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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 315
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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4. Urban V. beschließt die Rückkehr nach Rom. Widerspruch der Franzosen und der Kardinäle. Petrarcas Satiren wider Avignon. Sein Ermahnungsbrief an Urban 1366. Seine Apologie Italiens und Roms. Gründe, welche Urban bewogen, Avignon zu verlassen. Seine Romfahrt 1367. Die Flotte im Hafen Corneto. Landung Urbans. Er geht nach Viterbo. Tod des Albornoz. Tumult in Viterbo. Einzug Urbans in Rom, 16. Oktober 1367.

Schon vorher hatte Urban V. den Entschluß gefaßt, nach Rom zurückzukehren. Karl IV. hatte ihn im Mai 1365 darin bestärkt und ihm zugesagt, ihn in Person zu geleiten. Die stürmischen Bitten der Römer und aller italienischen Patrioten fanden endlich ein geneigtes Gehör bei dem sechsten avignonesischen Papst. Aber kaum hatte Urban seinen großen Entschluß kundgetan, als sich ein Sturm dawider erhob. Karl von Frankreich, alle Höflinge und Kardinäle bekämpften, nur die drei Italiener im heiligen Kollegium verfochten diesen Plan. Von Heimatliebe und Nationaldünkel erfüllt, besorgt um den Verlust ihrer Macht in der Kurie, bebten jene Prälaten vor dem Gedanken zurück, das üppige Avignon mit dem wüsten Rom zu vertauschen. Sie lebten an den Ufern der Rhone in fürstlichem Müßiggange; sie schwelgten in ihren Palästen im Luxus des Orients und Okzidents, während die Mißbräuche der Kirchenverwaltung ihre Truhen mit Reichtümern füllten. Frankreich und Italien machten den Besitz des Papsts einander streitig, und ihre Nationaleifersucht enthüllte schon das werdende Schisma. Auf der einen Seite stand der Egoismus der Franzosen, welche einen Ausnahmezustand zum Gesetz machen wollten; auf der andern das historische Recht der Italiener, welche behaupteten, daß Rom der von Gott auserwählte Sitz der beiden »Weltgipfel«, des Kaisers und des Papsts, sei. Die schwachen Gründe der Franzosen unterstützte kaum die Hinweisung auf die Versunkenheit Roms und die Auflösung Italiens, denn auch das damalige Frankreich war einer Wüste gleich.

Die Satiren Petrarcas auf Avignon atmen einen patriotischen Haß, der als der wahre Ausdruck des italienischen Nationalgefühls betrachtet werden muß. Er nannte Avignon bald Babylon, bald die Hölle, worin der Cerberus alles verschlinge; nicht eine Stadt sei dies, sondern ein Sitz der Dämonen, ein Pfuhl aller Laster, die irgend Namen haben. Er verglich den Papst mit dem Türme bauenden Nimrod. Seine Briefe sind voll von den anziehendsten Schilderungen des Lebens am päpstlichen Hof und der verdorbenen Sitten jenes Damaskus, wo alles für Gold feil sei und der Strudel der Wollust jede Unschuld rettungslos begrabe. Die bis zum Fanatismus gesteigerte Liebe zu dem verlassenen Rom riß Petrarca zur Ungerechtigkeit hin. Avignon, welchem er den Gegenstand seiner dichterischen Begeisterung und vielleicht seinen Ruhm verdankte, büßte in seinen Augen für die Laster, die der Kurie jener Zeit, nicht dem schuldlosen Boden der Provence angehörten, und die Franzosen konnten vielleicht nicht ohne Grund behaupten, daß diese Laster erst durch die Italiener eingeführt seien, während sie mit nicht minderem Recht erklärten, daß Avignon dem Papsttum nicht ein Exil, sondern ein Asyl dargeboten habe.

