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Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band

Wilhelm Zimmermann: Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band - Kapitel 37
Quellenangabe
authorWilhelm Zimmermann
titleGeschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
printrunNeue ganz umgearbeitete Auflage
year1856
firstpub1843
correctorreuters@abc.de
senderHerbert Niephaus
created20180125
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Elftes Kapitel.

Heldentod Florian Geyers und der schwarzen Schaar.

Wie mögen sie auf dem Wartberg von Königshofen, wie mögen sie in den bedrohten Flecken und Städten umgeschaut haben nach der erwarteten, nach der verheißenen, nach der eilends herbeigerufenen Hülfe, nach den Fähnlein von Würzburg, nach Florian Geyer und seiner schwarzen Schaar!

Aber dieser edle Geist, durch Tugend und Wort und militärische Kenntniß überlegen, hatte bei dem Bauernrath zu Würzburg genirt, und sie hatten ihn ausgeschickt auf diplomatische Reisen und ihm das Schwert aus der Hand gewunden.

Auch die Niederfranken hatten, als ihre Sache ein weniger gutes Ansehen zu gewinnen anfing, den Gedanken der Oberfranken aufgenommen, und alle fränkischen Stände zu einem allgemeinen Tag nach Schweinfurt zusammen gerufen, um mit einander gemeinschaftlich eine gute Ordnung, Aufrichtung des Wortes Gottes, Friedens und Rechtens, besonders auch der Obrigkeit und anderer Sachen halb zu berathen. Abends vor dem ersten Juni sollten alle Abgeordneten in Schweinfurt eintreffen, um in der Frühe den Landtag zu eröffnen. Da liefen 493unterm 26. und 27. Mai Einladungen dazu aus, an die Grafen von Hohenlohe, von Henneberg, von Wertheim, an den Markgrafen von Brandenburg, an die Städte Nürnberg und Bamberg, an alle Städte und Flecken Frankens, selbst an den Bischof von Würzburg nach Heidelberg. Zugleich schrieben sie ins ganze Reich ein allgemeines Ausschreiben aus, ein Manifest, welches allen Ständen das Unternehmen der Bauerschaft vorlegen, beleuchten, rechtfertigen und empfehlen sollte, als ein christliches und nationales zugleich, dem Evangelium und dem Frieden zu gut, daß Gottes Wort, die Speise der Seelen, Niemand entzogen, kein Prediger desselben mehr verfolgt oder getödtet werde; der arme gemeine Mann nicht mehr unter unerträglichen Belästigungen zusammen sinke: und Gewerbe und Handel ihre Straße ziehen, ohne daß ihnen aus schädlichen Schlössern und Raubhäusern hervor durch edle Räuber Hände und Füße abgehauen, Ohren abgeschnitten, sie selbst niedergestochen oder wenigstens ausgeplündert, eingekerkert und bis aufs Blut geschätzt werden. Sie forderten am Schluß alle Stände des Reiches auf, ihnen in diesem christlichen Unternehmen beizustehen, und sie weder thätlich noch auf andere Weise aufzuhalten.

Von dem Markgrafen Casimir hatten sie sich so sehr täuschen lassen, daß sie als ausgemacht annahmen, daß er den Landtag besende. Immer hatte er unterhandelt, wieder neue Tage und Orte zur Zusammenkunft bestimmt, neue Geleitsbriefe ausfertigen lassen, und immer kam ihm, einmal auch den Abgeordneten der Bauern, Michael Hasenbart und Hans Hollenbach, etwas dazwischen, daß die Zusammenkunft nicht zu Stande kam. Anspacher Akten II. 98, 99, 100, 101, 102, 103. Und ehe der achttägige Waffenstillstand zu Ende war, an demselben Tage, an welchem sie zu Würzburg die Einladung zu dem Landtag an ihn schrieben, am 26. Mai, überfiel der Markgraf Guttenstetten, Dispeik, Stupbach bei Neustadt an der Aisch, Oberndorf, Kaubenheim und Meinheim, und verbrannte alle sechs Orte. Jetzt zeigte sich der Nachtheil davon, daß sie zu Würzburg nicht gleich Anfangs durch ein paar tüchtige Fähnlein und Hauptleute den Brüdern im Aischgrund Hülfe zugeschickt, durch den Burg-Bernheimer Forst Anspach überfallen, und die ganze Markgrafschaft insurgirt hatten: der Markgraf wäre in 494ihren Händen gewesen. Jetzt erst, am 27. Mai, wurde der Hauptmann Gregor von Burg-Bernheim mit allen markgräfischen Fähnlein, die beim fränkischen Heere waren, dem bedrohten Neustadt zu Hülfe befehligt, und er bot auf seinem Zug alle Gemeinden auf. Diese Aufgebote, die einzeln, sorglos, zu 20, 30, 50, meist mit ihren Pfarrern ihm zuzogen, wurden Mittags von dem Markgrafen überfallen, etliche erstochen, 10 Gefangene enthauptet, Abends zu Ipsheim wieder 10 Männer des ausgeplünderten Orts hingerichtet, Nachts Unterleimbach geplündert, Oberleimbach und Hahnbühl verbrannt, am 28. Lenkersheim erstürmt, Leutershausen geplündert. Im ersten Flecken ließ er den Prediger und 4 Bürger enthaupten, 7 die Schwurfinger abhauen, eben so vielen am andern Ort die Finger abschlagen, dem Pfarrer Köblein zu Werniz und 4 Hauptleuten den Kopf. Lenkersheim nahm er alle Freiheiten, verbrannte Ickelheim, Sontheim und Westheim und lagerte sich bei Markt Bürgel. Am 29. legte sich Gregor mit allen vereinigten markgräfischen Fähnlein unter die Mauern von Windsheim, zwischen den Gartenhecken um die Stadt. Casimir kam heran, fand ihre Stellung unangreifbar, fürchtete von den Windsheimer Bürgern von den Mauern herab beschossen zu werden, und zog sich wieder zurück, aber mit großem Verlust; die Bauern wurden ihm zu mächtig, nahmen ihm alles Geschütz weg, das er bei sich hatte, trieben ihn in sein nahes Schloß Hoheneck ein und belagerten ihn darin. Müllners Annalen, Handschrift. Am 29. Mai verbrannten sie das Schloß Röhlingshausen, und Gregor, dieser tüchtige Hauptmann, bot alle Gemeinden an der obern Tauber, in der Rotenburger Landwehr, und in den Aemtern Bebenburg und Werdeck zum schleunigen Zuzug mit aller Macht auf; am Endseer Berg bei Odenbach sollte der Sammelplatz sein. Dadurch zwang er den Markgrafen, der jetzt, was früher hätte geschehen sollen, seine linke Seite und seine Hauptstadt in Gefahr sah, zum schnellen Rückzug nach Leutershausen: im flüchtigen Rückzug brannten seine Reisigen noch Stettberg, Binswang, Windelsbach und Geslau an. Gregor war im Begriff, ihn zu verfolgen: Da, am 1. Juni, befahl ihm eine Botschaft des Bauernraths zu Würzburg, aufs Schnellste nach Heidingsfeld aufzubrechen. Gregor eilte gehorsam mit 4000 Mann dahin, um 495den vom Truchseß bedrängten Odenwäldern zuzuziehen. Unterwegs hörten sie sagen, wie diese in großer Schlacht geschlagen seien, aber sie wollten solches nicht glauben, sondern zogen stark für und für, in der Meinung, ihre christlichen Brüder zu Königshofen, die nunmehr längst erkaltet waren, zu retten. Thomas Zweifel bei Bensen.

