Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Magda Trott >

Goldköpfchens Kinder: Ernas lustige Reise

Magda Trott: Goldköpfchens Kinder: Ernas lustige Reise - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorMagda Trott
titleGoldköpfchens Kinder: Ernas lustige Reise
publisherPaul Franke Verlag
year0.J.
firstpub1939
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorRegine Kreutz
senderwww.gaga.net
created20160803
modified20181112
projectidb5320356
Schließen

Navigation:

Das Lama kehrt heim

»Was soll die Kiste?« fragte Kuno Wagner seinen Hausdiener Adrian, der eine größere Kiste in den Gepäckraum des vor der Tür stehenden Autos schob.

»Die gehört dem kleinen Goldköpfchen. Ich soll sie ins Auto bringen.«

Kuno Wagner nahm den Deckel ab und schaute hinein. Er schüttelte den Kopf. Da lagen bunt durcheinander viele alte Flaschen, Blechschachteln und Blechröhren, Prospekte von Firmen, alte Kartons, Flickflecken aller Art, eine kleine Kaffeekanne mit abgeschlagenem Henkel, ein geplatztes Luftkissen und anderes. Alles hatte Erna anscheinend sorgsam zusammengetragen, um es mitzunehmen. Sollte er der Kleinen die Freude an diesem Kram nehmen? Es machte keine Schwierigkeiten, die Kiste im Auto mitzunehmen. Und da Kuno zuerst doch nach Heidenau fuhr, konnte das merkwürdige Gepäckstück mitgehen.

Klein-Goldköpfchen war noch oben im Zimmer bei den Großeltern. Ihre Augen standen voller Tränen.

»Es ist sooo schön hier. Ich wäre so gerne geblieben.«

»Du kommst wieder«, tröstete die Großmutter.

»Das ist noch sooo lange. Ich wollte, die Ferien hätten nie ein Ende.«

»Hier ist noch ein süßes Päckchen für die Reise«, sagte Tante Karla und händigte dem Kinde eine Tafel Schokolade ein. »Damit das Lama unterwegs nicht verhungert.«

Für einige Augenblicke versiegten die Tränen. »Vom Opa hab' ich Schokolade, vom Adrian auch, von Rosine auch, die Helga hat mir auch ein Kästchen gebracht und die Suse Bonbons.«

»Und von mir hast du ein Robinsonbuch«, sagte der Großvater. »Da kannst du daheim nachlesen, wie es dem Robinson auf seiner Insel gegangen ist. Auch deine Brüder werden Freude an dem Buch haben.«

»Wenn ich es dann nicht mehr mag, schenk' ich es dem ganzen Haufen. Oh, ich bringe ihnen allen soviel Schönes mit.«

»Was denn? Hast du für deine Geschwister auch so schöne Sachen gekauft wie für uns?«

»Ich hab' nichts gekauft. Aber ich hab' hier soviel Schönes gefunden. Ich hab' eine ganze Kiste voll schöner Sachen.«

»Was hast du?«

Erna nickte geheimnisvoll. »Eine ganze große Kiste voll. Oh, die werden sich aber freuen! So was Schönes haben wir in Heidenau nicht.«

»Wo ist denn die Kiste?«

»Die versteckt der Adrian im Auto. Aber du darfst es dem Onkel Kuno nicht sagen. Sonst meint er, das ist für das Auto zu schwer, und dann darf ich alle die schönen Sachen nicht mitnehmen.«

»Da du soviel Schokolade bekommen hast, wirst du hoffentlich deinen Brüdern und Schwestern auch davon etwas abgeben?«

»Wenn sie artig sind, kriegen sie was zur Belohnung. Weißt du, Opa, ich muß doch die kleinen Kinder erziehen, denn die Mutti hat soviel anderes zu tun. Auf mich hören sie schon! Und wenn sie mal gar zu ungezogen sind, dann winke ich mit einem Stück Schokolade. Dann klappt es. Darum muß ich auch die Schokolade sehr gut aufheben.«

»Hörst du? Onkel Kuno tutet unten schon ganz ungeduldig. Nun müssen wir hinunter.«

Wieder kamen Erna die Tränen. »Ich wäre noch so gerne hiergeblieben.«

Apotheker Wagner nahm sein Enkelkind an der Hand und führte es die Treppe hinab. Vor dem Hause stand das Auto. Neben dem Auto aber standen Max und Moritz, Suse Arbert und Helga Petermann. Alle wollten ihrer kleinen Gespielin noch einmal Lebewohl sagen.

