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Goldköpfchens Kinder: Die beiden Fipse

Magda Trott: Goldköpfchens Kinder: Die beiden Fipse - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorMagda Trott
titleGoldköpfchens Kinder: Die beiden Fipse
publisherPaul Franke Verlag
year0.J.
firstpub1939
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorRegine Kreutz
senderwww.gaga.net
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modified20180904
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Die Britzel-Bratzelpfanne

Goldköpfchen saß auf der Veranda des Hauses und schrieb einen Brief an ihre Angehörigen. Wenn sie hinausschaute, konnte sie ihre beiden Kinder sehen, die im Garten mit Mali und Resi spielten. Man hatte die kleine Puppenküche vorgeholt, anscheinend wurde dort unten fleißig gekocht. Von Zeit zu Zeit schallte lautes Lachen oder frohes Rufen zu Goldköpfchen hinauf.

»Eine silberne Pfanne haben wir!«

»Aus richtigem Silber?«

»Ja, – aus ganz richtigem Silber, genau wie Silber so silbern!«

»Glaub' ich nicht«, sagte Resi.

»Doch –« meinte Marlene, dann rief sie hinauf zur Mutti: »Nicht wahr, wir haben eine silberne Pfanne, – eine Britzel-Bratzelpfanne?«

»Sie sieht nur wie Silber aus«, antwortete Goldköpfchen, »aus Silber ist sie nicht. Aber zum Unterschied von der schwarzen, der eisernen Pfanne, kann man sie silbern nennen, obwohl sie aus Aluminium ist.«

»Siehst du –« sagte Marlene. »Wir haben doch 'ne silberne Britzel-Bratzelpfanne!«

»Eine Britzel-Bratzelpfanne? – Was ist das?«

»Hahaha, – Mutti, die Resi kennt keine Britzel-Bratzelpfanne! – Mutti, wir kommen alle rauf zu dir, dann zeigst du der Resi die Britzel-Bratzelpfanne.«

Goldköpfchen legte die Feder aus der Hand und ging den Kleinen entgegen. In einem schmalen Schrank, hier auf der Holzveranda, standen die Teller, die wenigen Schüsseln und anderes Geschirr, das Goldköpfchen für den kleinen Haushalt gebrauchte. Im untersten Fach befanden sich zwei kleine Kochtöpfchen und die wie Silber glänzende Bratpfanne.

Nun standen die vier Kinder um Goldköpfchen herum, und sie zeigte ihnen die Aluminiumpfanne.

Mit sichtlicher Enttäuschung beschauten Mali und Resi das Kochgeschirr. »Das ist doch ein Tiegel«, sagte Resi.

»Nein, das ist unsere Britzel-Bratzelpfanne!«

»Nein, das ist ein Tiegel«, bestätigte Mali wichtig. »So was haben wir auch!«

»Mutti, das ist doch unsere Britzel-Bratzelpfanne?«

»Freilich, man nennt diese Pfanne in manchen Gegenden einen Tiegel. Das ist genau dasselbe.«

»Warum ist das ein Britzel-Bratzeltiegel?« forschte Mali.

Goldköpfchen lachte. »In Erinnerung an ein schönes Märchen, das ich als Kind so sehr liebte und mir immer wieder von den Eltern erzählen ließ. So habe ich diese Pfanne Britzel-Bratzelpfanne genannt.«

Der kleine Fips klatschte in die Hände. »Mutti, erzähle von der Britzel-Bratzelpfanne!«

»Ich muß erst den Brief fertigschreiben, dann erzähle ich euch die Geschichte.«

Marlene holte ein kleines Stühlchen heran, setzte sich darauf nieder und sagte: »Nu' schreib ganz schnell. Wir bleiben gleich hier, und dann erzählst du uns.«

Goldköpfchen lächelte. Es würde mit dem Briefe ganz bestimmt nichts rechtes werden, wenn vier Kinder erwartungsvoll um sie herumsaßen und auf die Geschichte von der Britzel-Bratzelpfanne warteten. Es würde auch wenig Zweck haben, die vier wieder hinunter in den Garten zu schicken, um weiterzuspielen; unablässig würde von unten herauf das Fragen klingen, ob denn der Brief noch immer nicht fertig sei. So war es vielleicht am richtigsten, wenn sie das Briefschreiben bis zum Abend hinausschob und sogleich den Kindern das Märchen von der Britzel-Bratzelpfanne erzählte.

