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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 379
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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Vierzehntes Buch

Geschichte der Stadt Rom in den ersten drei Dezennien des XVI. Jahrhunderts

Erstes Kapitel

1. Cesare Borgia nach dem Tode seines Vaters. Er unterhandelt mit den Kardinälen. Orsini und Colonna dringen in die Stadt. Vertrag Cesares mit den Colonna. Er stellt sich in den Schutz Frankreichs. Er zieht ab nach Nepi. Konklave. Pius III. Papst 22. September 1503. Cesare kehrt nach Rom zurück. Alviano und die Orsini rücken in Rom ein. Sie schließen einen Bund mit Consalvo. Cesare Borgia flieht in die Engelsburg. Pius III. stirbt 18. Oktober 1503.

Bis zum Tode seines Vaters war Cesare Borgia Gebieter in Rom. Er besaß Geld und Söldner genug, die stärksten Burgen in der Campagna und die dienstbare Freundschaft von acht Spaniern im Heiligen Kollegium. So konnte er wohl eine Papstwahl nach seinem Willen durchsetzen. Nun aber lag er schwer erkrankt im Vatikan, und das entschied sein Schicksal. »Ich hatte«, so sagte er später zu Machiavelli, »an alles gedacht, was beim Tode meines Vaters vorfallen konnte und für alles Rat gefunden, nur daran nicht, während seines Sterbens selbst sterbenskrank zu sein.«

Er vernahm zuerst den Tod des Papsts und gab Befehle für den nächsten Augenblick. Micheletto setzte den Dolch auf die Brust des Kardinals Casanova und zwang ihm die Schlüssel zum päpstlichen Schatze ab. Gold und Silber, der Inhalt von zwei Kisten, ward zum kranken Papstsohn hinübergeschafft. Alles andere plünderten die Palastdiener bis auf die Tapeten an den Wänden. Hierauf wurden die Türen des Vatikans geöffnet und der Tod Alexanders VI. kundgetan. Es war Abend. Rom erscholl von tausendstimmigem Ruf des Jubels und der Rachewut.

Burkard, der die Vorgänge fast Stunde für Stunde verzeichnet hat, befand sich im Palast, wo er die Sorge für den Toten zu übernehmen hatte. Alles floh den gräßlichen Anblick dieser Leiche. Mit Mühe gewann man ein paar Bediente, sie zu kleiden. Am Morgen trugen bezahlte Arme den toten Papst in den St. Peter. Zum üblichen Fußkusse ward er nicht ausgestellt. Aber Tausende erfüllten den Dom und weideten »die haßentflammten Blicke an dem toten Drachen, der die Welt vergiftet hatte«. Am Abend legten Lastträger die Leiche in einen Sarg; unter Zoten, mit Fauststößen zwängten sie dieselbe in den Schrein und trugen sie nach der Kapelle de Febribus. Keine Kerze brannte dort; ein schwarzer Hund, so fabelte das Volk, lief die Nacht ruhelos im St. Peter hin und her.

Die Kardinäle waren in der schwierigsten Lage, mittellos und ohne Schutz. Die französische Armee unter Francesco Gonzaga befand sich auf dem Zuge nach Neapel schon bei Sutri, während Consalvo an den Liris heraufzog. Zu jeder Stunde konnten die Orsini und Colonna in Rom eindringen, wo das tobende Volk die Borgia anzugreifen, die spanischen Kardinäle umzubringen drohte. Den kranken Cesare schützte indes im Vatikanischen Palast sein Kriegsvolk, welches sich durch Zuzug von draußen verstärkte. Es hielt den Borgo abgesperrt und warf Schanzen auf. Der Herzog der Romagna war noch eine Macht, mit der man unterhandeln mußte. Mit den Spaniern vereinigt, konnte er noch jetzt gewaltsam ins Konklave eingreifen. Wohl etwas Ungeheuerliches würde geschehen und eine Katastrophe des Papsttums ohne Vorgang und Beispiel in der Geschichte entstanden sein, wenn Cesare Borgia sich damals der Gewalt hätte bemächtigen können.

