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Gottfried Crayon's Skizzenbuch

Washington Irving: Gottfried Crayon's Skizzenbuch - Kapitel 24
Quellenangabe
typesketch
booktitleGottfried Crayon's Skizzenbuch
authorWashington Irving
translatoranonym
editorJ. V. Adrian
firstpubca. 1830
year1846
publisherJohann David Sauerländer
addressFrankfurt am Main
titleGottfried Crayon's Skizzenbuch
created20050812
sendergerd.bouillon
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Das Weihnachtstags-Mittagessen.

Ha, unser größtes Fest ist da,
    Laßt jeden fröhlich sein,
Mit Epheu schmückt die Zimmer ja,
    Die Thür mit Reisern fein.
Der Rauch aus jedem Schornstein quillt,
    Die Weihnachtsblöcke glüh'n;
Oefen sind mit Gebäck erfüllt,
    Bratspieß' geh'n her und hin.
        Den Gram laßt vor die Thür uns führen,
        Und sollt' er dort vielleicht erfrieren,
        Scharrt in die Christ-Pastet ihn ein
        Und laßt uns immer lustig sein.
Wither's Juvenilia.

Ich hatte meine Toilette beendigt und schlenderte mit Frank Bracebridge in der Bibliothek umher, als wir ein entferntes Pochen hörten, welches, wie er mir sagte, ein Zeichen war, daß man das Mittagessen auftrage. Der Squire hielt, sowohl in der Küche, als in der Halle, alte Gebräuche aufrecht, und das Aufschlagen des Kochs mit dem Mangelholz auf den Anrichte-Tisch, forderte die Bedienten auf, die Speisen aufzutragen.

Der Koch klopft eben dreimal, hört,
Im Nu die Dienerschaar jetzt kehrt
    Jeder an seinen Ort;
Und Jeder, sein Gericht zur Hand,
Schreitet kühn vor, wie ein Trabant,
    Trägt auf und eilet fort.

Das Mittagsessen wurde in der großen Halle aufgetragen, wo der Squire immer sein Weihnachtsmahl hielt. Ein helles, prasselndes Feuer von Blöcken war hoch aufgehäuft, das geräumige Zimmer zu erwärmen, und die Flamme stieg funkelnd und glänzend den weitgeöffneten Schornstein empor. Das große Bild des Kreuzfahrers mit seinem weißen Rosse war zu diesem Feste mit grünen Reisern reich ausgeschmückt worden. An der Mauer gegenüber waren um Helm und Rüstung, einst die Waffen des Kriegers, wie ich hörte, Stechpalme und Epheu gewunden. Ich muß beiläufig gestehen, daß ich einige bedeutende Zweifel über die Echtheit des Bildes und der Waffen hatte, insofern sie dem Kreuzfahrer angehören sollten, da sie den Stempel von neuerer Zeit trugen; man sagte mir indessen, daß man das Bild seit undenklichen Zeiten so geschätzt habe, und daß, was die Rüstung beträfe, diese in einer Polterkammer gefunden, und ihr der gegenwärtige Platz von dem Squire angewiesen worden sei, der sogleich entschieden habe, daß dieß die Rüstung des Familienhelden sein müsse; und da er über alle solche Gegenstände in seinem Hause die entscheidende Autorität hatte, so ward auch die Sache allgemein angenommen. Unter diesen ritterlichen Siegeszeichen stand der Schenktisch, auf welchem ein Reichthum von Silberzeug prangte, der (wenigstens in Hinsicht der Mannigfaltigkeit) mit Belhazar's prächtigem Tempelgeräth hätte wetteifern können; »Krüge, Kannen, Becher, Schalen, Becken und Gießkannen;« das prunkvolle Geräth des Wohllebens, das sich allmählig, seit mehreren Geschlechtern lebenslustiger Hausherren, angehäuft hatte. Vor diesem standen die zwei Weihnachtskerzen, welche wie zwei Sterne erster Größe glänzten; andere Lichter waren auf Armen vertheilt, und das Ganze glänzte wie ein Firmament von Silber.