Warum hatte Goldköpfchen ihren Kindern diese Geschichte eigentlich nicht schon längst erzählt? Sie gehörte zu ihren Lieblingserzählungen. Immer wieder hatten ihre Eltern dieses Märchen wiederholen müssen, als sie noch ein Kind war. Sie hatte jeder neuen Pfanne den Namen Britzel-Bratzelpfanne gegeben, in Erinnerung an die Wunderpfanne im Märchen.

»Mutti, fang doch an!«

Auf der Veranda saßen vier Kinder um Goldköpfchen herum. Und Goldköpfchen begann:

»In einem kleinen Städtchen lebte ein vierzehnjähriges Mädchen mit Namen Maria. Beide Eltern waren gestorben, nun wußte das arme Ding nicht, was es anfangen sollte, denn Maria hatte auch kein Geld und mußte daher etwas verdienen. Fast alle Lebensmittel waren verbraucht, nur noch etwas Brot und Mehl waren vorhanden. Da kam eines Mittags ein alter Mann ins Haus, der hatte einen blauen Mantel um und einen langen weißen Bart.«

»Einen Gemsbart«, sagte Adele.

»Hing der Bart unter dem Kinn oder auf dem Rücken?« fragte Marlene.

»Er hatte einen richtigen Bart, wie ihn Männer oft haben«, fuhr Goldköpfchen fort.

»Also keinen Gemsbart?«

»Dieser alte Mann bat um etwas Essen, und Maria teilte mit ihm das letzte Stück Brot und kochte rasch noch eine Mehlsuppe.«

»Wenn sie nur Mehl hat und kein Salz und kein bißchen Zucker, muß die Suppe nicht geschmeckt haben.«

»Doch, Marlene, sie hat dem alten Manne geschmeckt, und als er satt war, sagte er, er wäre der Beschützer aller guten Kinder. Er wisse, daß Maria immer brav und fleißig gewesen sei, so wolle er ihr helfen. Er fragte sie, ob sie einen Wunsch habe, den er ihr gern erfüllen würde.

»Wenn er so arm ist, daß er um ein bißchen Brot bittet, kann er ihr doch nichts schenken?«

»Er war gar nicht so arm. Der Mann war vom lieben Gott geschickt, er solle forschen, wo mildtätige Menschen wohnen, und diese dann beschenken.«

»Eine Mehlsuppe wollen wir dem alten Manne auch geben, Mutti. Wenn ich mir dann was wünschen darf, wünsche ich mir ein Schaukelpferd!«

»Sei doch endlich still, Fips«, mahnte Mali, »wir wollen weiter hören.«

»Die kleine Maria wünschte, der alte Mann möge ihr raten, was sie tun sollte. Sie möchte gern arbeiten, sei wohl aber noch zu jung, um eine Stelle anzunehmen. Vielleicht wisse er einen guten Rat.

Da griff der Alte unter seinen faltigen Mantel und zog eine silberne Pfanne hervor, die er Maria reichte. ›Nimm diese Pfanne‹, sagte er, ›jedes Gericht, das du verlangst, wird darin erstehen. Du mußt nur gut und brav bleiben, sonst verliert diese Wunderpfanne ihre Kraft.‹«

»Bäckt die Wunderpfanne auch Eierkuchen?«

»Alles was Maria wünschte, sollte diese Pfanne braten und backen können. Der alte Mann sagte ihr, sie müsse, wenn sie ein Gericht wolle, die Augen schließen und langsam den kleinen Vers sagen:

›Britzel-Bratzelpfanne, ich bitte dich fein,
Es soll dies oder jenes sein.‹

Wenn Maria, dann die Augen wieder öffnen würde, läge das gewünschte Gericht auf der Pfanne, bratete und brutzelte und würde wunderschön geraten.«

»Britzel-Bratzelpfanne, ich bitte dich fein, es soll ein Haufen Pflaumen sein«, rief Marlene, »Mutti, hat die Britzel-Bratzelpfanne auch Pflaumen gehabt?«

»Pflaumen braucht man nicht zu braten, großer Fips! Doch nun hört weiter! – Das Mädchen nahm die Britzel-Bratzelpfanne dankend entgegen. Da war der alte Mann auch schon verschwunden. Anfangs glaubte Maria nicht recht an die Kraft der Pfanne, denn sie sah nicht anders aus als jede andere Pfanne. Trotzdem wollte sie die Wunderkraft erproben, schloß die Augen und sagte:

