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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 235
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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Zweites Kapitel

1. Verhältnisse Siziliens. Innocenz III. wird Vormund Friedrichs. Markward. Walther von Brienne. Die germanischen Landbarone in Latium. Die Kommunen in Latium. Richard Conti wird Graf von Sora. Rückkehr des Papsts aus Latium nach Rom.

Während Innocenz III. mit der römischen Gemeinde im Kampfe lag, war er tief in die Angelegenheiten der politischen Welt verwickelt, die ihn zum Schiedsrichter Europas machten. Die allgemeinen Geschichten schildern dies; die Geschichte der Stadt wird nur vom deutschen Kronstreit und den Verhältnissen des Königreichs Sizilien berührt, welches fortan die höchste Wichtigkeit für das Reich, das Papsttum und Italien erhielt.

Die Witwe Heinrichs VI. fand sich schutzlos den Stürmen ausgesetzt, die nach des Kaisers Tode über Sizilien hereinbrachen. Sie hatte am 17. Mai 1197 ihren dreijährigen Sohn in Palermo krönen lassen, doch der Erbe eines verabscheuten Eroberers besaß wenig Aussicht, das Königreich dereinst wirklich zu beherrschen. Die Sizilianer erhoben sich in gerechtem Nationalhaß gegen die Deutschen, welche ihnen nur als Unterdrücker ihres unter den normannischen Gesetzen von Reichtum, Industrie und edlen Künsten blühenden Vaterlandes erscheinen konnten. Die mäßigen Südländer empörte die Völlerei der Landsknechte und die zügellose Gier roher Junker und Ritter, welche die reiche Insel als das Paradies für ihr abenteuerndes Glück betrachteten. Ein klassisch gebildeter Normanne, ein Geschichtschreiber von tiefem Ernst und dichterischem Feuer, sprach beim Falle der normannischen Dynastie das Nationalgefühl Siziliens in leidenschaftlichen Ergüssen aus. Die Patrioten erhoben das Geschrei: hinaus mit den Fremden! Eine sizilianische Vesper drohte; Konstanze gab der Forderung der Nation nach und verbannte alle Deutschen. Ratlos unter den Parteien, welche um die Gewalt stritten, und bekümmert um das Schicksal ihres Sohns, suchte die fromme Witwe Heinrichs Schutz beim Papst, von dessen Namen Italien widerhallte. Niemals würde ihr Gemahl das Lehnsrecht des Heiligen Stuhles anerkannt haben; sie tat es aus Not, und Innocenz bot ihr die Bestätigung der Krone für ihren Sohn, aber um den unerhörten Verzicht der alten kirchlichen Freiheiten der Normannenkönige. Nach langem Sträuben gab Konstanze nach, worauf ein Kardinal mit dem Lehnsbrief nach Sizilien ging. Die Kaiserin starb jedoch vor dessen Ankunft zu Palermo am 28. November 1198, nachdem sie den Papst zum Vormunde Friedrichs bestellt hatte. Konstanze schloß die Reihe der sizilianischen Normannenkönige und wurde die Stammutter der sizilianischen Hohenstaufen. Sie war die verhängnisvolle Pandoragestalt im Deutschen Reich.

Das Werk Heinrichs VI. zerfiel auch in Sizilien. Denn Innocenz stellte dort nicht allein die Lehnsherrlichkeit der Kirche wieder her, sondern er wurde der regierende Vormund des Thronerben. Die päpstliche Protektion erhielt dem jungen Friedrich die Krone Rogers, doch nie kam einem Fürsten ein ähnliches Schutzverhältnis teurer zu stehen.

