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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 56
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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2. Fortschritte der Langobarden in Italien. Sie dringen bis vor Rom. Benedikt I. Papst 574. Pelagius II. Papst 578. Die Langobarden belagern Rom. Zerstörung von Monte Cassino im Jahre 580. Gründung des ersten Benediktinerklosters in Rom. Pelagius II. fordert Hilfe von Byzanz. Gregor Nuntius am Hof des Kaisers. Überschwemmung und Pest im Jahre 590. Pelagius II. stirbt. Sein Bau von S. Lorenzo.

Die Klosterstiftung Benedikts war noch in der letzten Gotenzeit entstanden und demnach der Invasion Alboins voraufgegangen. Die Kirche erhielt in ihr eine der stärksten Waffen, womit sie jene anfangs so furchtbaren Langobarden bezwingen konnte. Denn diese rohen Völker, arianischen Glaubens wie die Goten, doch mit heidnischen Stämmen Deutschlands und Sarmatiens gemischt, waren unfähig, die antike Kultur, die sie noch in Italien vorfanden, ohne ihre Vermittlung aufzunehmen. Sie wurden erst durch die lateinische Kirche gezähmt, welche ihnen allmählich auch die Überreste der klassischen Bildung mitteilte, die sich in jene Klosterasyle geflüchtet hatten. Aber mehr als 150 lange Jahre gingen hin, ehe die Langobarden diese Umwandlung an sich selbst vollzogen – eine der schrecklichsten Epochen in der Geschichte Italiens. Die Städte dieses Landes bestanden noch, als jenes Volk einbrach, obwohl durch Attila und die Gotenkriege verheert und entvölkert, in ihrer römischen Gestalt, voll von öden Prachtmonumenten des Altertums. Sie fielen jetzt eine nach der andern in die Gewalt jener Barbaren, und mit ihnen gingen auch die Reste altlateinischer Gemeindeverfassung unter. Ein anderer Geist lebte im Volke Alboins als in dem des großen Theoderich; die Goten schätzten die lateinische Kultur, die Langobarden zertrümmerten sie. Sie füllten indes eine tiefe Lücke in Italien aus, denn sie zogen in jene Landschaften ein, welche von der Pest und den Kriegen verödet waren; sie kolonisierten dieselben neu, gaben ihnen den Ackerbau wieder und eine frische Bevölkerung, die sich allmählich latinisierte, während aus ihr zahlreiche Geschlechter hervorgingen, welche in langen Jahrhunderten vom Po bis tief nach Süditalien hinab die Annalen der Kirche und der Staaten mit ihren Namen erfüllt haben.

Mailand hatte sich schon im Herbst 569 dem gewaltigen Alboin ergeben, und nach dreijähriger Belagerung konnte er im Jahre 572 in den Palast Theoderichs zu Pavia einziehen. Sodann wurde von Oberitalien aus die Unterjochung der ganzen Halbinsel unternommen. Nur Ravenna, Rom und die Seestädte hielten die Fahne des Reichs und Kaisers aufrecht. Die Erhaltung des kaum verteidigten Rom erschien den Römern selbst als ein Wunder. Nach dieser Hauptstadt trachtete Alboin, begierig, hier seinen Königssitz im Cäsarenpalast zu nehmen und dann ganz Italien wie Theoderich zu beherrschen. Schon drangen seine Kriegshaufen unter schrecklichem Verheeren von Spoleto bis vor die Mauern Aurelians. Dies geschah noch zur Zeit des Bischofs Johann III., der im Juli 573 starb.

Die Bedrängnis Roms war so groß, daß der Stuhl Petri länger als ein Jahr unbesetzt blieb; denn die Langobarden lagen vor den Toren oder in der Nähe der Stadt und hinderten die Verbindung mit Konstantinopel, von wo der neugewählte Papst die kaiserliche Bestätigung zu empfangen hatte. Dies war Benedikt I., ein Römer. Das Buch der Päpste erzählt, daß zu seiner Zeit die Langobarden ganz Italien überzogen und Seuchen und Hungersnot das Volk vernichteten. Auch Rom war davon heimgesucht; der Kaiser Justin oder der edle Tiberius bemühte sich, die Not der Stadt zu erleichtern, indem er Getreide aus Ägypten nach Portus sandte.

