren / zu caressiren / zu honoriren / zu charmiren / und zu contentiren / biß ich nolens volens werde sprechen müssen:

Hier liegt Courage nun
Bey seinem lieben Weibe /
Mit seinem Zeit-Vertreibe /
Er kan nicht mehr das Seine thun /
Hier liegt Courage nun.

Grethe. Ey das ist ein schön Stückgen / das möchte ich wohl gerne von dir singen hören.

Courag. Je das kan ich dir ja wohl leicht zu gefallen thun.

Grete. Hast du denn auch eine gute Stimme zu singen?

Courag. Ey ich kan vortrefflich schlingen / denn ich bin vor diesen in vierzehen Capellen gewesen.

Grete. Nun so laß doch hören / was du kanst.

Courag. So gieb mir Audienz, und bringe mich nicht aus dem Thone.

Grete. Ey sing du nur / ich will gantz fleißig zu hören.

Courag. Gleich solls angehen. (Hustet und macht närrische Praeparatoria.)

singet:

Hier liegt Courage nun / &c.

Nun / wie hat dir denn das Stückgen gefallen?

Grete. Ach überaus wohl! und wann ich dich bitten darff / so singe mirs noch einmahl.

Courag. Warte / ich will den andern Verß auch singen / der geht eben auch auff die Melodey.

Grete. Ey ja / mein Schatz / du wirst mich hoch obligiren.

Courag. Alsobald.

(singet:)

Hier liegt Courage nun /
Der arme Fincken-Ritter /
Und spielet auff der Zitter.
Er lasset Ring und Lantze ruhn.
Hier liegt Courage nun.

Grete. Ey das Stückgen must du mir zukommen lassen.

Courag. Was wilst du denn damit thun?

Grete. Jch wills den Herrn Grafen weisen / denn er hält überaus viel auff curiöse Sachen.

Courag. Das kan ich wohl thun / alleine wenn er die Melodey nicht weiß / wie ers singen soll / so ist es ihn eben so viel nütze als nichts.

Grete. Ey wenn gleich. Ob ers schon nicht singet / so liest er doch gerne solche Dinge / und zumahl weils von dem Fincken-Ritter mit drinne stehet.

Courag. Je nu nu / komm nur hernach wieder zu mir / so solst du es haben.

Grete. Wenn sprechen wir denn einander wieder?

Courag. Weiß ichs doch selber nicht / auff den Abend etwan.

Grete. Es wird halt ich wohl auf den Abend das Beste seyn / daß wir ein wenig wieder zusammen kommen.

Courag. Je nu / wie du wilst ; ich habe am Tage eben auch nicht gar zu wohl Zeit / allein welche Zeit treffe ich dich wohl wieder an?

Grete. Die Zeit kan ich dir nun eben nicht versprechen / wenn? Sobald sich aber der Herr Graf mit seinen Leuten hat zur Ruhe geleget / so will ich wieder hie seyn / und deiner warten.

Courage. Wo schläfft denn dein Herr?

Grete. Er schläfft in der Stube auf einer Straputzke.

Courage. Hat er denn kein Bette?

Grete. Er hat wohl eins / allein er darff sich ietzo nicht hinein legen.

Courage. Warum aber nicht?

Grete. Er hats durch seinen Capitain-Lieutenant versetzen lassen / und ist noch nicht wieder eingelöset.

Courage. Er wird ja nicht ein Narre seyn / und die Betten versetzen.

Grete. Ey es ist davon nicht viel zu sagen / er läst wohl das Kleid vom Leibe versetzen wenn er kein Geld hat.

Courage. Wo schlaffen aber seine Leute?

Grete. Du hertzes Kind / die liegen nun alle umb den Grafen auff der Straputzke herumb / und decken sich mit ihren Röcken zu.

Courage. Jch dächte aber / der Herr Graf könte unmöglich so ruhen.

Grete. Ach ja / er schläfft sehr wohl. Denn er hat einen Cammer-Jungen / den heist er nur Mummel-Märten / der muß ihn / wenn er sich niederleget / so lange die Füsse krauen / biß er einschläfft.