Innocenz übernahm die Regierung des Königreichs mit dem aufrichtigen Willen, den Sohn Heinrichs auf dem Throne zu befestigen, von seinen deutschen wie sizilischen Bedrängern zu befreien und für die Dauer zum dankbaren Vasallen der Kirche zu machen. Es kostete ihn lange Anstrengungen, die Hoheit dieser zur Anerkennung zu bringen und die deutschen Lehnsgrafen Heinrichs zu unterwerfen; denn diese Feudalherren waren aus ihren apulischen Fürstentümern nicht so leicht zu vertreiben wie in Mittelitalien. Einige herrschten im Grenzlande des Liris, wo Dipold von Schweinspeunt, Graf von Acerra, Kapitän der Burg Arce war, und Konrad von Marley Sora mit dem Schloß Sorella auf der steilen Felsenhöhe besaß. Sie drückten, wie vormals die eingewanderten normannischen Barone, eine widerstrebende Bevölkerung, schreckten Kampanien und Apulien oder drangen verwüstend in das päpstliche Latium ein. Sie vereinigten sich sofort mit Markward, als dieser aus Ancona verjagte Seneschall in seine Grafschaft Molise kam und dann nach Konstanzes Tode zum Protektor Friedrichs sich aufwarf, gestützt auf das Vertrauen des Kaisers Heinrich, welcher ihm sterbend sein Testament und dessen Vollstreckung übergeben hatte. S. Germano fiel in seine Gewalt; er unterhandelte mit den Kardinälen und täuschte sie zu Veroli im Sommer 1199. Während nun seine Bundesgenossen Dipold und Konrad Apulien behaupteten, setzte Markward selbst nach Sizilien über, sich dort der Vormundschaft zu bemächtigen. Innocenz warb Truppen aus dem Kirchenstaat, auch vom Tuszischen Bunde; nur die Römer, welche gerade Viterbo bekriegten, halfen ihm nicht in Angelegenheiten, die ihren Zwecken ferne lagen. Überhaupt stand es dem Papst nicht zu, sich der Milizen Roms zu bedienen, außer wenn die Stadt es genehmigte und er sie wie Söldner bezahlte. Das neue päpstliche Heer führte ein Vetter von Innocenz, der sehr tüchtige Marschall Jakob, nach Sizilien, Markward aus dem Felde zu schlagen. Zugleich trat in des Papsts Dienste ein kriegserfahrener Abenteurer aus Frankreich, Walther Graf von Brienne, seit kurzem Gemahl einer Tochter des letzten Normannenkönigs Tancred. Er beanspruchte deshalb Tarent und Lecce, welche Lehen Heinrich VI. dem unglücklichen Sohne Tancreds, Wilhelm, im Jahre 1194 zuerkannt, aber nicht ausgeliefert hatte. Im Grunde war Walther ein neuer Prätendent Siziliens und mutmaßlich der Bluträcher des Normannenhauses. Die Zeiten Robert Guiscards wiederholten sich, denn die Welt schwärmte von fahrenden Kriegshelden. Irrende Ritter aus Deutschland und Frankreich kämpften in Sizilien um die Gewalt, und tapfere Kreuzfahrer, darunter mächtige Vettern Walthers aus Frankreich, Flandern und Venedig, eroberten mit beispielloser Kühnheit das große Konstantinopel, um dort ein lateinisches Kaiserreich nebst vielen Fürstentümern zu gründen. Walther kam im Jahre 1200 nach Rom mit seiner Gemahlin Alberia, mit ihrer Mutter, der Witwe Tancreds, und einem stattlichen Gefolge. Er forderte vom Papst, dem Lehnsherrn Siziliens, Lecce und Tarent. Dies brachte Innocenz in Verlegenheit. Nach langen Beratungen anerkannte er die Gültigkeit der Ansprüche Alberias und sprach ihrem Gemahl jene Lehen wirklich zu; aber der Schwur Walthers, Friedrich als König Siziliens nirgends zu beschädigen, sondern ihm Vasallentreue zu halten, schützte den Papst nicht vor der Einsprache der Räte des jungen Königs, und Friedrich selbst machte später der Kirche den Vorwurf, daß sie ihm schon in der Zeit ihrer Vormundschaft einen Prätendenten entgegengestellt habe. Indes war Innocenz froh, einen der besten Kapitäne der damaligen Zeit in seinem und, wie er meinte, auch in Friedrichs Dienste zu verwenden, und so war es bereits der Papst, welcher den Franzosen den Weg ins Königreich öffnete.