Damals war, nach dem um 575 erfolgten Tode Klephs, welchem die Langobarden die Krone des ermordeten Alboin gegeben hatten, das anarchische Reich dieses Volks unter sechsunddreißig Herzöge geteilt, und Faroald, der erste Herzog Spoletos, hielt gerade Rom belagert, als Benedikt I. am 30. Juli 578 starb. Sein Nachfolger Pelagius II., Sohn Vinigilds, ein Römer von gotischer Abkunft, wurde deshalb ohne Bestätigung des Kaisers am 27. November geweiht. Die Bedrängnis Roms machte die schnelle Wahl des geistlichen Oberhaupts um so nötiger, als sich weder ein Dux noch Magister Militum in der Stadt befand. Wir wissen überhaupt nicht, mit welchen Mitteln sich diese verteidigte, und ob zu den wenigen griechischen Soldtruppen, die als Besatzung darin lagen, bereits eine städtische Miliz sich gesellt hatte oder nicht; wir haben jedoch Grund anzunehmen, daß die Belagerung Roms zur ersten militärischen Einrichtung der Bürgerschaft Veranlassung gab. Die Römer, welche einst durch ihre Waffenkraft die Welt unterjocht hatten, kehrten in einer andern Epoche ihres geschichtlichen Lebens in ihre Anfänge zurück, und nach einer langen Erschlaffung ohnegleichen unternahmen sie es wieder, eine kleine Bürgermiliz aufzustellen, als ob es nie zuvor eine Kriegsgeschichte Roms gegeben hätte.

Die bedrängte Stadt oder ihr Bischof, welchen die Not zu ihrem Vertreter und bald zu ihrem Haupte machte, wandte sich hilfeflehend an den byzantinischen Kaiser. Eine feierliche Gesandtschaft, Senatoren und Priester, vom Patrizier Pamphronius geführt, brachte vor seinen Thron die Bittgesuche Roms und eine Summe von 3000 Pfund Gold. Aber der Persische Krieg nahm alle Kräfte des Reichs in Anspruch; der Kaiser schickte daher nur unzureichende Truppen nach Ravenna, welches für ihn wichtiger war als Rom, lehnte das Geldgeschenk ab und riet, mit ihm die langobardischen Heerkönige zu bestechen. Die Römer schlossen mit dem Feinde Vertrag, indem sie sich loskauften, und Zoto, der Herzog von Benevent, führte sein Heer über den Liris zurück.

Die schöne Landschaft Kampanien erlitt die Verwüstungen des schonungslosen Feindes; Aquino wurde verbrannt und das Kloster Monte Cassino zerstört. Zoto überfiel dasselbe in einer Nacht; die unglücklichen Mönche hatten jedoch Zeit, sich nach Rom zu retten, wohin sie das Autograph der Regel ihres Heiligen mit sich nahmen. Pelagius gab ihnen ein Asyl neben der Lateranischen Basilika, wo sie das erste Benediktinerkloster Roms gründeten. Sie nannten dasselbe nach dem Evangelisten und dem Täufer Johannes, und da sie später den liturgischen Dienst in der Kirche übernahmen, erhielt die Basilika Constantins von ihrem Kloster den Titel Johannis des Täufers. Sein erster Abt war Valentinian. Während Monte Cassino 140 Jahre lang in Ruinen blieb, gedieh es zur Blüte, verfiel aber später, so daß es im VIII. Jahrhundert Gregor II. erneuern mußte.