Courage. Wenn stehet er aber wieder auff?

Grete. So bald als der Wächter hat 1. oder 2. geruffen / ist er allard, und weckt seine Leute auff / wenn sie denn nun nicht geschwinde auffstehen / so nimmt er eine Hose mit Wasser / und begiesset sie alle miteinander.

Courage. Ey das stünde mir zum wenigsten nicht an / und wenn mich mein Herr mit Wasser begiessen wolte / wenn ich nicht flugs auffstünde / so er mich weckte / da müste er viel zu thun haben. Allein / was ein kluger Herre ist / der wird auch dergleichen Narren-Possen mit seinen Dienern nicht so fürnehmen.

Grete. Das ist wahr / der Herr Graf nimmt manchmahl närrisch Zeug mit seinen Leuten vor.

Courage. Ja / wenn er klug wäre / so thäte ers nicht.

Grete. Neulich so bin ich recht drüber erschrocken / ich dachte / es wäre gar Feuer da.

Courage. Wie so denn?

Grete. Er hatte seinen Stallmeister in den Bock gespannet / und hieng ihn an eine Wand / und karbatzschte ihn braun und blau / der Kerl schrie / wie ein Zahnbrecher.

Courage. Was ist denn das für ein Ding / das Bock spannen?

Grete. Er nimmt einen grossen Brügel / den steckt er ihnen in die Knie-Kehlen / und bindet die Hände forne auf die Knie-Scheibe mit einem Stricke an den Brügel an / so können sie hernach weder sitzen noch stehen / und damit hängt er sie nun an die Wand / und karbatzschet sie ab. Darüber hat er nun gröste Freude.

Courage. Die Freude stünde mir zum wenigsten nicht an.

Grete. Ey bißweilen ist der Herr Graf sehr gut / nur wenn es ander Wetter werden will / so ist er keinmahl nicht recht zu Hause / drümb sehe ich gerne / daß ich einmahl mit Ehren von ihm käme.

Courage. So gehe nur hin / und hole deines Grafen seinen Consens, ich will gleich auch zu meinen Herrn gehen / ob ers zu frieden ist / daß ich dich nehmen soll / damit nur einmahl ein Ende draus wird.

Grete. So bald mein Herr Graf nach Hause kömmt / will ichs ihn gleich sagen / und auff den Abend so solstu es wieder erfahren. Adjeu.

Courage. Adjeu Gretgen.

Grete. Adjeu.

Courage. Adjeu. (Machen Complimente gegen einander / und gehen an unterschiedenen Orten ab.)


Der Prospect eröffnet sich.

Sechster Aufftritt.
Graf Ehrenfried / Feuerfax / Fortunatus / Friedenschild / Mirax / Narruffsky / Pamphilius / Mummel-Märten / Damastor / Kilian / Cursino / Culin.

Ehrenfr. (Hat die Hände in beyden Schübesäcken / siehet sich in herausgehen umb / und spricht:) Da kömmt der Hertzog von Tolle. Puff!

Alle. Puff! Puff! puff!

Ehrenfr. Das war eine Schraube / ey Herr Capitain-Lieutenant, das war eine erschreckliche Schraube!

Fortunatus. Ja / Jhr. Excellenz und Hochgräffl. Gnaden / die Schraube war gut.

Ehrenfr. Aber saget mir / wie euch bey Hofe die Haasen-Hetze gefallen hat.

Fortunatus. Sehr wohl / Jhr. Excellenz.

Ehrenfr. Wie denn das Fuchsprellen?

Fortunatus. Auch sehr wohl / Jhr. Gnaden / wenn nur mehr Jäger wären bey der Hand gewesen.

Ehrenfr. A propos, mein Herr Capitain-Lieutenant, wie stehts denn umb die beyden Jäger?

Fortunatus. Jhr Excellenz, ich dencke / Sie werden wohl vor dero Zimmer stehen.

Ehrenfr. Du Hauß-Dieb / sieh zu / ob ein paar Jäger draussen stehen.

