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Geschichten aus schweren Zeiten

: Geschichten aus schweren Zeiten - Kapitel 2
Quellenangabe
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typenarrative
authorVerschiedene Autoren
titleGeschichten aus schweren Zeiten
publisherVerlag von Holland u. Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Die Belagerung Ulms im Jahre 1376.

Am 4. Juli 1376 traten »auf den Rat eines weisen Bürgermeisters von Ulm« die Gesandten von 14 Städten in Ulm zusammen und schlossen den schwäbischen Städtebund, in dem sie sich verbindlich machten, »einander beizustehen und behilflich zu sein gegen jedermann, der sie bekümmern, angreifen oder von ihren Rechten und Freiheiten drängen würde. Auch wenn eine Forderung geschehe von dem Kaiser, so solle keine Stadt darin handeln ohne die andern Städte.« Kaiser Karl war sehr entrüstet über den angedrohten Ungehorsam. Um den Widerstand der Städte zu brechen, zog er anfangs Oktober 1376 mit einem starken Heer vor Ulm, begleitet von vier Bischöfen und vielen weltlichen Herren, auch dem Grafen Eberhard, dem Greiner. Er verheerte von Elchingen aus, wo sich auf einer Wiese gegen die Donau das Hauptlager befand, das Ulmer Gebiet. Da die Stadt nicht nachgab, schloß Karl IV. einen Waffenstillstand und brach nach Nürnberg auf.

Über diese Belagerung hat der Ulmer Chronikschreiber Sebastian Fischer folgendes berichtet: »Als man zählte 1376 Jahr, legte sich der Kaiser vor Ulm, und bei Elchingen schlug er seine Wagenburg auf. Als der Kaiser etliche Reiter und Grafen schickte gen Ulm, daß sie ihm Herberge bestellen, wollten die von Ulm sie nicht einlassen, denn er kam nicht als Kaiser, sondern als Zerstörer ihrer Freiheiten. Als nun die vor den Kaiser kamen, ließ er die Stadt umlegen mit dem Adel, unter denen war Graf Eberhard von Württemberg; der sagte dem Kaiser, Ulm müßte ihnen eine Morgensuppe sein.

Da aber der Kaiser länger als einen Monat davor lag, rief er den Grafen zu ihm und gebot, daß man alle Straßen absperre, damit man ihnen nichts zuführen könnte, und daß sie sich aus Hungersnot müßten ergeben. Da es aber die von Ulm vernahmen, daß in der Küche des Kaisers Mangel an Spezerei sei, schickten sie die Knechte und Mägde der Krämer mit Spezerei hinaus, und für die Küche des Kaisers gaben sie es umsonst, aber den andern verkauften sie die Spezerei und das ander Ding. Als nun das vor den Kaiser kam und vor die Kaiserin, die auch gegenwärtig war mit einem jungen Kind, begehrte diese zu besehen die Stadt und ging also bei Elchingen auf den Berg. Da es die Ulmer vernahmen und inne wurden, sandten sie alsbald heimlich Schützen hinaus, die sie hinwegtrieben. Sobald sie zum Kaiser kam, fragte sie der, wie ihr die Stadt gefiel, antwortete sie: ›Das Nest war gut, aber die Vögel darin waren bös‹, und sagte, wie es ihr ergangen wäre. Der Kaiser hat sich der Keckheit dieser Burger verwundert und rief zu ihm einen Knecht, der die Spezerei aus der Stadt gebracht hatte, und fragte ihn, wer die Regierer dieser Stadt wären und wie sie hießen. Antwortete ihm der Knecht, sie wären Einwohner der Stadt und allezeit bereit, ihr Leben zu verlieren für den gemeinen Nutzen, und einer heißt Habfast, der andere Kraft, der dritte Besserer. Antwortete ihm der Kaiser: ›Wahrlich sind dies 3 herrliche Namen, ist kein Wunder, daß sie sich auch unerschrocken erzeigen.‹ Alsbald begehrte der Kaiser von denen von Ulm einen Tag des Friedens auf einem Ort vor der Stadt, darauf man stechen und scharf rennen möchte, darein die von Ulm willigten. Und da war einer aus der Stadt, genannt Ströle, der stach alle, die auf des Kaisers Seite waren, von den Pferden. Und die von Ulm hatten auch verordnet, daß alle Bäcker das Brot noch einmal so groß backen sollten als vorher, und wer also aus der Stadt gehen wollte, es wäre Mann oder Frau oder Kinder, die sollten es tun; und hatten verordnet, daß eines jeglichen Kind, es wäre reich oder arm, so es aus der Stadt gehen wolle, das Turnier zu sehen, ein Pfennigbrot in seine Hand gegeben werde. Als nun die auf des Kaisers Seite waren, erkannten, daß ein so groß Brot nur einen Pfennig galt, waren sie ganz kleinmütig und sagten es dem Kaiser, es wäre noch kein Mangel in der Stadt und zeigten ihm das Brot. Und des zu einem ewigen Gedächtnis ordneten die von Ulm, daß in ewiger Zeit künftighin eine Spende soll ausgegeben werden auf St. Johannis- und Paulstag allen Kindern, sie wären reich oder arm. Darnach bald hätten die von Ulm gern ein End gesehen und ordneten viel Flöße zusammen, und in der Nacht überfielen sie des Kaisers Volk, das ohne alle Sorge war und des keine Vorsicht hatte und brachten sie in eine Flucht und nahmen ihnen alle Büchsen und Zeug, die sie hinter ihnen ließen. Es hat sich auch darnach niemand mehr unterstanden, denen von Ulm ihre Freiheit zu nehmen. So ist die Belagerung der Stadt Ulm geschehen im Jahr 1376.«

Am 30. Juni 1377 legten die Ulmer den Grundstein zu ihrem gewaltigen Münster. Wahrlich, sie hatten viel Mut und Selbstvertrauen, diese Städter in jenen Zeiten!

 

E. K.

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