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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 343
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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6. Rückkehr Eugens IV. September 1443. Schrecklicher Zustand der Stadt. Das Konzil im Lateran. Eugen bekriegt Sforza in den Marken. Friedrich III. verbündet sich mit dem Papst. Er wird zum Verräter an der deutschen Kirchenreformation. Die Reichsstände willigen in die Obedienzerklärung. Piccolomini geht mit den deutschen Gesandten nach Rom November 1446. Das Konkordat Deutschlands mit dem Papst. Tod Eugens IV. 23. Februar 1447.

Am 28. September 1443 zog Eugen in die Stadt ein. Dasselbe Volk, welches ihn einst auf dem Tiber wütend verfolgt hatte, strömte ihm jetzt meilenweit über Ponte Molle entgegen und empfing ihn mit erzwungenen Huldigungen. Fünf Kardinäle begleiteten ihn. Er blieb die Nacht im Kloster S. Maria del Popolo. Am folgenden Morgen begab er sich in Prozession, unter einem Baldachin einherreitend, nach dem Vatikan. Als er den Platz Colonna erreichte, rief das Volk: »Es lebe die Kirche! Nieder mit den neuen Steuern und denen, die sie erfunden haben.« Er befahl, die von Scarampo aufgelegte Weintaxe abzuschaffen. Nach einem Exil von mehr als neun Jahren fand Eugen Rom fast in demselben Elend wieder, in welchem es Martin V. gefunden hatte. Dies machte ihm viel Pein, und überhaupt war er nur mit Widerwillen zurückgekehrt. Wenn er den blühenden Zustand, die Anmut der Sitten und die geistige Regsamkeit in Florenz, der hohen Schule der Wissenschaften und Künste, mit der verwilderten Öde Roms verglich, so mußte er davor zurückschaudern. Sein Biograph sagt von dem damaligen Rom: »Die Stadt war durch die Abwesenheit des Papsts wie ein Dorf von Viehhirten geworden; Schafe und Kühe trieben sich darin umher, sogar dort, wo jetzt die Banken der Kaufleute stehen.« Der tägliche Anblick von Köpfen oder Gliedern gevierteilter Menschen, welche an den Toren festgenagelt oder in Käfigen oder auf Lanzen ausgestellt waren, oder das tägliche Schauspiel von Verbrechern, die man in die Kerker und auf die Richtplätze abführte, mochte selbst die abgehärteten Nerven der damals Lebenden erschüttern.

Eugen nahm nur für neunzehn Tage Wohnung im Vatikan, worauf er den Lateran bezog, um dort am 13. Oktober das sparsam besuchte Konzil zu eröffnen. Daß er dies in Rom tat, daß er seine Bannbullen gegen die Basler und den Gegenpapst aus dem Lateran schleudern konnte, war ein Vorteil für ihn, welcher ihm wie allen seinen Vorgängern in ähnlichen Lagen den Sieg sicherte. Seine Tage wurden freilich durch tiefe Sorgen beunruhigt, durch den Krieg wider Sforza, das Schisma und die Unterhandlungen mit dem Deutschen Reich, welches er zum Aufgeben der Neutralität zu bewegen suchte.