Zu Schweinfurt, wo der allgemeine Landtag der fränkischen Stände sein sollte, ritten, Jedermann recht zur Schau, wie weit herab die Sache der Bauerschaft gekommen, kaum 20 Abgeordnete ein: Köhl von Eivelstadt, der oberste Hauptmann des fränkischen Heeres, Stefan Sorg, Hans Winter, Endres Mörder und Florian Geyer; von Rotenburg Stefan von Menzingen und Hieronymus Hassel und die aus dem Bambergischen, aus Oberfranken und aus dem Aischgrund. Es kam in der Berathung auf diese Art nichts zu Stande. Ja, hier zeigte sich wieder deutlich, wie verderblich die provinziellen Vereinzelungen, die Sonderverträge der verschiedenen Bauerschaften wurden: die Bamberger erklärten ausdrücklich, sie haben sich mit ihrem Herrn, dem Bischof, vertragen, und darum können sie sich in nichts einlassen. Am 27. Mai hatte die Bambergische Bauerschaft und Bischof Weigand es beschworen und versiegelt, friedlichen Anstand zu halten, und während desselben nichts gegen einander vorzunehmen, noch dieses Andern zu gestatten: auf landständischem Wege sollen alle Beschwerden vertragen werden. Mit redlichem Volkssinn hielten die Bambergischen, was sie beschworen, und entzogen dadurch ihren Brüdern in Ober- und Niederfranken 10,000 und mehr waffentragende Arme; sie hielten ihren Schwur einem Fürsten, der, ehe, während und nachdem er geschworen, Boten auf Boten an den Truchseß sandte, zu kommen und seine Unterthanen zu strafen. Handschriften von Seidler und Müllner. Schon am zweiten Tage der Sitzung zu Schweinfurt kamen Botschaften aus Würzburg, welche die Hauptleute ins Lager zurückriefen. Unter Unbedeutendem, was sie beschlossen, war die Gesandtschaft Florian Geyers und einiger Andern an Markgraf Casimir, um die Unterhandlung zur Verbrüderung zu beendigen und den Frieden zwischen ihm und seiner Bauerschaft im Aischgrund wieder herzustellen. Florian Geyer ritt nach Rotenburg, wo er am Samstag vor Pfingsten, den 3. Juni, ankam, und auf 496das Geleite Casimirs warten wollte. Da riß ihn die Botschaft von der Nähe des Truchseß gleich wieder aufs Pferd; er ritt die ganze Nacht hindurch und war vor Tagesanbruch des 4. Juni im Lager zu Heidingsfeld.

Auf Gregors von Bernheim Gebot hatten sich am Endseer Berg zahlreiche Schaaren gesammelt, gegen den Markgrafen; da dieser zurückging und sie kurz zuvor von den Odenwäldern nach Krautheim entboten waren, zogen sie die Tauber hinab, diesen zu. Im Ziehen begegneten sie flüchtigen Bauern zu Roß und zu Fuß: es waren die aus dem Blutbad von Königshofen Entronnenen. Auf das zerstreuten auch sie sich, jeder an seinen Herd.

Die von Schweinfurt nach Würzburg zurückreitenden Landtagsabgeordneten sahen mit Schrecken Abends den Himmel geröthet von einem Feuermeer gegen Schwaben zu; es waren die von dem Fürstenheer angezündeten Dörfer um Königshofen; aber sie wußten noch nichts von der Schlacht und ihrer Brüder Untergang.

