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Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band

Wilhelm Zimmermann: Geschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band - Kapitel 12
Quellenangabe
authorWilhelm Zimmermann
titleGeschichte des großen Bauernkriegs. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
printrunNeue ganz umgearbeitete Auflage
year1856
firstpub1843
correctorreuters@abc.de
senderHerbert Niephaus
created20180125
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Elftes Kapitel.

Vereinigung Matern Feuerbachers mit den Fähnlein vom Gäu und vom württembergischen Schwarzwald, und Herzog Ulrich als Bruder bei den Bauern.

Im Kirchheimer Amt hatten sich Bauern schon in der Mitte des März, zur Zeit von Herzog Ulrichs kriegerischer Fastnacht, in Bewegung gesetzt. Bauernschwärme zeigten sich am 19. in der Nähe der Stadt, und die von der Alp rückten ins Lenningerthal herab. Der Vogt wagte nicht mehr alle die ihm von der Regierung gebotenen Verhaftungen auszuführen. Fürderer's Bericht vom 19. März im Stuttg. Staatsarchiv. Am 24. April war die Bewegungspartei in der Stadt so vorherrschend, daß nach der Flucht des Vogts Gericht und Rath auch die früher Verhafteten freilassen mußten. Bericht des Raths vom 24. April, ebendaselbst. In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai trat das unbewehrte Nürtingen zu dem christlichen Haufen, und am 1. Mai ergab sich Kirchheim, ohne einen Schuß zu thun, an Theus Gerber, der sich in das Schloß legte. Fürderer's Bericht aus Neuffen vom 1. Mai. Von oben herüber kam Feuerbacher nach Kirchheim, und entsandte aus diesem Hauptquartier eine Abtheilung, um die Festen Hohenneuffen und Stadt und Schloß Urach aufzufordern. Hohenneuffen, diese gewaltige Bergfeste, einzunehmen, daran konnten die Bauern nicht denken. Die Hauptleute begnügten sich, sie schriftlich zur Uebergabe aufzufordern; höflich setzten sie bei, die Feste solle wenigstens auch bäurische Besatzung einnehmen, sie wollen nur das Land vor den fremden Nationen schützen, von denen ihr Haufe sich sehr unterscheide; jene haben sich öffentlich mit Brand, Plünderung und Mord an Weinsberg, Hohenstaufen und viel andern Orten hervorgethan, sie aber haben sie vom weiteren Vordringen abgehalten. Schreiben vom 2. Mai, im Stuttg. Staatsarchiv.

Die auf Neuffen sahen zwar den Schloßbrand auf dem rechts drüben liegenden Hohenstaufen, sie sahen täglich »viele Feuer auf dem Gmünder Wald, wo die Bauern den Edelleuten ihre Häuser abbrannten«; Bericht Jakob Fürderers vom 1. Mai, im Stuttg. Staatsarchiv. sie kannten zwar die Stärke des Feuerbacherischen 194Haufens, aber sie kannten auch seine schlechte Bewaffnung, und daß sein ganzes Geschütz in dreizehn Karrenbüchslein bestehe, und nicht über zwei Roß an einem ziehen; auch hatte Dietrich Späth zur Verstärkung einige Knechte und Büchsenschützen von Urach auf Neuffen geschickt, der Kirchheimer Vogt hatte Vorräthe und Amtsgelder hinausgerettet, und das Schloß war selbst auf eine zweimonatliche Belagerung mit Allem versehen. Ebendaselbst. Auch ein Schreiben der Regierung vom 25. April. So ließ sich die Besatzung mit den Bauern nicht ein, um so weniger, da Ulrichs Todfeinde, die seine Rache besonders zu fürchten hatten, auf dieses Bergschloß geflohen waren und sie Ulrich entweder selbst im Haufen, oder den Haufen wenigstens im Einverständniß mit ihm vermutheten; denn ihre Kundschafter hatten gesehen, daß die meisten Bauern rothe Kreuze und Hirschhörner an sich genäht hatten, was sie, wie früher schon, auf Herzog Ulrich deuteten. Ein zweites Schreiben Fürderer's vom 1. Mai. Wahrscheinlich hatte Matern Feuerbacher diese Abzeichen die Seinigen annehmen lassen, als er in die Nähe des Gaildorfer Haufens gekommen war, damit man jeden Einzelnen von den Gaildorfischen unterscheiden könne; er wählte das Hirschhorn als altes Zeichen des Württembergers, das Kreuz als das natürliche Symbol eines christlichen Haufens, der das Evangelium aufzurichten auszog; alle Besseren im Haufen sahen in ihrem Zug einen heiligen Krieg für Freiheit und Gottes Wort. An Ulrich dachten aber wirklich Manche im Haufen. Sie sahen die Unbotmäßigkeit, die wachsende Zügellosigkeit, die Vielherrschaft, und fürchteten, daß in Folge derselben ihre Sachen »einen schlimmen Ausgang nehmen und sie darob sterben dürften;« sie hielten einen obersten Hauptmann von imponirendem Ansehen, dem man zu gehorchen gewohnt wäre, für nöthig, und sie wünschten sich Herzog Ulrich an die Spitze des Haufens. Ebendaselbst. Ramey Harnascher feierte nicht.

Materns Haufen hatte sich auch schon in den wenigen Tagen sehr verschlimmert. Die unreinen Elemente, die sich auf dem Weiterzug darin gemehrt hatten, gährten und kochten und loderten zerstörend auf, und Feuerbacher vermochte sie nicht immer und überall nieder zu halten und zu meistern. Es half wenig, daß er im Lager 195zweimal des Tags predigen ließ. Im Stocksberger Haufen waren zu viele vom Schlage des Heinrich Ruff, der beim Auszug von Kirchheim am Neckar, seinem Wohnsitz, mit dem Fluch: »daß euch Gotts Marter schänd, die alten Köpf müssen auch dran!« seinen Spieß zur Erde geworfen, und zu dem Ritter Peter von Liebenstein gesagt hatte, er wolle ihm die Sporen abziehen, daß ihm das Blut über die Fersen müsse ablaufen. Untersuchungsakten des Amts Brackenheim. Hans Wunderer, der nächste im Commando nach Matern, war selbst zerstörungslustig, und schon auf dem Zug durchs Lenninger Thal hinauf nach Neuffen wurde Materns Schreiben an die auf dem Neuffener Schloß durch die Flammen der benachbarten Teck Lügen gestraft.

Mehr wie eine Stadt als wie eine Burg mit ihren herrlichen Thürmen und Thoren, Zinnen, Mauern und Gebäuden erhob sich in einem länglichen Viereck die Teck, einst der Sitz der Zähringer, auf dem breiten Gipfel des Teckberges, dessen ringsum grüner Mantel, aus Weinbergen, Wald und Haide gewoben, hinab wallte in das gerade eben in volle Blüthe ausgebrochene, durch seine Schönheit berühmte Thal. Matern Feuerbacher schonte das schöne Schloß seines Fürsten; nur die drei Stücke Geschütz, die sich oben befanden, befahl er, dem Profosen abzuholen. Zu Hans Wunderer aber traten die Hintersassen der Teck, und klagten, daß sie auf das Schloß hinaus frohnen müssen; sie waren es satt, auf den steilen Berg, den schlechten, wohl eine Stunde langen Weg, wie Lastthiere auf eigenem Rücken, oder mit ihrem armen Vieh die Lieferungen hinauf zu schleppen. Hans Wunderer gab ohne Wissen Feuerbachers dem Profosen den Befehl, die Herzogsburg zu verbrennen. Der Profos holte die drei Stücke Geschütz herab, scheute sich aber, das Schloß anzuzünden, und meldete bei der Rückkehr dem obersten Hauptmann, daß er Hans Wunderers Befehl nicht vollzogen habe. Matern lobte den Profosen, und ließ Hans Wunderer heftig an. Die es mit Letzterem hielten, ließen unter sich verlauten, man sollte Feuerbachern durch die Spieße jagen. Der Stocksberger Hauptmann aber ging hin, schickte einen Andern mit einer Schaar hinauf auf das Schloß, und bald verkündeten Rauch- und Feuersäulen Feuerbachern und der Umgegend, wie sehr seine 196Befehle von seinem Mithauptmann geachtet wurden. Die große Burg mit allen Gebäuden brannte ganz zur Ruine aus.

Der böse Geist im hellen christlichen Haufen schien die Oberhand zu gewinnen. »Was willst du mit dem Gesindel ausrichten?« sagten Feuerbachers Freunde zu diesem. Die Zerstörungswuth steckte viele an. Die einen rissen den Adelberger Hof in der Stadt Kirchheim nieder; andere darunter, wenn man den Beschädigten glauben dürfte, selbst die Hauptleute und Fähndriche von Vaihingen, Bottwar und Schorndorf, plünderten schon auf dem Zuge von Eberspach und Reichenbach her zu Notzingen, eine halbe Stunde vor Kirchheim, im Hause des Kaplans Alles aus, brachen in das dortige Schloß des Hans Spät von Thomann ein, wüsteten und plünderten darin, zündeten ein Feuer an und brannten es auf den Grund aus. Den mit guten Fischen besetzten Graben gruben sie ab und führten die Fische ins Lager. Untersuchungsakten im Stuttgarter Staatsarchiv von 1526-27. Die beklagten Hauptleute blieben später darauf, etliche Buben haben's ohne ihr Wissen gethan. Man hörte im Haufen davon sprechen, man müsse alle festen Häuser des Thals, auf die gefrohnt worden, ausbrennen; besonders Claus von Grafeneck und der Baldecker, der Vogt auf Neuffen, waren den Bauern verhaßt, und in ihre und manche andere Edelsitze der Schillinge, der Späte, in das hochgemauerte Nest der geadelten Sperber, die jetzt als Ruinen das Lenninger Thal zieren, wurde vielleicht jetzt von den frohnpflichtigen Hintersassen die rächerische Brandfackel geworfen. Die alte Sage von den Wielandsteinen war in schrecklicher Wirklichkeit erneut: der Bruderkampf war los in dem schönen Thale. Drei Brüder waren als Söhne von Einem Vaterhaus ausgegangen, der Ritter, der Geistliche und der Ackersmann. Erst hatten die beiden ersten Brüder den dritten vom Erbe hinausgestoßen und als Knecht behandelt. Dann hatten die beiden selbst sich entzweit, sich übervortheilt und bekämpft, und jetzt hatte der Dritte, der so lange Mißhandelte, der halbtausendjährige Sklave, sich aufgerichtet und schwang das Schwert der Rache gegen den geistlichen und weltlichen Bruder. Warnend stehen die Denkmale jener Tage als Fingerzeige der waltenden Vergeltung, des Strafgerichts da, das von den Hütten der Langegedrückten ausging.

