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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 321
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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3. Die Kirchenspaltung. Die beiden Päpste. Die Länder, welche ihnen anhängen. Karl IV. stirbt 1378. Wenzel römischer König. Das Reich anerkennt Urban VI. Die Engelsburg hält sich für Clemens VII. Alberino von Barbiano siegt über die Bretonen bei Marino. Die Engelsburg fällt und wird von den Römern zerstört. Urban VI. im Vatikan. Clemens VII. flieht nach Avignon. Prozeß Urbans wider Johanna. Er stellt Karl von Durazzo als Prätendenten Neapels auf. Ludwig von Anjou Gegenprätendent. Urban VI. Herr in Rom. Katharina stirbt 1380. Ihre Verehrung in Rom. Sie wird im Jahr 1866 von Pius IX. zur Schutzpatronin der Stadt erklärt.

Die Stimmen der Heiligen riefen Wehe, und Propheten taten angeblich längst gehabte Offenbarungen kund. Die Kirche ward unter zwei Päpste geteilt. Denn die baldige Anerkennung durch Frankreich nahm dem Pontifikat Clemens' VII. den Charakter des Gegenpapsttums. Erlauchte Körperschaften wie die Pariser Universität, Hunderte von Bischöfen, große Länder und Völker sprachen sich für ihn aus. Bald aber wußte niemand zu sagen, welcher Papst der wahre sei. Wenn Urban VI. eine heilige Prophetin neben sich stehen hatte, so konnte Clemens VII. einen nicht minder bewunderten Heiligen als Mitstreiter in den Kampf führen; denn der spanische Dominikaner Vincenz Ferreri war sein Prophet. Wenn die Gläubigen die Persönlichkeiten beider Päpste verglichen, so mußte sie das Urteil, wer von ihnen minder gut oder minder schlecht sei, in Verlegenheit bringen. Der hinkende und schielende Kardinal von Genf besaß wenigstens mehr Beredsamkeit, mehr Sitte und Talent als der rohe Neapolitaner Prignano. Auch war seine Wahl politisch gut berechnet. Er war nicht Franzose und doch mit Frankreich verbunden, mächtig und reich, Sohn des Grafen Amadeus von Genf, mit vielen Fürstenhäusern verwandt. Er sprach Französisch, Deutsch, Italienisch und Latein. Von Natur zum General geschaffen, legte er stets kriegerische Neigung an den Tag. Das Blut Cesenas klebte an seiner Hand. Seine Macht, erst gering, mehrte sich. Bretonische Söldner bildeten sein Heer; der Graf von Fundi gab ihm Schutz, und das reiche Frankreich, Neapel und Savoyen, später auch Spanien und Schottland anerkannten ihn als rechtmäßigen Papst. Dagegen wurde Urban VI. vom Reich und dem ganzen übrigen Abendlande behauptet. Der Kaiser hatte sich sofort für ihn ausgesprochen und würde ihm nachdrückliche Unterstützung geboten haben, wenn er nicht schon am 29. November 1378 starb. Karl IV. hinterließ das römische Königtum seinem Sohne Wenzel, für welchen er bereits im Jahre 1376 die Nachfolge von den Kurfürsten erkauft und die Bestätigung von Gregor XI. erlangt hatte. Auch Urban VI. hatte den neuen römischen König eilig anerkannt. Zugleich hatte er mit Bernabò, mit Florenz und Perugia Frieden geschlossen und dadurch die größte Gefahr von sich entfernt, während der Besitz Roms, wo seine Gegner nur die Engelsburg behaupteten, ihm unleugbare Vorteile über Clemens VII. gab.

