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Goldköpfchens Schulzeit

Magda Trott: Goldköpfchens Schulzeit - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorMagda Trott
titleGoldköpfchens Schulzeit
publisherPaul Franke Verlag
yearo.J.
firstpub1929
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorRegine Kreutz
senderwww.gaga.net
created20160729
modified20180123
projectid5bde9c02
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2. Kapitel.
Der kleine Faulpelz

Obwohl Bärbel schon seit mehreren Wochen die Gregersche Schule besuchte, fand sie keinen Gefallen an dem Unterricht. Vergeblich versuchten die Eltern, Bärbel anzufeuern; die Kleine setzte allen Ermahnungen eigensinnigen Widerstand entgegen. Zwar hatte sie kaum Schularbeiten zu machen, dennoch wurde ihr das Wenige schon zu viel, und in den Schulstunden dachte die Kleine an hundert andere Dinge, nur nicht an das, was Fräulein Fiebiger vortrug.

Am interessantesten war es für Goldköpfchen, wenn irgendeine Stunde gemeinsam mit den größeren Schülerinnen abgehalten wurde. Da Fräulein Greger nicht genügend Lehrkräfte anstellen konnte, da ja auch die einzelnen Klassen sehr klein waren, wurden manche Stunden doppelt belegt. Während die Großen zeichneten oder Klassenaufsätze schrieben, auch französische oder englische Übersetzungen machten, wurden die Abcschützen im Rechnen, Lesen oder Schreiben unterwiesen, und wenn die Kleinsten schrieben, hatten wieder die Größeren irgendeinen mündlichen Unterricht.

Da gab es für Bärbel mancherlei zu erlauschen, und sie vergaß dann ganz, daß sie selbst Zahlen oder Buchstaben zu schreiben hatte. Das Kind kehrte oft mit den merkwürdigsten Anliegen heim, und erst gestern hatte sich Herr Wagner wieder das Lachen verbeißen müssen, als er von Bärbel erfuhr, daß eine der älteren Schülerinnen an die Lehrerin die Frage gestellt habe, was ein Autodidakt sei.

»Vati, das Fräulein hat gesagt, ein Autodidakt sei jemand, der sich selbst unterrichte. Ich möchte auch ein Autodidakt sein und nicht mehr in die Schule gehen. Ich unterrichte mich selbst!«

»Da würde etwas Nettes herauskommen,« sagte Herr Wagner, »im übrigen ist es viel besser, du wirst unterrichtet. Du bist ohnehin ein kleiner Faulpelz. Wie ich gehört habe, sitzest du als Letzte. – Kannst du denn nicht auf den ersten Platz kommen?«

»Nein, Vati,« entgegnete Bärbel treuherzig, »das kann ich nicht.«

»Warum denn nicht?«

»Da sitzt doch schon eine!«

»Dann mußt du eben so fleißig sein, daß du über diese eine kommst.«

»Das geht auch nicht, Vati, da ist doch keine Bank mehr.«

»Du sollst eben so fleißig lernen, daß dich die Lehrerin zur Ersten der Klasse macht.«

Bärbel senkte das Köpfchen und sagte nichts mehr.

»Nun, Goldköpfchen, willst du mir versprechen, einmal zu versuchen, die Erste zu werden?«

»Nein, Vati, – das Fräulein hat gesagt, wir sollen immer bescheiden sein und uns nicht vordrängen. Ich bin bescheiden.«

»Aber beim Lernen brauchst du es nicht zu sein.«

»Ach, Vati, wir wollen es doch lieber bei dem lassen, was das Fräulein sagt.«

Lächelnd drohte der Apothekenbesitzer seinem Töchterchen mit dem Finger, er hoffte, daß Bärbel bald Gefallen am Schulunterricht finden werde. Bis jetzt war freilich nicht viel davon zu spüren.

»Wer ist denn die Faulste in deiner Klasse, Goldköpfchen?«

»Ich weiß es nicht, Vati.«

»Gib mir einmal ganz ehrlich Antwort, mein Kind. – Wenn alle anderen fleißig schreiben, wer sitzt dann da und guckt in die Luft und tut nichts?«

»Unser Fräulein,« erwiderte das Kind strahlend.