Sforza unterstützten Florenz und Venedig und einige Dynasten, wie sein Bruder Alessandro, Herr von Pesaro, und Sigismondo Malatesta, aber den Papst Alfonso und Visconti, welcher seinen Schwiegersohn mit der einen Hand angriff, mit der andern verteidigte. Das Konzil zu Basel, erschüttert durch den Abfall Alfonsos, täuschte sich auch in der Hoffnung, daß der Haß gegen den undankbaren Eugen Venedig und Florenz zur Anerkennung Felix V. treiben würde. Es empfing zwar Boten Sforzas, welcher jetzt der wirkliche Vikar für dies Konzil zu sein begehrte; aber seine Geldforderungen machten an die erschöpften Kassen des Gegenpapsts zu große Ansprüche. Auch waren seine Verheißungen trügerisch. Sein großer Gegner Niccolò Piccinino starb zu Mailand am 8. September 1444, aus Gram über den Abfall Bolognas, welches unter Annibale Bentivoglio seine Freiheit hergestellt und mit Florenz und Venedig in Liga getreten war, und aus Kummer über eine Niederlage seines Sohnes Francesco, die derselbe durch Sforza erhalten hatte. Und dieser erzwang am 10. Oktober 1444 einen Frieden von Eugen, der ihm den Besitz des größten Teils der Marken bestätigte. Doch bald erhob der Papst neuen Krieg. Sein Heer führte Scarampo als Legat und Kapitän. Sforza sah seine Städte fallen bis auf das einzige Jesi, und er selbst mußte bei Federigo von Urbino Schutz suchen. Er ermannte sich wieder im Jahre 1446. Von Cosimo und den Florentinern, gegen welche der Papst Alfonso aufreizte, ermuntert und angelockt von der Aussicht auf Unterstützung römischer Barone, namentlich der Anguillara, faßte er im Mai 1446 den kühnen Entschluß, gegen Rom selbst zu ziehen. Er hoffte auf den Einfluß des Kardinals Niccolò Acciapaccio von Capua, der mit Scarampo und Alfonso verfeindet und vom Papst verbannt worden war. Im Juni drang Sforza bis Bolsena vor; jedoch Eversus täuschte ihn; die Barone erhoben sich nicht; er mußte umkehren und sich bis unter die Mauern Urbinos zurückziehen.

Nicht minder glücklich war Eugen in seinem Kampfe wider das Schisma. Wenn Felix V. den ehrgeizigen Gedanken hatte, durch ein europäisches Konzil als Unionspapst erwählt, vor der Welt zu glänzen wie Martin V. und dann seinen Sitz in Rom zu nehmen, so machte jeder Tag diese Hoffnung mehr verschwinden. Nur Savoyen, die Eidgenossen, kleine Fürsten, einige Bischöfe und Reichsstädte anerkannten ihn. Während er in Mißachtung zu Lausanne Hof hielt, überließ er die Geschäfte seinen Kardinälen, unter denen nur Aleman und Johann von Segobia, der Geschichtschreiber des Basler Konzils, bedeutende Männer waren. Er hatte eine Reihe von Kardinälen ernannt, und es ist der Bemerkung wert, daß er in ihre Zahl auch einen Nepoten Vitelleschis, Bartolomeo, den Bischof von Corneto, aufnahm. Vergebens bemühte sich das zusammengeschmolzene Konzil, seinem Papst die Obedienz in Deutschland und Frankreich zu gewinnen; denn dort drang endlich Eugen durch. Ihm kam alles darauf an, den römischen König und die Reichsfürsten zur Aufgabe der Neutralität zu bewegen, denn dies Prinzip enthielt die größte Gefahr für das Papsttum. Das Reich nahm dadurch eine selbständige Haltung ein, woraus sich seine kirchliche Abtrennung von Rom durch eine deutsche Reform ergeben konnte. Der Widerstand der Kurfürsten und Reichsstände war heftig: sie forderten ein Unionskonzil in einer deutschen Stadt. Aber die anarchische Verfassung des Reichs und die Untüchtigkeit Friedrichs III., der für die wichtigsten Angelegenheiten des deutschen Volks keinen Sinn besaß, erleichterten der römischen Kurie den Sieg, zumal der mächtige Kanzler Friedrichs, Kaspar Schlick, für Eugen gewonnen wurde. Aus endlosen Reichstagen ergab sich kein Erfolg. Die römischen Legaten, erst Cesarini, der sodann in der unglücklichen Türkenschlacht bei Varna am 10. November 1444 mit König Ladislaus den Tod fand, hierauf Carvajal, der Erzbischof Thomas Parentucelli von Bologna und der vom Basler Konzil abgefallene Nikolaus von Cusa, arbeiteten mit Erfolg an der Sprengung der deutschen Opposition. Die größten Dienste leistete der geistreiche Abenteurer Piccolomini aus Siena, welcher allen Herren und Parteien der Reihe nach gedient hatte, erst Sekretär Felix V., dann Schlicks und Friedrichs III. gewesen war, erst die deutsche Neutralität verfochten hatte, dann, durch glänzendere Aussichten zum Abfall bestimmt, seit 1445 das eifrigste Werkzeug für Eugen am Hofe Friedrichs geworden war.

