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Goldelse

Eugenie Marlitt: Goldelse - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
booktitleGoldelse
authorE. Marlitt
year1890
publisherUnion Deutsche Verlagsgesellschaft
addressStuttgart, Berlin, Leipzig
titleGoldelse
pages3-335
created20020612
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1866
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17.

Das Ereignis auf Gnadeck war schon im Lindhofer Schlosse ruchbar geworden, noch bevor Reinhard dasselbe betrat. Die Maurer hatten auf ihrem Nachhausewege durch den Park einem Bedienten die wunderbare Geschichte erzählt, worauf diese, von Mund zu Mund laufend mit Blitzesschnelle zu den Damen des Hauses gedrungen war und dort beinahe die Wirkung einer hereinfallenden Bombe gehabt hatte.

Es war ein Lieblingsthema der Frau Baronin, die Lehre vom blauen Blute in ihrer Untrüglichkeit zu beweisen. Sie behauptete, mittels einer sehr feinen, empfindlichen Organisation das Vorhandensein dieses bevorzugten Lebensstromes zu erkennen, herauszufühlen an Personen, deren Namen sie noch nicht einmal wußte. Es war somit ganz natürlich, daß sie auch jedes versprengte edle Tröpfchen in plebejischen Adern scharfsichtig erkannte. Aus dem Grunde gab sie auch stets bereitwillig zu, daß die »kleine Ferber« etwas Distinguiertes in ihrer Erscheinung habe, als das unleugbare Erbteil ihrer adlig geborenen Mutter . . . Dem Oberförster gegenüber hatte sich jedoch jene untrügliche Stimme immer so mäuschenstill verhalten, daß es ihr nicht im Traume eingefallen wäre, ihm für seinen Gruß anders zu danken, als mit einem Kopfnicken nach der Schablone für Niedrigstehende. Ja, im edeln Zorne darüber, daß dieser ungeschliffene Mensch und Gottesverächter seiner Nichte Bertha die ferneren Schloß- und Bibelstundenbesuche verboten hatte, war sie zum öfteren so weit gegangen, zu behaupten, man sähe ihm seine gemeine Abkunft auf hundert Schritt Distanz an . . . Und nun sollte gerade er ihren hundertmal erprobten Spürblick für aristokratisches Blut zu schanden machen! Er war der Abkömmling eines berühmten Geschlechts, war der Träger eines Namens, den der Nimbus feudalen Glanzes bis in die fernste Zeit zurück umschwebte!

Freilich lag eine große Beruhigung für sie in dem Gedanken, daß das edle Blut durch bürgerliche Heiraten während zweier Jahrhunderte unkenntlich geworden sei. Sie sprach dies in sehr lebhafter Weise gegen Fräulein von Walde aus, die, still auf ihrem Ruhebette liegend, mit einem feinen spöttischen Lächeln die Aufregung der Baronin beobachtete. War es nun das persönliche Interesse für die Familie Ferber, oder ein vorurteilsfreier Standpunkt der jungen Dame, von welchem aus sie ihrer Kousine die kleine Lehre gönnte, genug, sie richtete sich auf und sagte lebhaft, nicht ohne eine leichte Beimischung von Schärfe. »Verzeihe, aber das ist ein kleiner Irrtum, Amalie . . . Ich weiß ganz genau, daß die Frau des Forstschreibers nicht die einzige Adlige ist, die in die Familie Ferber geheiratet hat. Sie sind ein schönes, geistig hervorragendes Geschlecht immer gewesen, dessen persönliche Vorzüge mehrere Male den Sieg über Geburtsvorurteile davongetragen haben . . . Es dürfte leicht sein, daß sich nicht mehr bürgerliche Heiraten in jener Familie aufzählen lassen, als deren auf den Stammbaum des guten Lessen fallen, und du wirst doch sicher nicht aufstellen wollen, daß kein reines Blut in Bellas Adern fließe?«

Ein leichtes Rot flackerte über die fahlen Wangen der Baronin und der Blick war nichts weniger als liebevoll und sanftmütig, der unter den halbgesenkten, weißbewimperten Augenlidern hervor nach dem jungen Mädchen zuckte. Aber es erschien fast ebenso schnell ein versöhnliches Lächeln um ihren Mund. Sie fühlte zu ihrem Entsetzen seit gestern öfter den Boden unter ihren Füßen wanken. Es war eine erschreckende Wahrnehmung für sie, plötzlich da auf Widerspruch zu stoßen, wo sie seit einem Jahre blinde Unterwerfung und völlige Hingebung zu sehen gewohnt war.

Sie hatte übrigens ganz recht, wenn sie den Grund der Veränderung in Helenes Benehmen nicht eigentlich in dem »unseligen« Einflusse von deren Bruder suchte, sondern die Schuld bei weitem mehr ihrem Sohne zumaß, der in den letzten Tagen eine so eigentümliche Haltung angenommen hatte. Helene war zwar im Grunde eine durchaus edle Natur, befähigt, sich für Großes und Edles zu begeistern, und vom besten Willen beseelt, das Gute zu thun; aber sie war von Kindheit auf daran gewöhnt, sich als den Mittelpunkt allseitiger zärtlicher Fürsorge und Rücksicht zu betrachten. Sie hatte, trotz ihrer körperlichen Gebrechen, nie die Bitterkeit der Zurücksetzung empfinden müssen. Um sie die Verkürzung ihrer natürlichen Rechte vergessen zu machen, war jedes im Umgange mit ihr beflissen, sie doppelt auszuzeichnen. Wohl wissend, daß sie dem Berufe als Gattin entsagen müsse, hatte sie doch ihr an Zärtlichkeit so reiches Herz jubelnd der ersten Liebe geöffnet, und wenn sie im stillen weinend die Natur ob der ihr widerfahrenen Vernachlässigung und somit der Zerstörung ihres Lebensglückes anklagte, so blieb ihr doch immer die beseligende Gewißheit, daß ihre Neigung erwidert werde. Die unausgesetzten Aufmerksamkeiten Hollfelds, sein stetes Verweilen in Lindhof, einzelne hingeworfene zärtliche Worte waren freilich geeignet gewesen, diese Meinung zu einer unerschütterlichen zu machen . . . Nun war er plötzlich beleidigend zerstreut ihr gegenüber und vernachlässigte sie auf eine unerhörte Weise. Sie litt namenlos, ihr ganzes Innere empörte sich, die gekränkte weibliche Würde, ein nie gekannter heftiger Zorn und ihre unsägliche Liebe rangen miteinander; sie war noch weit entfernt von jenem Stadium, welches edle Naturen früher oder später stets erreichen müssen: das der Resignation und Verzeihung. Sie wurde bitter und heftig, und diese Empfindungen offenbarten sich weniger dem, der ihr wehe that, als daß sie sich mit einer Art von Genugtuung gegen diejenigen richteten, deren Tyrannei das junge Mädchen um ihrer Liebe willen bis dahin widerstandslos ertragen hatte.

