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Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band

Wilhelm Zimmermann: Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band - Kapitel 39
Quellenangabe
authorWilhelm Zimmermann
titleGeschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
printrunNeue ganz umgearbeitete Auflage
year1856
firstpub1843
correctorreuters@abc.de
senderHerbert Niephaus
created20180125
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Dreizehntes Kapitel.

Der Ausgang in Oberschwaben.

Nach des Truchseßen Abzug auf Württemberg und weiter auf Franken waren es nur noch einige kleinere Abtheilungen von Reisigen und Fußvolk, welche die zu Ulm zurückgebliebenen Bundesräthe aussandten, durch Todtschlag und Brandschatzung die Gemeinden der Bauern nieder zu halten, und die neue Huldigung einzunehmen. Welche Dörfer oder Häuser nicht huldigten, wurden verbrannt. Am 27. April kam ein solcher reisiger Zeug von 200 Pferden nach Feringen, huldigen zu lassen. Die Bauern flohen nach Holzheim. Feringen wurde angezündet. Auch die von Grumbach flohen nach Holzheim. Grumbach wurde nicht verbrannt, bloß weil der Junker daselbst, Dietrich von Westerstetten, für sein Dorf bat. Der größte Theil der Grumbacher kam auch zurück, vertrug sich mit ihm und huldigte. Auch die von Edenhausen huldigten, die von Hasen nicht; darum wurde Hausen verbrannt. Zum Entgelt verbrannten die Bauern des andern Morgens das nahe Kloster Auersperg, und die Reisigen stießen hinwieder das Dorf Rohr mit Feuer an. Die Bauern aber nahmen am 3. Mai dem Bischof von Augsburg sein Schloß Schöneck und plünderten es rein aus. Als der Zeug nach Thissen kam, um die Huldigung einzunehmen, begehrten die dasigen Bauern einen Tag Frist. Den andern Tag kam keiner zu huldigen. Sie haben, sagten sie, ihren Hauptmann die ganze Nacht gesucht und nicht gefunden. Die Brandsteuer des Bundes, 6 Gulden für den Bauer, sei ihnen zu schwer; dafür können sie lange zehren. Niklas Thomann, Handschrift. Von den Thürmen Ulms aus sah man rings umher brennende Dörfer, Schlösser, Klöster. Die Bauern ließen das Fähnlein der Rache lustig fliegen. Bis ins Blauthal herein 524zogen sie, und Stadt und Kloster Blaubeuren zitterten vor ihnen: Schreiben des Vogts vom 5. Mai im Stuttg. Staatsarchiv. noch ragt als Ruine der schönste Schmuck des romantischen Thales, das ausgebrannte Felsenschloß Hohengerhausen; es wurde wohl in diesen Tagen ausgebrannt. Im Unterland glaubte man Ulm selbst bedroht, ja zerstört. Die von Weinsberg schickten Einen heraus, sich nach dieser Sage zu erkundigen: er ward ergriffen, gefoltert, mit dem Schwert gerichtet, aus keinem andern Grund, als weil er von Weinsberg war. Schreiben Wolf Reychards an seinen Sohn vom 16. Mai. Schwerer, als zuvor, wurden die Gotteshäuser dieser Gegend, Schussenried, Zwiefalten, Ottenbeuren, von den Bauern, heimgesucht; Marzensies, ein Schloß Diepolds von Stein, die Klöster Ursperg und Irrsee, und des Bischofs von Augsburg Schlösser, Stetten, Pfaffenhausen und Weilbach, ausgeplündert und verbrannt. Im Schloß Pfaffenhausen verbrannten sie ein Weib mit, die bezüchtigt war, sie sei eine Kundschafterin und wolle den Brunnen vergiften: mit solcher Verbitterung wurde der Kampf geführt. Ober-Raunau, das Schloß Eglofs von Knörringen, war schon angezündet, und wurde wieder gelöscht. Unter-Raunau und das Schloß in Kirchen an der Halden wurde ausgeplündert, selbst das letztere Dorf, weil dessen Bauern gehorsam blieben: fünf Bauern zu Oberroth, welche huldigten, nahmen die andern Bauern Roß und Kühe. Geld und Geldeswerth zu vergraben, half nichts. Der Pfarrer von Deißenhausen hatte es gethan; die ihm geholfen, verriethen es an die Bauern. Das waren Thaten des rothen Fähnleins, das zu Winzheim sein Hauptquartier hatte. Von Allgau her kam ein anderes Fähnlein, vereinigte sich mit dem rothen, und sie nahmen am 12. Mai den Markt Tannhausen ein, schätzten die Einwohner, nahmen je den 3. Mann aus dem Ort mit sich, und rissen den Pfarrhof in den Grund nieder. Am 13. rückten sie vor das Schloß Münsterhausen, das den Herren von Roth gehörte, und hoch auf einer weiten Ebene lag, mit Allem wohl versehen, nur nicht mit Mannschaft: es lagen nur 34 Mann darin.