Der römische König verkaufte in einem geheimen Vertrag mit dem Legaten Carvajal zu Wien die Reformation der deutschen Kirche dem Papst für die erbärmliche Summe von ein paar 100 000 Gulden, für die Aussicht auf die Kaiserkrönung und kirchliche Vergünstigungen in seinen Erblanden. Der am 21. März 1446 zu Frankfurt geschlossene Kurfürstenbund, welcher den Widerstand noch fortsetzen wollte, auf ein allgemeines Konzil drang und die Anerkennung der Basler Reformdekrete forderte, wurde durch den Abfall des Mainzer Erzbischofs Dietrich aufgelöst, und die zum Teil bestochenen Reichsstände willigten in die Obedienzerklärung auf Grund der Frankfurter Vorschläge vom 5. Oktober 1446. Die deutsche Reform erlag dem Bunde des Papsttums und Kaisertums zur Aufrechterhaltung ihrer gefährdeten Autorität. Wenn der Trieb der deutschen wie gallikanischen Kirche nach Autonomie sich gegen die absolute Papstgewalt richtete, so stand damit die feindselige Haltung der Kurfürsten und Stände in genauem Zusammenhang. Denn auch hier machte sich das Bestreben geltend, die Reichsverfassung durch die Selbständigkeit der landesherrlichen Fürstengewalt umzugestalten. Papst und Kaiser verständigten sich um dieser Gefahr willen. Das mittelalterliche Prinzip drängte noch einmal die Bedürfnisse der neuen Zeit zurück.

Mit jenem Vertrage eilten die Gesandten Friedrichs III., Piccolomini und Prokop von Rebstein, am 16. November 1446 von Wien nach Rom, während die Boten von Mainz, von der Pfalz, von Sachsen, Brandenburg und anderen Reichsfürsten eben dahin abgingen. Die deutsche Obedienzgesandtschaft erregte großes Aufsehen in Rom. Sie wurde am ersten Meilenstein vom gesamten Klerus feierlich eingeholt. Seit der Herstellung des Papsttums war der Einzug von Gesandten, sowohl zur Huldigung bei der päpstlichen Thronbesteigung als bei andern Gelegenheiten, ein wiederholtes Schauspiel strengster zeremoniöser Form, welches dem Leben der Stadt ein neues Gepräge gab. Die Diarien der Zeremonienmeister sind mit den Berichten von solchen Einzügen erfüllt. Die fremden Gesandten wurden je nach den Umständen in Palästen von Großen und Kardinälen oder in öffentlichen Gasthäusern beherbergt. Die Deutschen bezogen ein Haus am Kapitol, wo sie der apostolische Thesaurar im Namen des Papsts begrüßte. Zur Audienz um die Weihnachtszeit vorgelassen, hielt Piccolomini die Rede an Eugen. Die Verhandlungen waren schwierig: die Obedienz ging nur von einem Teil des deutschen Volkes aus, und sie war an Artikel geknüpft, welche wie namentlich der Konstanzer Beschluß des in bestimmten Zeiträumen abzuhaltenden Konzils, die Aufhebung der Annaten und die Wiedereinsetzung der vom Papst suspendierten Erzbischöfe von Köln und Trier, der hierarchischen Partei unannehmbar erschienen. Die Ansicht dieser wurde von den meisten Kardinälen, zumal von Torquemada und Borgia, mit Heftigkeit behauptet. Scarampo stimmte für die Annahme des Konkordats und so auch die neuernannten Kardinäle, der Spanier Carvajal und Parentucelli, welche als Legaten den Kurfürstenbund gesprengt hatten, vor kurzem zurückgekehrt und schon unterwegs mit dem roten Hut belohnt worden waren. Die Schwierigkeit des Abschlusses minderte übrigens das Nachgeben der deutschen Gesandten und auch die tödliche Krankheit, in welche Eugen am Anfang des Januar 1447 verfiel. Als er sein Ende nahe fühlte, war es sein sehnlichster Wunsch, das Deutsche Reich wieder mit Rom fest verbunden zu wissen.