Schon vor der Zeit, als die flüchtigen Benediktiner Aufnahme in Rom fanden, hatte, wie wir bemerkten, einer der angesehensten Patrizier, Gregor, ein Kloster auf dem Coelius gestiftet. Pelagius erkannte in ihm den Mann der Zukunft, zog ihn aus dieser Einsamkeit und schickte ihn als seinen Nuntius an den byzantinischen Hof, welchen er wegen seiner ohne kaiserliche Bestätigung erfolgten Ordination beschwichtigen wollte. Die römische Kirche ließ sich nämlich durch einen Apocrisiarius oder beständigen Gesandten sowohl in Ravenna beim Exarchen, als in Byzanz beim Kaiser vertreten (dies ist die erste Einrichtung der Nuntien), und wir haben gesehen, daß eine so ausgezeichnete Stellung als die letzte der Stufen zum Stuhle Petri betrachtet werden konnte. Gregor ging wahrscheinlich nach Konstantinopel schon mit derselben Gesandtschaft, die im Jahre 579 Hilfe gegen die Langobarden forderte. Dort erwarb er sich sowohl am Hof als unter den einflußreichsten Großen mächtige Freunde, wie die Kaiserin Constantina, die Tochter des Tiberius, Theoktista, die Schwester des Mauritius, und diesen selbst, welcher im August 582 als Kaiser den Thron bestieg.

Daß Gregor noch im Jahre 584 in Konstantinopel war, geht aus einem merkwürdigen Briefe des Papsts Pelagius an ihn hervor. Mauritius, vom Nuntius bestürmt, der Not Roms abzuhelfen, wo sich zu dieser Zeit nicht einmal ein kaiserlicher General befand, schickte endlich dorthin den Dux Gregorius und den Magister Militum Castorius, worauf die Stadt durch einen dreijährigen Waffenstillstand vom Feinde befreit wurde. Diesen Vertrag schloß im Jahre 584 Smaragdus, der Nachfolger des Longinus im Exarchat, mit dem König Autharis ab, welcher das Reich der Langobarden eben wieder vereinigt hatte. Aber die Waffenruhe wurde alsbald gebrochen, und deshalb schrieb Pelagius an Gregor, ihn auffordernd, in Gemeinschaft mit dem Bischof Sebastian, welcher das Gesuch nach Konstantinopel brachte, den Kaiser um schleunige Unterstützung anzugehen. »Redet also«, so schrieb Pelagius, »und verhandelt zusammen, damit ihr unserer Gefahr so schnell als möglich zu Hilfe kommt; denn die Republik ist hier in solche Bedrängnis gebracht, daß wir dem Untergange preisgegeben sind, wenn nicht Gott das Herz des frömmsten Kaisers rührt, seiner Knechte sich zu erbarmen, und über jenes Gebiet einen Magister Militum und einen Dux uns gnädig zu bewilligen. Besonders das römische Land scheint von aller Besatzung entblößt zu sein. Der Exarch aber schreibt, er könne uns nicht helfen, und beteuert, daß er nicht einmal das dortige Gebiet hinreichend zu schützen vermöge. Mag demnach Gott ihm eingeben, unserer Gefahr schnell beizuspringen, ehe das Heer des gottlosesten Volks diejenigen Städte, welche die Republik noch behauptet, zu besetzen imstande ist.«

In so völliger Verlassenheit befand sich demnach schon damals die alte Hauptstadt des Römischen Reichs. Die griechischen Kaiser, durch die slawische Völkerwanderung an der Donau und die persische Macht im Orient beschäftigt, von inneren Revolutionen gelähmt, überließen Italien seinem Schicksal. Der römische Bischof begann daher schon jetzt seine Blicke nach dem Westen zu richten, wo Chlodwig seit 486 auf den Trümmern des Reichs in Gallien das mächtige Königtum der Franken gestiftet hatte. Dies Volk bekannte seit seiner Bekehrung den orthodox katholischen Glauben. In ihm sah der Papst die werdende Schutzmacht der Kirche; und schon hatten die Priester Chlodwig den allerchristlichsten König und zweiten Constantin genannt. Ein merkwürdiger Brief Pelagius' II. an Aunachar, den Bischof von Auxerre, sprach das klare Bewußtsein aus, daß die rechtgläubigen Franken von der Vorsehung berufen seien, Rom aus den Händen der Langobarden zu erretten. In der Tat stand auch der Kaiser Mauritius mit dem Frankenkönige Childebert in eifriger Unterhandlung, um ihn zu einem Kriegszuge gegen jene zu bewegen. Schon im Jahre 584 stieg Childebert mit einem Heer nach Italien hinab, doch Autharis beredete ihn zum Frieden und zur Umkehr.

