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Geschichte Giafars des Barmeciden - Band 1

Friedrich Maximilian Klinger: Geschichte Giafars des Barmeciden - Band 1 - Kapitel 6
Quellenangabe
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typefiction
authorFriedrich Maximilian Klinger
titleGeschichte Giafars des Barmeciden - Band 1
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
seriesF. M. Klingers Ausgewählte Werke
volumeDritter Band.
year1879
firstpub1791 - 1793
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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6.

Giafars Geister waren erwacht. Das stolze Zutrauen auf sich, die glänzenden Lagen der künftigen Thätigkeit, die ihm Ahmet beim frugalen Abendessen vormalte, seine reine, uneigennützige Neigung zum Guten, seine glühende Begeisterung für das Wohl der Menschen, seine Hoffnung, es noch befördern zu können, hatten allen Groll und Trübsinn verschlungen. Er eröffnete seiner kleinen Fatime sein Vorhaben. Die Mutter weinte, Fatime erblaßte, und Ahmet stellte ihnen diese Reise als das einzige Mittel vor, Giafars Trübsinn zu heilen. Dieser umarmte seine Mutter, drückte die sanftweinende Fatime an seine Brust und entfloh. Er warf sich auf seinen Sopha, nachdem er die gehörigen Anstalten zu seiner Reise gemacht hatte. Lange lag er stumm da. Der Schlaf floh ihn. Er durchlief Alles hastig, was mit ihm vorgefallen war. Ahmets Bild, sein feierlicher Ernst, die Zweifel, die er ihm in Ansehung seiner merken ließ, die letzten Worte, die er ihm in die Seele legte, der sonderbare Blick, womit er sie begleitete, der Ursprung seiner Verbindung mit ihm, alles Dieses drang sich seinem Geist so mächtig auf, daß er aufsprang und mit Wärme ausrief:

»Was du werden willst, das werde durch dich! Dieses sagt mir der Geheimnißvolle. Nein! das Licht, das nun aus meinem Herzen strömt und die grübelnde Vernunft erleuchtet, ist kein Schimmer der Phantasie. Beim Propheten, ich bin der Mann, der es wagen darf, dein System gegen die Erfahrung abzuwägen. Du drängst dich dadurch mächtig meinem Geiste auf, ob ihm gleich Alles widerspricht, was ich gedacht und gesehen habe. Noch spottet die freche Vernunft dieser Flamme. Werden wir doch sehen, was die Menschen sind, und wie weit sie dem von dir ihnen angedichteten idealischen Ursprung entsprechen. Ich fühle ihn und empfinde die Kraft, ihm gemäß zu handeln: aber kann Das, was ein Barmecide fühlt und thut, zu dem Maßstab der übrigen Menschen dienen? Wohl! ist deine Meinung mehr als Schwärmerei, so muß sich die Welt vor meinen Augen zu einem harmonischen Ganzen bilden, oder meine eignen Handlungen müssen es wenigstens werden. Ich fürchte den scharf sehenden Beobachter nicht – werden wir doch sehen, ob die moralische Welt sammt ihrem Uebel so ganz bedingt das Wert der Menschen ist.«

Seine Phantasie haschte andere Vorstellungen auf, schwang sich in die Zukunft; er fühlte sich in großer Thätigkeit, in glänzenden Lagen. Ganze Völker sahen auf ihn. Mitunter drang Fatimes Bild in allem Zauber ihrer jugendlichen Reize hervor. Ermüdet von allen den großen und lieblichen Erscheinungen, sank er endlich auf den Sopha zurück und entschlief.

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