Als Walther im Jahre 1201 mit einer kampflustigen Schar französischer Ritter in Apulien auftrat, wandte sich dort alles zum Nachteile der Deutschen. Wir übergehen die Kriegsereignisse in beiden Sizilien, wo Walther, Dipold und Markward hervorragten, Abenteurer ihres Jahrhunderts, voll Mut, Verschlagenheit und Kraft, denen nur das Glück der Normannen oder Simons von Montfort fehlte. Markward starb plötzlich in Sizilien, welches Land er als Regent mannhaft gegen die Feinde geschirmt hatte, im September 1202. Sein Tod befreite Friedrich von einem tyrannischen Protektor und den Papst von dem schlimmsten Feinde aus der Schule Heinrichs VI. Walther, erst Sieger über Dipold auf dem Feld bei Cannae, fiel im Juni 1205 zum Tode verwundet in die Gewalt seines Gegners und starb im Schlosse zu Sarno einen ritterlichen Tod, worauf der nun mächtige Dipold sich für einige Zeit mit der Kirche aussöhnte.

In das von Hungersnot und Krieg gequälte Süditalien kehrte die Ruhe langsam wieder. Die Lehnsgrafen Heinrichs unterlagen; der letzte dieser Zwingherren am Liris, Konrad von Marley, wurde am Anfange des Jahres 1208 überwältigt; Sora ergab sich am 5. Januar dem Abt Roffried von Monte Cassino und Richard Conti; die Burgen Sorella und Arce kapitulierten um dieselbe Zeit, und so waren jene Grenzlande von einer siebzehnjährigen Fremdherrschaft befreit.

Auf diese glücklichen Erfolge verließ Innocenz am 15. Mai 1208 Rom, um nach S. Germano und Sora zu reisen und die Angelegenheiten des neapolitanischen Festlandes auf einem Parlament der Barone zu ordnen. Denn trotz der schon eingetretenen Großjährigkeit Friedrichs betrachtete sich der Papst noch immer als den Regierer jenes Königreichs. Kurz zuvor, im Herbst 1207, hatte er die Bischöfe, Grafen, Podestaten und Konsuln der Patrimonien von Tuszien, Spoleto und der Mark Ancona in Viterbo versammelt und ein Statut erlassen, welches die Rechte der Kirche feststellte, den Landfrieden anbefahl und das Tribunal der päpstlichen Rektoren zum obersten Appellhof bestellte. Dies Parlament aber bildete die Grundlage der Regierungsgewalt des Papsts in jenen neu gewonnenen Provinzen des Kirchenstaats. Auch die Barone in Latium empfingen ihn auf seiner Reise als gehorsame Vasallen und geleiteten ihn mit Gepränge von Ort zu Ort. Colonna, Frangipani, Conti, Annibaldi, Orsini, Savelli, die Grafen von Ceccano und andere geringere Herren teilten sich in den Besitz der Campania und Maritima. Die Barone dieser klassischen Landschaft Virgils saßen in finstern Burgen noch als Nachkommen der Eroberer germanischer Einwanderung, welche jenes Land einst den Lateinern abgenommen und den Enkeln vererbt hatten. Manche stammten noch aus der Zeit, wo die Langobarden Latium mit Feudal-Geschlechtern erfüllt hatten; andere waren mit den Kaisern herübergekommen, von ihnen und den Päpsten belehnte Sachsen und Franken. Im Volskergebirg ragte das Haus der Grafen von Ceccano als uralte Landdynastie hervor, durch Reichtümer und Würden auch in der Kirche sehr angesehen. Diese Herren waren schon mächtig, bevor noch die Colonna emporkamen, denn schon in der Zeit Heinrichs IV. wurde einer ihrer Vorfahren, Gregor, dort als Graf bemerkt. Ihre germanische Abkunft beweisen die in ihrem Hause fortdauernden Namen Guido, Landulf, Gottfried, Berald und Rainald. Sie besaßen viele Orte in der heutigen Delegation Frosinone und trugen sie von der Kirche zu Lehen. Derselbe Johann von Ceccano, welcher Innocenz mit einem Gefolge von 50 Rittern, seinen Vasallen, in Anagni empfing, war von ihm im Jahre 1201 im Lehnsbesitz bestätigt worden.