Max und Moritz überreichten ein Päckchen. »Damit das Lama unterwegs was zu fressen hat. Keks und Schokolade. Ganz was Feines.«

»Oh, jetzt habe ich aber einen Haufen Süßes. Das ist fein.«

Kuno drängte zur Abfahrt. Er hielt es für das richtigste, daß man möglichst schnell losfuhr, damit der Trennungsschmerz für das kleine Mädchen nicht zu groß wurde.

»Du darfst hier vorne neben mir sitzen. Gleich geht es los. So, nun steige ein.«

»Adrian, Baldrian – ich – ich hab' noch was zu fragen, das darf aber keiner hören. Ich muß noch mal raus.«

Klein-Goldköpfchen kletterte aus dem Wagen, eilte auf den Hausdiener zu und flüsterte ihm eine Frage ins Ohr. Adrian nickte.

»Ja, ja, die Kiste steht hinten im Auto.«

»Sind auch alle schönen Sachen drin?«

»Ja, alle!«

»Na, dann ist es gut, da kann ich wieder einsteigen.«

Sie kletterte ins Auto, aber als Kuno die Tür schließen wollte, rief sie laut: »Halt, ich hab' noch was vergessen.«

Wieder war sie draußen, warf sich an den Hals der Großmutter und schluchzte. »Kann ich bald wiederkommen?«

»Ja, ja.«

Dann kamen der Opa und Tante Karla an die Reihe. Schließlich wurde noch einmal herzlicher Abschied von den Spielgefährten genommen.

»Jetzt komm«, rief Onkel Kuno streng. »Wir müssen fort.«

Die Tür schlug zu. Der Motor brummte. »Ich – wäre – so gerne noch bei euch geblieben –«

Das war das letzte, was man von Klein-Goldköpfchen hörte. Ein lebhaftes Winken, dann bog der Wagen um die nächste Ecke und war den Blicken der Zurückbleibenden entschwunden.

Zuerst rannen immer wieder neue Tränen über das Gesicht des Kindes. Aber Onkel Kuno machte allerlei Späße, und so überwand Erna bald ihr großes Leid. Es gab doch viel Neues und Schönes zu sehen. Außerdem kam langsam die Freude zum Durchbruch, noch heute die geliebte Mutti, den Vater und die Geschwister wiederzusehen.

»Oh, ich habe die Mutti solange nicht gehabt. Ob sie sich freut, daß ich endlich heimkomme?«

»Freilich freut sie sich. Und die andern freuen sich auch. Du hast doch schon aus den Briefen herausgelesen, daß sie dich wiederhaben möchten.«

»Na ja, sie werden nicht gut ohne mich fertig. Ich muß sie doch erziehen.«

Nach zwei Stunden wurde in einer Ortschaft haltgemacht. »Jetzt wird Mittag gegessen«, sagte Kuno. »Das Lama darf doch nicht verhungern.«

»Wenn ich nach Heidenau komme, bin ich aber kein Lama mehr. Dort will ich nur Klein-Goldköpfchen sein. Weil meine Mutti das große Goldköpfchen ist. Da werden mich alle Leute liebhaben, weil doch alle Leute auch das große Goldköpfchen so liebhaben.«

»Dann mußt du aber auch so brav und tüchtig sein wie das große Goldköpfchen.«

»Ja, Onkel Kuno. In Heidenau bin ich wieder brav und tüchtig. Oh, was tue ich dort alles! Wenn du ein Weilchen bei uns bist, wirst du es sehen.«

Das Mittagessen in einem Gasthaus gefiel Erna außerordentlich gut. Es machte großen Eindruck auf das Kind, daß ein Kellner kam und alles, was man brauchte, anbrachte. Erna hatte sogar selbst aussuchen dürfen, was sie essen wollte. Fleisch und Gemüse waren ihr ganz gleichgültig, aber der Schokoladenpudding mit der Vanillentunke erregte ihre größte Freude.