Nach langem Kampf bewilligte er die Artikel in ihrer von Piccolomini abgefaßten Form, aber er erschrak selbst vor diesem schwachen Zugeständnis der deutschen Reformation. Ehe er den Gesandten auf seinem Bette die Bullen aushändigte, legte er am 5. Februar eine urkundliche Verwahrung nieder: daß seine Zugeständnisse, bei einem durch Krankheit getrübten Urteil gemacht, nichtig sein sollten, wenn sie irgend die Lehre der Kirchenväter und die Rechte des Heiligen Stuhles beschädigten. Was konnte nicht jeder seiner Nachfolger aus dieser unredlichen Verwahrung machen! Am 7. Februar wurden die Konkordatsbullen ausgeliefert und die Gesandten leisteten Obedienz: man feierte diese Rückkehr des Reichs zum römischen Papsttum mit Prozessionen, wobei die fabelhafte Tiara Silvesters einhergetragen ward. Das Papsttum hatte in Wahrheit einen wichtigeren Sieg erfochten, als es die Union mit Griechen, Armeniern und Äthiopiern sein konnte: es hatte die deutsche Reformbewegung für lange Jahre gehemmt.

Eugen lag sterbend im Vatikan. Schon am 9. Januar war Alfonso mit Kriegsvolk nach Tivoli gekommen, wo er lagerte, unter dem Vorwande, über die Sicherheit der Stadt zu wachen, aber mit der Absicht, die Neuwahl zu beeinflussen. Sein mit dem Papst verabredeter Feldzug gegen Florenz war eine der Ursachen seines Marsches, doch glaubte man, daß ihn der von ganz Rom gehaßte Scarampo zu seiner eigenen Sicherheit gerufen hatte. Noch am 14. Februar übertrug Eugen diesem Günstling die Bewachung aller festen Orte in und bei Rom; denn es gärte im Volk; man fürchtete die Rache der von Vitelleschi und Scarampo erdrückten Barone. Auch die demokratische Partei regte sich.

Als Eugen seine Todesstunde nahen sah, berief er die Kardinäle, welche alle, bis auf Prospero Colonna, seine Geschöpfe waren. Er überblickte die Schicksale seines Pontifikats; und diesen hatten Flucht und Exil, Schisma und Kriege den unseligsten Papstregierungen ähnlich gemacht, bis auf die meist selbstverschuldeten Leiden die Herstellung und der Sieg über das Konzil gefolgt war. Mit Genugtuung sprach er von der Union mit Deutschland, die er dem römischen Könige, dem Erzbischof von Mainz und dem Markgrafen von Brandenburg verdanke. Der niedrigen Mittel sich bewußt, womit er den Sieg über Deutschland erfochten hatte, rief er selber mit tiefem Seufzer aus, daß es für sein Seelenheil besser wäre, ewig Klosterbruder geblieben, statt Papst geworden zu sein. Doch er starb als Papst, mit der Hoffnung, daß der Rest des Schisma nicht mehr lange Bestand haben werde, während er auch den ganzen Kirchenstaat, mit Ausnahme von Bologna und Jesi, seinem Nachfolger überliefern konnte. Zu diesem, so wünschte er, sollten die Kardinäle eher einstimmig einen mittelmäßigen, als hadernd einen hervorragenden Mann erwählen.

