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Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band

Wilhelm Zimmermann: Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band - Kapitel 32
Quellenangabe
authorWilhelm Zimmermann
titleGeschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
printrunNeue ganz umgearbeitete Auflage
year1856
firstpub1843
correctorreuters@abc.de
senderHerbert Niephaus
created20180125
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Sechstes Kapitel.

Die Belagerung des Frauenbergs.

In Ober- und Niederschwaben, im Elsaß, in der Buchen, in Thüringen und Sachsen waren die Panner des Volkes gefallen: noch stand das große Hauptheer unbesiegt um Würzburg.

Die im Frauenberg hatten sogleich, nachdem Göz von Berlichingen und Georg Metzler die zwölf Artikel zur Annahme hereingeschickt hatten, einen Reisigen dem Bischof damit nachjagen lassen, der mit dem Bischof in Heidelberg eintraf. Der Bischof antwortete unterm 8. Mai, der Pfalzgraf habe ihm stattliche Hülfe zugesagt; die Besatzung solle darum mit den Odenwäldern Unterhandlungen anknüpfen und ihnen zusagen, daß er sich gegen seine Unterthanen, wie andere Fürsten gegen die ihren, halten werde; können sie dadurch nichts bewirken, so mögen sie immerhin die Artikel in leidlichstem Maß annehmen. Am 9 Mai ging der Domdechant Hans von Guttenberg mit andern Domherren und Rittern in den grünen Baum, wo die obersten Hauptleute saßen, Göz, Metzler, Köhl, Florian Geyer und Andere, und begehrten zu unterhandeln: sie wollen, sagten sie, für sich und die Besatzung die zwölf Artikel annehmen; sie seien gewiß, auch Bischof Conrad in Heidelberg werde sie beschwören; sie begehren nur Frist, sie an ihn gelangen zu lassen. Wolle man künftig eine Reformation vornehmen, 458so wollen sie auch dabei bleiben. Der Rath der Bauern, der innere Ausschuß, bestand damals aus den Hauptleuten der Haufen, denen aus jedem Haufen fünf Räthe beigegeben waren, die alle 14 Tage durch neue ersetzt werden sollten. Die gemeinsamen Versammlungen dieses Bauernraths wurden in der Kapitelstube im neuen Münster gehalten, und so oft Sitzung war, hielten viele Trabanten im Harnisch und mit Helebarden Wache auf der Treppe bis in die Kirche herab. Jeden Haufen Hauptleute und Räthe hielten noch ihre abgesonderten Berathungen; die Odenwälder und Neckarthaler zu Hochberg, die des fränkischen Heeres zu Heidingsfeld im Hause des Doktor Steinmetz, der den evangelischen Bruder spielte und mit den Fürsten verrätherische Correspondenzen führte: Die Bauern hatten ihm freilich 35 Fuder Wein abgeführt und ihm nur 4 auf seine Bitte zurückgegeben, ihm aber die Ehre angethan, ihre Ausschreiben abfassen zu dürfen. Schreiben des Doktor Eucharius Steinmez an Windsheim, vom Sonntag Trinitatis. Windsheimer Archiv. Göz und Metzler brachten den Antrag derer im Schloß vor die Bauerngemeinde, und diese schien solchen gerne anzunehmen. Da trat Herr Florian Geyer hervor und sprach strenge: »Es ist die Zeit gekommen, und die Axt dem Baum an die Wurzel gesetzt; der Tanz hat erst recht angefangen, und es soll einem jeden Fürsten vor seiner Thüre gepfiffen werden: wollen wir die Axt zurückhalten? wollen wir selbst schon wieder aufhören?« Dadurch wollte er den gemeinen Haufen von der Annahme abbringen, die Abgesandten zur alsbaldigen Uebergabe der Feste einschüchtern. Jakob Köhl und der Bauernrath Bernhard Bubenleben, der Pfarrer aus Mergentheim, bestimmten die Gemeinde zuletzt für den Bescheid: es solle der Frauenberg mit allen noch übrigen Schlössern des Stifts und allem Geschütz und allen Vorräthen ihnen übergeben, von den Geistlichen zusammen eine genügende Schatzung gezahlt, und auf das der Besatzung Leib und Gut und freier Abzug gesichert sein; bei der Stadt Würzburg der Landschaft und des Stifts Gefallen solle es stehen, den Frauenberg ungebrochen zu lassen oder nicht. Da die Gesandten sich zur Uebergabe des Schlosses nicht für ermächtigt erklärten, so zerschlug sich die Verhandlung.

