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Gutenberg > Raoul Auernheimer >

Gesellschaft

Raoul Auernheimer: Gesellschaft - Kapitel 6
Quellenangabe
typescene
booktitleGesellschaft
authorRaoul Auernheimer
year1910
firstpub1910
publisherEgon Fleischel & Co.
addressBerlin
titleGesellschaft
pages180
created20181213
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Ein Kuß auf der Redoute

Personen: Otto GernheimDela, seine Frau, – Albine, das Mädchen.

Herrenzimmer bei Gernheims. Ein Winternachmittag. Otto Gernheim tritt erregt ein.

Otto (zu Albine, die ihm folgt)
Rufen Sie meine Frau.

Albine
Mir scheint, die gnä Frau ist grad im Weggehn.

Otto
Dann rufen Sie sie zurück. (Albine ab; Otto zum Schreibtisch, nimmt Briefpapier und Kouvert und beginnt hastig zu schreiben.)

Dela (Straßentoilette, Hut und Muff)
Was ist denn los?

Otto (will auffahren, bezwingt sich aber und fragt mit erkünstelter Ruhe)
Du sag einmal: Schreibt man einem englischen Gentleman auf der Adresse To Mister Soundso Esquire oder einfach Mr. Soundso Esquire?

Dela (etwas befremdet)
Mister Soundso Esquire – ohne »To«. 73

Otto
Danke. (Schließt den Brief.)

Dela
Das ist alles?

Otto
Ja, du kannst schon gehen, wenn du willst . . .

Dela (argwöhnisch, was sich hinter dieser Maske verbirgt)
Wem schreibst du da eigentlich?

Otto
Einem Engländer – einem Herrn von der Botschaft. (Läutet.)

Dela
Wie heißt er?

Otto
Das ist doch gleichgiltig. (Zum eintretenden Mädchen.) Laufen Sie mit diesem Brief hinunter und geben Sie ihn sofort einem Dienstmann.

Albine
Jawohl, gnä' Herr. (Ab.)

Dela
Was für eine Verrücktheit wird wohl da wieder herauskommen? (Sie legt den Muff nieder.)

Otto (mit gespielter Gleichgiltigkeit)
Laß dich nicht aufhalten. (Steht auf.)

Dela
Also was hast du? Sag's. 74

Otto
Was ich habe? Du wirst schon merken, was ich habe . . . (Bleibt vor ihr stehen.) Ich bin kein Bub meine Liebe, ich bin ein Mann.

Dela
Daran hat ja auch niemand gezweifelt.

Otto
Nun gut – dann merk dir's.

Dela (parodistisch)
»Und halt es fest und niemand laß dir's rauben.«

Otto
Auch das.

Dela
Also willst du nicht endlich die Güte haben, mir zu sagen, was dir eigentlich fehlt?

Otto (verstockt)
Nichts.

Dela
Aber du bist doch augenscheinlich schlechter Laune.

Otto
Nach einer Redoute ist man das immer. Überhaupt der Mann.

Dela (lächelnd)
Ach so.

Otto
. . . Du gehst wohl zu einem Rendezvous? 75

Dela
Allerdings. Ich hab mit Cäcilie Rendezvous im Bristol . . . Wir wollen uns unsere Redoutenerlebnisse erzählen.

Otto
Merkwürdig, dieser Mitteilungsdrang. Mir hast du noch nichts erzählt.

Dela
Du hast mich ja auch nicht gefragt.

Otto
Es war ja auch keine Gelegenheit. Im Wagen schliefst du, nachher schlief ich, vormittags ging ich ins Bureau, mittags hatten wir Gesellschaft –

Dela
Dann gingst du spazieren.

Otto
Und jetzt, wo ich zurückkomme, gehst du aus. – Das ist unsere Ehe.

Dela
Andere Ehen sind auch nicht anders.

Otto
Wenn du glaubst, daß das ein Trost ist –

Dela
Also was wünschst du zu wissen?

Otto
Ich wünsche vor allem zu wissen, wie du dich gestern auf der Redoute unterhalten hast. 76

Dela
Danke – famos.

Otto
Das weiß ich. Aber mit wem?