Hollfeld hatte gerade, als die alte Kammerfrau der Baronin einer unerheblichen Meldung wegen in das Zimmer trat und alsbald mit geläufiger Zunge die merkwürdige Begebenheit auf Gnadeck mitteilte, den Damen vorgelesen. Hätten Helenes Blicke nicht überrascht an den Lippen der Erzählenden gehangen, so wäre ihr sicher die plötzliche Veränderung in den Zügen ihres Retters nicht entgangen. Atemlos, mit dem Ausdrucke höchster Befriedigung hörte er zu. Die gefundenen Kleinodien hatten sich auf dem Wege über die verschiedenen Lippen zu einem »unermeßlichen Werte« gesteigert, und der einfache Sarg der schönen Lila war zu purem Silber geworden.

Auch die Baronin hatte die auffallende Umwandlung in dem bisher so mürrischen Wesen ihres Sohnes nicht bemerkt und schleuderte ihm, infolge jener bitteren Zurechtweisung Helenes, logischerweise einen von dem jungen Mädchen ungesehenen Zornblick zu. Sie war jedoch erstaunt, ihn plötzlich Helene näher rücken zu sehen. Er legte das gestickte Rouleau im Nacken der jungen Dame zurecht und schob das Boukett in der Blumenvase näher zu ihr hin, damit sie den Blumenduft bequemer einatmen könne.

»Helene hat ganz recht, Mama,« sagte er, einen sehr freundlichen Blick auf das junge Mädchen werfend, der mit einem glückseligen Lächeln erwidert wurde. »Es kommt dir am wenigsten zu, den guten Adel der Familie anzufechten.«

Obgleich es ihr ein entsetzlicher Gedanke war, daß die bisher so tief unter ihr Stehende jetzt neben ihr stehen und an Reichtum sie sogar bedeutend überragen sollte, war die Baronin doch klug genug, die bittere Entgegnung, die ihr auf den Lippen schwebte, zu unterdrücken und sich mit der Aeußerung zu begnügen, daß die Sache denn doch zu unglaublich und fabelhaft klinge, als daß man ihr so unbedingt Glauben schenken dürfe. Sie müsse erst einen kompetenteren Augenzeugen hören, als die beiden Maurer seien, bevor sie sich entschließen könne, zu glauben.

Dieser kompetente Augenzeuge schritt eben wie gerufen unter den Fenstern vorüber. Es war Reinhard, der von dem Berge zurückkehrte. Er lächelte, als er schleunigst zu Fräulein von Walde befohlen wurde, denn aus den neugierigen Fragen des Bedienten ersah er, daß der Fund auf Gnadeck im Schlosse bereits bekannt war, und daß er nur zu den Damen gerufen werde, um berichten zu sollen.

Bei seinem Eintritte wurde er auch sofort von Helene mit Fragen bestürmt. Er erzählte in seiner ruhigen Weise, und es belustigte ihn über die Maßen, hinter den scheinbar nachlässig und gleichgültig hingeworfenen Fragen und Bemerkungen der Baronin die gespannte Neugier und den tiefsten Verdruß zu bemerken.

»Und werden die Ferber auf jenen Zettel hin in der That Anspruch auf den alten Namen erheben dürfen?« fragte sie, eine große Dahlia aus der Blumenvase ziehend und daran riechend.

»Ich möchte wissen, wer ihnen das Recht streitig machen wollte,« erwiderte Reinhard. »Es bleibt einfach zu beweisen, daß sie die Abkömmlinge jenes ausgesetzten Hans von Gnadewitz sind, und das können sie zu jeder Stunde.«

Die Dame legte den Kopf an die hohe Rücklehne ihres Stuhles und ließ die Lider wie ermüdet oder gelangweilt halb über ihre Augen sinken.

»Nun, und jene entdeckten Schätze von Golkonda, sind die wirklich so unermeßlich, wie Frau Fama wissen will?« fragte sie. Ihr Ton sollte spöttisch klingen, allein Reinhards feines Ohr hörte mit großer Genugtuung eine unsägliche Spannung und etwas wie eine geheime Angst heraus.

Er lächelte.

»Unermeßlich!« wiederholte er. »Nun ja, es kommt bei dergleichen Dingen sehr viel auf den Begriff dessen an, den sie berühren . . . Ich kann hier nicht urteilen.«

Er hätte es sehr gut gekonnt, wie wir wissen, aber er meinte ungalanterweise, die kleine Aufregung der Ungewißheit sei der Dame ganz gesund.

Das Examen würde höchst wahrscheinlich noch nicht so schnell sein Ende erreicht haben, wenn nicht plötzlich Bella in ihrer lebhaften, aufgeregten Weise in das Zimmer gestürzt wäre.

»Mama, die neue Gouvernante ist angekommen!« rief sie atemlos und warf mit einer schüttelnden Bewegung ihres Kopfes ihre roten Locken zurück, die vornüber gefallen waren. »Pfui, die ist noch häßlicher, als Miß Mertens!« fuhr sie fort, ohne die mindeste Rücksicht auf den danebenstehenden Reinhard zu nehmen. »Auf ihrem Hute hat sie knallrotes Band, und ihre Mantille ist noch altmodischer, als die von Frau Lehr . . . Mit der gehe ich ganz gewiß nicht aus, darauf kannst du dich verlassen, Mama!«

Die Baronin fuhr mit beiden Händen nach den Ohren.

»Kind, ich bitte dich um Gotteswillen, sei nicht so laut!« stöhnte sie. »Deine Stimme geht mir durch Mark und Bein . . . Und was sind das für alberne Reden,« setzte sie streng hinzu. »Du wirst schon mit Mademoiselle Jamin gehen müssen, wenn ich es wünsche.«

Diese mit ziemlicher Heftigkeit ausgesprochene Zurechtweisung, infolge deren die verdutzte Bella schmollend die Unterlippe hängen ließ und heimlicherweise ein Stück Franse an dem Fauteuil der Mama abriß, hatte einfach ihren Grund in der sogenannten Marterzeit, die auf Miß Mertens' Weggang gefolgt war. Die Baronin hatte notgedrungen die einstweilige Aufsicht über Bella übernehmen müssen, und das war, wie sie versicherte, ein wahrer Totschlag für ihre Nerven. Fräulein von Walde gegenüber behauptete sie zwar stets, lediglich unter Miß Mertens' Erziehungssünden leiden zu müssen; im Grunde ihres Herzens aber fand sie, daß das Töchterlein in frappanter Aehnlichkeit alle Charaktereigenschaften des seligen Lessen geerbt hatte, worunter sich hauptsächlich ein unbeugsamer Starrsinn und der unbezwingliche Hang zum süßen Nichtsthun auszeichneten . . . Sie war indes weit entfernt, zu denken, daß Miß Mertens Unrecht geschehen sei – diese Person hatte sich als Erzieherin bezahlen lassen, mithin verstand es sich von selbst, daß sie – natürlicherweise ohne je gegen die Wünsche und Ansichten der Mutter zu handeln oder die Schutzbefohlene gar eigenmächtig zu strafen – alle Fehler des Kindes beseitigte. Jener mütterliche Einblick in Bellas Charakter hatte deshalb auch ganz und gar keinen Vorteil für die schmerzlich erwartete neue Gouvernante – die unglückliche Französin mit der Farbe der Freude auf ihrem Hute hatte sicher keine Ahnung von den freudelosen Tagen, denen sie entgegenging. – In diesem Augenblicke jedoch fiel mit ihrem Kommen der Baronin ein Stein vom Herzen, und die Dame wünschte nichts weniger als einen Konflikt gleich zu Anfang zwischen Lehrerin und Zögling – deshalb wurden Bellas naseweise Ausstellungen gerügt.