Am 11. Mai kam der Domprobst selbst mit Geleit zu einer 459neuen Unterhandlung vom Berg herab, mit denselben Anträgen, wie früher. Göz von Berlichingen und Georg Metzler riethen sehr, sie anzunehmen. Göz, welcher dürstete, über seine alten Feinde, den Bischof von Bamberg und die Nürnberger, zu kommen, suchte zu zeigen, wie vortheilhaft es ihrer Sache sei, weiter zu kommen, und ihren Brüdern anderwärts beizustehen, statt hier müßig zu liegen und Wochenlang zu belagern. Gewiß ist, wenn das große Nürnberg bei seiner Lage und seinen Hülfsmitteln von den Bauern genommen worden wäre, so hätte diese Eroberung für den Krieg in Franken mehr als alles Andere entscheidend sein müssen. Aber die von Würzburg bestanden darauf, das Schloß müsse zerstört und ihre Stadt wieder eine freie Reichsstadt werden. Herr Florian, eisern folgerecht, wollte auch dieses Schloß, wie die andern, ihren beschworenen Artikeln gemäß, gebrochen wissen. Für die Brüder anderwärts fürchtete er keine Noth; die Fürsten, sagte er, können nicht zusammen kommen; ihre Zeit ist um; sie können nichts gegen die Bauern vornehmen. Er vertraute auch, mit des Grafen von Wertheim gutem Geschütz, das Schloß bald zu bewältigen. Und er drang durch, die Gesandten ritten abermals unverrichteter Dinge in das Schloß hinauf, und athmeten recht frei, als sie weit waren, so groß war zuletzt die Aufregung geworden. Am selben Tage noch kam ein Schreiben des Pfalzgrafen, der seine Vermittlung anbot; die verbündeten Heere wiesen es zurück. Am 12. Mai, während die Bürger schon Schaufeln und andere Werkzeuge zu Umgrabung des Schlosses herbei trugen, forderten Stadt und evangelische Brüderschaft zu Würzburg das Schloß abermals auf. Die droben blieben dabei, die zwölf Artikel für sich annehmen zu wollen, aber es ohne des Bischofs Befehl nicht übergeben zu können. Nachmittags ritt Graf Georg von Wertheim mit Eberhard Rüd und Hans von Hartheim vor den Frauenberg, stieg allein ab, ging bis an den lichten Zaun und rief hinein, er wolle wegen der Bauern ein Gespräch mit denen von Adel drinnen haben. Da stiegen sogleich zu ihm heraus Markgraf Friedrich von Brandenburg, Graf Wolf von Castell, der Georgs von Wertheim Schwester zur Ehe hatte, mit drei andern Rittern; die fragten ihn, wie er denn zu den Bauern gekommen sei, daß er ihrethalb handeln wolle. Graf Georg antwortete, er habe sich zu den Bauern verlobt, und sei deren in der 460Besatzung Feind. – Darob lachten die Fünfe und sagten: Wie mag das kommen, haben wir Euern Feindsbrief doch noch nicht gesehen? Am meisten lachte Wolf von Castell: Willst du mein Feind sein, und ich soll dir deine Schwester geheirathet haben, wie reimt sich das zusammen? Dagegen antwortete Graf Georg, es sei kein Scherz, was er ihnen sage, sondern sein ganzer Ernst; sei er doch mit seiner Herrschaft und seinen Unterthanen zu den Bauern getreten, habe auch das bestgerüstete Fähnlein unter dem ganzen Haufen, und er habe ihnen auch Büchsen, Pulver und Anderes mitgetheilt: So sei nun jetzt im Namen des ganzen Haufens sein ernstlich Begehren, sie möchten das Schloß mit Allem, was darin sei, den Bauern zustellen, dann wolle er denen, welche in der Besatzung liegen, Leib und Gut und Geleit sichern. Die Fünf entgegneten: sie können es Ehren halb nicht thun, sie haben sich mit einander vereidet, Leib und Leben zu verlieren, oder das Schloß vor den Bauern zu behalten. Wo es aber um eine Summe Geldes zu thun wäre, die Bauern damit zum Hinwegzug zu bringen, so solle daran auch nicht Mangel sein. Sie gaben dem Grafen Georg das schriftliche Erbieten mit: Wenn die Hauptleute des Odenwälder Haufens den Bischof von Würzburg gegen Annahme der zwölf Artikel in die evangelische Brüderschaft aufnehmen, ihm zum Abschluß des Vertrags Geleit zusichern, und ihn wie den Domprobst als Verbrüderte schirmen und schützen wollten gegen alle Feinde, die diesen Vertrag nicht anerkennen würden: so wolle die Besatzung dafür, daß die Bauern abzögen, den Hauptleuten des Heeres 3000 Gulden, und jedem Knecht einen halben Monatssold zahlen.