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Am wüthendsten waren die Bauern auf Dietrich Spät und seinen Untervogt aus Hohenurach, Werner. Am Montag nach Georgii, dem 24. April, hatte der Untervogt durch seine Knechte vier Rädelsführer der Mißvergnügten des Uracher Amts einbringen und den Aergsten auf Hohenurach führen lassen. Er hatte sogleich an die Regierung geschrieben, man solle ihm den Nachrichter nach Dettingen schicken, er wolle diesen Buben auf dem Schloß strecken lassen, und hoffe Manches von ihm zu erfahren. Schreiben vom 24. April. Stuttgarter Staatsarchiv. Auch ein Prädikant, der die neue Lehre predigte, wurde von Dietrich Spät gefangen gelegt. Einen Bürger, der ihn in Urach eingelassen hatte, ließ er viertheilen, den Prediger selbst als Aufrührer hängen, die vier Gefangenen, nachdem sie gefoltert waren, und noch einen fünften enthaupten. Es war Haß gegen die neue Lehre, Haß gegen die Bauern und Haß gegen Herzog Ulrich, was in Spät zu dieser Grausamkeit zusammen wirkte, wohl aber auch die Absicht, durch strenges Verfahren Stadt und Amt zu schrecken, daß sie sich nicht zu dem Haufen schlagen. Die Stadt Urach war unter den württembergischen Herren stets besonders ausgezeichnet worden. Lange Zeit Residenz der württembergischen Grafen, hatte sie, als sie aufhörte, es zu sein, große Freiheiten erhalten, Freiheit von allen Schatzungen, allem Landschaden und allen Diensten; nur wenn der Graf selbst mitzog, war sie zum Auszug in den Krieg verpflichtet. Befreiungsurkunde im Stuttgarter Staatsarchiv. Unter dem Regiment Dietrich Späts athmete die Stadt nicht so frei. Einem großen Theil der Bürger war darum nicht zu trauen; der Vogt der Stadt zählte bei 60 Bürger, die nicht nur bäurisch gesinnt, sondern mit den Bauern in Verbindung seien. Dietrich Spät hatte darum, als der Aufstand wuchs und näher rückte, Alles gethan, um sowohl für die Stadt, als für die Burg eine hinreichend starke Besatzung aufzubringen. Er hatte in Ulm Silbergeschirr im Werth von 1000 Gulden verkauft, und war hin und her geritten und hatte Knechte geworben. Dieses Kriegsvolk hielt er so gut, daß er schreiben konnte, sie seien alle leichtsinnig und fröhlich, selbst die gemeinen Knechte, und die Hauptleute sagen, sie haben es so noch bei keiner Besatzung gesehen. Es ward gebaut, befestigt, bewehrt mit Eifer und Lust, unten in der Stadt wie oben 198auf der Burg. Als von den Bauern das erste Aufforderungsschreiben am 27. April in die Stadt kam, wurde es ohne Antwort gelassen; am 1. Mai kam der zweite Bote, es wurde ihm mit Hohn geantwortet; doch schickte Spät, der den Ernst der Bauern auch nicht gerade verachtete, eilig den Stadtschreiber Johann Vogler an die Bundesräthe um Hülfe, »denn die Zahl der Bauern sei groß, 10,000 oder mehr.« Indessen kam am 2. Mai ein dritter Bote in die Stadt. Im Uebermuth zwang das Kriegsvolk den letzten Boten, »das Siegel mit Wachs und Papierdeckel zu fressen;« und er hätte auch den Brief selbst verschlucken müssen, wäre nicht Reinhard Spät dazwischen getreten. Der schrieb den Bauern, wenn sie wieder herein schicken, so wollen sie ihnen das Botenlohn geben und sie vor die Stadt henken. Als Ueberschrift setzte er: »an die Lotterbuben, die sich Oberste und Hauptleute schreiben.« Hans Vogler, den die Bundesräthe an Reutlingen gewiesen hatten, brachte keine Hülfe von dieser Stadt zurück; die Reutlinger antworteten, sie können bei ihrem Eid keine Knechte abgeben; und am 3. Mai kamen die Bauernfähnlein das Ermsthal herauf und der Stadt ins Angesicht, zur Rache entschlossen. Sie machten Anstalten zum Sturm: da retteten die Stadt eilende Boten aus dem bäurischen Hauptquartier, welche allen Fähnlein den schleunigsten Rückzug in dasselbe befahlen; es war die sichere Botschaft gekommen, daß das Heer des schwäbischen Bundes schon bei Balingen lagere und in das Land herabziehe.

Matern Feuerbacher mit der Hauptmacht des Haufens lag bis zum 3. Mai in Kirchheim. Wie Neuffen und Urach, so hatte er von hier aus alle Städte und Aemter zu schnellem Zuzug aufgefordert, die damit noch im Rückstand waren. Selbst das Fähnlein von Stuttgart stieß, wie wir sahen, erst am 1. Mai zu Kirchheim zu dem Haufen, wohlgerüstet mit Spießen und Büchsen, wie es Matern von Allen verlangte.

Der Hauptmann des Stuttgarter Fähnleins, Theus Gerber, hatte als seinen Fähndrich Martin Rittel bei sich. Rath und Ausschuß zu Stuttgart hatten Theus Gerber als den Tauglichsten dazu ausgewählt. Der Gewählte nahm die Wahl sehr ungern an. »Ihr Herren, sagte er, ihr wisset, ich bin ein armer Mann und habe zu Haus ein Weib und neun Kinder, die soll ich unberathen 199zurücklassen?« Der Rath sicherte ihm zu, daß man für sein Weib und Kinder sorgen wolle. »Wohl, ihr Herren, fuhr Theus Gerber fort, ich weiß, was ihr mir aufleget; geht es gut, so werden die Stuttgarter Alles gethan haben wollen; geht es aber übel, so wird man nur auf mich abladen.« Der Rath sagte ihm zu, daß er auch in dieser Hinsicht unbekümmert sein dürfe; man werde gut für ihn sprechen. Theus Gerber erbat sich wenigstens zur Berathung in vorkommenden Fällen noch ein paar verständige Männer zu Begleitern, die aber keine Balger und keine Schreier sein dürfen.

So ließ er sich zur Annahme der Hauptmannsstelle bereden; für die Bedürfnisse seiner Mannschaft schoß man ihm eine hinlängliche Summe Geld vor, und empfahl ihm nur, des Weinsberger Haufens sich zu entschlagen und ohne Wissen und Bewilligung der Stuttgarter sich in keine nachtheilige Handlung mit den Bauern einzulassen, eine höchst mißliche, in vielen Fällen unlösbare Aufgabe. Theus Gerbers Prozeßakten im Stuttgarter Staatsarchiv.

Am 3. Mai verlegte Feuerbacher das Lager nach Nürtingen am Neckar. In dem leeren Schlosse, dem Wittumsitz der Herzogin Elisabeth, die im vorigen Jahre gestorben war, nahm der helle christliche Haufe sein Hauptquartier. Schnell schwoll hier in Folge der Aufmahnungen durch Zuflüsse aus dem Rems-, Fils- und Neckarthal das Bauernheer um Tausende an, und je näher das Zusammentreffen mit dem schwäbischen Bunde bevorstand, desto mehr lag den Bauern daran, auch die entfernteren Haufen an sich zu ziehen, und sich durch alle Brüder zu stärken. Elias Meichsner, Stadtschreiber von Stuttgart, der mit vielen Schreibern dem Hauptquartier folgen mußte, wurde aufs Neue in Thätigkeit gesetzt, um die Aufforderungen zum Zuzug auszufertigen. Am 3. Mai schickte Matern seine Briefe auch »an die ehrsamen und weisen christlichen Brüder, die Hauptleute und ganzen hellen Haufen der christlichen Versammlung im Allgäu, am Bodensee und im Schwarzwald.« – »Gnade und Friede, schrieb er, in Christo unserm Herrn. Wisset, ehrsame, christliche, liebe Brüder, nachdem euch und uns eine große Beschwerde, Angst und Noth in vielen Wegen angelegen ist, auch Schmach, Spott und Schaden aller christlichen Versammlung, wider Gott, alle Billigkeit und Recht, wir allda haben dulden, leiden und tragen müssen, 200darein uns geistliche und weltliche Obrigkeiten gezwungen haben: so hat nochmals der Bund zu Schwaben alle Kraft und Macht aufgeboten, uns wieder in solchen Zwang und Beschwerniß zu drängen, mit Hülf und Fürschub eines großen Kriegsvolks zu Roß und zu Fuß. Und nachdem er eine lange Zeit, euch zu verderben, über euch gehalten, aber aus der Gnade Gottes bei euch nichts geschafft hat, hat er euch unseres Anzugs halb verlassen, und ist Willens, zunächst auf uns stark zu ziehen, uns in unserem christlichen Vornehmen zu hindern und zu verderben, und, aller Kundschaft nach;, wenn es dem Bund an uns gelänge, demnächst wieder euch zu überziehen, einen Haufen nach dem andern zu verderben, und forthin ihren Hochmuth, ihre unchristlichen Beschwerungen, wie von Alters her, an uns, unsern Weibern, unsern Kindern und allen unsern Nachkommen auszuüben. Dies Alles bedenket wohl; bedenket, was für Beschwerniß, Last und Spott wir alle von ihnen leiden und tragen müßten, wo wir ihnen den Zaum nicht nehmen würden. Darum liegen wir, euch und allen Christen zu Hülf und Trost, zu Feld, mit einem gar guten Heerzug, den wir wider den Bund in schneller Eile aufgebracht haben, und wir bitten und begehren, ihr wollet, uns allen zu Hülf, auf das Schnellste dem Bund Tag und Nacht nacheilen und zu uns ziehen, denn wir sind guter Zuversicht, wenn ihr und andere Haufen mit Macht uns entgegen zieht, wollen wir mit Gottes Hülfe uns aller unserer Beschwerden, die wir des Bundes halb haben, gar bald frei schaffen und zum Frieden kommen. Denn wo wir mit dem Bund zur Ruhe wären, dürften wir in allen Landen keinen Feind mehr fürchten und ohne alle Sorge, mit Hülfe göttlicher Gnade, ein gutes christliches, brüderliches Regiment ordnen und machen, und fürderhin mit beständigem Frieden und Ruhe wir und alle unsere Nachkommen leben, und alle unbillige Beschwerungen, welche wider Gott und Recht sind, von uns wegbringen. Das aber will uns ohne eure christliche Hülfe schwer zu thun sein. Darum an euch, christliche, liebe Brüder, unsere unterthänige Bitte, die Sache herzlich zu bedenken, aus christlicher Liebe uns und euch mit eurem Zuzug nicht zu verlassen und demnächst an Tübingen zu erscheinen.« Schreiben vom Mittwoch nach Philippi und Jakobi.

