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Albert von Trentini: Goethe - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
booktitleGoethe
authorAlbert Trentini
firstpub1923
year1923
publisherGeorg D.W. Callwey
addressMünchen
titleGoethe
pages1-381
created20051118
sendergerd.bouillon
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»Sie haben« wagte sich Tischbein nach vielen Tagen stummen Staunens keck hervor – sie traten aus dem Tor der Villa Medici in den Prunk des Mittags heraus – »Sie haben sich auch hier gewandelt?«

»Denken Sie!« antworte Goethe freudig, er hielt dem ungeheuren Licht gegenüber die Hand vor die Augen. »Ich habe heute Nacht auf den Vers: ›Und stufenweis herab ist es gelungen‹ die schauderhaften Folgen gemacht: ›Sie tritt hervor, und, leider schon geblendet, kehr' ich mich weg, vom Augenschmerz durchdrungen!‹ – Nein! Nein!« Wie ein Bub lachte er. »Sie kriegen Antwort! Gemessen nach meinen Zielen bin ich der Mensch der Ordnung, des bürgerlichen Maßstabs; der folgegeduldig aufbauenden Architektonik. Hingegen streitet mein Wesen gegen jede Grenze. Wohin ich nur komme, ich muß alle Mauern einreißen. Beileibe nicht aus Übermut oder Zeithaben. Ich kann nur nicht sehen, bevor nicht der Blick nach allen Seiten hin frei ist. Um nun aber, nach diesem Blick, tätig leben, ja nur, um bestehen zu können, muß ich mir aus der flachgemachten Welt die Berge dann erst wieder aufbauen; aus der Grenzenlosigkeit der Weite die gemessene Nähe erst wieder aufzaubern. Das braucht natürlich Zeit. Und hier in Rom zehnfache.«

»Ist aber, deutsch gesagt,« – nichts nahm Tischbein über sein Maß wichtig – »bereits geschehen? Und also Sizilien sicher?«

»Das« – wieder hob Goethe die Hand vor die Augen – »weiß ich noch nichts Wenn ich, zum Beispiel, an das Fach der Münzen und geschnittenen Steine denke, und . . . Moritz kommt da!« Hastig, um nur zu enden: »Sie müssen bedenken, ich fange doch überhaupt erst an zu sehen. – Bitte, lassen Sie mich jetzt mit Moritz allein! Ich muß mit ihm reden.«

»Ist Tischbein – meinethalben . . . . . . . .?«

»Nein!« Vorsichtig nahm Goethe Moritzen an die Seite. Der trug den Arm noch in der Schlinge, ging aber sorgfältig herausgeputzt heute. »Meinethalben ist er gegangen.« Genießend lächelte Goethe. Die Dinge, alle, alles, hatten jeden Schleier abgestreift. Der Hauch der tausend abgeschiedenen Zeiten, der ihre Körper so lange undurchdringlich umträumt hatte, war nicht mehr auf ihnen. Das Fremde auf ihrer Stirne, das vom anderen Himmel, von der anderen Rasse und von der anderen Kultur her mit unnahbarer Eigentümlichkeit auch der geduldigsten Begier, sie zu enträtseln, getrotzt hatte, erloschen in vertraute Verwandtschaft. Ungestraft, mit restlos empfangendem Blick vermochte nun das Auge einzutauchen in den Grund von allem, was da war. »Nun? Und wie steht es?«

Verschlossen im Augenblick ward Moritzens Miene. »Ich sah auf Ihrem Tische Livius und Plutarch liegen?«

Zwischen den Steineichen an der warmen Mauer zückte ein Zweig der japanischen Mispel seine Dornen. In beide Hände nahm Goethe diesen Zweig. »Es ist und bleibt die einzig richtige Methode,« antwortete er, das Auge durstig eingesenkt dem Dorn, »sich jedes eigenen Willens zu entäußern, wenn man das Bild der Welt aufnehmen will. Verläßt man sie, sogleich wird man gestraft!«

»Also: voraussetzungslos sein, ganz und gar?« Erschrocken streifte ihn Moritz.

»Natürlich weiß man, wohin man will! So, wie der Trieb da weiß, daß er einmal Früchte haben wird. Aber es nützt ihm nichts, Frucht haben zu wollen. Er stehe geduldig hier auf seinem Keime in der Welt und lasse sich von ihr zur Reife wärmen! Man kann nichts erzwingen. Was kommen muß, kommt; was aber immer nur werden will, kann nicht einmal mit Gewinn sein! Übrigens« – als ob er nur gespielt hätte, leicht, ließ er den Zweig los – »ist das leeres Gerede. Jedes Hirn hat seine eigene Weise! – Sagen Sie: hat man Ihnen schon geantwortet, aus Berlin?«

»Jedenfalls« – atemlos wich Moritz zum zweitenmal aus – »kommt mein Gehirn mit der Geschichte auf keinen grünen Zweig!«

»Moritz!« Hellauf lachte Goethe. »Es geschieht doch in der Geschichte gar nichts anderes, als was, unter Umständen, jedem von uns passieren kann? Ich schaue sie durchwegs von mir aus an.«

»Ja, Sie! Weil alles, was Sie tun, aus einer und derselben Kraft Bewegung zieht: aus Ihnen. Ich habe nur ein Bündel Tangentchen zur Verfügung, die von mir aus nach dem Globus laufen! Aber nicht einen Radius, der das Zentrum trifft.«

»Weil Sie nicht wissen, wer Sie sind!«

»Sie wollen uns nur immer trösten!«

»Und Ihr nur immer mir schmeicheln! Ein undisziplinierter Mensch sind Sie!«

»Ja! Wer mein Blut hat!«

»Und mir läuft wahrscheinlich Wasser in den Adern?« Zornig fuhr Goethe auf. »Besinnen Sie sich doch endlich auf das, was Sie haben! Und dann mit Händen, Füßen, Zähnen, Nägeln, Haaren festgehalten, was Sie haben! Man wird sonst nichts! Schauen Sie Tischbeinen an! Ich weiß nicht, ob er je ein großer Maler werden wird. Aber Alles, was die Leiter, auf der er klettert, ins Schwanken bringen könnte, hat er rücksichtslos weggewischt aus seinem Armkreis. Und besitzt sich deshalb – als ein Maler! Sie sind der geborene kritische Synthetiker, und wissen das noch immer nicht! Was war und ist, am Richtmaß seines logischen Sinns und seiner Zusammenhänge mit dem Ganzen des Lebens zu einem gegenwärtigen Stein im allgemeinen Lehrgebäude zusammenzuschmelzen, das ist Ihre Gabe!«

»Zur – Wiedergabe!«

»Jeder schafft, der den vorhandenen Geist vermehrt!«

»Der Masse nach?«

»Geist ist nie Masse! Masse, auf den Geist bezogen, sind Buchstaben! Kritische Synthese aber macht nicht Buchstaben!«

»Ach! Wenn ich Geschichte studiere, dann kaue ich überkommene Sätze, oder ziehe sie, im besten Falle, aus. Sie hingegen, – aus Ihrer alles und jedes verschlingenden und dann filternden Kraft heraus, die Ihnen Sinn und Zusammenhänge der geschichtlichen Tatsachen lückenlos aufdeckt, schaffen Sie die Weltgeschichte, – dichten Sie die Weltgeschichte ganz einfach noch einmal!«

Wie das Weltwunder starrte Goethe ihn an. »So? Und wie machen denn Sie es?«

»Ich?«

Im selben Augenblick schlug die Uhr von Trinità dei Monti herüber zwölf.

