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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 368
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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3. Anfänge der Altertumswissenschaft. Die Monumente im XV. Jahrhundert. Erwachen des Sinns für Altertümer. Beginnende Sammlungen. Anfänge des kapitolinischen Museum. Die Auffindung der antiken Mädchenleiche. Livius in Padua. Beginnende Ausgrabungen. Ostia und Portus. Das Schiff des Tiberius im Nemi-See. Pius II. als Altertumsforscher. Aufstellung von Statuen in den Palästen Roms. Auferstehung des Apollo von Belvedere.

Im Zeitalter des Humanismus verband sich die klassische Philologie mit der Ruinenbetrachtung Roms und schuf so die städtische Altertumskunde. Es war hohe Zeit, die Monumente in der Wissenschaft zu bewahren, denn ihre Zerstörung dauerte ungehindert fort. Wir hörten schon die Klagen des Chrysoloras und Poggio. »Täglich«, so schrieb auch Cincius im Jahre 1417, »kann man das Amphitheater, den Circus, das Colosseum oder Bildsäulen oder köstliche Marmormauern von den Bürgern zerstören sehen, wenn Bürger, ja nur Menschen diejenigen zu nennen sind, welche solche Schandtat verüben«, und der entrüstete Humanist forderte die Todesstrafe für die Zerstörer von Denkmälern oder Handschriften. Als Traversari im Jahre 1432 in Rom war, versetzte ihn der Anblick der mit Trümmern von Säulen oder Statuen überstreuten Stadt in tiefe Bestürzung; es sei dies ein ergreifendes Zeugnis vom Unbestand alles Irdischen, wenn man sich das Bild der alten Roma zurückrufe. Cyriacus führte den Kaiser Sigismund im Jahre 1433 durch Rom und verklagte bei ihm den niedrigen Sinn der Römer, welche die Ruinen und Bildsäulen ihrer Stadt zu Kalk zermahlten. Die Päpste selbst benutzten seit Martin V. die noch teilweise erhaltenen Monumente für ihre Bauten. Zumal hat der baulustigste aller Päpste, Nikolaus V., viele Reste des Altertums schonungslos zu solchem Zweck zerstört. Er ließ Travertinquadern und Marmor vom Colosseum fortnehmen, in einem einzigen Jahr mehr als 2300 Wagenlasten; vom sogenannten Friedenstempel, vom Circus Maximus, vom Tempel der Venus und Roma Hadrians am Titusbogen, vom Forum, von Bauwerken vor der Porta Viridaria ließ er Material losbrechen, und er war es, wie wir zu glauben Grund haben, welcher den Wall des Servius Tullius am Fuß des Aventin zerstören ließ. Von diesem ältesten Denkmal der Stadt hat sich heute dort nur ein kleiner Rest erhalten. So war gerade der gebildetste aller Päpste der schlimmste Zerstörer des alten Rom. Der tägliche Anblick des Niederreißens von Monumenten, um daraus Kalk zu brennen, verbitterte Blondus sein Leben in Rom. Gianantonio Campano, der Hofpoet Pius' II., bedauerte, Rom gesehen zu haben, denn der Anblick der zertrümmerten, in manchen Teilen ganz zerstörten Stadt und ihrer in den Staub getretenen Altertümer preßte ihm Tränen aus. Dieselbe Klage sprach Aeneas Sylvius in diesen Distichen aus:

Immer ergötzt mich, o Rom, die Beschauung deiner Ruinen,
    Deine vergangene Pracht strahlt aus den Trümmern hervor.
Doch dein Volk hier bricht von den alten Mauern den Marmor,
    Brennt sich zu niedrigem Zweck Kalk aus dem köstlichen Stein.
Treibt es den Frevel so fort noch drei Jahrhunderte, dann wohl
    Bleibt vom Edelsten hier nimmer zurück eine Spur.