Mumm. M. Ja / Jhr. Gnaden / ich will gleich darnach sehen.

Fortunatus. Jhr. Excellenz werden sich erschrecklich über die Dinge verwundern / so die beyden Jäger-Pursche mit schüßen vorgenommen haben.

Ehrenfr. Das ist ja brav / denn gute Leuthe muß ich zu meiner Jägerey haben.

Fortunatus. Es ist wahr / Jhr Excellenz, Jäger brauchen sie höchst nöthig.


Siebender Aufftritt.
Mummel-Märten (zu den vorigen.)

Mumm. M. Jhr Gnaden / es stehen ein paar Jäger draussen / und fragen nach dem Hn. Capitain-Lieutenant.

Fortunatus. Jhr Excellenz, das werden dieselben seyn.

Ehrenfr. Laß Sie doch herein kommen / Sie sollen Audienz haben.

Mumm. M. Sie wollen nicht / Jhr Gnaden.

Ehrenfr. Was ist denn die Uhrsache?

Mumm. M. Jch solte ihnen erstlich wieder sagen / wie sie Jhre Gnaden tittuliren solten / so wolten sie sich hernach gleich praesentiren.

Ehrenfr. Als wenn du Vogel nicht wüstest / wie mein Tittel wäre.

Mumm. M. Jch weiß ihn wohl / allein ich weiß ihn aber doch nicht recht.

Ehrenfr. Herr Capitain-Lieutenant, sagt doch den Jungen meinen rechten Tittel.

Fortunatus. Gantz wohl / gnädiger Herr (zum Mummel-Märten.) Sprich zu den beyden Jäger-Purschen / wenn der Herr Graff mit sie reden würde / so müsten sie Jhn Jhr. Excellenz und Hoch-Gräfliche Gnaden tittuliren. –

Mumm. M. Je nu / nu / ich wills ihnen schon so vor sagen. (Gehet ab.)

Ehrenfr. Herr Capitain-Lieutenant!

Fortun. Jhr Excellenz,

Ehrenfr. Das müssen gescheute Kerl seyn / weil sie erstlich meinen Tittel zu wissen verlangen / damit sie bey der Audienz keinen Pfui dich an einlegen wollen.

Fortunatus. Ja / Jhr Excellenz, es find ein paar vortreffliche Jäger-Pursche.


Achter Aufftritt.
Mummel-Märten / Marode / Sylvester und die Vorigen.

Mumm. M. Jhr. Gnaden / da bring ich die Kerl.

Ehrenfr. Seyd ihr Jäger?

Marode. und Sylvest. Ja / Ihr. Excell. und Hochgräfl. Gnaden.

Ehrenfr. Wo seyd ihr beyde her?

Marode. Jch bin von Wespenhausen / und mein Cammerrath da ist von Haasendorff gebürtig / es liegen beyde Dörffer eine halbe Meile von einander.

Ehrenfr. Seyd ihr sonst schon in Diensten gewesen?

Marode. Wir sind alle beyde 6. gantzer Jahr bey Graf Narrburgen (wenn Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden denselben gekandt haben /) in Diensten gewesen / wie er aber vor wenig Wochen starb / so wurden alle seine Bediente abgedanckt.

Ehrenfr. Jst der Graf von Narrburg todt?

Sylvest. Ja Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / begraben ist er.

Marode. Haben Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / den Herrn Grafen von Narrburg gekennet?

Ehrenfr. Per renomée ist er mir bekandt gewesen / und wo mir recht ist / so sind gar viel Geschlechter / die sich von Narrburg schreiben.

Marode. Ach ja / er hat eine grosse Freundschaft hinter sich gelassen.

Ehrenfr. Nun / weil ihr bey einen so braven Herrn in Diensten gewesen seyd / der auch auff wackere Leute viel gehalten hat / und ihr beyde von meinen Herrn Capitain-Lieutenant da sehr wohl seyd recommendiret worden / so will ich euch in meine Dienste nehmen.

