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Geschichten aus schweren Zeiten

: Geschichten aus schweren Zeiten - Kapitel 38
Quellenangabe
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typenarrative
authorVerschiedene Autoren
titleGeschichten aus schweren Zeiten
publisherVerlag von Holland u. Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Im Sünderturm zu Biberach.

Noch am Anfange des 19. Jahrhunderts lebte das Räuberwesen zeitweise wieder auf. Als Napoleon niedergezwungen und nach St. Helena verbannt war, kam der langersehnte Friede. Aber das Volk erholte sich nur langsam, die Wunden, die der Krieg geschlagen hatte, waren zu tief, und es wollten auch in Oberschwaben lange nicht Ruhe und Ordnung sich einstellen. Allerlei Gesindel zog durch die Gegend und – begünstigt durch die großen Wälder – bildeten sich verschiedene Räuberbanden. Sie zogen durch die Wälder und Einöden Oberschwabens und lebten vom Betteln und Stehlen, Wer ihnen gutwillig das Verlangte gab, dem fügten sie nicht leicht ein Leid zu; wer sie aber abwies, den bedrohten und mißhandelten sie, brannten ihm das Haus nieder, und nicht selten kam es gar zu Mord und Totschlag. Mit den Wirten im Vogel-, Bergen- und Storchenhaus standen sie auf vertrautem Fuß; diese gaben ihnen Unterschlupf und kauften ihnen die gestohlenen und geraubten Gegenstände ab. Das Haupt einer dieser Banden war Xaver Hohenleiter aus Rommelsried in Bayern, der »schwarze Veri« genannt. Lange dauerte es, bis es gelang, ihn mit seiner Bande gefangenzunehmen. Veri wurde im Ehinger Torturm eingekerkert. Er wurde an schwere Ketten gefesselt, die durch eine Öffnung in der Wand in den Gang hinausreichten und dort befestigt waren, so daß der Wächter sich jederzeit durch Ziehen an der Kette vergewissern konnte, ob der Gefangene noch an der Kette sei.

Am 20. Juli 1819 zog ein schweres Gewitter am Horizont herauf. Veri höhnte Gott und die Menschen und schrie: »Wenn nur der Blitz einmal in dieses verfluchte Loch schlüge!« Kaum hatte er ausgesprochen, so fuhr ein Blitzstrahl in den Turm, sprang auf die Ketten Veris über, zuckte über seine Brust und schlug ihm auf der andern Seite den Arm entzwei. Veri war auf der Stelle tot. Der Strahl hatte nicht gezündet. Schnell befreite man die anderen Gefangenen, die entsetzlich schrien. Veri wurde an der Kette die Treppe herabgeschleppt und durch eine Pfütze auf der Straße gezogen, um seine brennenden Kleider zu löschen. Im Angesicht des Toten hielt der Richter an die Bande des Veri eine eindringliche Rede über das an ihrem Führer vollzogene Gottesgericht, die aber ihre Wirkung verfehlte.

 

Nach Günthert, Erinnerungen eines Schwaben von A. K.

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