Diese thaten von dem wohlgelegenen Schloß aus den Bauern vielen Schaden, bis sie sich an die Scheune neben dem Schloß gelagert hatten, durch welche sie vor dem Geschütz der Belagerten 525gedeckt wurden. Unter gegenseitigem heftigem Schießen kamen die Bauern durch die Gräben an die Mauer. Gegen die Steine und Anderes, was die Belagerten herabwarfen, durch mitgenommene Thüren gedeckt, machten sie Oeffnungen in die Mauer, das Haus des Schloßpförtners wurde angezündet und das Zeichen zum Sturm gegeben. Die Tapferkeit der Besatzung treibt die hinansteigenden Bauern öfters zurück, aber eben so oft laufen diese wieder an, und mehrere gelangen, theils durch die Maueröffnungen, theils auf Leitern in den Schloßhof, und öffnen den übrigen die Burgthore. Mancher Bauer wird getödtet oder verwundet; aber die Bauern gleich tapfer, wie die Besatzung, und durch ihre Menge überlegen, drücken jene ins Innere des Schlosses zurück. Das hartnäckigste Gefecht entsteht. Die Schloßmannschaft wehrt sich mit Ballen, Steinen, heißem Wasser, allem Möglichen: die Bauern müssen weichen: greifen aber gleich darauf nur desto wüthender an, brechen die Thüren ein, drängen die immer fechtende Besatzung in die obern Schloßtheile, bis ans Dach; sie streckt noch mit den Dachziegeln manchen Bauer zu Boden, erliegt aber jetzt den Streichen und Stichen der Sieger. Nur drei Mann und ein Weib entgingen dem Blutbad. Einer davon nahm, sobald die Bauern im Schloß waren, einige Leibe Brod, ging ihnen entgegen, und zeigte sie, als ob er Beute gemacht hätte; ein Anderer war glücklich auf ein Bett, das er hinabgeworfen, gesprungen, wurde aber von einem dazukommenden Bauer erstochen. Die Bauern durchsuchten alle Winkel und freuten sich der vorliegenden Beute, als plötzlich ein Pulverfäßchen, nach der Sage der Einen, absichtlich durch den Schloßhauptmann angezündet, nach Andern, durch Unvorsichtigkeit eines Bauern, in Brand gerieth, und das ganze Schloß in Flammen setzte, ehe die Beute weggebracht werden konnte: die Sieger hatten genug zu thun, ihr Leben zu retten. Des andern Tags war Kirchweihe zu Burtenbach: die Bauern wollten Montags den Kirchweihtanz nicht versäumen, einige fischten den Weiher bei Münsterhausen dazu aus. Da machte Heinz von Roth mit Andern einen Ausritt, sie erstachen viele Bauern und brannten einen Theil vom Dorf Münsterhausen ab. Die Bauern aber nahmen und plünderten am selben Tage noch Schloß Erolsheim. Da kam des Bundes Hauptmann Sigmund Berger, mit 1000 Knechten und 100 Pferden, 526überfiel am 17. Mai beim Dorf Alen einen Bauernhaufen von 4000, zerstreute ihn, und soll bei 1000 Gefangene gemacht, wenigstens zur Huldigung gebracht haben. Bedeutende Verstärkungen an Mannschaft und Geschütze kamen ihm nach. Zur Schlacht kam es nirgends: sahen die Bauern die Feinde vor sich zu stark, so »nahmen sie den Mantel der Wälder an sich.« Die Bündischen plünderten die Bauern, die nicht huldigten, und die Bauern plünderten die, die huldigten. Einzelne wurden aus den Bauern, einzelne aus den Bündischen erstochen. Wilhelm Ritter zu Bühl verbrannte seine eigenen Dörfer am 31. Mai, Anhofen zum Theil, Kissendorf bis auf 6 Häuser ganz; Bühl rettete die Fürsprache Hans Geßlers, des Pfarrherrn. Am Pfingsttag brach unter den Landsknechten des Bundes eine Meuterei aus, wie es scheint, zu Gunsten der Bauern: sie wurde erstickt, und vier Knechte, darunter »ein lutherischer Bub, der viel disputiren und nicht beichtigen wollte,« wurden hingerichtet. Handschriften von Holzwart und Niklas Thomann.

So zog es sich hier unten mit Neckereien und Streifereien hin bis Ende Juni: sie dienen das Gemälde des Volkskriegs zu vervollständigen, es zeigten sich ähnliche auch anderswo; wie aber einmal das Rad unter den Wettern der Schlachten über ganze blutende und brennende Landschaften rollte, konnte Kleineres, Einzelnes zur Seite, nicht in Betracht kommen; jetzt, nachdem die Donner der Schlacht ausgeschlagen haben und die schweren Gewitter vorübergezogen sind, mag es im Kleinen nachzucken und leuchten.

Größere, volle Bedeutung hatte der Volkskrieg weiter oben, wo das Ober- und Unterallgau, das Hegau, der Wald, der Sundgau, theils fortwährend, theils wieder im Aufstand war.