Eine Minute später läuteten alle Glocken von Rom.

Scheu lehnten sich die zwei Männer an die Mauer zurück. Gramlos verebbte der rauschende Klang. Umso panischer troff auf die Steine der Stadt, auf die zingelnde Weite nieder das ungeheure Schweigen des Lichts. Tyrannischer Anker der Welt, hing die Sonne im Mittelpunkt des makellosen Himmels. Wollüstig flimmerten die Dächer, die Kuppeln, die Türme, die Obelisken unter dem lautlosen Regen der Strahlen. In schleirigem Hand-in-Hand wanderten die Täler des Landes gegen Norden und Osten mit der goldenen Erde, mit den knospenden Halmen der Hügel hinaus in die silbernen Säume der Ferne. Und als fühlte sie all dies in der Wonne ihrer neugeborenen Säfte, bebte die Krone des Mandelbaums in der Vigna zu den Füßen der zwei Stummen, ihre Äste, vom Winter noch nicht ganz genesen, klirrten, Blüten tauten nieder ins herzoffene Gras, . . .

Plötzlich schwebte auch sie, reglos und Glanz.

»Ich habe noch immer keine Antwort aus Berlin!« stieß Moritz wie im Fieber hervor.

»Vor allem krampfhaften Seinwollen und Wichtignehmen« schaute Goethe, als ob er nicht gehört hätte, hinaus in die magische Feier, »gilt: das vertrauende Wachsenlassen des Elementchens, das man ist. Hie Denkmal, – hie Leben!«

»Wenn nun – keine kommt!?« fuhr Moritz außer sich auf. »Oder eine, die noch immer nicht verzeiht, nicht versteht? Sondern weiternörgelt und vorwirft?«

»Dann?« fragte Goethe ohne Rührung.

Mit tobsüchtigen Fingern riß Moritz ein Ligusterzweiglein vom Strauch und warf es vor sich in den Weg hinein. »Dann reise ich! Was habe ich in Rom zu suchen, wenn mein Herz oben in Deutschland zerbricht? Ich habe nur ein Herz, und ohne Herz keine Welt!«

Ruhig beugte sich Goethe in die Erde nieder; hob das Zweiglein auf. »Kinder reißen Lebendiges ab und werfen es weg!«

»Sagen Sie mir lieber, was Sie in meinem Fall tun würden!« raste Moritz ohnmächtig.

Nach langem, geduldigem Warten: »Gott! Die Welt ist so wunderschön groß und weit!«

»Aber es ist nicht Jedem gegeben, vergessen zu können!« ^

Flamme, weiß in der Weißglut des Lichtes allum, schwebte die Krone des Mandelbaums. »Ich glaube nicht, daß ich – in Ihrem Fall –« sagte Goethe in den Glanz hinein, »die Liebe sogleich schon einsargen könnte, wenn – in Ihrem Fall,– keine Antwort käme, oder wieder eine böse. Ich glaube auch nicht, . . .« – er tat einen Schritt von Moritz weg, schickte das Auge mit gezieltem Befehl zur Verstellung hinauf nach der dreieckigen Zacke des Sorakte und schlug es im Felsen ein wie einen Griff auch für Giganten – »glaube auch nicht, daß ich aufhören würde, mich demütigst dankbar dessen zu erinnern, was diese Liebe mir Bleibendes gewirkt hat. Würde auch – ja, gewiß! – da in Rom weiter, wie bisher, für die Unvergeßliche lernen und sammeln und mich abmühen, und nichts tun, was mir auch in der fernsten Zukunft die Rückkehr verschließen könnte. Aber . . .«

»Aber?«

»Sie haben Ihre Schuld eingestanden?«

»Vollkommen!«

»Aufrichtig um Verzeihung gebeten?«

»Siebenmal! Siebenzig siebenmal!«

Als ob der Griff aus dem Felsen des Sorakte gebrochen wäre, floh das Auge zurück zum Verzerrten. »Dann liegt die Sache nicht mehr bei Ihnen! Sie haben getan, was Sie tun konnten . . . . . .«

»Nein! Zurückgehen zu ihr könnte ich noch!«

»Mann!« Empört auf Moritzen los; mit zornigen Händen schüttelte er ihn, bis der Dampf in der herausgeforderten Brust drin befreit war. »Sind Sie zu Ihrem Vergnügen nach Italien gegangen? Der Mann hat ein Herz. Weiß Gott, das billige ich ihm zu! Aber er hat auch eine Aufgabe! Und wenn man mir, nachdem ich die reinste Bereitwilligkeit, ja die kindlichste Sehnsucht, die stehendste Begier bewiesen habe, Herz und Aufgabe – und ich meine nicht Papier unter dieser Aufgabe! – in brüderlicher Einfalt zu leben, die Wahl aufzwänge: Herz oder Aufgabe, . . .?«

»Ja! Sie haben eben eine!«

Zuckender Schattentanz auf Goethes hilflos verzogenem Gesicht. Vollkommen zerstört der Palast der Ruhe, den Bury noch heute morgen das Haus der Olympier genannt hatte. ». . . dann werde ich – in Ihrem Fall – . . .« In den Boden stampfte er. Gelb wurde er. Tränen rissen sich von den kämpfenden Wimpern. Knirschend wehrten sich die Zähne. Eine Sekunde darauf aber – lächelte er. Wie? Hatte nicht da draußen, eines Nachts, ein Kindlein gekrächzt? Da drüben, eines Nachts, das letzte Wimmern des Tigers der Suburra gezittert? Und in beide Klänge, beide seltsam bejahend, sich der zertretene Ruf gemischt: »Komm! Laß dich lieben«? – »Mein lieber Freund,« lächelte er, gerettet zum zweitenmal, »auch. das ist nichts als leeres Gerede. Auch jedes Herz hat seine eigene Weise! Wahr bleibt nur Eines: Das Talent, ja vielleicht sogar das Genie, wenn es nichts anderes bleiben will, als Talent oder Genie, – kann vorübergehen an der harten Erziehung zum Charakter. Charakter aber wird, unwiderleglich, nur, wer sich unerbittlich zur Kraft auferzieht, entbehren zu können, worauf er ein Recht hat, – und verlieren zu können, was er schuldlos verliert!«

Und trotzdem: als er, nur wenige Tage später, eines Morgens über den Janiculus gegen Süden hinabwanderte, einen Brief aus Weimar in der Tasche, der wieder nicht verzieh, wieder und nur noch kleinlicher als bisher nörgelte und vorwarf, – »Ich hab' sie verloren! Für immer verloren!« fluchte er den Himmel an, der bar jeden Zweifels und jeder Qual über der Welt lag. »Die kommt mir nie wieder zurück! Niemals wieder!«

»Und kein Rom kann mir die je ersetzen!«

Schwarz, hochaufgerichtet trat er ins Tor der Farnesina. »Kein Rom! Keine Welt!«

Feindlich, unter dem feindlich erstaunten Auge, kniffen sich die Lippen zusammen: vor dem Haine des Gartens, der sich bis zum Tiber hinabdehnte, genau ihm gegenüber, standen in erwartendem Halbkreis die nichtsahnenden Freunde. Aus ihrer Mitte, sogleich, faunischen Lächelns, trat Schütz, hob seine Laute, blinzelte tückisch herüber, und sang:

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«[Horaz, Oden I. 22, 1–4]

Laut, nicht einen einzigen erforschbaren Zug im vermauerten Gesicht, trat Goethe in den Rasen hinaus. Ein Ruck, – die erschrockene Laute sank. Die Freunde verwirrten sich. Erstarrten vor dem eiskalten höfischen Lächeln. Fremd, an ihnen vorbei, schritt das himmelblaue Kleid mit dem Goldsaum hinein in den Saalbau der Villa.