Am 28. Juni 1366 ermahnte Petrarca Urban V. in einem langen Briefe zur Rückkehr nach Rom. Dies merkwürdige Schreiben trägt die Spuren der Ermüdung und des Alters, aber seine kühne Sprache spiegelt ein republikanisches Jahrhundert ab und könnte heute nicht mehr vernommen werden. Wie er als Jüngling an Benedikt XII., als Mann an Clemens VI. geschrieben hatte, so schrieb er jetzt als Greis an Urban V. Mit furchtlosem Ernst griff er die Laster der Kurie und die selbstsüchtige Eitelkeit der Kardinäle an und mahnte den Papst an seine Pflicht als Bischof von Rom.

Das Urteil der Welt hat seit dem XVI. Jahrhundert Italien für das Paradies Europas erklärt, aber noch im XIV. mußte Petrarca die Vorzüge seines Vaterlandes gegen die Franzosen verteidigen. Er entdeckte gleichsam für sie die Schönheiten der italienischen Natur. Die Provençalen hatten die ärgsten Vorstellungen über das Klima, die Produkte und das Volk des hesperischen Gartens Virgils. Für sie lag Italien außerhalb der Welt, und der Übergang über die Alpen wie die Fahrt über das Mittelmeer erschien ihnen gleich furchtbar. Petrarca mußte ihnen sagen, daß die Reise dorthin so zu Lande wie zu Wasser entzückend schön sei. Er entwarf die ersten Schilderungen von der Herrlichkeit und Fruchtbarkeit Italiens, welches er das schönste Land unter dem Himmel nannte. Er verteidigte auch Rom; die Landschaft rings um die Stadt sei fruchtbar, und diese selbst stehe der Zufuhr auf dem Tiber offen; die verweichlichten Kardinäle könnten sich dorthin ihren Burgunder von Beaune ohne Mühe kommen lassen. Es sei lächerlich zu denken, daß zwanzig oder dreißig geistliche Väter nicht in Rom leben könnten, wo 300 patres conscripti, wo so viele Kaiser und Fürsten, so zahllose Bürger und Fremde im Überfluß gelebt hatten. Er mahnte Urban an die Türkengefahr; die Kirche sei im Osten bedroht, und er, der Papst, verstecke sich in einem Winkel des Westens, anstatt dem Feinde nach Rom und selbst nach Konstantinopel entgegenzusehen. Er mahnte ihn an das Tribunal Gottes, vor dem er Rechenschaft abzulegen habe, wenn ihn Christus einst fragen würde, warum er den Fels Avignons statt des ihm von Gott angewiesenen Kapitols zum Sitz gewählt habe. »Was wirst du Petrus antworten, wenn er dir sagen wird: ich floh aus Rom vor der Wut Neros; mein Meister tadelte meine Flucht, und ich kehrte nach Rom zurück in den Tod; doch sprich, welcher Nero und Domitian hat dich aus Rom verbannt? – Willst du beim jüngsten Gericht lieber unter den ruchlosen Sündern Avignons statt zwischen Petrus und Paulus auferstehen?«