Schon am 19. August kamen sechzehn Kardinäle in der Minerva zusammen, und hier ernannten sie den Erzbischof von Ragusa zum Governator der Stadt. Als sie sich daselbst auch folgenden Tages versammelten, erschien Micheletto drohend mit Reitern auf dem Platz; der Kardinal von Salerno ging zu ihnen hinaus sie zur Umkehr zu bewegen, und das wütende Volk trieb sie zurück. Zum Glücke blieb der Vogt der Engelsburg, der Bischof von Nicastro, ein Spanier, taub gegen die Vorschläge des Herzogs, ihn dort einzulassen. Aber noch an demselben Tage setzte das Fußvolk Cesares den Palast Orsini auf Monte Giordano in Brand. Nun bewogen der Stadtgovernator und die Konservatoren den venetianischen Gesandten, Antonio Giustiniani, sich in Person zum Herzog zu begeben, um wegen der Freiheit des Konklave mit ihm zu reden. Der Botschafter fand ihn im Bette liegend, doch nicht so schwach, als er geglaubt hatte. Er empfing von ihm nur Worte, die nichts sagten. Cesare beriet sich mit den spanischen Kardinälen, den Kardinal von Salerno zum Papst zu machen; zugleich ließ er die Straßen zu Wasser und zu Land bewachen, um das Eintreffen der Kardinäle Vincula und St. Georg zum Konklave zu verhindern. Aber die Volkswut und die Ankunft seiner Feinde fürchtend, unterhandelte er mit dem Heiligen Kollegium.

Am 22. August schwor er diesem durch seinen Sekretär Agapitus Gehorsam, und es bestätigte ihm die Würde des Generals der Kirche. Die Kardinäle hatten Colonna und Orsini aufgefordert, von Rom fernzubleiben, doch schon am Abend des 22. August rückte Prospero von Marino her mit wenigen Reitern ein. Folgenden Tags kamen mit vierhundert Pferden und fünfhundert Mann Fußvolks Lodovico, der Sohn des Grafen Nicolaus von Pitigliano, und Fabio Orsini, der Sohn des erwürgten Paul. Sie zitterten vor Begier, Verwandte und Freunde, Exil und jahrelange Pein an dem Ungeheuer zu rächen, nach dessen Blut sie schmachteten. Da sie Cesare im Vatikan nicht erreichen konnten, fielen sie über das spanische Viertel der Banken her, welches sie plünderten. Der wütende Fabio wusch sich dort Hände und Gesicht im Blut eines erschlagenen Borgia.

Des Herzogs Reiterei lagerte am Monte Mario, während sein Fußvolk S. Onofrio und alle zum Borgo fahrenden Straßen befestigte. Stets waren bei ihm im Palast die spanischen Kardinäle, welche ihn mit größerer Ehrfurcht behandelten als einst den Papst Alexander. Man hörte nichts als das Parteigeschrei Colonna! Orsini! Borgia! So schrecklich war der Tumult, als sollte ganz Rom untergehen. Es hieß, daß auch Johann Jordan mit Kriegsvolk heranziehe und schon bei Palo lagere.

Cesare war verloren, wenn ihn seine diplomatische Kunst verließ; die Colonna von den Orsini zu trennen, war seine augenblickliche Aufgabe. Jene hatten weniger durch ihn gelitten als diese, und die erbliche Feindschaft beider Geschlechter war selbst durch das gemeinsame Unglück nicht ausgesöhnt. Er bot jenen sofort die Auslieferung ihrer Güter, und Prospero nahm den Vertrag an, indem er selbst sich verpflichtete, den Herzog zu schützen. Die Colonna sagten sich, daß die Wahl eines den Borgia günstigen Papsts noch möglich sei. Dies Bündnis rettete Cesare aus der ersten Not; ganz bestürzt gaben Fabio Orsini und Pitigliano den Kardinälen und fremden Gesandten nach, indem sie nachts am 24. August nach Mentana abzogen.