Dela
Mit einer ganzen Menge Herren.

Otto
Zum Beispiel?

Dela
Zum Beispiel mit dem Direktor Neugebauer. Du, dem hab ich seine ganze Geschichte mit der Morawitz erzählt. Er war wütend.

Otto
Gut, das war um halb zwölf . . . Aber nachher?

Dela
Nachher hab ich dann den Hofrat Kurz intrigiert. Er hat mich natürlich wieder gleich erkannt –

Otto
Das war um zwölf. Was war später?

Dela (sich besinnend)
Später – ja später hab ich mit Cäsar Frank sehr angenehm geplauscht.

Otto
Um halb drei.

Dela
So was. 77

Otto
Jetzt fragt sich nur, was du in der Zwischenzeit gemacht hast.

Dela
In der Zwischenzeit?

Otto
Zwischen zwölf und halb drei nämlich.

Dela
Gott –

Otto
Man hat dich nämlich die ganze Zeit im Saale nicht gesehen.

Dela
Natürlich. Wir sind ja oben auf der Galerie gesessen.

Otto
Wer – wir?

Dela
Ich und – ein Herr.

Otto
Aha . . . Ihr seid gesessen, sagst du?

Dela
Die ganze Zeit.

Otto
In einer Loge.

Dela
In einer Art – 78

Otto (aufbrausend)
Hab ich dir nicht ausdrücklich verboten, in einer Loge –? Da habt ihr wohl auch Champagner getrunken?

Dela
Ich nicht.

Otto
Was denn?

Dela
Gießhübler. (Beteuernd.)
Bitte, es ist eine Flasche Gießhübler auf dem Tisch gestanden!

Otto
Und unterm Tisch Champagner.

Dela
Er hat natürlich Champagner getrunken.

Otto
Und du – Gießhübler?

Dela
Alle Frauen der Gesellschaft machen das so. Ich bitt dich, man kann einem Herrn doch nicht verbieten, Champagner zu trinken – für sein Geld. Die Hauptsache ist nur, daß man nicht mittrinkt.

Otto
Freilich, das ist die Hauptsache.

Dela
Natürlich, die Leute, die vorübergehen, glauben dann manchmal – Ich bitt dich, die Welt urteilt nach dem Schein. 79

Otto (sardonisch)
Und übersieht den Gießhübler . . . Wer war denn der Herr?

Dela
Ein – Engländer.

Otto
Wie heißt er?

Dela
Das ist doch gleichgiltig.

Otto
Nenn mir seinen Namen.

Dela
Du bist so komisch – Ich weiß ihn nicht. Mir ist das ganz egal, wie einer heißt, auf der Redoute. Die Hauptsache ist, daß er sich anständig benimmt und lustig ist.

Otto
Und das ist Sir Richard Randolph?

Dela
Richard Randolph?

Otto
Esquire!

Dela
Du hast ihm geschrieben?

Otto
Mit deiner gütigen Erlaubnis.

Dela
Ich hab's ja gewußt, du wirst eine Dummheit machen. 80

Otto (auffahrend)
Mein liebes Kind, wenn du willst, daß ich keine Dummheiten mache, dann laß du dich auf der Redoute nicht küssen.

Dela
Wie? Ich hätte mich –?

Otto
Deine eigene Tante hat dich gesehen.

Dela
Adamine!

Otto
Sie hat es mir vor einer Stunde erzählt. Beides.

Dela
Beides?

Otto (nickt)
Den Champagner in der Loge und den Kuß im Stiegenhaus.

Dela
Im Stiegenhaus gar!

Otto
Beim Hinuntergehen, auf dem letzten Absatz. Sir Richard schlang den Arm um deine Taille und zog dich hinter den Pfeiler, du aber –

Dela
Ich?

Otto
Ließest dich ziehen. 81

Dela
Und sonst nichts?

Otto
Was heißt das: Sonst nichts?

Dela
Ich meine, sonst hat sie nichts gesehen, die gute Tante Adamine?

Otto
Nein, sonst nichts. Aber sie sagt, nicht mit Unrecht, daß eine Frau, die sich in einer solchen Situation hinter einen Pfeiler begibt –

Dela
Das sieht der Tante Adamine ähnlich – diese Argumentation.

