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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 339
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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2. Eugen IV. Papst im Jahre 1431. Die Wahlkapitulation. Die Orsini erheben sich gegen die Colonna. Sturz dieses Hauses durch Eugen. Beginn des Konzils in Basel im Jahre 1431. Der Kardinal Cesarini. Ausbruch des Kampfs zwischen dem Konzil und dem Papst. Sigismund in Italien. Seine lombardische Krönung. Sein Vertrag mit dem Papst. Seine Kaiserkrönung 31. Mai 1433.

Die einstimmige Wahl der in der Minerva versammelten Kardinäle, unter denen die Partei der Orsini überwog, machte am 3. März 1431 den Venetianer Gabriel Condulmaro zum Papst. Eugen IV., Schwestersohn Gregors XII., erst Mönch im Cölestinerkloster S. Giorgio in Alga zu Venedig, war im Schisma emporgekommen, von seinem Oheim zum Bischof Sienas, dann im Jahre 1408 zum Kardinal von S. Clemente gemacht worden. Unter Martin V. war er Legat der Marken gewesen. Sein kräftiges Alter von 47 Jahren, ein ernstes vornehmes Wesen bei hoher Gestalt ließen einen gebieterischen Geist vermuten, doch er besaß eine schwankende und leicht entzündbare Natur. Der fromme Condulmaro war ohne humanistische Bildung, in weltlichen Geschäften unerfahren und vielleicht gerade deshalb versucht, mit Hast in solche einzugreifen.

Noch im Konklave beschwor Eugen IV. die Artikel einer Wahlkapitulation. Gleich den Kurfürsten des Reichs stellten nämlich die Kardinäle solche Konklave-Kapitulationen auf, wodurch sie den neuen Papst verpflichteten, die Kurie nicht aus Rom zu verlegen, ein Konzil zu berufen, die Kirche zu reformieren. Im Grunde war das eine Beschränkung der Papstgewalt, welche zumal nach dem Tode Martins notwendig schien, da dieser sich so viele Eingriffe in das Kirchengut zu Gunsten seiner Nepoten erlaubt und das Heilige Kollegium durch seine Willkür verletzt hatte. Nun suchte sich dasselbe, die Rechte des mitregierenden Senats zu sichern, und dies gelang bei schwachen, niemals bei kraftvollen Päpsten. Jeder neugewählte Papst beschwor seither, die Privilegien der Kardinäle zu achten, ihre Einkünfte, Würden und Personen nicht anzutasten; alle Vasallen und Rektoren im Kirchenstaat, wie alle Offizialen der Stadt Rom sowohl den Kardinälen als sich selbst zu verpflichten; kein Kirchengut auszuleihen, keinen Krieg zu machen, und was den Kirchenstaat betraf, nichts von Bedeutung zu unternehmen, ohne die ausdrückliche Zustimmung der Kardinäle. So bildeten diese eine mit immer größeren Rechten ausgestattete Oligarchie, und die Verfassung des Papsttums würde aristokratisch geworden sein, wenn die Päpste nicht tausend Mittel, namentlich die Verleihung von Benefizien, in Händen hatten, ihre Pairs von sich abhängig zu machen.

Am 11. März ward Eugen IV. geweiht und gekrönt. Sein Papstname war nicht glückverheißend; er erinnerte an die Bedrängnisse Eugens III., für welchen einst der heilige Bernhard das Buch von der Betrachtung geschrieben hatte, und diese Unterweisung in der schwierigen Kunst, Papst zu sein, eilte der gelehrte Camaldulenser Traversari, dem vierten Eugen gleich nach seiner Erhebung zu überreichen.

Nach der Restauration besaß der Papst wieder Ansehen in der Welt, Einfluß in Italien, fürstliche Macht in Rom und dem Kirchenstaat und einen gefüllten Schatz. Aber dennoch erlebte schon der Nachfolger Martins so viel Unglück, daß die finstern Zeiten des Schisma wiederzukehren schienen. Das Konzil zu Basel, dessen Berufung Eugen IV. schon am 12. März 1431 bestätigt hatte, bedrohte ihn, und noch ehe es sich versammelte, brach in Rom ein Sturm über ihn herein.

