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Geschichten aus schweren Zeiten

: Geschichten aus schweren Zeiten - Kapitel 4
Quellenangabe
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typenarrative
authorVerschiedene Autoren
titleGeschichten aus schweren Zeiten
publisherVerlag von Holland u. Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Der Pfarrer zu Reinsberg.

Ums Jahr 1430 kam die Frau des Ritters von Bemberg im Hällischen auf ihrer Reise vom Wildbade nach Hause mit etlichen Pferden bei Nacht vor das Tor des Klosters Komburg bei Hall und begehrte Herberge. Der Abt stand unter dem Schutze der Reichsstadt und war nicht zugegen. Sein Vikar wagte nicht, in den gefährlichen Zeiten bei Nacht sein Kloster zu öffnen und riet also der Rittersfrau, sie solle vollends nach Steinbach oder Limburg reisen und dort übernachten, was sie da verzehre, werde er bezahlen. Sie ließ sich bereden, war aber voll Unwillen. Zum Unglück warf der Kutscher beim Weiterfahren in der Dunkelheit den Wagen um, und die adelige Dame brach dabei den Arm. Als sie nun heim nach Bemberg gekommen, führte sie bei ihrem Gemahl bittere Klagen über die zu Komburg. Der Ritter suchte hinfort dem Kloster auf alle Weise zu schaden. Als der Priester zu Reinsberg mit Tod abging, erlangte ein Mann aus dem Anspachischen die Stelle, auf die ihn der Papst ernannte, während der Abt von Komburg, der das Ernennungsrecht für sich in Anspruch nahm, eines Salzsieders Sohn aus Hall auf die Pfarrei setzte. So kam es zum Streit. Die Haller aber wollten sich nicht dareinmischen. Da, an einem Sonnabend, nahm der vom Abt eingesetzte Priester, dem der Anspachische den Einzug in Reinsberg gewehrt hatte, mehrere Leute von Hall mit sich, brach in das Pfarrhaus zu Reinsberg ein, bemächtigte sich des Pfarrers und wollte ihn unter Vorzeigung seiner Ernennungsurkunde zwingen, auf die Stelle zu verzichten. Da er sich dessen weigerte, schleppten sie ihn fort an den Fluß Bühler und drohten ihn zu ersäufen, wenn er nicht von seinem Recht abstehe. Der anspachische Pfarrer blieb standhaft. Da warfen sie ihn in den Fluß, indem sie ihn an einem Seil im Wasser auf- und niederzerrten, bis er seinen Geist aufgab. Von da an hieß der Ort im Flusse (zwischen Scheffach und Horsau) der Pfaffengumpen.

Die Bewohner von Reinsberg hatten bei dem ganzen schlimmen Handel nicht das geringste getan. Aber der Ertränkte hatte einen Bruder, der ein Untertan des Ritters von Bemberg war. Dieser Edelmann nahm sich der Sache an, fiel mit einigen Reitern und seinen aufgebotenen Bauern in das (hällische) Dorf Reinsberg ein, plünderte es und warf sogar die Kranken aus ihren Betten und ließ den Bauern alle Eier zertreten. Die von Hall und Komburg erfuhren es zeitig genug und gingen auf ihre Feinde los, die sie noch auf frischer Tat ertappten. Sie töteten einige derselben und nahmen 21 gefangen und henkten sie Anno 1435 den Tag nach St. Nikolai alle miteinander auf einmal auf.

Da mischte sich auch der Markgraf von Anspach in die Händel; er und der Bemberger hausten übel im Gebiet der Städte, die mit Hall im Bündnis standen.

In diesem Kriege gingen die Städte eines Tages mit starkem Volke (darunter 600 Reitern) auf den Marktflecken Mundelsheim am Neckar los und brannten ihn aus dem Grunde nieder.

 

F. H.

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