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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 224
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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4. Der Kreuzzug. Richard Löwenherz zieht Rom vorbei. Tod Friedrichs I. Cölestin III. Heinrich VI. begehrt die Kaiserkrone. Seine Krönung. Die Römer zerstören Tusculum. Fall der tuskulanischen Grafen. Verhältnis des Adels zur Republik in Rom. Änderung der Verfassung. Benedikt Carushomo Senator. Giovanni Capoccio Senator. Giovanni Pierleone Senator. Heinrich VI. vernichtet die normannische Dynastie in Sizilien. Sein schnelles Ende. Tod Cölestins III.

Clemens III. erlangte im Jahre 1189 von Heinrich, dem Stellvertreter seines Vaters, auch die Herstellung aller Gebiete des Kirchenstaats, welche er dem Papst Lucius entzogen hatte. Er wendete jetzt alle Aufmerksamkeit dem großen Kreuzzuge zu, welchen erst der Kaiser Friedrich, dann die Könige Philipp August von Frankreich und Richard von England angetreten hatten. Auch römische Edle waren diesmal nach dem Orient gegangen, ein Pierleone und sogar der Präfekt Teobaldo, welche beide neben Konrad von Montferrat bei Akkon gegen Saladin kämpften. Keines der Kreuzheere berührte Rom; nur Richard Löwenherz, anfangs August 1190 in Marseille zu Schiff gestiegen, lief in Ostia ein. Wegwerfend wies er hier den Kardinal zurück, der ihn im Namen des Papsts höflich einlud, die Hauptstadt der Christenheit mit seinem Besuche zu beehren. In einem früheren Jahrhundert würde kein König eine solche Aufforderung abgelehnt und jeder sich selig gepriesen haben, im Pilgergewande durch die Tore der heiligen Stadt zu den Apostelgräbern einzuziehen; aber die Zeiten hatten sich gar sehr geändert: Richard, der Nachfolger frommer Angelsachsenkönige, welche einst in Rom hochbeglückt die Kutte genommen hatten, erklärte dem Kardinal voll Verachtung, daß am päpstlichen Hof nichts zu finden sei als Habsucht und Korruption. Er zog Rom vorbei zu Land, längs der waldbedeckten und versumpften Küste nach Terracina; dann segelte er nach Messina, wo er mit den Sizilianern in Händel geriet. Denn schon am 16. November 1189 war Wilhelm II., Gemahl der Schwester Richards Johanna, gestorben, worauf die nationale Partei Siziliens dem Grafen Tancred die Krone gab, einem natürlichen Sohne Rogers von Apulien, des Erstgeborenen des Königs Roger. Heinrich VI., Konstanzes Gemahl, rüstete sich, diesen »Usurpator«, welchen übrigens der Papst beliehen hatte, mit Waffengewalt zu stürzen, aber Unruhen in Deutschland und endlich die Botschaft vom Tode seines Vaters hielten ihn zurück. Der greise Friedrich, welcher einst gewünscht hatte, daß ihn das Schicksal, statt nach Italien, wie Alexander den Großen nach Asien geführt haben möchte, fand am 10. Juni 1190 in einem Flusse Syriens seinen Tod.

Der unsterbliche Held Barbarossa, der wahre Kaiserkoloß des Mittelalters, lebt in der Geschichte Deutschlands fort als der Stolz der Nation, in der Volkssage als der Repräsentant der wiederkehrenden Herrlichkeit des Deutschen Reichs, aber in Italien sind seine Verheerungszüge und die Trümmer edler Städte ebenso viele Titel des Hasses gegen ihn, wenn auch der Charakter der Zeit ihn mildern muß. Der hartnäckige Kampf des Reichsprinzips gegen die Städte oder der bürgerliche Investiturstreit war nicht minder wichtig und wohltätig als der Kampf um die geistliche Investitur, den die Heinriche kämpften. Ohne die despotischen Pläne und die Kriege Friedrichs hätte sich die Freiheit der Städte nimmer so schnell entwickelt, noch wäre sie so bald staatsrechtlich anerkannt worden. Wenigstens diesen Dienst hat Barbarossa wider seine Absicht Italien geleistet, welches ihn so glorreich bestritt. Die lange, verhängnisvolle Verbindung Deutschlands und Italiens durch das »Reich« wird derjenige verwünschen, welcher die Weltgeschichte nur aus den beschränkten Maßen etwa vaterländischen Glücks betrachtet; aber diese Klage ist nichtig und sinnlos außerhalb jenes verengten Horizonts. Nur darf man sagen, daß Italien und Deutschland nach dem Frieden in Venedig zur Trennung schon reif gewesen sind. Unglücklicherweise knüpfte Friedrich ein prinzipiell schon gelöstes Band durch die sizilische Heirat noch einmal, und so wurde die Einheit und Kraft Deutschlands in neuen langen Kämpfen jenseits der Alpen der Hauspolitik von Kaiserdynastien nutzlos aufgeopfert.

