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Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band

Wilhelm Zimmermann: Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band - Kapitel 33
Quellenangabe
authorWilhelm Zimmermann
titleGeschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
printrunNeue ganz umgearbeitete Auflage
year1856
firstpub1843
correctorreuters@abc.de
senderHerbert Niephaus
created20180125
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Siebentes Kapitel.

Wendel Hipler am Neckar und in Würzburg.

Vier Tage hatte der Truchseß, nachdem er von Sindelfingen auf Plieningen vorgerückt war, bei letzterem Ort und Neuhausen gelagert. Da kamen die Abgeordneten vieler württembergischen Städte und baten um Gnade. Der Truchseß nahm sie nur auf Gnade und Ungnade an und befahl sogleich, einen Landtag in Stuttgart zu halten. Viele konnten nicht darauf erscheinen, weil sie nichts davon erfuhren; die Städte und Aemter Weinsberg, Bottwar, Brackenheim und Beilstein wurden ausdrücklich davon ausgeschlossen, als die Wiegen des 468Aufstandes. Die ganze Landschaft Württemberg, ohne Rücksicht auf Schuld oder Unschuld, mußte nach vergeblichem Widerstreben, da der Truchseß mit Plünderung und Brand drohte, 36,000 fl. Strafe zahlen. Es ging ein ungeheurer Schrecken durch das Württemberger Land. Die bedrohten Städte suchten sich selbst der Häupter des Aufstandes zu bemächtigen, um durch ihre Auslieferung sich Gnade zu erkaufen. Gericht und Rath zu Bottwar baten schon am fünfzehnten Mai den Rath zu Heilbronn, er möchte insgeheim dem Michael Demmler, Martin Grämer, genannt Nußadam, dem jung Spitzhirsch und Melchior Uhlbächer nachfragen: hätten sie diese, hofften sie mit ihnen Gutes zu schaffen, und großem Schaden zuvorzukommen. Bundesakten Fasc. 94. Nro. 2.

Selbst Heilbronn war nicht ohne Furcht. In dieser Stadt saßen eben Wendel Hipler, Peter Locher und Hans Schickner und arbeiteten über der Reichsreform: da kam der flüchtige Hauptmann des geschlagenen württembergischen Haufens Bernhard Schenk von Winterstetten und Michael Scharpf von Oehringen, der auch bei der Schlacht gewesen war. Sie erreichten Heilbronn schon am Tage nach der Schlacht; die Ersten, welche sichere Kunde brachten. Die Bündischen, sagten sie, haben ein so furchtbares Geschoß an großen Hauptstücken und Feldgeschütz, daß sie zuvor noch nie etwas dergleichen gesehen; dazu dritthalbtausend wohlgerüstete Reisige bei ihrem Heer, welche in die durch das mörderische Feuer aufgelösten Glieder mit unwiderstehlicher Gewalt eingedrungen seien. Auf diese Kunde, erzählt die Sage, seien Wendel Hipler und die andern Räthe so schnell von Heilbronn abgereist, daß sie sogar die Sättel dahinten gelassen haben.

Unter der Bürgerschaft selbst bildeten sich eigenthümliche Gruppen beim ersten Gerücht. Da standen bei einander Venninger-Endres und etliche des Raths. Peter Koberer, der Seiler, ging vorüber. Weißt du, sagten sie, daß ein Rennfähnlein so viele Bauern erschlagen hat? Ich glaube das nicht, sagte Koberer. Gelt, sprach Venninger, du wolltest, daß der Bund und die Reiter erschlagen worden wären und nicht die Bauern? Wenn man mir die Bauernader abschnitt, entgegnete Koberer, so würd' ich zu todt bluten, und ihr möchtet 469mir ein Hütlein aufsetzen wie ihr wollt. Wenn ihr des Gemüths sein wollet, warum habt ihr sie nicht zuvor draußen gelassen? Bundesakten Fasc. 99. b. Nro. 11.

Zu Wolf Leypheim kam Joß Deumlin. Weißt, Wolf? die Bauern sind droben geschlagen; ich bleib' nicht, ich will gen Würzburg. Wolf sagt: weißt den Weg? Joß bejahte es. Wohlan, sagt Wolf, ich will mit dir gehen, ich hab' ein Wort auf dem Kirchhof fallen lassen, ich habe gesagt: Wenn die Bauern obliegen, wollen wir ein Freudenfeuer auf dem Markt machen, ich hab' ein zweifudrig Faß, das will ich dazu nehmen. Das Wort möchte mir Schaden bringen. – Deumlin gedachte des Goldes aus dem deutschen Hause, Wolf trieb die Furcht vor der Entdeckung anderer Dinge. Bundesakten Fasc. 99. b. Nro. 13. 14.