Eugen war kaum Papst geworden, als er sich den Orsini zuneigte und die Colonna verfolgte, aufgereizt von den Feinden dieses Hauses, den Kardinälen Jordan Orsini und Lucido Conti. Martin V. hatte seine Nepoten in Reichtum und Macht zurückgelassen. Es waren dies die jungen Söhne Lorenzos und der Sveva Gaëtani: Antonio Fürst von Salerno, Odoardo Graf von Celano und der zweiundzwanzigjährige Kardinal Prospero. Ihr Kriegsvolk lag in der Engelsburg, in Ostia und andern Schlössern der Kirche. Ihre Soldbanden hielten sogar Städte in den Marken besetzt. Sie übergaben zwar dem neuen Papst die römischen Kastelle und brachten ihm Huldigungsgeschenke dar, aber man beschuldigte sie, sich der Schätze, die ihr Oheim zum Türkenkriege gesammelt hatte, und auch der päpstlichen Kleinodien bemächtigt zu haben, welche im Palast der Santi Apostoli verwahrt lagen. Der auf brausende Eugen ließ die Kämmerer seines Vorgängers am 11. April festnehmen, um von ihnen ein Geständnis zu erpressen. Diese Verhaftung vollzog Stefano, der Sohn des Nicolaus Colonna vom Hause Sciarra, damals Kapitän der Kirche und mit seinen Vettern entzweit, mit so großer Gewaltsamkeit, daß der Papst selbst ihn zu bestrafen drohte. Er entwich nach Palestrina. Auch der Kardinal Prospero verließ die Stadt. Diese stolzen Nepoten eines hochgefeierten Papsts begegneten der Hitze Eugens mit gleich blindem Ungestüm. Sein Verfahren war gewaltsam, aber nicht unbegründet; denn er selbst, der nichts von Nepotismus wissen wollte, erkannte sehr wohl, daß er in Rom nicht regieren konnte, ohne jene Colonna zu demütigen, welche sein Vorgänger so groß gemacht hatte. Als er auch die Herausgabe vieler Orte verlangte, deren rechtmäßige Verleihung durch Martin V. er bestritt, sammelten diese Barone ihr Kriegsvolk, mit dem sie nach Marino zogen. Zu ihnen stießen Verwandte und Anhänger von den Conti, Gaëtani und Savelli und auch Konrad von Antiochien, ein Abkomme jenes alten Ghibellinenhauses, welches noch immer das Kastell Piglio besaß. Mißvergnügte Römer, Freunde der alten Republik boten ihnen ihre Dienste an. Noch einmal erhob sich der ghibellinische Adel zum Kampf wider das hergestellte Papsttum. So saß Eugen IV. kaum einen Monat auf dem Thron, als er sich schon von allen Schrecken des städtischen Krieges bedrängt fand.

Der Prinz von Salerno erstürmte am 23. April die Porta Appia. Stefan Colonna drang sogar in die Stadt, wo er sich in seinem Palast bei S. Marco verschanzte. Jedoch das Volk erhob sich nicht, vielmehr wurden die Eingedrungenen durch päpstliche Truppen verjagt. Diese plünderten die Häuser der Colonna, selbst den Palast Martins, und die Wohnung des Kardinals Capranica. Dominicus Pantagati aus dem colonnesischen Felsenkastell Capranica bei Palestrina, damals Bischof von Fermo, war nämlich von Martin V. schon im Jahre 1426 zum Kardinal ernannt, aber noch nicht proklamiert worden; doch hatte dieser Papst geboten, die noch nicht publizierten Kardinäle nach seinem Tode zum Konklave zuzulassen. Capranica war deshalb in die Nähe Roms geeilt, seine Zulassung zur Papstwahl zu fordern; sie wurde ihm verweigert, weil die Partei der Orsini dies begehrte. Er entfloh mit Mühe den Nachstellungen Eugens, der ihm den Kardinalshut absprach und gegen ihn Prozeß erhob. Er appellierte hierauf an das Konzil.

