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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 252
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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2. Innocenz versammelt das Konzil in Lyon 1245. Absetzung des Kaisers. Folgen dieser Sentenz. Friedrichs Aufruf an die Fürsten Europas. Gegenmanifest des Papsts. Die Stimmung in Europa. Was der Kaiser wollte. Innocenz IV. beschließt den Krieg auf Leben und Tod wider das hohenstaufische Geschlecht.

Die Flucht des Papsts war ein meisterhafter Zug, wodurch die Handlung in dem großen Drama zu seinen Gunsten umgewendet ward. Sie stellte Friedrich als Verfolger, Innocenz als Märtyrer dar, während die vom Glücke gekrönte Kühnheit diesen zugleich als einen Mann von Energie erscheinen ließ. Sie machte tiefen Eindruck auf die Welt und minderte das Ansehen Friedrichs mehr, als es der Verlust großer Schlachten würde getan haben. Der bestürzte Kaiser schickte den Grafen von Toulouse nach Genua, den Flüchtling zur Umkehr und zum Frieden einzuladen; er stellte in einem langen Manifest der Welt die Ereignisse und die Unterhandlungen dar, die er mit dem Papst bis zum Augenblick von dessen Entweichung geführt hatte; er sah sich wieder in einem neuen Kriege mit der Kirche und in einer schlimmeren Lage als zuvor. An die Stelle Gregors IX. war Innocenz IV. getreten, an die Stelle eines leidenschaftlichen, aber offenen und redlichen Feindes ein unredlicher und listiger Gegner.

Dieser blieb drei Monate lang im Kloster St. Andreas bei Genua, dann ging er nach Frankreich, dort gleich seinen Vorgängern ein Asyl zu finden. Er erreichte Lyon nach langen Beschwerden erst am 2. Dezember. Diese blühende Stadt, zwar unter der Autorität des Reichs, doch eine freie Gemeinde, bot ihm hinlängliche Sicherheit dar. Das Glück, die römische Kurie zu beherbergen, war freilich kostbar und zweifelhaft; Innocenz, welcher in den Staaten irgendeines mächtigen Königs Aufnahme wünschte, wurde von England und Aragon, selbst von Frankreich höflich ersucht, sie mit dieser Ehre zu verschonen; er blieb daher in Lyon. Am 3. Januar 1245 schrieb er das Konzil aus, wozu er den Kaiser nicht in gesetzmäßiger Form vorlud.

Nur 140 Prälaten, meist aus Frankreich und dem schon verfinsterten Spanien, welches sogar die Ankläger Friedrichs stellte, fast niemand aus Deutschland, versammelten sich im Juni zu Lyon. Schwerlich konnte diese romanische Synode eine allgemeine heißen. Sie wurde am 26. Juni eröffnet. Würdevoll und beredt verteidigte der berühmte Jurist Thaddäus von Suessa seinen Herrn. Er forderte eine Frist; sie ward bewilligt, doch zu kurz gemessen. Der Kaiser, welcher sich in Verona befand, schickte neue Boten, deren Eintreffen nicht abgewartet wurde. Am 17. Juli ward die Exkommunikation über ihn nochmals ausgesprochen und der große Kaiser für abgesetzt erklärt. Dies Urteil wurde in Hast der überraschten Versammlung vom Papste vorgelesen, und dem Prozeß fehlte überhaupt die gesetzmäßige Form der Vorladung, des gegründeten Zeugenbeweises und der hinlänglichen Verteidigung. Der Anwalt des Kaisers, welcher bereits an den künftigen Papst und ein allgemeines Konzil der Könige, Fürsten und Prälaten appelliert hatte, schlug voll Verzweiflung an seine Brust, als er diese unheilvolle Sentenz vernahm; er protestierte und reiste ab.