Der junge Heinrich VI. begehrte die Kaiserkrone; seine Boten eilten zum Papst, selbst zum Senat, dessen Wahlstimme wieder gehört werden mußte und den er rechtskräftig anzuerkennen versprach. Clemens III., geängstigt durch die Drohungen Heinrichs, welcher gegen ihn aufgebracht war, weil er Tancred die Belehnung mit Sizilien erteilt hatte, setzte die Krönung auf die folgenden Ostern fest, doch er starb schon am Ende März 1191.

Die Kardinäle wählten sofort den greisen Kardinal Hyacinth, Sohn des Petrus Bobo, einen Römer vom Geschlecht der Orsini, zum Papst als Cölestin III. Schon näherte sich Heinrich mit starker Macht, schon stand das Osterfest bevor, doch der neue Papst verschob seine eigene Ordination, um die Krönung aufzuhalten, wegen welcher noch unterhandelt wurde. Auch die feindliche Haltung des Senats konnte diese hindern, und Heinrich VI. begehrte sie dringend, um sich sofort gegen Sizilien zu wenden. Diese zufälligen Umstände benutzten die Römer, Tusculum endlich in ihre Gewalt zu bekommen. Die gequälte Stadt hatte sich drei Jahre lang gegen die vereinigten Angriffe des Papsts und des Senats verzweifelt gewehrt; in ihrer letzten Not hatte sie sich schutzflehend an den heranziehenden Heinrich gewendet und eine deutsche Besatzung aufgenommen, die er ihr bereitwillig gab. Aber die römischen Gesandten erklärten ihm, daß sie sich seiner Krönung widersetzen würden, wenn er ihnen Tusculum nicht ausliefere; daß sie dagegen, wenn er dies täte, die sofortige Krönung vom Papst erwirken wollten. Heinrich willigte in den schimpflichsten Treubruch, wälzte aber die Verantwortung von sich auf den Papst, der sich durch unehrenhafte Verträge binden ließ: Tusculum sollte nach der Krönung von Heinrich dem Papst, von diesem den Römern überliefert werden.

Erst als sich Heinrich Rom mit großer Heeresmacht näherte, ließ sich Cölestin III. am 14. April im St. Peter ordinieren, um folgenden Tags mit widerwilliger Hand die Krönung zu vollziehn. Vom Felde des Nero zog der König in die Leonina ein. Cölestin krönte ihn und seine Gemahlin Konstanze am 15. April im St. Peter; und schon folgenden Tags bezogen die Deutschen ein Lager auf den Abhängen von Tusculum. Diese unselige Stadt fand alsbald einen tragischen Untergang: als sie dem Papst zurückgegeben und von ihm ihren Henkern überantwortet war, stürzten sich die Römer auf das wehrlose Opfer; kein Stein blieb in Tusculum auf dem andern stehen; die Einwohner wurden wider Treue und Vertrag erwürgt oder ins Elend gejagt. Dies war die ruchlose Karikatur der berühmten Zerstörungen von Lodi, Mailand und Crema, ein Charakterzug jener Zeit der Städtebefreiung und Städtevernichtung. Durch den doppelten Verrat des Kaisers und des Papsts ging eine der ältesten Städte Latiums am 17. April 1191 für immer unter. In antiker Zeit hatte sie dem viel jüngeren Rom berühmte Patrioten, die Catonen, geschenkt, im Mittelalter verwilderte Konsuln und Patrizier, die tuskulanischen Grafen und Päpste ihm zu Tyrannen gegeben, von denen die meisten frevelvoll, einige voll Geist und Kraft gewesen sind. Der Name Tusculum ist mit der finstersten Epoche des mittelalterlichen Rom verbunden, und man kann die melancholischen Ruinen auf jener sonnbeglänzten Höhe nicht betrachten, ohne der Marozia, der Alberiche und Theophylakte zu gedenken. Das mächtige Grafengeschlecht de Tusculana verschwand, oder es setzte sich in Familienzweigen zu Rom und in der Campagna fort, von denen die Colonna die berühmtesten sind. Diese Herren kamen auch in Besitz des uralten Stammpalasts der Tusculanen bei den SS. Apostoli in Rom, wo einst jene Grafen als Konsuln der Römer so oft ihr Tribunal aufgeschlagen hatten.