Von Rom zurückgeschlagen, behaupteten die Colonna das Stadtgebiet. Sie setzten sich mit Filippo Visconti in Verbindung, welcher in einem venetianischen Papst mit vollem Recht seinen Feind erkannte. So viel Liebe Martin V. in Rom entgegengekommen war, so viel Haß verfolgte hier Eugen. Man kam einer Verschwörung auf die Spur, wonach die Engelsburg überrumpelt, der Papst selbst getötet oder samt den Orsini verjagt werden sollte. Ein Hochverratsprozeß ward eingeleitet; ihm fielen mehr als zweihundert Menschen teils im Kerker, teils auf dem Schafott zum Opfer; und so war Rom wie über Nacht in die Greuel seiner wildesten Vergangenheit zurückgestürzt. Nachdem Eugen die Colonna am 18. Mai 1431 gebannt hatte, wurde in ganz Latium wütend Krieg geführt. Die Königin Johanna schickte Truppen unter Jacopo Caldora; aber diesen Kapitän bestachen die Colonna, so daß er bald untätig blieb. Besser wirkten Hilfsvölker aus Venedig und Florenz: denn Niccolò von Tolentino brachte die Barone in so große Not, daß sie Eugen vernichten konnte, wenn ihn nicht plötzliche Krankheit, die man der Vergiftung zuschrieb, kraftlos gemacht hätte. Er bot ihnen Frieden, und sie schlossen ihn am 22. September 1431 unter folgenden Bedingungen: sie zahlten 75 000 Dukaten, gaben Narni, Orte und Soriano heraus und zogen ihre Kapitäne aus allen Burgen des Kirchenstaats, deren Besetzung ihnen von Martin V. übergeben worden war. So hatte Eugen die Genugtuung, das mächtigste Geschlecht Roms gedemütigt zu haben, aber zugleich sich rachlustige Feinde erzeugt. In diesen Krieg war auch der Stadtpräfekt Jakob von Vico, ein Verbündeter der Colonna, verwickelt worden; Niccolò Fortebraccio, damals Kapitän der Kirche, und Johann Vitelleschi, der Bischof von Recanati, hatten ihn aus seinen Besitzungen nach Toskana verjagt.

Kaum war dieser Kampf beendigt, als die Zeit erschien, wo das Konzil eröffnet werden sollte. Wichtige Fragen mußten hier verhandelt werden: die Reform der Kirche, die Beilegung der hussitischen Wirren, die Union der griechischen und lateinischen Kirche, zu welcher der von den Türken bedrängte byzantinische Kaiser die Hand bot. Der römische Kaiser Sigismund hoffte von dem Konzil die Versöhnung mit dem böhmischen Lande, die Stärkung seiner Reichsgewalt und endlich die Vereinigung aller christlichen Streitkräfte zum Türkenkrieg. Eugen ging mit Furcht dieser Kirchenversammlung entgegen. Denn seit den Konstanzer Beschlüssen trat das Konzil als Organ der Bedürfnisse der allgemeinen Kirche mit der Papstgewalt in Widerspruch. Es bedrohte die römische Hierarchie mit einer Reform, welche beim Haupte beginnen sollte. Die Päpste bebten davor zurück, sowohl weil hundert Mißbräuche zugleich hundert Privilegien ihrer Herrschaft geworden waren, als weil die Reform selbst in Wahrheit eine fast übermenschliche Aufgabe war. Martin hatte die bischöfliche Opposition Europas zu vermeiden vermocht; jetzt aber mußte sie sich, zwölf Jahre lang zurückgehalten, mit doppelter Gewalt gegen seinen Nachfolger erheben.