Bardentöne mußten uns zu diesem Festmahle geleiten; denn der alte Harfner saß auf einem Stuhle neben dem Kamin, und bearbeitete sein Instrument mit ungleich größerer Kraft als Wohllaut. Niemals bot wohl eine Weihnachtstafel eine gemüthigere und erfreulichere Zusammenstellung von Gesichtern dar; diejenigen, welche nicht schön waren, waren wenigstens glücklich, und die Glückseligkeit verschönert solche nicht sehr begünstigten Gesichter ungemein. Ich halte eine alte englische Familie für eben so würdig, studirt zu werden, wie eine Sammlung von Holbeinischen Bildern oder Albrecht Dürerschen Kupferstichen. Man kann daraus viel für das Alterthum, viel für die Kenntniß der Gesichtszüge früherer Zeiten lernen. Vielleicht rührt dieß daher, weil die Leute beständig die Reihen alter Familienbilder vor sich haben, mit denen die Landsitze dieser Insel angefüllt sind; gewiß ist es, daß die sonderbaren alterthümlichen Züge in diesen alten Linien oft treulich fortgepflanzt werden, und ich habe eine alte Familiennase durch eine ganze Bildergallerie verfolgt, die legitim von einem Geschlecht auf das andere, fast von der Zeit der Eroberung Englands durch die Normannen, fortgepflanzt worden ist. Etwas derselben Art ließ sich auch in der würdigen Gesellschaft beobachten, welche ich um mich hatte. Mehrere ihrer Gesichter stammten augenscheinlich aus einer uralten Zeit her, und waren von den nachfolgenden Geschlechtern nur nachgeahmt worden; es war namentlich ein kleines Mädchen darunter, von gesetztem Wesen, mit einer gebogenen römischen Nase und einem altfränkischen Essig-Gesicht, – ein großer Liebling des Squire, da sie, wie er sagte, durch und durch eine Bracebridge, und das wahre Ebenbild eines seiner Ahnen sei, der am Hofe Heinrich's des Achten eine Rolle gespielt hatte.

Der Pfarrer hielt das Tischgebet, das aber kein kurzes, wie man es gemeinlich an diesen Tagen der Ungezwungenheit an die Gottheit richtet, sondern ein langes, verbindliches, wohlgesetztes, aus der alten Schule war. Nun entstand eine Pause, als ob man irgend etwas erwarte; als plötzlich der Haushofmeister mit einer Art von Geräusch in die Halle trat; ihm folgte auf jeder Seite ein Bedienter – mit einer großen Wachskerze, er selbst aber trug eine silberne Schüssel, auf welcher ein ungeheurer Schweinskopf, mit Rosmarin verziert und mit einer Citrone im Rachen lag, und die mit großer Förmlichkeit an das obere Ende der Tafel gesetzt wurde. In dem Augenblicke, wo dieser Aufzug erschien, schlug der Harfner einen Tusch an, worauf der junge Oxforder Student, auf einen von dem Squire erhaltenen Wink, mit einer Miene von höchst komischem Ernste, ein altes Lied absang, das folgendermaßen lautete:

    Caput apri defero
    Reddens laudes Domino.
Den Eberkopf, ich bringe ihn,
Mit Kränzen bunt, mit Rosmarin,
Und bitt' euch, singt mit frohem Sinn
Qui estis in convivio.

Es soll der Kopf vom wilden Schwein
Das seltenste im Lande sein.
Bedeckt kömmt er mit Laubwerk fein,
Wird aufgetragen Cantico.
    Caput apri defero u. s. w.

Der Küchenmeister sorgte schön,
Daß wir dem Herrn zu Ehre sehn
Dieß Mahl heut auf dem Tische stehn
In Reginensi atrio
    Caput apri defero u. s. w.

Obgleich ich vorbereitet war, von mancher dieser kleinen Sonderbarkeiten Zeuge zu sein, da ich das seltsame Steckenpferd des Wirths kannte; so setzte mich doch, ich muß es gestehen, der Pomp, womit ein so ungewöhnliches Gericht aufgetragen wurde, in nicht geringe Verwunderung, bis ich aus einer Unterhaltung mit dem Squire und dem Pfarrer erfuhr, daß dieß das Auftragen des Eberkopfes vorstellen solle; eines Gerichts, das in früheren Zeiten mit großer Feierlichkeit und mit Sang und Klang auf den Tafeln der Großen am Weihnachtsfeiertage aufgesetzt wurde. »Ich liebe die alte Sitte,« sagte der Squire, »nicht bloß, weil sie an und für sich feierlich und angenehm ist, sondern weil man sie in dem College zu Oxford beobachtete, in welchem ich erzogen wurde. Wenn ich das alte Lied singen höre, erinnere ich mich wieder der Zeit, wo ich noch jung und lebensfroh war – der stattlichen alten Collegiumshalle – und meiner Mitstudenten, die in ihren schwarzen Mänteln umherstrichen, und von denen manche schon – arme Bursche! – in ihren Gräbern ruhen.«

Der Geistliche jedoch, in dessen Gedächtniß die Erinnerungen nicht mehr so lebendig waren, und der es überhaupt immer mehr mit den Worten, als mit dem Sinn zu thun hatte, focht die Leseart des Oxforder Studenten bei seinem Liede an, welche, wie er versicherte, ganz von der verschieden sei, wie man sie im College sänge. Mit der trockenen Beharrlichkeit eines Erläuterers, begann er, die Leseart des College, mit Anmerkungen begleitet, zu geben; wobei er sich zuerst an die ganze Gesellschaft wandte, sodann, da er fand, daß deren Aufmerksamkeit auf andere Gespräche und andere Gegenstände gerichtet war, seinen Ton nach der verminderten Anzahl seiner Zuhörer dämpfte, bis er seine Bemerkungen mit halber Stimme gegen einen dickköpfigen alten Herrn, neben ihm schloß, der stillschweigend einen großen Teller mit Truthahnsbraten verarbeitete.Die alte Feierlichkeit, den Eberkopf am Weihnachtsfeiertage aufzutragen, wird noch in dem Speisesaale von Queen's College in Oxford beobachtet.