Der Beschluß von Lyon ist eins der verhängnisvollsten Ereignisse der Weltgeschichte gewesen; seine todbringende Wirkung stürzte das alte germanische Reich, aber auch die Kirche wurde von ihrem eigenen Blitzstrahl im tiefsten versehrt. Die Absetzung des Kaisers hatte jetzt das Gegenkönigtum zur Folge, ohne daß Friedrich II. daran denken konnte, das Papsttum, wie einst Heinrich IV. und dessen Nachfolger getan hatten, mit den gleichen Waffen des Schisma zu bekämpfen. Es kam nicht mehr darauf an, einen kirchlichen Papst durch einen kaiserlichen zu verdrängen, vielmehr im Papst überhaupt die über das Gleichgewicht der Gewalten emporgestiegene geistliche Macht zu bezwingen und die weltliche Autorität von seiner Despotie zu befreien.

Friedrich rief alle Fürsten Europas zu seinem Beistande auf. Sein denkwürdiges Manifest sagte ihnen folgendes: »Glücklich nennt diejenigen das Altertum, denen fremdes Unheil zum warnenden Heile wurde. Der Vorgänger bereitet dem Nachfolger das Los, und wie das Siegel dem Wachs, so wird das Beispiel dem moralischen Leben aufgedrückt. Hätten doch mir andere verletzte Fürsten ein vorsorgendes Beispiel aufgestellt, wie ich, Ihr christlichen Könige, es Euch hinterlasse. Die sich heute Priester nennen, unterdrücken die Söhne jener Väter, von deren Almosen sie sich mästeten; sie selbst, die Söhne unserer Untertanen, vergessen, was ihre Väter sind, und sie ehren weder Kaiser noch König, sobald sie zur apostolischen Würde gelangt sind. Die Anmaßung des Innocenz bezeugt es. Nachdem er ein Generalkonzil, wie er sagt, berufen, hat er sich erdreistet, ohne Vorladung, ohne Schuldbeweis gegen mich die Absetzung zu verhängen, und dadurch allen Königen eine grenzenlose Beleidigung angetan. Was dürft Ihr einzelnen Könige von der Verwegenheit dieser Priesterfürsten nicht gewärtigen, wenn er, der im Weltlichen keine Richtergewalt über mich besitzt, mich abzusetzen wagt, der ich durch feierliche Fürstenwahl und die Zustimmung der ganzen, damals noch gerechten Kirche mit dem Kaiserdiadem göttlich gekrönt bin. Aber ich bin nicht der erste, noch werde ich der letzte sein, welchen der Mißbrauch der Priestergewalt vom Throne zu stürzen sucht. Und Ihr seid mitschuldig, weil Ihr jenen Scheinheiligen gehorcht, deren Durst nach Herrschaft nicht die Flut des Jordan löschen könnte. Wäre Eure leichtgläubige Einfalt nicht von der Heuchelei jener Schreiber und Pharisäer bestrickt, so würdet Ihr die häßlichen, für das Schamgefühl unaussprechlichen Laster jener Kurie erkennen und verabscheuen. Sie erpressen, wie Ihr wohl wißt, große Einkünfte aus vielen Königreichen; dies ist die Quelle ihres wahnsinnigen Hochmuts. Bei Euch, Ihr Christen, betteln sie, damit bei ihnen die Ketzer schwelgen; Ihr stürzt die Häuser Eurer Freunde um, um hier den Feinden Städte zu bauen. Aber glaubet nicht, daß die Sentenz des Papstes mein Hochgemüt beugen kann. Mein Gewissen ist rein, Gott mit mir. Ich rufe sein Zeugnis an: dies war stets mein Plan, die Priester jedes Standes, zumal die höchstgestellten, zum apostolischen Leben, zur Demut des Herrn und zur Verfassung der reinen Urkirche zurückzuführen. Denn damals pflegten die Geistlichen zu den Engeln emporzublicken, von Wundern zu glänzen, Kranke zu heilen, Tote zu erwecken und Fürsten und Könige durch heiliges Leben, nicht mit Waffengewalt zu unterwerfen. Aber diese der Welt dienenden, von Wollust trunkenen Priester verachten Gott, weil ihre Religion in der Flut des Reichtums untersank. Solchen diese schädlichen Güter, diese Last ihrer Verdammnis zu entziehen, ist in Wahrheit ein Werk der Liebe; und an dieses sollen wir und alle Fürsten mit uns eifrig die Hand anlegen, damit der Klerus alles Überflüssigen entkleidet werde und mit mäßigem Gut zufrieden dem Gottesdienste wieder nachlebe.«