Eugen bestätigte als Bevollmächtigten beim Konzil den Kardinal Cesarini, welchen schon Martin dazu ernannt hatte. Dieser ausgezeichnete Mann stammte aus einer römischen Familie, die erst mit ihm geschichtlich wurde. Sein Vater Julian war ein armer Edelmann. Cesarini, im Jahre 1398 geboren, hatte beide Rechte studiert, noch jung einen Lehrstuhl in Padua mit Ruhm eingenommen und war von Martin im Jahre 1426 zum Kardinaldiaconus von S. Angelo ernannt worden. Wissen, Beredsamkeit, Begeisterung für die moralische Größe der Kirche und diplomatisches Talent sicherten ihm eine bedeutende Zukunft. Martin hatte ihn als Legaten nach Deutschland gesandt, wo er die Reichsfürsten zum Hussitenkriege entflammen und zugleich dem Konzil vorsitzen sollte, und Cesarini übernahm diese hohe Stellung voll glühenden Eifers für die Kirche, deren Rettung aus der Verderbnis er von der Tätigkeit eines Konzils mit voller Überzeugung erwartete. Eugen gebot nun diesem Kardinal, das Konzil zu eröffnen, sobald sich eine hinreichende Menge von Prälaten würde eingefunden haben. Sparsam trafen die Bischöfe in Basel seit dem März 1431 ein. Cesarini selbst, noch beim Feldzuge gegen die Hussiten anwesend, erschien dort erst am 9. September nach der schrecklichen Niederlage des deutschen Reichsheeres bei Taus. Doch hatte er das Konzil schon am 23. Juli durch seine Stellvertreter zusammentreten lassen.

Tiefes Mißtrauen der Kurie gegen die Kirchenversammlung und dieser gegen jene erschwerte von vornherein die Verhandlungen, und Eugen bereute es bald, das Konzil in einen von Italien entfernten Ort verlegt zu haben, wo es an dem nahen Frankreich, am römischen König und dem von ketzerischen Elementen tief durchdrungenen Deutschland festen Anhalt finden mußte. Unter nichtigen Vorwänden hob er es schon am 18. Dezember 1431 durch eine Bulle auf und bestimmte Bologna als Ort, wo es nach achtzehn Monaten neu zusammentreten sollte. Dieser Schritt riß sofort eine Kluft zwischen ihm und dem Konzil auf, denn dieses bekämpfte nun die Papstgewalt als eine verfassungswidrige Eigenmacht und stellte sich auf den in Konstanz gewonnenen Boden. Die versammelten Väter weigerten sich, der Bulle zu gehorchen; sie schickten Proteste nach Rom; Sigismund tat das gleiche: Cesarini selbst, im Innersten betroffen, stellte dem Papst die Verwirrung vor, in welche die Kirche stürzen müßte, wenn sie auch jetzt wieder um die Reform getäuscht werde. Er weissagte die Zukunft.

Die Mächte wie die Völker traten auf die Seite des Konzils. Die Zahl der Versammelten mehrte sich mit jedem Tag. Im Frühjahr 1432 erschien auch Capranica, ein Mann von fleckenloser Reinheit des Charakters, begleitet von seinem Sekretär Aeneas Sylvius Piccolomini, um gegen Eugen Klage zu erheben. Das Konzil bestätigte seine Kardinalswürde, und bald trafen auch andere Kardinäle ein, welche Rom in heimlicher Flucht verlassen hatten. Die öffentliche Meinung richtete sich entschieden gegen die Alleingewalt des Römischen Stuhls und die Lehre der Thomisten, daß der Papst unfehlbar und der absolute Diktator der Kirche sei. Der Episkopat machte seine Rechte gegen Rom wieder geltend. Schon am 21. Januar erneuerten die Basler die großen Grundsätze von Konstanz, daß die allgemeine Kirchenversammlung die gesamte Kirche darstelle, selbständig und unauflösbar sei und über dem Papst stehe, und sie forderten am 29. April Eugen auf, in drei Monaten persönlich oder durch Stellvertreter zu seiner Rechtfertigung zu erscheinen. Die Zustimmung sowohl des Königs von Frankreich als vor allem die Aufmunterung des reformeifrigen Sigismund gab ihnen Mut, diesen Verfassungskampf mit dem Papst zu wagen, dessen Ausgang das Schicksal der Kirche für die Zukunft entscheiden mußte.

