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Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band

Wilhelm Zimmermann: Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band - Kapitel 31
Quellenangabe
authorWilhelm Zimmermann
titleGeschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
printrunNeue ganz umgearbeitete Auflage
year1856
firstpub1843
correctorreuters@abc.de
senderHerbert Niephaus
created20180125
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Fünftes Kapitel.

Auflösung der Oberfranken.

Fast allenthalben, wohin das verbündete Fürstenheer kam, waren Blutgerichte. 26 wurden im Lager bei Germar, 20 bei dem Kirchhof zu Tungeda, bei 30 auf dem Obermarkt enthauptet. Am 31. Mai 452 trennte sich das Heer, zu welchem der Churfürst, 5 Fürsten, 13 Grafen sich vereinigt hatten. Der Landgraf wendete sich heimwärts. Vor seinem Abzug aus Sachsen kam es zu Reibungen zwischen den Sachsen und den Hessen; schon hatten diese den Sachsen ihr Geschütz abgelaufen und unter sie gekehrt; kaum stillte Philipp mit Bitten und Drohen den Streit. Alte thüringische Chronika. Lauze, Handschrift bei Rommel II. 82. Er wäre ohne diesen Vorfall noch nicht heim gegangen; er war Willens gewesen, zum Pfalzgrafen und zum schwäbischen Bund zu ziehen. Die Braunschweiger zogen ins Eichsfeld und straften dieses; Heiligenstadt und Duderstadt wurden schwer gebrandschatzt, ihrer Freiheiten, Dörfer, Geschütze beraubt, doch Niemand an Leib und Leben, wie anderswo, gestraft. Zu Erfurt, wo jener starke Haufe noch immer lag und es sich wohl sein ließ, statt nach Frankenhausen zu ziehen, ließ der Rath, wie das Fürstenheer sich näherte, vier Hauptleute greifen und enthaupten, nachdem sich die Andern zerstreut hatten; die vornehmsten Führer, Fehner und Dinger, kamen davon. Erfurter Stadtchronik, Handschrift. Herzog Georg von Sachsen blieb zurück, als ein wandelndes Blutgericht: zu Langensalza ließ er 41 auf dem Markt enthaupten und nahm 7000 Gulden Buße; zu Sangerhausen wurden 12 durch ihn hingerichtet, zu Leipzig 8. Diese hatten zu Leipzig, als eifrige Anhänger Münzers, sich mit Andern verschworen, den Rath, die Priesterschaft und die Vornehmsten auf der Universität zu überfallen, und den Bauern die Thore zu öffnen. 15 andere Bürger ließ er stäupen und des Landes verweisen. Hundorf, Calendarium historicum Fol. 48. Des andern Tages gegen Abend forderte er den Rath und die ganze Bürgerschaft aufs Schloß, ließ sie durch seinen Kanzler bedeuten, wie außer den Gestraften noch 300 auf dem Verzeichniß stehen, als solche, die es mit der aufrührerischen Rotte gehalten, und die er darum zwar nicht am Leben, aber mit Gefängniß strafe. Bei dieser Gelegenheit schickte er auch etliche Leipziger Magister, die des Evangeliums halb in Verdacht waren, dem Bischof von Merseburg zu ewigem Gefängniß zu. Zwei Leipziger Bürger, die in gleichem Verdacht waren, wurden auf dem Markt enthauptet. Schneiders, Leipziger Chronik S. 179. Ueberall erpreßte er viele 453Tausende als Brandschatzung. Churfürst Johann zog mit seinem Heer über Eisenach nach Meiningen, um von da noch Koburg zu erreichen, wo die geflüchteten Edelleute des Stifts Würzburg sich jetzt sammelten: »Diese Singvögel trockneten ihr genetztes Gefieder, da die Sonne hervorbrach, und schwangen sich empor.« Friese, Handschrift. Mit diesen Adeligen hielt es bereits auch der alte Henneberger. Als er zweifelte, ob der Bischofsstuhl zu Würzburg wohl durch die Bauern zu sein aufhören werde, als ihm mit dem sich drehenden Wind die Hoffnung fiel, Herzog von Franken oder wenigstens ganz unabhängiger Fürst zu werden: da knüpfte er, als wäre Nichts geschehen, wieder mit seinem Fürsten und Lehensherrn, Bischof Conrad, an, und machte Rüstungen. Die letztern konnten nicht so geheim bleiben, als das Erstere, und die Bauern schöpften Verdacht: er aber, der gegen seine Unterthanen längst eine drohende Sprache annahm, wußte die Hauptleute der Oberfranken mit brüderlicher Miene zu täuschen bis zum 2. Juni, da Churfürst Johanns Heer bei Walldorf in der Michelau anlangte.