Marod. und Sylvest. Wir bedancken uns für die Hochgräfl. Gnade.

Ehrenfr. Jch verhoffe auch / ihr werdet die Jägerey so gut verstehen als andere brave Jäger-Bursche.

Marode. Ja / Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / so gut als ein Jäger / er mag auch seyn / wer er will.

Sylvest. Und was das Schiessen anbelangt / so soll mich wohl keiner darinnen leichtlich verrathen / zumahl wenn fein viel Rephüner bey einander sitzen / und die Büchse versagt mir nicht.

Marode. Und was das Hasen-schiessen anbelanget / so soll auch wohl leichtlich keiner über mir seyn / wenn ich nur allemahl gut Zünd-Kraut auf der Pfanne habe.

Ehrenfr. An guten Pulver und tüchtigen Schrote soll es euch leichtlich nicht fehlen / zumahl was die Haasen-Schrot anbelanget / nur befleißiget euch auff gute Büchsen.

Sylvest. Ey / meine Büchse soll mir leichtlich nichts verfehlen / wenn ich nur recht darauff ziele / wo ich hinschiessen will.

Marode. Und mit meiner Büchse hier / da will ich wohl mit keinem Jäger seiner tauschen / denn es ist Damascener-Gemächte / und ist vortrefflich auff die Haasen eingeschossen.

Fortunatus. Ey / Jhr. Excellenz, sie lassen sich doch das Ding erzehlen. Dieser hier spricht: Er hätte mit seiner Büchse einmahl 17. Rephüner auff einer Weide weggeschossen / und der da 3. Haasen auf einer Eiche / das Ding will mir gar nicht in meinen Kopff.

Ehrenfr. Ja warumb nicht / mein Herr Capitain-Lieutenant, was ein guter Jäger ist / der muß alles schiessen können / es mag auch seyn wo es will.

Fortunatus. Das ist alle wahr / Jhr. Excellenz, alleine siebenzehn Rephüner von einer Weide zu schiessen / und drey Haasen auff einen Schuß von einer Eiche / das ist ein bißgen zu viel.

Ehrenfr. Ey / Herr Capitain Lieutenant, das ist eine Schraube.

Sylvest. Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / verzeihen mir / daß ich sie in das Wort falle / und sage Ja / ich habe 17. Rephüner auff einen Schuß von einer Weide geschossen / allein der Herr Capitain Lieut. hat mich nicht recht verstanden / denn sie sassen auff einer Weide / wo man das Vieh weidet / aber auf keinem Baume nicht / die man Weide nennet.

Fortunatus. Ey ja / das ist ein anders. Aber wie kan denn dieses möglich seyn / daß ihr 3. Haasen von einer Eiche geschossen habt / da man doch sein Lebetage nicht gehöret / daß ein Haase auff einem Baume gesessen? Jch dencke immer / Jäger / es werden 3. Eichhörner gewesen seyn.

Marode. Ey / Herr Capitain-Lieutenant, lernet ihr mich doch Haasen kennen; Wolte ich doch wohl Euch / oder den Herrn Grafen gekennet haben / wenn ihr dazumahl droben gesessen / und wenn die Eiche auch gleich noch einmahl so lang gewesen wäre.

Ehrenfr. Jch habe in meiner Graffschafft zwar viel tausend Millionen Eichen und andere Bäume / doch wüste ich mich selbst nicht zu erinnern / daß ich iemahls einen Haasen auf einem Baume sitzen gesehen.

Marode. Ja / Jhr: Excellenz, mein Cammerrath da hat hinter mir gestanden / wie ich schoß / der kanns nicht anders sagen / und wenn mir damahls die Büchse nicht so langsam wäre loß gegangen / so bin ich kein ehrlicher Kerl / wenn ich nicht auch noch ein paar Füchse mit treffen wollen / denn die spielten mit den Haasen auff der Eiche / so bald sie aber das Feuer sahen / marchirten sie fort /die 3. Hääßgen aber musten Haare lassen.

Ehrenfr. Ey das ist eine erschröckliche Schraube!

