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Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band

Wilhelm Zimmermann: Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band - Kapitel 43
Quellenangabe
authorWilhelm Zimmermann
titleGeschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
printrunNeue ganz umgearbeitete Auflage
year1856
firstpub1843
correctorreuters@abc.de
senderHerbert Niephaus
created20180125
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Siebenzehntes Kapitel.

Der Salzburger Vertrag.

Gerade die Widersetzlichkeit des einen Theils von Tyrol, die Furcht vor neuer Aufregung in dem andern, drängte den Erzherzog, den ihm ganz beschwerlichen Krieg in dem benachbarten Salzburg zu enden.

Der glückliche Ueberfall von Schladming machte, daß die Bauern vor Salzburg Michael Gruber an Praßlers Statt zu ihrem obersten Hauptmann wählten. Die Belagerung des Schlosses hatte sich seit Wochen wenig geändert. Die Arbeiten, den Felsen zu untergraben, um es zu sprengen, zeigten sich als hoffnungslos, und es fehlte ihnen an gutem Belagerungsgeschütz; sie schossen zum Theil 552aus Büchsen von Lerchenholz und Leder, die mit eisernen Ringen zusammengehalten waren. Des Erzbischofs Gesandter, Doktor Riebeisen, brachte auch Hülfe zu Stande: aus dem Lager zu Durrach kam Georg von Freundsberg, und mit ihm Herzog Ludwig von Baiern mit 10,000 zu Roß und zu Fuß auf Salzburg gezogen; sie lagerten bei Sct. Maximilian, neben der Mühle, während der größte Theil des bäurischen Kriegsvolks der Viertheilung eines Büchsenmeisters in der Stadt zuschaute, dem man Schuld gab, zwei Büchsen absichtlich zersprengt zu haben. »Maria, Mutter Gottes, gen Müllen in die Schanz!« schrie man plötzlich Lärmen in allen Gassen. Umrennend schrie ein Trommelschläger: »Lärm, Lärm, Lärm! ich habe meine Trommel verloren.« Eh' Freundsberg und der Baiernherzog ihre Verwirrung benützten, waren sie in ihrem Lager, auf ihren Posten. Nach mehrtägigen, für die Bauern günstigen Scharmützeln wollte der Baiernherzog den Berg stürmen, den die Bauern inne hatten. Gnädiger Herr, sagte der alte Feldhauptmann Freundsberg, wir würden alle darob bleiben und keine Ehr erlangen. Auf das vermittelte der Herzog, der durch die Bauern schon viel Schaden gelitten und für längeren Krieg kein Geld hatte, einen Vertrag zwischen dem Kardinal und den Bauern. Früher hatten die Wüthendsten unter den Letzteren gedroht, nicht eher abzuziehen, bis sie den Langen in ihren Händen hätten, ihn in Stücke zerhauen und kochen könnten, damit die Nachwelt sagen möchte, die Salzburger hätten ihren Herrn gekocht und aufgefressen: jetzt gingen die, welche von Anfang gemäßigter waren und durch die Zeit und die Umstände jetzt die Mehrheit hatten, auf die Vorschläge des Herzogs ein. Der Vertrag bestimmte Auslieferung der Verbrüderungsbriefe, Leistung der althergebrachten gesetzlichen Abgaben, Rückgabe des Genommenen, Vergleichung wegen des Schadens, Zahlung von 14,000 Gulden Kriegskosten, Nennung der Rädelsführer: die Amnestie, die diesem voranging, war jedoch allgemein, wenn die Geflüchteten binnen einem Monat zurückkehren; nur die Fremden, die bei dem Aufstand und bei Schladming mitgewirkt hatten, sollten, wenn sie sich im Lande betreten ließen, gestraft werden. Dagegen mußte der Erzbischof geloben, drei von der Landschaft vorgeschlagene fromme, verständige Männer bis zu Vollstreckung des Vertrags in seinen Rath zu setzen, alle nicht gesetzlichen Auflagen fallen 553zu lassen, alle gegründeten Beschwerden abzuthun, und eine feste Landesordnung einzuführen.

Daß so ein Vertrag zu Stande kam, hatte seine Gründe.

Ebenso tapfer als geschickt hatten die Salzburger Bauern sich gezeigt, sowohl in Belagerung- als in Vertheidigungswerken. Herzog Ludwig von Baiern schrieb am 22. August selbst an seinen Bruder Wilhelm: »Die Bauern haben sich dermaßen allenthalben verbaut, daß sie nicht leicht in die Flucht zu bringen sein werden, nicht ohne Schaden und große Mühe auf unserer Seite. Und selbst, wenn man sie zum Weichen bringen sollte, so würden sie allemal ohne Schaden hinweg von uns kommen, und sich in die Gebirge zurückziehen. Ich denke, sie werden sich wehren, so lange sie mögen.«