Die Güter der zerstörten Stadt fielen vertragsmäßig an den Papst; die Reste der Einwohner aber vergrößerten die umliegenden Orte.

Der neue Kaiser zog von Rom nach Apulien, den König Tancred zu entthronen, und der schwache Cölestin setzte seinem Vorhaben nur ohnmächtige Bitten entgegen. Die Vereinigung Siziliens mit dem Reich, welche allen hergebrachten Grundsätzen der Päpste zuwiderlief, ängstigte ihn, aber hindern konnte er sie nicht. Nach schnellen Siegen und großen Verlusten in Apulien mußte jedoch Heinrich VI. schon im September 1191 nach Deutschland zurückkehren, und der Papst, dessen froh, wagte um so weniger, den mit den Römern geschlossenen Vertrag zu verletzen. Seit langer Zeit war Cölestin III. sogar der einzige Papst, der seinen ganzen Pontifikat in Rom verlebte. Hier begünstigten alle äußeren Verhältnisse das Fortbestehen der Republik, jedoch ihre kräftige Entwicklung hinderten die inneren Zustände. Das christliche Rom war vorübergehender Aufwallung für Freiheit und Größe fähig, aber der echten männlichen Bürgertugend durch das Papsttum beraubt. Niemals mehr hat die von den Priestern beherrschte Stadt einen Bürger im großen Sinne der Alten hervorgebracht. In diesem unglücklichen, zum Müßiggange verdammten Volk, welches mehr Kirchenfesttage als Arbeitstage im Jahre zählte, fehlte mit der bürgerlichen Tätigkeit der Besitz, mit beiden die selbstbewußte Würde und Kraft. Die Ursachen des Zustandes der Römer sind offenbar, und kein Volk der Welt hätte ihrer Einwirkung auf die Dauer Widerstand geleistet. Der römische Bürgerstand, zu arm und zu schwach, durch keine oder doch nur unbeträchtliche Zunftverbände verfestigt, konnte die Patrizier und Capitane nicht überwältigen, welche daher, sei es mit dem Papst verbunden oder nicht, die Republik bald schwächten, bald zersprengten. Wäre der Adel von der Natur jenes in Genua und Venedig gewesen, so hätte ein patrizisches Regiment für die Dauer den Päpsten gegenüber sich ausbilden können; aber die römischen Nobili, weder kaufmännische Geschäfte noch Ackerbau in der wüsten Campagna treibend, waren größtenteils vornehme Bettler oder Lehnsmannen des Papsts, der Bischöfe und der frommen Orte Roms. Die Kirche hatte nach und nach alle diese Magnaten zu ihren Vasallen herabgesetzt, und sie verhinderte, soviel sie konnte, die Häufung oder Befestigung der Familiengüter. Der Besitz der Großen war daher beständig unsicher und wanderte von Hand zu Hand; liest man die Verträge jener Zeit, so muß man erstaunen, wie oft Lehen und Kastelle getauscht und gewechselt wurden. Nur ein paar Familien wie den Colonna und Orsini gelang es, wirkliche Stammherrschaften in der Campagna zu gründen.

Als nach den Friedensschlüssen in Venedig, Konstanz und Rom der Adel ersah, daß die Gemeinde Bestand gewinne, so verließ er sein bisheriges System. Die ehemaligen Konsuln gingen in die Kommune ein, sie aristokratisch zu machen; der Adel füllte den Senat mit seinen Mitgliedern, und es wurde ihm leicht, sich dahinein wählen zu lassen. Seit 1143 war der Senat erst vorwiegend plebejisch gewesen, dann waren nach und nach Große eingetreten, seit Clemens III. und Cölestin III. aber fanden sich in ihm mehr Patrizier alten Geschlechts als Bürger oder Ritter. Der Zudrang zum Senat wurde so stark, daß er bald die normale Zahl von 56 Mitgliedern überstieg.