Die Baronin erhob sich und ging in Begleitung ihrer grollenden Tochter hinüber in ihre Gemächer, um die Angekommene in Augenschein zu nehmen. Zugleich wurde Reinhard von Fräulein von Walde entlassen.

»Befiehlst du, daß ich weiter lese, Helene?« fragte Hollfeld, nachdem die drei das Zimmer verlassen hatten, in sehr verbindlicher Weise, während er die Zeitung wieder aufnahm.

»Später,« entgegnete sie zögernd und richtete forschend, aber doch mit einer Art schüchterner Beklommenheit ihre Augen auf ihn. »Ich wollte dich eigentlich bitten, da wir für einen Augenblick allein sind, mir endlich zu sagen, was dich in den letzten Tagen so sehr verstimmt hat . . . du weißt, Emil, daß es mich unsäglich schmerzt, wenn du mir verweigerst, an dem, was dich freut oder bedrückt, teilzunehmen. Du weißt auch, daß es nicht müßige Neugier ist, die in deine Angelegenheiten eindringen will, sondern wahres, warmes Interesse für dein Wohl und Wehe . . . Du siehst, daß ich schmerzlich unter deiner kalten Verschlossenheit leide; sage mir offen, habe ich unwissentlich etwas gethan, um deswillen du mich deines Vertrauens nicht mehr für würdig hältst?«

Sie streckte wie flehend die Hände nach ihm aus; ein Stein hätte sich erbarmen mögen bei dem unsäglich weichen, trauervollen Klange ihrer Stimme.

Hollfeld bog das knisternde Zeitungsblatt zwischen seinen Fingern hin und her. Er hielt den Kopf gesenkt und vermied es konsequent, dem reinen, offenen Blicke des jungen Mädchens zu begegnen. Ein feiner Menschenkenner würde in dieser Haltung und den unter den gesenkten Lidern rastlos hin und her irrenden Augäpfeln wohl keinen Moment den Duckmäuser verkannt haben, der zögernd überlegt, wie er wohl am schlauesten handelt. Für ein argloses, liebendes Mädchenherz dagegen mochte diese hohe, ein wenig nach vorn gebeugte Gestalt mit dem schönen Gesichte unter den prächtigen blonden Haarwellen weit eher ein sinnender Apoll sein.

»Mein Vertrauen hast du noch, Helene,« unterbrach endlich der Angeredete das minutenlange Schweigen, »du bist ja die einzige in der Welt, der ich vertraue« – Helenes Augen leuchteten auf bei diesen Worten, die Arme war ja so stolz auf diese Auszeichnung – »aber es gibt herbe Notwendigkeiten, die wir uns selbst zuerst nicht einmal eingestehen mögen, geschweige denn, daß wir den Mut haben, sie auszusprechen.«

Die junge Dame richtete sich betroffen und in unaussprechlicher Spannung in die Höhe.

»Ich bin gezwungen,« fuhr Hollfeld stockend fort, »einen Entschluß zu fassen, der mir sehr, sehr schwer wird, und das lastet seit einigen Tagen auf mir.«

Er erhob jetzt den Blick, um zu sehen, welchen Eindruck seine Worte hervorgebracht hatten.

Helene schien offenbar keine Ahnung von dem zu haben, was er sagen wollte, denn sie veränderte ihre Haltung nicht im geringsten und schien die Worte von seinen Lippen lesen zu wollen. Er sah sich also genötigt, weiter zu operieren, ohne daß sie ihm zu Hilfe kam.

»Du weißt, Helene,« sprach er langsam weiter, »daß ich seit einem Jahre unsäglichen Verdruß mit meinen Wirtschafterinnen gehabt habe. Sie laufen mir auf und davon, ehe ich mich dessen versehe, und ich vermag nichts, diesem Unwesen zu steuern . . . Vorgestern hat mir die letzte, die kaum vor zwei Wochen den Dienst angetreten hat, wieder gekündigt . . . Ich bin außer mir, denn der bitterste Schaden erwächst mir aus dem ewigen Wechsel; meine Besitzung ist mir dadurch vollständig verleidet.«

»Ah, du willst Odenberg verkaufen?« unterbrach ihn Helene lebhaft.

»Nein, das würde Thorheit sein, denn es ist eines der schönsten Güter in Thüringen. aber ich bin gezwungen, einen anderen Ausweg zu suchen; es wird mir nichts anderes übrigbleiben, als – mich zu verheiraten.«

Wenn eine plötzliche Gewalt die junge Dame gepackt hätte, um sie in einen fürchterlichen Abgrund zu schleudern, ihr Gesicht würde sicher nicht mehr schreckensvolle Ueberraschung und Entsetzen ausgedrückt haben, als in diesem Augenblicke. Sie öffnete die schneebleich gewordenen, zuckenden Lippen, aber kein Laut kam hervor, und unfähig, ihren Schmerz zu bewältigen, schlug sie plötzlich die Hände vor das Gesicht und sank mit einem leisen Weherufe in die Kissen zurück.

Hollfeld eilte sofort an ihre Seite und nahm ihre beiden Hände in die seinigen.

»Helene,« flüsterte er leise, aber zärtlich – der Ton gelang ihm vortrefflich – »willst du, daß ich rede und dir eine wunde Stelle in meinem Herzen zeige? . . . du weißt es nur zu gut, daß ich dich liebe, und daß diese Liebe meine erste und einzige durch mein ganzes Leben hindurch bleiben wird.«

Die Zunge verdorrte ihm nicht bei dieser abscheulichen Lüge, ja, sie vermochte sogar mit einer ihr sonst fremden Geschmeidigkeit tiefinnige Klänge anzuschlagen, welche die ganzen Gefühle des jungen Mädchens aufstürmten und in einen unaussprechlichen Taumel versetzten. Hätte ein guter Engel der Armen zugeflüstert, sie möge nur ein einziges Mal die Augen aufschlagen, so wäre freilich der furchtbare Schmerz der Enttäuschung unausbleiblich für sie gewesen, denn der Blick, der bei jener Versicherung über ihre verkrüppelte Gestalt hinglitt, war ein überaus spöttischer; aber sie hätte doch vielleicht in ihrer Entrüstung die Kraft gefunden, sich den Schlingen des erbärmlichen Egoisten zu entziehen. Ihre Augen blieben jedoch geschlossen, als wolle sie die ganze Außenwelt von sich weisen, um einzig in dem Klange der Stimme zu schwelgen, die zum erstenmal das Wort der Liebe aussprach.