Zu Würzburg war inzwischen mit dem Rotenburger Geschütz dem Schlosse viel Schaden gethan worden, und so sehr die Belagerten aus ihrer höheren Stellung mit ihrem Feuer den Belagerern schadeten, so ersahen die Letztern aus aufgefangenen Briefen, daß die im Schlosse anfingen, in äußerster Noth zu sein. Der Stollen in dem Berge war weit vorgerückt, Hoffnung da, daß bald Mauer genug zum Sturm zu Boden geschossen sein werde, die Besatzung darum namentlich entmuthigt, weil sie gar keine Nachricht von Außen erhielt. Einer ihrer Boten schlich sich glücklich durch bis vor Heidelberg, und zechte da in der Schenke mit zwei Boten, die der Bischof ins Schloß absandte; sie gestanden einander ihr Geheimniß. Die Letztern fingen die Bauern auf, folterten sie, erfuhren Alles und fingen dadurch bei der Rückkehr auch den Erstern. Es fehlte schon so an Trinkwasser, daß man mit Wein kochte. Das wußte man durch Ueberläufer, auch daß der Wein bald ausging. Hans Schiller, der Rothschmied, machte sich an die Arbeit, ein Geschütz zu gießen, so groß, daß es jede Mauer niederwürfe. Aber die Kriegszucht in dem größtentheils müßig vor dem Schloß liegenden Haufen nahm täglich mehr ab, besonders seitdem die strengsten Hauptleute abwesend waren. Die drei Galgen in der Stadt achtete man nicht, weil man keinen daran hing. Lachend sagten 497trunkene Gesellen: »Wir wollen die Pfaffen und ihr Gesind dran hängen.« Raufhändel, blutige Schlägereien, Unzucht, Plünderung draußen auf dem Land, selbst an Verbrüderten, erlaubten sie sich ohne Scheu. Den darüber zu Gericht Sitzenden fehlte es an Energie, sie straften zu leicht, statt die bösen Buben am Kopf zu fassen; dem ganzen Bauernrath selbst gebrach Klarheit des Willens, Durchgreifen nach dem Beschluß, Zusammenwirken unter einander. So erstreckte sich der Fluch des Stilleliegens vor dem Frauenberg auch auf die innere Kraft des Haufens. Der Müßiggang, das üppige Leben in der weinreichen Gegend fraßen dem Haufen das Mark aus den Knochen, den ersten Anflug von Muth und Enthusiasmus aus dem Herzen: auch die Hussiten waren meist zuerst nur Bauern, aber unter ununterbrochenen Waffenübungen, an einer Kette heißer Gefechte bildeten sie sich zu Europas gefürchtetsten Kriegsmännern, und erbarmungslos gegen das eigene Volk, wie gegen den Feind herrschte Ziska's Kriegsgesetz. »Unter und bei dem Haufen der Bauerschaft schrieb traurig Herr Ehrenfried Kumpf, ist weder Friede noch Folge, weder Einigkeit noch Treu und Glauben, sondern Alles, was sie heut geloben, schwören, zusagen und verschreiben, wird alsbald morgen nicht gehalten, vielmehr Alles verachtet und dawider gehandelt.« Je näher das Fürstenheer rückte, desto mehr verfiel Alles in Würzburg. Zu diesem Verfall trug wesentlich auch bei, daß, wie die besten Führer, auch die tüchtigsten Leute abgegangen waren. Ihr Feld zu bestellen, hatten sich viele des Haufens beurlaubt, und gerade denen, welchen die Sache der Bauerschaft, die Volkssache, am meisten Ernst, deren Rückkehr zur Fahne auf den ersten Aufruf den Hauptleuten sicher war, hatte man zuerst Urlaub gegeben; den Kern zum großen Theil hatte ohnedies der Sturm auf den Frauenberg verschlungen. Der Bauernrath nahm sich jetzt Wendel Hiplers bittere Rede wegen der Abweisung der Lanzknechte zu Herzen und zu Kopf: Denn jetzt eilten sie, nach allen Seiten auszuschicken, um Lanzknechte zu werben; man zwang alle geistlichen Herren, als Ersatzmänner für sich, freie Knechte anzuwerben. Sechs solcher Knechte erboten sich, im bündischen Heer ihre Freunde für die Bauern zu gewinnen. Man gab jedem ein Pferd und 300 Gulden, und sie ritten ab. Aber näher und näher drohte die Wetterwolke des schwäbischen Bundes, und die nachhinkenden 498Entschlüsse des Bauernrathes brauchten Zeit: sie schickten zwei Bürger nach Nürnberg, zwei an Graf Georg von Wertheim, um für sie mit dem schwäbischen Bunde zu unterhandeln.