»Wer hat das arrangiert?« fragte er endlich, nach ewiglangem Hinaufstarren in die Bläue des raffaelischen Olymps.

»Ich!« trat Bury aus den Verdonnerten hervor, schleuderte ihm das wütende Auge zu, und machte kehrt.

Aber das himmelblaue Kleid kümmerte sich keinen Pappenstiel um diesen Schmerz. »O! Herr Hofrat?« begrüßte es gemessen, mit wüstensandtrockener Huld Reiffenstein. »Herr Meyer auch da?« Einen Händedruck bekam der kleine fahle Schweizer. »Es freut mich besonders!« hörte Hirth wie vom Nordpol herab.

Dann, in unverhohlener Flucht, wich er von ihnen zurück, ließ sich in den roten Damastfauteuil in der fernsten Ecke nieder, – und von neuem: Auge hinauf in die Bläue des raffaelischen Olymps!

»Pfui Teufel!« kicherte Schütz in der Tiefe des Saals zu Tischbein und wies auf den Sarkophag hin, der voll von Blumen, Früchten, Bechern und römischen Leckerbissen an der Längswand zwischen den Fenstern stand. »Das nenn' ich mißlungen!«

»Mit dem linken Fuß aufgestanden!« Gleichmütig spannte Tischbein, für Bury, das Skizzenblatt auf das Reißbrett.

»Sollte man nicht,« hauchte Reiffenstein besorgt von der Spitze seiner eckigen Preußengestalt nieder, »Frau Angelica wissen lassen, daß sie besser täte, zu Hause zu bleiben?«

Pfiffig trat Moritz herbei. »Soviel ich ihn kenne,« schmunzelte er, »wurmt es ihn schon jetzt entsetzlich, daß er sich so herzogtümlich weimarisch benommen hat!«

»Ach was,« platzte Schütz los, »ich tu', als ob nichts gewesen wäre!« Und steckte eine riesige Schinkenschnitte in den gierigen Mund.

Linderung? Balsam? Goß es wirklich Beruhigung herab ins gekrampfte Auge, das Blau des raffaelischen Olymps, das Maratta ein bißchen zu sorglos üppig auf die verblichene Helligkeit gegossen? Venus hatte sich – einfachster Vorwurf! – geärgert über die Schönheit der Psyche. Solch prometheische Lieblichkeit schrie nach Strafe! »Amor!« rief sie entschlossen, »komm her!« Amor eilte herbei. »Mach sie verrückt vor Liebe,« befahl wie eine Xanthippe die Venus, »zu einem Scheusal! Kentauren! Zu Polyphem!« Amor, gehorsam, flog nieder. Aber: wäre jemals ein Mädchen umsonst ein entzückendes Mädchen gewesen? »Du!« stammelte Amor, entbrannt in der ersten Sekunde. »Du! Dich – hab ich ja lieb!« O, ihr musiksüßen Tage des Werdens! Nachtigalldurchsungene Nächte des Herzklopfens! Endlich – Stunde der Erfüllung! Aber, als Venus daraufkam!! »Das Frauenzimmer muß zu mir herauf! Der will ich schon helfen!« raste sie außer sich Zeus an. Zeus, – ein schwacher Herr Gott ist Zeus; einem Weibe, das schreit, widersteht er nicht. »Also mach mit ihr, was du willst!« knurrte er feige. Das läßt sich eine Venus nicht zweimal sagen! Aschenbrödels Dienstbotenqualen waren Sonntagsvergnügungen gegen das, was sie der Jungen jetzt antat! Aber als das armselig gefügige Ding zuletzt wirklich und wahrhaftig Proserpinas Büchse aus dem Hades heraufbringt, – in Ohnmacht fällt Venus! Bei Diana, sie hatte totsicher geglaubt, aus dem Hades käme das Mädel nicht wieder! »Siehst du?« grinste Zeus. Denn einem Weibe, das schön ist, widersteht er noch minder! »Komm, meine Tochter! Kommt meine Kinder!« flötet schadenfreudig der Charakter, – und das Mädel sitzt verheiratet im Olymp! Mitten drinn!

»Bury!«

Klatsch! flog das Taburettchen, auf dem Bury gesessen, um; trotz der Empörung war er folgsam. »Sie wünschen?«

Mit einem listigen Seitenblick erkannte der Winkende, wie die Freunde, gespannt herüberäugend, das Lachen verbissen. »Wenn du etwas kopierst von den Bildern da oben,« sagte er, inbrünstig grinsend, »dann sieh zu, daß du den Ausdruck der Wut im Gesichte der Venus gut treffest! Verstanden?«

»Was hat er gesagt?« Ohne die steifen Beine zu rühren, umzischelten die Freunde Bury, der geheimnisvoll zurückstapfte.

»Er zieht schon wieder an!« antwortete vom Sarkophag her Schütz; er leerte den siebenten Becher.

Das nämlich – auf bäumte sich der Leib Goethes, verblüfft ächzte der Sessel – könnte, unter Umständen, auch dir passieren, Lotte! Überspanne den Bogen nicht! Die Welt ist von Anmut sehr voll, selbst in Weimar! Da sah er: der Ölbaum, der in der Mitte des Gartens draußen stand, schaute ihn an. Es war ein alter Baum, hochgewachsen, mit unermüdet nach allen Windrichtungen hin fließendem Mantel von Zweigen. Der Stamm von unzähligen, gelben, rötlichen, blaugrauen, auch tintefinsteren Rissen durchkerbt. Jeder Ast im Holze von Wachsen, Luft, Sonne und Schatten voll ausgebildet, so, daß zu lesen war, wie die erst himmelaufgeschossenen, dann ergeben zurückgewallten Falten dem Fleisch alle Kraft ausgerungen hatten. Die Blättchen in der Höhe zitterten noch jung und lebefreudig mit dem prallen Glanzgrün ihrer Oberflächen in der seidigen Luft gegen die ziegelroten Dächer jenseits des Tibers. Die weiter unten saßen hingegen, besonders jene, die sich dem schattigen Rasen immer sehnender näherten, hingen in tauber Ruhe, dem Leben entfernt und geheimeren Freuden gehorchend, vor dem Rund der Lorbeeren, Thymiane, Liguster, Buchse und Zedern, das den Garten nach der Mauer hin begrenzte. Ihre ölige Sattgrüne war schon lange dahin, darum zeigten sie nur noch das Silber ihrer Unterflächen, und der Stamm, in dieser Erdnähe selber fast farblos und lichtlos, schien dieser vornehmen Bescheidenheit zuzuflüstern: Richtig! Die letzten Geheimnisse eines folgerichtigen Lebens gehen wohl ohne Prunk einher, ohne Schein, aber – selbst sie nicht ohne Anmut und Grazie! Denn gerade sie . . . .

