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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 373
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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2. Bauten Sixtus' IV. Straßen. Ponte Sisto. S. Spirito. Bibliothek und Kapelle. S. Maria del Popolo; della Pace. S. Agostino. S. Pietro in Vincoli. SS. Apostoli. Grottaferrata. Die Burg Ostia. Palast des Grafen Riario; des Kardinals Domenico Rovere im Borgo. Palast del Governo Vecchio. Bauten Innocenz' VIII. S. Maria in Via Lata. Fontäne auf dem Petersplatz. Belvedere. Villa Malliana. Bauten Alexanders VI. S. Maria in Monserrato. S. Trinità dei Monti. S. Rocco. S. Maria dell' Anima. Engelsburg. Via Alessandrina. Porta Settimiana. Appartamento Borgia. Sapienza. Palast Sforza-Cesarini. Paläste der Kardinäle Raffael Riario und Hadrian Castellesi.

Zweimal kam die Kunst in Rom zu ganz eigenartiger Erscheinung, in ihrer mittleren Epoche unter Sixtus IV., in ihrer vollkommensten Gestalt unter Julius II. und Leo X.

Sixtus, so abschreckend als Priester, war zugleich ein um die Stadt Rom so hochverdienter Fürst, daß er ihr ganz so ein Zeitgepräge aufgedrückt hat, wie es später der fünfte Sixtus tat. Er zuerst verlieh ihr ein modernes Ansehen; denn wohl war Rom bis dahin eine der unwohnlichsten Städte Italiens gewesen. Die Straßen hatten fast nirgends Pflaster, er ließ die ansehnlichsten mit Ziegelsteinen pflastern. Oft waren sie so enge, daß kaum zwei Reiter nebeneinander Platz fanden: Portiken und hölzerne Balkone ragten in sie hinein. Als der König Ferrante im Jahre 1475 nach Rom kam, riet er dem Papst, diesen Übelstand aus strategischen Gründen zu entfernen. Doch erst fünf Jahre später begann Sixtus mit Energie einzuschreiten; er setzte eine Behörde unter dem Camerlengo Estouteville ein und gab ihr Befugnis, Häuser niederzureißen, wo es die Erweiterung der Straßen gebot. Schon im Januar 1480 begann man, die Buden der Waffenschmiede an der Engelsbrücke wegzuräumen. Die Römer widersetzten sich erst diesen Neuerungen, dann fügten sie sich einer wirklichen Wohltat. Da Rom noch heute durch die Enge mancher Straßen erstaunen macht, so würde uns die sixtinische Straßenerweiterung als sehr primitiv erscheinen, doch war sie damals ein großer Fortschritt. Die Hauptader des Verkehrs war zu jener Zeit der von der Engelsbrücke mitten durch das Marsfeld führende Papstweg; Sixtus besserte ihn aus; er stellte die Via Florea oder Florida her; er zog auch eine Straße von der Engelsbrücke nach dem Vatikan, die Via Sixtina. Im September 1477 verlegte Estouteville den Markt Roms vom Kapitol auf die Navona. Der Verkehr mit Trastevere wurde durch den Neubau der Janiculensischen Brücke erleichtert. Sie hieß damals Ponte Rotto, seither Ponte Sisto. Am 29. April 1473 legte der Papst, auf einem Kahne stehend, den Grundstein und versenkte in die Fundamente einige Goldmünzen. Die Brücke wurde zum Jubeljahr 1475 fertig. Dieses Werk ist schwerfällig und plump, aber so stark, daß es noch heute unversehrt dasteht.