Die Tafel war, im buchstäblichen Sinne des Worts, mit Speisen belastet, und bot in dieser Zeit, wo alle Speisekammern bis zum Uebermaß gefüllt sind, einen Inbegriff ländlichen Ueberflusses dar. Eine ausgezeichnete Stelle war dem altfränkischen Rinderbraten angewiesen, wie mein Wirth ihn nannte, indem er hinzufügte, dieser sei das Wahrzeichen der alten englischen Gastfreiheit, nehme sich gut aus und gebe zu Erwartungen Anlaß. Mehrere Gerichte waren auf eine eigenthümliche Art verziert, und in ihren Verzierungen lag augenscheinlich etwas, das sich auf alte Sagen gründete; da ich aber nicht gern für sehr neugierig angesehen sein mochte, so that ich keine weiteren Fragen.

Ich konnte indessen nicht umhin, eine Pastete zu bemerken, prachtvoll mit Pfauenfedern verziert, die den Schweif des Thiers nachahmten, und einen großen Theil des Tisches überschatteten. Dieß, gestand der Squire, mit einigem Zögern, sei eine Fasanenpastete, obgleich eine Pfauenpastete allerdings das Echte wäre; es sei indessen in diesem Jahre unter den Pfauen eine solche Sterblichkeit eingerissen, daß er es unmöglich über sich habe bringen können, einen davon schlachten zu lassen.Der Pfau war in alten Zeiten bei festlichen Bewirthungen unentbehrlich. Zuweilen ward er in eine Pastete gethan, an deren einem Ende der Kopf mit seinem Gefieder und mit reich vergoldetem Schnabel hervorragte; am andern aber der Schweif sich in seiner ganzen Pracht zeigte. Solche Pasteten wurden bei den feierlichen Mahlen in den Ritterzeiten aufgetragen, wo die irrenden Ritter sich anheischig machten, irgend ein gefahrvolles Abenteuer zu bestehen; daher der alte Schwur, dessen sich auch der Ritter Shallow bediente, »bei Pfau und Pastete!«

Der Pfau war auch ein wichtiges Gericht für ein Weihnachts-Mittagsessen und Massinger gibt uns in seiner Stadtdame einen Begriff von der Verschwendung, womit diese sowohl als andere Speisen zu den schwelgerischen Gastmahlen aller Zeiten zubereitet wurden.

Es würde für meine weiseren Leser, welche wohl diese närrische Vorliebe für seltsame und verschollene Dinge, wozu ich mich etwas hinneige, nicht haben, vielleicht langweilig sein, wenn ich die übrigen Auskunftsmittel dieses würdigen alten Charakters herzählen wollte, wodurch er, wenn gleich nur ganz entfernt, die eigenthümlichen Gebräuche des Alterthums nachzuahmen suchen wollte. Es machte mir indessen großes Vergnügen, zu bemerken, mit welcher Schonung seine Kinder und Verwandten seine Eigenthümlichkeiten behandelten, da sie doch, ohne Zweifel, schon bei manchen Proben derselben gegenwärtig gewesen waren. Ungemein belustigte mich auch die ernste Würde, womit der Hausverwalter und die übrigen Bedienten die ihnen aufgetragenen Geschäfte, so ungewöhnlich sie auch waren, verrichteten. Sie hatten ein altfränkisches Aussehen; denn der größere Theil derselben war im Schlosse aufgewachsen, und hatte sich nach dem veralteten Hause und den Launen seines Herrn gestaltet, und sahen seine sonderbaren Anordnungen höchst wahrscheinlich als die hergebrachten Gesetze eines anständigen Haushalts an.

Als das Tischtuch hinweggenommen war, brachte der Kellermeister ein gewaltiges silbernes Trinkgeschirr, von künstlicher und seltsamer Arbeit, herein, welches er vor den Squire setzte. Die Erscheinung desselben ward mit Jubel begrüßt, denn es war der bei den Weihnachtsfeierlichkeiten so berühmte Humpen. Der Inhalt desselben war von dem Squire selbst bereitet worden; es war ein Getränk, auf dessen geschickte Mischung er sich besonders viel zu Gute that; anführend, daß es zu gelehrt und verwickelt für den Verstand eines gewöhnlichen Bedienten sei. In der That hätte das Getränk einem Zecher das Herz im Leibe hüpfen machen können, denn es war aus den stärksten und ausgesuchtesten Weinen zusammengesetzt, stark gewürzt und gesüßt, und geröstete Aepfel tanzten auf der Oberfläche desselben umher.Der Humpen war zuweilen mit Ale statt mit Wein gefüllt, wozu Muskatennuß, Zucker, geröstetes Brod, Pfeffer und geröstete Aepfel kamen, auf welche Weise dieß dunkelbraune Getränk noch jetzt in einigen alten Familien und an dem Herde wohlhabender Pächter zur Weihnachtszeit bereitet wird. Es hat auch den Namen Lammwolle, und Herrick besingt es in seiner zwölften Nacht:

Dann krönt den Becher voll,
Mit sanfter Lammeswoll,
Thut Zucker, Ingwer, Muskatnuß hinein
    Viel Ale auch nun;
    So müßt ihr thun,
Soll der Humpen ein tüchtiger sein.