Dies Kastell mußte vor allem erobert werden. Die Römer hatten es seit der Krönung Urbans belagert und bedrängten es durch Schanzen, nachdem sie die Engelsbrücke durchschnitten hatten. Doch war es mit Lebensmitteln und Geschütz wohl versorgt. Schonungslos feuerte sein provençalischer Hauptmann in die Stadt, und so donnerten zum ersten Male in der Geschichte Kanonen von diesem Grabmale Hadrians. Der Borgo ward in Asche gelegt und absichtlich zerstört. Johann und Rainald Orsini, die Brüder des Kardinals Jakob, Jordan Orsini del Monte, Honoratus von Fundi, welchen Clemens VII. alsbald zum Rector der Campania und Maritima gemacht hatte, und der Präfekt belagerten die Stadt von mehreren Seiten, schnitten ihr die Zufuhr ab und erzeugten Hungersnot. Sie sah sich von allen Schrecken des Kriegs bedroht wie in der Zeit Gregors VII. oder Alexanders III., aber das Schisma war ihrer Freiheit günstig. Denn am Ende des Jahres 1378 und am Anfang des folgenden regierten die volkstümlichen Behörden ohne Senator.

Die Trennung des mächtigen Jordan del Monte, welcher mit dem römischen Volk Frieden schloß, von den übrigen Orsini und von seinem Neffen Honoratus war von Einfluß auf den Campagnakrieg der beiden Päpste; denn sie griffen jetzt mit Wut nach dem Schwert. Urban hatte einen berühmten Hauptmann in Sold genommen, Alberigo von Barbiano, Grafen von Cunio in der Romagna, den Gründer der Kompanie St. Georg, aus welcher die namhaftesten Condottieri Italiens hervorgingen. Diese Bande war im Veronesischen entstanden, 800 Lanzen stark und fast nur aus Italienern gebildet. Urban rief sie nach Rom, um wider die Bretonen des ultramontanen Gegners zu streiten. Mit Soldbanden bekriegte ein Papst den andern. Das Schisma nahm auch hier einen nationalen Charakter an; denn die erste italienische Kompanie stand auf seiten des italienischen Papsts, die fremde Soldbande auf seiten des fremden Papsts. Clemens VII. hatte die wilden Bretonen unter dem Grafen Montjoie, seinem eigenen Nepoten, und dem Hauptmann Bernard von Sala gegen Rom geschickt, zum Entsatz der Engelsburg; ihnen aber zogen die Italiener unter Alberigo und Galeazzo Pepoli am 29. April nach Marino entgegen, wo sie die Bretonen mit ihren Anführern zusammenhieben und gefangennahmen. Dies Treffen, welches sich zwei Päpste im Angesichte Roms lieferten, machte in der Geschichte Italiens Epoche; der erste Sieg einheimischer Waffen über die fremden Freibeuterkompanien war erfochten worden; Italien erhob sich aus seinem Schlaf, und von jenem Tage konnte die Erschaffung einer neuen italienischen Kriegskunst hergeleitet werden.