Sixtus IV. gab allen denjenigen, die in Stadt und Distrikt Häuser bauen wollten, das Eigentumsrecht. Manche Römer, zumal Kardinäle, folgten dieser Aufmunterung, und so eifrig wurde gebaut, daß die Stadt bald ein neues Ansehen gewann. Noch heute erblickt man hier das Wappen der sixtinischen Steineiche oft genug. Als bevorzugten Architekten Sixtus' IV. hat Vasari Baccio Pontelli bezeichnet, einen der tüchtigsten Florentiner Baumeister kurz vor Bramante; doch ist diese Angabe nicht begründet, da der Meister erst in den letzten Jahren jenes Papsts in Rom tätig war. Die sixtinischen Bauten haben nichts Großartiges, doch Formenreinheit bei einfach schönen Maßverhältnissen. Diese Werke eines neuen Zeitgepräges sind charakteristisch durch das Kreuzgewölbe, die oktogonen Säulen und Pfeiler, die scharf gehaltene Zeichnung der Gesimse, die nüchterne Einfachheit der Wandflächen und Fassaden. Es ist darin ein noch gebundenes Wesen, herb und streng, doch klar. Man könnte ihren Stil den neulateinischen nennen. Sie stehen, wie manche Schriften der Humanisten, zwischen der Gotik und Klassizität. So ähnlich ist auch die Skulptur der sixtinischen Zeit, für deren lateinisches Formgefühl doch noch immer das mittelalterliche Wesen den Hintergrund bildete.

Schon im Jahre 1471 begann Sixtus den Neubau des Hospitals S. Spirito. Dieses Gebäude, welches auf seiner Langseite eine ursprünglich offene Säulenhalle von sechsunddreißig Bogen zeigt, hat heute nicht mehr ganz seine ursprüngliche Gestalt. Die Höfe haben noch die sixtinischen Wappen, und der große Krankensaal hat noch Reste der Fresken jener Zeit, wozu Platina die Epigramme schrieb. Auch die achteckige Kuppel mit noch an die Gotik streifenden Spitzbogenfenstern ist unverändert, wie der schöne Turm der Kirche S. Spirito, welchen der Hospitalmeister Petrus Matthäus im Jahre 1471 noch zur Zeit Pauls II. erbauen ließ. Das römische Hospital, groß und zweckmäßig, doch nicht großartig, hält als Bau nicht den Vergleich mit jenem bewundernswürdigen Ospedale Grande Mailands aus, welches Filarete im Jahr 1456 begonnen hatte. Die alte Konfraternität von S. Spirito war verfallen; Eugen IV. hatte sie im Jahr 1446 hergestellt, und dessen Bulle bestätigte Sixtus IV. am 21. März 1478, nachdem der Neubau des Hospitals begonnen war. Eigenhändig schrieben er selbst und seine Kardinäle sich als Mitglieder in das Konfraternitätbuch ein, welches noch heute das Archiv in S. Spirito als Schatz bewahrt. Der Beitritt zu dieser Bruderschaft wurde seither zur Mode, so daß es kaum einen namhaften Fürsten selbst im Auslande gab, der sich nicht eigenhändig oder durch Auftrag in jenes Buch verzeichnete.

Im Vatikan wollte Sixtus große Bauten ausführen, doch brachte er nur die Bibliothek und die Hofkapelle zur Vollendung. Die erste war ein Raum zu ebener Erde, mit Sälen in Kreuzgewölben und lag am Hof des Papageien. Heute dient dieses Lokal nur zur Aufbewahrung von Hausrat des Palasts. Gerade über diesen Räumen erbaute der Papst seit 1473 die nach ihm benannte Kapelle. Eher Saal als Kirche, einfach bis zur Kälte, erscheint sie nur als die schön geschmückte Szene für päpstliche Funktionen. Kein Hauch religiösen Gefühles weht darin. Nur ihrem Zweck und den Malereien Michelangelos verdankte es die Sixtina, daß sie die berühmteste aller Kapellen der Welt geworden ist.