Bald nach 584 wurde Gregor von seinem Posten in Byzanz abberufen und durch den Archidiaconus Laurentius ersetzt. Er kehrte in die Zelle seines Klosters auf dem Coelius zurück, aus welcher er nur hervorgezogen werden sollte, um den Stuhl Petri zu besteigen.

Die folgenden Jahre sind dunkel, denn die Chronisten der Zeit, einsilbig und düster wie diese selbst, reden nur von Verwüstungen durch die Elemente und die Pest. Am Ende des Jahres 589 überschwemmte der Tiber einen Teil der Stadt und zerstörte mehrere alte Tempel und Monumente, die wir uns im Marsfelde zu denken haben. Der gefeierte Bischof Gregor von Tours hatte damals einen Diaconus nach Rom gesandt, um Reliquien zu holen, und was dieser Augenzeuge ihm bei seiner Heimkehr mit wunderlichen Zusätzen erzählte, nahm er in seine Geschichte der Franken auf. »Mit so großer Wasserflut«, so sagt er, »bedeckte der Tiber die Stadt, daß die antiken Gebäude einstürzten und auch die Kornspeicher der Kirche untergingen.« Diese horrea aber lagen unzweifelhaft auf der ripa graeca, dem antiken Lokal der Station der Annona urbis.

Doch schrecklicher waren die Verheerungen der Pest. Diese aber brach im Anfange des Jahres 590 an vielen Orten aus, welche wie Rom von Überschwemmungen heimgesucht worden waren. Die entsetzliche Seuche, von den lateinischen Schriftstellern lues inguinaria genannt, hatte seit 542 nicht aufgehört, die Länder Europas zu verwüsten. Aus den Sümpfen des ägyptischen Pelusium aufgestiegen, war sie plötzlich in Konstantinopel erschienen und dann, wie es in großen Völkerkatastrophen der Fall zu sein pflegt, den Spuren der Kriege nachgegangen. Kaum hat in anderen Epochen der »Schwarze Tod« ähnliche Schrecken verbreitet. Procopius und nach ihm Paul Diaconus haben diese Plage genau beschrieben. An keine Jahreszeit gebunden, ergriff sie ohne Unterschied mit den Menschen auch die Tiere, ohne durch Berührung ansteckend zu sein. Die außer sich gesetzte Phantasie hörte in den Lüften Geschmetter von Tuben, sah an den Häusern die Zeichen des Würgengels und in den Straßen den Pestdämon selbst oder Gespenster (φασματα δαιμονων) wanken, welche den Begegnenden den Tod durch einen Schlag mitteilten. Er erfolgte nicht immer plötzlich, oft erst in drei Tagen. Die Kranken starben, von Schlafsucht betäubt oder von Fieberhitze verbrannt. Öffnete man den Kadaver, so fanden sich die Eingeweide mit Geschwüren bedeckt, in den Geschwülsten selbst Stoffe wie Substanz von Kohlen.

Dieselbe Pest hatte schon während des Gotenkriegs und nach ihm Italien wie Rom wiederholt heimgesucht; nachdem sie im Januar 590 von neuem ausgebrochen war, trat sie mit so schrecklicher Heftigkeit auf, daß sie die Stadt zu entvölkern drohte. Gregor hat ihrer in seinen Schriften erwähnt und versichert, daß man mit leiblichen Augen sehen konnte, wie vom Himmel herab Pfeile schossen und die Menschen zu durchbohren schienen. Angst riß die Gemüter zu visionären Zuständen fort, wovon er selbst ein Beispiel bemerkt hat, welches wie eine Vorahnung der Danteschen Hölle erscheint. Die Seele eines pestkranken Soldaten wurde aus seinem Leibe in die Unterwelt versetzt. Dort sah er eine Brücke über einem schwarzen Strom, und hinter ihr anmutige Blumenauen, worin sich weißgekleidete Menschen versammelt fanden. Die Gerechten durften die Brücke überschreiten, aber die Bösen stürzten in den Sumpf hinab. Der Visionär sah einen Geistlichen Petrus unter schwerer Eisenlast auf dem Boden liegen, einen fremden Presbyter wohlbehalten über die Brücke gelangen, den Römer Stephan aber herabstürzen, während Engel ihn zu halten, Dämonen ihn niederzuziehen suchten.