›Britzel-Bratzelpfanne, ich bitte dich fein,
Es soll ein kleines Schnitzel sein.‹

Da erhob sich in der Pfanne ein Prasseln und Brodeln, und als Maria die Augen öffnete, lag auf der Pfanne ein herrliches Schnitzel, das war bald fertig gebraten und schmeckte prachtvoll. Am Abend versuchte Maria nochmals die Britzel-Bratzelpfanne, erbat Rühreier, und auch diesmal versagte die Pfanne nicht.«

»Oh, so eine Pfanne müßten wir auch haben, Mutti!«

»Obwohl Maria nun reichlich zu essen hatte, wollte sie doch nicht untätig bleiben und Geld verdienen. Da hörte sie eines Tages von der Nachbarin, daß das größte Hotel der Hauptstadt einige junge Küchenmädchen verlange, die leichte Arbeit täten. Maria beschloß sofort, nach der Hauptstadt zu fahren, um sich zu melden.«

»Hat sie die Britzel-Bratzelpfanne auch mitgenommen?«

»Freilich, kleiner Fips! So kam sie ins Hotel und wurde auch sofort angenommen. ›Du bist zwar noch klein‹, sagte der Koch, ›ich will es aber mit dir versuchen!‹ Sie mußte das Geschirr abtrocknen und beim Kartoffelschälen und Gemüseputzen helfen. Da Maria fleißig und immer artig war, hatte sie jeder gern.«

»Hat sie sich manchmal auf der Britzel-Bratzelpfanne was gebraten?«

»Das war nicht nötig, denn sie bekam im Hotel genug zu essen.«

»Aber das mag ihr nicht immer geschmeckt haben. Sie hätte sich doch immer auf der Britzel-Bratzelpfanne Eierkuchen machen sollen.«

Wieder erhielt sie einen leichten Stoß von Mali, die ihr zuflüsterte: »Sei doch still, wir wollen weiter hören.«

Goldköpfchen erzählte weiter: »Eines Tages kamen viele Gäste ins Hotel, denn man feierte ein großes Fest. Alle mußten helfen. Nun hatte der Koch gerade einen schönen Gänsebraten auf dem Feuer, wurde aber für kurze Zeit fortgerufen. Da schlich der große Hund des Hotels in die Küche, roch den prachtvollen Braten, stellte sich mit den Vorderpfoten auf den Herd, ergriff die Gans an einem Bein und stürmte mit seiner Beute aus der Küche, ehe ihn jemand daran hindern konnte.«

»Das Biest, – das Biest«, rief Marlene erregt, »na, der hat sich sicher überfressen! So ein großer Gänsebraten für einen Hund!«

»Es war gewiß ein ganz großer Hund«, sagte Mali.

»Mutti, erzähle weiter!« drängte der kleine Fips.

»Der Koch kam zurück, sah entsetzt die leere Pfanne und machte großen Krach. Er fragte jeden, wo der Braten geblieben sei, aber niemand konnte mehr helfen, denn der Hund war mit dem Gänsebraten weit fortgelaufen. Was sollte nun werden? Die Gäste hatten sich gerade auf den Gänsebraten gefreut. Der Koch lief händeringend umher und schrie: ›Wer verschafft mir einen neuen Gänsebraten?‹«

»Die Britzel-Bratzelpfanne ist doch da!«

»Das dachte auch Maria. Sie ging in ihre Kammer, holte die Pfanne hervor, schloß die Augen und sagte:

›Britzel-Bratzelpfanne, ich bitte dich fein,
Es soll ein Gänsebraten sein.‹

Da begann es wieder in der Pfanne zu braten und zu schmoren, und nach wenigen Augenblicken lag auf der Pfanne ein riesengroßer Gänsebraten. Maria eilte voll Freude zum Koch und brachte ihm den Braten. Der Koch war erstaunt, fragte Maria, woher sie den Braten habe; die aber lachte und sagte, es sei ihr Geheimnis, das sie nicht verraten dürfe. Der Gänsebraten war sehr gut gebraten, und alle Gäste meinten, sie hätten noch nie eine so schöne Gans gegessen. Für den nächsten Sonntag bestellten sie wieder eine so prächtig gebratene Gans.«