Eugen verschied am 23. Februar 1447, 62 Jahre alt. Mitwelt und Nachwelt haben diesen Papst, dessen Regierung nur durch eine zwar verunglückte, aber nicht spurlos verlorene Reformbewegung für die Geschichte bedeutungsvoll gewesen ist, verschieden beurteilt. Der ihm dankbare Piccolomini hat wohl das schmeichelhafteste Bild von ihm entworfen: »Er war ein großer und ruhmvoller Papst; er verachtete das Geld, liebte die Tugend; er war nicht hochmütig im Glück, im Unglück nie mutlos; er kannte keine Furcht; seine gefaßte Seele trug stets das gleiche Angesicht; gegen Feinde rauh und hart, war er freundlich gegen diejenigen, welche er in sein Vertrauen wieder aufnahm. Dazu war er von hoher Gestalt, von schönem Antlitz, im Alter voll Majestät.« Piccolomini fügte jedoch einen Tadel hinzu: er legte nicht das richtige Maß an sich und die Dinge; er ergriff nicht, was er konnte, sondern was er wollte. Zu der Unüberlegtheit im Handeln gesellte sich Eigensinn, bei mangelnder Welterfahrung eines in mönchischer Vereinsamung hingebrachten Lebens. Schwäche machte ihn zu diplomatischen Ränken geneigt. Die Stürme seiner Regierung würde Eugen nicht überdauert haben, wenn nicht bedeutende Menschen für ihn handelten. Kluge Staatsmänner, gelehrte Theologen, Tyrannen im Patriarchengewande fochten für ihn den Streit mit dem Basler Konzil aus, und sie eroberten für ihn den Kirchenstaat. Ein hohes Lob Eugens ist unbestritten: daß er vom Nepotismus frei blieb. Man nannte ihn sogar undankbar, weil er die Orsini, durch welche er das Papsttum erhalten und den Kirchenstaat zum Teil wiedergewonnen hatte, nicht belohnte. Er machte keinen dieses Hauses zum Kardinal. Nach dem Sturz der Colonna scheute er sich, deren Gegner zu erheben. Er liebte überhaupt nicht Rom. Unter den zuletzt von ihm ernannten Kardinälen gab es keinen Römer.

Seine Bildung war gering; doch fand er Gelehrte, die er in seinem Dienst verwendete. Leonardo Aretino und Poggio, Aurispa, Blondus und Maffeo Vegio waren seine Sekretäre, und wir werden später rühmen, daß die Regierung Eugens IV. nicht ohne Verdienste für die geistige Kultur gewesen ist. Was ihn ganz erfüllte, war seine Liebe zu den Minoriten. Dieser Papst verweigerte die Reform der Kirche, aber er betrieb mit Leidenschaft die unwichtige Reform der Klöster von der Observanz. Das abgestandene Mönchtum wollte er wieder zu einer Schanze der Papstgewalt erheben und mit ihm die zerstörende Richtung bekämpfen, welche durch die humanistische Wissenschaft immer mächtiger ward. Die Domherren vertrieb er aus dem Lateran und setzte an ihre Stelle regulierte Kleriker, für die er dort auch ein Kloster baute. Der Freigeist Poggio spottete, daß die Minoriten um den Thron Eugens wie Ameisen wimmelten. Seine Ideale waren die Franziskanermönche Bernardin von Siena und Johannes von Capistran. Den ersten wollte er heiligsprechen, nachdem er im Jahre 1444 in Aquila gestorben war. Mitten in der klassisch-heidnischen Renaissance bildeten solche Minoritenmönche als Bußprediger eine von den Humanisten verspottete schwache Opposition.

Für Rom selbst ist eine Heilige jener Zeit flüchtiger Bemerkung wert. Dies war Francesca mit dem Zunamen Romana, aus dem Geschlecht der Pontiani, welche in ihrem noch dauernden Hause bei Tor de' Specchi ein Kloster für edle Frauen stiftete. Sie starb am 9. März 1440 und wurde in S. Maria Nuova am Titusbogen begraben. Diese alte Kirche erhielt später unter Paul V. den Namen der Heiligen. Francesca stand im Rufe der Prophetengabe; sie weissagte Eugen seine Verfolgung durch das Schisma und den Römern ihre Bedrängnis durch die Condottieri; aber trotzdem hat diese heilige Witwe nicht jenen Prophetensitz einzunehmen vermocht, welchen die berühmte Birgitta von Schweden verlassen hatte.

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