»Das Fräulein hat aufzupassen. Ich glaube viel eher, daß du der kleine Faulpelz bist, aber ich hoffe, daß du dich bald besserst und deinen Eltern Freude machen wirst. Du hast uns doch versprochen, ein braves Mädchen zu werden?«

»Jawohl, Vati – aber wenn eben immer was dazwischenkommt, kann ich doch nichts dafür.«

»Hast du heute schon Schularbeiten gemacht, Kind?«

»Ja, Vati.«

Damit ließ Herr Wagner sein Töchterchen gehen, in der Hoffnung, daß aus dem bisher recht trägen, kleinen Mädchen doch noch ein fleißiges Kind werden würde.

Frau Wagner sah das Verhalten ihrer Tochter schon mit mehr Sorge an. Es gefiel ihr gar nicht, daß Bärbel auch nicht den geringsten Lerneifer entwickelte. Goldköpfchen hatte schon in den ersten Tagen seine Schulhefte den Zwillingen zum Spielen gegeben und war mit glänzenden Augen zur Mutter gekommen, als die kleinen Brüder die Hefte zum Teil zerrissen, zum Teil bekritzelt hatten.

»Nun kann ich nicht mehr in die Schule gehen, Mutti!«

Es hatte einen strengen Verweis gegeben, man hatte der Kleinen verboten, die Brüderchen mit den Schulsachen spielen zu lassen. Da war es für Bärbel abermals eine große Freude gewesen, als die Feder, mit der es daheim üben sollte, zerbrach. Beglückt hatte das Kind in der Schule berichtet, daß es nicht habe weiterschreiben können, weil die Feder entzweigegangen sei. Man hatte Goldköpfchen zu seinem großen Leidwesen eine neue Feder gegeben und ihm dann ernsthaft verwiesen, die Federn weiter so rasch zu zerbrechen, da es sonst Strafe geben werde.

Alle diese sanften Tadel der Lehrerin trugen natürlich nicht dazu bei, Goldköpfchens Liebe zur Schule zu erhöhen. An jedem Morgen gab es daheim denselben kleinen Kampf. Goldköpfchen suchte nach Ausreden, um der Schule fernbleiben zu können.

Auch am heutigen Morgen hatte Frau Wagner wieder die größte Mühe, Bärbel zum Aufstehen zu bewegen.

»Jetzt stehst du auf, Kind, mache mich nicht böse. Wer wird denn so faul sein!«

»Ich möcht' noch ein bißchen liegenbleiben.«

»Du stehst jetzt sofort auf. – Schäme dich, Bärbel!«

»Mutti? – Kann ich mich nicht lieber im Bett schämen und noch liegenbleiben?«

»Willst du mich ernstlich erzürnen, Bärbel?«

»Mutti? – Ich glaube, ich kann heute nicht in die Schule gehen, ich fühle mich nicht wohl.«

»Wo denn, Kind?«

»In der Schule, Mutti, dort fühle ich mich gar nicht wohl.«

»Ich rufe sofort den Vater, wenn du nicht sofort das Bett verläßt; da gibt es Schläge.«

Bärbel sah ein, daß es die Mutter nicht noch mehr erzürnen durfte, und erhob sich seufzend. Wenn nur erst die Schule wieder aus wäre, es war gar zu schrecklich! Es wäre viel netter, wenn sie ein wenig mit Hektor, ihrem geliebten Hunde, gespielt hätte oder mit den Zwillingen.