Am 14. Mai hatten Gesandte der Versammlung zu Würzburg zu dem Rath von Nürnberg auf dessen Ablehnen, ihnen mit der That beizustehen, gesprochen: »Sie wollen den Rath gewarnt haben, dessen eingedenk zu sein. Stöße den Rath eine Noth an, solle er sich auch keiner Hülfe von ihnen zu getrösten haben: es sei wohl möglich, daß der Rath eher der Bauern Hülfe, als sie des Raths Hülfe bedürfen möchten.« Darauf waren sie mit einem solchen Trutz und Hochmuth abgeschieden, als wenn die Welt ihr eigen wäre, ließen sich auch insgeheim gegen etliche Bauern vernehmen, sie gedenken kein Haus im ganzen Lande zu dulden, das besser wäre als ein Bauernhaus: was Alles dem Rath viel Sorgfältigkeit verursachte.« Müllner, Handschrift. Jetzt war der Bauern Sache so gesunken, daß sie Nürnbergs Vermittlung suchten. Viele Bürger in Würzburg waren ganz kleinmüthig. Andere, die bisher lautlos gewesen, gackerten und schnatterten jetzt: »Hab ich nicht vor dieser Zeit gesagt, man solle das Ende beachten? Wollte Gott, daß sich fromme redliche Leute unser annehmen, daß wir zu Frieden kämen; wir sind sonst alle verdorben, ermordet, verbrannt, vertilgt Weib und Kind.« So Hans Büttner bei Bensen 420. Die Stiftsgeistlichen, deren viele in der Stadt zurückgeblieben waren, und die gewiß vielfach die Verräther gemacht hatten, wie sollten sie jetzt nicht die Menge eingeschüchtert, mißtrauisch gemacht, zur Unterwerfung im Stillen beredet haben? Die Menge war so zag und ungewiß, daß Viele meinten, der Zug gegen den Bund ihren Brüdern zu Hülfe sei nicht zu wagen. Doch zogen die Hauptleute zu Anfang der Nacht vom 2. auf den 3. Juni mit dem Heer aus. Zu Heidingsfeld sahen sie den Bauernhans aus Mergentheim athemlos daher reiten; er kam flüchtig von Königshofen und erzählte den Hauptleuten allein die Niederlage, so, daß ihnen graute und sie schnell das Heer nach Würzburg zurück führten. Die zu Randesacker warfen die Ersten, die von Königshofen ankamen, in Fesseln und schickten sie als Lügner, als Ausreißer ins Hauptquartier. Aber ihr Zeugniß stimmte mit dem des Bauernhans nur zu sehr überein. Da stahl sich 499dieser und jener davon, der bisher vorn daran gewesen war, und Bürgermeister und Rath zu Würzburg schrieben heimlich ein unterwürfiges Schreiben an den Truchseß. Nachmittags am 3. Juni ritt einer ein, der sagte aus, es sei nichts, daß ihre Brüder vernichtet seien, sie lagern beisammen, und harren auf Zuzug und Hülfe der Würzburger; und zu gleicher Zeit zog Gregor von Bernheim mit seinen Fähnlein vom Aischgrund ein, die erzählten, wie der Markgraf vor ihnen geflohen sei. Das elektrisirte wieder etwas. Um 9 Uhr Abends zogen die beorderten Fähnlein wieder aus, Bruder Ambrosius gab ihnen den Segen, wie sie vor ihm vorüberzogen, und feuerte sie an, für Gottes Wort tapfer zu streiten. Zu Heidingsfeld ruhten sie die Nacht, aber in dieser Nacht entwichen wieder viele der Hauptleute und derer, die in Aemtern waren. Es war die höchste, es war die äußerste Zeit, daß der kühnste Heerführer der Franken, daß Florian Geyer mit dem grauenden Morgen daher jagte, und ehe die Sonne des Pfingstfestes heraufstieg, stiegen Gregors entschlossene Männer, eine Zahl Fähnlein des Heeres, darunter die der Würzburger und der Kitzinger Bürgerschaft unter Jakob Köhl und die Trümmer der schwarzen Schaar unter Florian Geyer den Wald über Heidingsfeld hinauf, die Straße nach Röttingen zu. Dieser vereinigte Heerhaufe zählte jedoch nicht viel über 4000 Mann. Hans Lutz, der auch hier zugegen war, sagt ausdrücklich: 7 Fähnlein stark. Der Augenzeuge: es kam Kundschaft, daß bei 5000 daher zögen. Ebenso der Bericht in den Materialien: bei 5000. Haarer, Thomas Zweifel, der Deutschkommenthur sagen 5000. Schertlin von Burtenbach, der auch dabei war, nennt 4000, in seiner Selbstbiograpbie. Frankfurt und Leipzig, 1777, I. S. 13. Die andern Fähnlein waren vor dem Frauenberg zurückgeblieben. Sie hatten viel leichtes Feldgeschütz bei sich. So still der Abzug von Würzburg geschehen war, so hatte man ihn doch vom Schloß aus bemerkt, und in derselben Nacht rauschte der bischöfliche Marschall Truchseß mit 250 Reitern bis zum Ruck des Frauenbergs heran, und schickte etliche Knechte bis an den lichten Zaun, eine Leiter ließ sich auf ein Zeichen von den Zinnen herab, drei stiegen ins Schloß, und meldeten den Sieg bei Königshofen und den Anzug des Fürstenheeres. Der Wächter aus dem mittlern Thurm mußte auf den Jubel der Besatzung den Bauern das Spottlied hinabblasen: »Hat dich der Schimpf gereut, so zeuch du wieder heim;« der auf dem mittlern Thurm blies den Würzburgern 500den »armen Judas«. Die im Schloß theilten den Boten den Zug des schwarzen Haufens die Waldstaige hinauf mit, sie stiegen hinaus, meldeten es dem bischöflichen Marschall, und der jagte mit der wichtigen Kunde davon. Die Büchsenschützen der Bauern in der Tellschanze sahen die Reiter, schossen durch die Dämmerung auf sie, in der Stadt wurden die Sturmglocken angezogen, der Marschall und die Reiter verschwanden im Wald; der erschreckten Menge sagten die Hauptleute in Würzburg, es seien nur gespenstische Reiter, keine Bündischen gewesen; der große Schwarzkünstler, der Barfüßermönch (ein geschickter Feuerwerker im Schloß), habe sie ihnen vorgezaubert.

Der bischöfliche Marschall ereilte 2 Stunden von Giebelstadt den Truchseß und die Fürsten. Er war Florians Haufen bis auf eine gewisse Strecke nachgeritten, dann seitwärts, vom Nebel verdeckt, durch die Thäler. Die Schwarzen, sagte er den Fürsten, seien im Anzug und nicht eine halbe Meile von da.