Alberigo zog triumphierend in Rom ein. Urban machte ihn zum Ritter und beschenkte ihn mit einer Fahne, worauf in goldenen Lettern zu lesen stand: »Italia von den Barbaren befreit«. So wurde in dem greuelvollen Schisma wenigstens ein edler nationaler Gedanke als ein schwaches Licht den Italienern sichtbar. Noch an demselben Schlachttage ergab sich die Engelsburg unter Vermittlung des Kanzlers Johannes Cenci. Der Papst wollte sie für sich haben, aber das römische Volk erlaubte es ihm leider nicht. Von diesem Grabmal aus war Rom fast ein Jahr lang bedrängt worden, und doch hatte die bretonische Besatzung nur 75 Mann betragen. Nun sahen es die Römer kaum in ihrer Gewalt, als sie sich auf diese Zwingburg stürzten, sie dem Boden gleichzumachen. Seit der ersten Belagerung unter Belisar waren tausend Kriegsstürme über dies ehrwürdige Mausoleum hingegangen, ohne es gänzlich zu zerstören. Es dauerte noch, zwar schmucklos und verwandelt, mit geschwärzten Marmorquadern, mit hohem Rundgemäuer, über dem die Orsini einen Kranz von Zinnen aufgesetzt hatten, und mit angebauten Türmen und Flankenmauern. Cimabue, welcher im Jahr 1272 in Rom war, hat in einem Gemälde zu Assisi eine Ansicht Roms dargestellt und in dieser auch das Abbild der Engelsburg gegeben. Wie dieselbe im XIII. Jahrhundert und bis 1379 ausgesehen hat, läßt sich aus dieser Darstellung erkennen. Das Mausoleum zeigt einen viereckigen Unterbau aus Quadern mit Eckpfeilern; auf dem Gesimse sieht man noch Bukranien und Gewinde. Aus diesem mächtigen Würfel steigt ein Rundbau von Quadern empor, der viereckige Fenster hat und mit Zinnen versehen ist. Über ihm erhebt sich ein mittelalterlicher Turm, viereckig und oben platt, vollkommen dem Turmaufsatz der Milizen und der Torre de' Conti entsprechend. Die Kapelle St. Michaels ist in diesem Abbilde nicht angedeutet. So also sah die Engelsburg aus, als sie im April 1379 zerstört wurde. Petrarca würde sich entsetzt haben, hätte er diese Römer gesehen, welche mit barbarischer Zerstörungswut eins der merkwürdigsten Monumente ihrer Stadt vernichteten, unbekümmert um die zürnenden Schatten des Hadrian und Belisar , des Crescentius und Gregor VII. So waren es immer wieder die Römer selbst, welche die Denkmäler ihrer eigenen Geschichte zerstörten. Das Grabmal ward umgerissen bis auf den innern Kern, der die Gruftkammer umschließt. Nur der Festigkeit dieser schwarzen Peperinmasse ist es zu verdanken, daß der antike Bau, obwohl in veränderter Gestalt, noch heute Rom überragt, erst ein Kaisergrab, dann ein Kerker und ein Turm, dann das Grabmal der römischen Freiheit im Mittelalter, dann bis auf diese Tage, wo, während wir diese Geschichte schreiben, die letzte Stunde der päpstlichen Herrschaft nahe zu sein scheint, die Burg der weltlichen Papstgewalt und für ewige Zeiten eine Schatzkammer geschichtlicher Erinnerungen. Die Trümmer der Engelsburg blieben jahrelang am Boden liegen. Man schaffte die Marmorsteine fort, um Plätze damit zu pflastern und Bauten aufzuführen; auf dem Schutt kletterten Ziegen umher.

Der Fall des Kastells setzte Urban VI. auch in Besitz des Vatikan. Er zog dort ein in feierlicher Prozession mit nackten Füßen, was ein so ungewöhnlicher Anblick geworden war, daß Katharina dem Papst das Lob der Demut erteilte.

Clemens VII. sah sich jetzt in Gefahr; denn Alberigo konnte täglich vor Anagni erscheinen und ihn selbst dort belagern. Er floh erst nach Sperlonga bei Gaëta, dann suchte er in Neapel Schutz. Die Königin beherbergte ihn hier unter Festen im Castel dell' Uovo, aber das neapolitanische Volk sah mit Unwillen einen Fremdling als Papst anerkannt, einen Landsmann als Papst verworfen, und es erhob eines Tags den Ruf: »Es lebe Urban VI.!« Man plünderte die Häuser der Ultramontanen. Die erschreckte Königin aber ließ ihren Schützling nach Fundi zurückkehren. Fortan haltlos in Italien, schiffte er sich am Ende Mai in Gaëta ein. Frankreich empfing ihn mit geräuschvollen Ehren; die fünf Kardinäle, welche dort noch vom französischen Papsttum übriggeblieben waren, kamen ihm huldigend entgegen, und Robert von Genf ritt, die Tiara auf dem Haupt, in die finstere Burg Avignon, die sich plötzlich wieder mit einem päpstlichen Hof belebte. Die Frage, ob das Papsttum außerhalb Roms gedacht werden könne, sollte zum zweitenmal entschieden werden. Die Geschichte hat das Urteil zugunsten Roms gefällt. Denn Avignon steht in der christlichen Kirche nur da wie Samaria mit seinem Tempel nach der Spaltung des Judentums, während Rom das theokratische Jerusalem blieb, worin die Bundeslade der katholischen Religion bewahrt wird.