Als Papst erließ dieser Piccolomini, dazu angeregt durch die Vorstellungen der römischen Bürgerschaft, am 28. April 1462 eine Bulle zum Schutz der Denkmäler. Sie ward auf dem Kapitol ausgerufen. Man glaubt in ihr die Sprache des edlen Kaisers Majorianus wieder zu vernehmen. Er setzte Strafe auf die Beschädigung der Altertümer und deren Verbrauch zu Kalk, auch die städtischen Magistrate machten gleiche Gesetze. Dies fruchtete nichts. Denn schon Pius II. selbst hielt sich an seine Bulle nicht, und Jovius konnte Paul II. vorwerfen, daß er sich zum Bau des Palasts San Marco den Quadern des Colosseum bediente. Sixtus IV. ließ den Rundtempel des Herkules im Forum Boarium niederreißen. Um steinerne Kanonenkugeln zu schaffen, ließ derselbe Papst Travertinquadern auf der Marmorata bearbeiten, und bei dieser Gelegenheit wurde im Juli 1484 die sogenannte Brücke des Horatius Cocles an der Ripa Grande zerstört. Er vergriff sich rücksichtsloser als sein Vorgänger am Colosseum, um mit den ihm entrissenen Quadern die Fundamente der neuen Brücke zu legen, die seinen Namen führt. Das Herz eines Patrioten, des Dichters Faustus Magdalenus vom Geschlecht der Capo di Ferro, empörte sich über diesen Vandalismus, und seine geharnischten Epigramme beweisen unwiderleglich die Tatsache dieser sixtinischen Zerstörung. Wenn Sixtus am Tabularium, wo sich eine Salzniederlage befand, Herstellungen machen ließ, so geschah das schwerlich um der Erhaltung des Monumentes willen. Den Rundtempel der Vesta am Tiber ließ er restaurieren, weil er als Kirche diente. Den Architekten seiner Vatikanischen Bibliothek erlaubte er, antiken Marmor auszugraben, und dasselbe gestattete Innocenz VIII. für seine Bauten. Alexander VI. verpachtete förmlich das Forum, das Colosseum und andere Monumente an Werkmeister Roms wie Steinbrüche für das Drittel des Ertrages.

Indes war unter den Gebildeten die Pietät für die antiken Ruinen erwacht. Schon im Anfange des XV. Jahrhunderts gab es Kardinäle, die zum Studium der Altertümer ermunterten. Blondus erzählt vom Kardinal Prospero Colonna, daß er die Reste der sogenannten Gärten des Mäzen, wo der Turm des Nero stand, reinigen und ausbessern und eine Strecke Wegs bis zu seinem dortigen Palast mit farbigem Marmor belegen ließ. Fast gleichzeitig mit der Leidenschaft für Manuskripte entstand der Trieb, Skulpturen, Münzen und Gemmen zu sammeln. Poggio besaß schon eine Sammlung von Altertümern in seinem Landhaus in Valdarno. Er hatte sie meist in Rom erworben, doch ließ er auch in Griechenland nachsuchen. So trug er einem Minoriten auf, ihm Büsten der Minerva, der Juno und des Bacchus und alles der Art Aufzutreibende aus Chios mitzubringen, wo man in einer Grotte gegen hundert Statuen wollte gefunden haben. Die Dunkelmänner der Zeit tadelten diese Leidenschaft als heidnisch, aber Poggio entschuldigte sich mit dem Beispiele Ciceros, für dessen Akademie Atticus Bildsäulen besorgt habe.

Niccoli legte ähnliche Sammlungen an; die Medici und die Ruccellai besaßen Antikenkabinette. Sie setzten dafür Griechenland in Bewegung, hatten aber auch ihre Antiquare in Rom. Denn hier wurde der Handel mit Handschriften, Reliquien und Antiquitäten seit alten Zeiten am eifrigsten betrieben. Erst seit Eugen IV. begannen die Päpste, die Verschleuderung alter Kunstwerke zu verbieten, ohne jedoch ihre Absicht zu erreichen. Für Lorenzo Medici sammelte in Rom der Veronese Johannes Jocundus Inschriften, und er entwarf bei dieser Gelegenheit das düsterste Bild von der Zertrümmerung der Stadt, wo sich sogar Bürger rühmten, daß die Fundamente ihrer Häuser bloß aus Bruchstücken von Statuen gemacht seien.