»Mutti, – der Hektor braucht wohl in keine Schule zu gehen?«

»Nein.«

»Lernt er gar nichts?«

»Beim Hektor hilft der Instinkt nach.«

»Hilft bei mir auch der Stinkt nach?«

»Nein, Menschen müssen lernen.«

»Darum stinkt wohl der Hektor, weil ihm der Stinkt hilft?«

»Jetzt laß das Spielen mit dem Hunde sein, Kind, und mache dich fertig.«

»Mutti, ich habe aber den Hektor viel lieber als das Fräulein.«

»Ich will nun nichts mehr hören, Bärbel. – Hast du die Hände sauber gewaschen?«

Das Kind nickte. »Guck nur das Handtuch an, da siehst du's.«

»Kind, Kind, du bist doch ein rechter Schmutzfink. Jetzt eile, hole deine Sachen und mach', daß du zur Schule kommst!«

Eine Viertelstunde später saß Goldköpfchen wieder in der Schulbank und schaute gelangweilt drein. Die Geschichte von Adam und Eva, die ihnen Fräulein Fiebiger erzählte, hatte es schon von der Mutti gehört. Bärbel hielt es daher nicht für notwendig, besonders aufzupassen. Sie dachte an Hektor, mit dem es sich so prächtig spielen ließ.

Es vergingen keine fünf Minuten, da wurde Bärbel plötzlich unruhig. Zögernd kam der kleine Finger in die Höhe.

»Was willst du, Kind?«

»Fräulein, – – ich habe einen Floh, vom Hektor.«

»Das ist ein Irrtum, Bärbel. – Also weiter. – Wer waren die ersten Menschen?«

»Adam und Eva,« sagte Maria.

»Und wer war Kain und Abel?«

Tiefes Schweigen.

»So überlegt doch! – Wenn Adam und Eva die beiden ersten Menschen waren, wer waren Kain und Abel? – – Bärbel, sprich!«

»Die beiden zweiten Menschen.«

»Ihr habt alle wieder nicht aufgepaßt. – Woran denkt ihr denn?«

Wieder kam Bärbels Fingerchen hoch. »Fräulein, mich beißt schon wieder ein Irrtum.«

»Die Stunde ist bald vorüber, Kind. Das kommt davon, wenn du daheim, ehe du zur Schule kommst, schon mit dem Hunde spielst. Im übrigen ist ein Hund ein sehr treues und gutes Tier, das einen außerordentlich feinen Geruch hat.«

»Nein,« rief Bärbel stürmisch, »fein riecht er nicht, unser Hektor stinkt, – ich habe ihn geriecht!«

Es war ein leiser Seufzer, der über die Lippen der Lehrerin kam. Mit Bärbel würde man wahrscheinlich in Zukunft noch einen recht schweren Stand haben. Das kleine, träge Mädchen war außerordentlich scharfdenkend und genau. Bärbel war nicht so leicht mit Redensarten abzuspeisen, sie ging den Sachen auf den Grund, und darum wollte sich Fräulein Fiebiger besonders vorsehen, um sich keine Blöße zu geben.

Im Laufe der Unterrichtsstunde wurden dann noch anschließend erneut die Tugenden des Fleißes und der Bescheidenheit besprochen, wobei Fräulein Fiebiger gerade dann, wenn es sich um Fleiß handelt, Bärbel besonders scharf anschaute. Aber das Kind hatte inzwischen entdeckt, daß sich auf der hölzernen Tischplatte bequem mit dem Buntstift allerlei Striche zeichnen ließen, und war höchst erstaunt, als ihr dieses interessante Spiel schon im nächsten Augenblick untersagt wurde.

»Fräulein,« fragte Georg, »lernt der besser, der große Ohren hat?«

»Nein, Georg.«

»Aber er kann doch viel mehr hören.«

»Auf die Ohrmuschel kommt es nicht an, Georg.« Die Lehrerin begann von den fünf Sinnen zu sprechen, daß der Schöpfer es so eingerichtet habe, daß ein Mensch, bei dem das Augenlicht fehle, ein um so schärferes Gehör habe.

»Bei uns wohnt ein Mann, der hat keine Nase,« sagte Hanna, »kann der nun besser sehen?«

»Mitunter sind die Menschen, die keinen Geruch haben, im Gehör besser ausgebildet, das hat der Schöpfer so eingerichtet. Weiß einer von euch vielleicht noch ein Beispiel?«

Erst blieb alles mäuschenstill, dann meldete sich die kleine Maria. »Ich weiß etwas,« flüsterte sie.