Marode. Nein / Jhr. Excellenz und Hochgräfliche Gnaden / es ist keine Vexirerey.

Ehrenfr. Wie kan aber das möglich seyn?

Marode. Sie müssen mich recht verstehen / Jhr. Excellenz und Hochgräffliche Gnaden.

Ehrenfr. Wie aber?

Marode. Die Eiche war umbgehackt / und lag in Pusche.

Ehrenfr. Ey ja / das ist ein anders.

Fortunatus. Ja so / wenn sie gelegen hat / so kan das wohl möglich seyn / allein es ist doch viel / drey Haasen auff einmahl zu schiessen.

Marode. Je warumb hiessen wir denn Schützen oder Jäger / wenn wir so viel nicht gelernet hätten?

Ehrenfr. Jch habe einen alten Jäger / der hat wohl Zeit Lebens nicht drey Haasen überall geschossen.

Marode. Ja / Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / vielleicht weiß er den Vorthel nicht recht / oder ist etwan von sehr blöden Gesichte.

Ehrenfr. Er giebts immer dem Gesichte schuld / und ich glaube auch / daß es wahr ist / denn daran kan ichs mercken. Er brachte mir neulich einen jungen Esel aus meiner Grafschafft geschlept / welchen er vor ein Reh geschossen hatte; Gestern habe ich ihn nun wieder hingeschickt / wer weiß / was er ietzund vor rar Wilpret mit bringt.

Marode. Ja / Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / wenn ein Jäger kein gut Gesichte hat / so giebt er keinen gewissen Schützen ab / zumahl was das Haasen-schiessen anbelangt.

Sylvest. Ey das Rephüner-schiessen ist noch künstlicher / denn sobald sie nur das Pulver riechen / marchiren sie fort.

Marode. Ey / ein Haase wartet auch nicht lange / zumahl wenn er öffters aus dem Lager gejaget wird.


Neundter Aufftritt.
Hasenius / und die Vorigen.

Hasenius. (Hat einen Befehl in der Hand.) Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gn. hier ist der Befehl wegen des Haasen-schiessens / geruhen sie denselben zu unterschreiben?

Ehrenfr. Leset mir doch denselben her / damit ich höre / ob er recht ist.

Hasen. (Machet den Befehl auff / lieset ihn folgender massen:)

Ehrenveste / liebe Getreue.

WEnn Jhr alle noch frisch und gesund seyd / höre ichs theils gerne / und auch theils nicht gerne. Gerne höre ichs / daß Jhr Eure Fron-Dienste noch alle thun und verrichten könnet / denn wenn Jhr kranck wäret / so müste es wohl unterwegens bleiben. Theils höre ichs auch nicht gerne / daß Jhr alle noch wohl auf seyd / und mir aus meinem Gehege so viel Haasen wegschiesset / denn wenn Jhr an einem hitzigen Fieber läget / so liesset Jhr solches wohl bleiben. Derowegen habe ich nicht unterlassen können / dieses Mandat an euch ergehen zu lassen / und gebiethe euch bey meiner höchsten Ungnade / daß sich hinfort keiner mehr von euch unterstehe / mein Gehege zu turbiren / oder woferne ich nur das allergeringste erfahre / daß einer nur nach einen Haasen geschossen hat / und wenn Er Jhn auch gleich nicht einmahl getroffen / so hat mein alter Claus / der Großbärtige Jäger schon Ordre bey sich / daß er alle diejenigen / so wider diesen Befehl handeln / soll ohne eintziges Einwenden in den Bock spannen / und so lange karbatzschen / biß sie sprechen: sie wollens nicht mehr thun. Wornach Jhr Euch zu achten. GOTT befohlen.

Hasen. Haben Jhr. Excellenz hierbey noch etwas zu erinnern?

Ehrenfr. Der Befehl ist sehr gut / gebt her / ich will ihn unterschreiben. Jst keine Feder da?

Hasen. Jhr. Gnaden hier ist eine. (Giebt dem Grafen eine Feder.)