In Memmingen, jener Stadt, darin die Allgäuer ihren zweiten Bundestag gehalten hatten, war es, wie in so mancher andern Stadt, nach und nach zu einer kleinen Revolution gekommen; die Bewegungspartei hatte ganz die Oberhand erhalten. Die Bürgergarde, die sich der Rath aus seinen Anhängern auserwählt hatte, empörte sich in der Charwoche selbst gegen den Rath. Verdächtige Briefe des letztern waren von den Bauern draußen aufgefangen worden und den Bürgern zu Händen gekommen. Die Rathsherren saßen eben etwas länger zu Rath über die Angelegenheiten der Bauern. Da traten die 527bürgerlichen Schutzwachen draußen vor dem Saal zusammen: über so wichtige Sachen, sagten sie, könne der Rath nicht ohne Zuziehung des Volks entscheiden, zumal in diesen gefährlichen Zeiten, in denen man überall auf Unterdrückung des gemeinen Mannes bedacht sei. Sie schwuren, einander beizustehen und auf Abstellung der Beschwerden zu dringen. Nur der Hauptmann und Fähndrich waren dagegen und gingen davon. Sie aber riefen mit Trompeten und Trommeln die Gemeinde zusammen, bewaffnet auf dem Markt zu erscheinen. Die Rathsherren begaben sich heimlich vom Rathhaus hinweg, versammelten sich an einem andern Ort und ließen durch die Rathsdiener den Zünften sagen, jede Zunft solle sich auf ihrer Stube versammeln. Zu spät. Niemand gehorcht. Allgemeiner Lärm in den Gassen. »Nieder mit den Häusern der Reichen und Pfaffen!« hört man schon schreien. Doch fällt keine Gewaltthätigkeit vor. Da läßt der Rath sie bitten, da es Abend sei, auseinanderzugehen, und morgen ihre Beschwerungspunkte vorzulegen; er wolle ihnen abhelfen. Magister Paulus Höpp, der lateinische Schulrektor, setzte sogleich die Beschwerden auf, und las sie auf dem Markt von einem Tisch herab vor. Der Rath selbst hatte ihn darum gebeten, dies zu thun, und dadurch das Volk zu beruhigen. Es ging auch darauf Einer nach dem Andern nach Haus. Die verdächtige Correspondenz, die der Rath als etwas lediglich Unschuldiges darstellte, wurde von dem Stadtschreiber mit der Feder ganz durchgestrichen: als sie der Gemeinde vorgelesen werden sollte, war sie unlesbar gemacht. Eilig bewilligte der Rath Alles, was die Gemeinde wünschte, Vollzug der früheren Artikel und einiges Neue. Mehrere sehr verhaßte Räthe wurden aus dem Rath gestoßen, andere, geachtete, dafür eingesetzt. Doch auch jetzt wollte die Stadt die Bauern nicht ihren Sitz in der Stadt nehmen lassen; und als diese drohten, schrieb der Rath um 300 Knechte nach Ulm, die gestürzte Rathspartei heimlich an den Bund um das Sechsfache: und siehe, Freitag nach Pfingsten, während der Rath zusammensaß, kommt der Wächter auf dem Niedergasserthor heraus, und zeigt an, er habe viel Volks zu Roß und zu Fuß, bei Tausenden, bei der Kapelle bei Amendingen herziehen sehen. Dessen erschrack der Rath. Er bot der ganzen Bürgerschaft mit Harnisch, Wehr und Waffen auf den Markt. Draußen hielten Diepold von Stein 528und Siegmund Berger, des Bundes Hauptleute; sie begehrten nur für 100 Pferde Quartier. Nach gütlicher Unterhandlung ließ man die ein; sie legten die Waffen ab, zogen die Pferde in die Ställe und machten sich's bequem. Da die Bürger sahen, daß keine Gefahr vorhanden war, erging der Ausruf, daß sich Jeder nach Haus in Frieden begebe; es geschah; und die Thore wurden aufgethan, und alle Bündischen, zusammen 2000 zu Fuß und 200 zu Roß, hereingelassen: noch zu rechter Zeit entflohen 40 Bürger, 5 wurden gefangen genommen, Meister Paulus Höpp auf dem Markt sogleich enthauptet, mit ihm der Bürger Bechtinger und noch einer; »es sollten wohl mehr an den Tanz, aber der recht ketzerische Prediger (Schappeler), den der Bund mit Gewalt haben wollte, als die Ursache an der Bauern Aufruhr da herum, und zwei Helfer wurden unterschlagen, bis sie davon kamen.« Holzwarts und Niklas Thomanns Handschriften. Schorers Memminger Chronik. Schappeler entkam glücklich in seine Vaterstadt St. Gallen. Vor Memmingen aber legten sich die Fähnlein der Allgauer, es einzunehmen.

Die Allgauer hatten den Vertrag von Weingarten, den ihre Abgeordneten auf Hintersichbringen abgeschlossen, nicht angenommen, sondern, wie wir sahen, Klöster und Schlösser abgethan. Oesterreichische Commissäre erschienen am 11. Mai im Lager der Allgauer, die aus 177 Pfarreien des obern und untern Allgau sich gesammelt hatten, Martin Furtenbachers Handschrift. und knüpften mit ihnen Unterhandlungen zu Gunsten des Erzherzogs Ferdinand an: es galt einen Versuch, den ganzen Allgau wie Füssen, zur Unterwerfung unter das Haus Oesterreich durch günstige Bedingungen zu vermögen. Kempt. landschaftliche Akten. Die Stadt Kaufbeuren wurde zum Ort der eigentlichen Verhandlungen bestimmt. Ein neuer Angriff auf Füssen unter Paul Probst am 11. Mai war ohne Erfolg geblieben; am 12. waren sie über den Lech gegangen und hatten das Kloster Steingaden verbrannt, bei Landsberg aber jenen Widerstand der Baiern gefunden. Die Unterhandlungen zu Kaufbeuren, während deren die Waffen ruhten, führten nicht zum Ziele; der Erzherzog setzte einen neuen Tag an: die Ereignisse zu Memmingen und der Anzug erzherzoglichen Kriegsvolks machten die Bauern mißtrauisch. 529Diesem Kriegsvolke, darunter viele böse Buben waren, der Sage nach ausgelaufene Mönche, Pfaffen und Studenten, die vom Pabste »den armen Judas« und andere Spottlieder sangen, und in Weißenhorn ärger als die Bauern hausten, sperrten sie durch Verhaue den Weg im Kemptner Wald: viele andere Fähnlein arbeiteten, denen in Memmingen das Wasser abzugraben und verlegten alle Straßen um die Stadt. Bei einem glücklichen Ausfall aber nahmen die Belagerten ihnen 17 Wagen mit Leitern weg, die zum Sturm bestimmt waren. Nach vierzehntägiger Einschließung hatten die Bauern eben die Geschütze auf die Stadt gerichtet, um Bresche zu schießen, als die Kunde vom Anzug des Truchseß und des Bundesheeres kam. Sie zogen (am 27. Juni) ab, theils auf Babenhausen, theils auf Obergünzburg. Am 3. Juli fielen zu Memmingen die Häupter von 2 Bürgern und 2 Bauern. Von Nördlingen her hatte der Truchseß wieder einzelne verbluten lassen.