Des alten Herrn ganzes Gesicht leuchtete von innerem Vergnügen, als er diese mächtige Schale umrührte. Nachdem er sie zu seinen Lippen erhoben, mit einem herzlichen Wunsche auf fröhliche Weihnachten für alle Anwesenden, schickte er sie, bis an den Rand voll, herum, damit Jeder, nach alter Sitte, seinem Beispiel folgen möchte, sie »den alten Born wohlwollender Gefühle, in dem sich alle Herzen begegneten,« nennend.»Die Sitte, aus einem Becher zu trinken, hat der Platz gemacht, daß Jeder seinen eigenen Becher hat. Wenn der Haushofmeister mit dem Humpen an die Thür kam, mußte er drei Mal Humpen, Humpen, Humpen, rufen, und dann der Caplan ihm mit einem Liede antworten.« Archäologia.Anm. des Verf.

Es entstand viel Gelächter und Scherz, während das treuherzige Sinnbild des Weihnachtfestes in der Runde umherging und von den Frauen ziemlich züchtig geküßt wurde. Als es an Meister Simon kam, erhob er es mit beiden Händen, und stimmte, mit der Miene eines lustigen Gesellen, ein altes Trinklied an:

Der braune Humpen,
Der lust'ge braune Humpen,
Wie rund er kreist am Tisch.
    Wein,
    'Nein;
Wie auch die Welt mag schrei'n,
Leert eure Gläser frisch.
Die tiefe Kanne,
Die lust'ge tiefe Kanne,
Setzt man sich tüchtig an!
    Sing,
    Kling,
Gibt's wohl ein lust'ger Ding?
Gelächter schalle dann.

Die Unterhaltung drehte sich bei dem Mittagsessen größtentheils um Familienangelegenheiten, die mir fremd waren. Meister Simon ward indessen sehr mit einer lustigen Wittwe geneckt, mit welcher er eine Art Verbindung haben sollte. Dieser Angriff ging von den Damen aus, wurde aber das ganze Mittagsessen hindurch von dem dickköpfigen alten Herrn neben dem Geistlichen mit der unermüdlichen Ausdauer eines langsamen Jagdhundes fortgesetzt, denn er war einer der langathmigen Spaßmacher, die, wenn sie gleich nicht leicht ein Wild aufjagen, dennoch ihres Gleichen suchen, es zu Schande zu jagen. Bei jeder Pause in der allgemeinen Unterhaltung fing er seine Spötteleien beinahe mit denselben Worten wieder an; er blinzte mir mit beiden Augen zu, wenn er Meister Simon, wie er glaubte, einen tüchtigen Streich versetzt hatte. Dieser schien in der That es nicht ganz ungern zu sehen, daß er mit diesem Gegenstand geneckt wurde, wie dieß bei alten Junggesellen gewöhnlich der Fall ist; auch nahm er die Gelegenheit wahr, mir leise zu versichern, daß die bewußte Dame eine sehr hübsche Frau sei, und ihren einrädrigen Wagen selbst fahre.

Die Mittagsessenszeit ging in dieser unschuldigen Fröhlichkeit vorüber, und obgleich die alte Halle zu ihrer Zeit oft von manchem lautern Fest und Gelag ertönt haben mag, so zweifele ich doch, daß sie je eine treuherzigere und aufrichtigere Freude in ihren Mauern gesehen hat. Wie leicht wird es einem wohlwollenden Wesen, Freude um sich her zu verbreiten; und wie wahr ist es, daß ein gutes Herz eine Quelle der Fröhlichkeit ist, die Alles um sich her zum Lächeln erquickt! Die fröhliche Stimmung des würdigen Squire war vollkommen ansteckend; er selbst war glücklich und geneigt die ganze Welt glücklich zu machen, und die kleinen Ausschweifungen seiner Launen milderten gewissermaßen seine Menschenliebe allein.