Es galt jetzt, auch Cesare zu entfernen, wie das die italienischen Kardinäle entschieden verlangten. Das Heilige Kollegium, welches bei Caraffa zusammenkam, hatte ein paar tausend Söldner angeworben und Rom in den Schutz der Botschafter Maximilians, Spaniens, Frankreichs und Venedigs gestellt. Diese Minister begaben sich am 25. August zum Herzog. Sie fanden ihn, von den spanischen Kardinälen umringt, auf einem Lager ruhend und angekleidet. Sie forderten ihn auf, den Vatikan zu verlassen: er weigerte sich dessen, weil er krank und hier allein sicher sei; sie boten ihm Wohnung in der Engelsburg: er aber verlangte deren Besetzung durch seine Truppen. Die Gesandten Frankreichs und Spaniens hießen seine Gründe gut, denn der eine war mit ihm einverstanden und der andere suchte ihn zu gewinnen. Man unterhandelte mit ihm wie mit einem selbständigen Fürsten; denn noch war er Herzog der Romagna, noch gebot er über neuntausend Mann und anderes Volk in Umbrien; noch konnte ein Bündnis mit ihm im Neapolitanischen Kriege von Gewicht sein. Er besaß reichliches Geld, zumal in den Banken Alessandro Spanocchis, der sein Schatzmeister war. Prospero suchte ihn in die Dienste Consalvos zu ziehen, und auch die Franzosen machten ihm Anerbietungen. Er entschied sich zur großen Bestürzung der spanischen Kardinäle und Prosperos für Frankreich, dessen Armee Rom nahe war. Unter Vermittlung des Kardinals Sanseverino machte er am 1. September mit dem französischen Botschafter Grammont einen förmlichen Vertrag, worin er versprach, seine Truppen mit jener Armee zu vereinigen, dem Könige in allen Dingen zu Willen zu sein, das heißt also auch durch seinen Einfluß auf die spanischen Kardinäle die Wahl des Kardinals von Rouen zu befördern. Dafür erhielt er von Frankreich die Zusicherung des Schutzes für sich und alle seine Besitzungen. Der französische König hoffte nämlich, seinen Schützling auszuplündern, indem er ihm für die Abtretung der romagnolischen Städte eine Entschädigung in Neapel versprach.

Am 1. September traf Cesare auch ein Abkommen mit dem Kardinalskollegium: er verpflichtete sich, Rom binnen drei Tagen zu verlassen, und das sollte auch Prospero tun. Lucas de Rainaldis, der Orator Maximilians, und Francesco de Rojas, der Gesandte Spaniens, bürgten dafür, daß während der Sedisvakanz weder Cesare noch die Colonna noch die spanische Armee sich Rom auf mehr als zehn Millien näherten; dasselbe verbürgten für die Armee Frankreichs und die Orsini die venetianischen und französischen Gesandten. In Rom ward ausgerufen, daß niemand den Herzog der Romagna schädigen dürfe, bei Strafe des Todes.

Unmutsvoll verließ der Sohn Alexanders Rom, hinter sich lassend die kühnen Träume vom Königtum Italiens, vor sich kaum mehr die dunkle Zukunft eines Geächteten. Am 2. September zog seine Artillerie durch Trastevere ab, und ihn selbst trugen Hellebardiere in einer schwarz bedeckten Sänfte aus dem Vatikan; Reiterei deckte ihn; die Gesandten Spaniens, Frankreichs und Maximilians gaben ihm das Ehrengeleit. Vor der Porta Viridaria erwartete ihn der Kardinal Cesarini, doch er wollte ihn nicht sprechen; auch die Zusammenkunft mit Prospero bei Ponte Molle unterblieb, weil keiner dem andern traute. Der Herzog schlug die Straße über den Monte Mario nach Nepi ein, wo er in der ihm noch gehorchenden Burg verblieb, nahe bei der französischen Armee. Seine Mutter Vanozza, sein Bruder, der Prinz von Squillace und der Kardinal Sanseverino gingen mit ihm. Er wollte auch seine Schwägerin Sancía mit sich nehmen, aber diese galante Dame folgte lieber Prospero auf sein Schloß, wohin sie sich willig entführen ließ.

Jetzt konnten die Kardinäle an die Papstwahl denken. Zunächst begann man am 3. September die verspäteten Exequien Alexanders, wozu Cesare aus den geplünderten Schätzen des Vaters 18 000 Skudi hergegeben hatte. Während man das Requiem für die Seele des Toten im St. Peter sang, schrieb der Haß der Römer ihm die Grabschrift in zahllosen Epigrammen.