Da stieß ein plötzlicher Windstoß – wie vor einem Zeichen erschrak Goethes Auge – das Fenster in den Saal herein auf und warf, wie eine Handvoll prophetischer Blitze, ein Bündel von Zweigen des Baums in den Fruchtkranz gerade unterhalb Psyches. Und im selben Augenblick erklärte einer der Männer in der Mitte des Saales: »Der Unterschied kommt einzig und allein daher, daß Michelangelo der waschechte römische Katholik gewesen ist, Raffael aber der waschechte Heide!«

Als ob ihn Ameisen angefallen hätten, im Nu, fuhr Goethe auf. Mit zäher Anstrengung, sich nicht zu verraten, zwang er das Auge von neuem empor in die Decke, während die Ohren, unwiderstehlich geweckt, gierig hintenhin lauschten.

»Gewiß nicht!« widersprach ruhig Meyer. »Jede große Kunstepoche ist vom religiösen Trieb gemacht worden. Die Kunst stieg mit dem Eifer und der Allgemeinheit dieses Triebs, und sank, sobald er blaß wurde und nur noch in Gruppen verblieb.«

»Aber . . . . . . .« Bedenklich reckte Reiffenstein das bartlose Kleingesicht. Mit rotgefrorenen Fingern drückte er das Seidenkäppchen auf die schlechte Perücke. »Die Religion der Alten aber war etwas Menschliches. Ein Ausfluß des Nationalgefühls. Ihre Gegenstände blieben daher immer fruchtbar, weil sie das Menschliche heraushoben!«

»Einverstanden!« Geduldig lächelte Meyer. »Die Kunst der christlichen Religion leidet daran, daß die Gegenstände, die sich ihr boten, mehr dem moralischen Menschen als dem sinnlichen angehörten. Ihre Ideale sind praktischer Natur, bedürfen des Handelns; können sich also nicht schon im schönen Sein erfüllen!«

»Und spotten in ihrer begrifflichen Vagheit« – soldatisch setzte Reiffenstein das dürre Bein in den signorilen Terrazzo – »der äußeren, bildlichen Darstellung. Sind unbestimmt, auf keine Einheit der sinnlichen Form zu bringen. Was macht man zum Beispiel mit einer heiligen Dreifaltigkeit?«

Gütig nickte Meyer: all diese Weisheit hatte Roms erster Cicerone von ihm! »All dies ist ja, ganz richtig, der einzige Grund dafür, warum die neue Kunst sich nicht, wie die der Alten, in der Plastik, sondern in der Malerei ausleben mußte!«

»Vide den Bildhauer Michelangelo!« schmetterte mit Posaunenton der martialische Hirth.

»Die Christen boykottierten mit Absicht die Plastik!« Noch spitzer ward Reiffensteins spitze Nase. »Sie war ihnen anstößig, eben weil die alten Götter sie geliebt hatten.«

»Vide Michelangelo, den Maler!« posaunte Hirth noch frecher.

Heiter trippelte Meyer. »Sachte! Der Herr Hofrat hat einstweilen Recht! Weil aber nun die neue Kunst nicht mehr Plastik sein konnte, sondern nur Malerei noch, konnte sie auch das Ideal der plastischen Kunst, . . .«

»Aller Kunst!«

» . . . die schöne Form nicht erreichen! Die Malerei fordert nicht und erlaubt nicht die Bestimmtheit der Form, wie sie die Plastik gestattet und gebietet. Der Maler ist schon infolge des optischen Scheins, dem zuliebe er malt, nicht der Schaffer der plastischen Realität. Eben darum also auch nicht imstande, jenes Reich der Idee zu erreichen, worin die Kunst die Natur überführt, und das der Bildhauer, als der Darsteller der reinsten und schönsten Form, mühelos erwandert. Und deshalb . . . .«

Elastisch schnellte Reiffenstein in die Höhe. »Ziehen wir Raffael . . . . .«

»Den Bildhauer!« tobte Hirth.

» . . . Michelangelo vor! Der logische Sprung, über den Sie zu lachen belieben, ist sofort erklärt! Raffael hat, wenn auch als Maler nicht imstande, den griechischen Plastiker zu erreichen, . . .«

»Was eben Michelangelo zusammengebracht hat!«

»Hier« – apostelhaft hob Meyer gegen Reiffensteins stachlicht gezückten Mund den Finger – »hier liegt der Hund begraben! Michelangelo hat tatsächlich – was ich übrigens auch von Raffael nicht leugne! – jenes Reich der Idee, das dem Bildhauer vorbehalten ist, in der Malerei auch erreicht!«

»Aber nur, weil er Bildhauer war!« triumphierte Reiffenstein.

»Und weil er, wie die Alten, die Gegenstände der Religion nur soweit in seine Kunst aufnahm, als sie das Menschliche zeigten,« vollendete Meyer.

»Und das ist nach ihm keinem wieder gelungen, und neben ihm selbst Raffael nicht so wie ihm!«

Bellend hustete Reiffenstein. »Und das kann ich nicht zugeben!«

»Sie freilich!« Nicht mehr zu halten war Hirth. »Denn Sie sind durch Eide gebunden! Wenn es nach Ihnen ginge, gäbe es nach Raffael nur noch die Carracci und Mengs!«

»Michelangelo ist ungezogen!«

»Und die Kunst wahrscheinlich eine Gouvernante!«

»Er ist maßlos, zügellos, undiszipliniert!«

»Und das erträgt ein Preuße nicht!«

Bissig riß Reiffenstein das Kinn in die Luft. »Es gibt Gesetze in der Kunst, die keiner ungestraft übertritt! Wenn nicht einmal mehr die Kanones der Antike in der Kunst gelten sollen, dann kommen wir zum Banditismus der Temperamente, und damit zur Anarchie der Dilettanten! Es hat kein Geringerer als Winckelmann selber geschrieben: Der Ausdruck war bei den Griechen der Schönheit gleichsam zugewogen; die Schönheit aber die Zunge an der Wage des Ausdrucks, und die vornehmste Absicht! Gegen diese Absicht nun, scheint mir, läßt sich auch heutzutage . . .«

»Nichts anderes einwenden,« unterbrach prompt Hirth, »als daß Mengs, der erweislich keine andere hatte, zum Einschlafen langweilige Bilder gemalt hat. Ist etwa Michelangelo langweilig?«

»Ist er schön, frag ich dagegen?«

»Ich pfeife auf Schönheit! Charakteristik will ich haben!«

»Und die haben die Griechen nicht? Und Raffael auch nicht?«

»Aber es war Michelangelo, gerade wenn er von den Griechen lernte, nicht verboten, im Charakteristischen weiter zu gehen, als sie gegangen waren! Kein Gesetz der Welt konnte ihm das untersagen!«