Der Domprobst gedachte dadurch die Odenwälder von Herrn Florian und seinen Franken zu trennen, sie zu entzweien.

Mit der Urkunde ritt Graf Georg nebst den beiden Rittern wieder hinab. Es blieb nicht geheim; es verlautete in der Stadt, man wolle Geld von denen auf dem Schloß nehmen, und mit großer Verbitterung und Geschrei liefen die Bürger mit ihren Hacken, Karsten und andern Grabwerkzeugen zusammen, stießen heftige Drohungen gegen die Hauptleute aus, und im großen Bauernrath kam es zu den stärksten Auftritten. Herr Göz, von Vorwürfen bestürmt, warf den Franken dagegen vor, es sei eine tyrannische Weise, daß sie kein Haus wollen stehen lassen; er wollte lieber bei den Türken sein, als 461bei ihnen. Er legte sich so sehr mit ihnen ein, daß ihm Leib und Leben darauf stand. Sie rückten ihm auf, er sei von der Partei derer im Schloß, und er behauptete nachher: »Etliche haben ihm zugeschoben, daß ihn die Bauern sollten zu todt schlagen, oder durch die Spieße jagen.« Materialien S. 190. Die Unterhandlungen hatten damit ein Ende. Hans Bermeter und Stephan Dittmar waren es besonders wieder, welche die Bürgerschaft erregten. Sie hätten gerne den Rath umgeworfen und sich an die Spitze der Stadt gestellt. Da es ihnen durch Auflauf nicht gelang, gingen sie hinaus ins Lager des fränkischen Haufens und verklagten die Rathsherren als bischöflich Gesinnte. Man hörte die Rechtfertigung des Raths, und Herr Florian hatte solches Mißfallen an den Intriguen und Aufläufen in der Stadt, daß der Beschluß durchging, an drei Orten einen Galgen in der Stadt aufzurichten und öffentlich verkünden zu lassen: wer künftig sich unterstünde, die innere Ruhe zu stören und unter den christlichen Brüdern Meuterei zu machen, solle alsobald daran hängen; und um sich als ordnungsliebender Bürger zu zeigen, half Alles, selbst Chorherren halfen mit, am Bau der drei Galgen. Zugleich ließ Herr Florian etliche Fähnlein von Heidingsfeld herein in die Stadt sich legen, in die Höfe der Domherren, da die bürgerliche Sicherheitswache im Barfüßerkloster ihre Pflicht nicht that; auch der Profos mit seinen Stockknechten kam mit herein, und Friedrich Süß, früher als Augustiner Bruder Ambrosius genannt, jetzt Pfarrer zu Waldmannshofen; der hielt diesen Fähnlein täglich früh um 4 Uhr im Dom eine Predigt, über einen Psalm; ein anderer Geistlicher sang ihnen deutsche Messe. Vor 4 Uhr pochte einer an allen Höfen umher die schlafenden Kriegsleute wach.