Als die Damen sich entfernt hatten, ward die Unterhaltung, wie gewöhnlich, noch belebter; es wurden viele gute Dinge zu Tage gebracht, an die man während des Essens gedacht hatte, die sich aber nicht gerade für Frauenohren schickten, und obgleich ich nicht bestimmt behaupten kann, daß sehr viele Witze zum Vorschein kamen, so habe ich doch gewiß manchen Wettstreit ausgezeichneten Witzes viel weniger Lachen erregen hören. Der Witz ist am Ende eine sehr scharfe, beißende Zuthat, und für manche Magen viel zu sauer; treuherzige gute Laune dagegen ist das Oel und der Wein einer fröhlichen Gesellschaft, und es gibt keinen angenehmen Verein, der dem gleicht, wo ein mäßiger Spaß gemacht und viel gelacht wird.

Der Squire erzählte mehrere lange Geschichten von frühern College-Streichen und Abenteuern, an deren manchen der Geistliche Antheil gehabt hatte, ob es gleich, wenn man den Letztern betrachtete, einiger Anstrengung der Einbildungskraft bedurfte, um sich zu denken, daß ein solches kleines schwarzes Gerippe von einem Mann einmal einen tollen Streich verübt habe. In der That, die beiden Universitätscameraden boten ein Bild von dem dar, wozu Menschen durch ihre verschiedene Bestimmung im Leben werden können; der Squire hatte die Universität verlassen, um auf seinen väterlichen Gütern sorgenlos in dem ungestörten Genusse des Glücks und Sonnenscheins zu leben, und hatte ein kräftiges, gesundes Alter erreicht; während der arme Pfarrer dagegen zwischen bestaubten Bänden in dem Schweigen und dem Schatten seines Studirzimmers vertrocknet und verwelkt war. Indessen schien auf dem Boden seiner Seele doch noch immer ein Funken eines beinahe verloschenen Feuers schwach zu glimmen; und als der Squire auf eine schalkhafte Geschichte zwischen dem frommen Mann und einem hübschen Milchmädchen anspielte, die sie einst an den Ufern der Isis angetroffen, machte der alte Herr ein »Alphabet von Gesichtern,« das ich, so viel ich seine Physiognomie enträthseln konnte, wahrhaftig für einen Versuch zum Lachen hielt; in der That habe ich selten einen alten Herrn gesehen, der über die ihm zugeschriebenen Galanterien in seiner Jugend, geradezu böse geworden wäre.

Ich fand, daß die Fluth des Weines und Würzhumpens das trockene Land des nüchternen Urtheils fast zu überschwemmen anfing. Die Gesellschaft ward in dem Grade lustiger und lauter, als ihre Scherze schaaler wurden. Meister Simon war bei so aufgeweckter Laune, wie ein mit Thau angefüllter Grashüpfer; seine alten Lieder nahmen eine wärmere Färbung an, und er fing an, leichtfertig von der Wittwe zu reden. Er gab sogar ein langes Lied über die Bewerbung um eine Wittwe zum Besten, das er, wie er mir sagte, aus einem trefflichen, mit gothischer Schrift gedruckten Buche, »Cupido's Liebesbewerber,« entnommen hatte. Es enthielt eine Menge guter Rathschläge für Junggesellen und er versprach es mir zu leihen. Der erste Vers begann in diesem Tone:

Wer eine Wittwe freit, der spiele nicht,
    Er mache Heu noch bei dem Sonnenschein;
Weh', wenn er steht und soll ich, soll ich – spricht,
    Keck sag' er, Wittwe, hör', mein mußt Du sein.

Dieser Gesang begeisterte den dickköpfigen alten Herrn, der mehrere Versuche machte, eine etwas derbe Geschichte aus Joe Miller zu erzählen, die sich gerade dahin schickte; aber er blieb immer in der Mitte stecken, während Alle, ihn selbst ausgenommen, das Ende auswendig wußten. Auch an dem Geistlichen begann die Wirkung der Speisen und des Tranks sich zu zeigen, denn er war allmählig in Schlummer gesunken, und seine Perücke saß sehr verdächtig auf der einen Seite. Gerade in diesem kritischen Momente wurden wir in das Gesellschaftszimmer gerufen, wie ich vermuthe, auf geheime Veranlassung unseres Wirthes, dessen Fröhlichkeit immer mit einer gehörigen Rücksicht auf die Schicklichkeit Hand in Hand zu gehen schien.