Während diese Grafen das untere Latium beherrschten, bildeten andere Vasallen der Kirche mehr oder minder lang dauernde Ritterhäuser; so die Herren von Sculgola im Volskergebirg aus dem deutschen Geschlecht des Galvan und Konrad; so die Barone von Supino; die Guido von Norma; die von Colledimezzo mit Namen Lando und Berald und andere Lehnsmannen langobardischen Ursprungs. Außerdem drangen die Colonna von Palestrina immer weiter in das Herz der Campagna vor, wo sie bereits Genazzano und Olevano, auch Teile von Paliano und Serrone besaßen; während die Frangipani von Astura bis Terracina in der Maritima den meisten Besitz erworben hatten.

Das ackerbauende Latium, ohne Handel und Gewerbe wie noch am heutigen Tag, war überhaupt der Sitz großer und kleiner Landbarone, denn bedeutende Städte gab es dort nicht. Die meisten Orte waren ummauerte Flecken ( Castra) mit einem Felsenschloß ( Rocca oder Arx) von meist noch saturnischer Anlage uralter Ringe aus Kyklopensteinen, worin der Baron oder sein Vikar oder ein Kastellan des Papsts saß, während die an die Scholle gebundenen Dienstleute zu Füßen der Rocca in einem elenden Ort zusammengedrängt wohnten. Noch heute dauern in den lateinischen Berggegenden solche alten Orte mit dem Zunamen Rocca fort als lebendige Denkmäler des noch nicht überwundenen Mittelalters. Der Herr, welcher dort schaltete, war ein kleiner Dynast in seinem Bezirk, Besitzer des Landes, Gebieter über Leben und Tod seiner Einsassen. Alle richterliche Gewalt ging von ihm aus, denn er besaß das merum et mixtum imperium, die hohe Kriminal- und Ziviljustiz. Die Päpste waren zu schwach, dem Landadel so große Privilegien zu entziehen, wie es später Friedrich II. in seinem Königreiche tat, als er zur Stärkung der Monarchie und zum Wohle des Volks den Trotz der Feudalherren brach. In den päpstlichen Landen behaupteten die Barone fortdauernd die hohe Gerichtsbarkeit, und oft verliehen ihnen die Päpste selbst dieses Recht, wie es viele Urkunden des XIII. Jahrhunderts zeigen. Baronale Jurisdiktion übten außerdem Klöster und Kirchen aus, welche sich durch Schenkungen und Kauf eines unverhältnismäßig großen Teils der Campagnagüter bemächtigt hatten. Wenn Castra noch eine Gemeinde von Freien ( communitas oder populus) unter Konsuln bildeten, so war doch ihr Munizipalwesen durch die Eingriffe der Gerichtsbarkeit des weltlichen oder geistlichen Gebieters sehr beschränkt. Das Vorherrschen eines rohen und gewaltsamen, weder durch eine Landesmonarchie, noch durch den bürgerlichen Geist gebändigten Landadels, der in seinen einsamen Wildnissen von den Fortschritten der Zeit nicht berührt wurde, erklärt die Tatsache, daß Latium bis auf den heutigen Tag hinter allen anderen Provinzen der Kirche zurückgeblieben ist. Die Kommunen, die im übrigen Italien die feudale Barbarei abwarfen und eine neue Nationalkultur erzeugten, entwickelten sich nicht in jenem spärlich bevölkerten, schlecht bewirtschafteten Lande der Schafhirten und Ackerbauern, wo Barone und Mönche in weiten Einöden die Herrscher blieben.