»Wollte Gott,« fuhr er fort, »ich dürfte meinem Herzen folgen und nur dieser Neigung leben, denn wenn auch meine höchsten Wünsche unerfüllt bleiben müssen, so bin ich doch glücklich neben dir, in deinem Umgange, Helene . . . Aber, du weißt, ich bin der letzte Hollfeld, schon aus dem Grunde bin ich gezwungen, mich zu vermählen . . . Es bleibt mir nur ein Mittel, mir dieses Opfer zu erleichtern; ich muß eine Frau wählen, die dich kennt –«

»O, sag es nur schnell!« rief Helene in ausbrechendem Schmerze, während unaufhaltsame Thränenströme aus ihren Augen stürzten, »du hast bereits gewählt, meine Ahnung hat mich nicht betragen, es ist Cornelie!«

»Die Quittelsdorf?« rief er lachend, »dieser Irrwisch? . . . Nein, da will ich doch lieber mein Hab und Gut in den Händen widerspenstiger Wirtschaftsmamsellen wissen! . . . Wo käme ich hin bei meinem ohnehin nicht sehr bedeutenden Einkommen mit solch einer putzsüchtigen, leichtsinnigen Frau! . . . Uebrigens sage ich dir ja, und ich wiederhole es ausdrücklich, daß ich noch nicht gewählt habe; laß mich denn ausreden, süße Helene, und weine nicht so schrecklich, du zerschneidest mir das Herz. Ich müßte also eine Frau haben, die dich kennt und lieb hat, die einfachen Sinnes und so verständig ist, daß ich ihr sagen kann: mein Herz gehört einer anderen, die ich nicht besitzen kann, sei mir und dieser anderen eine Freundin.«

»Und glaubst du, dazu würde sich irgend eine verstehen?«

»Gewiß, wenn sie mich lieb hätte.«

»Nun, ich könnte es nicht, nie, nie!« Sie vergrub, konvulsivisch schluchzend, ihr Gesicht in die Kissen.

Auf Hollfelds wachsbleicher, glatter Stirn erschienen plötzlich zwei häßliche Falten. Seine Lippen preßten sich aufeinander, und die Farbe trat für einen Augenblick aus seinen Wangen. Er war offenbar sehr zornig. Ein Ausdruck des Hasses glühte in seinem Auge auf, als es auf der jungen Dame haftete, die ihm das Spiel, das er sich so leicht gedacht hatte, wider alles Erwarten erschwerte. Er beherrschte sich jedoch und hob mit sanfter, liebkosender Hand ihr Gesicht in die Höhe. Das arme Wesen zuckte und zitterte unter dieser heuchlerischen Berührung und ließ willenlos ihr zartes Köpfchen auf seiner Hand liegen.

»Du würdest mich also verlassen, Helene,« frug er traurig, »wenn ich den schweren Schritt thun müßte? Würdest dich von mir abwenden und mich einsam lassen mit einer ungeliebten Frau?«

Sie hob die vom Weinen geröteten Lider in die Höhe, und ein Strahl unsäglicher Liebe brach aus ihren Augen. Er hatte seine Rolle vortrefflich gespielt und erkannte aus diesem einen Blicke sofort, daß er gewonnenen Boden unter den Füßen habe.

»Du kämpfst jetzt denselben Kampf,« fuhr er fort, »den ich in den letzten Tagen durchmachen mußte, ehe ich zu dem festen Entschlusse kam . . . Im Augenblicke mag auch dir der Gedanke schrecklich sein, daß eine dritte Person in unser schönes Verhältnis eintreten soll; ich gebe dir aber mein Wort, daß dies durchaus nicht auf störende Weise geschehen wird . . . Bedenke, Helene, daß ich dann viel mehr für dich thun, für dich leben kann, als jetzt . . . Du kannst zu mir nach Odenberg ziehen, und ich will die Hände unter jeden deiner Schritte legen, will dich behüten und halten wie meinen Augapfel.«

Hollfeld besaß nicht Geist, dafür aber einen hohen Grad von Schlauheit, wie wir sehen, mit der er wirksamer agierte, als vielleicht ein anderer mit bedeutenden Gedanken. Sein armes Opfer ging mit blutendem, zerrissenem Herzen und völlig zerstörter Willenskraft in sein Netz.

»Ich will es versuchen, den Gedanken zu ertragen,« flüsterte Helene endlich fast unhörbar. »Was aber müßte das für ein Wesen sein, das mich duldet, und das ich endlich als Schwester lieben lernte . . . Kennst du wohl ein solch opfermutiges, hochstehendes weibliches Gemüt?«

»Ich habe eine Idee . . . sie kam mir vorhin ganz plötzlich . . . sie ist aber ganz flüchtig und unausgebildet. Ich behalte mir vor, sie dir nach reiflicher Ueberlegung mitzuteilen . . . Aber du mußt erst ruhiger werden, teure Helene. Bedenke, ich lege ja die Wahl meiner künftigen Gattin einzig und allein in deine Hände; es hängt von dir ab, das zu verwerfen oder anzuerkennen, was ich dir vorschlagen werde.«

»Und fühlst du dich stark genug, neben einem Weibe zu leben, dem dein Herz nicht gehört?«

Er unterdrückte weislich ein spöttisches Lächeln, denn Helenes Augen hingen an seinem Munde.

»Ich kann alles, was ich will,« antwortete er, »und deine Nähe wird mir Kraft geben . . . Um eins aber will ich dich bitten, sage meiner Mutter noch nichts von dieser wichtigen Angelegenheit. Sie will, wie du weißt, ihre Hände in allem haben, und ich dulde nun einmal ihre Bevormundung nicht; sie erfährt die Sache noch zeitig genug in dem Momente, wo ich ihr meine Braut vorstelle.«

Zu jeder anderen Zeit würde dieser herzlose, unkindliche Ausspruch Helene empört haben, aber in diesem Augenblicke hörte sie ihn kaum; denn ihr ganzes Fühlen und Denken wirbelte abermals in einem wilden Aufruhr durcheinander bei dem einzigen Worte »Braut«, das nun einmal – obgleich es sehr oft namenlos unglückliche Bräute gibt – den Begriff von Liebesseligkeit und Maiwonne an sich knüpft.

»O mein Gott!« seufzte sie und rang die fest zusammengeballten Hände, die auf ihren Knieen lagen, in namenloser Qual. »Ich habe immer gehofft, das nicht erleben zu müssen . . . Nicht, daß ich so selbstsüchtig gewesen wäre zu denken, du solltest um meinetwillen einsam durchs Leben gehen, aber ich glaubte, die voraussichtlich kurze Dauer meines Daseins würde dich bestimmen, diesen Schmerzenskelch an mir vorübergehen zu lassen, du würdest warten, bis meine Augen das Schreckliche nicht mehr sehen könnten.«

»Aber Helene, wo gerätst du hin?« rief Hollfeld, nur noch mühsam seine Ungeduld unterdrückend. »Wer wird in deinen Jahren an den Tod denken! . . . Leben, leben wollen wir und mit der Zeit noch recht glücklich werden, das hoffe ich ganz gewiß . . . Ich will dich jetzt allein lassen. Ueberlege dir die Sache, und du wirst zu demselben Schlusse kommen wie ich.«

Er drückte ihre Hände zärtlich an seine Lippen, hauchte einen Kuß auf ihre Stirn – was er bis dahin nie gethan hatte –, nahm seinen Hut und verließ leise das Zimmer.