So sprach jetzt derselbe, der kurz zuvor geprahlt hatte: »Das ehrlos Bündlein komme nur, wir wollen es binden!« Bundesakten Fasc. 99. b. Nro. 16. Auf dem Markt stand Matthias Gunther, fluchend über die feigen Bürger. »Alle Bürger sind Bauern, rief er. Ueber ihn! thut euch wieder zusammen, sind doch euer viel, und schlaget den Bund, daß es ihm die Jupp gerbt. Ihr solltet in einem Dorf anfahen Sturm läuten; hörten es die andern und ferneren und läuteten weiter, so kämet ihr zusammen.« Bundesakten Fasc. 99. a. Nro. 18.

Die Herren des Raths eilten, der verwittweten Gräfin von Helfenstein sich angenehm zu machen, und spürten bei den Goldschmieden nach den Kleinodien, die die Bauern aus der Weinsberger Schloßbeute zu Heilbronn verkauft hatten, ein Kreuzlein der Gräfin, hohen Werthes, Perlen und Ringe: aber ein treuer Diener, Ehrhard Klempeis, hatte selbige schon für seine Herrin wieder eingelöst. Bundesakten Fasc. 96. Nro. 4. Noch eiliger schickten sie Gesandte dem schwäbischen Bund entgegen. Herr Hans Berlin, der so eben noch an der Reichsreform gearbeitet hatte, mußte die Feder hinlegen, und mit Bürgermeister Rieser dem Truchseß entgegen reiten; wo seine liebe Vaterstadt in Noth war, mußte der ächte Heilbronner für der Bauern und des Reiches Sache kein Auge und Ohr mehr haben. Mittwoch Abends, 470den 17. Mai, trafen sie schon einen Theil der Kriegsräthe und Obersten beim Nachtessen in Stuttgart. Sie trugen diesen gleich einen Theil ihres Anliegens vor, wie sie fürchten, von den Würzburgischen und andern Bauern zum zweitenmal überzogen zu werden. Liebe Herren, sprach Rudolf von Ehingen freundlich, auf daß ihr desto fröhlicher schlafen möget, sag ich und vertröst ich euch, daß heut Nacht der Haufen aufbricht, und den Donnerstag ziehen muß und reiten, von Plieningen bis an die Rems hinan, um Freitags nicht weit von Heilbronn zu sein. Wir wollen den nächsten Weg ziehen, Weinsberg zu strafen. Verzieht bis Morgen, frühe wird Herr Georg zu Stuttgart sein.

Inder Nacht weckte ein eilender Bote die Heilbronner Gesandten: er überbrachte ein Schreiben an den Bund, daß zu Weinsberg auf 1200 Bauern sich gesammelt haben, und daß eine merkliche Anzahl im Zug begriffen sein solle von Würzburg und vom Schenkischen her, Heilbronn zu überziehen und den Rath um Leib, Leben und Gut zu bringen. Eine Stunde Säumniß mit Hülfe sei zu lang. Sie bitten wenigstens um zwei Fähnlein Knechte. Die Obersten- fürchteten aber, die Fähnlein würden erstochen von den Bauern, ehe sie nach Heilbronn hinein kämen, und gaben keines ab. Die Herren zu Heilbronn saßen und rathschlagten in großer Noth, hart an sich die Bauern im Weinsberger Thal, vor sich drohende Briefe von Göz von Berlichingen, die über seinen Anmarsch von Würzburg her keinen Zweifel ließen; eben so von Stuttgart her Briefe ihrer Gesandten, die sie auf den Zuzug des Truchseß vertrösteten und damit schlossen: »Es ist kein Feierns mehr, der Bund sei denn bei euch. Darum Proviant und Anderes hergeschafft; sollten etliche von Weinsberg bei euch gefunden werden, besorgen wir, möcht' es euch zu schwerem Nachtheil gereichen; warnet sie in einer Stille; habt die Stadt in Hut, denn euer mordlich Verderben stehet daran.« Bundesakten Fasc. 94. Nro. 3, 5, 6, 7.