Schon trafen zum Konklave Kardinäle ein, zum Teil aus langem Exil. Am 3. September kam Julian Rovere aus einer fast zehnjährigen Verbannung; Fracasso Sanseverino hatte ihn mit Lanzenreitern sicher bis nach Ronciglione geführt. Am 6. kam Colonna, welcher fünf Jahre lang in Sizilien versteckt gewesen war. Am 9. holten die Römer Riario im Triumph ein. Ascanio Sforza, Aragona und Amboise, der Kardinal von Rouen, hielten ihren Einzug am 10. September. Ludwig XII. hoffte jetzt, die Papstkrone auf das Haupt seines ehrgeizigen Ministers zu setzen und dadurch Herr Italiens zu werden. Amboise hatte deshalb Ascanio, der aus dem Turm von Bourges entlassen worden war, vom Hofe Frankreichs mit sich geführt, auf seine dankbare Wahlstimme rechnend. Er glaubte jetzt auch des Einflusses seines Freundes Cesare auf die spanischen Kardinäle sicher zu sein. Der französischen Armee hatte er den ausdrücklichen Befehl gegeben, zwischen Nepi und Isola stehen zu bleiben. Durch ihre drohende Nähe, wenn nicht durch Gewalt glaubte er, das Kardinalskollegium zu seiner Wahl zwingen zu können. Doch sein Empfang in Rom verstimmte ihn. Niemand achtete seiner, während sich alle Häuser beleuchteten, als Ascanio nach seinem Palast zog. Das Heilige Kollegium nötigte alsbald Amboise, den französischen Truppen, welche bereits haufenweise in die Stadt kamen, die Annäherung zu verbieten.

In vollkommener Freiheit bezogen achtunddreißig Kardinäle am 16. September das Konklave im Vatikan. Sie sicherten zuerst durch die Wahlkapitulation ihre Rechte und gelobten auch die Reformation der Kirchendisziplin, ein nach zwei Jahren zu berufendes Konzil und den Türkenkrieg. Den Wahlprozeß selbst kürzte die Not der Verhältnisse ab; Italiener und Spanier verbanden sich gegen Amboise und einigten sich in einem Übergangspapst. Die Politik Frankreichs erlitt eine völlige Niederlage, denn schon am 22. September wurde der Kardinal von Siena als Pius III. ausgerufen.

Francesco Todeschini Piccolomini, der Schwestersohn Pius' II., schon dreiundvierzig Jahre lang Kardinaldiaconus, war ein unbescholtener Mann, aber gichtbrüchig und dem Tode nah. Er galt zwar als Gegner der französischen Politik, aber nicht gerade als Feind Alexanders VI. Rovere hob ihn als ein Schattenbild auf den Papstthron, um dieser bald selbst zu besteigen. Nun hatte die französische Armee keinen Vorwand mehr, ihren Marsch nach Neapel zu verzögern; Pius III. setzte es beim Markgrafen von Mantua durch, daß sie am 26. September über Ponte Molle längs den Stadtmauern fortzog.

Cesare befand sich unterdes noch in Nepi, wo ihn jetzt die Franzosen nicht mehr schützen konnten, während der von Venedig herbeigeeilte Alviano, von Rache glühend, schon mit Kriegsvolk herannahte. Er erbat daher und erlangte die Erlaubnis zur Rückkehr nach Rom von Pius III. »Ich glaubte nie«, so sagte der Papst dem Orator Ferraras, »mit dem Herzog Mitleid zu empfinden, und doch fühle ich es im hohen Grade. Die spanischen Kardinäle bitten für ihn und sagen mir, daß er sehr krank sei und sich nicht mehr erholen könne. Er wünscht zu kommen und in Rom zu sterben; das habe ich ihm erlaubt.« Die Lage des Herzogs verschlimmerte sich bereits mit jedem Tage; denn schon hatten sich viele seiner Städte empört und ihre alten Herren herbeigerufen. Noch im August waren Urbino, Camerino, Sinigaglia und bald darauf Pesaro und Fano aufgestanden. Piombino, Città di Castello und Perugia nahmen ihre Signorien wieder auf. Dort zogen die Baglioni und Alviano Truppen zusammen; während Orsini und Savelli die Partei Borgia im Patrimonium verjagten. Wenn Cesare ein General gewesen wäre wie Piccinino oder Sforza, so würde er sich nach der ihm noch treuen Romagna geworfen und dort eine Dynastie gegründet haben. Die Macht und das Geld Alexanders VI. hatten ihn emporgebracht, und Glück wie Tatkraft verließen ihn zugleich mit seinem Vater. Sein Fall lehrt, daß er nicht der Mann war, welchen Machiavelli in ihm gesehen hat.

Einen Teil seiner Söldner hatte er unter Lodovico von Mirandola und Alessandro Trivulzio den Franzosen überlassen, mit dem Rest, zweihundertfünfzig Reitern und fünfhundert Mann Fußvolks, zog er am 3. Oktober in Rom ein, dem neuen Papst seine Sache zu empfehlen. Seine Mutter und sein Bruder begleiteten ihn. Er nahm Wohnung im Palast des Kardinals von S. Clemente.