Indessen hatten die Bauern auf dem Niklasberg, dem Schloß gegenüber, Schanzen aufgeworfen, die Geschütze des Wertheimers hinaufgezogen und durch Schanzkörbe gedeckt, auch Flöße unter den Bogen der steinernen Brücke zwischen der Vorstadt St. Burkhardt und der Stadt befestigen lassen: die Brücke konnte vom Schloß aus bestrichen werden, auf den Flößen konnte man nun unter der Brücke von der Besatzung unbeschädigt über den Main herüber und hinüber kommen.

Sonntags den 14. Mai vor Tagesanbruch erhoben sich viele 462Fähnlein des fränkischen Heers von Heidingsfeld mit Trommeln und Pfeifen nach dem Niklasberg und besetzten die Schanzen, und um 4 Uhr begannen die Geschütze ihr Feuer, ohne mehr als die Dachziegel des Schlosses zu beschädigen; der Niklasberg war zu fern. Die im Schloß feuerten nicht nach dem Niklasberg, sondern in die nahe Stadt hinab. Die Bauern beschossen zugleich aus einigen kleinen Geschützen im deutschen Haus, die Bürger aus ihren Geschützen beim Bleydenthurm und unter dem Schwibbogen des Augustiner-Klosters von der Stadt aus die Feste, und von dieser Seite geschah dem Schloß viel Schaden. Bis in die Nacht wurde beiderseits gefeuert, und der bischöfliche Kaplan im Schloß von einem Stadtthurm aus erschossen. Während des Feuers waren die Odenwälder und Neckarthaler von Hochberg herab nach St. Burkhard gezogen, zerschlugen in dieser Stiftskirche die steinernen und hölzernen Heiligenbilder und plünderten die Zierrathen; aus dem vollen Stiftskeller tranken sie, so lange sie hier einquartirt waren, 289 Fuder Weins.

Der andere Tag war der 15. Mai. Mittags sah man auch hier zu Würzburg bei heiterem Himmel rings um die Sonne jenen schönen Regenbogen, den sie zu gleicher Zeit in Frankenhausen sahen. Die Einen im Schloß deuteten sich die Erscheinung zu ihren Gunsten, die Andern im Schloß als ein Todeszeichen; und gleich darauf schlug vom Niklasberg eine Kugel durch ein Fenster und tödtete den Amtskeller von Lauda, der müde auf ein Bett sich gelagert hatte. Die Bauern scheinen den Regenbogen sich zu Gunsten ausgelegt zu haben: ihre vielen Fähnlein zusammen enthielten alle Farben desselben. Sie ließen von Bischofsheim drei Nothschlangen holen, und bereiteten sich zu einem Sturm auf die »Schütt,« eine Batterie außerhalb des Schlosses, von der aus am meisten Schaden der Stadt geschah. Am Abend des 15ten sammelten sich, meist von der schwarzen Schaar, starke Rollen in einem Garten, der die Ostseite des Frauenbergs bedeckte. Zwischen 9 und 10 Uhr, als es tiefe Nacht war, kamen neue Abtheilungen von Bauern mit Leitern, Steigzeug, Beilen und allem Sturmgeräth aus der Stadt. Die Trommeln wirbeln, die Pfeifen klingen, mit großem Geschrei laufen sie den Berg hinauf an; der lichte Zaun wird zerhauen, durchbrochen, die Schanzen werden überstiegen, Viele lassen sich in die tiefen Gräben hinab und werfen die Sturmleiter an das Schloß.