»Die hat die Maria wieder auf der Britzel-Bratzelpfanne gebraten!«

»Ja, das hat sie. Der Koch trug Maria auf, wieder solch eine schöne Gans zu braten. Und als der Sonntag kam, paßte er genau auf das kleine Mädchen auf. Er meinte, es sei höchste Zeit, die Gans zurechtzustellen, aber Maria half noch immer beim Kartoffelschälen, und erst eine halbe Stunde vor dem Essen ging sie in ihre Kammer, holte die Pfanne hervor, schloß die Augen und sagte den kleinen Vers. Da britzelte und bratzelte die Pfanne wieder gar lustig. Der Koch aber schaute durch das Schlüsselloch, riß die Augen weit auf und wußte gar nichts zu sagen. Auch dieser Gänsebraten mundete prachtvoll. Da wollte der Koch Maria nochmals auf die Probe stellen und sagte: ›Wenn du mir noch einen Pappel-Pippel-Poppel braten kannst, sollst du meine erste Köchin sein und viel Geld verdienen.‹ Maria wußte nicht, was das für ein Gericht war, aber die Britzel-Bratzelpfanne würde ihr helfen. Und wieder ging sie in ihre Kammer, sagte das Sprüchlein, und schon brutzelte das schwierige und außerordentlich leckere Gericht auf der Pfanne. Maria ahnte nicht, daß der Koch hinter der Tür stand und alles belauschte.«

»So ein Biest«, rief Marlene mit hochroten Wangen, »man darf doch nicht horchen!«

»Nun wollte der Koch durchaus die Wunderpfanne haben. Er fing an, Maria zu kränken, behauptete, sie sei faul und erklärte eines Tages, sie müsse den Dienst verlassen, er könne sie nicht mehr brauchen.«

»Pfui, war das häßlich!«

»Maria weinte bitterlich, denn sie wußte, daß sie nichts Schlimmes getan hatte. Sie packte ihre Sachen, legte die Britzel-Bratzelpfanne oben in den Koffer und wollte gehen. Da hielt sie der Koch zurück. ›Hast du auch nichts von den Hotelsachen mitgenommen?‹ Er riß ihr den Koffer aus der Hand und sah die Bratpfanne darin liegen. Da er die Pfanne haben wollte, schrie er laut: ›Was fällt dir ein, unsere beste Pfanne mitzunehmen? Sie bleibt hier!‹ Maria weinte und sagte immer wieder, diese Pfanne wäre ihr Eigentum. Aber der Koch behielt die Pfanne und warf Maria hinaus.«

»So ein Biest!«

Bitterlich weinend stand Maria draußen, denn sie hatte ihre Stelle und die Britzel-Bratzelpfanne verloren. Außerdem hielt man sie für eine Diebin. Der Koch aber war hocherfreut und verschloß die Britzel-Bratzelpfanne sorgsam. Am nächsten Sonntag sollte es wieder einen Gänsebraten geben. Der Koch ging den ganzen Vormittag spazieren, erst kurz vor dem Essen holte er die Pfanne hervor, schloß die Augen und sagte:

›Britzel-Bratzelpfanne, ich bitte dich fein,
Es soll ein Gänsebraten sein.‹

Da fing es wieder in der Pfanne an zu brodeln und zu kochen, und bald lag der Braten schön knusprig da. Er wurde zerteilt und in den Speisesaal getragen. Dort begann lautes Schelten. Der Koch wurde gerufen, denn der Braten war plötzlich schwarz, kein Stück war zu essen, alles war verbrannt. Der Koch war erschrocken, er hatte doch einen schönen knusprigen Braten hereintragen lasten. – Nun war er verbrannt.«

»Ätsch«, rief Marlene, »das hat die Britzel-Bratzelpfanne gemacht, weil er ein schlechter Kerl ist!«

»Am nächsten Tage ging es mit dem Kalbsbraten ebenso, und am dritten Tage waren auch die Hühner, die auf der Britzel-Bratzelpfanne gebraten waren, nicht zu essen. Da ließ der Gasthofsbesitzer seinen Koch kommen und sagte ihm, er solle sofort seine Stelle verlassen, denn einen Koch, der so schlecht koche wie er, könne er nicht brauchen. Da gestand der Koch sein Unrecht, erzählte von der Britzel-Bratzelpfanne und daß ihm diese Pfanne den Schabernack gespielt habe.«