Während die einzelnen Züge der ergebenen Aemter des 201Unterlandes als Nachverstärkungen des Haufens nach dem Hauptquartier eilten, machte ein solcher Zuzug im Vorbeigehen auch den Versuch, die noch immer vom Kriegsvolk der Regierung besetzte Stadt Marbach zu überrumpeln. Theils einzeln, theils zu zweien und dreien kamen Bauern nach und nach unvermerkt in die Stadt, unter allerlei Vorwänden, bis man entdeckte, daß schon mehr als 150 darin waren. Sie forderten trotzig, daß ihnen Wein genug aus dem herrschaftlichen Keller geliefert werde. Dieser wurde ihnen reichlich gegeben, und sie thaten sich gütlich in dem guten Gewächs. Vogt Michael Demmler und Gericht und Rath berathschlagten auf dem Rathhause, wie man sich des Schwarms entledigen könne. Die Bauern hörten davon, oder trieb sie der Wein; sie versuchten die Rathhausthüre zu stürmen und schrieen, man müsse die Herren aus den Fenstern stürzen. Als ihnen aber nicht gelang, in das Rathhaus einzudringen, stürzten sie sich tapfer wieder auf den Wein, und zechten fort, bis es dunkelte, und einer nach dem andern unter freiem Himmel auf der Straße entschlief, der eine da, der andere dort. Der Obervogt, Eitel Hans von Plieningen, war an diesem Tag außerhalb der Stadt; in der Nacht kam er von seinem Rittersitz Schaubeck herein, und versammelte in der Stille die Bürgerschaft. Mit Tagesanbruch sahen sich die betrunkenen Gesellen unter Trommelwirbel und Waffengeklirr von den Bürgern umringt, sich, eh sie wußten, wie es zuging, entwaffnet, und baten voll Jammer und Betäubung um ihr Leben. Man gestand es ihnen zu, doch so, daß sie als Esel durch die sogenannte Eselspforte in der Mauer ihre Retirade machen mußten.

Von allen Aemtern wurde so viele gut gerüstete Mannschaft zum Haufen aufgeboten, als jedes zuvor der österreichischen Regierung bei den beiden Einfällen Herzog Ulrichs gestellt hatte. Darum fanden die Hauptleute auch das Stuttgarter Contingent gegen andere Aemter zu gering, und es wurde dem Rath und dem Ausschuß die schleunige Stellung von weitern 200 Mann angesonnen.

Aber je größer an Zahl das Bauernheer äußerlich sich stärkte, desto mehr verlor es an innerem Halt: es kamen immer mehr unreine Wogen, Matern vermochte nicht mehr zu steuern, er wurde von dem aus dem Bett des Gehorsams tretenden Strom hin und her geworfen, fortgerissen. War der Kern des Heeres auch 202Kriegsvolk, folgten auch Abgeordnete von Städten und Aemtern, unter der allgemeinen Benennung »die Landschaft von Württemberg« dem bäurischen Hauptquartier: so hatte doch das zusammengelaufene Volk und das Raub- und Zerstörungselement fast das Uebergewicht. Der sachverständige Kriegsmann, Theus Gerber, der Stuttgarter Hauptmann, sah den Krebs bald genug, der dem hellen christlichen Haufen an seinem Leben fraß. Er begegnete auf der Weinsteige, zwischen Stuttgart und Degerloch, den 200 Stuttgartern, die der Fähndrich, Jakob Lazarus, ihm als Verstärkung ins Bauernlager zuführte. »Bruder, sagte er zu diesem, ich ziehe jetzt schon an die sieben Tage mit den Bauern umher, habe geglaubt, daß sie Gottes Wort ausrichten wollen; nun sehe ich aber wohl, daß es ihnen nicht darum, und den meisten nur um Rauben und Stehlen zu thun ist.« Theus Gerbers Prozeßakten.

Um eine Kriegskasse zur Verfügung zu haben, beeilte sich Feuerbacher, alle noch rückständigen Schatzungsgelder der Geistlichen einzutreiben. Selbst die Stuttgarter Stiftsherren waren noch damit zurück. Die Hauptleute ließen sie wissen, wenn sie das ihnen auferlegte Geld nicht von Stund an, ohne längeres Verziehen, ins Lager nachschicken, so sehen sie sich geursacht, gegen sie ferner zu handeln, das ihnen nicht gelegen sein werde. Schreiben vom Dienstag nach Misericordiadomini, 2. Mai. Diese ernstliche Mahnung wirkte, und die Beutemeister des hellen, christlichen Haufens quittirten »die würdigen, hochgelehrten und geistlichen Herren« für die richtig bezahlten Hülfsgelder. Quittung vom Freitag nach Philippi und Jakobi, 5. Mai. Stuttgarter Staatsarchiv.

Auch an den Adel des Landes, sowohl an die Herren, welche dem christlichen Haufen gelobt und Schirmbriefe erhalten hatten, als an die, welche noch nicht beigetreten waren, wurden Boten mit Aufmahnungen zum eilenden Zuzug ins Lager nach Degerloch ausgesandt. Von Nürtingen zog Feuerbacher mit dem Haufen über Köngen, Denkendorf, Nellingen auf Degerloch. Im Lager zu Nellingen brach eine Meuterei gegen ihn aus. Hatte er entweder durch Schonung des Klosters Denkendorf ihren Unwillen gereizt, oder hatte er sich zu weit voraus vom Haufen entfernt, oder hatte etwas von der 203gütlichen Unterhandlung verlautet, welche Matern gegen den Willen der Andern insgeheim mit dem kaiserlichen Regiment in Eßlingen anzuknüpfen versucht hatte: Feuerbachers eigenes Geständniß, in seinen Prozeßakten. als man zu Nellingen rastete, erhob sich ein Geschrei unter dem Haufen, »er und Pfaff Eisenhut seien nach Eßlingen entritten, er sei bündisch, habe sich durch Bestechung fangen lassen; er habe auch einen Bruder zu Eßlingen, der sei ein Pfaff.« Auch ein anderes Gemurmel ging im Heer, Matern habe einen Brief von Herzog Ulrich empfangen mit wichtigen Nachrichten, den er unterschlage; er sei ein Verräther. Als die Meuterer wahrnahmen, daß Matern nicht nach Eßlingen geritten war, sondern zu Degerloch schon sein Hauptquartier genommen hatte, hielten sie sich nur an das letzte Geschrei, umringten das Haus, wo er sich einquartirt hatte, mit Spießen und Hellebarden, und schrieen: »Er hat's mit dem Bund, man muß den Schelm greifen und durch die Spieße jagen!« Matern bestieg im Hof seinen großen Gaul, und ritt plötzlich keck hinaus, mitten hinein unter die Meuterer. »Liebe Gesellen, sprach er, laßt mich doch vor euch verantworten; kann ich's nicht, so jagt mich durch die Spieße. Wer sagt, ich habe Briefe vom Herzog, der lügt, wie ein Bösewicht.« Die Meuterer, überrascht, schwiegen alle. Matern sah es und fuhr fort: »Wir sind nicht hier Herzog Ulrichs wegen; Herzog Ulrich geht uns nichts an; der Kaiser ist unser Herr, Gott zuvoraus, den wollen wir haben. Wir sind hier des Gottes Worts wegen, dasselbige aufzurichten, und, wo einer klagt, rechtlos zu sein, dem zu Recht zu helfen.« Die Folge dieses Auftritts war, daß Feuerbacher sich bedankte, länger oberster Hauptmann zu sein: aber Niemand wollte die Hauptmannschaft annehmen und darum auch Niemand sie ihm abnehmen.