Viele Kirchen ließ Sixtus umbauen. Wenn keine unter ihnen hohen architektonischen Wert besitzt, so zieren sie doch Rom als Museen der bildenden Kunst jener und der folgenden Zeit. Sein Lieblingswerk war S. Maria del Popolo, eine dreischiffige Gewölbekirche mit Halbsäulen-Pfeilern, einer achteckigen Kuppel und einfacher Fassade mit Pilasterschmuck. Auf ihrem Lokal stand bereits eine Klosterkirche, welche der Legende nach von Paschalis II. um 1099 erbaut war, nachdem er den von Dämonen bewohnten Nußbaum am Grabe Neros hatte umhauen lassen. Denn auf dem Pincius lag oberhalb jener Kirche das berühmte Grabmal der Domitier, in welchem die Asche Neros heimlich beigesetzt worden war. Sixtus führte die Kirche seit 1472 neu auf und erbaute neben ihr das Augustinerkloster. Seither wurde sie die bevorzugte Kirche der Renaissancezeit; prächtige Grabmäler erfüllten, Meisterwerke der Malerei schmückten sie, und oft vollzogen die Päpste in ihr öffentliche Staatsakte. Zu gleicher Zeit baute Sixtus die Türme an der Porta Flaminia neu aus, wozu er sich der Steine vieler Monumente bediente, welche innerhalb und außerhalb des Flaminischen Tores lagen, so namentlich der dortigen antiken Meta oder Grabpyramide.

Der Bau seiner zweiten Marienkirche, della Pace, konnte Sixtus nicht mehr vollenden; dies tat erst Innocenz VIII. Bramante schuf dort den kleinen Hof des von Olivieri Caraffa errichteten Klosters.

Dem Papst nacheifernd, stellten Kardinäle ihre Titelkirchen her. Estouteville legte am 1. November 1479 den Grundstein zu S. Agostino, einer dreischiffigen Kuppelkirche mit robuster Vorderseite, die ein schöngeschmücktes Marmorportal erhielt. Der prachtliebende Kardinal, welcher im dortigen Viertel den einst von Pedro de Luna erbauten Palast bei S. Apollinare, heute das Seminario Romano, bewohnte, hat sich mit jener Augustinerkirche, einem Bau des Giacomo da Pietrasanta, sein Denkmal errichtet. Er stellte auch S. Maria Maggiore wieder her, stattete diese Basilika mit prachtvollen Geräten aus und schmückte den Hauptaltar mit den noch stehenden vier schönen Porphyrsäulen. Als Bischof von Ostia restaurierte er die Mauern dieses Orts, baute daselbst Häuser und Straßen und begann die kleine Kathedrale S. Aurea. Auch in Velletri ließ er den bischöflichen Palast aufführen.

Zwei Kirchen und Klosterpaläste sind ganz und gar Denkmäler der Rovere, S. Pietro in Vincoli und Santi Apostoli. Beide Päpste dieses Hauses, Sixtus IV. und Julius II., waren Kardinäle jener alten Basilika Eudoxia, S. Pietro in Vincoli, und beide stellten sie wieder her. Der Papst Julius zumal erbaute als Kardinal die Vorhalle, nach dem Plane Pontellis, und durch Giuliano da San Gallo ließ er das Kloster mit dem Hallenhofe aufführen. In dem Klosterpalast, den schon Sixtus IV. gebaut hatte, wohnte auch dieser Nepot, und er empfing dort bisweilen hohe Gäste, wie Federigo von Urbino und Christian von Dänemark. Was von der Basilika S. Pietro in Vincoli selbst jener Zeit angehört, ist ungewiß; schon der Kardinal Cusa hatte daran bauen lassen.

Julian Rovere ließ in derselben Bauweise Pontellis auch die Vorhalle der Santi Apostoli anlegen und errichtete das dortige Kloster, welches Pietro Riario begonnen hatte; auch der Palast Colonna auf der anderen Seite wurde von ihm neu gebaut. Als Komtur von Grottaferrata baute er dieses ganz verfallene Kloster wieder auf, indem er es zugleich durch Mauern und Türme zu einem Kastell machte. Noch heute dauert diese mit Zinnen bekrönte Klosterburg in der Gestalt fort, die er ihr gab, gleich der berühmten Burg in Ostia. Denn auch diese Tiberfestung, die schönste aller römischen Burgen, ist das Werk des Kardinals Julian. Sie steht jetzt verlassen und verwittert auf dem Hintergrunde des düsteren Pinienwaldes, zwischen den Trümmern von Alt-Ostia und dem Tiber, der dort durch die melancholische Wüste der Salzsümpfe dem Meere zuströmt. Die Landschaft ist von einem so tief ernsten epischen Charakter, daß sie die Phantasie des Wanderers mit mythischen Gestalten aus dem Homer oder Virgil belebt sehen mag. Zu seiner Zeit schilderte Pius II. jene schwermutsvolle Meeresküste, als ihn Estouteville eines Tages dort bewirtete, und schon dieser Kardinal scheint die Burg begonnen zu haben, welche dann erst sein Nachfolger Julian nach allen Regeln der Befestigungskunst durch Giuliano da San Gallo errichten ließ. Er begann den Bau im Jahre 1483 und vollendete ihn 1486, und bald war dieses feste Schloß sein Zufluchtsort vor dem Hasse Alexanders VI.