Den gewichtigen Anklagen des Kaisers antwortete der Papst mit den überschwenglichsten Theorien für den Beweis seiner Befugnis, Kaiser und Könige zu richten. Denn dies war der Kern des päpstlichen Planes: den durch frühere Tatsachen schon praktisch bewiesenen Satz der Kirche, daß der Papst von Christo die richtende Gewalt über die Könige erhalten habe, für immer zum unumstößlichen Recht zu erheben. Innocenz IV. behauptete daher, daß der Papst Generallegat Christi sei, der ihm die volle Richtergewalt auf Erden übertragen habe; daß Constantin die ungesetzliche Tyrannei des Reichs der Kirche abgetreten und sie dann erst als legitime Gewalt von ihr zu Lehen genommen habe; daß beide Schwerter der Kirche gehörten, welche das weltliche Schwert dem Kaiser bei der Krönung zu ihrem Dienste übergebe. Er sagte, daß der Kaiser dem Papst, von welchem er Titel und Krone erhalte, nach altem Herkommen als seinem Oberlehnsherrn den Untertaneneid gelobe. Der Kaiser schmäht, so schrieb er, die Kirche, weil sie von der Wunderkraft ihrer Urzeiten nicht mehr so oft erglänzt, weil der Prophezeiung Davids gemäß ihr Same mächtig auf Erden ward und die Priester von Ehren und Reichtümern strahlen. Wir selbst ziehen die Armut im Geiste vor, welche im Überfluß des Reichtums nur schwer bewahrt wird, aber wir erklären: nicht der Gebrauch, sondern der Mißbrauch der Reichtümer ist sündlich. Dieser Brief ist das wichtigste Dokument von der mittelalterlichen Priesteransicht über das päpstliche Amt. Innocenz IV. hob damit das Gleichgewicht der geistlichen und weltlichen Autorität öffentlich auf und forderte geradezu für den Heiligen Stuhl die Vereinigung beider Gewalten. Gegen diese maßlosen, jeder Freiheit tödlichen Grundsätze würden die Könige Europas nicht jahrhundertelang zu kämpfen gehabt haben, wenn sie damals die Sache Friedrichs zu der ihrigen gemacht hätten.

Das geistige Leben des Abendlandes war in jener Zeit zwischen Mönchtum und Rittertum, zwischen feudaler Willkür und Knechtschaft, gläubigem Fanatismus und freigeistiger Ketzerei, zwischen bürgerlicher Arbeit und stiller Forschung des Gedankens geteilt, in zahllose Richtungen, Rechte, Freiheiten, Staaten im Staat gesondert oder kastenartig abgegrenzt; das einigende, den Nationalstaat schaffende Königtum war nur im ersten Entstehen. In dem verworrenen Gewebe widerstreitender Parteizwecke, nationaler Triebe, städtischer Individualitäten und Lehnsherrschaften stand als ein festes, vielgegliedertes, doch unendlich einfaches System nur die Kirche da mit ihrer alle christlichen Völker umfassenden gleichmäßigen Hierarchie, mit ihrem Dogma und kanonischen Recht, mit ihrem Mittelpunkt Rom und ihrem unbestrittenen Haupt, dem Papst. Die Kirche, das Imperium der Geister, setzte sich an die Stelle des Reichs. Könige und Länder wurden dem Papste tributbar; sein Richterstuhl wie seine Zollstätte war in allen Provinzen aufgestellt, und der gesamte Episkopat anerkannte seinen Primat. Denselben Fürsten, an welche Friedrich II. wider die Eingriffe des Priestertums in die Zivilgewalt appellierte, rief der Papst zu, sich unter das Banner der Kirche zu stellen, welche die Freiheit der Könige und Nationen gegen die tyrannischen Absichten des Hohenstaufen verteidige, und die Welt beruhigte sich über den Mißbrauch der Papstgewalt bei dem Gedanken, daß es in ihr wenigstens ein Tribunal der Verantwortlichkeit gab, vor dem auch Kaiser und Könige gerichtet wurden. Sie erkannte dem Papst diese Richtergewalt zu; sie stimmte nur in die Klagen Friedrichs über die Habsucht des Klerus, die ihren Wohlstand erschöpfte. Diese Klagen waren nicht neu. Die Zeitgenossen, Bischöfe, Fürsten, Geschichtschreiber, Dichter, sind von ihnen erfüllt. Die römische Kurie brauchte Geld, ihre vergrößerten Bedürfnisse, und der Papst, seine Kriege zu bestreiten; die christlichen Länder wurden deshalb durch Kirchenzehnten gebrandschatzt. Die Engländer würden sich wider den Papst empört haben, wenn sie an ihrem schwachen Könige einen Halt gefunden hätten. Noch mehr Widerhall fand der Aufruf Friedrichs in Frankreich, wo viele Barone einen Bund zur Abwehr der Eingriffe des Klerus in die weltlichen Rechte schlossen. Die ersten Großen, darunter der Herzog von Burgund und der Graf der Bretagne, erklärten in ihren Bundesartikeln, daß das Königreich Frankreich »nicht durch geschriebenes Recht, noch durch die Anmaßung der Geistlichkeit, sondern durch kriegerische Kraft erworben ward; daß sie, der Adel des Landes, die ihnen entrissene Gerichtsbarkeit wieder an sich nähmen und daß die durch Habsucht reich gewordene Geistlichkeit zur Armut der Urkirche zurückzuführen sei.«