So überzeugend waren die Erfolge Urbans, daß selbst Johanna aus Furcht ihn anerkennen wollte und ihm Gesandte schickte. Doch die Versöhnung kam nicht zustande; die sinnlose Königin schreckte vor einem Bruch mit Frankreich zurück und blieb Anhängerin Clemens' VII. Der Haß Urbans gegen dieses Weib war grenzenlos; er zitterte vor Ungeduld, sie von ihrem blutbefleckten Thron zu stoßen, auf welchen sie nur die avignonesischen Päpste gesetzt hatten. Ein spätes aber schreckliches Strafgericht ward vollzogen, und das Schisma, welches Johanna begünstigte, wurde der Abgrund, in den sie selber fiel.

Am 21. April 1380 erklärte Urban die Königin des Thrones entsetzt. Er rief einen Vollstrecker seines Urteils. Ludwig von Ungarn willigte darein, daß sein Neffe die ihm dargebotene Krone zu erobern ging, denn er wünschte diesen ehrgeizigen Prinzen zu entfernen, um seiner eigenen Tochter Maria die Krone zu sichern. Karl, Sohn Ludwigs von Durazzo, mit dem Zunamen della Pace, vom Ungarnkönige erzogen, war als dessen General mit 10 000 Lanzen im Jahre 1379 nach Treviso gerückt, die Venezianer zu bekämpfen, welche damals den durch die Heldentaten Vittore Pisanos und Carlo Zenos unsterblichen Krieg mit Genua führten. Er vernahm den Ruf des Papsts mit Begier und versprach, mit einem Heer nach Rom zu eilen, sobald der venezianische Krieg beendigt sei. Urban erkannte, daß die Erhebung eines von ihm selbst geschaffenen Königs auf den Thron Neapels das Mittel sei, Clemens VII. von Italien auszuschließen und das Schisma auf Frankreich zu beschränken. Er sah sich in der Lage jener Päpste, die den ersten Anjou gegen König Manfred ausgeschickt hatten. Wie sie war er in Verlegenheit, Geld zu schaffen, um Karl zu seinem Zuge auszurüsten. Dagegen flossen die französischen Hilfsmittel seines Gegners reichlicher. Auch bewaffnete Clemens VII. in seiner Not einen ländergierigen Gegenprätendenten, den Bruder Karls V. von Frankreich, Louis, Herzog von Anjou, welchen darin die bedrängte Johanna am 29. Juni 1380 als Erben adoptierte und nach Neapel rief. So flochten die beiden Päpste und Johanna ein todbringendes Gewebe, worin sich Generationen verfingen, und das unselige Neapel büßte den Egoismus weniger Menschen durch lange und schreckliche Erschütterungen. Clemens VII. bestätigte jene Adoption. Er war von so blindem Haß wider Urban erfüllt, daß er sogar den Kirchenstaat zu einem Königreich Adria erheben und Louis damit belehnen wollte. Dies neue Königreich sollte nach dem Muster des einst für Karl von Anjou geschaffenen Lehnsstaates Sizilien eingerichtet werden.

Urban VI. war damals Herr in Rom geworden. Der Sieg bei Marino hatte ihm die Kraft gegeben, eine Empörung zu bewältigen, welche seine gewalttätige Weise herbeigerufen hatte oder die durch die Agenten des Gegenpapsts erzeugt worden war. Die Römer stürmten eines Tags den Vatikan; Urban ließ die Türen des Palasts weit auftun und zeigte sich dem Volk auf dem Thron, wo er seine Brust den Schwertern der Eindringenden darbot. Seine männliche Energie entwaffnete die Empörer, die auf ihr Antlitz niedersanken, und Katharina beschwichtigte die Wut des Volks wie des Papsts.