Die Meininger hatten die Oberfranken zu ihrer Hülfe herbeigerufen, und diese erhoben sich zu 7000, ihre Weinwagen voraus mit geringer Bedeckung. Da, bei Dreißigacker, fiel Graf Wilhelm, ihr christlicher Bruder, in die Schaar, die den Wein geleitete, erstach in die vierzig, und eilte mit etlichen genommenen Wägen nach Walldorf, als der große Haufen der Bauern sich nahete. Die Hauptleute desselben besorgten Gefahr und zogen sich durch das Weingartenthal auf den Bildstein; ehe sie sich hier verschanzt hatten, sahen sie sich von dem Churfürsten angegriffen, der durch den Haßburgergrund kam. Die Bauern, die bloß 17 leichte Feldgeschütze bei sich hatten, erschossen nicht wenige Reisige, selbst den obersten Büchsenmeister des Churfürsten: aber als das grobe Geschütz ihrer Feinde Ladung auf Ladung unter sie gehen ließ, als sie nach der zwölften Salve über 200 Todte, bei weit mehr Schwerverwundeten, unter sich zählten, zogen sie sich Abends nach Meiningen zurück, ohne weitern Verlust, als einige Geschütze. Schnabel, der oberste Hauptmann, wollte in der Nacht sein Heer zurückführen und Meiningen aufgeben; er hatte vielleicht von Münzer gelernt, daß dieser besser 454gethan hätte, als er das Gefährliche seiner Stellung bei Frankenhausen sah, sogleich auf das feste Mühlhausen sich zurückzuziehen oder ins Gebirge, statt das unrettbare Frankenhausen decken zu wollen. Aber Schnabel drang mit seiner Ansicht nicht durch; nun rief er alle Mannschaft überallher heran. Sein Beutemeister, Fritz Heffner, wurde unterwegs gefangen, und gegen das Versprechen, zur Vermeidung Blutvergießens seine Brüder zur Unterwerfung zu bereden, freigelassen. Auf seine Schilderung von der Macht der Feinde sendete der Rath Gesandte an den Churfürsten, begleitet von mehreren Abgeordneten des oberfränkischen Haufens und selbst dessen Kanzler, Michael Schrimpf. Die Meininger Gesandten – baten den Churfürsten, ihre Stadt in seinen Schutz zu nehmen. Der sagte Jedem Sicherung des Leibs und billigen Ersatz der Kriegskosten zu. Bis zum andern Morgen solle Stillstand sein; wer sich dann dem Schutz des Churfürsten ergeben wolle, solle aus dem Lager der Bauern abtreten, jeder Andere sicheres Geleit bis in seine Heimath haben, und am 8. Juni zu Melrichstadt eine oberfränkische Versammlung sein, um sich zu berathen, wie man sich dem Schutz des Churfürsten ergeben wolle. Der Schultheiß von Meiningen, Bernhard Kremer, sagte die Huldigung seiner Mitbürger schon auf den andern Morgen um 6 Uhr zu. Als der oberste Hauptmann, Hans Schnabel, solche Unterhandlungen sah, fürchtete er, sie möchten ihn aufopfern, wie anderswo geschehen war; er wollte entreiten; aber in der äußersten Schanze nahmen ihn die Meininger selbst gefangen, um sich bei den Fürsten zu empfehlen, und legten ihn in den Stadtthurm, Einige wollten sogar, um sich selbst zu reinigen, ihn erstechen: verrätherisch an dem, den sie zur Hülfe gerufen hatten und der brüderlich herbeigeeilt war. Einige Hauptleute machten einen Versuch, ihn zu befreien; aber da zeigte sich Alles aufgelöst im oberfränkischen Haufen, Jeder dachte nur an sich, Jeder eilte noch in der Frühe des 6. hinwegzukommen, es war kein Abzug, es war eine Flucht nach Melrichstadt, selbst alle ihre Geschütze ließen sie zurück. So mißlang die Befreiung ihres obersten Hauptmanns, und die treulosen Meininger lieferten ihn an den Churfürsten, der Churfürst überließ ihn dem alten Henneberger, dieser legte ihn in sein Schloß Maßfeld. Die Oberfranken erwarteten nichts mehr von sich 455selbst, von ihrem Arm und ihrem Schwerte, Alles nur von der Vermittlung des Churfürsten, um dessen Schutz sie am 12. Juni durch Abgeordnete baten. Poligraphia Meiningensis. Scharold, bei Bensen 454. Keßler von Sprengseifen, 140—-169.

Ohne Schlacht, ohne Ehre, wie ein Knabenspiel, zerging, was bedeutend, was mit männlichem Ernst angefangen hatte, der große Bildhäuser Bund.