Kurz darauf kam wirklich ein Bote mit einem Brief von Herzog Ulrich ins Hauptquartier. Wahrscheinlich hatte der Bote Feuerbacher noch in Nürtingen gesucht, unter dem Umfragen nach dem obersten Hauptmann bei den einzelnen Fähnlein sich verspätet, und die Kunde von einem Boten Ulrichs war so unter den Haufen gekommen, ehe der Bote selbst den voraus geeilten Hauptmann erreichte. Matern nahm ihm den Brief ab, Anton Eisenhut trat in den Ring des Haufens und verlas ihn mit lauter Stimme. Der Brief war vom 2041. Mai. Er höre, schrieb der vertriebene und geächtete Fürst von Hohentwiel aus an sie, wie sie ein gut Theil seines Fürstenthums eingenommen haben; er hoffe von ihnen, daß sie ihm und seinen Rechten an das Land nichts zum Nachtheil vornehmen werden; da sie ihm aber bisher nicht die mindeste Kunde von ihren Absichten gegeben haben, so sei sein gnädiges Begehren, ihm durch seinen Boten darauf zu antworten.

Herzog Ulrich hatte nach dem unglücklichen Ausgang seiner kriegerischen Fastnacht durch die allenthalben ausbrechenden bäurischen Bewegungen bald wieder Hoffnung geschöpft, und die Hände nicht in den Schooß gelegt. Hatte er es gleich mit Hans Müller von Bulgenbach schon beim Beginn des letzten Zuges verdorben; hatten sich gleich die württembergischen Aemter bei seinem Zug das Land hinab großentheils zurückhaltend gezeigt; so machte er persönlich und durch Unterhändler doch sogleich wieder neue Versuche, die Bewegung zu seinen Gunsten zu benützen; hatten doch wenigstens die Fähnlein der württembergischen Bauern auf dem Tübinger Oesterberg bei dem letzten Zug geäußert: »Unsere Spieße werden den Herzog Ulrich nicht stechen!« Als die Bauern im Hegau, in der Baar, im Klettgau mit den ersten Tagen des April sich wieder erhoben, erhob sich auch Ulrich selbst von Schaffhausen, wo er sich gerade aufhielt. Er ritt am 4. April zu den nächsten Fähnlein, und bat sie, ihm zu helfen, daß er wieder in das Seine komme. Diese Fähnlein erklärten ihm, sie können für sich selber ihn nicht annehmen, er müsse an den großen hellen Haufen sich wenden. Bericht vom 8. April im Stuttgarter Staatsarchiv. Ulrich ritt zurück und schickte am 9. April Gesandte in das Bauernlager zu Bondorf, wo eben Haus Benkler, der Hauptmann des Hegauischen Haufens, mit Hans Müller von Bulgenbach und den Schwarzwäldern sich vereinigt hatte. Er begehrte durch seine Gesandten, in die Brüderschaft der Bauern einzukommen, und verhieß, seinen Unterthanen alles das einräumen zu wollen, was die evangelische Brüderschaft bestimmen würde. Hans Benkler scheint, wie man aus dem Spätern schließen kann, dem Herzog nicht abgeneigt gewesen zu sein. Hans Müller von Bulgenbach aber und die Schwarzwälder erklärten sich entschieden gegen ihn; sie drohten, wenn der Herzog angenommen würde, so würden sie sich von den Hegauern 205trennen, und zurückgehen. Bericht der Stadt Villingen vom 11. April. Schreiben des Kellers zu Tuttlingen, Steffan Ziegler, vom 16. April. Stuttgarter Staatsarchiv. Auch viele Schweizer, welche mit dem Herzog den letzten Einfall in sein Land mitgemacht hatten, und welche aus Furcht vor den Strafen, die ihre Regierungen über sie verhängt hatten, noch nicht heimzugehen wagten, begehrten, in die Brüderschaft der Bauern aufgenommen zu werden und mit ihnen zu ziehen. Aber auch sie wurden zurückgewiesen: ihr Benehmen gegen den Herzog auf seinem letzten Zuge und das Verfahren der Schweizerkantone in Sachen der Bauern hatten ihnen kein Vertrauen erworben. Die Schweizer standen überhaupt in keinem guten Leumund, man sang Spottverse auf sie, als die, welche überall »ummausen, den Einen verrathen, den Andern verkaufen, dem Dritten schändlicherweise entlaufen.« Stubensohl, bei Barthold, Frondsberg. S.513.

Ulrich gab die Hoffnung noch nicht auf. Er ließ durch seine Unterhändler indessen die Hegauer für sich bearbeiten. Am 20. April, als die Hegauer ihr Hauptquartier noch zu Hüfingen hatten, ritt er wieder persönlich mit etwa fünfzehn Pferden in ihr Lager und bat um Gehör. Seine Unterhändler hatten zuvor versprochen, er wolle mit seinen Schweizern, meist aus dem Thurgau und Klettgau, ihnen zunächst Engen, Stockach und Zell erobern helfen, und dann wollen sie miteinander auf Rottweil gehen, um dort des Herzogs Geschütz, das die Stadt von der letzten kriegerischen Fastnacht her noch inne hatte, wieder zu erlangen, und dann weiter ins Württembergische hinabziehen. Es wurde ihm eine Gemeinde gehalten und er trug vor, wie er ein wider Recht aus seinem Lande vertriebener Fürst sei, und wie er ihnen, wenn sie ihm zum Rechte helfen würden, bei 300 Pferde und all sein Geschütz zuführen wolle. Auf das hielten die Bauern unter sich Rath, und sagten ihm zu, ihm beistehen zu wollen, und ihn anzunehmen, sofern er recht ehrlich wolle um seiner Sache willen ziehen, ein Bruder sein in ihrer Brüderschaft wie ein anderer Bruder, ihre Artikel halten, und wo sie ihm wieder in sein Land einhälfen, bei diesen Artikeln seine armen Leute bleiben lassen, und keinen alten Schaden rächen. Der Herzog begehrte hierauf vorerst ihre Artikel einzusehen, um sich zu bedenken, und ihnen in kurzer 206Zeit eine entscheidende Antwort zu geben. So ritt er hinweg. Des folgenden Tags, am 21. April, kam er wieder, es war ein Freitag, schwur zu dem Haufen, und trat in die evangelische Brüderschaft ein. Hans Müller und die vom Wald waren vor Zell gezogen; es war Hans Benkler und die um Hilzingen lagernden Hegauer, denen er angelobte. Berichte Hans Zieglers von Tuttlingen vom 18. und 20. April. Bericht des Kellers von Balingen vom 24. April. Er blieb jedoch nicht gleich mit den Seinigen beim Haufen, sondern ging auf Twiel hinauf, um Verstärkungen zu sammeln. In einer Zuschrift an die Stadt Schaffhausen rechtfertigte er diesen Schritt also: »Unverborgen ist die gewaltsame, unrechtliche Handlung, so Uns begegnet, und Unser überflüssiges Erbieten dagegen; derohalben Uns Gott und die Natur, alle mögliche Hülfe zu Erholung des Unsern anzunehmen und zu suchen, zugibt. Wir haben Uns demnach aus solchen und viel bewegenden Ursachen und Handlungen, mit der Versammlung der Bauerschaften, so jetzt im Hegau und Schwarzwald bei einander sind, auf ihre Bewilligung und Zusagen, daß sie Uns zu Recht, auch Unsern Landen und Leuten, mit all ihrem Vermögen, Leibes und Gutes, verhelfen wollen, in Verstand begeben; doch dermaßen, daß sie sich ihrem Erbieten nach, dem göttlichen Rechte und nach Ausweisung desselben gemäß halten, und sich aller Ehrbarkeit und Billigkeit weisen lassen wollen.« Schreiben aus Twiel vom 29. April. Aus dem Schaffhauser Archiv bei Schreiber.

Am 2. Mai stieß er mit seinem Geschütz und etwa fünfzig Pferden zu dem Hegauer Haufen, im Lager zu Möringen; aber mancher Rittersmann, der bisher treulichst zu ihm gehalten hatte, verließ ihn jetzt und folgte seinem Befehl zum Zuzug nicht, »da Andere das Schwert bei dem Heft haben und sie, die Ritter, nicht wissen, bei solchem Regiment ihm nützlich zu werden.« Schreiben des Ritters Sigmund Zwickoff vom 2. Mai im Stuttgarter Staatsarchiv. Tags zuvor nun war es auch gewesen, wo er jenen Brief an den württembergischen Haufen unter Feuerbacher erlassen hatte.

Wie wir sahen, zog Ramey Harnascher als Glied im 207Bauernrath des hellen christlichen Haufens mit, ein getreuer Freund Ulrichs und sein Agent; und auch eine Ulrich geneigte Partei zeigte sich in diesem Haufen. Diese setzten es durch, daß auf des Herzogs Brief hin Umfrage gehalten wurde, ob man ihn annehmen und was man ihm antworten solle. Theus Gerber, der Stuttgarter Hauptmann, glaubte nicht, daß dieser ungezügelte, ungeregelte Bauernhaufen dem an Zahl schon überlegenen regelmäßigen Kriegsheer des schwäbischen Bundes unter einem Feldherrn wie Jörg Truchseß obsiegen werde, und darum glaubte er auch nicht, daß für Herzog Ulrich im gegenwärtigen Zeitpunkt etwas zu hoffen wäre. Und um es darum auch mit der bestehenden Regierung nicht zu verderben, ging er vorsichtig bei der verfänglichen Frage zu Werke. Er erinnerte die Seinigen an ihre dem Erzherzog Ferdinand zugeschworene Pflicht, und trug als Sprecher im Haufen auf eine ausweichende Antwort an. Sein Vorschlag bekam die Mehrheit. Der Haufe schickte dem Herzog die schriftliche Antwort: Seine fürstliche Durchlaucht wolle die gemeiner Landschaft anliegenden Beschwerden und Wohlthaten, welche sie von seiner fürstlichen Durchlaucht Voreltern erfahren, und die großen Schäden, welche sie seiner fürstlichen Durchlaucht wegen erlitten haben, gnädiglich bedenken; und es sei ihr Anzug allein darum, sich bei Recht und Gerechtigkeit und bei evangelischer christlicher Freiheit vor Gewalt zu beschirmen; wider ihre rechte Obrigkeit und wem das Fürstenthum Württemberg von Rechtswegen zugehöre, zu handeln und zu rechten, seien sie nicht gesonnen; denn ihrer aller Meinung sei nicht, Jemand von seinem billigen Recht zu verdrängen. Theus Gerbers Prozeßakten.