»Ist ihm ganz recht«, sagte Resi, »fort muß er!«

»Der Gasthofsbesitzer verlangte, daß man das fleißige Mädchen Maria wieder herrufen lasten solle. Die ganze Gegend wurde nach ihr abgesucht; schließlich fand man Maria. Sie hatte bei armen, guten Leuten Aufnahme gefunden. Der Koch bat sie selbst, sie möge ins Hotel zurückkehren und ihm sein Unrecht verzeihen. Erst wollte Maria nicht mitgehen, da sie aber allein und verlassen war, tat sie es doch. Der Gasthofsbesitzer nahm sie freundlich an der Hand, sagte ihr, sie könne für immer bei ihm bleiben, denn er habe gehört, daß die Britzel-Bratzelpfanne nur von guten Menschen zu benutzen wäre. So blieb Maria im Gasthaus und ist eine gute Köchin geworden. Sie hat die schönsten Gerichte hergestellt, und von weit und breit sind die Leute gekommen, um zu essen, was Maria bereitete. Sie verdiente viel Geld, hat aber schließlich einen eigenen Gasthof aufgemacht und jeden Tag alte oder arme Leute zu sich eingeladen, um ihnen ein gutes Essen zu geben. – – So, das ist das Märchen von der Britzel-Bratzelpfanne.«

»Mutti, wenn wir doch auch so 'ne Britzel-Bratzelpfanne hätten!«

»Nun geht wieder hinunter in den Garten und spielt weiter. Versucht einmal, ob eure Puppenkochtöpfe nicht auch britzeln und bratzeln können und laßt jetzt die Mutti ihren Brief schreiben.«

Die vier Kinder gingen davon und spielten im Garten. Da aber in ihren Töpfchen nichts britzelte und bratzelte, machte ihnen das Kochen gar bald keine Freude mehr.

»Muttis Pfanne ist eine Britzel-Bratzelpfanne. Es britzelt immer drauf.«

Die silberne Pfanne! – Ob es nicht doch so eine Wunderpfanne war? Ob man sich einmal danebenstellte und den kleinen Vers sagte? Heute abend, wenn die Mutti wieder das Abendessen darauf bereitete, wollte Marlene versuchen, ob es nicht doch klappte.

So erwarteten die beiden Fipse sehnsüchtig den Abend. Goldköpfchen hatte in einem Topf Eier gequirlt, es sollte heute abend Rührei geben. Nun holte sie die silberne Pfanne hervor und zerließ darauf die Butter. Da kamen die beiden Fipse angesprungen.

»Mutti, – haste die Britzel-Bratzelpfanne?«

»Ja, Fips!«

»Was kochste denn darin?«

»Es gibt Rühreier.«

»Mutti, wollen wir mal die Pfanne fragen, ob sie uns Rühreier britzel-bratzelt?«

»Nun«, sagte Goldköpfchen ahnungslos, »wir können die Pfanne ja einmal fragen.«

»Ja, Mutti«, rief Marlene aufgeregt.

Die beiden Kinder stellten sich neben den Spirituskocher, schlossen die Augen fest und sagten langsam:

»Britzel-Bratzelpfanne, ich bitte dich fein,
Es sollen heute eine Masse Rühreier sein!«

Goldköpfchen sah ihre Kleinen, die mit geschlossenen Augen neben ihr standen, da holte sie schnell den Topf, in dem sich die vorbereiteten Eier befanden, und schüttete alles auf die Pfanne. Als die Fipse die Augen wieder öffneten, brutzelten wirklich die Eier in der Pfanne.

»Mutti – –« rief Marlene in glücklichem Schreck, »Mutti, es britzelt und bratzelt!«

»Wirklich«, lachte Goldköpfchen, »es sind Rühreier! Die werden uns aber schmecken!«

Marlene und Adele wandten kein Auge von der silbernen Pfanne, auf der die Rühreier bereitet wurden.

»Brauchst doch nicht erst zu rühren, Mutti«, sagte Marlene, »die Britzel-Bratzelpfanne hat es doch bei der Maria auch allein gemacht.«

»Das ist vielleicht doch keine richtige Wunderpfanne.«

»Doch, Mutti, das ist eine ganz richtige Britzel-Bratzelpfanne!«

Als das Abendbrot eingenommen wurde, behauptete Marlene, noch nie hätten die Eier so gut geschmeckt wie heute. Das käme nur daher, weil sie auf der Britzel-Bratzelpfanne gelegen hätten.