Otto
Was hast du darauf zu erwidern?

Dela
Ich habe zu erwidern, daß eine alte Person, wie die Tante Adamine, bei Nacht in ihr Bett gehört und nicht auf die Redoute.

Otto
Das geht nur die Tante Adamine und ihren Mann an.

Dela
Und überhaupt sind sie doch gar nicht in den Verhältnissen.

Otto
Was ist es mit dem Kuß? 82

Dela
Ach was, Blödsinn.

Otto
Er hat dich also nicht geküßt?

Dela
Tante Adamine gibt ja selbst zu, daß sie es nicht gesehen hat.

Otto
Wegen des Pfeilers. – Übrigens hat sie gesehen wie er den Arm um deine Taille legte.

Dela
Als ob man das nicht auch beim Tanzen täte?

Otto
Man tanzt aber nicht in einem Stiegenhaus.

Dela
Und warum nicht? Ein Walzer setzte ein, Sir Richard war übermütig, er legte den Arm um meine Taille ich bog mich zurück – und im selben Augenblick ging Tante Adamine durch die Garderobe.

Otto
Mit einem Wort: Gießhübler! Ich glaub's aber nicht. Ich halte mich an den Champagner. Und darum habe ich dem Sir Richard soeben einen Brief geschrieben – einen Brief, den er nicht im Gelbbuch veröffentlichen wird.

Dela (blaß)
Du hast dem Sir Richard –? 83

Otto (nickt)
Richard Randolph Esquire. – Genau wie man einem Gentleman schreibt.

Dela
Und der Inhalt?

Otto
»Sir, Sie sind kein Gentleman!« Das und meinen Namen – nichts weiter. Englische Kürze im Ausdruck. Time is money

Dela
Das hast du geschrieben?

Otto
Ich, Otto Gernheim, Metallwaren en gros. Jawohl.

Dela
Und weißt du, was die Folge sein wird?

Otto (mit Haltung)
Ein Duell.

Dela
Natürlich. Sir Richard wird sich wegen solch eines Blödsinns schlagen.

Otto (mit der Würde eines Reserveoffiziers)
Wenn er sich nicht schlägt, ist er ein Wicht.

Dela
Er ist ein Wicht. Verlaß dich drauf. Aber du bist jedenfalls ein Narr. Du hast dich mit diesem Brief lächerlich gemacht. (Rasch.) Vor allem, weil Sir Richard jetzt doch wenigstens weiß, wen er ge – mit wem er getanzt hat. Im Stiegenhaus, mein ich. 84

Otto
Und das hat er bisher vielleicht nicht gewußt?

Dela
Gewiß nicht. Er hatte keine Ahnung.

Otto
Wofür hast du dich denn ausgegeben?

Dela (einfach)
Für eine Kokotte.

Otto (höhnisch)
Und er hat dir geglaubt?

Dela (beleidigt)
Mein Kind, du hältst mich wohl für eine Dilettantin. (Pause.)

Otto
Ja dann –! Das, muß ich sagen, ändert die Sache allerdings.

Dela (triumphierend)
Nicht wahr?

Otto
Denn, wenn er dich für eine zweifelhafte Person hielt –

Dela
Für eine unzweifelhafte, bitte.

Otto
Dann konnte er eigentlich gar nicht anders.

Dela
Gewiß konnte er nicht anders. 85

Otto
Und man könnte ihm füglich keinen Vorwurf machen, selbst wenn er dich wirklich geküßt hätte –

Dela
Was er doch gar nicht hat. –

Otto
Denn im Grunde hat er dann ja doch eine andere geküßt.

Dela
Natürlich – eine andere . . . Du müßtest dich eigentlich bei ihm entschuldigen.

Otto
Eigentlich ja.

Dela (nach kurzem Besinnen)
Weißt du was? Geh hin.

Otto
Ich? Zu Randolph? Zu dem Mann, der dich geküßt hat?

Dela (zornig)
Er hat mich doch gar nicht geküßt.