Ehrenfr. (Setzt sich an den Tisch in sein Audienz-Gemach / unterschreibet den Befehl / und als er fertig / steht er wieder auf / und spricht:) Da gehet / Secretair, und siegelt ihn nun.

Hasen. Geruhen Jhr. Excellenz mir Jhr Petschafft zu geben?

Ehrenfr. Herr Capitain -Lieutenant, wo ist denn mein Petschafft?

Fortunatus. (Heimlich.) Jhr. Excellenz, es stehet mit versetzt.

Ehrenfr. Habt ihr der weile keins nicht?

Fortunatus. Nein / Jhr. Excellenz, ich habe keins.

Ehrenfr. Hört Secretair, ich habe ietzt mein Petschafft nicht bey der Hand / nehmt nur unterdessen euers / und siegelt damit.

Hasen. Ja / Jhr Excellenz ich habe auch keins.

Ehrenfr. Wie denn ihr Herr Hauptmann?

Feuerfax. Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / ich kan gar nicht schreiben.

Ehrenfr. Jhr / Fendrich / habt ihr kein Petschafft?

Friedens. Nein / Jhr Excellenz; kein Petschafft habe ich nicht / aber einen galanten Stoß-Degen habe ich / der steht Jhr. Excellenz zu Diensten / wenn sie ihn verlangen / und auff denselben können sie sich der Tebel holmer verlassen.

Ehrenfr. Hat denn keiner unter euch kein Petschafft nicht? Du Haußdieb / hast du keines?

Mumm. M. Jhr. Excellenz, was wolt ich denn damit scheren / bin ich doch mein Lebtage in keine Schule gegangen.

Ehrenfr. Hört / Secretair, weil ich mein Cantzeley-Siegel / oder Hochgräfl. Petschafft nicht bey mir habe / so nehmt nur einen gantzen Groschen und siegelt damit / es ist vor meine Unterthanen gut genug.

Hasen. Wollen Jhr. Excellenz mir einen Groschen geben lassen?

Ehrenfr. Habt ihr denn kein Geld nicht?

Hasen. Jhr. Excellenz, ich führe selten Geld bey mir.

Ehrenfr. Herr Capitain-Lieutenant, gebt doch den Secretair einen gantzen Groschen.

Fortunatus. Jhr. Excellenz, ich werde wohl von Gelde gar nichts bey mir haben.

Ehrenfr. Und ich habe auch nichts eintzeln bey mir; Herr Hauptmann / habt ihr kein eintzeln Geld?

Feuerfax. Jhr. Excellenz, ich werde wohl gar nichts haben.

Ehrenfr. Hat denn keiner kein Geld bey sich?

(Suchen alle in den Schübesäcken.)

Mumm. M. Da hab ich noch einen Groschen / Jhr Excellenz. (Giebt dem Grafen einen Groschen.)

Ehrenfr. Du bist doch noch ein braver Kerl / wenn keiner kein Geld hat / so hast du welches.

Mumm. M. Je was hülffe mich denn mein stehlen / wenn ich keinen Groschen Geld haben wolte.

Ehrenfr. Ey / das ist eine erschreckliche Schraube.

Mirax. Ey rühme du Vogel dich was bessers.

Mumm. M. Was schierts denn euch. Wenns mein Herr leiden kan / so hat sich so ein Naseweiser Kerl / als wie ihr seyd / nichts drüm zu bekümmern.

Mirax. Wären Jhr. Excellenz nicht zugegen / ich wolte dir deinen diebischen Kopf zu rechte setzen / du soltest dein Lebetage an mich gedencken.

Mumm. M. Ja / sie müssen noch alle dicke draussen liegen / welchen ihr die Köpffe zu rechte gesetzt habt.

Hasen. Wo ist denn der Groschen?

Ehrenfr. Hier ist er / da geht und siegelt den Befehl / damit er heute noch mit der extra-Post fortgeschickt wird.

Hasen. Ja / Jhr. Excellenz, es soll geschehen. (will abgehen.)