Wendel Hipler war von Heilbronn nach Weinsberg geeilt. Von hier aus sandte er eilende Boten mit der Zeitung der Böblinger Niederlage und dem Anzug des Truchseß an die Hauptleute in Würzburg, schrieb an die Oehringer, ins Jaxt- und Kocherthal und in 471andere nahe Gegenden den Befehl, sich schleunig auf Weinsberg zusammenzuziehen, und an die Grafen von Hohenlohe, ihm Geschütz und Kriegsgeräth zu senden. Dann eilte er nach Thalheim, die deutschordischen und heilbronnischen Bauern, den Kreis Jakob Rohrbachs aufzumahnen; am 15ten war er zu Laufen, um hier ein Feldlager zu errichten zum Sammelplatz für die Trümmer des württembergischen Haufens. Alle seine Talente setzte er in Thätigkeit, die Zerstreuten wieder unter die Fahne zu bringen, die Muthlosen aufzurichten, das Vernichtete herzustellen. Es liefen auch viele Bauern ihm zu, aber von den verbrüderten Städten hatten die meisten schon ihre Unterwerfungsschreiben an den Truchseß eingeschickt und wollten, da es ein neuer Abfall scheinen mußte, wenn sie die Waffen jetzt wieder nahmen, nicht Alles aufs Spiel setzen. Da Wendel den Abfall des Heilbronner Raths sogleich erkannt hatte, mußte er das Feldlager von Lauffen nach Weinsberg zurück verlegen. Und er selbst eilte aufs Schnellste nach Würzburg, die dortigen Brüder zur Hülfe herbeizurufen.

Vom gaildorfischen Haufen führte Michael Rupp von Ruprechtshofen eilig ein Fähnlein von 500 Knechten herbei. Wir haben diesen Haufen vor Gmünd verlassen. Der Grund der Spaltung unter der Bürgerschaft in Gmünd war ein Prediger der neuen Lehre, der von der Geistlichkeit abgesetzt worden war, Meister Andreas Altheimer. Die Goldschmiede, dieses zahlreichste Gewerbe der Stadt, nahmen sich seiner an und begehrten ihn vom Rath als Prediger; es seien ja doch schon vor zwanzig Jahren Mönche und Priester in der Stadt über einige Glaubensartikel uneinig gewesen. Der Rath schlug ihr Gesuch ab und sie nahmen ihn auf ihre Kosten als Prediger an. Im Vertrauen auf diesen Rückhalt predigte Meister Altheimer immer freier. Der Rath mußte es dulden, da rings umher schon der Aufstand aufflackerte. Die Bauern aus dem Gmünderwald, wie alle ringsum, waren auf, in die 4000; sie ließen sich einige Tage beruhigen, und traten gleich wieder zusammen. In der Osternacht (15.—16. April) entstand in der Stadt ein Zusammenlauf, doch ohne Folgen, da die Bürger nicht dazu vorbereitet waren. Einige Tage darauf liefen die Goldschmiede und Andere der Gemeinde mit Harnisch und Wehren zusammen, »sie wollen das reine Evangelium 472haben;« sie fielen in die Klöster und nahmen das Gut darin an sich, bemächtigten sich der Thorschlüssel, setzten viele aus dem Rath, wegen Verwandtschaft und schlechter Verwaltung, und wählten neue Glieder aus der Gemeinde darein, die das Steuerwesen zu ordnen sich das Erste sein ließen. Der alte Rath hatte schon unterm 27. März zur Beilegung der Irrungen zwischen ihm und der Gemeinde verheißen, Gottes Wort handhaben, alle böse Ordnung und Satzung der Stadt abthun und gute Ordnung, wie sich's gebühre, aufrichten zu wollen: er hatte aber, als der Bund bei Leipheim siegte, wieder gehäuft. Da die Bauern sahen, daß die Stadt immer nicht einig war, hofften sie sich ihrer zu bemächtigen. War aber auch Gemeinde und ein Theil des Raths in der Gesinnung mit den Bauern einig, so waren wie bei andern Städten die materiellen Interessen sehr von denen der Bauern verschieden. Als darum die Bauern den Eintritt in die Brüderschaft verlangten, lehnte es die Stadt ab, erbot sich jedoch, wo sie dem hellen Haufen was Friedliches und Gutes zu handeln hatte, zu sonderlichem Gefallen desselben es zu than. Die Bauern versprachen, keinen Schaden in ihrem Gebiet zu thun; und als der Hauptmann Storlin von Yeckingen und der Profoß dennoch in Gotteszell einfielen und den Klosterfrauen Gewalt thaten, legten die Hauptleute diese ins Gefängniß und entschuldigten es sehr bei den Gmündern noch nach ihrem Abzug. Am 3. Mai nämlich traten sie diesen an; sie führten 15 Hauptgeschütze bei sich, und bezogen ein Lager zwischen Hohenstadt und Schechingen. Von hier aus baten sie nochmals unterthänig, Gmünd möchte ihnen Gottes Wort mit den 12 Artikeln handhaben helfen. Holzwart, Handschrift. Urgicht des Mullmichel. Gmünder Akten. Das Verdienst, auf die letztern aufmerksam gemacht zu haben, hat G. Schwab (Schwäb. Alp, Anhang): aber er irrt in den Daten der Urkunden, und darum zu dem Gang der Begebenheiten.