463

Ein Kugelregen wirft die Stürmenden zurück; die ihnen zur Hülfe nachrücken, werden von den Stückkugeln zerschmettert, oder wenn sie bis ans Schloß selbst vordringen, werden sie durch Feuerkugeln, Schwefelkränze, Pechkränze, Pulverklötze, Steine aus allen Fenstern beworfen, geblendet, zerschmettert, verbrannt: sie können weder hinauf schießen, noch hinauf steigen. Das einsame Schloß scheint, von der Stadt aus anzusehen, ganz in Feuer zu stehen; ein furchtbar schönes Schauspiel. Das Volk auf den Gassen der Stadt sieht es mit Grauen, hört mit Grauen ringsum den Donner der Geschütze und Büchsen, und das Geschrei der Kämpfenden und den Wiederhall in der Nacht. Die Stürmenden weichen, sie gehen zurück. Die im Schloß laben sich mit altem Wein, doch verlassen sie ihre Posten nicht. Und schon beginnt der zweite Sturm um das ganze Schloß her. Hier dringen die Kühnsten der Schwarzen bis an den Vorhof vor, dort ersteigen Andere die Mauern gegen den Niklasberg zu. Aber die Bestürmten sind tapfer wie die Stürmenden; auch der zweite Sturm wird abgeschlagen, die Bauern müssen abermals zurück gehen. Die Glocke schlägt 2 nach Mitternacht. Die im Schloß erwarten den dritten Sturm. Ein Hauptmann der Fußknechte lugt zu einem Fenster hinaus, wo denn die Bauern bleiben. Ein Bauer, der halbzerschmettert im Graben liegt, sieht das Licht hinter dem Hauptmann, richtet sich sterbend mit seiner Büchse in die Höhe und erschießt den Hauptmann. Aber dann ist's wieder still und bleibt still. Da läßt Markgraf Friedrich alle groben Geschütze in die stille Stadt hinab feuern, »zum Zeichen, daß sie noch leben.« Aus Handröhren und Hackenbüchsen hatten die im Schloß fast ihre letzten Kugeln verschossen. Sie schürten sogleich zwei große Feuer auf und gossen Kugeln die ganze Nacht. Manchen Verwundeten hatten sie unter sich, doch nur drei Todte. In den Schloßgräben und Schanzen aber zählten sie über 400 todte oder schwerverwundete Bauern; und viele, die außerhalb der Gräben getödtet oder verwundet worden waren, hatten ihre Brüder nach dem Sturm mit sich fortgenommen. Einen Hut auf der Stange als Friedenszeichen, kamen am Morgen Boten aus dem Bauernlager mit der Bitte um Stillstand bis 2 Uhr Nachmittags, um ihre todten Brüder zu begraben, die Verwundeten wegzutragen. Markgraf Friedrich forderte dagegen Stillstand in allen 464Lagern bis um Mitternacht; auch sollen die Bauern den Schloßgräben sich nicht nähern. Das, sprachen die Boten der Bauern, wollen und können sie nicht annehmen, sondern sie wollen nachdenken, wie sie am Besten zu handeln haben, und das mit des Allmächtigen Beistand ausführen. So mußten durch der edlen Herren im Schloß geistliche Hartherzigkeit die verwundeten Bauern in den Schloßgräben liegen bleiben, und verziefen, bis sie auch elend starben; es ward keinem davon geholfen, keiner aus dem Graben genommen, sondern die in der Besatzung ließen sie also umkriechen und ächzen, bis sie vergingen.« Eigene Worte des Thomas Zweifel.

So hatte dieser zweifache Sturm die Bauern einen großen Theil ihrer besten Leute gekostet. Es war die meiste Ursache daran, daß der Sturm gewagt wurde, ehe nur Bresche geschossen war. Es war ein Unglück, daß gerade in diesen beiden Tagen derjenige, der den Sturm so manches Schlosses, der den auf Weinsberg geleitet hatte, Florian Geyer, weit weg von seinen Schwarzen war, und der Sturm des Frauenbergs ohne die Leitung dieses besten Anführers geschah. Ehe der Sturm noch im Bauernrath beschlossen war, hatte dieser Zwei aus seiner Mitte nach Rotenburg abgeordnet, ohne Zweifel auf Florians eigenen Antrag, um die großen dortigen Geschütze anzusuchen, und die Stadt vollends in die Verbrüderung zu bringen. Zu Abgeordneten waren die Hauptleute Florian Geyer selbst und der Schultheiß von Ochsenfurt, Hans Pezold, gewählt worden. Sie ritten ab, begleitet von Leonhard Denner aus Leuzenbronn, dem großen Leonhard aus Schwarzenbronn, und Sebastian Raab aus Gebsattel, als Räthen.