»Sind wir nun bald da? Ich habe doch solche Sehnsucht nach der Mutti, dem Vati und dem Haufen. Weißt du, Onkel Kuno, bei euch war es ja sehr schön, aber bei uns in Heidenau ist es doch noch viel schöner.«

»Dort ist aber keine Robinsoninsel.«

»Das macht nichts. Dort ist aber meine Mutti.«

So schien der Abschiedsschmerz bereits überwunden zu sein, weil die Freude des Wiedersehens winkte.

Man war wieder eingestiegen und fuhr weiter. Immer wieder richtete Erna an den Onkel die Frage, ob man nicht bald daheim wäre.

»Ich kann schon gar nicht mehr still sitzen. Ich halt' es schon gar nicht mehr aus. Ich habe schon Herzschmerzen vor Freude, und mein Blinddarm läßt mir auch keine Ruhe mehr.«

Kuno wies auf den im Wagen eingebauten Kilometerzähler. »Jetzt paß hübsch auf. Du wirst schon gesehen haben, daß die Zahlen hier immer weiter gehen. Von Zeit zu Zeit fällt eine neue Zahl herab. So werden die Kilometer gezählt, die wir zurücklegen. Wenn die hinteren drei Zahlen auf vierhundert stehen, dann sind wir wahrscheinlich daheim.«

Von nun an ruhten Ernas Augen dauernd auf dem Zähler. »Fahre doch recht fix, damit die Zahlen rascher herunterpurzeln, damit es bald vierhundert ist.«

Nach Verlauf von einer Stunde sagte Kuno: »So, nun sind es noch etwa fünfzig Kilometer, dann sind wir da.«

Aber diese letzten fünfzig Kilometer wurden Erna gewaltig lang. Als der Onkel fragte, ob man noch irgendwo anhalten wolle, ob Erna vielleicht ein Glas Milch haben möchte, schüttelte das Kind heftig den Kopf.

»Machen wir lieber, daß wir endlich heimkommen. Milch bekomme ich auch von der Mutti. Sie wartet auf uns. Oh, sie wird schon Sorge haben, weil wir gar nicht kommen.«

Endlich kam man in Ortschaften, die Erna bereits kannte. Kleine Dörfer, die in der Nähe von Heidenau lagen.

»Bald sind wir daheim. Ich platze auch schon fast vor Sehnsucht. Fahr' recht schnell.«

Im Doktorgarten in Heidenau saß zur selben Stunde Goldköpfchen mit den Kindern am Kaffeetisch. Soeben hatte sich auch Doktor Kirschner eingefunden. Ihm blieb noch bis zur Sprechstunde eine kurze Pause, die er mit den Seinen verbringen wollte.

Auch Hermann war von seiner kleinen Reise längst zurückgekehrt, nur Erna fehlte noch, die man aber heute erwartete.

»Es wird auch wahrhaftig Zeit, daß sie endlich wiederkommt«, sagte Stefan unmutig. »Sie läßt hier alles im Stich und lebt nur der Freude.«

»Wenn sie nur erst hier wäre«, seufzte Fritz. »Dann können wir wieder so schön unsere Sachen rumschmeißen. Sie räumt immer hinter uns her.«

»Nun muß ich auch mal bald verreisen«, meinte Jürgen. »Die beiden Fipse sind weg gewesen, der Hermann, die Erna, nun komme ich an die Reihe.«

»Hast du nicht mit uns schöne Ausflüge nach Schandau und der Bastei gemacht?«

»Freilich, Väti, aber das war doch keine so lange Reise, wie sie die andern machten. Die Fipse waren viele Wochen weg.«

»Sei froh und dankbar, daß du so ein gesunder Kerl bist und keine Erholungsreise brauchst.«

»Ach, Väti, manchmal brauch' ich aber doch eine Erholungsreise.«

»Du wirst noch genug von der Welt sehen, wenn es Zeit ist.«

»Wann kommt denn die Erna nun eigentlich«, seufzte Marlene. »Solange ist sie fort.«

»Heute kommt sie!«

»Ach, Mutti, ob sie auch wieder mit uns spielt? Vielleicht ist sie inzwischen so groß geworden, daß sie gar nicht mehr mit uns spielt!«

»Doch«, rief Jürgen stürmisch. »Wir spielen jetzt auch hier Robinson. Der Opa hat geschrieben, wie schön das war. Wir wollen auch eine Insel.«

»Weil wir so eine große Familie sind, können wir fein Robinson spielen«, rief Stefan. »Ich bin der Freitag. Ich hole alles, was wir brauchen, heran. Wenn die Erna nur erst hier wäre.«

Plötzlich hörte man vom großen Einfahrtstore her lautes Hupen. Obwohl es nichts Seltenes war, daß ein Auto kam, fuhren die Kinder doch blitzartig hoch.