Auf seinen Reisen in Griechenland sammelte Cyriacus Statuen und Medaillen; er zeigte Traversari im Jahre 1432 zu Bologna goldne und silberne Münzen mit den Bildnissen des Lysimachus, Philipp und Alexander und einen prachtvollen Onyx mit dem Kopf des jüngeren Scipio. Einst hatte Traversari von Stefano Porcaro einen schönen geschnittenen Onyx zum Geschenk erhalten, und ihn gab er Eugen IV. Derselbe Kamaldulenser-Prior bewunderte in Venedig eine Goldmünze der Berenike, wovon er einen Bleiabguß nahm, und er fand bei den Edlen dort zahlreiche Münzsammlungen, die ersten Kabinette dieser Art in Europa. Die venetianische Liebhaberei nahm wie Eugen IV. auch Paul II. mit sich nach Rom, wo er schon als Kardinal eine Sammlung von Kunstschätzen, Antiquitäten und Statuen vereinigte. Er war Enthusiast nicht des Altertums, sondern der Altertümer. Von den zwei großen prachtvollen Säulen im St. Peter sagte er, daß sie mehr wert seien als die ganze Stadt Venedig. Niemand besaß eine gleiche Kenntnis von antiken Gemmen, Steinen und Münzen. Sein Museum im Palast S. Marco war das erste und reichhaltigste solcher Art. Hier stellte er griechische und römische, selbst byzantinische Kunstschätze auf, mit welchen letzteren seit dem Falle Konstantinopels Italien überschüttet wurde. Er verbrachte seine Tage damit, diese Herrlichkeiten zu betrachten. Nichts entging seinem forschenden Blick: auch den Porphyr-Sarkophag der Constantia, welcher heute im Vatikanischen Museum steht, ließ er herbeiholen, seinen Palast damit auszuschmücken. Den kunstliebenden Kardinal Francesco Gonzaga ermunterte er zu ähnlichen Sammlungen.

Sixtus IV. setzte diese Tätigkeit seines Vorgängers Paul fort; unter ihm finden sich die ersten sicheren Spuren eines Museum auf dem Kapitol. Im Jahre 1471 ließ dieser Papst antike Statuen von Bronze im Konservatorenpalast aufstellen, wie es dort noch die Inschrift jener Zeit besagt. Vielleicht hat Paul II., welcher auf jede Weise Antiken für seine Sammlung herbeischaffen ließ, diese Bronzen von dort oder von Orten entführt, auf welche die Stadt Rechte besaß, und Sixtus gab sie dem römischen Volk zurück.

Es befand sich darunter schon die berühmte Statue des Stadiodromen, der sich einen Dorn aus dem Fuße zieht, eine der schönsten Bronzen des Altertums. Die Gruppe der Wölfin stand seit uralten Zeiten im Lateran, und von dort befahl sie Sixtus IV. nach dem Kapitol zu schaffen. Vor der Treppe des Konservatorenpalasts stand der Löwe, welcher ein Pferd zerreißt – heute an der Hinterwand des kapitolinischen Hofes –, in der Vorhalle sah man die kolossale bronzene Hand mit der Kugel, wie einige Kaiserköpfe oder Büsten, sodann viele andere Fragmente und auch die Aschenurne der Agrippina, die zur Zeit der Bannerherren Roms zum Getreidemaß geworden war. Sixtus IV. vermehrte dies Museum durch den bronzenen Herkules vom Forum Boarium, welcher sich noch heute im Kapitol befindet. Er ward ausgegraben, als der dortige Rundtempel zerstört wurde, und im Palast der Konservatoren aufgestellt. Dieser Magistrat besaß demnach ein Recht auf Antiken, welche im Bezirk des Kapitols und vielleicht der Stadt überhaupt gefunden wurden. Zur Zeit Innocenz' VIII. wurde in demselben Palast der Kolossalkopf des Domitian aufgestellt, den man heute im dortigen Hofe sieht. Man fand ihn in den Trümmern der Basilika des Maxentius. Sixtus IV. ließ auch die Reiterfigur Marc Aurels vor dem Lateran restaurieren, was übrigens schon Paul II. im Jahre 1467 und also nicht ausreichend getan hatte. Es war nur ein Zeichen des durch die Päpste selbst auferweckten Sinns für die Denkmäler der Geschichte, wenn der Senator Roms, Matteo Toscano, sogar die Ehrenbildsäule Karls von Anjou im Kapitol wiederherstellen ließ.