Rotenburgs Gesandten war in Würzburg eine Frist von drei Tagen gegeben worden, sich zu entscheiden, ob die Stadt in die Brüderschaft eintreten wolle oder nicht. Die Parteien in Rotenburg waren sehr verschiedener Meinung. Aber die Flammen der brennenden Burgen und Klöster umher schüchterten die Meisten so sehr ein, daß Ehrenfried Kumpfs Vorschlag angenommen wurde, mit den Bauern sich zur Volkstreckung des heiligen Evangeliums zu verbinden, so lange sie dem Worte Gottes treu bleiben würden. Ehrenfried Kumpf, Menzinger, Konrad Eberhard und Andere schlossen den Vertrag zu 465Heidingsfeld im Hause des Doktor Steinmetz ab. Fast wäre vor dem Vertrag Rotenburg durch List in Bauernhände gefallen. Der Tauberjörg von Wettringen und andere Hauptleute hatten sich mit 300 Mann einzeln hereingeschlichen, und wollten die Ordenshäuser und die reichen Bürger plündern. Draußen vor dem Thore hielt Endres Windsheimer aus Brettheim mit eben so viel Bauern, die den andern nachgezogen waren. Ehe es zum Kampfe zwischen den Bürgern, die die Thore schnell geschlossen hatten, und zwischen den Bauern in der Stadt kam, beredete der zufällig anwesende Brettheimer Hauptmann, Hans Metzler, die draußen vor dem Thore zum Abzug, die Andern ließ man zum entgegengesetzten Thore in's Tauberthal hinaus. Auf das zog der Rath die Güter der Orden und Klöster für die Stadt ein, durch die Bürger selbst, die mit Fähnlein von einem Ordenshaus zum andern zogen. Indem ritten Florian Geyer und die andern Bauernräthe ein. Herr Florian pflanzte auch hier zuerst einen Galgen »um Friedenswillen in der Stadt,« den Bösen zur Strafe, den Guten zum Schirm. Dann sprach er schön und ernst über das, was die versammelte Bauerschaft wolle; namentlich auch von der Nothwendigkeit, daß auch der einfältige Mann zur rechten Erkenntniß des göttlichen Wortes komme, und daß Alles, was ihm zuwider sei, aufhören müsse; aber eben so von der Nothwendigkeit vom Volke geprüfter und bewilligter Steuern, und vom Volke kontrollirter Obrigkeiten: nicht die Bürden des Volks ganz aufzuheben, sondern sie nach dem Ausspruch gottesfürchtiger Männer zu regeln, das sei die Absicht; ebenso die geistlichen Güter zum Besten der Gemeinde einzuziehen; doch so, daß kein Geistlicher gekränkt, und ihm hinreichend Unterhalt gegeben werde. Auf das legte er ihnen die sieben Artikel der Franken vor, und schloß: Wollt ihr nun eingehen, was wir verlangen, so sagt es uns zu; habt ihr noch etwas zu erwähnen, so theilt es uns freundlich und brüderlich mit.