Ehrenfr. Hört / (rufft /) Secretair?

Hasen. (Kömmt wieder.) Jhr. Excellenz?

Ehrenfr. Da nehmt die beyden Jäger mit in euer Cabinet, und nehmet sie in Pflicht / denn sie sollen bey mir Dienste haben.

Hasenius. Es soll geschehen / Jhr Excellenz.

Ehrenfr. Diesem hier / der die 3. Hasen auf der Eiche geschossen hat / gebt das Prædicat, als Cammer-Jäger / und dem da mit den 17. Rephünern / als Hof- und Feld-Jäger.

Hasenius. Wie Jhr. Excellenz befehlen.

Ehrenfr. (Zum Jägern.) Gehet alle beyde mit meinem Secretair auff seine Stube / er soll euch in Pflicht nehmen / und was die Besoldung und das Kost-Geld anbetrifft / das soll euch mein Capitain-Lieutenant von meinen Hand-Geldern zahlen / ich will euch schon eine gute Besoldung machen lassen / daß ihr damit vergnügt seyn sollet.

Marode. Es ist gantz gut / Jhr. Excellenz, wir wollen auch schon dafür getreue Dienste leisten.

Hasenius. So kommt mit mir in mein Cabinet.

Sylvester. Wir werden dem Herrn Secretarichs folgen.

(Hasenius / Marode / Sylvester gehen ab.)


Zehender Aufftritt.
Klunte und die Vorigen.

Klunte. Jhr Gnaden sie verzeihen mir / daß ich so gleich eingehe.

Ehrenfr. Jhr hättet euch wohl können anmelden lassen / ob es mir / als einem grossen Herrn auch wäre gelegen gewesen.

Klunte. Jhr Gnaden / sie verzeihen mir / ich bin eine einfältige Frau / und weil ich sonst allemahl / wenn sie zu mir geschickt haben / immer unangemeldet in ihr Zimmer gehen dürffen / so verhoffe ich / sie werdens ietzund auch nicht so genau nehmen.

Ehrenfr. Was ist denn euer Anbringen?

Klunte. Jhr Gnaden / sie werden sich großgünstig zu entsinnen wissen / wie daß ich sie vor etlichen Wochen auff etwas Pfand Geld schaffen muste.

Ehrenfr. Jst es wahr Herr Capitain Lieutenant?

Fortunatus. Ja / Jhr. Excellenz, die Frau hat recht.

Klunte. Und weil nun die gesetzte Zeit umb ist / so wolten die Leute gerne / daß die Sachen wieder mögten eingelöset werden.

Ehrenfr. Was sagt ihr darzu / Herr Capitain Lieutenant?

Fortunatus. Ja / Jhr. Excellenz, was soll ich sagen / ich kan die Leute freylich nicht darumb verdencken / daß sie das Jhrige fordern.

Ehrenfr. Jst denn viel drauf geborget?

Klunte. Jhr Gnaden / es werden mit dem vergöldeten Degen auff 40. Rthlr. seyn.

Ehrenfr. Ja meine liebe Frau / es kan itzo wohl noch nicht seyn / daß ich die Sachen wieder einlösen kan. Sie werden ja noch ein 14. Tage oder was / mit der Zahlung in Ruhe stehen.

Klunte. Ja / Jhr Gnaden / ich zweiffele / obs die Leute thun werden.

Ehrenfr. Und wenn sie nicht wollen / so mögen sie es bleiben lassen / sie müssen doch warten / biß ich Geld bekomme.

Klunte. Das ist alle wahr / Jhr Gnaden / ich habe es den Leuten auch gesagt. Sie gaben mir aber zur Antwort: Und wenn der Herr Graf heute oder morgen seine Sachen nicht wieder würde einlösen lassen / so wolten sie dieselben übermorgen entweder verkauffen / oder auf den Trödel hängen / denn das Wort müste gehalten seyn.

Ehrenfr. Die Leute seyn doch gar Narren / ich thue ihnen was anders auff ihr Wort.


Eilffter Aufftritt.
Servillo / und die Vorigen.