Nur wenige größere Orte, von alters her Bistümer, behaupteten sich dort als Civitates oder Stadtgemeinden unter dem Schutz ihrer Bischöfe und der Päpste, mit Konsuln oder Podestaten an ihrer Spitze und in sich selbst in die einander feindlichen Klassen der Freibürger ( populus) und der ritterlichen Leute ( milites) getrennt. Anagni, Veroli, Velletri, Alatri, Frosinone und Ferentino kamen niemals unter die ausschließliche Gewalt eines Dynasten; sie besaßen vielmehr ihre Gemeindeverfassung, die Wahl ihrer Rektoren und das Recht, Verträge jeder Art zu schließen. Weil aber trotzdem an allen Orten Barone mit mancherlei Gerechtsamen als Blutsauger hingen, war es für den päpstlichen Rector keine leichte Aufgabe, die Verwirrung sich bestreitender Rechte oder den Hader zwischen Gemeinden, Herren und ritterlichen Leuten zu schlichten. Die ganze Campania und die Maritima zwischen den Volskerbergen und dem Meer, wo Terracina die einzige beträchtliche Stadt mit eigener Kommunalverfassung war, wurde nämlich von einem päpstlichen Legaten zeitweise regiert, unter dem Titel Rector Campaniae et Maritimae. Dies ehemalige Grafenamt der Campagna ( Comitatus Campaniae) verwalteten bald vornehme Römer vom Laienstande mit bloß weltlicher, bald Prälaten und Kardinäle mit doppelter Gewalt.

Die Reise Innocenz' III. durch Latium hatte den Zweck, die dortigen Vasallen und Städte in der Treue zur Kirche zu befestigen und auf einem Landtage zu S. Germano den vom König Friedrich beherrschten Provinzen Süditaliens eine feste Organisation zu geben. Zugleich aber führte der Papst noch eine andere Absicht durch. Er schuf seinem Bruder Richard ein Fürstentum am Liris. Der junge Friedrich, der es ihm abtrat, bezahlte damit seine Verpflichtungen an den Papst. Während sich dieser im Kloster Fossa Nova bei Ceccano befand, wurde Richard Conti unter Trompetenklang von einem sizilianischen Protonotar als Graf von Sora ausgerufen. Sein Lehen umfaßte außer dieser alten Stadt ein ansehnliches Gebiet, die Heimat des Cicero und Marius, Arpino, Arce, Isola und andere Orte. Friedrich bestätigte ihn in ihrem Besitz nochmals im Jahre 1215, wo er jene Städte sogar dem Verband mit seinem Königreich enthob und als Kirchenlehen förmlich anerkannte. So hatte Innocenz jenseits des Liris ein Nepotenland wie eine Schanze aufgerichtet und den Kirchenstaat auf Kosten Friedrichs erweitert. Die Macht Richards war jetzt fürstlich zu nennen. Er besaß bereits die Lehen des Hauses Poli, erhielt in demselben Jahre 1208 vom Papst auch Valmontone und wurde seither der Stammvater des Grafengeschlechts der Conti, welches sich in die beiden Zweige von Valmontone (später auch Segni) und von Poli teilte. Denn von seinen drei Söhnen stiftete Paul die erste und Johann die zweite Linie. Am 6. Oktober 1208 leistete Richard zu Ferentino für alle von ihm erworbenen Länder dem Papst den Vasalleneid. Konnte man die Römer tadeln, wenn sie Innocenz des Nepotismus beschuldigten? Er versorgte seine Verwandten freigebig, verlieh ihnen Güter und die höchsten Würden. Er hatte ihre vielen Dienste zu belohnen, und sie alle scheinen Männer von bedeutenden Eigenschaften gewesen zu sein.

Von seiner Reise kehrte der Papst am 22. November 1208 in den Lateran zurück, wo ihn die Römer mit großen Ehren begrüßten. Die Stadt war in dieser Zeit völlig beruhigt. Obwohl die Gemeinde hie und da versuchte, einen Senator aus freier Wahl aufzustellen, so wurde doch die Verfassung vom Jahre 1205 aufrecht gehalten, solange Innocenz III. noch lebte.

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