Die Stimme Friedrichs fand demnach wohl ein Echo in Europa; der Geist der Unabhängigkeit regte sich in der weltlichen Gesellschaft wider die Übergewalt des vom Evangelium abgewichenen Priestertums; jedoch diese Regungen blieben vereinzelt. Die Entsetzung des Papstes von dem höchsten Richteramt über die fürstliche Gewalt und die Rückführung der Kirche auf den unpolitischen Urzustand durch die Säkularisation ihres Besitzes: dies war die Reform, welche der große Kaiser forderte, aber nur als Ansicht auszusprechen vermochte. Er überschritt nicht die Grundsätze, welche bereits in der Epoche Arnolds von Brescia oder während des Investiturstreits tiefsinniger erörtert und schlagender waren bewiesen worden, als es zu seiner Zeit geschah. Friedrich bekämpfte bis an seinen Tod das Papsttum, wie es Innocenz III., sein Protektor, neu geschaffen hatte, doch unter allen seinen Angriffen nahm er jeden nur aus der angemaßten politischen Gewalt, keinen aus der geistlichen Autorität desselben her. Kein karolingischer, sächsischer und fränkischer Kaiser würde dem Papst so viel eingeräumt haben, als Friedrich II. es tun mußte, nachdem die Grundsätze Gregors VII. von der Welt gutgeheißen worden, nachdem er selbst das Investiturkonkordat Calixts preisgegeben, die Absetzung Ottos IV. durch den Papst anerkannt und als Stufe zu seinem eigenen Throne benutzt hatte. Die Tatsachen sprachen wider ihn und raubten seinem Prinzip, daß die Päpste keine Richtergewalt über die Könige besäßen, die Kraft. In seinem Kampfe mit dem Papsttum blieb er allein und schwach, weil er ihn im Namen eines schon abstrakten und deshalb unpraktischen Begriffes führte, des Reichs oder der weltlichen Autorität überhaupt, nicht eines wirklichen Staats und einer in ihrem Recht gekränkten Nation. Die Könige verband kein Vorteil mit dem Kaisertum; sie verfolgten ihre Sonderinteressen und fürchteten noch wie die Bischöfe Bannstrahlen und Absetzung. Vergebens rief ihnen der scharf blickende Kaiser zu, daß seine Sache auch die ihrige sei. Daß damals ein frommer, wenngleich der Kirche gegenüber entschiedener Mann auf dem Throne Frankreichs, ein schwachherziger Fürst auf dem Englands saß, brachte dem Papst unberechenbaren Vorteil. Heinrich III., der Magna Charta treubrüchig, bedurfte desselben wider seine Barone; er unterstützte seinen Schwager nicht gegen dieselbe römische Hierarchie, die sein eigenes Königreich zum Kirchenlehen gemacht hatte; Ludwig von Frankreich, welchem Friedrich die schiedsrichterliche Entscheidung angetragen hatte, ließ es bei wertlosen Vermittlungen bewenden und scheute sich, sein aufblühendes, zur Monarchie werdendes Frankreich in die Angelegenheiten des Reiches zu verwickeln. Deutschland, müde der italienischen Kriege, die es nicht mehr als Reichskriege ansehen wollte, hielt zuerst den römischen Künsten mutig Widerstand, dann zerfiel es in Parteien, stellte Gegenkönige auf und begann den großen Kaiser zu verlassen, während dieser sich in die Labyrinthe Italiens verstrickte und seine Geisteskräfte in einem Lande verschwendete, welches für sein Genie zu klein war. Nur die damals noch wertlose Stimme evangelischer Ketzer sprach sich für ihn aus.