Am Pfingstfest war das Fürstenheer, nachdem es einen Tag von Marsch und Schlacht gerastet hatte, aufgebrochen und zog auf Würzburg. Beim Aufbruch hatten die Fußknechte des Truchseß sich geweigert, mitzuziehen: sie machten, vielleicht schon durch die von Würzburg ausgesandten Werber bestochen, eine Meuterei, und bewegten des Pfalzgrafen Knechte auch auf ihre Seite; sie wollten einen Schlachtsold von der letzten Schlacht Nicht von der Böblinger, der mußte ihnen im Kraichgau ausgezahlt werden. Holzwart, Handschrift. Nach Holzwart wollten sie zwei Schlachtsolde für zwei Schlachten, also für Neckarsulm und Königshofen. haben. Der Truchseß erinnerte sie ihres Eides; umsonst. Damit sie sich nicht des Geschützes bemächtigen, ließ er es voranführen, und zog mit dem reisigen Zeug hintennach. Aus der Höhe erfuhr er den Anzug der Bauern. Er schickte seinen Herold an die Knechte, mit ihnen zu handeln, daß sie im Angesicht der Feinde als fromme Knechte bei ihrem Eide thun wollten. Nichts Eid! Geld, Geld! riefen sie. Sie hielten eine Gemeinde; darin war ein großes wüstes Geschrei. Die Mehrheit war, wer ziehe, den wollen sie zu todtschlagen. Drei weigerten sich, mit ihnen zu halten; sie lagen augenblicklich erschossen in ihrem Blute. Der Truchseß hätte die Meuterer gerne gezüchtigt; aber, den Feind vor sich, »trug er Sorge, es könnte ihm wie Herzog Leopold von Oesterreich geschehen; 501wenn er die Bauern von vorn angriffe, daß die Knechte hinten in die Reisigen fielen, wie sie sich dessen vielmal hören ließen.« Seidler, Handschrift. Doch folgten dem Truchseß fast alle Hauptleute, Fähndriche mit den Fähnlein, Waibel und Doppelsöldner mit vielen Fußknechten, die sich mit Geschicklichkeit von dem Haufen machten, und ehe der Truchseß eine starke Stunde gezogen war, fanden sich noch bei tausend weitere Knechte bei ihm ein. Der Augenzeuge, übereinstimmend mit dem Bericht des Commenthurs von Horneck, der 2000 nennt.

Herr Florian, Köhl und Gregor, welche die ersten Boten der Königshofer Schlacht nicht gesprochen, keine weitere offizielle Kunde erhalten hatten, glaubten dem letzten Boten, glaubten ihre Brüder noch vorhanden, und ihre Leute waren großentheils voll Muths und Zuversicht, und schwuren, wenn sie sich mit ihren Brüdern vereinigt hätten, und als ein Heer der Rache auf den Bund sich wärfen, keinen Gefangenen leben zu lassen, sondern die Reiter aufzuhängen, den Fußknechten die Hälse abzuschneiden. Daß die Bauern weder vom Untergang ihrer Brüder, noch von solcher Nähe des Bundes Kunde hatten, darin stimmen alle Handschriften überein: Friese, Hans Lutz, Seidler, Holzwart, der Augenzeuge, und die Handschrift in den Materialien. Da sie ihre Brüder zwischen sich und den Bündischen voraussetzten, zogen sie sorglos von dem Schloß Ingolstadt hervor auf den großen Flecken Sulzdorf ins weite Feld.

Herr Georg ritt selbst mit etlichen Pferden vor, den Feind zu besehen, und er fand, daß es zunächst darauf ankam, die Bauern von dem Guttenbergerwald, den sie eine kleine halbe Meile Wegs hinter sich hatten, abzuschneiden. Er verordnete die Berittensten mit den Rennfahnen voraus, und alle Geschwader zogen gleich hinten nach. Sobald die Bauern die feindlichen Rennfahnen gewahrten, die auf die Ahnungslosen hervorbrachen, wollten sie wieder hinter sich an den Wald. Aber diese, die sie auf beiden Seiten anfielen, schwenkten eben so schnell ab, und waren ihnen schon im Rücken, zwischen ihnen und dem Wald, und vorn daher rückte mit allen Geschwadern, mit Fußvolk und allem Geschütz der Truchseß. So sahen sich die Bauern jählings vom Fürstenheer im weiten freien Feld übereilt, umsetzt und angegriffen, daß sie weder ihr Geschütz noch ihre Wagen 502wieder zurück oder in einen bessern Vortheil zu bringen vermochten. Herr Florian ließ in diesem Unglück schnell, so gut er es konnte, alle Fähnlein der Bauern in Schlachtordnung treten, errichtete ringsum eine Wagenburg, mit 36 Stücken auf Rädern unterspickt, und begann das Feuer gegen die Reisigen. Wie aber der Schenk von Schwarzenberg mit seinen Schützen angriff, und der ganze bündische reisige Zeug und das furchtbare Geschütz daherkam, öffnete sich hinten die Wagenburg, die Bauern begannen zu fliehen, und die ersten Muthlosen rissen die andern nach. Flüchtig im ganzen weiten Feld wurden sie erritten, erstochen, todtgeschlagen, durch alle Straßen, Wege und Wälder, wohin sie flohen. Bis Ochsenfurt hier, bis an den Main dort verfolgten sie die Reisigen. Ein flüchtiger Schwarm entlief bis Eisfeld oberhalb Heidingsfeld, und wurde hier im Kirchhof, wo sie sich setzen wollten, erstochen. Ein Theil floh noch Sulzdorf, Giebelstadt, Bütthard und andern Dörfern. 60 Bauern wurden lebend gefangen; die sie fingen, wollten ein großes Lösegeld aus ihnen ziehen. Als sie sie zur Wagenburg brachten, wurden sie auf Befehl des Truchseß auf einem Haufen erstochen, »da sie ja geschworen haben, auch keinem Bündischen das Leben zu schenken;« Beweis, daß auch hier feindliche Kundschafter unter dem Zug gewesen.