Dies war die letzte Tat der Heiligen. Sie starb, 33 Jahre alt, am 29. April 1380. Wie ein Cherub schwebte ihre Gestalt in der Finsternis jener Zeit, welche ihr anmutvolles Genie mit einem milden Schimmer überstrahlt hat. Ihr Leben ist ein würdigerer und sicher mehr menschlicher Gegenstand für die Geschichte als das der Päpste ihres Zeitalters. Sie gehört nicht bloß dem sparsamen Katalog an, worin die Erscheinung einer echten Tugend verzeichnet wird, sondern sie war auch eine geschichtliche, weil moralische Kraft ihrer Epoche, wie lange vor ihr Mathilde von Canossa und vierzig Jahre nach ihr die Jungfrau von Orleans. Wenn aber der großen Beschützerin Hildebrands ihre fürstliche Stellung Macht und Einfluß gab, so ist die Wirkung, welche die arme Färberstochter auf ihre Welt hatte, um so bewunderswerter. Sie beruhte auf der Gewalt eines genialen und prophetischen Frauengemüts. Die Menschheit staunt solche Wesen immer am meisten an, welche das eigene Ich überwinden, und sie betrachtet diese ihre unbegreifliche Tat als die Lösung des höchsten Problems in der moralischen Natur. Es ist wohl wunderbar, jene Heilige neben einer Königin Johanna zu sehen, an welche sie Briefe gerichtet hat, oder neben den Päpsten Avignons und dann neben Urban VI. und Clemens VII. Sie wanderte zwischen Frankreich und Italien, zwischen Avignon und Rom als Vermittlerin der Eintracht hin und her. Sie war die Gesandte von Päpsten, Fürsten und Republiken, welche wichtige Friedensgeschäfte in die Hände eines Mädchens ohne Erfahrung legten, dessen Sprache nur der graziöse Dialekt des Volkes von Siena war. Mit der dichterischen Phantasie des Heiligen Franziskus verband sie mehr praktische Kraft als dieser besessen hatte. Sie hatte eine weitreichende politische Beziehung zu ihrem Vaterlande. Ihre merkwürdigen Briefe, melodisch wie Sprache von Kindern und wie in einer fremdartigen Sphäre des Gedankens empfunden und ausgesprochen, zeigen uns dies rätselhafte Geschöpf zugleich in praktischem Verkehr mit allen hervorragenden Personen ihrer Zeit, wie es einst vor ihr Pier Damiani gewesen war. Sie schrieb an Kardinäle, Fürsten und Tyrannen, an Bandengenerale, Häupter von Republiken, Könige und Päpste mit einem bezaubernden Freimut. Sie ermahnte zumal Gregor XI. und Urban VI. mit dem glühenden Eifer einer Priesterin, die Kirche zu reinigen, und fast auf jeder Seite ihrer Briefe steht das große Wort: »Reformation«. Von den beiden Aufgaben, welche ihre Seele erfüllten, war die eine, die Rückkehr des Heiligen Stuhls nach Rom, verwirklicht worden, aber die andere, jene Reform des mißgestalteten Klerus, nur ein verzweifelnder Wunsch. Sie starb in tiefem Kummer über die furchtbare Spaltung, welche die Kirche zerriß. Das römische Volk bestattete diese Heilige unter dem Beistande des Senators Johann Cenci und der Behörden der Republik im schönen Tempel S. Maria sopra Minerva, wo sie noch heute die Ehren des Altars genießt. So dankte ihr Rom für ihre Mitwirkung zur Rückkehr des Papsttums, und selbst noch nach fast einem halben Jahrtausend lebt hier diese Erinnerung fort. Denn auf den Antrag des Senats und durch eine Bulle Pius' IX. wurde Katharina im Jahre 1866 zur Schutzpatronin der Stadt erklärt, damit sie durch ihre Fürbitten im Himmel denselben Heiligen Stuhl in Rom festhalte, welchen sie aus Avignon nach dem St. Peter zurückgebracht hatte. Italien darf sie als eine Nationalheilige verehren, und so verarmt war in der Epoche Avignons dies Land an großen Bürgern, daß seine aufgeklärtesten Patrioten waren: ein Poet im Abbatenkleide, ein wahnsinniger Tribun und ein visionäres Mädchen aus dem Volk.

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