Der Ruf eines von ihm selbst hochgeehrten Genies war es nicht, was Urban V. zu einem großen Schritt bewog. Sein Aufenthalt in Avignon war unsicher geworden: er wie sein Vorgänger hatten sich dort von den Soldbanden schimpflich abkaufen müssen. Die französischen Verhältnisse verwirrte der furchtbare Krieg mit England. Frankreich glich einer Einöde, welche Raub, Hunger und Pest durchzogen. Der schwarze Tod hatte zu Avignon im Jahre 1361 neun Kardinäle, siebzig Prälaten und 17 000 Menschen vom Volk hingerafft. Das Papsttum, in der Abhängigkeit von Frankreich klein geworden und in lokaler Beschränktheit erschlafft, bedurfte der welthistorischen Luft Roms, um sich neu zu beleben. Der Exodus der Päpste nach Avignon war eine Anomalie. Rom forderte seinen Verbannten mit historisch begründeter Notwendigkeit zurück. Dies war die theokratische Stadt, der durch Legende, Geschichte und den Glauben der Menschheit geheiligte Sitz der Kirche, außerhalb dessen das Papsttum aller jener mystischen Schleier entbehrte, die es dem forschenden Blick der Welt entzogen. Die lange Residenz in Avignon hatte diese Schleier zerrissen, es selbst profanisiert und der kritischen Untersuchung des Abendlandes bloßgestellt. Wie richtig auch der Satz der Avignonisten im Prinzip war, daß der Papst überall in der Welt die Kirche vertrete, so unumstößlich ist doch diese Wahrheit, daß er unter welchen Verhältnissen immer außerhalb Rom nur als ein heimatloser Verbannter erscheinen muß. Auch war jetzt der Kirchenstaat durch das Genie des Albornoz dem Heiligen Stuhle wieder unterworfen. Die florentinische Liga war abgeschlossen; eine andere mit den oberitalischen Dynasten zur Sicherung des Kirchenstaats gegen die drohende Macht Bernabòs im Werk. Die Seestädte versprachen Schiffe zur Überfahrt; der Kaiser selbst bot persönliches Geleit. Und was war natürlicher als dies, daß der Kaiser der Römer den Papst in die Ewige Stadt zurückführte! Welches größere Schauspiel konnte Italien geboten werden, als der feierliche Einzug beider Häupter der Christenheit in das so lange verlassene Rom? Die Kaiserfahrt zum Geleite des Papsts wurde sogar auf einem Reichstag in Frankfurt beschlossen. Urban V. sprach Karl seine Freude über diesen Beschluß aus; er wünschte seine Herbeikunft zur Beruhigung Italiens, doch er scheute sich, den mächtigen Bernabò zu reizen, welcher den Kaiser von Italien fernzuhalten begehrte.

Mutig entschlossen verließ Urban Avignon am letzten April 1367. Fünf Kardinäle blieben dort zurück. Petrarca hat ein boshaft übertriebenes Bild von dem Zustande gemalt, in welchen die weibisch jammernden Prälaten gerieten, als die Flotte aus Marseille am 20. Mai in See ging und das heimatliche Land ihren Blicken entschwunden war. Sie klagten, als ob sie nicht als Kirchenfürsten nach der Hauptstadt der Christenheit, sondern als Türkensklaven nach Bagdad geführt werden sollten. Die prachtvoll gerüstete Flotte von sechzig Galeeren, welche Neapel, Venedig, Genua und Pisa gesendet hatten, bedeckte das Meer wie eine schwimmende Stadt. Sie landete am 23. Mai in Genua, wo Urban mit unermeßlichem Jubel empfangen ward, wie einst Innocenz IV. Er blieb dort fünf Tage. Am 1. Juni war er im Hafen von Pisa; am 4. lief die Flotte im Hafen Cornetos ein. Dies war damals ein reicher und kornbauender Ort, dessen schöne Türme die Zeitgenossen priesen; und noch heute geben sie der Stadt ein mittelalterliches Ansehen. Zahlloses Volk empfing den heiligen Vater am Ufer. Herren aus der Romagna, aus Spoleto und der Mark, Gesandte von Orvieto, Pisa und Florenz, von Siena, Perugia und Viterbo, Grafen, Barone, Bischöfe und Äbte von nah und fern knieten andachtsvoll auf jenem Gestade des Kirchenstaats, welchen ein Papst nach mehr als sechzig Jahren zum erstenmal wieder betrat. Eine mit Teppichen bedeckte Treppe war ins Meer gebaut, und reich geschmückte Zelte standen am Ufer. Den Landenden holte der Mann ein, ohne welchen Urban V. diese Fahrt nie würde gewagt haben: denn Albornoz war es vor allen, der das Papsttum aus Avignon nach Italien zurückführte. Als der große Tyrannenbändiger, welcher Rom, Tuszien und Spoleto, Umbrien, die Marken, die Romagna nach so langen Kämpfen dem Heiligen Stuhl unterworfen und eben erst auch Assisi der Kirche zurückgeführt hatte, jetzt ein lebensmüder Greis, vor Urban auf die Knie niedersank, stellte er in seiner Person den ihm huldigenden Kirchenstaat dar. Der Papst las Messe am Ufer, dann zog er in das festlich prangende Corneto ein. Er blieb dort fünf Tage lang im Kloster der Minoriten und feierte daselbst das Pfingstfest. Alsbald erschienen vor ihm Boten vom Kapitol; sie übergaben ihm das volle Dominium Roms und die Schlüssel der Engelsburg.