Neue, zum Teil herrliche Paläste entstanden in der sixtinischen Zeit, zumal durch die Nepoten. Den Schwelger Pietro Riario hinderte nur der Tod, seinen Prachtpalast bei Santi Apostoli aufzuführen; in kleineren Maßen setzte, was er begonnen, Julian fort. Sodann erbaute sich der Graf Riario ein schönes Haus mit Garten im Marsfeld, wo heute der Palast Altemps steht, und außerdem besaß er eine Villa am Janiculus, an deren Stelle der Palast Corsini zu stehen kam. Ein anderer Nepot, Domenico Rovere, baute im Borgo den großen Palast, welchen jetzt die Beichtväter der Peterskirche innehaben: ein ziemlich nüchternes Werk Pontellis, mit einem geräumigen Hof, den achteckige Säulen umgeben. Im Innern zeigt noch das Getäfel der Decke und ein Rest malerischer Dekoration die ehemalige Pracht dieses durch Zumauerungen entstellten Palasts. Zur Zeit Julius' II. bewohnte und verschönerte ihn der Kardinal Francesco Alidosi von Imola. Künstlerischer Sinn und Liebe zur Pracht leitete alle diese Bauten der Kardinäle; sie schmückten, den alten Römern nachstrebend, ihre Häuser mit antiker Skulptur, mit Wandgemälden moderner Kunst und mit flandrischen Tapeten, füllten sie mit Prachtgeräten von Gold und Silber und stellten auch Bibliotheken darin auf. Die Größe der Stadt, die Ruinen des Altertums, die welthistorische Luft, die in Rom wehte, und das Selbstgefühl der Priestermacht drückten diesen Bauwerken mehr oder minder den Charakter der Großartigkeit auf; um so greller erschienen neben solchen »Inseln« die proletarischen, vom Ruß der Jahrhunderte geschwärzten Häuser des Römervolkes. Man trete in den Palast, welchen der Kardinal Stefano Nardini im Jahre 1475 für sich selbst baute und dann teilweise zu einem Erziehungsinstitut bestimmte, um die Größe einer solchen Anlage zu bewundern. Dies Haus, heute del Governo vecchio genannt, weil es der Sitz des Governators von Rom wurde, ist verfallen, aber sein mächtiges Wesen zeigen noch die doppelten Säulenhöfe und sein prachtvolles Portal. Es ist der letzte der Paläste Roms, denen noch etwas vom Charakter der mittelalterlichen Burg aufgedrückt ist.

Die Zeit Sixtus' IV. bezeichnet den Höhepunkt der römischen Kunsttätigkeit überhaupt im XV. Jahrhundert; sie wurde zwar unter seinen beiden Nachfolgern fortgesetzt, doch in nicht mehr so großen Verhältnissen.

Innocenz VIII. ließ S. Maria in Via Lata neu aufbauen, wobei der Triumphbogen des Diokletian abgebrochen wurde. Den Petersplatz schmückte er durch eine Fontäne mit zwei großen Rundschalen übereinander. Eine derselben dient noch dem heutigen Springbrunnen rechts vom Obelisken. Die Fontäne stand damals vor dem päpstlichen Palast, gegen die Porta Angelica hin. Nach der Zeichnung des Antonio Pollajuolo baute Innocenz sein bestes Monument, die Villa Belvedere. Dieses noch dauernde Gartenhaus am Vatikan, ein Viereck mit Zinnen, wurde durch eine Seitenmauer mit dem Rundturm Nikolaus' V. verbunden und so in das vatikanische Befestigungssystem hineingezogen.