»So erzähle, Maria.«

»Zu meinem Vater kommt ein Mann, der hat das eine Bein kurz, dafür hat ihm der liebe Gott das andere Bein länger gemacht.«

Es war wieder sehr schwer für die Lehrerin, das kindliche Verständnis für diese Dinge zu wecken. Durch zahlreiche Fragen der Kinder wurde sie noch weidlich in die Enge getrieben, und so atmete sie auf, als die rettende Glocke ertönte.

In der darauffolgenden Schreibstunde bekam Bärbel zum ersten Male eine nachdrückliche Strafe. Da sie die vorgeschriebenen Aufgaben nicht gemacht hatte, wurde die Kleine in die Ecke gestellt.

»Ich muß dich heute leider ernstlich strafen, Bärbel. Willst du mir denn gar keine Freude machen?«

»Nein,« klang es trotzig zurück, »Sie machen mir auch keine Freude.«

»Hast du mich denn gar nicht lieb, Kind?«

»Nein.«

»Das ist aber recht traurig für mich!«

»Dann brauchen Sie ja nicht wiederzukommen.«

Fräulein Fiebiger ließ den kleinen Trotzkopf stehen und wandte sich den anderen Kindern zu. Aber bald merkte sie, daß die Gesichter der Schüler immer vergnügter wurden, und schließlich lachte Georg laut auf.

»Was gibt es denn?«

Der Knabe wies nach der Ecke, in der Bärbel stand, den Rücken den Kindern zugekehrt. Die blumige Tapete hatte es der Kleinen angetan. Nun fuhr sie mit dem Fingerchen auf den Ranken entlang, reckte sich mehr und mehr, und es war ein gar drolliger Anblick, den kleinen Finger wie wild hin und her fahren zu sehen.

»Was machst du denn, Bärbel?«

»Ich spiele mit mir.«

»Du sollst in der Ecke stehen und dich schämen.«

»Ich möchte mich lieber zu Hause schämen.«

»Wenn du immer so unartige Antworten gibst, Bärbel, werde ich es deinen Eltern melden, damit du strenge Strafe bekommst.«

Da fuhr das Kind wie vom Blitz getroffen herum und schaute die Lehrerin mit sprühenden Augen an. Sie vergaß, wie man die Lehrerin anzureden halte, und stieß leidenschaftlich erregt hervor: »Klatschen willst du auch noch?«

»Bärbel, du bist heute sehr unartig!«

Die Kleine drehte sich wieder zur Wand, der Trotz verschloß ihr den Mund. Als ihr das Eckestehen zu lange dauerte, kamen doch die Tränen, und vom Winkel her hörte man das dauernde leise Schluchzen und das häßliche Ziehen der Nase.

Fräulein Fiebiger trat zu der Weinenden: »Hast du ein Taschentuch bei dir, Bärbel?«

»Ja, – ich habe ein Taschentuch, aber ich borge es Ihnen nicht.«

»Dann benutze es! Ein artiges Kind zieht nicht mit der Nase, und es trocknet sich die Tränen.«

Darauf entlud Bärbel all ihren Grimm in trompetenartigem Schnauben, worüber die anderen drei furchtbar lachten und in die gleiche Musik mit einstimmten.

»Blas' doch mit!« rief Georg der Lehrerin zu.

»Jetzt hört sofort damit auf,« gebot Fräulein Fiebiger streng, »man glaubt fast, man sei im Zoologischen Garten.«

Damit war das Signal zu neuem Aufruhr gegeben. Georg imitierte ein Tier nach dem anderen, die anderen lachten dazu. Besonders der Hahn, den der kleine Knabe täuschend nachahmen konnte, erregte hellstes Gelächter, bis sich die Tür zum Nebenzimmer öffnete und Fräulein Greger über die Schwelle trat.

»Was ist denn hier los?«

Georg krähte ihr entgegen, und auch Bärbel hüpfte vor Entzücken von einem Fuß auf den anderen. Man lärmte der Schulvorsteherin entgegen, daß man Zoologischer Garten spiele, und Fräulein Greger hatte Mühe, die Wogen der Begeisterung wieder zu dämpfen.