Schwer dünkte den Rathsherren der Artikel vom Stillstand der Gülten und Renten. Der Schultheiß von Ochsenfurt suchte sie damit zu beruhigen, daß man sich bald über das zu Reichende vergleichen werde. Sollte der Krieg sich in die Länge ziehen, so werde man Mittel finden, die harte Sache zu mildern; sie möchten nur drei oder vier Vertraute in den Bauernrath senden, daß sie Sitz und 466Stimme darin haben. Wie früher Manches, wirft auch eine Aeußerung dieser Gesandten ein eigenes Licht auf das Verhältniß der Haufen. Verstehet uns wohl, schloß der Ochsenfurter: »mit dem Weinsberger Haufen seid ihr nur verbündet, so weit wir es selbst sind.« – So hart es sie ankam, die Rathsherren mußten die Brüderschaft annehmen. Der Rotenburger Landschaft, die hereingekommen war, legte Herr Florian wieder die Bedeutung der Brüderschaft aus, und ermahnte sie, Frieden und Ordnung und Gehorsam zu halten. Des andern Tags that er dasselbe in der Pfarrkirche, und nahm Allen den Brudereid ab, während auch er und sein Mitgesandter im Namen der Franken ihn der Stadt schwuren. 600 Bauern aus der Landschaft geleiteten mit Harnisch und Wehr die zwei trefflichen Geschütze mit den dazu gehörigen Pulverwagen in's Lager nach Würzburg. Ehrenfried Kumpf und der junge Georg Spelt gingen mit auf Wahl und Bitten der Stadt, um im Bauernrathe mitzusitzen. Auch Carlstadt wurde von Herrn Ehrenfried mitgenommen. Carlstadts Rolle war zu Rotenburg ausgespielt. Sollen wir mit einem solchen Bösewicht reiten, schrie der Söldner Schäferhans unter dem Thore, und hätte den Doktor erstochen, hätte nicht Spelt den Stoß abgewehrt. Am 16. Mai kamen sie mit dem Geschütz in Heidingsfeld an und wurden mit großer Freude bewillkommt. Herr Ehrenfried, der sich für Würzburgs Reichsfreiheit aussprach, und für die Zerstörung des Schlosses, wurde von den Würzburgern zu ihrem Schultheißen erwählt, und saß als solcher fortan im innern Bauernrath. Nicht solchen Beifall fand sein verehrter Carlstadt; man hörte seine Rede mit Mißfallen, und er kehrte mit den Bauern, die das Geschütz geleitet hatten, wieder heim. Mit Mühe wurde er auf Menzingens Vermittlung in Rotenburg wieder eingelassen.

Am 18. Mai beriethen Hauptleute und Räthe über die Art, wie das Schloß zu gewinnen wäre. Schon war die Sage im Heere, der schwäbische Bund überziehe die Weinsbergischen. Jetzt fingen die Rotenburger Geschütze gegen das Schloß zu spielen an und sie stürzten ein gewaltiges Mauerwerk in den Graben. Hans Boßler, der Büchsenmeister, wußte gar wohl zu treffen und anzuklopfen.

Aber am gleichen Tage, am 19. Mai, trat Göz von Berlichingen mit seinen Hauptleuten in den inneren Rath herein und erklärte, 467das Volk des schwäbischen Bundes sei im Anzug, seine Brüder am Neckar seien sehr bedrängt, ihre christlichen Verbündeten haben mehrere Niederlagen erlitten; es sei nicht Säumens Zeit mehr, und er gedenke, jenen zu Hülfe zu ziehen. Ein schneller Entschluß war nöthig. Man bot der Besatzung aufs Neue die zwölf Artikel an, diese aber verlangte jetzt Bedenkzeit, die Artikel seien ziemlich weitläufig. Als die Antwort sich verzögerte, ließen die Hauptleute am 20. Mai ausrufen, die, welche das Schloß im Sturm gewinnen würden, sollten alles Gold, Silber, Kleinodien und Hausrath nebst einem guten Sold als Sturmlohn erhalten. Im grünen Baum wurden Listen zur Einzeichnung der Freiwilligen ausgelegt, im innern Rath nach einer Zeichnung des Schlosses der Plan zur Bestürmung berathen: aber Wenige kamen, sich einzuzeichnen. Die Bürger von Würzburg waren seit länger daran, die Feste zu unterminiren; sie ließen 40 Bergknappen am Berg, oberhalb St. Burkhard, graben, in der Hoffnung, wenn erst der Stollen mit Pulver gesprengt würde, würde sich der ganze Berg spalten, und das Schloß stürzen. Aber so sehr ihnen die Odenwälder an die Hand gingen, die Ausgrabung schritt langsam vorwärts und die Begebenheiten drängten sich. Lorenz Friese, Handschrift. Gropp, Würzburger Chronik 115-126. Thomas Zweifel bei Bensen.


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