Otto
Nun gut. Aber das ist doch auch noch kein Grund, ihn zu besuchen.

Dela
Es ist ein Grund – nach dem Brief, den du ihm geschrieben hast! Ich glaube, daß du als Gentleman zu diesem Besuch geradezu verpflichtet bist. 86 Wenn man jemand grundlos beleidigt hat – grundlos jawohl! Sir Richard Randolph verkehrt bei Cäcilie, du kannst ihm heute oder morgen dort begegnen. Wenn du dich nicht entschuldigst, wird er dich einfach schneiden.

Otto
Mit Recht.

Dela
Eine persönliche Aussprache applaniert so eine Sache am raschesten . . . Übrigens, da fällt mir ein, er hat dich ja unlängst bei Forsts sogar eingeladen, dir seine beiden Foxeln anzuschauen, weil du doch so ein Hundefreund bist.

Otto
Ja, das ist wahr.

Dela
Na, siehst du, du schaust dir einfach seine Foxeln an – und bringst bei dieser Gelegenheit die Geschichte mit dem Brief in Ordnung.

Otto
Du glaubst, das geht?

Dela (kategorisch)
Alles geht!

Otto
Na, dann, schließlich, wenn du meinst . . . Ich geh ohnehin in den Klub, da kann ich im Vorbeigehen – (Sich ermannend, sehr streng) Aber das eine sag 87 ich dir, es ist das letzte Mal! Und – daß mir die Geschichte keine Folgen hat!

Dela (fröhlich)
Ein Kuß auf der Redoute hat niemals Folgen . . . Aber – (ernst) ein Jackett mußt du nehmen.

Otto
Das ist wieder ganz überflüssig, daß du mir das sagst. Wie man sich anzieht, das weiß ich. (Gekränkt und mit Würde ab.)

Dela (läutet, geht dann zum Spiegel und nimmt den Hut ab; zum eintretenden Mädchen)
Ich bleibe zu Hause! (Gibt ihr Hut und Jacke.) Ist der gnädige Herr schon fort?

Albine
Ich glaub, er ist g'rad im Weggehn.

Dela
So? Danke. (Setzt das Tischtelephon in Betrieb.) Ich brauche Sie nicht mehr. (Albine ab.) Hallo! Ja? (Nennt eine Nummer.) Ja . . . Bitte, ist Herr Richard –? Ah! Sie sind es selbst! Hier blauer Kimono mit Chrysanthemen – blauer Kimono, jawohl. Sie sehen, ich halte Wort . . . O danke, ganz gut. Und Sie? . . . Nein, bitte, nicht du: Sie. Jetzt ist es Tag. Dämmerung, sagen Sie? (Lustig) Nun ja, meinetwegen . . . Zwischen Du und Sie – aber mehr Sie . . . Denken Sie nur, man hat uns gesehen, gestern beim Hinuntergehen, im Stiegenhaus . . . Nun, erschrecken Sie nicht, ich bin ja verheiratet. 88 (Logisch fortfahrend) Und infolgedessen ist mein Mann bereits unterwegs zu Ihnen. Um Sie zu fordern? Ach nein, um sich zu entschuldigen. (Erstaunt) Weshalb? Nun, wegen des Briefes. Wegen des Briefes, sage ich . . . Ah, Sie haben ihn noch gar nicht erhalten. Um so besser. Ich bitte Sie nur, jedenfalls meinen Mann zu empfangen. Ich wünsche es, jawohl . . . Ach so, wie er heißt: Gernheim, Otto Gernheim. Fabrikant, jawohl. (Befremdet) Wie sagen Sie, ob mein Mann auch nach England exportiert? Nein . . . Sie brauchen keine Angst zu haben. Es rentiert nicht . . . Bitte, wir werden uns freuen. Jeden dritten Dienstag, nach fünf . . . Ja, das ist nächste Woche . . . Schön . . . Also dann auf Wiedersehen. – (Lachend) Esquire – (Geräusch im Vorzimmer) Good bye! (Sie läutet hastig ab; Gernheim tritt ein) Wie? Schon zurück?