Sowohl dieser Haufe, als die von Dinkelsbühl, Ellwangen und Krailsheim scheinen von Zeit zu Zeit zur Feldarbeit sich zerstreut, nur einen Mannschaftskern im Hauptquartier zurückgelassen, und aufs Aufgebot sich wieder gesammelt zu haben. Ohne daß es zu einer Entscheidung kam, führte sie der ellwangische Vogt von Tannenburg, offenbar absichtlich, auf den Wäldern von Gmünd, Limburg, 473Hall und Ellwangen herum, als endlich Wendel Hiplers Aufmahnung ein Fähnlein nach Weinsberg rief. Dies Fähnlein zu ersetzen oder mit vereinigter Macht, was wahrscheinlicher ist, den Brüdern am Neckar zuzuziehen, boten die Gaildorfer Hauptleute die ellwangischen Bauern auf, und diese, gleichfalls von Wendel Hiplers eilenden Boten gemahnt, beriethen sich mit den Ellwanger Bürgern, den vierten Mann aus allen Dörfern zu dem Gaildorfer Haufen stoßen zu lassen. Gerade, als viele Bauern in die Stadt zogen, am 17. Mai, verständigte sich der Vogt in der Stadt mit seinem Schwager Reinhard von Neuneck, dem Pfleger zu Lauingen, und den Grafen von Oettingen, die mit 600 zu Fuß und zu Roß, des jungen Pfalzgrafen zu Neuburg Pferden, in die Nähe gekommen waren. Diese zündeten zu gleicher Zeit drei Flecken an, die in der Stadt zur Hülfe heraus zu locken, und sogleich, als Bürger und Bauern darin hörten, es seien Reiter draußen, die angezündet hätten, eilten 3 bis 400 hinaus, fielen aber nicht weit vor der Stadt dem reisigen Zeug in die Hände, der in einem Holz versteckt lag, daß sie mit Verlust von dreißigen und 3 Büchsen zurückflohen. Der Stadtvogt öffnete den Pfalzgräfischen die Stadt, der Vogt im Schloß das Schloß. Die Bürger mußten neu huldigen und alle Dörfer und Weiler. Die nicht huldigten, deren Güter und Häuser wurden verbrannt, 23 enthauptet. Auch zwei Chorherren, Wilhelm von Heßberg und der von Gültlingen waren unter den Gefangenen, der letztere entkam zu den Hallischen und später glücklich nach Straßburg. Niklas Thoman, Handschrift. Schreiben des Amtmanns zu Ellwangen, Niklas Burger, in Hoffmanns Handschrift. Viele Ellwangischen scheinen zu den dinkelsbühlischen Bauern geflohen zu sein: denn es entstand unter diesen eine solche Verbitterung, daß sie beschlossen, auf 30 Meilen kein Schloß stehen zu lassen. Anspacher Archiv I. 189. Schreiben des Markgrafen vom 21. Mai. Da die Gaildorfer, wie das Gerücht ging, von mehreren Seiten Ueberzug fürchten mußten, so mußten sie zur Deckung ihrer Landschaft zurückbleiben.