Der Sinn für Altertümer wurde allmählich zur Leidenschaft. Aufgefundene Antiken erweckten denselben Enthusiasmus wie Handschriften und oft noch größeren, weil sie die unmittelbaren Zeugen der vergangenen Römerwelt waren. Man muß in Rom leben, um jene Begeisterung zu fassen. Wenn die Auffindung irgendeiner Statue, wie des bronzenen Herkules, den wir im Jahre 1864 aus dem Schutt des Pompejustheaters hervorsteigen sahen, oder wenn die Entdeckung altrömischer Gemälde auf dem Palatin oder die Ausgrabung des Marmorlagers auf dem alten Emporium noch in unsern Tagen die ganze gebildete Welt Roms in Bewegung brachte: so denke man sich die Wirkung solcher Entdeckungen im XV. Jahrhundert bei einem Menschengeschlecht, welches von dem eben erst neu erstehenden Geiste des Altertums berauscht war. Am 14. April 1485 wurde auf der Via Appia ein Marmor-Sarkophag ausgegraben, worin die Leiche eines Mädchens lag. Die Stadt kam in Aufregung: es hieß, eine Inschrift nenne diese antike Römerin Julia; das Mädchen sei von wunderbarer Schönheit, Antlitz wie Körper unversehrt, die Glieder noch beweglich. Man brachte den Sarkophag nach dem Palast der Konservatoren, wohin alsbald Tausende eilten, die tote Römerin zu sehen, welche man für die Tochter Ciceros zu erklären begann. Mit größerer Andacht wurde nicht die Leiche der Santa Monica, der Mutter Augustins, in Rom aufgenommen, als sie zur Zeit Eugens in Ostia gefunden worden war. Innocenz VIII. erschrak über diesen enthusiastischen Kultus einer toten Heldin; er befahl, die Mumie nachts vor der Porta Pinciana zu verscharren, und nur der Sarkophag blieb im Hof der Konservatoren zurück.

In andern Städten Italiens herrschte eine gleiche antiquarische Begeisterung. Am Anfange des XV. Jahrhunderts wollten die Paduaner die Leiche des Livius in der Kirche S. Justina aufgefunden haben; sie stellten diese vermeintlichen Reste ihres großen Mitbürgers wie ein Palladium über dem Portal ihres Gemeindepalasts auf, und im Bewußtsein aufgeklärter Menschen verliehen sie der Stadt Padua mehr Ruhm als die Leiche des Sankt Antonius.

Man machte noch nicht Ausgrabungen nach einem System, obwohl man nach Antiken suchte. Schon im Anfange des XV. Säkulum gruben Brunelleschi und Donatello in Rom selbst bis zu den Fundamenten von Gebäuden, sie zu vermessen: sie stießen dabei auf Altertümer und fanden eines Tags eine Vase voll von Münzen. Wenn man in Ostia und auf der Tiberinsel grub, fand man überall Statuen und große Säulen; wie würde sich nicht eine wirkliche Ausgrabung belohnt haben! Ostia war schon damals eine unerschöpfte Fundgrube von Antiken, wo, nach dem Zeugnis des Blondus, von alten Gebäuden nichts mehr erhalten war und nur der von Martin V. erbaute Turm an der Tiberflut melancholisch aufragte. Die Menge der Statuen, der Sarkophage, Mosaiken und Trümmer setzte dort einen Florentiner im Jahre 1488 in Bewunderung; er schrieb darüber Lorenzo Medici und schickte ihm Altertümer. Beim Graben an der Stadtmauer Ostias hatte man in demselben Jahr ein Schiff mit ehernen Nägeln aufgefunden. Manche Kardinäle versorgten ihre Paläste mit Statuen aus Ostia. Die Fülle der dortigen Antiken reizte auch Agenten fremder Sammler in Florenz und Venedig, weshalb Sixtus IV. an den Kastellan des Orts das Verbot erließ, antiken Marmor auszuführen. Auf der Stelle von Portus, damals einer sumpfigen Insel, sah Blondus im Gestrüpp so viele und große Marmorstücke, daß man davon eine ganze Stadt hätte erbauen können. Er bemerkte an diesen Blöcken, die in der Kaiserzeit aus den Steinbrüchen des Staats abgeliefert und dann vergessen worden waren, die Ziffern, welche den Bruch, das Gewicht und die Zahl angaben. Er bemerkte dies im Jahre 1451, ohne zu ahnen, daß noch 415 Jahre nachher die ganze Welt durch die Auffindung zahlloser Marmorblöcke am Tiberhafen in Rom selbst in Verwunderung gesetzt werden sollte.