Der römische König befand sich damals in Italien, wohin er schon im November 1431 gegangen war, um die Rechte des Reiches herzustellen und nach alter Sitte beide Kronen in Mailand und in Rom zu nehmen. Wenn dies späte Verlangen nach einem Titel fast launenhaft erschien, so war es am wenigsten damals verständig. Ohne Heer, nur mit einigen hundert ungarischen Reitern konnte Sigismund keinen Eindruck auf die Italiener machen, die seiner Majestät spotteten. Er brachte außerdem die Sache der Reform in Gefahr, indem er dem Papst Gelegenheit gab, die Bewilligung der Kaiserkrönung an Bedingungen zu knüpfen, welche gegen das Konzil gerichtet waren.

Sigismund fand Italien von jenen innern Kriegen erfüllt, welche dieses Land noch fast hundert Jahre lang peinigten. Noch immer kämpften Florenz und Venedig wider den Herzog von Mailand, und diesen begünstigte der römische König, ja er war von ihm zu Hilfe gerufen und hatte mit ihm ein Bündnis gegen Venedig gemacht, während Eugen als Venetianer sich veranlaßt fühlte, wider den Visconti Partei zu ergreifen. Am 25. November 1431 nahm Sigismund in S. Ambrogio die eiserne Krone und blieb den Winter in Mailand, ohne daß ihn Filippo Maria einer persönlichen Begrüßung würdigte. Er wollte schnell nach Rom gehen, wo die Colonna ihn erwarteten. Aber Eugen widersetzte sich der Romfahrt, sowohl aus Feindschaft gegen Mailand, als aus Mißtrauen gegen das Konzil, welches Sigismund beschützte. Am Anfange des folgenden Jahres zog dieser nach Piacenza. Dort erfuhr er die Veröffentlichung der Bulle Eugens zur Auflösung des Konzils und protestierte durch ein Schreiben an den Papst. Sodann ging er nach Parma und Lucca. Lucca wie Siena waren Verbündete des Herzogs gegen Florenz, und diese Republik mahnte den Papst dringend von der Krönung Sigismunds ab. Sie bewog ihn, seine Truppen mit den ihrigen zu vereinigen, um den Übergang des Königs über den Arno zu verhindern, was jedoch nicht gelang. Denn glücklich erreichte er Siena, wo er am 11. Juli 1432 einzog und mit prachtvollen Festen geehrt wurde. Sigismund blieb daselbst, gleichsam eingesperrt, neun lange Monate, zur Verzweiflung der Sienesen, welche den kostbaren Gast und seinen gierigen Hof verpflegen mußten. Er unterhandelte eifrig wegen der Kaiserkrönung mit dem Papst; denn Eugen forderte als ihren Preis die Zustimmung des Kaisers zur Verlegung des Konzils in eine Stadt Italiens. Doch dies erreichte er nicht. Den Baslern selbst hatte Sigismund feierlich gelobt, nicht eher die Kaiserkrone zu nehmen, bis nicht der Papst das Konzil anerkannt habe. Bereits war dasselbe machtvoll gegen Eugen vorgeschritten; es hatte ihn am 6. September 1432 in Anklage versetzt und am 18. Dezember aufgefordert, seine Bulle innerhalb sechzig Tagen zu widerrufen, unter Androhung des Prozeßverfahrens. Fürsten und Völker, Synoden und Universitäten stimmten diesen kräftigen Handlungen bei und ließen das Papsttum sinken. Eugen fürchtete seine Absetzung; er unterhandelte mit Basel und mit Sigismund zugleich. Am 14. Februar machte er ein erstes Zugeständnis: er erließ eine Bulle, worin er zweideutig erklärte, daß er durch seine Legaten ein Konzil in Basel wolle abhalten lassen. Aber die Väter verlangten die Rücknahme der Auflösungsbulle und die klare Anerkennung, daß das Konzil bereits eröffnet sei und zu Recht bestehe. Sie forderten Sigismund auf, heimzukehren. Der König hatte sich jedoch schon in zu tiefe Unterhandlungen mit dem Papst eingelassen; er befand sich zu Siena in drückender Verlegenheit, wollte nicht mehr ohne die Krone vor den Toren Roms umkehren und gab sich deshalb mit den Versprechungen Eugens zufrieden.