Nachdem der Eßtisch weggenommen worden war, ward die Halle den jüngeren Mitgliedern der Familie überlassen, die, von dem Oxforder Studenten und Meister Simon zu allen Arten von lärmender Lustigkeit getrieben, die alten Mauern des Saales von ihrer Lust wiederhallen machten, als sie ihre lärmenden Spiele anstellten. Ich finde großes Vergnügen daran, den Spielen der Kinder zuzusehen, und vorzüglich in dieser glücklichen Festtagszeit, und konnte nicht umhin, mich, als ich sie abermals ein helles Gelächter aufschlagen hörte, auf dem Gesellschaftszimmer wegzuschleichen. Ich fand sie beim Blindekuhspiel. Meister Simon, der der Leiter ihrer Feste war, und bei allen Gelegenheiten das Amt jenes alten Machthabers, des Fürsten der Ungebühr»Zu Weihnachten war in dem Hause des Königs, wo er auch wohnen mochte, ein Fürst der Ungebühr, oder der Meister der lustigen Spiele und einen gleichen hattet ihr in dem Hause eines jeden Edelmannes von Ehre oder Ansehen, geistlich und weltlich.«, zu verwalten schien, stand mit verbundenen Augen in der Mitte der Halle. Die kleinen Wesen waren so geschäftig um ihn her, wie die falschen Feen um Falstaff; ihn kneipend, bei den Schößen seines Rocks zupfend und mit Strohhalmen kitzelnd. Ein blauäugiges Mädchen von ungefähr dreizehn Jahren, deren Flachshaar in lieblicher Verwirrung um den Kopf hing, deren fröhliches Gesicht glühte, und deren Kleid halb von den Schultern herabhing, war die Hauptquälerin; und, nach der Schalkheit zu schließen, womit Meister Simon das kleinere Wild vermied, und diese kecke kleine Nymphe in die Winkel drängte, und sie zwang, schreiend über die Stühle hinwegzuspringen, hatte ich den Bösewicht in Verdacht, daß er nicht um ein Haar blinder war, als er sein wollte.

Als ich in das Gesellschaftszimmer zurückkehrte, fand ich Alle um das Feuer sitzen und dem Geistlichen zuhören, welcher tief in einem hochlehnigen eichenen Stuhle steckte, eine Arbeit irgend eines kunstvollen Meisters der alten Zeit, und ganz besonders zu seiner Bequemlichkeit aus der Bibliothek herbeigebracht. Aus diesem ehrwürdigen Stück Möbel, zu welchem seine Schattenfigur und sein dunkles verschrumpftes Gesicht so vortrefflich paßten, erzählte er sonderbare Geschichten von dem Volksaberglauben und den Legenden der Gegend umher, mit welcher er im Laufe seiner antiquarischen Untersuchungen bekannt worden war. Ich bin halb geneigt, zu glauben, daß der alte Herr selbst ein wenig mit Aberglauben gesättigt war, wie dieß den Leuten wohl begegnet, die in einer entlegenen Gegend des Landes ein abgeschiedenes, gelehrtes Leben führen, und über den mit Mönchsschrift gedruckten Werken brüten, die so oft mit wunderbaren und übernatürlichen Dingen angefüllt sind. Er theilte uns mehrere Mährchen der benachbarten Bauern in Betreff des Bildes des Kreuzfahrers mit, welches auf dem Grabmal bei dem Altar in der Kirche lag. Da dieß das einzige Denkmal der Art in diesem Theile des Landes war, so wurde es von den guten Frauen des Dorfes immer mit einer Art abergläubischer Regung betrachtet. Man sagte, es stehe in stürmischen Nächten, namentlich wenn es donnere, aus dem Grabe auf und mache die Runde auf dem Kirchhofe; und eine alte Frau, deren Hütte an den Kirchhof stieß, hatte es durch die Kirchenfenster, als der Mond schien, langsam in den Seitengängen auf und ab gehen sehen. Es herrschte der Glaube, daß der Verstorbene irgend ein Unrecht nicht wieder gut gemacht, oder irgend einen Schatz vergraben habe, der seinen Geist quäle und nicht ruhen lasse. Einige sprachen von Gold und Juwelen, welche in dem Grabe verscharrt wären, und die das Gespenst bewache; auch erzählte man eine Geschichte aus alten Zeiten von einem Küster, der in der Nacht das Grab erbrechen wollte, aber in dem Augenblicke, wo er daran kam, einen heftigen Schlag von der Marmorhand des Bildes bekam, der ihn besinnungslos auf das Pflaster streckte. Einige der Beherzteren unter den Landleuten lachten oft über diese Erzählungen; aber wenn die Nacht herankam, wollten doch viele von den Hauptzweiflern sich nicht allein auf den Fußsteig, der über den Kirchhof führte, wagen.

Nach diesen und mehreren anderen Anecdoten, die ebenfalls erzählt wurden, schien der Kreuzfahrer der Lieblingsheld der Geistergeschichten in der Nachbarschaft zu sein. Sein Bild im Saale, hatte, dem Glauben der Dienerschaft nach, etwas Uebernatürliches an sich; denn sie hatten bemerkt, daß, wohin man auch in dem Saale ging, die Augen des Kriegers einen immer anblickten. Auch versicherte die Frau des alten Pförtners im Pförtnerhäuschen, welche in der Familie geboren und erzogen war und gern mit den Mädchen des Haushaltes zu plaudern pflegte, sie habe in ihren jungen Tagen es oft erzählen gehört, wie am Vorabend des St. Johannistages, wo, wie allbekannt, die Geister, Kobolde und Feen aller Arten sichtbar würden und umgingen, der Kreuzfahrer sein Roß zu besteigen, aus dem Bilde hervorzukommen, um das Haus, dann die Allee hinunter und so nach der Kirche zu reiten pflege, um sein Grab zu besuchen, wo alsdann die Kirchenthüre sehr höflich von selbst sich öffne; nicht als ob er das gerade nöthig habe; denn er reite durch verschlossene Thüren und selbst durch steinerne Mauern, und eines von den Milchmädchen habe es deutlich gesehen, wie er zwischen zwei Stangen des Parkthores hindurch geritten sei, und sich so dünn wie ein Blatt Papier gemacht habe.