»Mutti, nu' brauchen wir nicht mehr in die ›Post‹ zu gehen, jetzt macht uns die Pfanne jeden Tag Eierkuchen oder Apfelmus oder Pflaumen. – Mutti, machst du morgen auf der Britzel-Bratzelpfanne Eierkuchen?«

»Wir werden doch lieber ins Gasthaus ›Zur Post‹ gehen, großer Fips.«

»Nee, Mutti, dort müssen wir immer bezahlen. Wenn wir aber die Britzel-Bratzelpfanne haben, werden wir bald so reich wie die Maria und können uns auch 'nen Gasthof kaufen.«

Nach dem Abendbrot, als Goldköpfchen mit den Kindern noch einen halbstündigen Spaziergang machte, wurde Mali mitgenommen. Flüsternd berichteten die Kleinen von der Pfanne und erzählten, daß die Mutti auch so eine Pfanne hätte, auf der man alles braten könne. Mali schüttelte den Kopf.

»Das war doch nur eine Geschichte, die uns deine Mutti erzählt hat.«

»Das war die Geschichte von unserer Britzel-Bratzelpfanne. Du, die kocht alles!«

Trotz dieser Versicherung wollte es Mali nicht glauben. Ehe man heimkam, wurde auch noch Resi von der Wunderpfanne unterrichtet, doch sie hatte die gleichen Zweifel wie Mali.

»Morgen, wenn ich geschlafen habe, hole ich die Pfanne, dann britzeln wir Eierkuchen.«

Heute dauerte es recht lange, bis die Kinder einschliefen. Die Mutter sollte ihnen noch einmal das Märchen von der Wunderpfanne erzählen. Als sie es nicht tat, wurden die verschiedensten Fragen gestellt.

»Mutti, macht die Britzel-Bratzelpfanne auch den Kakao für uns?«

»Nein, ihr Kleinen, den macht doch die gute Frau Scharr.«

»Mutti, – unsere Milch kommt doch vom Milchmann, wenn wir zu Hause sind. Aber die Milch von der Kuh schmeckt viel besser«, meinte Adele.

»Der Milchmann bekommt die Milch doch auch von der Kuh.«

»Oh, Mutti«, lachte Adele, »der Milchmann hat 'nen weißen Wagen, an dem dreht er, dann bullert die Milch raus. – Nee, Mutti, in dem Wagen ist keine Kuh!«

Goldköpfchen versuchte den Kindern zu erzählen, daß die Milch der Kühe in großen Kannen gesammelt und in die Stadt geschickt werde.

»Nee, Mutti, die Milch von der Kuh ist 'ne andere Milch als die Milch vom Milchmann. – Mutti, dreht die Milchfrau, die an der Kuh zieht, unten einen Hahn zu, wenn sie keine Milch mehr will? Sonst kommt doch die Milch immerfort raus? – Mutti, Adele möchte mal den kleinen Hahn an der Kuh sehen, aber sie fürchtet sich, ganz nahe an die große Kuh zu gehen.«

»Dort ist kein Hahn.«

»Wie dreht sie denn dann die Kuh zu?«

»Durch das Melken drückt die Landfrau die Milch aus der Kuh heraus.«

»Mutti, drück mich mal! Kommt dann auch Milch raus?«

»Nein, Kinder, und jetzt wird geschlafen.«

»Mutti, wenn mich die Marlene drückt, kommt dann Milch aus mir? Warum kommt aus der Kuh Milch?«

»Weil die Kuh so geschaffen ist. In der Kuh sammelt sich die Milch.«

»Mutti, sammelt sich im Menschen auch die Milch?«

»Kleiner Fips, nun schlafe!«

Dann flüsterten die Kinder noch ein Weilchen von der Wunderpfanne, die morgen eine Menge Eierkuchen für die beiden Fipse, für Mali und Resi hergeben sollte. – –

Am anderen Morgen galt die erste Frage der Kinder der Britzel-Bratzelpfanne. Marlene öffnete den kleinen Schrank. Die Pfanne war nicht da.