Servill. Der Herr Graf soll alsobald nach Hofe kommen / und mit den Damens in die Lotterie gehen.

Ehrenfr. Wird kein Assembleé gehalten?

Servill. Jch kans nicht wissen / was auf den Abend geschehen möchte.

Ehrenfr. Geht nur / und sagt / daß ich bald kommen wolte.

Servill. Jch werde es auszurichten wissen. (geht ab.)

Ehrenfr. Herr Capitain-Lieutenant.

Fortun. Jhr. Excellenz, was befehlen sie.

Ehrenfr. Was habt ihr vor Geld noch im Vorrath?

Fortun. Jhr. Excellenz, es ist nicht ein Dreyer mehr da.

Ehrenfr. Ja ihr müst Rath schaffen.

Fortun. Gantz gerne / Jhr. Gnaden / alleine wo denn hernehmen?

Klunte. Jhr. Gnaden / sie lassen mir nur Pfand geben / ich will bald Rath schaffen.

Ehrenfr. Hört / Trödel-Frau!

Klunte. Jhr. Gnaden / hier bin ich.

Ehrenfr. Könnt ihr mir wohl auf mein verschammerirtes Kleid hier / alsobald 30. Rthlr. Geld schaffen?

Klunte. Warum das nicht / Jhr. Gnaden? wenn sie mir gnug Pfand geben / ich will Sie wohl 1000. Thlr. schaffen.

Ehrenfr. Ja / es hilfft nichts. (Ziehet sein Kleid aus.) Herr Capitain-Lieutenant.

Fortunatus. Gnädiger Herr.

Ehrenfr. Jhr müst mir unterdessen euern Rock so lange lehnen / biß ich einen andern kriege.

Fortun. Wie Jhr. Excellenz befehlen. (Ziehet sein Kleid auch aus / und giebts dem Grafen.) Aber was soll denn ich indessen anziehen?

Ehrenfr. Lasset euch derweile dieses Cammerdieners seinen Rock geben / und ziehet ihn so lange an / biß Rath geschaffet wird.

Narruffsky. Ey das laß ich wohl bleiben / daß ich meinen Rock wieder weg lehne.

Ehrenfr. Was verschlägt dirs denn / du kanst ja leichtlich einen Tag oder was hintern Ofen sitzen / biß ich ein wenig zu Gelde komme / hernach solst du gar einen neuen haben.

Narruffsky. Vor einem Jahre hieße es auch so / alleine es verzogen sich wohl 20. Wochen / ehe ich ein Kleid wieder auff den Leib bekam.

Fortunatus. Jhr Gnaden / es ist eben nicht groß von nöthen / daß er mir sein Kleid lehnen muß / habe ich doch selbst noch eins / das ich so lange anziehen kan.

Ehrenfr. Je nu / wenn dieses ist / so braucht es keiner andern Sorge.

Klunte. Nun wie wollen sie es denn halten / Jhr. Gnaden?

Ehrenfr. Da nehmt mein Kleid hier / und lasset euch dreißig Rthlr. darauff geben / und die bringet mir hernach nach Hofe.

Klunte. Ja / Jhr. Gnaden / es soll keine halbe Stunde ins Land gehen / so sollen sie L'argent content haben / alleine wie soll es denn mit den andern Sachen gehalten werden?

Ehrenfr. Sprecht nur / wenn sie nicht warten wolten / biß ich sie wieder einlösen könte / so möchten sie nur dieselben verkauffen / und mir das Ubrige raus geben.

Klunte. Gantz gut / Jhr. Gnaden / ich werde alles schon auszurichten wissen.

Ehrenfr. Das Geld müst ihr mir aber bald nach Hofe bringen.

Klunte. Jch will mich schon zu rechter Zeit bey Jhr. Gnaden einstellen. (Gehet ab.)

Ehrenfr. Allons! He! fort in die Lotterie. (In weggehen /) Puff!

Alle. Puff! puff! puff! (gehen ab.)


(Ballet, von alten Trödel-Weibern.)

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