Otto (im Jackett, einen Brief in der Hand)
Da. – Die Albine hat den Brief einfach im Vorzimmer liegen lassen. Also was sagst du zu der Nachlässigkeit?

Dela
Unglaublich!

Otto
Glücklicherweise macht's ja nichts – diesmal. Im Gegenteil. Jetzt brauch ich ihn wenigstens nicht zu besuchen.

Dela (kleinlaut)
Ja, aber jetzt wird er uns besuchen. 89

Otto
Er uns?

Dela
Ich hab ihn nämlich soeben eingeladen. Telephonisch.

Otto (schöpft Argwohn)
Oh!

Dela
Na ja, wenn man von jemandem eine Gefälligkeit verlangt, muß man ihn auch einladen.

Otto
Was für eine Gefälligkeit?

Dela
Aber, daß er dich empfängt! Oder glaubst du vielleicht, daß es genügt, einem Attaché einen groben Brief zu schreiben, um von ihm empfangen zu werden? Mein Kind, derlei ist in der diplomatischen Welt nicht Sitte.

Otto (giftig)
Er wird also bei uns verkehren.

Dela
Das Unglück! EinDiplomat! . . . Ich bitt dich, anders besucht einen so ein Herr ohnehin nicht.

Otto
Was heißt das: Anders?

Dela
Ich mein – ohne Redoute.

Otto
Ach so! Na, er soll nur kommen. – Ich werd ihn einfach nicht empfangen. (Nimmt eine arrogante Pose an.) 90

Dela
Bitt dich gar schön. Wer weiß, kommt er. Solche Herren sind bekanntlich sehr diffizil.

Otto (aufgebracht)
Diffizil! Ach so, du meinst, weil wir bloß – Fabrikanten sind. Nun, im Automobilklub bin ich trotzdem. Und der Fürst Trautenbach sagt mir auf der Gasse »Servus!« – vor Leuten. Übrigens kommt ja auch der junge Herr von Flattau zu uns.

Dela
Zu mir.

Otto (höhnisch)
Ja, das sagt er dir, aber mir sagt er, daß er zu mir kommt . . . Ich würde es deinem Attaché nicht raten, deine Einladung zu ignorieren. Weißt du, was ich dann täte? Seinen Gruß würd ich nicht mehr erwidern.

Dela (sieht ihn lächelnd an)
Also, wenn er kommt, empfängst du ihn nicht, und wenn er nicht kommt, bist du beleidigt. (Kopfschüttelnd) Ein komisches Volk seid ihr Männer.

Otto (heftig)
Ihr Frauen. An dieser ganzen Geschichte bist ja doch wieder nur du schuld.

Dela (ruhig)
Dein blöder Brief ist schuld.

Otto (sich immer mehr erhitzend)
Deine dumme Koketterie! . . . Der Kuß auf der Redoute. – 91

Dela (immer ruhiger)
Den ich ihm nicht gegeben habe –

Otto (fortfahrend)
Der hat erst diesen Brief veranlaßt –

Dela (heiter)
Den du ihm nicht geschickt hast . . . Ich denke, wir wären quitt.

Otto (außer sich)
Nein, das sind wir eben nicht! Das willst du mir bloß einreden, daß wir quitt sind, jetzt, nachdem ich dir nach dem Kuß auf der Redoute auch noch das dazugehörige Rendezvous verschafft habe . . .! Ach, was macht ein Mann mit, der eine Frau hat, die auf Redouten geht . . . (Faßt sich) Aber ich weiß, was ich tue . . . Ich mache dem Skandal ein Ende. Ich dulde diese Wirtschaft nicht länger! Wenn – (plötzlich sanft) wenn ich einen Brief schreibe, so muß er auch bestellt werden. – Auf der Stelle entlaß ich jetzt das Mädchen! (Wirft den Brief auf den Schreibtisch und geht entschlossen ab.)

Dela (schaut ihm nach, geht dann zum Schreibtisch, nimmt den Brief in die Hand, besieht ihn prüfend und erbricht ihn schließlich) Dacht ich's doch: Leer! . . . (Schwingt lachend das leere Blatt. – Draußen hört man Otto mit dem Mädchen schreien.) 92

 


 

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