Fliehen war Herrn Florians Sache nicht, und seine Braven hielten auch bei ihm aus, während Alles auseinander floh; Mitten im allgemeinen Entlaufen und Morden zogen in die 600 des Haufens mit Büchsen, Wehren, langen Spießen und Hellebarden, Kriegsleute und andere tapfere Männer, in festgeschlossener Ordnung, gegen Dorf und Schloß Ingolstadt sich zurück. Es war Florian Geyer mit dem Rest seiner schwarzen Schaar und 50 freien Knechten, welche die Geistlichkeit Würzburgs geworben hatte, und die sich ihm anschlossen. Auch an dieses Häuflein rasselten wieder und wieder die Reisigen heran, und prallten jedesmal zurück vor den guten Schüssen der schwarzen Schützen und ihren langen Spießen. Hinter der Dornhecke des Dörfchens Ingolstadt setzte sich die tapfere Schaar. Pfalzgraf Ludwig führte jetzt selbst seine 1200 Ritter und Reisige gegen sie heran. Da warfen sich 200 der Bauern in den Kirchhof, die Kirche und den Kirchthurm, 3-400 erreichten das Schloß. Die Uebermacht drängte die im Kirchhof alle in die Kirche zurück. Vom 503Thurm, vom Dach der Kirche herab blitzte Schuß auf Schuß, trafen Ziegel, Mauerstücke auf die Bündischen; diese warfen Feuerbrände hinein, und Kirche und Thurm mit den Tapfern darin verbrannten; aber noch aus den Flammen heraus schossen und warfen sich diese auf ihre Feinde, und tödteten und verzehrten, noch während sie verzehrt und getödtet wurden. Nicht Einer dieser Tapfern blieb leben. In den Ruinen des alten Schlosses schien sich alles Heldenthum des ganzen Bauernkriegs, wie in einem Brennpunkt, zu sammeln. Das Schlößchen, schon vor fast einem Jahrhundert von den Rotenburgern gebrochen, später wieder in etwas aufgebaut, und am 7. Mai von Bauern wieder ausgebrannt, hatte noch hohes und gutes Gemäuer, mit einem großen starken Thurm und tiefen Graben. Herr Florian war selbst darinnen. Sie verbauten sich durch Verrammlung der Thore so schnell, daß Niemand zu ihnen kommen mochte, »und schossen so feindlich heraus, als stünde keine Sorg ihnen da an ihrem Verlust; sie begehrten auch weder Gnad noch Fried.« Nur 3 Feige waren darin; die liefen heraus, Gnade zu erlangen, wurden aber auf der Stelle von des Pfalzgrafen Trabanten erstochen. Der Pfalzgraf, mit fast dem ganzen fürstlichen und bündischen Zeug, häufte sich vor dieser Ruine. Man richtete alles Geschütz wider sie, groß und klein; und auf das furchtbare Feuer fiel die Mauer, wohl auf 24 Schuh Breite, von oben her zu einem großen Sturmloch, gegen 6 Schuh auf den Grund herab, und sogleich traten die Fußknechte begierig den Sturm an, durch einen wüsten moosigen Graben voll lehmigten Koths, und mit ihnen Grafen, Herren, Ritter und Reisige, die alle von den Gäulen abstiegen; in einiger Unordnung, weil sie den Sturm leicht zu gewinnen meinten. Ganz wüst vom Schmutz des Grabens fielen sie über die Mauer hinein, gegen die Feinde mit ganzem Haufen und ganzer Kraft. Aber auf der Bresche standen Männer, entschlossen, vor der schweren Stunde zu bestehen, und ihren Feinden und dem Schicksal Achtung abzugewinnen. Mit einem Kugelregen empfingen sie die Stürmenden, und mit einem Hagel von großen Steinen, und trieben sie mit großer Gewalt wieder hinter sich, über die zerschossene Mauer hinaus bis in den Graben; über 100 der Stürmenden waren getödtet oder verwundet, »darunter viele Herren und gute Gesellen.« Haben 504sie drinnen, sagten Sachverständige, zu ihren Handrohren Steine und Pulver genug, werden wir ihnen heut schwerlich was angewinnen. Das schwere Geschütz erweiterte die Bresche, während die im Schloß arbeiteten, Steine zu tragen, und zu verterrassen. Zum andernmale wurde der Sturm angelaufen in ganzem Ernst. Viele Grafen und Herren, Edle und Unedle, kamen zu der Bresche hinein, und freuten sich, die größte Noth überschritten zu haben; kein Schuß von Innen heraus fiel mehr; die Belagerten hatten ihr Pulver fast verschossen; und mit Jubel drangen die Herren vor. Da fing Kampf und Noth erst recht an. Inwendig vor ihnen, zwischen der zerschossenen Mauer und dem Hof des Schlosses, darin sich die Schwarzen enthielten, war noch eine Mauer, wohl eines Spießes Höhe hinauf, durch welche nur ein Fenster und eine enge Thüre hinein gingen. Durch Fenster und Thüre und oben herab wehrten sie sich mit Werfen, Stechen und gut gezielten Schüssen aus ihren Handrohren. Doch wurde »von Gnade Gottes« keiner der Herren getödtet, so sehr sie in Gefahr ihres Lebens standen, und so viele gequetscht und verwundet wurden. Sie sahen sich zum zweitenmal abgetrieben. Mancher Knecht wollte nicht ganz abweichen und nachlassen; »wie Katzen« hielten sie sich an der Mauer klebend.