All dieser Aberglaube wurde, wie ich fand, von dem Squire sehr unterstützt, der, obgleich selbst nicht abergläubisch, es doch gern bei andern sah. Er hörte jede Gespenstergeschichte der benachbarten Klatschschwestern mit unendlichem Ernst an, und war der Frau des Pförtners, ihres Talents für das Wunderbare wegen, ganz vorzüglich gewogen. Er war selbst ein fleißiger Leser alter Legenden und Romane, und beklagte es oft, daß er nicht daran glauben könne; denn ein abergläubischer Mensch, meinte er, müsse in einer Art Feenland leben.

Während wir Alle mit großer Aufmerksamkeit auf die Erzählungen des Pfarrers hörten, drangen auf einmal verschiedenartige Töne aus dem Saale in unsere Ohren, in welchen etwas wie der Ton roher Bardenmusik, der Lärm mehrerer jungen Stimmen und Mädchengelächter gemischt, zu hören war. Plötzlich öffnete sich die Thür, und es kam ein Aufzug herein, den man beinahe für eine Versammlung des ganzen Feenhofes hätte halten können. Der unermüdliche Geist, Meister Simon, war in gewissenhafter Erfüllung seiner Pflicht, als Fürst der Ungebühr, auf den Gedanken gekommen, eine Weihnachts-Vermummung oder Maskerade anzuordnen; und, nachdem er den Oxforder Studenten und den jungen Offizier, die eben so bereit zu Allem waren, was Lustigkeit und Fröhlichkeit erregen konnte, zu seinem Beistand herbeigerufen, ihn alsbald ins Werk gesetzt. Man hatte die alte Haushälterin zu Rathe gezogen; die alten Kleidungsstücke und Garderoben durchgemustert, und die Ueberbleibsel der Kleiderpracht, welche seit mehreren Geschlechtern das Licht nicht gesehen hatten, daraus hervorgezogen; der jüngere Theil der Gesellschaft war auf dem Versammlungszimmer und dem Saale herbeigerufen, und das Ganze zu einer komischen Nachbildung einer alten Maskerade ausstaffirt worden.Maskeraden oder Vermummungen waren in alten Zeiten Lieblingsvergnügungen zu Weihnachten, und die Garderoben in Hallen und Herrenhäusern wurden oft in Bewegung gesetzt, um Anzüge und abenteuerliche Verkleidungen zu liefern. Ich möchte beinahe glauben, daß Meister Simon den Gedanken zu der seinigen aus Ben Jonson's Weihnachts-Maske entlehnt habe. – Anm. des Verf.

Meister Simon führte, als »alte Weihnachten,« den Zug, seltsam geschmückt mit einer Halskrause, einem kurzen Mantel, der große Aehnlichkeit mit einem Unterrocke der alten Haushälterin hatte, und einem Hut, der zum Dorfkirchthum gedient haben könnte, und ohne Zweifel zur Zeit der Covenanters eine Rolle gespielt hatte. Unter diesem ragte seine krumme Nase keck hervor, mit einer von der Kälte herrührenden Röthe überzogen, die den Sieg eines Decembersturmes zu verkündigen schien. Er war von dem blauäugigen wilden Mädchen begleitet, welches als »Dame Fleischpastete« mit der ehrwürdigen Pracht verschossenen Brokats, einem langen Brustlatze, spitzem Hut und Schuhen mit hohen Absätzen ausgestattet war. Der junge Offizier erschien als Robin Hood in einem Jagdanzuge von Kendal-grünem Zeuge und einer Feldmütze mit goldener Troddel.

Dieser Anzug zeugte gewiß nicht von tiefer Untersuchung, und es war augenscheinlich, daß es dabei mehr auf das Malerische abgesehen war, etwas, das bei einem jungen Manne, in Gegenwart seiner Geliebten, ganz natürlich ist. Die schöne Julie hing in einem niedlichen Bäuerinnenanzuge als »Jungfrau Mariana« an seinem Arme. Die übrigen Personen des Zuges waren auf verschiedene Art umgestaltet; die Mädchen aufgestutzt in dem Putzstat der alten Schönheiten aus dem Bracebridge'schen Geschlecht, und die Knaben ausstaffirt mit Schnurbärten von gebranntem Kork, breitschößigen Röcken, aufgeschlagenen Aermeln und großen Alongeperücken, die Charaktere Roastbeef, Plump-Pudding und andere bei den alten Maskeraden Ausgezeichnete, darstellend. Das Ganze stand unter der Aufsicht des Oxforder Studenten, in der geeigneten Rolle des Ungebühr, und ich bemerkte, daß er seinen Stab über die kleinen Personen des Zuges ziemlich wild und herrisch walten ließ.