Pius III. wollte die im Kirchenstaat wieder mächtig werdenden Tyrannen schrecken, deshalb schützte er Cesare. Als Baglioni und Orsini einige Orte in Umbrien überfielen, verbot er, etwas gegen »seinen geliebten Sohn Cesare Borgia von Frankreich, den Herzog der Romagna und von Valence, den Gonfaloniere der Kirche« zu unternehmen. Er schickte zu dessen Gunsten Breven nach der Romagna, wo die Venetianer nach dem Tode Alexanders mehrere Städte besetzt hatten. Spanier bildeten noch die Wache im Vatikan: selbst die Engelsburg befehligte noch der bisherige Kastellan. Alles dies brachte Rovere und die Botschafter Venedigs auf.

Am 8. Oktober wurde Pius III. gekrönt. Er war so schwach, daß er nicht mehr aufrecht stehen konnte, auch mußte die Prozession nach dem Lateran unterbleiben. Zwei Tage darauf erschienen Alviano, Giampolo Baglione und viele Orsini, bald kam auch Johann Jordan. Die Orsini, bisher im Dienste Frankreichs, waren über den Vertrag Rouens mit ihrem Todfeinde so erbittert, daß sie sich jetzt mit den Colonna vereinigten. Sie erklärten sich für Spanien, sie nahmen Sold von Consalvo; nur Johann Jordan wollte nicht von Frankreich abfallen. Dieser Bund der feindlichen Häuser, welchen der Botschafter Venedigs vermittelt und Alviano durchgesetzt hatte, ward am 12. Oktober in Rom ausgerufen, zum Schrecken Cesares, der dadurch haltlos wurde. Die Orsini verlangten mit Geschrei seinen Prozeß, und er flüchtete sich in den Schutz des Kardinals Amboise. Johann Jordan, ein Mensch von unberechenbarem Wesen, erbot sich jetzt, seinen ehemaligen Todfeind in Bracciano zu verwahren; und hierüber wurden die andern Orsini so wütend, daß sie ihren Verwandten festnehmen wollten, wozu auch seine eigene Gemahlin riet. Er trat hierauf vom Herzog, aber nicht von Frankreich zurück. Der ganz verlassene Cesare wollte deshalb nach Rocca Soriana oder aufs Meer entfliehen; aber die Orsini bewachten alle Ausgänge Roms. Selbst Mottino, den Kapitän der Galeeren Alexanders in Ostia, hatte Alviano durch Vertrag verpflichtet, ihm den Herzog auszuliefern, wenn er zur See entfliehen wollte. Das Kriegsvolk Cesares schmolz täglich mehr zusammen, weil Consalvo hatte ausrufen lassen, daß jeder Vasall Spaniens bei Lebensstrafe zu seinen Fahnen eilen solle. Daher verließen namhafte Kapitäne den Herzog, wie Girolamo Olorico und Don Ugo Moncada. Am Morgen des 15. Oktober versuchte er durch die Porta Viridaria abzuziehen; doch sofort fielen zwei Kompanien seines Fußvolks von ihm ab und zogen sich in den St. Peter zurück. Mit nur siebzig Reitern mußte er umkehren, weil er die Orsini auf seinem Wege fand. Jetzt stürmten Alviano, Fabio, Renzo da Ceri den Borgo, wo sie Feuer an die Porta Torrione legten, um in den Vatikan einzudringen. Eilig retteten die spanischen Kardinäle den Elenden durch den Korridor in die Engelsburg, samt seiner Tochter und den kleinen Herzögen von Nepi und Sermoneta. Wie die grimmige Meute ein wildes Tier, so bewachten die Orsini Cesare in diesem Kerker, aus welchem ihn die spanischen Kardinäle in Mönchskleidung fortzuschaffen hofften. All sein Hab und Gut im Palast war bereits geplündert worden, teils von Alviano, teils vom wachehabenden Kapitän, einem Nepoten des Papsts. In der finstern Engelsburg, welche die Todesseufzer Astorres und so vieler anderer Opfer empfangen hatte, saß jetzt der Sohn Alexanders mit den Trümmern seines Hauses, und hier empfing er am 18. Oktober die erschreckende Kunde, daß auch sein letzter Beschützer Pius III. gestorben sei.

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