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Geschichte Giafars des Barmeciden - Band 1

Friedrich Maximilian Klinger: Geschichte Giafars des Barmeciden - Band 1 - Kapitel 8
Quellenangabe
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typefiction
authorFriedrich Maximilian Klinger
titleGeschichte Giafars des Barmeciden - Band 1
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
seriesF. M. Klingers Ausgewählte Werke
volumeDritter Band.
year1879
firstpub1791 - 1793
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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2.

Giafar fing nun in dem Sinne Ahmets seine Staatsgeschäfte an und arbeitete mit Eifer an der moralischen Harmonie in Indostan. Er machte gleich anfangs einige so glückliche Operationen, daß ihn, wo er sich auch zeigte, Freudengeschrei empfing, und der Zuruf: Segen dem Barmeciden! Dank dem weisen Ahmet! folgte ihm bis in den Palast Seiner Majestät, welche es ohnerachtet der Grimassen seines Lieblings-Verschnittenen mit Gefallen hörte. Der Name Ahmets erweckte indessen immer eine unangenehme Empfindung in Giafarn, und obgleich es ihm gefiel, daß man ihn als einen Freund des weisen Ahmets ansah, so gefiel es ihm doch nicht, daß sich das Volk seiner so lebhaft erinnerte. Daher mag es auch kommen, daß die Großen oft lieber etwas Dummes oder Böses allein thun, als daß sie den Ruhm, etwas Gescheites oder Gutes mit Hülfe Andrer gethan zu haben, theilen mögen.

Dem Kaiser ließ er, seinem Versprechen gemäß, ein prächtiges Vogelhaus in seinem Lustwäldchen bauen und schickte obendrein seine Verschnittenen nach allen Gegenden aus, um durch Gesang und Gefieder merkwürdige Vögel aufzusuchen. Er betrieb dieses Geschäft mit vielem Eifer; denn die Worte Seiner Majestät in Ansehung des Vizirs sausten ihm immer in den Ohren. Gleichwohl vergaß er nicht seiner Pflicht und versäumte keine Gelegenheit, den Monarchen von Staatssachen und den Mitteln, ein Volk glücklich zu machen, zu unterrichten; auch gelang es ihm bald, die eingeschlafenen guten Eigenschaften desselben aufzuwecken und ihn auf Dinge aufmerksam zu machen, an die er vorher nie gedacht hatte. Zu Zeiten dünkte ihm doch, der Kaiser fasse Das, was er ihm sagte, mit zu vielem Feuer und Kraft, und wenn dieses geschah, so suchte er ihn weislich durch Bemerkungen über die Menschen, die Schwierigkeit, sie zum Guten zu leiten, abzukühlen; denn sein Herz lispelte ihm zu: der Verstand seiner Indostanischen Majestät sei noch lange nicht reif genug, seinen Plan zu begreifen, und sollte er sich zu früh in die Geschäfte mischen, so könnte leicht das Gute und Edle desselben durch seine Unwissenheit zerrüttet werden.

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