Diese Stellung der Salzburger Bauern, dazu die Stimmung und die Dinge in Tyrol, und ringsum die Stimmung in Deutschland – das kam zusammen, die Baiernherzoge und selbst den Kanzler Eck zu einem solchen Vertrag zu stimmen, welcher nicht nur die wichtigsten Forderungen der Bauern, sondern auch vollständige Amnestie für Alle, ohne Ausnahme, gewährleistete. Aus dem Reiche wurde berichtet: »Es sei nicht möglich, dauernd Friede zu machen, wenn nicht eine tapfere Zahl reisigen Kriegsvolks stets auf den Beinen sei. Der Bauernmann sei in seinem Herzen so vergiftet und verbost, daß Einer dem Anderen wohl gönnte, daß er umkäme oder erschlagen würde; sie wollen vom Todtschlagen kein Abschrecken und Ebenbild nehmen, um sich von ihrem Ungehorsam und ihrer gefaßten Bosheit abwenden zu lassen, und es wolle die hohe Nothdurft fürder erheischen, die Bauern nicht mehr zu richten, sondern ihre Dörfer zu verbrennen.« Bericht der Räthe Herzog Georgs von Sachsen vom 27. Juni 1525. Der Kardinal Lang hatte sich zwar früher, sobald er die Forderungen und die Beschwerden der Salzburger Landschaft vernommen hatte, öffentlich hören lassen, »er wolle die Ursächer und Anfänger des landschaftlichen Berichtes sieden, braten und schinden lassen;« Schreiben Herzog Ludwigs sammt Bericht der Landschaft vom 14. Juni 1525. und die Landschaft hatte sowohl an die Baiernherzoge, als an den Erzherzog von Oesterreich die Bitte gestellt, den Erzbischof zur Abdankung zu vermögen, und ihm Regierung und Schloß Salzburg abzudringen, gegen einen entsprechenden 554lebenslänglichen Unterhalt. Dennoch war auch der Kardinal wohl zufrieden mit dem Vertrage, da er, wie Alle, wußte, daß die Salzburger und ein Theil der Tyroler fortwährend im Einverständniß waren und der Salzburger Aufstand leicht zum Anhaltspunkt eines zweiten Aufstandes im ganzen Reiche werden konnte. Der Kardinal gab aber noch aus einem anderen Grunde nach. Er kannte durch seinen Geheimerath Riebeisen alle Intriguen, welche seit Monaten ebensosehr von den Baierfürsten, als von dem Erzherzog Ferdinand wider ihn gespielt worden waren.

Beide Fürstenhäuser wollten, jedes für sich, die Weigerung der Salzburger, den Kardinal Lang zum Landesherrn zu behalten, ausbeuten. Baiern dachte daran, das Salzburger Land zuerst unter einen baierischen Prinzen, unter dem Namen eines Coadjutors, zu bringen, und dann es einzuverleiben. Das österreichische Haus, dessen Politik von Granvella geleitet wurde, dachte daran, das schöne Salzburg ohne Weiteres österreichisch zu machen.

Der Kanzler Eck schrieb an seinen Herrn für die baierischen Zwecke, man müsse den Erzbischof dazu bringen, »so lange ihm wehe sei; denn komme er wieder auf, so kenne man ihn.« Schreiben Ecks vom 13. Juli 1525.

Die salzburgische Landschaft hatte früher, unterm 12. Juni, den baierischen Fürsten erklärt, sie traue dem Erzbischof nicht, habe er doch die Vertragsbriefe nicht eingehalten, welche vor etlichen Jahren zwischen ihm und der Landschaft aufgerichtet worden seien, ungeachtet dieselben von päbstlicher Heiligkeit und von kaiserlicher Majestät bestätigt worden. Am baierischen Hofe hielt man auch nicht viel auf das Worthalten des Kardinals in den jetzigen Unterhandlungen. Kanzler Eck schrieb an seinen Herrn: würde der Erzbischof nochmals nicht Glauben halten, so werde das nicht gut sein, habe er zu dem Geheimen Rath des Kardinals, zu Riebeisen, gesagt. Herzog Wilhelm schrieb an seinen Bruder Ludwig: »Wir haben den Kardinal in Alleweg für ungetreu gehalten, und haben ihn Euer Liebden als ungetreu angezeigt; so kann es sich auch jetzt in ihm nicht verbergen. Würde der Kardinal bei seiner Undankbarkeit, bei seiner ungeschickten und ungetreuen Handlung beharren, dann ist unser Gemüth, daß wir – die salzburgische Landschaft auf ihr Erbieten in Schutz und 555Schirm annehmen, es sei dem Kardinal gefällig oder nicht. – Wir finden bei diesem Kardinal jetzt in seiner Noth keine Treue noch Glauben, wie er denn hievor allweg zu thun auch gewohnt war; noch viel minder mögen wir uns einiges Gutes, wenn ihm durch uns und den schwäbischen Bund geholfen würde, bei ihm getrösten, wie aus seinen Reden sich erweist.« Schreiben Herzogs Wilhelm vom 21. und 22. Juli an seinen Bruder Ludwig.