Wendel Hiplers Ankunft im Bauernlager zu Würzburg brachte endlich die Unbeweglichen in Bewegung. »Bauern, sprach er im Rathe, ich hatte euch einen guten Rath gegeben, ihr hattet mir aber nicht folgen wollen. Hättet ihr jetzt die Edelleute bei euch, wie ich 474euch gerathen, sie alle zum Mitzug zu zwingen! Nun werden sie auch lagen, wie sie daheim bleiben.« Wie mußte es Wendel Hiplern sein, so manchen guten Rathschlag, so manche gute Einleitung getroffen zu haben, von denen die Bauern keinen Gebrauch machen wollten, und deren Zweckmäßigkeit jetzt in der Noth, wo es zu spät war, so sehr ins Auge sprang. Er hatte das schreckliche Schicksal, als ein Sehender unter Blinden zu sein, und die Blinden handeln sehen zu müssen. Mit den Edelleuten sagte er ganz wahr. Selbst die Grafen von Hohenlohe fürchteten jetzt die Bauernmacht so wenig mehr, daß sie sich entschuldigten, und kein Pferd schickten. Auch daß sie die Landsknechtsfähnlein zurückgewiesen, die eben in der Fürsten Dienst gegen sie heranzogen, mußte ihm eben eine bittere Erinnerung sein. Und jetzt, im bittern Gefühl der Verlegenheit, konnten sie mehrere Tage nicht zu einem festen Entschluß kommen. Es waren von Anfang an so manche Elemente unter den verbündeten Haufen, die sich widerstrebten. Die Deklaration der 12 Artikel gerade in dem Zeitpunkt, worin sie gegeben wurde, war ein unseliger Gedanke, und um so mehr, da sie sich die 7 Artikel der Franken gegenüber stellen lassen mußte, und der Sieg dieser Artikel durch die Praxis anerkannt wurde. Der schlechte Fortgang der allgemeinen Sache wie der Belagerung rief Reibungen alter persönlicher Feindschaften, Mißtrauen, Verdächtigungen, Anklagen, Zwiespalt hervor. Schon war selbst Graf Georg von Wertheim von Würzburg weg und nach Hause gegangen. In jener Nacht während des Sturms auf den Frauenberg hatte er mit seinem Fähnlein in der Nähe des Schlosses gehalten, neben ihm Göz von Berlichingen mit seinen eigenen Knechten, wahrscheinlich um im Fall der Erstürmung des Schlosses eine zweite Weinsberger-Scene an ihren Verwandten zu verhüten. Die Verbitterung nach mißlungenem Sturm, äußerst gereizt durch den großen Verlust, machte sich in Vorwürfen des bösesten Argwohns Luft, als hätten Beide ihren Blutsfreunden zur Stärkung Kriegsvolk ins Schloß werfen wollen. In der tiefsten Seele gekränkt, ritt Graf Georg hinweg vom Haufen, anheim, und antwortete auf ihr Schreiben um mehr Geschütze: Gegeben habe er, was er gehabt; er habe nichts mehr als eine zerbrochene Schlange.

Ueber dieser wüsten Gährung schwebte Wendel Hiplers Geist, 475und suchte seit dem Abend des 17ten – so schnell war er nach Würzburg geritten – das Unlautere niederzuschlagen, das Trübe zu klären; er setzte es endlich am 20ten durch, daß an alle verbrüderten Gemeinden, die bisher bloß den vierten Mann ins Feld gestellt hatten, das Aufgebot erging, auf die erste Aufmahnung sich zum Zuzug mit ganzer Macht bereit zu halten. Zu Königshofen, im ganzen Tauberthale mußte der Hauptmann zu Lauda, der zu Mergentheim die ganze dortige Gegend aufbieten. Wendel Hipler setzte auch den Beschluß durch, vor dem Frauenberg nur 4000 Mann zu lassen, und zu Krautheim an der Jaxt ein festes Lager von 20,000 Mann zu beziehen, so die Tauber und den Mittelmain zu decken, die schwankenden Grafen von Hohenlohe vom Rückfall abzuhalten, und von da den ganzen Neckar und die noch nicht entwaffneten württembergischen Gemeinden zu bedrohen. Die militärische Bedeutung dieses Planes findet man ausführlich bei Bensen S. 264—265. Aber das Unglück schritt schneller als die Bauern. Auch dieser helle Gedanke Wendels zerging, ohne zur That zu kommen, an der unempfänglichen Masse. Zuletzt, am 23ten, brachte er den hellen lichten Haufen Odenwalds und Neckarthals unter Göz von Berlichingen und Georg Metzler in Marsch, noch immer gegen 7000 Mann; Herr Florian, der über der Brüder Noth jede Persönlichkeit vergaß, wollte mit den Franken auf den ersten Ruf nachfolgen: aber indessen waren die Brüder am Neckar unterlegen.


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