Als die Kirche seit der Sentenz von Lyon aus dem leidenden Zustande zum heftigsten Angriff übergegangen war, wurde jede Versöhnung unmöglich. Der Papst sprach es mit Bestimmtheit aus, daß er mit Friedrich niemals Frieden schließen, noch ihn und seine Söhne, »die Vipernbrut«, je auf dem Throne dulden werde. Was schon Innocenz III. zuerst gewollt hatte, beschloß Innocenz IV. um jeden Preis durchzuführen: die Entsetzung der Hohenstaufen für ewige Zeit, die Erhebung eines Kaisers, der als päpstliches Geschöpf auf den Kirchenstaat und Italien verzichtete.

Er führte seinen Krieg mit allen verwerflichen Mitteln, zu denen die Selbstsucht weltlicher Herrscher greifen mag: fanatische Verfolgung der Anhänger Friedrichs in allen Ländern, so weit die Macht der Kirche reichte, Aufreizung zum Abfall, Erkaufung gemeinen Verrats, ränkevolle Künste von Legaten und Agenten, welche, nach einem Gegenkönige suchend, Fürsten und Bischöfe zur Empörung stacheln, welche selbst Konrad, des Kaisers Sohn, zu verführen trachten. Schwärme von Bettelmönchen erfüllten die Gemüter mit Fanatismus, und die Völker sahen ruhig zu, wie ihr Vermögen in die Kassen Roms floß und der Sündenablaß für die heilige Kreuzesfahrt denen erteilt ward, welche ihre Waffen gegen ihren Herrn erheben würden. Das Gelübde des Kreuzzuges wurde in die Pflicht verwandelt, den Kaiser zu bekriegen. Schon Gregor IX. hatte ihn öffentlich als Ketzer gebrandmarkt; der Vorwurf, daß er ein Feind des christlichen Glaubens sei, war eine mächtige Waffe in der Hand der Priester. Seine sarazenische Umgebung, sein hellblickender Geist boten dem Haß Gelegenheit zu den giftigsten Anklagen. Das Kreuz wurde gegen den Kaiser als einen Heiden in allen Ländern gepredigt, und ein deutscher Fürst, der Landgraf von Thüringen, Heinrich Raspe, welcher im Frühling 1246 das Gegenkönigtum auf sich nahm, errötete nicht, die Mailänder zum Kriege gegen Friedrich, »den Feind des Gekreuzigten,« aufzurufen. Der Kaiser erkannte sehr wohl, daß er in dem fortgesetzten Kampfe wider das Papsttum kein anderes Schicksal finden werde als seine Vorgänger im Reich; er wollte Versöhnung mit der Kirche selbst unter demütigenden Bedingungen; er legte sein katholisches Glaubensbekenntnis in die Hände einiger Bischöfe nieder. Sie brachten es urkundlich an den Papst, der es verwarf. Innocenz IV. wollte den Untergang Friedrichs und seines Geschlechts; er selbst zwang den Kaiser, den Krieg fortzusetzen.

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