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Geschichte Giafars des Barmeciden - Band 1

Friedrich Maximilian Klinger: Geschichte Giafars des Barmeciden - Band 1 - Kapitel 23
Quellenangabe
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typefiction
authorFriedrich Maximilian Klinger
titleGeschichte Giafars des Barmeciden - Band 1
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
seriesF. M. Klingers Ausgewählte Werke
volumeDritter Band.
year1879
firstpub1791 - 1793
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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17.

Da nun Giafar vernahm, der Vizir herrsche noch immer im Namen des Kaisers über Indostan, so bot er abermals sein Heer auf. Er schnaubte, den Mord Astarte's an dem Kaiser zu rächen, und noch mehr entflammte ihn die Begierde, ganz Indostan zu erobern und dann seine Siege so weit zu verfolgen, bis ihm Asien und Afrika huldigten. Den Sterndeuter ließ er zurück, setzte die Vornehmsten der Tatarn den Provinzen vor, gab ihnen den Auftrag, Haroun aufzusuchen und ihn zu ermorden, sobald sie ihn ergreifen würden. Schrecken, Tod und Verwüstung gingen vor seinem Heere einher. Er lächelte zu den Gräueln von seinem Pferde herunter und sah sie als Mittel zu seinem großen Zweck an.

Als der Vizir des Kaisers von Indostan die Schreckenspost vernahm, sah er sich schon als ein Opfer der Rache Giafars an. Der Kaiser bebte nicht weniger, denn er hatte das Schicksal des Khalifen erfahren. Seine Furcht erweckte den erloschnen Muth des Vizirs; er sammelte ein Heer und führte es Giafarn entgegen. Giafar frohlockte, da er die Stunde nahen sah, die ihm seine Feinde in die Hände liefern sollte. Die Indostaner ertrugen seinen Angriff nicht, Alles floh. Giafars Schwert, die Schwerter seiner Krieger wütheten unter den Fliehenden. Schon freute er sich des Sieges, schon warf er sich mit seinem Heere auf die Landstraße nach der Hauptstadt in Tumult, Gesause und Unordnung. Auf einmal hörte er den Ruf der bekannten Wachteln, die sich auf der Spitze der Fahne, die man vor ihm hertrug, niedergelassen hatten. Wie ein unerwarteter Donnerschlag fuhr er durch seine Seele. Ein Schrei des Vortrabs: »es nahe ein neues feindliches Heer!« vermehrte seine Bestürzung; doch faßte er sich und gab das Zeichen zur Schlacht.

Das kleine feindliche Heer nahte entschlossen. Schon trieb Giafar sein Pferd an und wollte nach seiner Weise einbrechen, als er Ahmet an der Spitze der Feinde mit bloßem blinkenden Schwert entdeckte. Er erstarrte – sein Arm sank – das furchtbare Schwert zitterte in seiner Hand. –

Ahmet stürzte mit seiner Schaar an. Die Krieger, die Giafars Schrecken gewahr wurden, wichen und theilten den andern ihre Furcht mit. Als Giafar dieses wahrnahm, raffte er seine Kraft zusammen: »Sieg folgt dem Barmeciden!« rief er. »Nur gegen den feindlichen Führer wendet eure Schwerter, und Alles ist unser! Er ist Giafars Feind!« Seine Krieger blickten nach Ahmet und schrieen: »Wer kann des weisen Ahmets Anblick ertragen, der Engel des Todes begleitet ihn, und er führt das Schwert der Gerechtigkeit.«

Ahmet rannte gegen Giafarn: »Fliehe, dem Schicksal entwickelt sich in Persien!«

Giafars fliehendes Heer riß ihn mit fort.

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