Über Toscanella ging Urban weiter nach Viterbo. Er hielt am 9. Juni seinen Einzug in diese unruhige Hauptstadt des Patrimonium, welche in der letzten Hälfte des XIII. Jahrhunderts die Residenz der Päpste gewesen war und in deren Dom vier von ihnen begraben lagen. Er nahm Wohnung in der von Albornoz erbauten Burg und wollte hier eine Zeitlang bleiben, um alle italienischen Angelegenheiten zu ordnen und die Herren und Boten zu empfangen, welche ihn dann nach Rom geleiten sollten. Der heiße Sommer war nahe; wenn der Papst die Kardinäle, von denen mehrere auf dem Landwege reisend sich erst in Viterbo zu ihm gesellten, in der fiebervollen Jahreszeit nach Rom geführt hätte, so würde sie vielleicht Angst getötet haben. Karl IV. hatte ihm in Avignon versprochen, in Viterbo mit ihm zusammenzutreffen, doch sein Zug unterblieb. Italien wünschte seinen Papst, nicht mehr seinen Kaiser zurück.

Viele große Vasallen der Kirche fanden sich in Viterbo ein; täglich langten Gesandte aus den Städten Italiens mit glänzendem Gefolge an. Am 5. August wurde eine Liga zwischen dem Papst, den Markgrafen von Este, den Herren von Mantua und denen von Padua abgeschlossen, zur Erhaltung ihrer Besitzungen. Sie war gegen die Visconti gerichtet, und der Kaiser versprach seine Protektion. In das bewegte Leben zu Viterbo, welches dem Papst das Bewußtsein wiedergab, daß die Kirche noch immer eine Macht in Italien sei, fiel der erste Schatten durch den Tod des Gil d'Albornoz. Der große Kardinal starb am 24. August im Schloß Bonriposo bei Viterbo, ehe er den Papst nach Rom hatte zurückführen können. Vierzehn Jahre lang war er in Italien Legat gewesen; unter den schwierigsten Verhältnissen hatte er seine Aufgabe gelöst. Die Tyrannen hatte er zu seinen Füßen gesehen, die Städte aufgerichtet, für die Mark, die Romagna und andere Provinzen ein Gesetzbuch geschaffen, welches im Jahre 1357 auf dem Generalparlament der Provinzen in Fermo publiziert worden war. Später durch Sixtus IV. revidiert und bestätigt, behielt dasselbe im Kirchenstaat unter dem Namen »Egidianen« bis auf die neueren Zeiten Geltung. Albornoz war der genialste Staatsmann, der je im Kollegium der Kardinäle seinen Sitz gehabt hatte. Italien, das ihn gefürchtet oder geliebt hatte, trauerte um ihn. Die von ihm besiegten Feinde bewunderten seine Kraft und ehrten seine Großmut; die Freunde beweinten in ihm die treueste Stütze. Bologna, welches er der Gewalt seiner Tyrannen entrissen und mit wohltätigen Anstalten versehen hatte, bewahrt noch heute das Gedächtnis an ihn. Nach dem Testament des Kardinals wurde seine Leiche in S. Francesco zu Assisi beigesetzt und darauf nach Spanien gebracht. Der Papst bewilligte allen denen, die den Sarg eine Strecke lang auf ihren Schultern tragen würden, die Jubiläumsindulgenz. Edle und Fürsten, unter ihnen selbst Heinrich von Kastilien, unterzogen sich diesem Dienst, und so ward der Tote von Stadt zu Stadt bis nach Toledo gebracht und zu S. Ildefonso in ein Marmordenkmal gesetzt, welches nichts schmückte als der Name Egidius Albornoz. In Rom erinnert nichts an ihn; es ist sogar ungewiß, ob er überhaupt jemals diese Stadt betreten hat.