Eine Figur, die wesentlich zu des Truchseß Hofstaat gehörte, und des Feldherrn Person eigentlich vervollständigte, war sein geschätzter Profoß, Berthold Aichelin. Berthold, nicht Peter, heißt er in allen Akten. Dieser berüchtigte Scherge war ein Söldner Ulms, die Stadt hatte ihn dem Bund geliehen: »der fuhr eine Zeitlang um in Schwaben, Franken, auf dem Schwarzwald, in Württemberg, Hegau, Allgau, weit und breit, zu henken; er hatte einen besondern, grimmigen Haß auf das Evangelium; wo er einen evangelischen Prädikanten ankommen mochte, der hatte bei ihm den Hals verloren;« Bullinger, Reformationsgeschichte. »er fing's, beraubt's, schätzt's, henkt's an die Bäum' elendiglich; da hatt' alles menschliche Erbarmen ein Ende.« Anshelm VI. 291. Er war ein Schrecken, aber auch ein Scheusal für Alle: der Ulmer Rath berieth sich, ihn aus der Liste seiner Söldner zu streichen, denn es sei doch unziemlich, daß er mit eigener Hand die Leute henke und ersteche: sie ließen ihn nur, »um Ungnad fürzukommen,« da er immer in des Truchseß Geleit sei. Ulmer Rathsprotokoll vom ☥ vor Martini. Der Truchseß nannte ihn auch nur »seinen besonders lieben Berthold« Eigenes Schreiben des Truchseß, Bundesakten Fasc. 95. Nro. 3. 4. und 530hatte ihm »für seine getreuen Dienstes« die schönen Güter der Heilbronner Bauernhauptleute, Hans Flux und Ulrich Fischer's, geschenkt: die Heilbronner gaben dem Bundesschergen nachher jedoch nichts, als schnöde Worte.

Während sein Berthold henkte, oder Augen ausstach und brandmarkte, sengte und plünderte der Truchseß. Babenhausen, lange Zeit das Lager des rothen Fähnleins, war verurtheilt, vom Boden weggebrannt zu werden: Veit von Rechberg, dem es gehörte, rettete es. Aber die Flammen von Untereichen, Berken, Ober- und Unter-Tingen, Heimartingen und andern Orten leuchteten hinter dem Truchseß drein. Schon, als er von Nördlingen herzog, schrieb ihm der Erzherzog, er, der Fürst, sei im Stillstand mit dem obern und untern Allgau; des Truchseß Zug gegen die Allgäuer wäre gegen diesen Stillstand und könnte nicht allein die österreichischen Erblande, sondern des Erzherzogs Person in große Gefahr bringen. Darum solle er Halt machen, aus diesen und andern Ursachen, deren er mit der Zeit werde berichtet werden. Schreiben vom 6. Juli. Der Truchseß theilte es den Bundesräthen mit. Diese befahlen ihm, vorzurücken; er sei nicht vom Erzherzog, sondern von den Bundesständen als oberster Feldhauptmann bestellt. So zog er weiter. Auf seine Brennereien schrieben sie ihm am 16. Juli, er solle sie unterlassen; es sei des Bundes Meinung nicht, das Land zu verderben. Er antwortete: wollen sie ihn kriegen lehren, so sollen sie zu Feld ziehen, und er wolle an ihrer Statt auf die Pfülben sitzen.