Ein zweites Landhaus baute Innocenz vor der Porta Portese am Tiber, wo das Bistum Portus seit uralten Zeiten ein Gut Manlianum besaß. Man pflegte dort zu jagen; im Jahre 1480 gab der Graf Riario dem Herzog Ernst von Sachsen daselbst eine glänzende Jagd, die ganz Rom bewunderte. Dort baute Innocenz schon als Kardinal ein Landhaus oder Jagdschloß, denn als solches benutzten es noch spätere Päpste, namentlich Leo X. Nach Sixtus V. kam es in Verfall, und es zeigt heute nur die Reste seiner ehemaligen Herrlichkeit.

Der Nachfolger Innocenz' VIII. hatte andere Aufgaben vor sich, als Rom mit Bauwerken auszustatten, aber auch er war nicht ohne Sinn dafür. Die Restauration der Kirchen wurde fortgesetzt, und praktische Bedürfnisse ließen sogar deren neue entstehen. Die Spanier stifteten im Jahre 1495 ihr Nationalhospital S. Maria in Monserrato. In demselben Jahre ließ Karl VIII. als Denkmal seiner Anwesenheit in Rom die Gründung der Kirche S. Trinità dei Monti zurück, welche der Kardinal St. Malo baute. Da er dafür Marmor aus Frankreich kommen ließ, beweist dies, daß die Fundgrube köstlichen Gesteins in Rom erschöpft war; denn die verschütteten Schätze des alten Emporium kannte man nicht. Im Jahre 1500 entstand die Hospitalkirche S. Rocco, und am 11. April desselben Jahrs legte der kaiserliche Gesandte Matthias Lang den Grundstein zu S. Maria dell' Anima. Dieses Nationalhospiz der Deutschen verdankte seine Gründung schon im Jahre 1399 dem Dordrechter Johann Peters und dem päpstlichen Scriptor Dietrich von Niem; sie stifteten in der Region Parione ein Pilgerhospital für Deutsche. Die mit ihm verbundene neue Kirche wurde am 23. November 1511 eingeweiht.

Die Denkmäler Alexanders VI. sind seine Bauten im Borgo. Die Engelsburg schuf eigentlich erst dieser Papst zur Festung um, mit Schanzen, Mauern und Gräben. Es war bei Gelegenheit dieses Baues, daß man unter vielen andern schönen Altertümern die Kolossalbüste Hadrians ausgrub, welche einst die Griechen Belisars auf die stürmenden Goten herabgestürzt haben mochten. Sie steht heute in der Rotunda des Vatikan. So ward bei ähnlicher Gelegenheit unter Urban VIII. daselbst der schlafende Faun gefunden, der sich in München befindet. Alexander ließ den alten Eingang der Engelsburg verschütten und den heutigen anlegen; er ließ die Treppe durchbrechen, die durch die Gruftkammer in den von ihm veranstalteten Oberbau führt, im Innern Zisternen graben und Brunnen zur Aufbewahrung von Getreide, wie fünf unterirdische Gefängnisse anlegen, für welche die Opfer nicht gefehlt haben. Die Gemächer des Obergeschosses zerstörte die Pulverexplosion im Jahre 1497, dann wurden sie hergestellt und von Pinturicchio ausgemalt; später ließ sie Paul III. prächtiger einrichten. Ein Abbild der Engelsburg noch aus dem Jahre 1492 zeigt sie als einen Rundbau mit zwei viereckigen Aufsätzen darüber; gegen den Fluß hin lehnen sich ans Kastell zwei runde Türme; die Brücke hat nach demselben hin zwei krenelierte Türme und eine Mauer mit einem Tor, nach der Stadt zu die beiden Kapellen Nikolaus' V. Da die alte Porta aenea in der Mauer der Engelsburg zu enge war, ließ Alexander VI. ein neues Tor aufbauen. In der Umgebung des Kastells wurden Weinberge und Häuser abgetragen, der Platz davor erweitert und gepflastert, sodann des nahen Jubiläums wegen eine gerade Straße nach dem Vatikan gezogen, die Via Recta oder Alexandrina, welche heute Borgo Nuovo heißt. Als sie am 24. Dezember 1499 vollendet war, wurde der alte unregelmäßige Weg nach dem St. Peter, die sogenannte Via Sacra oder der Borgo vecchio, vorläufig geschlossen. Bei dieser Gelegenheit trug man die antike Grabpyramide, die Meta Scipionis oder Romuli, ab. Die Alexandrina war demnach neben der Sixtina, welche sich an den Mauern gegen das Kastell hinzog, die dritte und zwar die Hauptstraße der Leonina. Zu ihrer Anlage hatten alle Beamten der Kurie beisteuern müssen, und sofort begann man, dort Häuser aufzubauen. Auch die Porta Septimiana wurde von Alexander VI. wiederhergestellt. Sein Architekt war Antonio da Sangallo, durch welchen er wohl auch die Burgen in Tivoli, Civitella und Civita Castellana bauen ließ. Schon als Kardinal und Komtur Subiacos hatte er die dortige Burg im Jahre 1476 wiederhergestellt.