Noch vereinzelt war die Nachforschung Prospero Colonnas im See von Nemi, aus dem er die Trümmer des sogenannten Schiffs des Tiberius emporheben ließ. Der Kardinal, Erbherr von Nemi und Genzano, hörte nämlich von den Bewohnern jener Orte, daß aus dem See bisweilen seltsame Schiffstrümmer gezogen wurden: er ließ genuesische Taucher kommen und von Alberti eine Maschine zum Aufwinden bauen. Als nun die Reste des Schiffs emporgehoben waren, eilte der römische Hof nach Nemi, und Blondus erklärte sie für die schwimmende Villa des Tiberius.

Mit der Leidenschaft eines heutigen Antiquars durchstreifte Pius II. die trümmervolle Landschaft Roms. Er durchzog die Via Appia, deren Monumente damals noch in großer Fülle vorhanden waren; er besichtigte den Hippodrom mit dem zerbrochenen Obelisken, welchen er freilegen ließ, das Grabmal der Metella, die zerstörten Villen, die Wasserleitungen, doch er sagt nirgends, daß er Nachgrabungen anstellen ließ. Immer mehr Antiken stiegen ans Licht; die Paläste der Großen schmückten sich damit wie die der Antiquare. Das Haus des Pomponius Laetus auf dem Quirinal war ein Museum von Altertümern und Inschriften, und am Ende des Jahrhunderts der Renaissance gab es in der Stadt keinen vornehmen Palast ohne solchen Schmuck. Es war auch ein Zeugnis der vorgeschrittenen Zeit, daß man die wesentlichsten Altertümer in den Palästen zu verzeichnen begann, wie zuerst ein Mailänder (mit dem Namen Prospettivo Dipintore) tat. Unter vielen Antiken vermerkte er im Palast Valle zwei Faune, in dem des Kardinals Piccolomini, des nachmaligen Pius III., eine Nymphe und jene drei Grazien, welche am Palast der Colonna unter dem Quirinal gefunden wurden, in den Besitz des Nepoten Pius' II. kamen, dann lange in der Libreria des Doms von Siena standen und heute im dortigen Stadt-Museum gezeigt werden; im Haus Branca einen Faun; im Palast Riario eine schöne Minerva; im Garten des Kardinals Savelli ein auf einer Gans reitendes Kind; und so fand er Antiken in den Palästen Caffarelli, Frangipani, Massimi, Mellini, Maffei, im Haus Porcaro aber eine unglaubliche Anzahl alter Inschriften. Die Porcari fuhren auch nach dem Tode Stefanos fort, den patriotischen Musen zu dienen. Ihr Palast in der Nähe der Minerva erfüllte sich mit Altertümern. Die Inschriften, welche sie dort gesammelt hatten, bilden noch heute einen schätzbaren Teil des clementinischen Museum im Vatikan; denn für diese Stiftung schenkte sie dorthin dem Papst Clemens XIV. der Prinz Andrea Doria, welcher Erbe des Hauses Porcari geworden war.

Am Ende jenes Jahrhunderts entstieg der Apollo von Belvedere seiner Gruft in Antium. In der Zeit der tiefsten moralischen Finsternis unter Alexander VI. erschien der Gott der Dichtkunst und des Lichts im Menschengeschlecht wieder, welches seines Anblicks würdig geworden war, nachdem es die klassischen Musen wieder erweckt hatte und sich anschickte, das Ideal der Schönheit auf die Gipfel der Kunst zu heben. Der Kardinal Julian kaufte den Apollo von den Findern und stellte ihn in seinem Palast bei den Santi Apostoli auf, von wo er dieses strahlende Kunstwerk nach dem Vatikan bringen ließ, als er Papst geworden war.

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