Das Einbrechen dieses bunten Haufens, der, nach der alten Sitte, mit Trommelschlag hereintrat, bildete den höchsten Grad des Lärms und der Freude. Meister Simon bedeckte sich durch das stattliche Wesen, womit er als »alte Weihnachten« mit der unvergleichlichen, obgleich kichernden Dame-Pastete einen Menuet tanzte mit Ruhm und Ehren. Diesem folgte ein Tanz sämmtlicher Charaktere, welche durch das Gemisch ihrer Anzüge das Ansehen erhielten, als ob die alten Familienbilder auf ihren Rahmen hervorgetreten wären, um sich der Lust anzuschließen. Mehrere Jahrhunderte machten rechts und links Kreuz mit einander; das Mittelalter gab Pirouetten und Rigodons zum besten, und die Tage der Königin Elisabeth hüpften munter durch die Mitte nachfolgender Geschlechter hinunter.

Der würdige Squire betrachtete diese abenteuerlichen Belustigungen und diese Auferstehung seiner alten Garderobe mit der einfachen Gutmüthigkeit kindischen Entzückens. Er stand da, lachte und rieb sich die Hände, und hörte kaum auf ein Wort, das der Pfarrer sagte, ungeachtet dieser sehr gründlich sich über den alterthümlichen und stattlichen Tanz des Paon oder Pfaus ausließ, von welchem, seiner Meinung nach, der Menuet abstammte.Sir John Hawking sagt, bei der Erwähnung des Tanzes Pavon, von pavo, einem Pfau, »es ist ein ernster und majestätischer Tanz; die Art, wie man ihn in alten Zeiten tanzte, war, daß die Herren vom Stande ihn mit Hut und Degen, die Rechtsgelehrten in ihren Mänteln, die Pairs in ihren Gewändern, und die Damen in Kleidern mit langen Schleppen tanzten, deren Bewegung beim Tanze der eines Pfaus glich.« – Anm. des Verf. Ich, meines Theils, blieb in einer beständigen Aufregung, welche die abwechselnden Auftritte der Laune und der unschuldigen Fröhlichkeit, die vor meinen Augen vorübergingen, bei mir hervorbrachten. Es war begeisternd, wie die mildblickende Lustigkeit und die warmfühlende Gastfreiheit zwischen der Kälte und Finsterniß des Winters durchbrachen, wie das Alter seinen Unmuth ablegte und die Frische des jugendlichen Genusses wieder annahm. Auch die Betrachtung, daß diese flüchtigen Gebräuche schnell der Vergessenheit zueilten, und daß dieß vielleicht die einzige Familie in England war, in welcher sie noch in ihrem ganzen Umfange pünktlich beobachtet wurden, flößte mir Antheil an dem Auftritte ein. Auch gesellte sich zu all diesem Getümmel eine gewisse Sonderbarkeit, die ihm einen eigenthümlichen Reiz gab; sie war Zeit und Ort angepaßt, und wie das alte Herrenhaus vor Fröhlichkeit und Wohlleben beinahe taumelte, schien die Lustigkeit lange dahingeschwundener Jahre widerzutönen.

Doch genug von Weihnachten und seiner Kurzweile; es ist Zeit, dieser Geschwätzigkeit Einhalt zu thun. Ich höre meine ernsthafteren Leser fragen, »wozu nützt alles dieß – wie soll die Welt durch dieß Geschwätz weiser werden?« Ach! ist denn nicht schon Weisheit genug zum Unterricht der Welt vorhanden? Und wenn auch nicht, gibt es nicht tausend geschicktere Federn, welche für ihre Bildung arbeiten? – Es ist ja viel angenehmer, zu ergötzen als zu belehren – den Gesellschafter eher als den Lehrmeister zu spielen.

Was ist am Ende das Scherflein Weisheit, das ich zu der Masse des Wissens hinzufügen könnte; oder wer bürgt mir dafür, daß meine weisesten Erörterungen sichere Leiter für die Meinungen Anderer werden? Wenn ich dagegen schreibe, um zu belustigen, und mir dieß mißlingt, so ist meine eigene vereitelte Erwartung das einzige Uebel. Wenn es jedoch, in diesen schlimmen Tagen, durch einen glücklichen Zufall mir gelingt, eine Runzel auf der sorgenvollen Stirn zu glätten, oder das schwere Herz einen Augenblick seines Kummers vergessen zu machen; wenn ich hie und da den sich sammelnden Nebel des Menschenhasses zerstreuen, einen freundlichen Blick auf die menschliche Natur eröffnen und meinen Lesern mit seinen Mitmenschen und sich selbst in bessere Laune versetzen kann, gewiß, gewiß, dann habe ich nicht umsonst geschrieben.

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