»Mutti, – jetzt hat uns einer die Pfanne fortgenommen!«

»Aber, Fips, was sind das für Reden! Du weiß doch, daß das Geschirr vom Abend immer hinunter in die Küche kommt und Frau Scharr so freundlich ist, alles sauber abzuwaschen. Die Pfanne wird nachher wieder hier sein.«

»Mutti, ich möchte heute nicht mit zum Essen gehen. Wir wollen zu Hause essen und uns Eierkuchen machen, auf der Britzel-Bratzelpfanne.«

»Nein, heute gibt es im Gasthaus ›Zur Post‹ Nudeln mit Tomatentunke.«

Marlene verzog den Mund. »Die mag ich nicht, ich will lieber Eierkuchen von der Wunderpfanne.«

»Was du magst, danach fragt die Mutti nicht, großer Fips! Du hast bisher Nudeln und Tomatentunke immer gern gegessen, es wird dir auch heute wieder schmecken.«

»Mutti, dürfen wir jetzt in den Garten gehen?«

»Sobald ihr gefrühstückt habt. Dann räumt die Mutti auf, und wir gehen wieder miteinander zu den kleinen Pferden.«

Die Fipse beeilten sich mit dem Frühstücken, aber nicht, weil der Spaziergang lockte, sondern weil unten bei Frau Scharr die Wunderpfanne war. Marlene nahm sich vor, auf der Wunderpfanne Eierkuchen zu backen. Die wollte sie dann verspeisen, um der Mutti später zu melden, daß sie satt sei und nicht mit zur »Post« gehen wolle.

Goldköpfchen ahnte nichts von diesen Plänen. Sie ließ die Kinder, wie jeden Tag, hinunter in den Garten. Da man sie vom Fenster aus sehen konnte, brauchte sie keine Sorge zu haben.

Die beiden Fipse gingen zunächst zu Frau Scharr in die Küche. Sie war mit dem Abwaschen des Geschirrs beschäftigt. Die silberne Pfanne stand bereits blitzblank auf dem Herd.

»Gibst du uns die Pfanne?«

»Freilich, wenn deine Mutti sie braucht, kannst du sie hinauftragen.«

Hastig griff Marlene nach der Pfanne. Sie fühlte sich glücklich, das kostbare Stück in Händen zu haben. So hatte sich sicherlich die kleine Maria auch gefreut, als ihr der Koch die Pfanne zurückgeben mußte. Sie ging aber nicht hinauf zur Mutti, sondern flüsterte der Schwester zu:

»Komm, jetzt britzeln und bratzeln wir Eierkuchen.«

Die beiden Fipse liefen in den Garten. Schade, daß Mali und Resi auf dem Felde waren. Nun, sie würden ihnen je einen Eierkuchen aufheben.

»Wir bratzeln furchtbar viele Eierkuchen«, sagte Marlene wichtig, »für die kleinen Pferdchen welche und auch welche für die Ziegen. Wir sagen der Pfanne, wir wollen Eierkuchen mit viel Salz für die Zicklein.«

Im Garten angelangt, warf Marlene einen raschen Blick nach oben. Vielleicht wollte die Mutti nicht, daß man schon wieder aß. Es war wohl richtiger, sie ging hinten in die Laube. Dort konnte die Mutti von oben nicht durch die grünen Blätter sehen. Dort konnten sie ungestört die Eierkuchen aufessen.

»Adele will Eierkuchen«, rief der kleine Fips, »mach doch Eierkuchen!«

In der Laube angekommen, wurde die Pfanne auf die Bank gestellt. Die beiden Fipse standen daneben, machten die Augen zu und sagten leise:

»Britzel-Bratzelpfanne, ich bitte dich fein,
Es sollen jetzt viele Eierkuchen sein.
Und welche mit Salz für die Zicklein!«

Alles auf der Pfanne blieb still. Die Kinder schauten mit geöffneten Augen darauf, und Marlene wiederholte den Vers noch einmal, aber lauter und langsamer. Trotzdem begann kein Britzeln und Bratzeln.

»Du – Biest – hörst du nicht?«

Zum dritten Male wurde der Vers gesprochen, aber auch jetzt blieb alles still.

»Der Koch hat die Pfanne fortgenommen, da wurde nichts rechtes. – Du, Adele, sag du mal allein das Gedicht. – Du – – du mußt doch die Augen zumachen. – So, nu' kannste reden!«

»Britzel-Bratzelpfanne, ich bitte dich fein,
Mach viele Eierkuchen.«

Wieder kamen keine Eierkuchen. Auf der Pfanne fing es auch nicht an zu knistern und zu knastern. Der große Fips nahm das silberne Kochgeschirr und schlug damit kräftig auf die Bank.