Die Ausschreiben, die noch von Nürtingen aus in das ganze Land die Befehle der Hauptleute des Haufens und der gemeinen Landschaft zum schnellen Zuzug hinaus trugen, waren im Ton der größten Zuversicht abgefaßt. Es drohe ein Angriff vom Bund, hieß es darin, sie sollen eilen; mit dem Haufen im Allgau, im Hegau, auf dem Wald, mit dem von Gmünd und andern sei ein Verstand gemacht, in vier oder fünf Tagen werde, wie zu hoffen stehe, die ganze Unternehmung zu Ende gebracht sein. Schreiben aus Nürtingen vom 3. Mai. Diese Zuversicht des Haufens wurde durch die täglich ankommenden und noch zu 208erwartenden Zuzüge gesteigert. Noch zu Nürtingen war der Haufe »vom Gäu« gemäß der Weisung Feuerbachers, die er unterm 28. April an denselben hatte ergehen lassen, zu dem hellen, christlichen Haufen gestoßen, und die starken Fähnlein »des Haufens vom württembergischen Schwarzwald« waren im Zuzug begriffen.

In das Gäu, das heißt, in die Landschaft Württembergs, welche vom Saum des württembergischen Schwarzwaldes über das Herrenberger Amt bis zum Saum des Schönbuchs sich herabzieht, wurde wohl die Waffenbewegung erst durch jene zersprengten Schaaren von der Donau her getragen, welche Pfullingen einnahmen und sich von hier aus vor dem Kriegsvolk der Regierung in das Ammerthal geworfen zu haben scheinen; denn am 7. April berichtete der Böblinger Vogt Leonhard Breitschwerdt an die Regierung, daß eine Bauernschaar von Bebenhausen heranrücke, mit weißen Fahnen, worin oben die Figur Gottes mit ausgespannten Armen, unten die Mutter Gottes und an jedem Eck ein Hirschhorn zu sehen sei, und daß man allgemein annehme, Herzog Ulrich werde sich nächster Tage öffentlich als ihr Hauptmann zeigen. Das waren offenbar dieselben, mit denen vor Pfullingen, Trümmer des Leipheimer Haufens, die jetzt württembergische Zeichen annehmen, und geheimnißvoll von Ulrich sich vermerken ließen, um manchen Württemberger so eher zur Vereinigung mit sich geneigt zu finden; vielleicht waren es auch selbst Württemberger, die sich vom Blaubeurer und Münsinger Amt an den Leipheimer Haufen angeschlossen hatten. Sie warfen sich nicht unmittelbar auf Böblingen, sondern sie wandten sich durch den Schönbuch über Breitenholz auf Kayh und nahmen zuerst in dem Wald oberhalb Kayh eine Stellung, von der aus sie aus dem Ammerthal, aus dem Schönbuch und der Grafschaft Hohenberg Verstärkungen an sich zogen, und dann durch die Ortschaften des Gäus streiften, wo ihnen theils freiwillig, theils gezwungen viele Bauern sich anschlossen: mit ihren zwei Fähnlein, mit Trommeln und Pfeifen zogen sie kriegerisch einher. Bericht von Herrenberg vom 8. und 9. April. Jetzt erst gingen sie hinab in's Böblinger Amt und zwangen, wo man sich nicht freiwillig an sie schloß, die Dorfschaften mit Gewalt zu sich. In manchem Ort, wie in Darmsheim, trafen sie keinen Mann an, alle Bauern hatten das Dorf bei 209ihrem Anzug verlassen, um nicht zum Anschluß gezwungen zu werden. Die Darmsheimer, wie die meisten Ortschaften des Böblinger Amts, waren noch entwaffnet, weil sie sich bei Ulrichs letztem Einfall zu diesem geschlagen hatten.

Das Böblinger und das Leonberger Amt erboten sich gleich Anfangs gegen die Regierung, sie wollen, da sie viele Gutgesinnte unter sich haben, die vom Gäu zurücktreiben. Aber ihr Bote traf zu Stuttgart in der Kanzlei Niemand mehr an, und am 24. April schrieben die Leonberger nach Tübingen, ihr Vogt habe sich gestern von ihnen weggemacht und werde wahrscheinlich wegen der allgemeinen Empörung nimmer kommen; jetzt sei nichts mehr von ihnen zu erwarten, rings um ihr Amt rücken die Bauernhaufen mit großer Macht heran. Mehrere Schreiben von Gericht und Rath im Stuttg. Staatsarchiv. Im Amte Böblingen wird der Maier von Döffingen, Bernhard Esel, als einer der rührigsten Bewegungsmänner genannt. Die von Dagersheim, die nicht entwaffnet waren, setzten sich zuerst sogar gegen den Andrang und das Anmuthen der Bauernfähnlein zur Gegenwehr, aber ohne Erfolg, und gleich darauf erscheint sogar einer aus Dagersheim, Leonhard Schwarz, als Hauptmann des Haufens. Auch diese Bauern übten wie die andern den Grundsatz, vor allen die Reichsten jedes Orts zum Mitzug zu nöthigen, und da sah man denn die wohlhäbigen, ehrbaren Bürger und Bauersleute beim Haufen, »wie sie solchen Lebens ganz kein Gefallen noch Lust hatten,« bekümmert und voll Leid, und manchem liefen die Thränen über die Wangen, wenn er Spieß und Büchse aufnehmen und dem Haufen nachziehen mußte. Berichte der Vögte Jäger und Breitschwerdt. Manche liefen auch wieder weg, nachdem sie kurze Zeit mitgezogen waren. So kam es, daß der Haufe, als er auf Merklingen zog, nur zwischen 4—500 Mann stark war. Sie hatten Hirsau im Auge.

Dieses schöne uralte Gotteshaus, von welchem einst so viele Klöster und viele Strahlen des wissenschaftlichen Lichtes in die Lande ausgegangen waren, an der Nagold, zwischen Calw und Liebenzell, hatte durch mancherlei Schicksale und Zeiten des Verfalls noch immer eine bedeutende Größe bis zu dem Aufstand der Bauern sich gerettet. Es war Montags nach Quasimodogeniti, den 24. April, als 210Leonhard Schwarz mit einigen Fähnlein vor diesem Benediktinerkloster erschien. Er begehrte nur eines Trunks. Der Abt, Hans Schultheiß, hatte sich wohl auf den Ruf der Regierung nach Tübingen begeben. Prior und Convent eilten, die unheimlichen Gäste mit Brod und einem Fuder Wein abzufertigen. In Furcht und Ahnung, es möchte eine große Partie nachfolgen und sie dann um der Menge willen nicht mehr so gut mit ihnen durchkommen, schrieben sie um Rath und Hülfe. Bericht des Priors und Convents von Montag nach Georgii. Guden. Cod. Dipl. V Noch an diesem und am folgenden Tage kam auch ein Fähnlein nach dem andern bei dem Kloster an. Unter dem Weintrunk, der wieder abgereicht wurde, und unter dem Zulauf der eigenen armen Leute des Klosters, stellte sich der Muthwille ein, nicht nur der Keller und der Speicher, auch der Hausrath empfand die zugreifenden und wüstenden Hände der Bauern. Die Ehrbaren im Haufen konnten nicht mit ihrer Mäßigung durchdringen: das Gotteshaus litt diesmal und noch später so sehr, daß es seinen Schaden auf 14,675 Gulden berechnete. Den Gebäuden geschah kein Leid. Um sich mehr Gewicht zu geben, verbreiteten die Hauptleute die Sage, Herzog Ulrich sei im Begriff, mit 1000 zu Roß und zu Fuß zu ihnen zu stoßen. In Calw war man schon, seit die ersten Fähnlein bis Merklingen gekommen waren, in Besorgniß. Der Vogt Conrad Lamparter war nach Merklingen zu den Bauern hinabgeritten, um gütlich mit ihnen zu handeln. Während er darin begriffen war, rief ihn die Nachricht zurück, daß die Bauern vom Wald Bulach eingenommen haben und rasch in sein Amt hervorrücken. Schreiben des Vogts vom 24. April. Als die Bauern das nur 3 Viertelstunden entlegene Hirsau besetzten, wußten sich die Calwer in ihrer unbewehrten Stadt nicht mehr zu helfen, Gericht und Rath gesellten sich einen Ausschuß zu, und versuchten nochmals zu unterhandeln. Aber noch aus dem Lager bei Hirsau forderte Leonhard Schwarz die Stadt kurz zum Beitritt auf, unter Bedrohung, wenn sie sich nicht an den Haufen ergeben, werde man vor die Stadt ziehen, den Haufen, der zu Wildberg stehe, herbeirufen und die Stadt stürmen. Berichte vom 25. und 26. April.