Bei Schrattenbach stieß er mit seinem schwachen Vortrab unversehens auf 6000 Allgäuer, die in Schlachtordnung gegen ihn zogen. Wie viele er verlor, sagt er nicht, wohl aber, daß er »eilends hinter sich stand,« und das Hauptheer zu Hülfe rief. Das wollten die Bauern nicht erwarten, und zogen nach kurzem Gefecht, ohne daß der Truchseß sie zu verfolgen wagte, geruhig über die Luibas zurück, und nahmen ihre Stellung hinter diesem kleinen aber reißenden Bergflüßchen auf der steil ansteigenden Höhe, machten Verhaue und sperrten die Furth. Hier zogen sie ihre Streitkräfte aus dem obern und untern Allgau an sich. Der Truchseß hätte gerne mit ihnen geschlagen, ehe diese kämen. Aber es war ihm unmöglich: »Sie lagen in solchem Vortheil 531der Höhe, daß man nicht wohl zu ihnen kommen mochte; eine solche wilde, wüste Gestalt war da vorhanden.« Links waren die Bauern durch die Iller, vorn durch die Verhaue, durch die Luibas und deren steile Ufer, rechts durch waldigte Berge und den Weiher bei Wageck gedeckt. Sie hatten viel und gutes Geschütz, es waren die waffengeübtesten Männer unter allen im ganzen deutschen Lande; viele hatten selbst früher in Frankreich und Italien gedient; viele gute Kriegsleute waren so eben erst zu ihnen gestoßen, heimgekehrt aus dem Feldzug in Welschland. Wie Walther Bach als Hauptmann mit dem Truchseß, so hatten Caspar Schneider und andere ihrer Anführer als Hauptleute im so eben beendeten italienischen Kriege unter Georg von Freundsberg gedient. Zudem hatten sich große Schaaren der aus Niederschwaben und Franken geflüchteten Bauern, besonders viele Urheber des Aufstandes, von allen Enden her ins Allgau geworfen. Holzwarts Handschrift sagt dies wörtlich so. Der Truchseß, obgleich verstärkt durch alle einzelnen dem Bunde gehörigen Fähnlein, wagte den Angriff nicht; er wollte Georg von Freundsberg erwarten, den der Bund mit 3000 Knechten in Sold genommen hatte, lagerte diesseits der Luibas, und begnügte sich, sein großes Geschütz gegen die Bauern spielen zu lassen. Die Bauern antworteten aus ihrem Vortheil mit ihrem guten Geschütz: hatten die Bauern Schaden, so hatte der Truchseß großen Verlust. So ging der 19., der 20. Juli mit Schießen hin. Die Bauern hatten sich auf 23,000 Mann gestärkt. Es war Freitag vor Jakobi, der 21. Juli. Sie ordneten ihr Heer in 3 Haufen: ihr Plan war, den Truchseß von seinem Lager wegzulocken und sein Geschütz zu nehmen. Aber Walter Bach, der zuvor mit dem Erzherzog sich eingelassen hatte, ließ jetzt, durch die Entziehung des Oberbefehls gekränkt, auch mit dem Truchseß sich ein. Früh Morgens ging ein Haufen der Allgäuer unterhalb des Lagers der Bündischen über die Luibas. Der Truchseß saß beim Morgenimbiß. Er ließ Lärm blasen, nahm etliche Hauptleute und Pferde, befahl, das Heer in Schlachtordnung zu stellen, besichtigte den anziehenden Haufen, ließ 4 Falconete auf einen Bühl bringen und auf den Haufen feuern. Die Bauern stellten sich, als wollten sie fliehen. Da begehrten einige Hauptleute vom Truchseß, sie zu verfolgen. Nein, sagte der Truchseß; ich weiß, sie wollen uns locken, ob wir zu weit 532vom Lager kämen, um dann vorn und in der Seite mit ihren beiden andern Haufen uns ins Lager zu brechen. Und sogleich kam Botschaft, daß ein zweiter Haufen der Bauern die Luibas oberhalb des Lagers überschritten habe, und ebenso sah man den dritten großen Haufen gerade vor sich in Bewegung, um über das Wasser zu gehen. Herr Georg sprach: Wir haben einen guten Vortheil; laßt sie herankommen; ich habe mir diesen Anschlag wohl gedacht. Als die Bauern ihren Plan vereitelt sahen, gingen sie wieder zurück in ihr Lager. An diesem Tage war Georg von Freundsberg bei dem Truchseß eingetroffen; am selben Abende noch kam sein ganzer Fußzeug von 3000 Knechten nach. Der Truchseß war jetzt gegen 14,000 Mann stark, hatte die bessere Bewaffnung, seine gefürchteten Reitergeschwader, sein überlegenes Geschütz und die Sieger von Pavia, die Fähnlein Freundbergs, für sich: und doch wagten die beiden berühmten Feldherren es nicht, die Entscheidung einer Schlacht zu überlassen. Was Verrath angefangen hatte, sollte Verrath vollenden. Freundsberg sprach zum Truchseß: »Wir wollen sie nicht angreifen, es würde zu beiden Seiten viel Blut kosten, und wir würden wenig Ehr' erlangen. Ich kenne die Hauptleute, die dem Kaiser in Italia gedient haben; ich will einen andern Weg versuchen, daß die Sache zu gutem Ende komme« Der Truchseß und der Kriegsrath gingen darauf ein. Ihnen Allen stand die Gefahr vor Augen, daß wenn sie hier vor den Allgäuer Bauern verlören, alle bisherige Arbeit des Bundes, ja Alles verloren war; links die ganzen Alpenlande noch im Aufstande; rechts Alles vom Hegau bis zum Sundgau; im Rücken zu befürchten ein neuer Aufstand Württembergs, ja des ganzen deutschen Landes. Georg von Freundsberg knüpfte insgeheim zur Stunde mit Caspar Schneider, Walter Bach, und einigen andern Hauptleuten der Bauern Unterhandlungen an. Er bot ihnen, namentlich Walter Bach, große Summen Geldes an, wenn sie die Bauern aus ihrem Vortheil und zum Abzug brächten; und Walter Bach und seine Genossen nahmen das Geld. Walter Bach, der Verräther, machte aus, er wolle ihnen ein Zeichen geben, daß der Verrath gelungen sei. Zum Heere der Bauern sprachen er und seine Mitverräther: Jetzt, da der Freundsberg mit seinen Kriegsleuten da sei, können sie die Bündischen in dieser Stellung nicht angreifen; sie wollen den Feind umgehen und einen andern Vortheil 533suchen. Sie gewannen die Mehrheit dafür. Es war Nachts 10 Uhr, ringsum ganz dunkel, nur die Wachfeuer leuchteten und die Sterne des Julihimmels: da schickten der Truchseß und Freundsberg einige Knechte ans Lager der Bauern, zu belauschen, was sie machen; sie selbst folgten mit etlichen Hauptleuten. Die Wachposten der Bauern gewahrten durch die Nacht die Reisigen; sie schrieen dem Büchsenmeister zu, auf dieselben zu feuern. Da sprach einer: Was soll ich schießen, da wir doch kein Pulver mehr haben? Das war das verabredete Zeichen. Der Truchseß und Freundsberg sahen daraus, daß der Verrath gelungen war: der Verabredung gemäß hatten die Bündischen den ganzen Abend in's bäurische Lager heftig geschossen, und unter dem Schein, als sei es durch feindliche Kugeln geschehen, hatte Walter Bach durch einen aus der Pfarrei St. Lorenz den ganzen Pulvervorrath der Bauern in Brand stecken lassen.