Am 8. April schlossen seine Machtboten, der Kanzler Kaspar Schlick und Graf Matiko, in Rom den Krönungsvertrag. Sie gelobten, dahin zu wirken, daß Eugen IV. als der unzweifelhafte Papst von der Christenheit anerkannt werde. Als das Konzil davon Kunde erhielt, kam seine Mahnung an den König zu spät. Da nun auch der Friede zwischen Florenz, Venedig und Mailand am 26. April unterzeichnet worden war, rief Eugen den König von Viterbo nach Rom. Dem Vertrag gemäß sollte er nur mit seinem Hofgefolge kommen, und als solches galten die sechshundert Reiter und einige hundert Mann Fußvolk, mit denen derselbe Sigismund kläglich einherzog, welcher einst in den Zeiten des Konzils zu Konstanz so groß gewesen war.

Er ritt in Rom ein, am 21. Mai 1433, auf einem weißen Roß, unter goldenem Baldachin, ein freundlicher Herr mit ergrauendem Bart, würdevoll und voll Humanität. Er nahm Wohnung im Palast des Kardinals von Arles am St. Peter. Eugen IV. krönte ihn am 31. Mai, worauf der Kaiser die Konstitution seiner Vorgänger in bezug auf den Kirchenstaat und die Immunität des Klerus bestätigte. Bei seinem Krönungsritt nach dem Lateran fehlten die strahlenden Ritter, die Städteboten, die großen Vasallen Italiens, und des Kaisers Roß führten statt der Senatoren oder Barone der Soldan, das heißt der Polizeikapitän des Papstes, und ein Römer vom Haus Mancini. Auf der Engelsbrücke schlug er viele Herren zu Rittern, unter ihnen auch Kaspar Schlick, den er zum lateranischen Pfalzgrafen erhob. Durch den Akt seiner Krönung hatte sich Sigismund den Traditionen des Mittelalters wieder zugewendet und der neuen Zeit abgekehrt; dagegen hatte der Papst durch sie eine moralische Stärkung gegenüber dem Reformkonzil erlangt. Er gewann jetzt vom Kaiser, was ihm der römische König nicht zugestanden: Sigismund erkältete für das Konzil. Noch bis zum 14. August blieb er in Rom, im freundlichsten Verkehr mit dem Papst und eifrig mit der Besichtigung der Monumente der Stadt beschäftigt, wobei ihm der berühmte Antiquar Cyriacus von Ancona zum Führer diente. Die Kosten seines römischen Aufenthalts und seiner Heimreise erbettelte er von den Reichsständen, selbst von Venedig. Er zog endlich ruhmlos von Rom ab, ging über Todi, Perugia, Ferrara nach Mantua, wo er Gianfrancesco Gonzaga am 22. September zum Markgrafen ernannte. Dann eilte er nach Tirol, jetzt Freund der Venetianer und Feind Viscontis. Als gekrönter Kaiser und bescheidener Reisender traf er am 11. Oktober 1433 in Basel ein.

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