»Winckelmann sagt . . . .«

»So hören Sie doch mit dem ewigen Winckelmann auf!«

Beschwichtigend gegen die zwei Streitenden hob Meyer die Hände. »Die Standpunkte, die sich da befehden, lassen sich vereinigen! Winckelmann sagt nirgends, daß die Schönheit in der Kunst . . .«

Ungesäumt brach er ab: Goethe kam über den Terrazzo zielgerecht auf ihn zu. Sofort ward Hirths Miene wie die des Wildes, das den Jäger spürt; dieser wohlgesetzte Minister paßte akkurat zu dieser Bruderschaft blutloser Dogmatiker! Während Reiffenstein den gelehrigen Schüler im himmelblauen Gewande ahnte. »Ist es nicht, Exzellenz,« bog er sich ehrerbietig Goethen entgegen, »wenn man diesen jauchzenden Olymp sieht nach dem ›Jüngsten Gerichte‹, als käme man verschmachtet auf die saftige Weide, wo Nektar und Ambrosia bereitstehen?«

»Pone sub curru nimium propinqui klimperte da Schützens wiedererwachte Laute hanswurstig herauf,

»Solis in terra domibus negata,
Dulce ridentem Lalagen . . .
Lalagen . . .
Lalagen . . .
«

»Er ist vollkommen betrunken!« lachte Tischbein; er hatte es für den gegebenen Augenblick gehalten, mit Moritzen heranzutreten; vieldeutig blinzelte er zurück. »Bury kopiert, wie er versichert, die Galle der Venus, und Schütz opfert Baccho! Wie er irdisch macht, der heilige Raffael!«

Aber Goethe stand schon bei Meyern. »Sie sind von mir unterbrochen worden,« sagte er wie ein verlegener Junge. »Möchten Sie mich nicht profitieren lassen?«

»Wir streiten,« lachte Hirth gewandt, »wer der weniger miserable Künstler gewesen: Michelangelo oder Raffael? Nachdem ja die Griechen schon einmal in den Orkus gefahren sind!«

»Herr Hirth ist eben Epikuräer!«

Fast um warf Hirths jupiterales Lachen Reiffensteins erschrockene Gestalt. »Und Sie sind Papier!«

»Ich habe niemals geleugnet, daß der eine wie der andere . . .«

»Im Gegenteil!« Nicht im mindesten genierte sich Hirth. »Sie leben davon, den einen auf Kosten des andern in den Mist zu werfen!«

»Herr Geheimerat!!« Weiß im Gesicht floh Reiffenstein zu Goethen. »Gönnen Sie uns den Vorzug, Ihre Meinung zu äußern!«

»Ich habe keine,« lachte Goethe unschuldig. Und, trotzige Flamme auf einmal im Blick, liebkoste er die Grazie der Fabel in den Paradiesen von Farbe, während der Brief unterm himmelblauen Tuch sich verzweifelt zu wehren begann. »Ich finde nur, es ist schön hier! Heiter! Wohlig! – Lebendig!«

»Sehen Sie!« frohlockte Reiffenstein.

»Ich habe alles gehört« wandte sich Goethe unaufhaltsam zu Meyern zurück. »Ihre letzten Worte waren: Winckelmann sagt nirgends, daß die Schönheit in der Kunst . . . . . .«

» . . . ausdrucklos sein müsse,« gehorchte Meyer ohne Pause. »Er nannte nur eben die Stille denjenigen Zustand, der für die Schönheit der eigentlichste sei. Diese, von allen einzelnen Bildungen des Vorwurfs abgerufene, höchste Gleichgültigkeit sei im Handeln und Wirken nicht anzutreffen. Unsere Empfindungen – in denen sich ja Wirken und Handeln zeigen – stören darum, meinte er, diese Stille. Nun muß man gewiß zugeben, daß Winckelmann, lebte er heute noch, in manchem seine Ansichten weiter ausgebildet hätte!«

»Sehr richtig!« lobte Goethe eindringlich.

»Gerade die erweiterte Kunstgeschichte lehrt unwiderleglich, daß die Griechen zwar allerdings die Schönheit der Form als oberstes Gesetz ihrer Kunst befolgten, dabei aber keineswegs das Bedeutende, Charakteristische vergaßen. Im Gegenteil: sie schritten nicht etwa von der Schönheit zum Charakteristischen vor . . .«

»Wie es Mengs machen wollte,« fiel erbarmungslos Hirth ein, »aber nicht konnte!«

»Sondern vom Charakteristischen zum Schönen!«

»Wie es Raffael getan hat, und Michelangelo nicht vermochte!«

»So laßt ihn doch ausreden!« Mit Gewalt trennte Tischbein die unerbittlichen Feinde.

»Die Griechen ahmten erst nur nach,« begann Meyer freundlich von neuem. »Dann lernten sie die Anatomie kennen. Dann fand sich mählich eine ganze Wissenschaft um ihr Handwerk zusammen. Dann ward der Stoff immer leichter und restloser besiegt. Endlich bildete sich als Vorwurf der Charakter. Aus diesem der edle. Aus dem edeln der edelste. Was war nun natürlicher, als daß der edelste Charakter nur in der schönsten Form seinen Ausdruck finden konnte?«

»Und diesen Weg« schwor Reiffenstein in den vergötterten Olymp empor »ist Raffael gegangen!«

»Und Michelangelo« donnerte Hirth in den Terrazzo hinab »ging ihn weiter. Vom Ausdruck des Edlen zum Ausdruck des Grandiosen!«

»Auf Kosten der Schönheit!«

»Das nenne ich eben: weiter!«

»Daß es ›weiter‹ ist,« lächelte Meyer seraphisch, »ist keine Frage! Frage ist nur: ob es dieselbe oder eine höhere Art der Kunst war, oder nicht?«

»Und das bejahe ich eben!«

»Den Griechen und Raffael war die schöne Form das notwendige Mittel zum Ausdruck schöner Gedanken. Raffael blieb also, erstens, der Natur stets nahe; zweitens, mit der Wahrheit im Bunde; und, drittens, – aus eben diesen Gründen – immer auch schön! Michelangelo hingegen . . . .«

»Ignoriert die Natur!« Rasend fletschte Hirth die Zähne.