Jetzt legte man das Geschütz anders und richtete es durch die zerschossene Mauer hinein an die innere Mauer, und zerschoß sie darnieder, daß Weite genug war, hinein zu fallen. Die Büchsenmeister hatten ihre Geschütze bis an den Rand des Grabens vorgelegt, da sie von den Handrohren der schwarzen Schützen, wie sie sahen, nichts mehr zu fürchten hatten.

Der Fußzeug des Bundes und die Herren liefen nun den dritten Sturm an mit aller Macht und allem Zorn über das zweimalige Mißlingen. Schon sind viele im Schloß durch die heiße Arbeit müd und kraftlos. Einem Fähnlein, schwarz und gelb, gelingt es, auf die Mauer zu kommen; die Knechte kommen nach; bald wehen noch drei Fähnlein neben dem erstern. Der Fähndrich Hans Sattler von Augsburg sinkt; es sinkt der Fähndrich von Nürnberg, hart geworfen, bis auf den Tod. Die Knechte hatten keine Büchsen, wie die Schwarzen kein Pulver; es war ein Kampf mit Mauersteinen; bis der Haufen der Knechte den Graben durchwatet hatte und 505nachkam. Da drangen sie an beiden Enden zuletzt, wiewohl schwer, an der Bresche und bei dem Thore hinein und drückten die schwarzen Helden in die letzten Ruinen zurück. Niemand will, Niemand gibt Gnade; im wilden schrecklichen Getümmel und Grimm des Todeskampfes durchkreuzen sich bündische und bäurische Arme, Schwerter, Lanzen und Hellebarden, eng und enger zusammen gedrängt: würdig, daß ihnen Besseres geworden wäre, und theuer ihr Leben verkaufend, sind schon die meisten der schwarzen Schaar, auch die fünfzig freien Knechte, gefallen. Bei 50 zogen sich in den tiefen Schloßkeller zurück und wehrten sich verzweifelnd daraus. Die Feinde warfen durch die Oeffnungen brennende Strohbündel und darauf Pulverfäßchen hinein, daß sie Alle darin starben bis auf drei, die in der Dunkelheit entkamen. 206 Leichen der schwarzen Schaar lagen umher im engen Raum der Ruinen: nicht darunter Herr Florian. Begünstigt durch die tiefe Nacht, die unter Sturm und Gefecht eingebrochen war, hatte er mit einer Handvoll der tapfersten und stärksten Männer gegen 200, als die Bündischen das Schloß überwältigt hatten, in ein ganz nahes Gehölz sich durchgeschlagen. Während der Pfalzgraf zur Siegesfeier alle Trommeten schmettern und alle Heerpauken schlagen ließ, umstellte er das Wäldchen, da man in der Nacht nichts gegen die darin vornehmen konnte, mit Reisigen, damit keiner entlaufe. Herr Florian setzte den Kampf auch in der Nacht aus dem Wald hervor fort, bald hier bald dort vorbrechend, bis ihm gelang, mit einer Zahl der Seinigen durchzubrechen und das Weite zu gewinnen. Mit dem Morgen fielen die Bündischen in's Gehölz und erwürgten Alles darin, was dem kühnen Führer zu folgen nicht mehr Muth genug gehabt hatte, und lieber widerstandslos sich erstechen lassen, als fechtend fallen oder sich retten wollte. Nur 17 Gefangene waren in allen diesen Gefechten am Pfingstfest angenommen worden.

Das bündische Heer »hatte an diesem Tage mehr Leute verloren, als je bisher an einem Tag, die Böblinger Schlacht ausgenommen: und bei Königshofen und Ingolstatt hatten die Pferde so sehr gelitten, daß nachher im Lager zu Heidingsfeld sie in solcher Anzahl fielen, daß man vor dem Geruch fast nicht bleiben konnte und das Lager verrückte.« Hans Lutz, Handschrift. Der Truchseß ließ das Lager schlagen eine Viertelmeile 506vom Schloß, »in einem Moos, bei einem rinnenden Wasser, daselbst die Nacht Ruhe zu haben,« während die Dörfer Bütthard, Sulzdorf, Ingolstadt und Giebelstadt mit ihren Flammen als Wachfeuer leuchteten. Sie alle waren umstellt und angezündet worden; was von Bauern darin blieb, kam durch's Feuer um; was herausfloh, durch die Reisigen. In Giebelstadt, wo Florian Geyers Vaterschloß war, hart gegenüber dem Schlosse der Zobel, schossen sie aus den brennenden Häusern noch auf ihre grausamen Feinde. Von allen darin waren noch 7 übrig; die krochen ins Gesträuch am Schloßgraben. Die Reiter, die zu Roß dahin nicht kommen konnten, riefen in entsetzlichem Scherz hinüber, wer die Andern erstäche, solle begnadigt sein. Und einer erstach 5 seiner Brüder; mit dem sechsten ringend, stürzte und ersoff er im Schloßgraben; fest sich umklammernd fand man zwei Gerippe, als man später das Wasser abließ.