An der Pest starb Pelagius II. den 8. Februar 590. Das Denkmal dieses Bischofs, der die Kirche in einer so schrecklichen Zeit regiert hatte, ist der Neubau der berühmten Basilika St. Laurentius vor dem Tor. Das Grab des Heiligen auf dem Ager Veranus war schon im IV. Jahrhundert mit einer Kapelle umgeben worden, welche Sixtus III. hergestellt hatte. Sein Ansehen wuchs mit der Zeit; Wallfahrer strömten zu seinem Feste nach jenen Katakomben des Hermes und Hippolytus, und bereits standen hier Pilgerhäuser und kleinere Basiliken beisammen. Neben Laurentius genoß Stephanus, der Archidiakon der Kirche Jerusalem, als Protomartyr besondere Verehrung. Seine Überreste hatte, wie die Legende erzählt, Pelagius aus Konstantinopel nach Rom gebracht und in dem Sarg jenes Märtyrers bestattet. Beide Heilige vertraten in der römischen Mythologie den Stand der Leviten als die Hauptfiguren des Diakonentums, während andere dem Stande adeliger Krieger oder des Volks angehörten. Pelagius nun erneuerte und erweiterte das über dem Grabe des Heiligen schon bestehende Gotteshaus; er rühmte in seiner Inschrift auf dem Bogen der Apsis, daß er diesen Bau mitten unter den Schwertern der Feinde (der Langobarden) aufgeführt habe. Die erneuerte Inschrift erinnert noch heute an eine der dunkelsten Epochen im Leben der Stadt Rom.

Jener alte Bogen des Pelagius befindet sich gegenwärtig zwischen den beiden Teilen der merkwürdigen Basilika, welche aus einer offenbar späteren Vorderkirche und der früheren Kapelle zusammengesetzt ist, und diese letztere war ursprünglich über den Katakomben erbaut, in denen man noch heute Grabnischen und Spuren alter Malereien sieht. Sie enthält zwei Säulenstellungen übereinander. Die unteren, je fünf zu beiden Seiten und zwei am Ende des Chors, sind prachtvoll und antik, ihre korinthischen oder phantastischen Kapitelle ungleichen Stils, aber alle schön; zwei von ihnen sind mit Viktorien und Rüstungen geschmückt. Die Architrave, welche sie tragen, wurden aus Fragmenten des Altertums roh zusammengesetzt, und herrliche Tempel aus der besten Kaiserzeit haben diesen Raub geliefert. Pelagius fand die Säulenhalle wahrscheinlich schon vor; er ließ dann auf ihrem Architrav die obere kleinere Säulenreihe aufrichten. Neben dieser ursprünglichen Gruftkirche scheint vor Pelagius Sixtus III. eine Basilika errichtet zu haben, welche man Basilica maior nannte. Beide Kirchen stießen mit ihren Apsiden zusammen. Die Mosaiken jener ältesten, von Pelagius II. erneuerten Gruftkirche haben durch spätere Restaurationen viel von ihrem Charakter eingebüßt. Christus sitzt im schwarzen Gewande auf einem Globus, in der Linken den Stab mit dem Kreuz, die Rechte segnend emporgehoben. Zu seinen Seiten Petrus und Paulus; neben Paul St. Stephan und Hippolyt, neben Petrus St. Laurentius, ein offenes Buch in den Händen, während er Pelagius dem Heiland zu empfehlen scheint. Der Papst trägt ein weißes Gewand, ist barhaupt und ohne Nimbus und hält in den Händen das Abbild seines Gebäudes; endlich stehen zu beiden Seiten die goldschimmernden Städte Jerusalem und Bethlehem, in alter Vorstellungsweise. Der heilige Laurentius erscheint hier noch nicht in der jugendlich anmutigen Gestalt, welche später die kirchliche Kunst dieser Lieblingsfigur wie dem St. Stephan gegeben hat.

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