»Nein! Aber geht über sie hinaus!«

»Lügt wie ein Harlekin!«

»Nein! Aber an Stelle des Wahrhaftigen, Treffenden zeigt er das Auffallende, Seltsame!«

»Und ist eine häßliche Kröte!«

»Nein! Aber . . .« Suchend wanderte Meyers Auge vom einen zum andern. »Sie haben es vorhin wahrscheinlich nicht bemerkt: als der Windstoß das Fenster aufriß, flog ein Bündel Zweige vom Ölbaum da draußen herein und peitschte einen Augenblick lang den Leib der Psyche. Es mag nun vielleicht meine übergroße Empfindsamkeit daran schuld sein, . . . bitte, Herr Geheimerat!«

Wie eines ungeheuren Sieges sicher leuchtete Goethe. »Ich habe nicht ein Silbchen gesagt, Herr Meyer!«

»Mit einem Wort: der Ölbaum da draußen, der Himmel da draußen, Rom da draußen, wir da herinnen . . . .«

»Ich möchte wahrhaftig wissen,« drehte Hirth hohntriefend um auf dem Absatz und floh schützwärts von dannen, »wo anders sich ein besoffener Frankfurter milieugerechter ausnähme als hier!«

»Alles Lebendige, Natürliche, Wahrhaftige, Schöne,« verkündete voll Feuer nun Meyer, »– es paßt zu diesen Bildern da oben! Und nur deshalb, und nicht, weil er gegenüber den heidnischen Griechen, die bildhauerten, der römisch-katholische Maler war, scheint es uns, daß wir Michelangelo anders bewerten dürfen als den göttlichen Raffael! Weil er die heitere Eleganz nicht hat, die nur von der charakteristischen Schönheit, – nur von der Harmonie im charakteristischen und schönen Kunstwerk erzeugt wird!«

»Ich dächte aber,« wagte da Moritz – jetzt konnte auch er nicht mehr still sein! – zu lispeln, »daß jede Zeit ihr eigenes Urteil über Kunst hat? Daß also wir Heutigen . . .« Aber wie eine Parze schnitt ihm Reiffenstein das Wort entzwei. Mit Sturmlust: Raffael oder Michelangelo? wogte sein Busen, in der Seligkeit über den erfochtenen Sieg, noch immer. »Aber jetzt, Exzellenz,« rang er komisch die Hände, »müssen Sie Farbe bekennen! Müssen Sie uns sagen . . . .«

»Ich sagte schon: ich habe keine Meinung.«

»Pflichten Sie Meyern nicht bei?«

Als ob ihm der Zeugesaft der gesamten Natur in den Adern flösse, mit dionysischem Lachen lachte Goethe: »Ihr seid die Gelehrten!«

»Und Sie sind der Künstler!«

»Fragen Sie Tischbeinen,« – übermütig tippte er auf Tischbeins üppige Krause – »was für ein jämmerlich Blatt ich gestern abend zusammengeschmiert habe!«

»Dann reden Sie als Dichter!«

»Als Mensch!« beschwor atemlos Moritz.

»Als Mensch« – mit glorreich grüßendem Blick durch die Fenster hinaus in die seiende Welt: »Raffael! Und als Dichter . . . .« – da riß eine Fanfarenstimme ihn auf. »Sie ist's!« jubelte Bury und warf sein Brett in den Terrazzo. Musik schien, was da plötzlich türhin schaute, zappelte, in strömende Bewegung kam, zu packen. »Angelica!« lief Reiffenstein. Wie ein Pfeil jagte Bury. »Und als Dichter,« vollendete Goethe ohne Eile im Mitschreiten, »sage ich Dieses: haben die anderen nicht soviel Titanenkampf um das Göttliche in ihrer Brust getragen, daß er sie daran gehindert hätte, immer mehr an das Kunstwerk zu denken, als an sie selber, – Michelangelo hat sich selber schaffen müssen; unerbittlich immer wieder: das Kunstwerk des ringenden Menschen. Und das scheint mir, – o, gnädigste Frau!« Strahlend und aufgetan den Menschen wie noch niemals, seitdem er in Rom war, neigte er sich über Angelicas glückliche Hand. »Sie kommen im richtigen Augenblick! Die Männer sind, bis auf den herdelosen Hirthen, durch die Gnade des Olymps in ihren Herzen einträchtig geworden und wie die Götter bereit, Psychen zu empfangen! Geruhen Sie niederzusteigen zu den Bänken, die der weindurchzitterte Schütz . . . . . Schütz!« rief er laut, zog Angelicas Arm in den seinen und schritt, während die Freunde verblüfft Spalier machten, mit ihr in den Saal herein; »hebe deine entschlafene Leier und stimme das Feierlied an!«

»Integer vitae, scelerisque purus« gehorchte schwankend, als ginge sie über taumelnden Steg, Schützens betrunkene Leier.

»Nicht das! Gemäßeres!«

Schwindelig erhob sich Schütz. Und da sah er die Beiden: des Mannes Antlitz, von der Sonne des geretteten Geistes erloht, auf dem sanften Azur des Kleides, und das vom Innersten her lächelnde der Frau über dem schwarzen Mantel aus Pelz und aus Samt. Und, berauschter noch, den irren Blick aufgeschickt, olympwärts, in die Tafel der Götter, sang er mit Rührung:

»Laudabunt alii claram
Rhodon aut Mytilenen . . .
«

»Das ist das Richtige! Bravo!« Und umflattert von allen Dämonen des Wagemuts führte Goethe – kopfschüttelnd zogen die Freunde nach – die Frau zu den Bechern hinab. Als er den Arm aus dem ihrigen gezogen hatte, verneigte er sich, ging, – keiner wußte, was nun geschehen sollte – kam mit dem Prunksessel zurück, setzte die Zögernde mit sanftem Gebieten in den Purpur unter dem goldenen Zierat; ging wieder, kam mit dem Schemel zurück, bettete die verschämten Füßchen in den damastenen Polster; ging zum drittenmal, brachte ein Tischchen, stellte es ihr zur Seite auf; und ging nun zum viertenmal, um ihr die Schüsseln zu reichen. Die silberne mit den Orangen; die aus Onyx geschnittene mit den Datteln; die kristallene Schale mit den Feigen. Als er aber, auf goldenem Teller, den von Benvenutos Hand stammenden Becher kredenzte, den er soeben aus dem gekühlten Kruge gefüllt hatte, stieg Schützens Stimme wie frischer Opferrauch in den Olymp hinauf.

»Mecum saepe viri, nunc vino pellite curas,
Cras ingens iterabimus aecquor!
«

sang er bardisch, – entschlossen trat Goethe von der Thronenden zurück, lud mit flinker Handbewegung die Männer ein, sich im Halbkreis zu setzen, und rückte, während sie gehorchten, für sich selber den Sessel herbei. Dann, nach einem letzten, schelmisch lang wägenden Blick über die ratlos Lächelnden hin, zog er ein kleines Heft aus dem Busen und, indem er sich sehr langsam niederließ, sagte er sehr langsam: »Iphigenie auf Tauris! Urteilen Sie, meine Freunde, ob sich die Griechin, wie ich sie sah, in diesem Saal zeigen darf! – Komm, Fritz, herauf zu mir!« rief er Bury hinab, »setz dich auf die Lehne und sieh mir ins Buch!«

Und siehe: weiß, aus der Totenstille, trat Iphigenie hervor! Über die Stufen des Tempels, leidend, stieg sie herab in den Hain. Mit unverhüllter Trauer gestand sie Arkas die ewige Wunde des Heimwehs. Klar wie Pallas wehrte sie sich gegen die entsetzt vernommene Werbung für den König. Kaum aber tauchte dieser vor ihr auf, und das Rätsel der Rührung überfiel die ratlose Seele von neuem. Unsicher ward die Miene. Gegen Befehle, die unerbittlich in Blut und Herz aufbrachen, rang die Stimme. Sturm schüttelte die lichte Gestalt. Ist nirgends Rettung aus dem Netz der wirr einander leugnenden Gefühle? Erst unter dem Messer des Henkers aber, der mit wohlgezieltem Streich die jahrelang gepflegte Heimatsehnsucht opfern will dem Dank für den Barbaren, gesteht der grause Mund: »Vernimm! Ich bin aus Tantalus Geschlecht!«

»Bis hieher,« neigte sich anzüglich Tischbein zu Moritzen herab, »ist's immer noch Olymp!«

Aber schon, tollkühnen Sprungs, sprang die Stimme des Lesers hinab aus dem sanften Wellenspiel der glatten See in die Strudel des Meeres.