»Wer steht denn da in der Ecke?«

Bärbel wurde ein wenig rot, denn vor den strengen Augen der Schulvorsteherin hatte die Kleine doch Respekt.

»Was hast du denn getan, Kind?«

Mit ausgestrecktem Finger wies Bärbel auf Fräulein Fiebiger. »Sie hat es getan!«

»Und warum stehst du in der Ecke?«

Da keine Antwort erfolgte, mischte sich Fräulein Fiebiger ein. »Sage uns, Bärbel, was du getan hast und weshalb ich dich in die Ecke stellte. Wir möchten es wissen.«

Einige Augenblicke starrte die Kleine Fräulein Fiebiger an, dann kamen erneut die Tränen, und zornig stieß die Kleine hervor: »Wenn Sie nicht mal wissen, warum ich in die Ecke gestellt werde, kann ich es doch auch nicht wissen!«

Fräulein Greger versuchte zu beschwichtigen. »Setz' dich nun wieder auf deinen Platz, Bärbel, und sei von nun an artig und aufmerksam.«

Seit diesem Augenblicke hatte die junge Lehrerin bei Bärbel vollkommen verspielt. Die Kleine sah in ihrer Lehrerin die Peinigerin. Das trug natürlich nicht dazu bei, den Lerneifer zu erhöhen, es kam auch noch der Trotz dazu, der Bärbel häufig den Mund fest verschloß.

Schließlich sah sich die Schulvorsteherin genötigt, Bärbels Eltern aufzusuchen, um dort einmal nachzuforschen, aus welchem Grunde die Kleine gar so störrisch sei.

Frau Wagner war aufs höchste bestürzt und nahm sich vor, Bärbels Schulaufgaben alltäglich zu überwachen. So ging es nicht weiter. Wenn man das Kind nicht energisch zur Arbeit anhielt, würde die Kleine nicht vorwärtskommen, und man bestärkte nur deren Trägheit.

Frau Wagner machte daher dem Gatten davon Mitteilung, der sofort die faule Tochter zu sich rief.

»Ich höre ja schöne Sachen über dich, Bärbel! Warum hat dich Fräulein Fiebiger heute bestrafen müssen?«

Sehr scheu schaute die Kleine den Vater an, der so streng sprach.

»Vati – –«

»Nun?«

»Darf sie mich denn bestrafen für etwas, was ich gar nicht gemacht habe?«

»Nein, das darf sie natürlich nicht, aber das tut Fräulein Fiebiger auch nicht.«

»Doch, Vati, das macht sie immer.«

»Wofür hat sie dich denn bestraft?«

»Weil ich die Schularbeiten nicht gemacht habe.«

»Da hat sie das größte Recht dazu. – Sie sollte dir einmal eine Portion Schläge verabfolgen. – Willst du denn durchaus immerzu Schläge haben?«

»Nein, Vati, das will ich nicht.«

»Du mußt doch vernünftig werden, Bärbel, du mußt einsehen, daß es mir und der Mutti weh tut, wenn ich dich strafen muß.«

»Weh mag es dir schon tun, Vati, aber nicht an derselben Stelle wie mir.«

»Im Herzen tut es mir weh, und das ist noch viel schlimmer, als wenn ich dir das Hinterleder klopfe. – Höre ich noch ein einziges Mal Klagen über nicht gemachte Arbeiten, so setzt es Schläge, an die du drei Tage denken wirst.«

Bärbel wurde sehr kleinlaut. Es kannte die strafende Hand des Vaters, da war nicht zu spaßen.

»Vati – – es wäre doch besser gewesen, wenn ich nicht zur Schule gekommen wäre, dann hättest du dich nicht so geärgert.«

»Willst du wirklich dumm bleiben und nicht einmal lesen und schreiben können? Was soll denn dann aus dir werden?«

Das Kind seufzte tief. Es empfand das Leben als eine drückende Last, und die Schule war das schrecklichste aller Übel.

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