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Geschichte Giafars des Barmeciden - Band 1

Friedrich Maximilian Klinger: Geschichte Giafars des Barmeciden - Band 1 - Kapitel 22
Quellenangabe
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typefiction
authorFriedrich Maximilian Klinger
titleGeschichte Giafars des Barmeciden - Band 1
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
seriesF. M. Klingers Ausgewählte Werke
volumeDritter Band.
year1879
firstpub1791 - 1793
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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16.

Giafar wüthete in Zerstörung fort. Sein Ruhm stieg unter dem Moder der Leichengefilde empor. Er überwand, wohin er zog, und bildete aus den wilden überwundenen Stämmen ein Heer, das Asien den Untergang drohte. Nun stellte er sich an die Spitze desselben, um die Weissagung Schemi's zu erproben, und fand sein blutiges Unternehmen durch den Gedanken gerechtfertigt, er räche durch den Tod des Khalifen seinen edlen Vater. Diesen Gedanken theilte er seinem Heere mit und warf ihnen die reichen Städte und Schlösser als Lohn ihrer Tapferkeit hin. Hierauf drang er in Persien ein, ohne daran zu denken: der Boden, den er verheerte und mit Blut befleckte, habe ihn getragen und genährt. Als der Khalife Hadi vernahm, der Sohn Jahiah Saffahs sei mit einem Heer Tatarn in Persien eingefallen, sammelte er seine Völker und zog ihm entgegen. Es zerflog wie Staub, den der Sturm über die Haide treibt, vor dem Schwerte Giafars. Man führte ihm den gefangenen Khalifen vor, der sich vor ihm niederwarf und um sein Leben flehte. Der Sterndeuter lispelte Giafarn zu: »Durch sein, seiner Brüder und Kinder Leben geht der Weg zum Thron! Das Blut seiner Sklaven hat dein Schwert besteckt, reinige es nun durch das seinige.«

Giafar rief: »Mein Vater, heute rächt dich dein Sohn!« und mit diesen Worten spaltete er den Schädel des Khalifen, daß das Gehirn die Umstehenden bespritzte. Triumphirend zog er in die Hauptstadt ein; glühend in Haß, Wuth und Rache setzte er sich auf den Thron der Khalifen. Sein Herz genoß und höhnte die Perser, die im Staube vor ihm lagen. »Komme nun, Ahmet,« sagte er in seinem Stolze, »und störe das Werk des großen Barmeciden!« Seine Krieger breiteten sich aus wie eine fressende Seuche, und Giafar herrschte, als wollte er mit dem ganzen Menschengeschlecht enden.

Seine Abgesandten hatten schon vor seiner Ankunft die Kinder und Brüder des Khalifen ermordet, ohne des Säuglings zu schonen. Nur Eins war, was Giafarn noch quälte. Haroun, der älteste Bruder des Khalifen, durch kriegerische Thaten berühmt, war nicht zu finden. Er ließ seine Mutter vor sich führen und drohte ihr mit den schrecklichsten Martern, wenn sie den Aufenthalt ihres Sohns nicht entdecken würde. Unerschrocken antwortete sie: »Giafar, Sohn Jahiah Saffahs, dein Wille geschehe. Der Tod stand auf meiner Seite, als ich ihn gebar; werd' ich ihn jetzt fürchten, da ich den Erwachsenen erhalten kann!«

Seine Wuth und Drohungen vermochten nichts über sie. Er ließ sie fesseln, und sie sagte: »Haroun, der Abkömmling des Propheten, wird dich von diesem Thron stürzen, den du mit Verwüstung deines Vaterlandes bestiegen hast!«

Giafar. Thörichtes Weib! Stießen nicht deines Sohnes Vorfahren die meinigen eben so gewaltsam von dem Throne, auf welchem ich, ihr Enkel, nun wieder sitze? So wollten es die Rache, die Vergeltung und das Schicksal!

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