Unweit Wildberg, zu Neuweiler, hatte sich in der 211Osterwoche eine zweite Schaar zusammen gethan, und aus der Kirchweihe des letzteren Orts, am 23. April, ein Fähnlein fliegen lassen. Des folgenden Tages zogen sie vor das Städtchen Bulach. Der Vogt darin bedachte sich den Bauern zu lange, sie schwangen einen Balken als Sturmbock gegen das Thor und stießen es ein, nahmen dem Vogt die Schlüssel, ließen umschlagen, daß sie alles Essen und Trinken baar bezahlen werden, aßen und tranken, zahlten aber nichts. Hauptmann dieser Schaar war Hans Huß. Sie schickten am 24. April Botschaft nach Wildberg: Nachdem sie etliche Flecken auf dem Wald eingenommen, so fordern sie auch die Wildberger auf; wenn sie sich ergeben, so wollen sie Niemand Schaden thun; wo nicht, so werden sie mit Gewalt vor ihre Stadt kommen und sie nehmen. Stadt und Schloß Wildberg waren der Meinung, sich redlich halten zu wollen, und wiesen die Aufforderung des kleinen Bulacher Haufens zurück. Dieser zog vorüber, legte sich jedoch gleich darauf vor die Stadt, und rief sowohl die Fähnlein vom Gäu, als auch den großen Haufen »vor dem Wald« herbei. Berichte vom 24. und 25. April.

Vor dem württembergischen Schwarzwald nämlich, in der Gegend von Sulz, Rottweil und Tuttlingen, hatte sich ein großer Haufen zusammen gethan, unter Thomas Maier von Vogelsberg, einem erfahrenen Kriegsmann. Ihn erkannten alle die zerstreuten Fähnlein vom Schönbuch bis Tuttlingen als obersten Hauptmann. Er hatte zuerst sein Hauptquartier um Neuneck, und berannte und plünderte die benachbarten Edelsitze, namentlich der Herren von Neuneck, während sein Haufen mit jedem Tage mehr anschwoll. Die Stadt Dornstetten wurde fast ganz auf dieselbe Weise von ihm eingenommen, wie Bulach von Hans Huß. Der Obervogt zu Dornstetten hatte Anfangs die Bauern so sehr verachtet, als irgend ein anderer Adeliger. »Hätt' ich nur 50—60 Pferde, schrieb er am 11. April, ich wollte die aufrührerischen Buben wohl bald auseinander getrieben haben.« Acht Tage darauf mußte er schon bekennen, ein Amt um das andere falle dem Haufen zu: wenige Tage darauf hatte er ein ähnliches Loos, wie der Vogt von Hornberg. Berichte des Obervogts vom 10., 11., 13. und 19. April. Am 19. April ritt dieser von Stuttgart herauf. Bei Glatt, 212unweit Dornstetten, gerieth er unter den Bauernhaufen. Sie nahmen ihn vom Pferde, er mußte zu Fuß mit ihnen ziehen, und sie hatten ihren großen Muthwillen mit ihm. Zuletzt entließen sie ihn, nachdem er ihnen hatte geloben müssen, einen Monat lang nichts gegen sie zu unternehmen. Berichte von Dornstetten und von Hornberg im Stuttgarter Staatsarchiv. Am 24. mußte auch der Obervogt von Dornstetten zu den Bauern geloben. Dem Vogt von Balingen war es schon lange unheimlich. Zu Ostern sandte er fünf Schreiben auf einander durch Eilende an die Regierung, die vom Hegau und Wald rücken immer näher auf Balingen, Herzog Ulrich solle sich unter sie gemischt haben, und ihm, dem Vogte, sei, wie er höre, schon mit Todtschlagen gedroht. Am 23. April hatte sich schon ein Theil des Amtes zu dem Haufen geschlagen. Stuttgarter Staatsarchiv. Balingen, die Stadt, hatte weniger Anlaß zum Aufstand als andere Orte; diese Stadt war für ihre Bürgerschaft mit großen Freiheiten begabt. Doch waren, während in dem benachbarten Ebingen nicht ein Einziger hinauslief, auch in der Stadt Balingen mehrere, die zu den Bauern hinausgingen und an ihren Bewegungen Theil nahmen; manche, die in der Stadt blieben, waren wenigstens bäurisch gesinnt, oder doch herzoglich. Am 24. April näherte Thomas Maier sich mit mehr als 3000 Mann der Stadt und sandte eine Aufforderung in sie hinein. »Ihr sollt mit uns, schrieb er, das heilige Evangelium und die Gerechtigkeit Gottes handhaben, und es kommt diese letzte Ermahnung von uns an euch, von Stund an in unsere Brüderschaft zu kommen; wo ihr nicht wollt, seid ihr unsere Feinde, und wir wollen euch heimsuchen wie unsere Feinde.« Doch legte er sich jetzt nicht vor die Stadt, welche stark besetzt und befestigt war; er nahm nur die Bauern des Amts an sich und zog vorüber. Er wandte sich auf Rosenfeld.

Vor diese Stadt hatten sich bereits als Vortrab des hellen Haufens die Leidringer Bauern gelegt und sie aufgefordert. Rosenfeld, obwohl es nicht viel über 100 wehrhafte Männer in sich schloß, entschied sich »redlich zu thun« und verweigerte den Anschluß. Als aber am 25. April der helle Haufen selbst davor rückte, schlug die Gesinnung darin ganz um. »Ich muß mich schmucken und ducken, 213klagte der Vogt, Niemand will mehr gehorsam sein, Jeder nach seinem Kopf handeln.« Zwei Berichte des Vogts vom 25. April im Stuttgarter Staatsarchiv. Noch am Abend desselben Tages meldete er der Regierung die Uebergabe der Stadt: »aus Noth gedrungen haben sie die Bauern eingelassen, doch auf Bedingung, nichts gegen die Herrschaft vorzunehmen.«

Thomas Maier verfuhr wie die Obersten in andern Landschaften. Jede Stadt, jeder Ort mußte sein bestimmtes Contingent ihm stellen, so Dornstetten 34 Mann, unter dem Hauptmann Blasius Blaus. Bösingen und andere Flecken Rudolfs von Ehingen konnten nur durch Zwang zum Anschluß vermocht werden. Städten, die sich weigerten, nahmen sie unterwegs Bürger gefangen und führten sie fort, so zwei angesehene Bürger von Dornhan; aus manchem Ort, wie aus Glatt, führten sie alle Bauern mit sich hinweg. Bericht des Vogts von Dornstetten im Stuttgarter Staatsarchiv. Schon sechs Tage vor der Aufforderung an Balingen hatte Thomas Maier die Klöster Alpirsbach, Kniebis und Reichenbach zum Eintritt in die Brüderschaft aufgefordert. Die Hintersassen des Abtes zu Alpirsbach, eines im Jahre 1095 aus dem württembergischen Schwarzwald in der Mitte zwischen Freudenstadt, Hornberg, Schiltach und Dornhan an der Kinzig gegründeten Gotteshauses, kamen schon Anfangs April in Aufregung. Montag Abends, am 10., zog eine Anzahl seiner armen Leute in den Flecken Alpirsbach, und trugen ihrem geistlichen Herrn vor, sie seien in Gutem da, wollen aber die Kernensteuer nicht mehr geben, sondern abgestellt haben. Der Abt, Herr Ulrich, suchte sie dadurch zu begütigen, daß er versprach, was andere arme Leute in Württemberg gütlich oder rechtlich erlangen, wolle er ihnen auch geben, und mit ihnen weiter noch handeln vor der Regierung in Stuttgart, vor dem Hofgericht in Rottweil oder beim Reichsregiment in Eßlingen, und es solle denen, welche sich mit ihm in Handlung einließen, an Leib, Ehr und Gut nicht schaden. »Um ihrem Trotz zu begegnen,« und weil in der Herrschaft Triberg und rings um ihn der Aufstand ausbrach, that er dies, und stellte ihnen eine Urkunde dieses Vertrages aus. Bericht des Abts vom 11. April, ebendaselbst. Die Hintersassen hielten, wie der Abt selbst nachher ihnen zeugte, von da an 214treu zu ihm, und baten stets gegen die Zudringlichkeiten der andern Bauern um Beistand bei dem Regiment. Als aber keine Hülfe kam, geleiteten sie ihren Herrn an einen sichern Ort, und blieben dann so lange im Kloster zu dessen Schutz, bis sie von den andern Bauern zu ihrem Gefallen gezwungen wurden. Zeugnis des Abts in der Sammlung des Prälaten von Schmid. Der sie dazu zwang, war der Dornstetter Hauptmann Blasius Blaus, er ließ das Kloster huldigen, Wein, Früchte und Vieh, über 126 Stücke, nach Dornstetten wegführen und legte zwölf Mann Besatzung darein, welche drei Wochen lang blieben und guter Dinge waren. Von den Hintersassen Alpirsbachs waren es vorzüglich Einwohner zu Reuti, Peterzell, Hanweiler und Rimlisdorf, welche dem Haufen sich anschlossen, ihr Hauptmann war Hans Blocher von Alpirsbach. Ebendaselbst.

