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Geschichten aus schweren Zeiten

: Geschichten aus schweren Zeiten - Kapitel 23
Quellenangabe
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typenarrative
authorVerschiedene Autoren
titleGeschichten aus schweren Zeiten
publisherVerlag von Holland u. Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Der Pfarrer von Holzgerlingen.

In alten Papieren ist folgendes zu lesen: Dienstag, den 9. September (1634) sind die Feinde in Holzgerlingen eingefallen und haben alsbald den Pfarrer gefangen, an ein Roß gebunden, durch die Gassen auf das Feld hinausgeschleift, jämmerlich geschlagen und ihr »Lustspiel« mit dem guten, alten Manne gehabt, indem sie ihn auf den Kopf gestürzt, seine beiden Füße auseinandergerissen und über und durch ihn hingeritten sind. Nachdem sie ihn lange genug jämmerlich und erbärmlich gemartert, haben sie ihn auf dem freien Felde liegen lassen, in der Meinung, er sei tot. Zwei Frauen von Holzgerlingen fanden den Mann liegen und trugen ihn voll Erbarmen ins Dorf zurück, wo zwei Männer ihn aufnahmen und ins Pfarrhaus trugen. Man verband seine Wunden, und er kam wieder zu sich und konnte reden und erzählen, wie die gottlosen Menschen mit ihm umgegangen seien. Geduldig trug er sein Leiden bis zum Mittwoch, den folgenden Tag, wo er nachts um 10 Uhr selig verschieden.

Indessen ruhten die Feinde nicht. Vier Tage nacheinander, selbst während der Tote dort lag, drangen sie ins Pfarrhaus ein und mißhandelten die Pfarrerin, von der sie Geld erpressen wollten. Die arme Frau war vor Entsetzen ratlos und völlig von Sinnen. Um Gnade zu erlangen, sagte sie sogar den rohen Menschen, ihren Peinigern, sie habe den Pfarrer, ihren Mann, vollends umgebracht, aber Geld habe sie nicht. Da hieben die Soldaten mit ihren Säbeln auf sie ein, daß sie ihr völlig den Kopf zerhackten. So starb sie zwei Tage nach ihrem Manne. Beide wurden am Samstag, den 13. September, in ein Grab, doch ohne alle Feierlichkeit, begraben.

Der Pfarrer war 77 Jahre alt und hatte das Pfarramt 54 Jahre lang verwaltet. Er hinterließ 8 Kinder und war so arm, daß er nicht einmal ein paar Gulden im Haus hatte.

 

F. H.

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