Draußen, nur durch die Thür von der armen Getäuschten geschieden, schlug er verschmitzt lächelnd ein Schnippchen; wie gemein und bubenhaft sah er in diesem Augenblicke aus! Er war über die Maßen zufrieden mit sich selbst . . . Noch vor einer Stunde war sein Herz von Grimm erfüllt gewesen. Seine Leidenschaft für Elisabeth, durch den Widerstand des jungen Mädchens zu einer rasenden angefacht, war in hellen Flammen über seinem eigenen Haupt zusammengeschlagen und hatte ihn seit gestern um alle seine gerühmte Selbstbeherrschung gebracht. Inmitten dieser Liebesraserei war ihm aber trotzdem nicht ein einziges Mal der Gedanke gekommen, dem heißbegehrten Mädchen seine Hand zu bieten, um in ihren Besitz zu gelangen; er würde sich selbst für wahnsinnig gehalten haben, wenn eine solche Idee durch seinen Kopf geflogen wäre. Dafür aber zermarterte er sein Gehirn in niederträchtigen Plänen und Anschlägen, wie er den Widerstand der Forstschreiberstochter besiegen könne . . . Das Ereignis auf Gnadeck lenkte plötzlich seine Gedanken in eine ganz andere Bahn. Das junge Mädchen war jetzt eine begehrenswerte Partie, von altem Adel und reich. Kein Wunder, daß er innerlich aufjubelte bei der Nachricht und sofort den großmütigen Entschluß faßte, die liebreizende Blume auf Gnadeck mit einem Heiratsantrage zu beglücken . . . Daß sie ohne Zögern die Ehre annehmen würde, lag natürlich außer allem Zweifel; denn wenn sie auch aus Koketterie seinen Liebesanträgen auf eine Zeit zu widerstehen vermocht hatte, so war das doch nicht denkbar der Aussicht gegenüber, vielbeneidete Frau von Hollfeld zu werden. Ueber diesen Punkt war er so vollkommen klar und sicher, daß auch nicht ein Wölkchen der Befürchtung ihm die lockende Aussicht verdunkelte . . . Es war indes nicht der glühende Wunsch allein, Elisabeth zu besitzen, der ihn antrieb, so rasch wie möglich zu handeln; er mußte sich sagen, daß, wenn der Fund in den Ruinen bekannt wurde, auch noch andere Freier bei der ihrer Schönheit wegen bereits vielgenannten Goldelse anklopfen würden – schon der Gedanke machte ihm das Blut sieden.

Der Ausführung seines Entschlusses stand indes noch ein Hindernis entgegen, und das war Helene. Nicht etwa, weil ihm eine mitleidige Regung gekommen wäre darüber, daß das heißliebende Mädchen namenlos leiden müsse infolge dieses Schrittes – was das betraf, so kannte er kein Erbarmen – wohl aber hatte er zu bedenken, daß es möglicherweise durch die plötzliche Heirat um die Erbschaft kommen könne, die er von Helene erwartete. Es galt also, vorsichtig und schlau zu sein. Wir haben gesehen, wie er kalten Blutes die tiefe, blinde Liebe der Unglücklichen ausbeutete und sie dadurch, daß er sich in seiner höchsten Lebensfrage ihr scheinbar unterwarf, unauflöslich an sich kettete.

Sobald er das Zimmer verlassen hatte, schwankte Helene nach der Thür und schob den Riegel vor. Jetzt erst überließ sie sich völlig ihrer Verzweiflung.

Wer sie nicht kennt, jene qualvollen Stunden, die auf eine ungeahnte, plötzlich wie aus der Luft herniederstürzende, zermalmende Nachricht folgen, jene Stunden, in denen der Mensch seinen Schmerz in die Welt hinausschreien möchte, und wo er, der Stütze und des Trostes anderer so bedürftig, doch scheu und wie gehetzt Dunkel und Einsamkeit aufsucht, als seien Licht und Klang tödliches Gift für seine brennende Wunde; wem sie erspart wurden, jene Qualen, die plötzlich ein harmonisch geordnetes Gemüts- und Gedankenleben aus den Fugen zu reißen vermögen: der wird freilich nicht begreifen, daß Helene auf dem Fußteppich zusammensank und verzweiflungsvoll in ihren Locken wühlte, während ihre kleine, gebrechliche Gestalt wie im Fieber hin und her geschüttelt wurde . . . Sie lebte und atmete ja nur in dieser glühenden Neigung. Hatten doch schon einige finstere Blicke, eine mehrtägige düstere Zurückhaltung des geliebten Mannes hingereicht, sie in den tiefsten Kummer zu versenken und sie sogar teilnahmslos zu machen für ein Ereignis, das in früherer Zeit ihr schwesterliches Herz tief erschüttert haben würde, um wie viel mehr mußte sie jetzt leiden in der Ueberzeugung, daß sie ihn verlieren werde.

Obwohl ein wildes Chaos von Gedanken in ihrem Kopfe kreiste, so war sie doch unfähig, einen einzigen klaren, sichtenden zu erfassen. Das demütigende Bewußtsein ihrer körperlichen Gebrechen, um deren willen sie aus ihrem geträumten Paradiese gestoßen wurde, Hollfelds heutiges Bekenntnis seiner Liebe, das ihr zugleich Himmel und Hölle erschlossen hatte, eine wahnsinnige Eifersucht auf diejenige, die sie noch gar nicht einmal kannte, welche aber dereinst an seiner Seite mit allen Rechten der Gattin stehen sollte, das alles wogte und stürmte in ihr und drohte, den schwachen Faden zu zerstören, der ihre Seele an den hinfälligen Körper fesselte.

Erst spät, nachdem die Nacht bereits hereingebrochen war, öffnete sie der besorgten Kammerfrau die Thür und ließ sich auf vieles Bitten derselben zu Bette bringen. Sie verbat sich streng den Besuch des Arztes, den die Zofe vorschlug, ließ der Baronin, die ihr persönlich gute Nacht wünschen wollte, hinaussagen, daß sie der größten Ruhe bedürfe und nicht gestört sein wolle, und verbrachte dann einsam die schrecklichste Nacht ihres Lebens.

Sie wurde erst ein wenige ruhiger, das heißt die furchtbare Spannung ihrer Nerven ließ nach, als das Morgenlicht durch eine Spalte des Vorhanges in das Zimmer huschte. Es war, als glitte der dünne, goldene Strahl auch in ihre umnachtete Seele und werfe ein Streiflicht auf das, was ihre Gedanken im tollen Kreislaufe unberührt gelassen hatten. Sie fing an zu überlegen, daß Hollfeld ja völlig selbstlos handle. Wenn auch die Notwendigkeit, daß er sich vermählen müsse, stets wie ein Schreckbild vor ihr aufgestiegen war, so hatte sie dieselbe doch nie wegzuleugnen vermocht; und mußte sie es nicht anerkennen, daß ihr Gedanke, er werde warten, bis sie aus diesem Welt geschieden sei, in ihm keinen Raum gefunden hatte? Brachte er nicht auch ein schweres Opfer? Denn er liebte ja sie, nur sie allein, und mußte sich entschließen, einer anderen anzugehören; durfte sie ihm die Erfüllung einer heiligen Pflicht noch schwerer machen durch ihren Jammer? . . . Er forderte sie auf, einen mühevollen Weg mit ihm zu gehen; sollte sie sich da feig und mutlos zeigen, wo er eine große Willensstärke bei ihr vorausgesetzt hatte? . . . Und fand er ein Weib, das sich mit der Freundschaft begnügte, da, wo es mit vollstem Rechte Liebe heischen konnte, wie hätte sie sich an Selbstverleugnung übertreffen lassen mögen?