Dieser und Blasius Blaus ließen auch das Kloster Reichenbach huldigen. Auch der Prior dieses geistlichen Hauses hatte beim Anfang der Bewegungen seine Unterthanen versammelt und ihnen gütlich zugesprochen, und sie hatten ihn versichert, obwohl sie viel zu klagen hätten, so wollten sie doch keinen Aufruhr anheben. Als der Aufstand ihm nahe rückte, flüchtete er sein Vieh und alles von Werth. Bald kamen auch 200 Bauern über Baiersbronn her vor das Kloster und begehrten einen Trunk. Der Prior ließ ihnen Wein und Brod vorsetzen. Hinter den Ersten kam eine Abtheilung Dornstetter, und wollten sich auch zu Gast laden; der geistliche Herr entschuldigte sich damit, daß aller Raum schon von den ersten Gästen besetzt sei, und sie zogen in Frieden wieder ab. Die ersten Gäste aber hatten indessen sich im Wein ein Genüge gethan, sie wurden hitzig und drohend. Der Prior ließ schnell Frucht unter seine eigenen Leute austheilen, und diese mit bewehrter Hand das Kloster besetzen: auf das wurden die Erhitzten ruhiger und zogen ab. Am 29. April erschienen Blasius Blaus und Hans Blocher in dem Kloster, von nur 34 Mann gefolgt, und begehrten an den Prior, daß er einen Eid auf das Evangelium schwöre, der Wahrheit einen Beistand thun zu wollen. Der Prior weigerte sich dessen zuerst, that dann aber doch ein Angelöbniß, und die Hauptleute versprachen, ihn dafür beim Kloster zu handhaben. Darauf aber inventirten sie 215Alles im Kloster, damit nichts mehr weggebracht werden könnte, und verlangten auch, der Prior solle sein geflüchtetes Vieh ihnen ausliefern. Dazu wollte er sich nicht verstehen, die Hauptleute drohten. »Pfaff, sagte einer, es soll Dir bald in Deiner Kutte zu eng werden!« Es wurde ihnen angezeigt, wo das Vieh sei; sie holten es selbst, und ließen nur Weniges da, und auch dies nur, als der Schultheiß von Baiersbronn vorstellte, es sei darunter von seinem und der Seinigen Vieh. Zuletzt mußten alle Hintersassen des Hauses zum Haufen huldigen und geloben: »Der Wahrheit einen Beistand zu thun, doch der Herrschaft unabgebrochen.« Jedem Ort wurde die Zahl der Mannschaft diktirt, die es zum Haupthaufen zu stellen habe, der jetzt vor Sulz am Neckar lag. Schon auf dem Wege dahin zerstörten die Reichenbacher Bauern in Verbindung mit den Dornstettern die Sitze der edeln Herren von Glatt und Diessen. Berichte der Stadt Dornstetten und des Priors von Reichenbach.

Von Neuneck zog der oberste Hauptmann auf die Einladung des Haufens von Bulach auf Wildberg. Unterwegs nahm er einige Rotten, die sich zu Schwandorf und Rohrdorf gesammelt hatten, an sich; es fielen ihm von selbst alle Orte zu, außer Haiterbach und Nagold. Als der Schultheiß der letztern Stadt sah, wie vom Gäu und vom Waid her die Bauern in drei Haufen anrücken, berief er seine Gemeinde. Sie sicherte ihm zu, bei Eid und Treue gehorsam verbleiben zu wollen. Aber es waren ganz Nahrungslose darunter. Der Schultheiß bat die Regierung, ihm 200 Malter Früchte anzuleihen. Statt der Früchte kam am 24. April der Befehl von derselben, er solle zehn Büchsenschützen nach Tübingen aus Stadt und Amt abschicken. Eben, antwortete der Schultheiß, sei die Stadt von den Bauern aufgefordert worden, er habe um drei Tage Bedenkzeit gebeten; ob er Hoffnung auf Hülfe haben dürfe? sonst könne er nicht widerstehen. Schreiben vom 23., 24., 26. April im Stuttgarter Staatsarchiv. Da keine Hülfe kam, mußte die Stadt der Uebermacht weichen. Wie die Waldbauern, zogen auch die aus dem Gäu, zu denen sich alle Bauern des Calwer Amts schlugen, namentlich als die freudigsten die Flecken Gechingen und Hengstett, Bericht im Stuttgarter Staatsarchiv vom 24. August. nach der Uebergabe Calws, sich vor die bedrängte Stadt 216Wildberg; es drohte ihr der Sturm und die Eroberung, da ergaben sie und das nahe Kloster Reuthin sich an den Haufen. Auch Wildberg stellte sein Contingent mit 35 Mann zu demselben. Die vom Gäu zogen hinab auf Herrenberg, Thomas Maier aber wieder zurück und vor Sulz.

Schon einmal war Thomas Maier vor dem festen Bergschloß Alpek gelegen, das oberhalb Sulz sich erhob und wie diese Stadt in Händen der Herren von Geroldseck war. Das Schloß war aber von den zwei Brüdern Gangolf und Walter von Geroldseck gut vertheidigt worden, und Thomas Maier hatte, als er landeinwärts zog, nur einen Beobachtungsposten vor Stadt und Schloß gelassen; jetzt aber sollen es an die 8000 Bauern gewesen sein, die das Neckarthal hinauf zogen und sich zum zweitenmal mit ihm vor die Stadt Sulz und vor Alpek legten. Kaum aus dem Wochenbett aufgestanden, mußte die Gemahlin Gangolfs von diesem Schloß weg auf Hohengeroldseck flüchten. Köhler, Geschichte von Sulz. Es waren bei dem Haufen auch, neben den Unterthanen vieler anderer Herren, namentlich die Hintersassen aus den Herrschaften der reichbegüterten Herren von Zimmern, besonders die Wilhelm Werners, der zu Oberndorf saß. In der Stadt Oberndorf selbst war eine Partei, welche es mit den Bauern hielt. Jakob Schneller und Hans Sattler waren die Häupter dieser Partei, und diese verschworenen Bürger gingen so weit, daß sie dem Haufen Eröffnungen machten, sie wollen mit Hülfe desselben ihren Herrn überfallen und ermorden. Thomas Maier gab den Eröffnungen kein Gehör, und Jakob Renner entdeckte den verrätherischen Anschlag dem Gesinde Wilhelm Werners, das es an seinen Herrn brachte, als dieser von einem Ritt nach Ostdorf mit seinen Rittern zurückkehrte. Die Entdeckung erschreckte den Freiherrn so, daß er sich in Oberndorf nicht mehr sicher hielt, und mit seiner Gemahlin Margaretha, einer Landgräfin von Leuchtenberg, sich in die feste Reichsstadt Rottweil begab. Nach der Zimmern'schen Chronik, Handschrift, H. Ruckgaber, Geschichte der Grafen von Zimmern, S. 182-85. Eben dahin war schon früher sein Bruder von seinem Sitz Seedorf hinweg vor den aufgestandenen Bauern geflohen. Auch gegen den dritten Bruder, Gottfried Werner 217von Zimmern, waren alle Bauern seiner Herrschaft Mößkirch im Aufstand. Sie klagten unter Anderem, er übersetze sie allzusehr zu ihrem großen Schaden mit Söldnern und Taglöhnern, die ihnen ihre Waiden abnützen. Herr Gottfried versuchte sie zu begütigen, aber ohne Erfolg; nur zwei Bauern, Gallus Hach von Oberbichtingen und Jakob Friedrich von Guttenstein, blieben ihm treu. Auch in der Stadt Mößkirch selbst waren sie auf ihn sehr erbittert. Die Wiedertäufer scheinen darin starken Eingang gefunden zu haben. Die strenge Ascese der ersten Wiedertäufer, derer, die mit Münzer zusammenhingen, ist bekannt. In diesem Sinne wurde in einer Versammlung zu Mößkirch der Vorschlag gemacht, alle unzüchtigen Frauen und Mädchen aus der Stadt zu zwingen. »Lieben Freunde, rief einer der Anwesenden, Jörg Schüßlendreher, so ihr des Vorhabens seid, alle die verargwohnten Sünder aus der Stadt zu jagen, so werdet ihr sehen, daß unser einer künftig selbst kochen muß.« Da ward ein Lärmen. Zerprügelt schleppten sie den Lästerer über die Straße nach dem Thurm, aber Herr Gottfried befreite ihn daraus, denn er habe nichts als die Wahrheit gesagt. Von nun an hatte es der Freiherr mit allen Mößkircherinnen und Mößkirchern verdorben, und von diesen mit Recht gehaßt, von den Bauern bedrängt, entfloh auch er auf den vieljährigen Hort seines Hauses, den aus den Wellen der Donau ganz isolirt und steil aufsteigenden hohen Felsen Wildenstein mit dem Schloß gleichen Namens. Seine Bauern aber machten sich ein Fähnlein, malten das Zimmern'sche Wappen darein, und zogen zum Unterallgäuerhaufen, der gerade zu Riedlingen an der Donau lagerte. Ebendaselbst S. 186.

Die Zimmern'schen Unterthanen standen im Burgrecht der Rottweiler. Konrad Mock, der Bürgermeister von Rottweil, erschien im Hauptquartier des Thomas Maier vor Alpeck, und bewog ihn, daß er die Rottweil'schen und Zimmern'schen Unterthanen, die bei seinem Haufen waren, verabschiedete: viele verließen auf das hin wirklich das Bauernlager; doch blieben auch viele trotz ihrer Verabschiedung darin zurück.

In demselben befand sich auch Herzog Ulrichs vertrauter Rath und Unterhändler, jener Ritter und Doktor Fuchs von Fuchsstein. Der unterrichtete den Herzog stets von allen Vorgängen. Schade, 218daß man das Treiben dieses kühnen und verschlagenen Mannes nicht näher kennt. Noch im Jahre 1531 wagte er für Ulrich so kecke Unternehmen, daß Letzterer selbst von ihm schrieb: »er wisse nicht, ob der verzweifelte Bube unsinnig oder voll Teufel sei.« Schreiben Ulrichs an Zwingli. Die Stadt Sulz ergab sich in eben diesen Tagen an die Bauern. Sie hatte sich redlich gewehrt. Erst als die Bauern mit Feuerpfeilen hinein schossen, als die Holzvorräthe der Saline und mehrere Häuser davon in Flammen geriethen und der Stadt das Verbrennen drohte, als zu gleicher Zeit durch das Geschütz der Belagerer die Mauer auf eine Länge von 147 Fuß einstürzte, und sie zu einem allgemeinen Sturm sich anschickten, Berichte im Stuttgarter Staatsarchiv. Köhler, Geschichte von Sulz. öffnete sie ihre Thore. Und auch jetzt noch wollten sich die Bürger zuerst nicht dazu verstehen, ihre Mannschaft zum Haufen zu stellen. »Ihr von Sulz seid nicht gute Christen!« schrieen ihnen die Bauern entgegen; sie mußten sich den Siegern fügen. Die Gereizten plünderten sogar da und dort in der Stadt herum, zudem, daß diese vierhundert Gulden Brandschatzung an sie zahlen mußte. Auch das Schloß Alpeck wurde eingenommen und geplündert. Zimmern'sche Chronik, Handschrift.