»Du hast Wolken, gnädige Retterin,
Einzuhüllen unschuldig Verfolgte!«

Voll, aus dem Heft auf, sah er über die Lauschenden hin. Gesenkten Hauptes, über den unberührten Schüsseln, saß die Frau, die den Sturz ihres Frauentums mit der malenden Hand zu überfühlen gelernt hatte. Mit gespannt, hoch und verschlossen in die Decke hinauf gerichteten Köpfen die Männer. Was rauscht jetzt? Was kocht jetzt? Blut! Das uralte Menschenopfer am Skythenstrande, aus männlicher Begier, die sanfte Priesterin zu besitzen, ihr preisgegeben, – kaum daß sie den Besitz versagt hat, wird es wieder eingesetzt! Und wem droht es als Ersten? Den zwei Griechen, natürlich, die die Welle soeben ans Ufer gespült hat! »O süße Stimme! Vielwillkommner Ton,« jauchzt der verzückte Mund, »Der Muttersprach in einem fremden Lande!« Und noch einmal, in rosenrotem Lächeln, schaukeln die schönen Leiber Raffaels durch seine blaue Götterluft; nur Anmut! Doch schon klärt Pylades die Ergriffene unumwunden auf: »Da trennte bald der Streit um Reich und Erbe die Geschwister! Ich neigte mich zum ältsten; er erschlug den Bruder!« – und, sieh: die Götterluft ergraut, die Leiber schrumpfen ein, ihr Lächeln stirbt!

»Es wird charakteristisch!« zwickte Hirth den Hofrat Reiffenstein.

Ja! Weiter: Blut und Blut! Aus dem drohenden Rauch des wiederaufgelegten Menschenopfers, dem Rauch des Bruderbluts, das Pylades fast stolz bekannt hat, steigt, hart heraufgerufen dem geweckten Geist, anstatt der Heimat jede Bluttat des unseligen Hauses zu Mykenai. Und wie die Dämpfe dieser ungezählten Morde schon den Himmel auslöschen, Flur der Erde zum Tartaros, Schuld zur Wiegengabe, Verzweiflung zum Brot verfluchter Menschheit machen, – erst noch der Dunst des sühneheulenden Bluts von Klytaimnestre! Was nützt es dem verhüllten Auge nun, den Bruder zu erkennen? Was dem bedrohten Herzen, wimmernd Liebe zu empfinden vor diesem blutigen Kranz von blutigen Wahrheiten? Er hat die Mutter erschlagen! Und ich soll ihn opfern! Und schreit er nicht, zerbissen von den Furien, daß ich's tun soll?

»Ist nicht Elektra hier, damit auch sie
Mit uns zugrundegehe, nicht ihr Leben
Zu schwererem Geschick und Leiden friste?
Gut, Priesterin! ich folge zum Altar:
Der Brudermord ist hergebrachte Sitte
Des alten Stammes . . . .«

Wie aber, wenn sie Thoas folgte? Orestes damit vom Opfer löste? Darauf verzichtete, selbst heimzukehren, – als seine Mörderin! – nur damit er selber . . .?

Dann blieben – wie vor der Gorgo wird ihr Leib zu Stein – doch immer noch die Schlangen der Erinnyen!

»Das griechische Maß, die Beschränkung des Kunstmittels gegenüber dem Gegenstande,« flüsterte Moritz feuerwangig hinauf zu Tischbein, »wunderbar gewahrt!«

»Und welche – heitere Eleganz!!« Mit Hohnblick Hirth zu Meyern.

»Die Mutter fiel!« Wie Eisenschwertaufsetzen auf blutgedüngte Fliesen klang es.

                »Tritt auf, unwillger Geist!
Im Kreis geschlossen tretet an, ihr Furien,
Und wohnet dem willkommnen Schauspiel bei,
Dem letzten, gräßlichsten, das ihr bereitet!«

Und der Olymp versank! Die Helle im Saal dahin! Weg das Lebendige aus allen Hirnen der gefügten Welt, die vor den Fenstern sich mit grauen Nebeln umzog! Der Ölbaum schritt, die schweren Wurzeln durch die Bleiche schleppend, in wüstenferne Öde. Die Lorbeerbüsche hauchten Finsternis von Gräbern. Mit bangen Armen strebte Psyche, von welken Kränzen wie von Dornenfingern von den Göttern weggerissen, den Göttern nach, die rücksichtslos, mitsamt dem falschen Amor, auf schwarzer Wolke aus den Bildern flohen. Ausgeträumt der viel zu schöne Traum auf den armseligen Wangen. Noch einmal, heldenhaft, tat er sich Zwang an, wiederzuerstehen, den Pfeil, der in der Brust schon wühlte, zu verachten. Umsonst! Als dieser Wille kraftlos dumm erlag, erlag auch er; endgültig. Und nun erblich der letzte Schein in nichts! Aufgelöst floh Raffaels holdes Antlitz aus dem Raume. Ein Funke noch, vom Fenster her, daraus es irr entglitt, – und Orest, wie eine Seele Michelangelos vergiftet, stand allein! Das Licht im Luftstrom, die schlaue Zuversicht des Freundes, die aufgeblühte Liebesglut der Schwester, wie Waffen warf er sie, die seinen Händen nicht mehr taugten, graus hinweg. Und nun ein Blick, versinkend im Morast der Martern, und wie Fontäne schoß der Irrsinn auf:

»Ja, schwinge deinen Stahl, verschone nicht,
Zerreiße diesen Busen und eröffne
Den Strömen, die hier sieden, einen Weg!«

»Tischbein!« Ohne ihn zu sehen, schob Goethe Bury von der Lehne weg, sprang auf und gab das Heft, das bebte, durch die finstere Luft Tischbein hinüber. »Lesen Sie weiter!« Tat stolpernd einen Schritt der Frau entgegen, die verzaubert saß, und ließ sich grau zu ihren Füßen nieder.

Zerrissen, bang, als läge Orest auf diesen toten Fliesen, verstrich die Pause.

»Noch einen!« flehte endlich, zaghaft, Tischbein, »noch einen reiche mir aus Lethes Fluten . . . . . .«

»Gerettet!« jauchzte Moritz, riß die Arme trunken aufwärts. »Er ist gerettet!«

Atemholen, weit und laut und tief, genoß sich scheu im Kreis. Orest gerettet! Die Erinnyen ziehen ab! Froh lärmten die Sessel, die Mienen jagten frisch den Bann weg, mild hob Angelica das tränenübergossene Antlitz aus der Hand, das Licht schwang wieder, blau der Strom des Lebens in die Fenster, in süßer Neugeburt erstand die Farbe, stieg nackter Leiber Schönheit weiß zurück.