In fieberhafter Hast griff sie nach der silbernen Glocke auf dem Nachttische und berief die Kammerfrau, um sich ankleiden zu lassen. Ja, sie wollte entsagen, wollte stark sein, aber sie meinte auch, nur der ganzen, vollen Gewißheit gegenüber werde sie Mut und Stärke finden, und deshalb mußte sie vor allem den Namen derjenigen wissen, welche Hollfeld für geeignet hielt, die schwere Mission zu übernehmen. Sie hatte freilich bereits alle unverheirateten weiblichen Wesen ihrer Bekanntschaft prüfend an sich vorübergehen lassen, doch da war auch nicht eine einzige, die sie nicht sofort ungeduldig und heftig verworfen hätte.

Es war zwar noch nicht die Stunde, in welcher sie jeden Morgen mit der Baronin und Hollfeld zu frühstücken pflegte – ihr Bruder blieb diesen frühen Zusammenkünften stets fern – aber sie hielt es nicht länger aus in ihrem einsamen Zimmer und ließ sich, da sie sich sehr schwach fühlte, im Rollstuhle nach dem Eßsalon fahren. Zu ihrer Verwunderung hörte sie von dem Bedienten, der alles zum Frühstücke vorbereitete, daß die Baronin schon vor einer halben Stunde spazieren gegangen sei; das war ein seltener Fall, aber er kam der jungen Dame sehr erwünscht, denn in dem Augenblicke, als sie sich in eine der Fenstervertiefungen rollen ließ, erblickte sie Hollfeld, der draußen auf dem großen Kiesplatze vor dem Schlosse auf und ab promenierte. Er schien keine Ahnung zu haben, daß er beobachtet werde. Den breiten, schöngebauten Oberkörper elastisch auf den Hüften hin und her wiegend, schritt er rasch und leicht dahin. Dann und wann führte er mit sichtlichem Wohlbehagen die Zigarre an den Mund, deren feiner Duft durch das geöffnete Fenster bis zu Helene drang. Die junge Dame war zuerst schmerzlich betroffen und wollte es sich durchaus nicht eingestehen, daß das Aussehen des Geliebten ein auffallend frisches war und von heiterster Laune zeugte, aber es war ihr unmöglich, in seiner Haltung, in jeder Bewegung, ja selbst in dem halb unbewußten Lächeln, das seine Lippen öffnete und die wunderschönen Zähne sehen ließ, einen anderen Ausdruck zu finden, als den eines kecken, jugendlichen Uebermutes, der Lebenslust und eines unendlichen Behagens . . . Da war auch nicht eine Spur jener Kämpfe zu entdecken, in denen sie die ganze Nacht verbracht hatte; wie ein Opfer grausam gebieterischer Verhältnisse sah er ganz gewiß nicht aus . . . oder wirkte hier eine große, geistige Kraft, der starke, männliche Wille? Dann mußten beide einen Höhepunkt erreicht haben, der an das Uebermenschliche streifte.

Die junge Dame zog finster die Augenbrauen zusammen.

»Emil!« rief sie heftig, mit fast rauher Stimme hinab.

Hollfeld erschrak sichtlich, aber mit einem Satze stand er unter dem Fenster und schwenkte grüßend seinen Hut.

»Wie?« rief er, »du bist schon hier? . . . Darf ich hinaufkommen?«

»Ja!« klang es in bereits milderem Tone herab.

Nach wenigen Augenblicken trat er in den Salon. Helene hatte jetzt eher Grund, mit seinem Aussehen zufrieden zu sein; denn es lag ein tiefer Ernst auf seiner Stirn. Er warf seinen Hut auf den Tisch und rückte einen Stuhl neben die junge Dame. Ihre beiden Hände zärtlich an sich ziehend, sah er ihr ins Gesicht; er schien selbst betroffen zu sein über ihre aschbleichen Wangen und den erloschenen Blick, der dem seinigen begegnete.

»Du siehst sehr übel aus, Helene,« bemerkte er teilnehmend.

»Und nimmt dich das wunder?« fragte sie, unfähig, ihre Bitterkeit zu unterdrücken. »Mir ist leider jene glückliche Gabe des Gleichmuts versagt, mittels der man schon wenige Stunden nach einer herben Prüfung wieder heiter und lebensfroh in die Welt blicken kann . . . Ich beneide dich.«

Ihr Auge streifte vorwurfsvoll sein blühendes Gesicht. Er verwünschte innerlich seine Morgenpromenade, oder vielmehr die Unvorsichtigkeit, mit der er seine Gedanken an Elisabeth und den Sieg, welchen er über das spröde Mädchen feiern werde, zur Schau getragen hatte.

»Du bist ungerecht, Helene,« entgegnete er lebhaft, »wenn du mich nach meiner äußeren Haltung beurteilst . . . Soll denn der Mann, wenn er sich in das Unvermeidliche fügen muß, weinen und wehklagen?«

»Nun, davon schienst du vorhin auch sehr weit entfernt zu sein.«

Ein unaussprechlicher Aerger bemächtigte sich seiner. Das armselige Wesen da vor ihm, das bei seinem mißgestalten Körper Gott danken mußte, wenn ein Mann ihm gegenüber sich überwand, nicht gerade unfreundlich und abstoßend zu sein, und das auch wirklich früher jede kleine Aufmerksamkeit mit unsäglicher Dankbarkeit aufgenommen hatte – es wurde plötzlich so anmaßend, ihm Vorwürfe zu machen. Obgleich er alles daran gesetzt hatte, sie an seine feurige Liebe glauben zu machen, meinte er doch innerlich, es sei eine grenzenlose Eitelkeit von der kleinen Buckeligen, sich einzubilden, sie könne in der That eine solche Neigung einflößen; auch erkannte er voll Ingrimm, daß er es hier mit dem »hartnäckigsten Eigensinn und einer widerwärtigen Sentimentalität« zu thun habe. Es kostete ihn unsägliche Mühe, sich zu beherrschen, aber er that es, und es glückte ihm sogar ein Lächeln mit einem Anstriche von Melancholie, was ihn in diesem Augenblicke sehr interessant erscheinen ließ.