Bis Würzburg hin zeigten die brennenden Dörfer die Spur der Bündischen; um nach Würzburg zu gelangen, hätte Florian Geyer mitten durch das Heer der Sieger hindurch gehen müssen; er schlug den Weg zu dem Gaildorfischen Haufen ein, der sich ihm besonders verbrüdert hatte. Alle die Seinen, bis auf Wenige, hatte Florian verloren, alle waren ihm erschlagen an einem Tage des Zorns; er stand einsam, schwieg und trug's: Zweierlei hatte er nicht verloren, sich selbst und die Hoffnung. So lang ihm Arm und Schwert blieb, blieb ihm der Wille, seinem deutschen Volke zu helfen, und der Glauben an die Möglichkeit.

Der große Gaildorf-Hallische Haufe hatte noch keine Verluste erlitten. Gegen 7000 hatten sich zuletzt noch im Lager bei Thann zusammengezogen. Eine Abtheilung zu Roß und zu Fuß war vom Bundesheer schon bei Neckargartach seitwärts ins Kocherthal entsandt worden, und hatte sich mit dem Kriegsvolk der Stadt Hall vereinigt. Den Gmünder Wald hatten sie gebrandschatzt und geplündert, in der Stadt Gmünd den neuen Rath abgesetzt und um Geld gebüßt, den alten wieder eingesetzt, das Haus des Prädikanten niedergerissen. Dieser und die meisten Goldschmiede waren entwichen. Holzwart, Handschrift. Gmünder Akten. Die Gerüchte von den Niederlagen rings umher, des Truchseß Drohbriefe, des obersten Hauptmanns der Gaildorfer Einverständniß mit 507den Herren, hatten die Folge, daß der Haufe sich auflöste, namentlich die Hallischen Bauern den Winken ihres Raths folgten, und, ehe sie gestraft wurden, über Nacht neu huldigten. Die Bündischen und die Hallischen Knechte zogen gegen den Rest des Haufens, der 2000 Mann stark noch bei Thann lagerte, und gedachten, ihn zu überfallen. In Thann aber fanden sie keine Seele. Durch Feuerzeichen auf den Bergen und durch Warnschüsse von der Absicht ihrer Feinde benachrichtigt, hatten sich die Bauern in die Wälder zerstreut. Die grauenvollen Erzählungen von Königshofen und Ingolstadt machten auch auf dem Gmünder Wald, im Ellwangischen und Limburgischen tiefen Eindruck. Florian Geyer fand hier Alles entweder neu gehuldigt oder zerstreut, aufgelöst, entmuthigt. Noch wagte er den Versuch, die, welche noch nicht wieder gehuldigt hätten und noch nicht entwaffnet wären, die aus dem Württembergischen hieher Versprengten, die aus dem Kocher- und Jaxtthal ohne Hoffnung der Begnadigung auf diesen Wäldern Versteckten, wieder zu versammeln, und den Wald, das Ries, den Birngrund und die Rotenburger Landschaft im Rücken der Fürsten neu zu bewegen. Aber er war am Ziel. Am 9. Juni wurde Florian Geyer mit seinem Anhang auf dem Speltich, »einer Waldhöhe zwischen den Schlössern Vellberg und Limburg unweit Hall« von seinen Verfolgern aufgespürt. Es war sein eigener junger Schwager, Wilhelm von Grumbach, der ihn überfiel. Er sank fechtend, und fast alle die Seinen mit ihm im hoffnungslosen Kampfe.

Der Tod im Felde rettete ihn vor den Schaffoten, und half ihm zur ewigen Freiheit. Noch über der gefallenen Sache des Volkes hielt er ungebrochen vorfechtend den Ritterschild: nicht gegen den Lebenden sollten sie sich des Sieges rühmen, kaum gegen seine Leiche.

Er war auf den sonnigen Bergen, auf den freien Höhen des Lebens geboren: am Kaiserhof der Hohenstaufen glänzten schon in ritterlichen Ehren seine Ahnen. Aber den Armen in der Niederung, den Gedrückten im Thale schlug sein Herz. Er hat dem Volke gelebt und ist dem Volke gestorben; »fromm und treu bis ans Ende, dem Evangelium seiner Ueberzeugung, dem Worte Gottes« in allen seinen Folgen; ergeben der christlichen Freiheit; nicht der einseitigen falschen, sondern der ganzen und wahren. Wie seinem Vorbilde Ulrich von Hutten, 508war ihm im Leben Beides gegeben, das Wort und das Schwert; und Zweierlei wurde ihm voraus im Sterben, ein ehrlicher Reitertod im Kampf für die von ihm heilig erkannte Sache, und das, daß auch die Verleumdung nicht wagte, auf sein weißes Gewand einen Flecken zu werfen. Das Volk büßte es, daß es ihn hintan setzte; er büßte seinen, aus seiner eisernen Consequenz hervorgegangenen falschen Rathschlag mit dem Frauenberg, und, neben dem Verrathe des Göz, die Ungeschicktheit seiner Mithauptleute, die ihn ohne alle Kunde ließen, daß er im freien Felde überfallen wurde. Nicht Geiz nach Ehre, Einfluß oder Beute war's, was ihn handeln ließ; auch der Feinde keiner hat dieses ihm nachgeredet; und ruhmlos fiel er, und schlief lange fast vergessen. Einst wird auch seine Zeit und sein Lohn mit ihr kommen, wenn auf der ganzen befreiten deutschen Erde der Vater den Söhnen und Enkeln erzählen wird von Denen, die mit ihrem Blute den Baum gepflanzt haben, in dessen Schatten der Landmann und der Bürger ein schöneres, ein würdigeres Dasein genießen; dann wird man auch reden und sagen von Florian Geyer, dem Hauptmann der schwarzen Schaar. Quellen für dieses Kapitel: Handschriften von Hans Lutz, Seidler, Holzwart, Lorenz Friese, Hoffmann; Bericht des Augenzeugen; Haarer.


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