Im baierischen Volke war die Unehrlichkeit des Erzbischofs Lang von Salzburg landkundig, so daß Herzog Wilhelm seinem Bruder schrieb: »Es möchte uns von männiglich, und sonderlich von unserm Landsassen, hochverwiesen werden, daß wir wider das unterthänige Erbieten der salzburgischen Landschaft sie sollten bekriegen helfen, oder dem Kriegsvolke des schwäbischen Bundes den Durchzug durch unser Fürstenthum gestatten.« Ja der Herzog nannte ihn »den leidigen Pfaffen.«

Der Geheimerath und Unterhändler des Kardinals, sein Hauptmitschuldiger an den Verfassungs- und Vertragsbrüchen, Doktor Riebeisen, hielt sich für alle Fälle die Brücke an den baierischen Hof offen, und hatte gegen den gütlichen Vertrag mit den Bauern hauptsächlich nur einzuwenden, daß, wenn Allen Straflosigkeit zugesagt werde, das ein Exempel böser Nachfolge gebe, und er und andere fromme Diener des Kardinals mit ihren Familien vor der Rache ausdrücklich Leibs und Guts gesichert werden müßten; denn gegen ihn z. B. lassen sie sich öffentlich vernehmen, sie wollen ihn schinden und braten. Schreiben Riebeisens vom 21. Juli 1525.

Die salzburgische Landschaft suchte in diesen Tagen, wie mit Tyrol, so auch mit den Schweizern in Bündniß zu treten. Die Furcht vor dem Schweizerbündniß, und die Furcht, Erzherzog Ferdinand möchte Salzburg für sich, »das Bett bei drei Zipfeln nehmen,« Schreiben des Kanzlers Eck vom 19. Juli 1525. hatten den Vertrag in solcher den Aufständischen so überaus günstigen Weise, neben dem Anderen, beschleunigt. Ueber die Absetzung des Erzbischofs war lang und ernstlich verhandelt worden, und dem Ausschuß und gemeiner Versammlung der Salzburger wurde erklärt, man würde es sich nicht anfechten lassen, wenn die fürstliche Durchlaucht von Oesterreich, und die fürstlichen Gnaden von Baiern 556das Salzburger Land mit einander theilen wollten, wenn nur die Salzburger den jetzigen Herrn los würden. Der Kardinal war auch so weit mürbe, daß er sich wenigstens stellte, und zusagte, einen baierischen Prinzen als Coadjutor annehmen und außer Lands leben zu wollen. – Den Kardinal rettete die Eifersucht Oesterreichs und Baierns auf einander, die Unterwerfung der Allgäuer, und der Entschluß des schwäbischen Bundes, dem Kardinal beizustehen.

Der Kardinal hatte am 3. August selbst um Verlängerung eines Waffenstillstandes angesucht und sie erhalten. Auf die Kunde aber, daß der schwäbische Bund ihm zuziehe, ließ er am 4. August, mitten im Stillstand, von der Veste herab schießen; ein Kriegsknecht der Bauern wurde erschossen, arme Leute, Männer und Frauen wurden erschossen, denn auch am 5. August schoß der treulose Priester den ganzen Tag mit großem Geschoß herab. Die Landschaft schrieb an den Baiernherzog: »Der an uns gesandte Bote Eurer fürstlichen Gnaden weiß anzuzeigen, wie der Kardinal im Frieden anhob zu schießen und arme Leute erschossen hat. Er hat herab entboten, wenn er die rothe Fahne mit einem weißen Kreuz werde aushängen, wolle er Niemanden Friede geben. Wir wollten alle unsere Zusagen gern als fromme Leute redlich halten, aber bei dem Kardinal will solches nicht sein; denn wozu er sich schriftlich und mündlich erboten, was er zugesagt und wozu er sich obligirt hat, ist von ihm nicht gehalten worden; was doch unfürstlich ist.«

Dem Kardinal war es überdies gelungen, einflußreiche Männer im Ausschuß und im Lager der Bauern zu gewinnen, wie den früheren Bauernobersten Praßler, so den jetzigen obersten Hauptmann Gruber. Die, welche dem Kardinal durchaus nicht trauten, und keinen Vertrag mit ihm wollten, blieben sehr in der Minderheit, und die Mehrheit war für den Friedensvertrag. Auch diese Zweiung im Bauernlager war dem Kardinal zu gute gekommen. Die Fremden im Bauernheer entwichen, ehe der Vertrag beiderseits beschworen wurde. Das geschah am 1. September. Die Landschaft ließ ihr Kriegsvolk abziehen in die Heimath; acht Tage später entließ sie den gefangenen österreichischen Adel aus Schloß Werfen, und der Erzbischof war frei, nachdem er vierthalb Monate lang belagert und g eängstet gewesen war. Er ging hinweg in seine Stadt Mühldorf in Niederbaiern: 557das Sitzen der Drei aus gemeiner Landschaft im erzbischöflichen Rathe hätte er nicht mit anzusehen vermocht. Den Caspar Praßler machte er zum Bergrichter in Gastein, und den Michael Gruber zum Hauptmann seiner Leibwache.


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