»Sie kommt!«

»Das ist Onkel Kuno!«

»Erna ist da!«

Vom Kaffeetisch stürmten sie dem Wagen entgegen, Goldköpfchen hörte wenige Sekunden später ein lautes Freudengeheul. Da wußte auch sie, daß Onkel Kuno ihr Töchterchen zurückbrachte.

»Da dürfen wir nicht fehlen«, lächelte Doktor Kirschner. »Nun hast du wieder alle beieinander.«

Erna, die von den Geschwistern umringt war, löste sich aus dem Haufen, als sie die Mutter erblickte, und eilte mit ausgebreiteten Armen auf sie zu.

»O Mutti, Muttilein, ich bin wieder bei dir!« Das Umarmen wollte gar kein Ende nehmen.

»Mich siehst du wohl gar nicht?« fragte der Vater.

»Freilich sehe ich dich. Jetzt kommst du an die Reihe! Aber die Damen kommen doch immer zuerst.« Dann hing das Mädchen auch am Halse des Vaters und küßte ihn stürmisch.

»Pui – pui – pui«, tönte es laut lachend dem Vater entgegen.

»Nanu? Was ist denn das für eine merkwürdige Begrüßung?« fragte der Vater betroffen.

»Pui – pui – ich bin das Lama. Das spuckt! Pui – pui!«

Die Geschwister brachen in dröhnendes Lachen aus und wiederholten: »Pui – pui – pui!«

»Oh, es war so schön bei den Großeltern, aber hier ist es auch so schön! Ich bin so froh, daß ich wieder bei euch bin.«

»Wir spielen auch Robinson!«

»Ich bin der Robinson!«

»Hat uns der Opa nicht was mitgeschickt?«

So schwirrten die Fragen durcheinander. Alle Geschwister umdrängten Erna, während die Eltern Kuno begrüßten.

Klein-Goldköpfchen aber fühlte sich sehr stolz. Sie merkte, daß sich jedermann freute, sie wieder hier zu haben. Es machte sie auch froh, zu hören, daß man sie vermißt hatte.

»Wenn du auch wie ein Polizist bist«, meinte Jürgen, »und immer aufpaßt, so ist es doch schöner, wenn du wieder da bist.«

»Oh, ich hab' euch was Feines mitgebracht. So was haben wir hier gar nicht. Das hab' ich alles aus der Apotheke.«

»Was hast du denn? Zeig her?«

»Das hab' ich in der großen Kiste im Auto!«

»Wir wollen die Kiste holen.«

Zuerst mußte Onkel Kuno begrüßt werden, doch dann verlangte der Kinderhaufe, daß der Onkel die Kiste aus dem Wagen hole.

»Laßt doch den Onkel erst mal zur Ruhe kommen!«

»Bitte, Onkel Kuno, schlepp die Kiste aus dem Wagen.«

Man ließ ihm nicht eher Ruhe, als bis die Kiste mitten auf dem Rasenplatz im Garten stand. Nun wühlte man in den Schätzen herum. Jeder fand etwas, was ihm ganz besonders herrlich dünkte.

»Das brauchen wir alles«, schrie Stefan. Er stopfte sich die Taschen mit Flaschen, Büchsen, Nägeln und anderen Dingen voll.

Es dauerte ein ganzes Weilchen, bis die Ordnung bei Kirschners ein klein wenig wiederhergestellt war. Goldköpfchen rief energisch zurück zum Kaffeetisch.

»Onkel Kuno ist durstig! Erna kann euch bei Tisch erzählen, was sie alles erlebt hat.«

»Ja, da hat sie viel zu erzählen«, sagte Onkel Kuno. »In Dillstadt ist mancherlei geschehen!«

»Oh, erzähle!«

»Ich hoffe«, sagte Goldköpfchen und blickte ihre Tochter forschend an, »daß Erna euch nicht zuviel Mühe machte und ein artiges Kind gewesen ist.«

»Ach, Mutti«, sagte das kleine Mädchen und schmiegte sich zärtlich an die Mutter. »Ein artiges Mädchen bin ich hier. Aber wenn man in den Ferien ist, da ist das anders. Ich war doch das Lama!«

»Erzähle von dem Lama!« drängten die Geschwister.