Es war Mitternacht: da führten Caspar Schneider und Walter Bach, die Hauptleute von zweien der drei Haufen, ihre Abtheilungen aus ihrem Vortheil hinweg, als ob sie den Feind umgehen wollten. Die Büchsenmeister waren alle bestochen; sie ließen das Geschütz stehen, während die Haufen dahinzogen. Auf dem Zug übergaben die Hauptleute, als ob sie auf Kundschaft ausgehen wollten, die Fahnen Andern, entwichen und flüchteten in die Schweiz. Indem hörte man das bündische Heer nacheilen. Schrecken kam unter die Verrathenen; die Haufen zertrennten sich; und in einer halben Stunde hatten sie sich auf die Berge, in die Thäler, in die Hölzer verlaufen, Einer da, der Andere dort hinaus. Die Bündischen bemächtigten sich so des ganzen bäurischen Geschützes. Aber die Verrätherei war nicht ganz gelungen: der dritte Haufe unter dem redlichen Knopf von Luibas war nicht zerstoben. Als dieser mit Tagesanbruch die Verrätherei entdeckte, zog er sich, mehr in Ordnung als fliehend, zurück, erlitt zwar durch die bündische Reiterei Verluste, erreichte aber glücklich hinter Sulzberg, oberhalb Kempten, den Kollenberg, und setzte sich hier, sich zu sammeln und dem Bund zu stehen. Der Truchseß lagerte bei Durrach: droben waren die Bauern unangreifbar für Geschütz und Reiterei. Da kriegte Herr Georg wieder auf seine Art: er ließ aus allen Orten umher, aus denen die Bauern aus dem Kollenberg waren, Vieh, Pferde, alles Bewegliche ausrauben, und zündete die 534Orte an. In den nächsten Tagen sahen die Bauern vom Gipfel des Kollenberges in ein großes Feuermeer herab: über 200 Höfe und etliche Dörfer, wo sie Weib und Kind, Eltern und Verwandte zurückgelassen, brannten, von den Bündischen angezündet. Aber auf dem Berg litten sie bereits Mangel, eigentlichen Hunger, da man ihnen alle Wege umritten und besetzt hatte, daß sie ohne Schaden nichts zu sich bringen, nicht davon kommen konnten. Das Alles, der Hunger und der Brand der Heimath, brachte sie zur Unterwerfung. Sie legten die Waffen nieder und mußten, weiße Stäbe tragend, durch die Reihen ihrer Feinde gehen, von denen sie verspottet wurden. Sie ergaben sich auf Vertrag: neue Huldigung, 6 Gulden Brandsteuer für jede Hofstatt, Schiedsgericht des schwäbischen Bundes über Schadenersatz an ihre Herrschaften und über ihre Beschwerden gegen dieselben; Bestrafung der Ursächer in Gnade und Ungnade. 18 ließ der Truchseß am 26. Juli zu Durrach enthaupten, 2 zu Haldenwang, einige zu Tingau: unter ihnen war jener Jörg Täuber von Häusern, der fromme, rechtliche Mann. Georg Schmid, dem Knopf von Luibas, Hans Leuter, genannt Pierli, und vielen andern Hauptleuten gelang es, sich zu flüchten. Der Knopf von Luibas aber und Kunz Wirth ob der Halde wurden zu Bludenz gefangen, und nach langem Gefängniß in Bregenz und oftmaliger Folter an einen Baum gehängt. So erzählt das Ganze die Hauptquelle: die Handschrift des bauernfeindlichen Holzwart. Damit ganz überein stimmt die Handschrift der kemptischen Chronik und Reißners Frondsberge; und darein fügt sich, die Bestechung allein verschweigend, die (zeilische) Seidlerische Handschrift. Für einzelne Züge sind noch Quellen: Bericht des Augenzeugen. Materialien. Nach Kempten und Kaufbeuren wurden starke Besatzungen gelegt, um den Landmann niederzuhalten. Matthias Waibel, der fromme Prediger zu St. Lorenz, wurde unter dem Vorwand, man warte draußen, daß er ein Kind taufe, aus seiner Sicherheit gelockt, und, des Fürstabts Rache zu sättigen, vom Schergen der Bundesrichter, von Aichelin, ergriffen, und im Wald zwischen Leutkirch und Diepoldshofen, Abends den 7. September, an eine Buche gehängt: betend für seine Feinde starb er, in den Augen des Volks ein Heiliger, zu dessen Grab es wallfahrtete. Kempt. Chronik, Handschrift Loy, Leutkirch.

Zu gleicher Zeit ward der Aufstand am Bodensee und im Hegau 535beendet. Nach des Truchseß Abzug auf Württemberg waren die Hegauer des ganzen platten Landes Meister, und der kleine Krieg zwischen ihnen, die nie einen Vertrag angenommen hatten, und den Besatzungen der Städte Stockach und Zell, welche Ausfälle machten, wurde mit großer Erbitterung geführt. Zu Bodmann, glaubten die Hegauer Bauern, habe man sie im Wein vergiften wollen, sie verbrannten allen Hausrath darin auf einem Haufen, und schlugen allen Fässern den Boden aus. Die Edelleute zu Stockach und Zell verbrannten Nentzingen, Walwyß und Staringen und die Mühle zu Steußlingen am 5. Mai, »schleiften selbst Frauen, ohne Zucht und Scham mit aufgehobenen Kleidern, durch den Bach, und ein Kind, dem mit der Gnade Gottes aus dem Feuer geholfen war, warfen die Bluthunde wieder ins Feuer und ließen's verbrennen.« Salmansweiler Handschrift. Schreiben Hans Maurers, des Bauernobersten an Rottweil vom 20. Mai. Indessen kehrte Benkler von Kalchhofen aus dem Württembergischen zurück, und übernahm wieder den Oberbefehl. Zell wurde zu Wasser und zu Land aufs Engste eingeschlossen. Schreiben und Boten gingen in den Kanton Schaffhausen, die dasigen Bauern aufzuregen. Vom Breisgau her kam Hans Müller von Bulgenbach mit den Schwarzwäldern. Nach sechswöchiger Belagerung war die Stadt schon in Nöthen, als die Hülfe kam. Die Städte Ueberlingen, Pfullendorf, Ravensburg, Markdorf, Mörsburg, Graf Felix von Werdenberg und die von Salem thaten sich zu 5000 Mann mit gutem Geschütz zusammen. Es waren eben die Bauern des frühern Seehaufens, der den Vertrag treulich hielt. 600, die zu Sernatingen lagen, sagten, ihre Spieße stechen keine Bauern, als man sie gegen die Hegauer führen wollte: es wäre nicht recht, wollten sie gegen ihre Brüder fechten. Auf das überfiel sie das städtische Kriegsvolk, ein Theil der 600 ergab sich, Andere entflohen. 24 der Ihren enthaupteten die Ueberlinger, Graf Felix von Werdenberg ließ seine Abgefallenen sogleich an Bäumen aufknüpfen, der Abt von Salem die seinen nur ausweisen, die Ueberlinger aber enthaupteten 40 dieser Ausgewiesenen. Der Erzherzog schickte Herrn Marx Sittich von Ems mit gutem Zeug und einem Haufen Knechte. Diese vereinigte Macht war jedoch noch nicht nahe, als Hans Müller, der Schwarzwälder Oberste, nicht ohne Verdacht der Bestechung, und 536Heinrich Maler, früher Hauptmann bei den Neckarthalern, jetzt Oberster der Hegauer, die Belagerung aufhoben und abzogen. Unterwegs entwichen Beide; der Nähe der Ernte wegen gingen auch viele Bauern heim; der Rest verschanzte sich an der Hilzinger Steige. Am 16. Juli hier angegriffen, wurden sie nach zweistündigem Kampfe geschlagen. Viele flüchteten sich zu Herzog Ulrich nach Hohentwiel, die Andern ergaben sich auf Vertrag mit ziemlich günstigen Bedingungen. Mehrere gefangene Hauptleute wurden enthauptet: auch Hans Müllers von Bulgenbach Haupt fiel später zu Lauffenburg. Holzwart. Anshelm VI. Silbereisen. Salmannsweiler Handschrift. Bericht des Augenzeugen. Den Vertrag vermittelten die Schweizer Städte. Es war den Schweizern sehr darum zu thun, die Ruhe an ihren Gränzen zu vermitteln, ihrer eigenen Unterthanen wegen.

