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Geschichte Giafars des Barmeciden - Band 1

Friedrich Maximilian Klinger: Geschichte Giafars des Barmeciden - Band 1 - Kapitel 9
Quellenangabe
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typefiction
authorFriedrich Maximilian Klinger
titleGeschichte Giafars des Barmeciden - Band 1
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
seriesF. M. Klingers Ausgewählte Werke
volumeDritter Band.
year1879
firstpub1791 - 1793
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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3.

Unter der Menge, die sich zu ihm drängten und durch Schmeicheleien, knechtische Unterwerfung seine Gunst suchten, zeichnete sich vornehmlich sein erster Verschnittener, Asuph, aus. Da er sehr früh seine Schooßneigungen ausgespürt hatte, so gelang es ihm vor allen, den Weg zu seinem Herzen zu finden und sein Zutrauen zu gewinnen. Er fing damit au, daß er den neuen Vizir mit allen seinen Feinden, ihrer Bedeutung, ihrem Anhange, ihrer Gefährlichkeit und ihren Entwürfen bekannt machte. Da er fühlte, daß er auf dem rechten Wege war, so ging er noch einen Schritt weiter und zeigte ihm, daß eben diese seine Feinde alle Hasans Freunde wären und ihm sein Glück und Dasein zu danken hätten, folglich nichts mehr wünschten, als er möchte wieder in die Höhe kommen. Uebrigens bedauerte er jederzeit mit vielen Seufzern den Barmeciden wegen der Hindernisse, die ihm Hasans Anhang in den Weg legen würde, um seine erhabenen Absichten zu vereiteln. Giafar war nun gezwungen, wenn er seinen großen Plan nicht wollte scheitern sehen, einen nach dem andern von diesen gefährlichen Leuten zu entfernen. Ihre Stellen besetzte er mit Männern, deren Verdienst sein heller, unbestechlicher Verstand erkannt zu haben glaubte, wobei aber doch einige Rücksicht auf den Haß und die Verfolgung, die sie unter Hasan erlitten hatten, genommen ward. Der Verschnittene spielte hierbei keine kleine Rolle. Da diese nun so lange im Staube hatten kriechen müssen, so lange sie von der Quelle, Reichthümer zu sammeln, weggedrückt waren, sich obendrein an ihren Verfolgern zu rächen hatten, so traten sie nun wieder, was ihnen vorkam, fielen wüthend über ihre Feinde her und sogen das ihnen anvertraute Volk wie Raubvögel aus, die sich eilen, die erjagte Beute zu verschlingen, bevor ein Stärkerer sie verdrängt. Das Volk wunderte sich gewaltig, daß es der Barmecide, von dem sie goldne Tage erwarteten, gerade so machte, wie seine Vorgänger, wurde lauer in seinem Zuruf und erlaubte sich schon lautes Murren. Der Barmecide fühlte seine edlen Grundsätze, schritt wacker vorwärts und achtete weder der Klagen noch des Murrens: »Der soll noch geboren werden,« sagte er zu seinem Verschnittenen, »der es dem Volke lange recht macht. Undank ist sein Lohn. Es erhebt aus Neuerungssucht und wirft aus Laune weg. Beharrlichkeit und Stärke gehören dazu, wenn man für sein Glück arbeiten will – Asuph, später wird's schon reifen!«

Herrliche Gemeinplätze, über die manches Land geweint hat! – Das Glück schloß Giafarn noch zärtlicher in seine Arme, wiegte ihn noch sanfter mit seinem Sirenengesang ein.

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