»Du Biest, hörste nicht? Du sollst uns Eierkuchen bratzeln! Du olle dumme Pfanne!«

Vergeblich warteten die Kinder. Noch zweimal wurde das Verslein von Marlene gesprochen. Als aber auch jetzt nichts erfolgte, nahm sie die Pfanne und schlug damit kräftig auf den Boden.

»Du Biest«, rief sie, während ihr Zornesröte ins Gesicht stieg, »du sollst britzeln!«

»Du Biest –«, wiederholte Adele, »Adele will Eierkuchen!«

Aber es britzelte nichts.

Ganz laut schrie der große Fips die Pfanne an, alles was die Kleine an schlimmen Worten wußte, kam aus dem Munde des erregten Kindes. »Ein Ochse bist du, – ein Dussel. – Pfui, du Olle! Schäme dich, – du Biest!«

Mit der Pfanne in der Hand verließen beide Kinder die Laube. Vielleicht bratzelte die Pfanne draußen im Garten. Aber auch das war nicht der Fall.

»Ich schmeiß' dich weg«, schrie Marlene. Dann blickte sie scheu hinauf zur Veranda. Es war wohl besser, die Mutti hörte ihre Scheltworte nicht. »Komm«, sagte Marlene, »wir schmeißen das biestische Biest ganz hinten auf die Wiese. Wenn es doch keine Britzel-Bratzelpfanne ist, können sie die Kühe fressen!«

Es war den Kindern zwar verboten, durch den Gartenzaun, der nur aus Holzstangen bestand, hindurchzukriechen, doch die garstige Pfanne mußte weit fortgetragen werden. So liefen die beiden Fipse über die Wiese, um die Pfanne gegen einen Baum zu schlagen und dann hinzuwerfen.

Goldköpfchen, die zufällig zum Fenster hinausblickte, bemerkte, daß ihre beiden Kinder auf die Wiese liefen und wollte sie zurückrufen. Da blieben die Kleinen schon stehen, und Goldköpfchen sah, wie Marlene den Arm hob und laut, daß es weithin schallte, rief:

»Du olles Biest! – – Ätsch – ich will dich nicht mehr! – Du Biest – du Biest!«

Das war Marlene! Wenn die Kleine in Zorn geriet, schrie sie stets so laut, daß sie flammend rot im Gesicht wurde. – Womit schlug denn der große Fips gegen den Baum? – Was hielt Marlene in der Hand?

»Fips! – Fips! – –«

Doch das ergrimmte Mädchen hörte das Rufen der Mutter nicht, ihr Schreien wurde noch lauter und heftiger.

Da eilte Goldköpfchen nach unten. Im Laufschritt durchquerte sie den Garten und ging nach der Wiese.

»Die Mutti kommt!« rief der kleine Fips.

Marlene schleuderte die Pfanne von sich. Es kam ihr sofort zum Bewußtsein, daß sie wieder einmal recht unartig gewesen war. Einmal sollte sie nicht aus dem Garten laufen, dann aber sollte sie keine häßlichen Worte sagen, und die schöne silberne Pfanne durfte auch nicht verbeult werden.

»Was machst du da?«

»Mutti, – sie britzelt doch nicht. – Mutti, sie ist doch keine Wunderpfanne, sie ist doch nur eine olle – olle –« Marlene verstummte.

»Bring mir die Pfanne her.«

Marlene holte schuldbewußt das verlangte Stück. Aber wie sah die Pfanne aus! Vollkommen verbeult, der Rand verbogen.

»Kommt mit«, sagte Goldköpfchen kurz und streng.

Schon an dem Tone merkten die Kinder, daß die Mutti sehr böse war. Nun würde es oben wieder ein Strafgericht setzen.

»Muttilein – süßes, – wir wollten – –«

»Du schweigst, Marlene!«

»Muttilein –« begann nun auch Adele.

»Von euch hat jetzt keiner zu reden.«

»Muttilein, – wir wollten doch Eierkuchen für die Zicklein haben!«

Goldköpfchen gab keine Antwort. Sie hielt an jeder Hand einen Fips fest; schweigend erreichten alle drei das Zimmer.

Bald darauf hörte Frau Scharr unten lautes Weinen der Kinder. Goldköpfchen hatte den Fipsen die verdiente Strafe nicht geschenkt. Man ging am heutigen Vormittag nicht zu den Pferden. Die Kleinen mußten unter Aufsicht der Mutter im Garten spielen.

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