Herzog Ulrich, davon benachrichtigt, schrieb an den Fuchssteiner, daß er doch bei den Bauern Alles anwenden solle, damit der von Geroldseck, sein abgesagter Feind, nicht wieder in den Besitz von Sulz eingelassen werde; »denn da handelten die Haufen gegen uns nicht brüderlich oder als Unterthanen.« Auch einen Rath gab er den Bauern: »Wenn sie sich zu schlagen hätten, sollen sie den Angriff harschlich und trutzlich thun, daran sei gar viel gelegen, und er hoffe alsdann nicht anders, als daß es mit Gottes Hülfe gut gehen solle.« Schreiben des Herzogs im Stuttgarter Staatsarchiv.

Unmittelbar nach der Einnahme von Sulz erreichte Matern Feuerbachers Botschaft den siegreichen Haufen, und Thomas Maier erhob sich mit demselben, auf Tübingen hinab zu ziehen. Der Haufen vom Gäu zog indessen an Herrenberg vorüber, auf das Kloster Bebenhausen zu. Dieses reiche Gotteshaus, welches großentheils eines der ältesten und mächtigsten Grafengeschlechter Deutschlands, das der Pfalzgrafen von Tübingen, so zu sagen mit Gut und Blut 219verschlungen hatte, kam den Bauern klug entgegen. Es vertrug sich mit denselben am 1. Mai unter Bedingungen, die für es sehr günstig waren. Es durfte nur die Hauptleute und Räthe mit ihren Trabanten ins Innere des Klosters aufnehmen, der Haufen selbst blieb theils im Vorhof, theils vor demselben. Brod, Wein und Fleisch wurde reichlich an den Haufen abgegeben, und wenn es auch wahr wäre, was eine Nachricht erzählt, Crusius schwäbische Annalen. daß man nämlich im Kloster durch das zerrissene Papier wie durch ein stehendes Wasser einhergegangen sei, so berichtet doch das Gotteshaus selbst, »es sei zwar nicht ohne Schaden abgegangen, doch sei es gegen andere Klöster Gottlob gut durchgekommen; nur am äußern Kloster haben die Bauern ein wenig verderbt, aber keine Schatzung genommen, und nach wenig Stunden sei der Haufen wieder abgezogen.« Aus Allem, wenn das Kloster es gleich nicht ausdrücklich gesteht, erhellt, daß dasselbe zu den Bauern gelobt hatte, und diese sicherten ihm dagegen zu, »daß nichts gegen die Regierung verlangt und vorgenommen, und nichts ruinirt werden sollte.« Bericht des Klosters an die Regierung vom 1. Mai im Stuttgarter Staatsarchiv.

Der Gäuhaufe zog so schnell weiter, weil die Weisung des obersten Hauptmanns aller württembergischen Bauerschaften, Matern Feuerbachers, ihn zum Zuzug aus Nürtingen rief. Nur der Hauptmann Leonhard Schwarz blieb in Bebenhausen als Besatzung zurück, der Haufen wandte sich auf Aldingen, nahm hier die verstärkten Zusätze der Ortschaften des Gäus zu sich, und zog dann längs dem Neckar Nürtingen zu. Unterwegs zerstörten die Bauerschaften von Göttelfingen und Volmaringen und das Böblinger Fähnlein die Neckarburg bei Neckartenzlingen, die dem Hans Spengler von Reutlingen gehörte, durch Feuer, Untersuchungsakten im Stuttgarter Staatsarchiv. und der Gäuhaufen vereinigte sich am 5. Mai mit dem hellen Haufen zu Nürtingen, der schon im Marsch nach Degerloch begriffen war. Je näher die Entscheidung zwischen dem großen württembergischen Haufen und dem Heer des schwäbischen Bandes rückte, desto nöthiger wurde es im Bauernrathe des ersteren erachtet, Verstärkungen und Reserven aufzubringen; und während Jakob Rohrbach im Zabergau, wie jenseits des Michelbergs, und in der 220Umgegend des Aspergs hin und her ritt und aufbot und wirkte, war Anton Eisenhut, jener erste Rath Matern Feuerbachers, aus dem Lager von Degerloch in seine Heimath, ins Kraichgau abgegangen, um die der Sage und der Wahrheit nach daselbst erlöschende Bewegung wieder anzufachen. Schon unterm 7. Mai ließ er seine Aufmahnungsschreiben in's Kraichgau und in den Brurain ausgehen, alle Verbrüderten sollen von Stund an mit Wehr und Wagen zu ihm nach Gochsheim, einem dem Grafen von Eberstein gehörigen Städtchen, kommen; sonst werde er mit seinen Brüdern zu ihnen kommen.

Gochsheim war ihm zuerst zugefallen, und er hatte sein Hauptquartier daselbst, wie Jakob Rohrbach in Maulbronn. In Kurzem sah er in die 1200 Mann um sich. Er zog in den Flecken Eppingen, wo er Pfarrherr war, wurde leicht eingelassen, zog weiter auf Heydelsheim, zwischen Bruchsal und Bretten, und nahm diese Stadt und alle Flecken umher ein. Aus dem pfalzgräfischen Flecken Hilspach ging Sonntags am Abend der Bürgermeister Christoph Haffner mit einem oder zwei Dutzend Gesellen zum Thore hinaus, zwang Jeden, der ihnen begegnete, zum Gelübde, ein christlicher Mitbruder zu werden, und fügte sich damit zu Anton Eisenhuts hellem Haufen, wie dieser selbst ihn nannte. In Hilspach nahmen sie auch den kurfürstlichen Keller gefangen. Die herrschaftlichen Weinvorräthe, die Häuser der Geistlichen und der Edeln wurden geleert. Dann rückten sie weiter, mit jedem Schritt sich stärkend, auf die Stadt Sinsheim, welche sie bald einließ, und sie warfen sich in die frühere Abtei, die Stiftung des letzten Gaugrafen im Kraichgau, die seit längerer Zeit jedoch in ein Chorherrenstift verwandelt war. Die Häuser der Chorherren wurden theils beschädigt, theils zerstört, und es fielen selbst toddrohende Reden. Wie zuvor das Schloß der Herren von Menzingen geplündert worden war, so wurde jetzt unterwegs Steinsberg, die Burg des Edeln Hans Hippolyt von Benningen, gestürmt, ausgebrannt, dem Boden gleich gemacht. Dieses Bergschloß leuchtete, wie eine Triumphfeuersäule, welche die Bauern sich und ihren Brüdern angezündet, weithin in die Thäler hinab: im ganzen Brurain sah man den Schloßbrand.

Churfürst Ludwig wandte sich schriftlich an den Obersten dieses Haufens, Anton Eisenhut, trug auf gütliche Handlung an, und 221erhielt dazu, da er jeder Beschwerde abzuhelfen versprach, sicheres Geleit für zehn Pferde und nicht darüber. Es kamen von Seiten des Churfürsten Graf Philipp von Nassau, der Herr zu Wiesbaden, und andere pfälzische Räthe: von Seiten der Bauern Anton Eisenhut und Thomas Reuß, die Hauptleute, mit andern Verordneten. Als nach langer Verhandlung die Nacht einbrach, war es den churfürstlichen Gesandten unter den trotzigen Reden und andern Aeußerungen des Haufens so wenig geheuer, daß ihnen für ihr Leben bangte: doch kam man überein. Der Churfürst versprach, auf dem nächsten Landtag auch ihre Beschwerden zu hören und zu heben, er stellte eine Verschreibung allgemeiner Amnestie aus; und die Bauern versprachen, sich einstweilen zur Ruhe und nach Hause zu begeben. Hauptquelle ist hier Haarer, der damalige Sekretär des Churfürsten Ludwig von der Pfalz; die einzige Hauptquelle für diese Landschaft ist leider weder tief noch ganz lauter. Weitere Quellen: Alte Handschrift bei Schunk; Materialien; eine Reihe Berichte im Stuttgarter Staatsarchiv.

Auch in dem von der Pfalz und dem Churfürstenthum Mainz umschlossenen Bisthum Worms waren Bürger und Bauern auf. In Worms saß als Administrator auf dem Bischofsstuhl auch ein pfälzischer Prinz, Heinrich IV., jener, der zugleich Propst in Ellwangen war. In der Stadt Worms selbst war schon im Jahre 1524 ein Bürgeraufstand ausgebrochen, die Zünfte hatten sich vor dem bischöflichen Palaste versammelt und dem Domkapitel die Urkunden abgenöthigt, welche sich die Bischöfe zum Nachtheile der Stadt von den Kaisern zu verschaffen gewußt, und der Rath hatte diese Papiere öffentlich zerrissen, unter dem Zujauchzen alles Volkes, und die zerrissenen Stücke in den Koth geworfen. Der Bischof hatte die Stadt verlassen, und Rath und Bürgerschaft hatten dessen Bruder, den Bischof von der Pfalz, um seine Vermittlung gebeten. Der war eher für die Bürger als den Bischof. So lagen im Wormsischen die Sachen.

Aber nicht nur diese Bauern Schwabens und Frankens reichten sich die Hand, die Kette des geheimen Bundes lief östlich bis tief ins Herz von Oesterreichs, südlich vom Sarganserland bis tief in die Thäler der Alpen, wo in den Wellen der Etsch der welsche Himmel sich spiegelt.


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