Auf mehreren Tagen zu Basel arbeiteten seit dem Mai die fünf Orte Zürich, Bern, Basel, Solothurn und Schaffhausen, das obere Elsaß, den Sundgau, den Breisgau und Schwarzwald zu beruhigen. Es ward auch in allen diesen Landschaften ein Stillstand bis auf St. Ulrichstag, 4. Juli, angenommen, um einen gütlichen Vergleich zwischen Herrschaften und Unterthanen zu stiften. Die Schweizer drohten sogar. Nähme man, sprachen sie, die Güte der Billigkeit nach nicht an, und würde die Bauerschaft nochmals aufrührerisch, so würden die Eidgenossen die Sache so an die Hand nehmen, daß die auf dem Lande darüber nicht lachen würden. Es sei des Spiels genug. Schreiben des Bauernhauptmanns Gregor Müller an Freiburg, vom 3. Juni. Die Furcht vor der bewaffneten Einmischung der Eidgenossen, von denen sie eher Beistand gehofft hatten, wirkte sehr auf diese Bauerschaften. Am Meisten that der edle Fürst, Markgraf Philipp von Baden. Als der Erzherzog drohte, Elsaß, Sundgau und Breisgau in Person mit Heeresmacht strafen zu wollen, eilte Philipp zu ihm, beschwor ihn und verlangte von ihm, daß er damit stille stehen wolle, bis der Markgraf einen Vertrag vermittelt habe. Auch das Umschlagen Freiburgs schreckte und verbitterte zugleich die Bauern. Am 17. Juli kündigte die Stadt dem hellen Haufen den Eid ab und überzog sogleich mit einem geworbenen Fähnlein und ihren 537Bürgern ihre stillsitzenden einzelnen Bauern, fing und erstach etliche, plünderte und verbrannte zum Theil ihre Häuser. Dazu kamen die großen Niederlagen ihrer Brüder. Markgraf Philipp, besonders von den Städten Straßburg und Basel unterstützt, brachte den Vertrag zu Offenburg zu Stande, der von beiden Theilen am 18. September beschworen wurde, und der den vorderösterreichischen Unterthanen wenigstens einige Rücksicht auf ihre Beschwerden angedeihen ließ, aber die Rädelsführer von der Amnestie ausschloß. Wer von diesen gefangen wurde, endete durch Schwert oder Strang. Schreiber, Taschenbuch für Geschichte 1839. Selbst Freiburg ließ mit dem Schwert richten, viertheilen, die minder schuldigen Bürger des Landes verweisen.

Samstag nach Pfingsten hatte sich das obere Elsaß der Regierung zu Ensisheim auf Gnade unterworfen, da diese drohte, sonst die Lothringer ins Land zu bringen und sie zu verbrennen und zu verderben. Der Vertrag lautete ausdrücklich, daß auch die Rädelsführer nur vor unparteiischen Richtern zu Recht sich stellen sollen. 6 Gulden Strafe und Ersatz sollten die Bauern leisten und die Waffen niederlegen. Die Sundgauer nahmen den Vertrag an, wie die Elsaßer. Aber die österreichische Regierung zu Ensisheim hielt den Vertrag nicht. Glaubenswuth und Rachehunger hatten bei ihr die Oberhand. »Da hub durch sie eine blutige Metzig an, da ward jämmerlich gemartert und getödtet, zumal, wo man hinter einen Priester kommen mochte.« Worte Bullingers. Was dieser Aufruhr von Pfaffen ist anhängig gewesen, haben die von Ensisheim alle an Bäume henken lassen. Worte Eckard Wiegersheims. Reisige machten überall hin Jagd auf die bei dem Aufstand besonders Betheiligten und auf die Lutherischen. Als aber der Henker zu Reichenweyer Einige ausgeknüpft hatte, kam eine edle Hand und schnitt sie ab. Der Uebermuth einer Gräfin von Rappoltstein, der Gemahlin des Herrn von Lupfen, hatte den Ausbruch des ersten Aufstandes veranlaßt: eine Gräfin von Rappoltstein war es, deren Edelmuth jetzt den Opfern des Aufstandes die Stricke abschnitt. Eckard Wiegersheim, Handschrift. Ebenso wollten auch die Edelleute nicht feiern. Sie überfielen und machten Bauern nieder, wo sie konnten, 538und steckten Lauterbach, Pfaffstadt, Riedesheim und andere Dörfer in Brand. Schreckensvoll flüchteten die Landleute ihre Habe in solcher Menge in die Stadt Mühlhausen, daß nicht nur alle Häuser, sondern alle Gassen damit angefüllt waren. Mühlhäuser Chronik, Handschrift. Auch nach Basel hinein fingen sie an zu flüchten, was sie flüchten konnten: Wein, Früchte, Hausrath, Weiber, Kinder. Es war Alles in Basel so voll Karren und Pferden, daß an Bartholomäi Niemand durch die Spalenvorstadt, noch zum Thor hinaus konnte. Ochs, Basler Geschichte, V. 508.