»Laß mich zum erstenmal mit freiem Herzen in deinen Armen reine Freude haben!« las Tischbein bebend, – im selben Augenblick rief Bury brennend: »Das Antlitz Raffaels! Da! Da! Da ist es!«

»Er hat den Olymp ausgetrieben und richtet ihn nun wieder auf!« stieß Moritz atemlos den Schweizer an.

»Als ob er Raffael selber wäre!« hauchte Reiffenstein.

»Ich warte das Ende ab!« schlug Hirth beherzt den Schenkel.

»Mein Freund!« Mit einem Lächeln, das nichts von dieser Erde hatte, beugte sich Angelica dem Kauernden hinab und langte heiß nach seiner Hand. Er merkte es nicht. Sah keinen mehr. Hoch über ihnen allen las das strengbefohlne Auge in der Decke. Eine Amsel sang im Garten draußen frühlingstoll den Himmel voll. Der Widerglanz der Sonne strich mit Wogenlust von Wand zu Wand. Der Ölbaum spielte singend mit dem Feber, mit tausend Schellen klingelte das Leben. Er sah und hörte nichts. Vor seinem unerbittlich scharfgezielten Auge stieg Psyche wieder in den Strahl der Bläue. Zerriß die Finsternis von Leid, das seine blutigen Verse ihr beschieden, und nicht mit bangem Leib wie jene, die Verdammnis fürchten müssen, wenn nicht der Schein siegt, den sie täuschend lügen, trat sie den neuerweckten Göttern jetzt entgegen. Das Auge, das in einer einzigen Stunde den Zwiespalt alles Erdeseins erfahren, starkmütig in die Stirn des Zeus gebohrt, den Busen lohend von dem Trotz des Muts, vor Zeus als Seele – nicht als Psyche! – zu bestehen, rief sie befreit: »Nein! Nehmt mich nicht ein zweitesmal, nur weil ich schön bin und mich Amor liebt! Bin ich nicht wert, als was ich bin, den Sitz mit Euch zu teilen, dann stoßt mich kühn zurück! Bin ich es aber . . . . .«

Da hob sich Tischbeins Stimme hochauf zum Entschluß. Der Kampf, den noch kein Herz in Hellas ausgefochten: sterben lieber, als durch List gewinnen! – in diesem Herzen wird er frei gewagt! Die Lüge sinkt, das Wahre siegt! Wie jetzt die Götter wählen, – ist der Götter Sache!

                                          »Auf und ab
Steigt in der Brust ein kühnes Unternehmen,
Ich werde großem Vorwurf nicht entgehn,
Noch schwerem Übel, wenn es mir mißlingt;
Allein Euch leg' ichs auf die Knie! Wenn
Ihr wahrhaft seid, wie Ihr gepriesen werdet,
So zeigt's durch Euren Beistand und verherrlicht
Durch mich die Wahrheit. Ja, vernimm, o König . .«

Pfingstfest der Wahrheit? Fuhr die sichtbar zündende Zunge des Geistes nieder? Warum, getroffen im innersten Begehr der Seelen, erschauerten die Lauscher? Bläst Atem vom Geheimnis aller Welt durch die gemessenen Wände? Aus ihrer tiefsten Tiefe schluchzend losgerissen, erstand im Auge der verzückten Frau die Träne, rann süß dem Kauernden hinab, der starr zu ihren Füßen saß und sie nicht rinnen, nicht zerschmelzen sah. Denn: Psyche ward empfangen von den Göttern! Ist es Musik, die aus den Dingen in die Bilder, von den Bildern in die Dinge fließt? Faßt Menschliches und Totes der Orgasmus eines Siegs: der nackten Wahrheit? In hoher Glorie seine Wunder vorbereitend, lacht der Olymp der Lächelnden entgegen. Was schön ist auf der Erde, steigt aus Psyches Busen göttlich aufwärts. Was schön um Zeus, von Zeus' bezwungener Stirne irdisch abwärts. Und auf der Grenze zwischen Hier und Oben erschimmert Raffaels sanft verklärtes Antlitz. »Komm!« winkt es innig, »komm, du bist mein Sohn!«

Jäh auf sprang Goethe. Der Herzschlag stockte ihm. Mit versengtem Blick, halb tiefste Qual, halb höchste Lust, schwer auf den Purpurarm des Frauenthrons gestemmt, sah er empor. Wer winkt: »Du bist mein Sohn«?

»Soll ich Dir noch die Ähnlichkeit des Vaters,« las Tischbein fortgerissen, »soll ich das innere Jauchzen meines Herzens Dir auch als Zeugen der Versicherung nennen?«

Da hielt Angelica ihr Jauchzen nicht mehr. »Wer war die Gottgesegnete,« rührte sie den Entrückten an und gab ihm schamlos das Geständnis ihres Blicks, »die das in Ihnen wachrief?«

Er ließ die Lehne los. Ging wie ein Baum, der Zwang und Bann trotzschüttelnd abriß, in die Höhe. Denn Eines war jetzt klar: die Psyche, die der Vater aller Götter inbrünstig küßte und als Tochter aufnahm, – trotz aller Nacht und Dämonie in seiner Brust war: seine Psyche! »Darauf kann ich nur sagen,« stieß er wild hervor und bohrte den Strahl des endlich freigerungenen Auges in den Blick der Frau, »ich hab nur eine Existenz! Und diese hab ich diesmal ganz gespielt! Und spiele sie noch! Komme ich davon von dieser Krise, – dann: ersetz ich tausendfach, was zu ersetzen ist! Komm ich um, – dann komm ich um! Ich war ohnedies zu nichts mehr nütze! Da!« Und mit einer Hand, die von allen Schrecken des grausigen Endkampfs noch zitterte, fuhr er ins himmelblaue Kleid, riß den knisternden Brief hervor und zwang ihn der Frau in ihre ratlos stummen Hände. »Nehmen Sie das! Und wenn Sie nach Hause fahren, mittags, über den Tiber, – hinab damit! Auf Nimmerwiedersehn!«

»Lebt wohl!« rief Thoas, Sieger und Besiegter.

Er aber, leicht im ungeheuren Schweigen, das wie die Tochter dieses königlichen Abschieds dem Nachklang nachwuchs, rief gerettet: »Tischbein!«

Doch – Reiffenstein! »Exzellenz!« Auf Zitterfüßen, Arme schwenkend, lichterloh entbrannt, schoß er daher. »Ganz genau, wie Meyer es gesagt hat: der Weg vom Charakteristischen zum Schönen!«

»Und ich sag' umgekehrt,« stampfte Hirth fanatisch in den Boden: »vom Schönen zum Charakteristischen!«

»Nein!« rief besessen Moritz: »Vom Olympos in den Himmel!«

»Und wenn das wahr ist,« – Sonneblitz im Antlitz des Erlösten! – »dann: kurzentschlossen heut noch an den zweiten: vom Himmel durch die Welt zur Hölle! Komm, Tischbein!« Jung, die Arme weithin ausgebreitet, flog er an Tischbeins frohe Brust: »Mach dich bereit! Jetzt geht es nach Neapel!«

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