Das zweifelhafte Bild von Freude und Versöhnung, welches Italien Urban V. zum ersten Willkommen darbot, verdüsterte sich, als der Mann hingeschieden war, welchen der Papst die stärkste Säule der Kirche genannt hatte. Am 5. September erschreckte ihn ein Tumult in Viterbo. Das Volk dieser Stadt, welches in demokratischen Formen erzogen war, erbitterte die hochmütige Art der französischen Höflinge; es stürmte die Häuser einiger Kardinäle mit dem Ruf: Tod der Kirche! Die Prälaten flüchteten sich in die Burg unter den Schutz des Papsts, und selbst diese belagerten die Empörer. Man verrammelte die Stadttore und warf Barrikaden auf. Drei Tage lang dauerte der Aufruhr, während Gewaffnete aus den Nachbarstädten zur Befreiung des Papsts herbeizogen. Der Chronist Orvietos macht die boshafte Bemerkung, daß dieser Tumult von den Kardinälen selbst veranstaltet worden war, um dem Papst Italien zu verleiden. Der Sturm besänftigte sich indes, und die Bürger unterwarfen sich. Doch das Interdikt, welches Urban auf die Hauptstadt des Patrimonium legen mußte, nachdem der Jubel seines Empfangs kaum verhallt war, und der widerliche Anblick aufgerichteter Galgen mußten ihm das Gefühl der Sicherheit rauben.

Am 14. Oktober brach er endlich von Viterbo auf, unter dem Geleit des Markgrafen Nicolaus von Este, den er abgewartet hatte. Nach drei Tagemärschen langte der päpstliche Romzug vor der Stadt an. Es war der Morgen des 16. Oktobers, am Sonnabend. Als Petrarca Urban V. zur Heimkehr ermahnte, hatte er ihm gesagt, daß die Engel selbst ihn am Tore Roms empfangen würden. Aber wenn himmlische Geister sich herabgeschwungen hätten, dem feierlichen Einzuge Urbans beizuwohnen, so würde sie der kriegerische Lärm von Pauken und Trompeten und der Anblick der langen Reihen gepanzerter Reiter alsbald hinweggeschreckt haben. Der Statthalter Christi zog in die heilige Stadt wie ein zu Kampf und Krieg gerüsteter General oder ein erobernder König an der Spitze einer Armee. Wir verzichten darauf, die Gefühle auszusprechen, welche die Seele Urbans bestürmten, als er den altersgrauen Dom des St. Peter, als er die Mauern, die Türme, die Ruinen der Ewigen Stadt vor sich sah. Das Volk, die Magistrate, der Klerus waren ihm entgegengeströmt, mit Palmen, Blumen und Fahnen und heiligen Gesängen den endlich wiedergekehrten Gemahl der abgehärmten Roma einzuholen. Der berühmte Conte Verde, Graf Amadeus von Savoyen, Nicolaus von Este, Rudolf von Camerino, die Malatesten, zahllose Barone und Ritter, die Bannerschaften vieler Städte begleiteten, eröffneten und schlossen mit ein paar tausend Reitern und mit mehr Fußvolk den geistlichen Zug. Der Papst ritt auf einem weißen Zelter, dessen Zügel italienische Fürsten hielten, während der Herr von Camerino die Fahne der Kirche über seinem Haupte entfaltete. Elf Kardinäle, die meisten finster und argwöhnisch umherblickend, waren mit ihm. Mehr als zweitausend Bischöfe, Äbte, Prioren, Kleriker jedes Grades gingen ihm vorauf oder folgten ihm. Es schien, als ob der Papst den Klerus der Christenheit aus einer langen Gefangenschaft nach dem St. Peter zurückführte. Man zog in den heiligen Dom. Hier warf sich Urban betend am Apostelgrabe nieder, dann nahm er auf der Cathedra Platz, worauf 63 Jahre lang kein Papst gesessen hatte. Er bezog den Vatikan. Dieser Palast war zu seinem Empfange notdürftig hergestellt worden; wie der St. Peter, wie ganz Rom, bot er den Anblick trostlosen Verfalles dar.

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