Da die Bauern sahen, wie schlecht der beschworene Abstand von den Herrschaften gehalten wurde, steckten die Hauptleute Hans von der Matten und Heinrich Wetzel von Landskron das weiße Jesus Christus Fähnlein im Sundgau wieder auf, und die Bauern sammelten sich wieder in Habsheim und Rixen. Einen Tag um den andern scharmützelten sie mit dem Adel und den Reisigen; sie riefen den Rath zu Basel, sie riefen alle Eidgenossen um Hülfe an, die den Anstand vermittelt hatten. Der Wirth zum Löwen in Zürich zog den Sundgauern mit einem Fähnlein zu, und auch aus Berns, Basels und Solothurns Herrschaften eilten ihnen viele, trotz der Abmahnung ihrer Obern, auf ihre Werbung, zu Hülfe. Die Bauern wollten jetzt Ensisheim belagern, die in Ensisheim pochten auf die Ankunft des Erzherzogs und des Herzogs von Lothringen; unter dem Scharmützeln rüsteten sich beide, Herren und Bauern: da traten die Eidgenossen dazwischen und Markgraf Philipp, und erwirkten, daß auch die Sundgauer den Vertrag annahmen. Im Solothurnischen und Lauffenthal hatten sie schon früher gestillt. Eckard Wiegersheim. Ochs V. Anshelm VI. 295—297.

Im Thurgau hatten sie sich vertrösten lassen, auf eine künftige möglichst befriedigende Landesordnung: sie erhielten einige nicht unbedeutende Zugeständnisse. Den Gotteshausleuten von St. Gallen bewies ihr Abt nach dem Siege des Bundes, daß ihre vermeinten Beschwerden grundlos, und alle Lasten, auch die Leibeigenschaft, göttlich und menschlich recht seien: Sie erhielten nichts, als das, daß ohne Willen der vier Schirmsorte er ihnen keine neuen Lasten auflegen wolle, und mußten bei Strafe ihre Bibeln ausliefern.

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Noch hatten die acht Einungen des Schwarzwalds nicht gehuldigt, die Waffen nicht niedergelegt. Und als darum der Graf von Sulz, der kleine Tyrann, auf seine Unterthanen im Klettgau nach dem Vertrag, dessen ihm geltende Punkte er nicht hielt, mit eiserner Ruthe schlug, hauptsächlich das Evangelium grimmig verfolgte: Da getrösteten sich die Klettgauer derer aus dem Wald, und griffen nach der Mitte Oktobers gegen die Quälereien ihres Herrn zur Nothwehr der Verzweiflung. Aber des Erzherzogs und der altgläubigen Städte Volk zogen schnell daher, und unterdrückten sie um so leichter, da die Eidgenossen, besonders die von Zürich, die ihnen Schirm und Hülfe zugesagt hatten, sie im Stich ließen. Nach zweistündigem Kampf bei Grießen, wo Thomas Münzer gehaust hatte, mußten sie sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Ihrem Prediger, Hans Rebmann, ließ Graf Rudolf beide Augen mit einem eisernen Löffel herausgraben, die Löcher mit Stroh ausfüllen und ihn so hinausstoßen: er starb an den Schmerzen. Die Hauptleute hing er. Doch zwang ihn der schwäbische Bund und die Schweiz, die Beschwerden seiner Unterthanen durch ein Schiedsgericht entscheiden zu lassen. Bullinger. Anshelm. Puppikofer. Seidler. Sebastian Schertlin. Am 13. November legten auf Vertrag die acht Einungen des Schwarzwalds unter dem Schloß Gutenburg die Waffen nieder und leisteten dem Hause Oesterreich die neue Huldigung. Es war ein besonderer Vertragsartikel, durch den sie die Stadt Waldshut, die Wiege des Aufstandes, der Strafe des Landesfürsten zu überlassen, zusagten. Von Allen verlassen, hielt sich die Stadt, bis sie am 5. Dezember durch Verrath ihrer eigenen Bürger, der früher ausgetretenen Ehrbaren und Altgläubigen, in die Hände der Oesterreicher fiel. Viele entrannen glücklich in der Nacht. Conrad Jehle von Niedermühle, der brave Hauptmann, der St. Blasien verschont hatte, wurde gefangen und am nächsten Eichbaum sogleich aufgeknüpft. Eines Morgens fand man die rechte Hand des Hingerichteten abgeschnitten und am Thore von St. Blasien angenagelt, dabei die Worte: »Diese Hand wird sich rächen!« – Vier Monate darauf loderte die Abtei in Flammen auf. Ausführlich bei Schreiber, Taschenbuch 1840.


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