»Wenn du hörst, weshalb ich vorhin heiter ausgesehen habe, so wirst du deinen Vorwurf gewiß bereuen,« sagte er. »Ich vergegenwärtige mir nämlich den Moment, wo ich vor deinen Bruder hintreten und sagen darf: ›Helene hat sich entschlossen, künftig in meiner Familie zu leben‹, und ich leugne nicht, daß ich das mit einer Art von Genugthuung dachte; denn er hat ja von jeher meine Liebe zu dir mit scheelen Augen angesehen.«

Leser – man sagt, die Liebe sei blind; allein in den meisten Fällen schließt sie freiwillig die Augen, denn sie weiß, daß sie an der Erkenntnis sterben müßte, und gegen die Vernichtung kämpft sie verzweifelter noch, als das Leben.

Helene bemühte sich, das, was er vorgab, mit seinem Aussehen von vorhin in Einklang zu bringen, und es harmonierte denn auch vortrefflich. Sie reichte ihm aufatmend die Hand.

»Ich glaube dir,« sagte sie innig, »der Verlust dieses Glaubens wäre ja auch mein Todesurteil . . . Ach, Emil, du darfst mich nie, niemals hintergehen; auch nicht, wenn du denkst, daß es zu meinem Heile sei – ich will lieber eine schlimme Wahrheit hören, als den qualvollen Verdacht mit mir schleppen, daß du nicht wahr gegen mich seiest . . . Ich habe eine schreckliche Nacht gehabt, aber jetzt bin ich gefaßter und bitte dich, mir die Idee mitzuteilen, von der du gestern sprachst. Das fühle ich klar, ich werde nicht eher mein inneres Gleichgewicht wieder erlangen, bis ich das Gesicht kenne, das für die Zukunft zwischen uns stehen soll. Bis jetzt ist dieses Wesen nur noch ein Phantom für mich, und ich glaube, eben in dieser Unsicherheit liegt die quälende Unruhe, die mich verzehrt . . . also den Namen, Emil, ich bitte dich inständig!«

Hollfelds Augen irrten wieder am Boden. Die Sache schien ihm mißlich in diesem Augenblicke.

»Weißt du auch, Helene,« begann er endlich, »daß ich großes Bedenken trage, heute die Angelegenheit mit dir zu besprechen? . . . Du bist sehr angegriffen; ich fürchte, ein eingehendes Gespräch macht dich krank. Und dann muß ich sagen, daß mir mein gestriger Gedanke, je öfter ich ihn beleuchte, immer praktischer erscheint; es sollte mir deshalb sehr leid thun, wenn du in der Aufregung seine vorteilhaften Seiten übersähest.«

»Das werde ich ganz gewiß nicht!« rief Helene, sich lebhaft emporrichtend, ihr Auge hatte einen fieberhaften Glanz. »Ich habe mich überwunden und bin bereit, mich in das Unvermeidliche zu fügen . . . Ich verspreche dir, so völlig unparteiisch zu sein, als ob – ich nicht liebte.« Sie errötete, denn zum erstenmal sprach sie das Wort aus.

»Nun denn,« sagte Hollfeld zögernd – er vermochte nicht ganz seine innere Erregung zu beherrschen – »was meinst du zu dem jungen Mädchen auf Gnadeck?«

»Elisabeth Ferber?« rief Helene aufs höchste überrascht.

»Elisabeth von Gnadewitz,« verbesserte Hollfeld rasch. »Gerade die plötzliche Veränderung ihrer Stellung hat mich auf die Kleine aufmerksam gemacht. Bis dahin habe ich sie wenig beachtet, und ist mir nur ihr bescheidenes Wesen und die große Ruhe in ihren Gesichtszügen aufgefallen.«

»Wie, an der reizenden, wunderbar beseelten Erscheinung wäre dir nichts bemerkenswert vorgekommen, als die Ruhe und Bescheidenheit?«

»Nun ja,« entgegnete er gleichgültig. »Ich erinnere mich, daß du manchmal über deine eigenen Finger ärgerlich wurdest, während sie nie eine Miene verzog und geduldig immer wieder von vorn anfing, bis du ihr folgen konntest. Das gefiel mir schon damals. Ich halte sie für einen sehr ruhigen Charakter, und den muß vor allem meine künftige Frau haben. Auch ist es nicht zu verkennen, daß sie dich verehrt; damit wäre die Hauptbedingung erfüllt. Ferner ist sie in engen, beschränkten Verhältnissen aufgewachsen; sie wird keine Ansprüche machen und sich leicht in die Stellung dir und mir gegenüber finden. Ich glaube, sie hat Takt, ist sehr häuslich erzogen, ein großer Vorzug, und –«

Helene war in das Kissen zurückgesunken und legte die Hand über die Augen.

»Nein, nein!« rief sie, sich rasch wieder aufrichtend und seinen eifrigen Redefluß unterbrechend. »Nicht das arme, liebliche Kind! Elisabeth verdient, geliebt zu werden.«

Ein plötzliches Hundegeheul unterbrach sie und ließ sie selbst einen Schrei des Schreckens ausstoßen. Hollfeld hatte seine Diana, die mit hereingekommen war und zu den Füßen ihres Herrn hingestreckt lag, auf die Pfote getreten. Dieser Zwischenfall kam ihm sehr gelegen, denn Helenes letzte Worte klangen, seinen eigenen glühenden Wünschen gegenüber, so komisch, daß er lachen mußte. Er öffnete die Thür und jagte das hinkende Tier hinaus. Als er zu dem jungen Mädchen zurückkehrte, waren seine Züge wieder völlig ruhig und beherrscht.

»Lieben wollen wir ja die Kleine auch, Helene,« sagte er anscheinend gleichmütig, während er seinen Platz wieder einnahm – Helene war zu sehr erregt und wohl auch zu reinen Sinnes, um die leichte Beimischung von Frivolität in seinem Tone herauszuhören – »sie soll dir nur den Vorrang lassen in meinem Herzen, und das wird sie auch gewiß . . . Sie besitzt sehr viel ruhige Ueberlegung und Kaltblütigkeit, das hat sie vorgestern vollständig bewiesen, als sie Rudolf rettete.«

»Wieso?« rief Helene, die Augen voll unsäglichen Erstaunens weit öffnend.

Der Diener, welchem gestern wider Willen das Ereignis im Walde entschlüpft war, hatte, erschrocken über sein Versehen, alle näheren Umstände des Attentats unerörtert gelassen und war einfach dabei stehen geblieben, daß der beabsichtigte Schuß Herrn von Walde glücklicherweise nicht getroffen habe. Auch Hollfeld hatte den Sachverhalt erst vor einer Stunde vom Gärtner erfahren. Das unerschrockene Benehmen Elisabeths verlieh ihr, wie man denken kann, in seinen Augen einen neuen Reiz und stachelte seine Sehnsucht, sie so rasch wie möglich zu gewinnen, aufs höchste. Er teilte Helene jetzt alles mit, was er über die Begebenheit erfahren hatte, und schloß mit den Worten. »Du hast jetzt einen Grund mehr, das Mädchen zu lieben, und mich bestärkt ihre Handlungsweise in dem Glauben, daß sie die einzige ist, die in die Verhältnisse paßt.«

Hiermit harte er sein letztes Pulver verschossen. Er strich mit seiner weißen, schlanken Hand langsam das Haar von der Stirn zurück und beobachtete dabei hinter dem vorgehaltenen Arme gespannt die junge Dame, die den Kopf so in das Kissen gedrückt hatte, daß er nur ihr Profil sehen konnte. Aus ihren geschlossenen Lidern quollen Thränen! Sie sprach kein Wort mehr, vielleicht rang sie zum letztenmal mit sich selbst.