Der Churfürst zog in sein Land. Um Eisenach und Gotha wollten kühnere, durch die erste Niederlage ungebrochene Männer die erlöschenden Funken wieder anfachen: des Churfürsten Umkehr dämpfte Alles schnell. Ob er gleich die Bedrückungen der Geistlichkeit und des Adels mißbilligte und das Volk nur gegen diese allein, nicht gegen den Landesherrn aufgestanden war, zwang er doch alle Gemeinden, die Verschreibungen, die sie dem Adel abgedrungen, demselben auszuhändigen, und ihren Erbherren zum Theil auch neue Pflichten zu thun, neben den Gebühren, die von Alters her bestanden; auch entwaffnete er sie alle, selbst die Einwohner in Weimar und Jena, bis aufs Brodmesser, auf eine Axt oder ein Beil im Haus; alle Rädelsführer des Aufstandes ließ er enthaupten, darunter viele Geistliche, die das Wort Gottes in der Richtung der Bewegung gepredigt hatten. Spalatin, Sächsische Historie in Struve's historisch-politischem Archiv III. 100—102. Ueber 40,000 Gulden Kriegskosten erhob er bloß in seinen thüringischen Landen: Schmalkalden beraubte er seiner zweihundertjährigen Freiheiten; in Arnstadt allein ließ er den Grafen von Schwarzburg zu Lieb 9 auf dem Markt enthaupten, 44 ins Gefängniß werfen, und setzte der Stadt den Verlust ihrer Freiheiten und 3000fl., den Bauern auf dem Lande 15,000 fl. als Strafe an. Olearii Syntagma rer. Thuring. 32. Fabricii Chemnic. Saxonia VIII. 27. In Zwickau hielt er »ernstes Gericht« über die aufgestandenen Dörfer: auch zwei Prediger und ein Schulmeister waren schon zum Tode bestimmt; nur die Fürsprache Hausmanns, des ersten Predigers zu Zwickau, rettete sie. Dagegen war er gegen die Elbebauern mild, weil sie »bescheidener als die andern«, Sekendorf Comm. de Luth. II. 12. eigentlich 456ruhig geblieben waren und nur Gemeinden gehalten hatten. Die Meißner aber, die eigentlich auch nicht viel gethan hatten, wurden von Herzog Georg neben Schadenersatz und großen Geldbußen verurtheilt, weiße Stäbe zu tragen. Dem unglücklichen Frankenhausen wurde unter Anderem als jährlicher Zins eine Salzscheibe auferlegt, zum Zeichen nunmehriger Leibeigenschaft. Im Erzgebirg, in Annaberg und Grünhain machte sich Herzog Georg besonders viel zu thun mit Köpfen und Hängen, Einkerkern, Stäupen, Verweisen; sein sanfterer Bruder Herzog Heinrich begnügte sich, die Richter von Mildenau, Arnsfeld und Schönbrunn enthaupten, ein paar Andere, wahrscheinlich die von Rückerswald und Geringswald, in Wolkenstein spießen zu lassen2026 »Viele aller ihrer Güter zu berauben oder zu großen Geldstrafen zu verurtheilen.« Hering, Geschichte des sächsischen Hochlandes I. 205.

Die Kleinen thaten wie ihre Herren, die Großen. Die Hohensteiner Grafen vergaßen alle Handschlag und Eid, womit sie sich in die christliche Brüderschaft geschworen hatten; sie ließen die an ihren Herd zurückgekehrten Führer greifen und enthaupten. Eines Töpfers Haupt aus Ellrich war auch auf der Liste; dieser eilte zu Graf Ernst von Hohenstein und bat ihn zu Gevatter, da seine Frau eben niedergekommen war. Der Graf begnadigte ihn dahin, daß er, so lange er lebe, alle Oefen zu Lohra und Klettenberg unentgeltlich im Stande halte. Die andern Bauern beschied er nach Schiedungen an den großen Teich, der hier mit der Helm einen Damm macht. Als sie versammelt waren, fragte er seinen Adel, der mit ihm erschien: was diese Aufrührer für eine Strafe verdienen? Berend von Tettenborn antwortete: »Es ist billig und recht, daß jeder Edelmann neun Bauern an seinen Jagdspieß aufstecke.« Dem Tettenborn hatten die Bauern seinen Sohn Dietrich erschlagen und sein Gut Schernberg verwüstet. Andere vom Adel meinten: »Man solle die Buben alle in den großen Teich jagen und darin ersäufen.« – »Gnädiger Herr, sprach zuletzt Balthasar von Sundhausen, der Stadthauptmann von Nordhausen, es ist wahr, dieser elende Haufe hat den Tod verdient; aber wenn ihr ihnen allen das Leben nehmt, wer will euch die Dienste thun und die Ländereien bestellen? nicht zu gedenken der Wittwen und Waisen, die dadurch unglücklich werden, und wovon 457die Grafschaft Schwarzburg ein trauriges Vorbild uns gibt. Ich stimme dafür, Jeden nach seinem Vermögen leidlich an Geld zu strafen.« – Sundhausen, sprach Graf Ernst, du hast heute geredet, wie ein ehrlicher Mann, dein Wort soll Ehre haben! Er strafte seine Bauern um Geld, den Reichsten nicht höher als um vier Gulden. Der Adel aber war so erbost auf Sundhausen, den Bauernfreund, daß Graf Ernst für wohlgethan hielt, ihn mit seinen Reisigen nach Nordhausen zu geleiten. v. Rohr, geographisch-historische Merkwürdigkeiten des Oberharzes. Ecstorm, Chronicon Walkenried.


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