Im Vatikan baute er die Anlagen Nikolaus' V. großartig aus. Sie erhielten von ihm den Namen Torre di Borgia und Appartamento Borgia.

In der Stadt selbst erbaute Alexander das Universitätsgebäude, dessen heutige Gestalt jedoch erst von Alexander VII. herrührt. Schon als Kardinal hatte er den großen Palast Borgia errichtet, welcher jetzt den Sforza-Cesarini gehört. Er entstand aus dem alten Gebäude der päpstlichen Kanzlei, welches er so umbaute, daß sein Palast als einer der prächtigsten Italiens galt. Sowohl der ursprüngliche Säulenhof, als das Innere haben viele Veränderungen erfahren.

Gerade unter Alexander VI. sah man die zwei schönsten Paläste in Rom entstehen. Denn hier wurde jetzt das größte Genie der italienischen Baukunst den Bedürfnissen römischer Großartigkeit dienstbar. Bramante kam im Jahre 1499 zum erstenmal nach Rom, um dann während der Regierung Alexanders VI. und seiner Nachfolger Werke auszuführen, welche noch heute die bewunderten Zierden der Stadt sind. Mit ihm begann die neue Architektur-Epoche Roms, die im folgenden Jahrhundert zu ihrer vollen Entfaltung kam. Doch baute er schon zur Zeit Alexanders VI. an der heutigen Cancellaria und dem jetzt sogenannten Palast Giraud oder Torlonia, den edelsten Mustern des profanen Renaissancebaues überhaupt.

Die Cancellaria ließ Raffael Riario, den andern Palast im Borgo Hadrian von Corneto errichten, ohne ihn zu vollenden. Beide Paläste sind weltbekannt, namentlich der erste durch den schönsten aller Säulenhöfe Roms berühmt. Denn dieser Hof war auch hier, wie im Palast S. Marco, die Hauptaufgabe des Architekten, und dort wie hier wurde auf ganz unpassende Weise die anstoßende Kirche in den Palast hineingezogen. Der Bau dauerte viele Jahre. Er verschlang manche Travertinquadern des Colosseum und andre von einem sogenannten Bogen des Gordianus auf dem Esquilin bei S. Vito, welcher damals zerstört wurde. Man behauptet sogar, daß die vierundvierzig antiken Granitsäulen, welche die herrlichen Hallen des Hofes tragen, der alten Basilika S. Lorenzo angehörten. Dieser Hof und die feingegliederten Fassaden sind wohl das Werk Bramantes; an den übrigen Teilen des Palasts arbeiteten auch andere Künstler, denn daß derselbe schon viele Jahre vor Bramantes Ankunft, ja schon unter Sixtus IV. begonnen war, kann nicht bezweifelt werden.

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