Warum sie aber nicht ein einziges Mal die Frage aufwarf, ob auch Elisabeth in der That Hollfeld ihre Neigung zuwenden werde? Das wird sich vielleicht manche Leserin selbst beantworten können, sobald sie bedenkt, daß das liebende Herz gewöhnlich den Gegenstand seiner Leidenschaft für unwiderstehlich hält und es schwer begreift, wenn er nicht allen anderen Menschenkindern ebenso begehrenswert erscheint.

Das Schweigen, das peinlich zu werden anfing, wurde durch das Eintreten der vom Spaziergange zurückkehrenden Baronin unterbrochen. Helene fuhr in die Höhe und trocknete rasch ihre Thränen. Mit sichtlicher Ungeduld ließ sie sich die Liebkosungen gefallen, mit denen sie von der augenscheinlich sehr echauffierten Dame förmlich überschüttet wurde, und antwortete sehr einsilbig auf die Fragen nach ihrem Befinden.

»Puh!« rief die Baronin sich schüttelnd und ließ die Mantille in den Händen ihres Sohnes, während sie schwerfällig in einen Fauteuil niedersank. »Mir ist warm geworden . . . Ist das ein vertrackter Weg über den Berg! . . . Mich bringt keine Macht der Erde je wieder da hinauf!«

»Du warst auf dem Berge, Mama?« frug Hollfeld ungläubig.

»Nun ja – du weißt ja, der Arzt hat dergleichen Morgenspaziergänge immer für mich gewünscht.«

»Ach, das war aber vor so und so viel Jahren, und seitdem behauptest du ja stets, dein Herzübel mache dir derartige Promenaden ganz unmöglich.«

»Man muß alles in der Welt mehrmals probieren,« entgegnete die Mama ein wenig verlegen; »und als ich heute nacht durchaus nicht schlafen konnte, beschloß ich, nochmals einen Versuch zu wagen – und dabei bleibt es nun auch . . . Ich habe obendrein gleich wieder einen tüchtigen Aerger gehabt. Denke dir nur, Helene, da kommt mir draußen auf dem Kiesplatze Bella in Begleitung der neuen Gouvernante entgegen – kannst du wohl glauben, daß diese Person die Unverschämtheit hat, das Kind zu ihrer Linken gehen zu lassen? . . . Dazu sieht sie aus, daß man sie in die Schoten stellen möchte . . . Ich war sehr außer mir und habe ihr sofort ihren Standpunkt klar gemacht . . . Aber sage selbst, ob es nicht arg ist; ich darf nur daran denken, mich einmal erholen zu wollen, da kann ich sicher sein, daß alles geschieht, um mich krank und elend zu machen!«

Sie wollte die Stirn schwermütig auf den Arm stützen, fühlte aber in diesem Augenblicke, daß die geschickt angebrachten falschen Zöpfe an den Schläfen unter dem Drucke des Hutes eine bedenkliche Richtung angenommen hatten. Sie erhob sich schnell und erbat sich noch auf ganz kurze Zeit Urlaub, um ihre derangierte Morgentoilette in Ordnung bringen zu lassen.

»Apropos!« sagte sie nachlässig und drehte sich im Weitergehen noch einmal um nach den Zurückbleibenden, während sie den Hut einstweilen fest auf die rebellischen Zöpfe drückte, »da hat uns der einfältige Reinhard gestern schön blau anlaufen lassen . . . Ich begegnete zufälligerweise dem Forstschreiber Ferber droben bei den Ruinen . . . ich gratulierte ihm –«

»Ah, ich begreife jetzt deine Wanderung auf den Berg!« unterbrach Hollfeld ironisch seine Mutter. »Und du hast den Mann angeredet, Mama?«

»Nun, jetzt kann man das ja . . . Mich interessierten hauptsächlich die Juwelen.«

»Wolltest du sie kaufen?« fragte ihr Sohn spöttisch – er mochte an die stete Ebbe in ihrer Kasse denken.

»Das weniger,« erwiderte sie mit einem Zornblicke. »Aber ich habe stets eine Leidenschaft für schöne Steine gehabt – und wäre dein Vater nicht so plötzlich gestorben, so hätte ich jetzt sehr schöne Brillanten, denn er hatte sie mir versprochen, du aber wärst um ein Kapital von circa sechstausend Thalern ärmer . . . Aber um wieder auf die gefundenen Kostbarkeiten zu kommen. Ferber sagte mir, aus was sie bestanden, und erzählte mir auf mein Befragen ohne Umstände, daß sie ungefähr – achttausend Thaler wert seien – und das nennt der Mensch, der Reinhard, einen unermeßlichen Wert . . . Einstweilen Gott befohlen – in wenigen Augenblicken bin ich wieder da!«

Auf Hollfelds Gesicht war das spöttische Lächeln verschwunden, mit dem er die Erzählung der Mutter angehört, und hatte einem unverkennbaren Ausdrucke der Enttäuschung Platz gemacht; es war ihm plötzlich zu Mute, als ob ein kaltes Sturzbad sich über ihn ergossen habe.

Kaum hatte sich die Thür hinter der Baronin geschlossen, als Helene aus ihrer bisherigen scheinbaren Apathie erwachte und Hollfeld beide Hände entgegenstreckte.

»Emil,« sagte sie rasch, wenn auch mit etwas verschleierter Stimme und bebenden Lippen, »wenn es dir gelingt, Elisabeths Herz zu gewinnen, was ich nicht bezweifle, dann gehe ich auf deinen Plan ein; aber es bleibt dabei, daß ich bei euch in Odenberg wohne.«

»Das versteht sich,« entgegnen er, wenn auch etwas zögernd; sein Ton hatte bei weitem nicht mehr die Festigkeit von vorhin, »aber ich mache dich vorher darauf aufmerksam, daß du eine etwas schmale Küche finden wirst . . . Meine Einkünfte sind nicht besonders glänzend, und daß Elisabeth so gut wie gar nichts besitzt, hast du eben gehört.«

»Sie soll nicht arm in dein Haus kommen, Emil, darauf verlasse dich,« antwortete das junge Mädchen mit weichem Tone und unnatürlich glänzenden Augen. »Von dem Augenblicke an, wo sie erklärt, die Deine sein zu wollen, ist sie meine Schwester . . . Ich will redlich mit ihr teilen . . . ich weise ihr vorläufig die Einkünfte von meinem Gute Neuborn in Sachsen zu und werde über diesen Punkt mit Rudolf sprechen, sobald er zurückkehrt . . . Und wenn ich die Augen schließe, so gehört euch beiden dann alles, was ich besitze . . . Bist du zufrieden mit mir?«

»Du bist ein Engel, Helene!« rief er. »Niemals sollst du deine Großmut und aufopfernde Liebe bereuen!«

Diesmal war sein Feuer, seine Ekstase nicht erheuchelt, denn die Einkünfte von Neuborn machten Elisabeth zu einer sehr reichen Braut.

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