»Sieh mal, Mutti«, fuhr Erna fort. »Jetzt habe ich wieder meine Pflichten hier! Aber in Dillstadt hatte ich keine Pflichten, nur Freude. Und die Augen sollte ich doch auch aufmachen. Aber nun bin ich wieder da. Weißt du, Mutti, frag' jetzt nicht nach meinen Freuden in Dillstadt. Das erzähle ich dir mal alles später.«

»Das scheinen ja merkwürdige Freuden gewesen zu sein!«

»Manchmal ging es ein bißchen schief. Aber dann ist es doch wieder geworden. Ich habe auch alle wieder versöhnt. Ich hab' allen was geschenkt. Ach Mutti, ich bin ja froh, daß ich wieder da bin.«

»Du scheinst mir allerlei angerichtet zu haben«, scherzte der Vater. »War es sehr schlimm?«

»Sie war ein Lama«, schrie Stefan. »Und ein Lama ist ein freches Tier! Ich krieg's schon raus, was du alles angezettelt hast. Aber dann laß ich mir von dir nichts mehr sagen.«

»Ich kenn' einen Spruch«, sagte Erna rasch, »den sollst du dir merken. Ich will ihn dir sagen:

Zwei Augen hab' ich, um alles zu sehen,
Zwei Füße, um überall hinzugehen,
Doch nur eine einzige Nase auch,
Die ich nicht in alles zu stecken brauch'!
Pui – pui – pui!«

»Bravo«, rief Kuno. »Du hast den Spruch nicht vergessen, Jungfer Allwissend!«

»Erzähle, was hat sie denn alles gemacht«, drängten die Geschwister.

Aber Onkel Kuno schüttelte den Kopf. »Wir waren mit ihr zufrieden. Ich hoffe, daß das Lama nun, da es sich in den Ferien tüchtig ausgetobt hat, daheim recht artig ist. Dann darf das Lama auch mal wiederkommen.«

»Wir kommen alle«, rief die Schar stürmisch.

Während des Kaffeetrinkens wußte Erna allerlei zu berichten. Von ihrem großen Schmerz, als ihr ein Fremder das Geld aus dem roten Täschchen nahm, von den vielen Freunden und Freundinnen, die sie in Dillstadt gefunden hatte, vom Hexenmeister.

»Ich kann zaubern. Ihr werdet sehen, ich hexe euch viel Geld her!«

Schweigend drohte Kuno mit dem Finger. Da erinnerte sich Erna des kleinen Unfalls, den sie durch ihr Hexen hervorgerufen hatte, und wurde ganz still. –

Am nächsten Tage reiste Onkel Kuno wieder ab; er mußte zur Apothekertagung und konnte nicht länger in Heidenau bleiben. Da noch Ferien waren, hatten die Geschwister alle Zeit, um stündlich um Erna zu sein. Man wollte durchaus Robinson spielen und begann auch bereits mit den Vorbereitungen.

»Du kannst auch bei uns das Lama sein«, sagte Jürgen. »Wir wollen doch, daß es dir hier bei uns gefällt.«

Sie streichelte zärtlich die Wangen, des Bruders. »Oh, es gefällt mir ja bei euch. Ich habe euch alle so furchtbar gern. Ihr seid doch meine lieben, kleinen Kinder, für die ich sorgen muß, denn die Mutti kann das nicht allein. Jetzt werde ich euch schon wieder in Ordnung halten. Jetzt beginnen meine Pflichten.«

Das kleine Mädchen hielt Wort. Die Eltern hatten ihr erlaubt, eine so schöne Ferienreise zu machen, nun mußte Erna aber wieder das tüchtige Hausmütterchen sein.

»Ich helfe dir jetzt wieder«, sagte Klein-Goldköpfchen zur Mutter. »Weißt du, was der schöne Spruch sagt? Ich habe zwei Hände, die ich fleißig rühren muß. Und wenn ich schon jetzt meine Hände fleißig rühre, dann kann ich das noch besser, wenn ich erst groß bin. Und dann wird aus dem kleinen Goldköpfchen mal so ein liebes, gutes großes Goldköpfchen, wie du es bist.«

 << Kapitel 10 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.