Nun fand infolge dieser neuen Verhältnisse schon im Jahr 1191 eine Umwälzung statt; das Volk erhob sich gegen die Aristokratie, sprengte die Verfassung und stellte wie in der ersten Zeit einen einzelnen an die Spitze des Regiments. Dies mochte in Nachahmung andrer Städte geschehen sein, welche gegen das Ende dieses Jahrhunderts statt der bisher regierenden Konsuln einzelnen Rektoren die Gewalt übergaben. Die Römer nannten das Oberhaupt ihrer Republik nicht mehr Patricius, noch, wie in italienischen Städten, Podestà, sondern Senator oder Summus Senator; denn mit dieser Würde bekleideten sie Benedikt Carushomo, einen Mann von sicherlich bürgerlichem Geschlecht, der sich während eines Aufstandes der Gewalt bemächtigte. Die Vielregierung hatte sich schwach gezeigt, das Einzelregiment bewies sich sofort als stark; denn der Senator Benedikt entzog dem Papst alle Einkünfte in und außer der Stadt und setzte auch in den Landschaften seine Richter ein. Der Papst wollte ihn anfangs nicht anerkennen, dann gab er nach und willigte in die Änderung der Verfassung.

Rom verdankte vielleicht jenem Senator sein erstes munizipales Statut, welches er erließ und das gesamte Volk bestätigte; doch nur ein paar abgerissene Notizen über die Wirksamkeit Benedikts sind auf uns gekommen. Der kräftige Mann mochte es wert sein, daß sein Andenken in einer monumentalen Inschrift noch heute in Rom fortdauert. Sein Amt währte etwa zwei Jahre lang, dann wurde er durch einen Aufstand gestürzt und lange Zeit auf dem Kapitol gefangengehalten. Man erhob jetzt Giovanni Capoccio zum alleinigen Senator. Dieser Römer gehörte zu einem geringeren Adelsgeschlecht, welches seine Türme bei SS. Martino und Silvestro besaß, wo ihrer einige noch heute aufrecht stehen. Auch er regierte mit Kraft. Als er abgetreten war, folgte ihm Giovanni di Pierleone im Amt; dann aber stellte eine neue Umwälzung um das Jahr 1197 die alte Verfassung mit 56 Senatoren und dem Vollziehungsausschuß der Konsiliatoren wieder her, und weil der Senat damals wesentlich von Capitanengeschlechtern besetzt war, so konnte diese Änderung nur vom Lehnsadel selbst ausgegangen sein.

Der Kampf der Faktionen in der Kommune und die allen Demokratien eigene Neuerungssucht war die einzige Hoffnung des Papsts, welcher die Römer klug gewähren ließ. Gerade in dieser Zeit war das Papsttum schwer bedroht; denn Heinrich VI. hatte nach dem Tode des Königs Tancred im Jahr 1194 Sizilien unterjocht. Die Hinterlist, mit welcher dieser gewissenlose Fürst die letzten Nachkommen des Normannenhauses und den normannischen Adel vertilgte, entrüstete das italienische Nationalgefühl. Die mit neuer Kaiserdespotie bedrohten Lombarden kamen in Gefahr, ihre heldenmütig errungene Freiheit wieder zertrümmert zu sehen. Heinrich verlieh, wie schon sein Vater getan hatte, die öffentlichen Gewalten Italiens den Deutschen; sein Bruder Philipp wurde von ihm zum Herzog von Tuszien erhoben und mit den mathildischen Gütern belieben; Spoleto hatte schon früher Konrad von Urslingen, die Romagna und die Marken der Feldhauptmann Markward als Lehen erhalten. Wie ein eiserner Ring legte sich die Macht Heinrichs um den Kirchenstaat. Er besetzte das Patrimonium der Kirche fast bis zu den Toren Roms. Mit mehr als jugendlicher Kühnheit, mit sinnloser Übertreibung faßte der Sohn Barbarossas das Reichsideal auf; er träumte von der Herstellung der kaiserlichen Weltherrschaft, von der Knechtung Italiens, von der Zertrümmerung des gregorianischen Papsttums. Die Kaiserrechte in Rom, welche sein Vater aufgegeben hatte, wollte er wiederherstellen, und ohne Zweifel wäre dies dem energischen Sinn gerade Heinrichs VI. wohl gelungen, wenn er länger gelebt hätte. Der Stadtpräfekt widersetzte sich fortdauernd dem Papst, dessen Beamter zu sein er sich weigerte: die kaiserliche Investitur hatte ihm bisher eine zu freie, angesehene und gefürchtete Stellung gegeben, als daß er ihren Verlust hätte ertragen können; wir finden deshalb gerade jetzt die Präfekten so oft im Gefolge Heinrichs, dem sie sich mit Absicht anzuschließen eilten. Auch die Frangipani zog Heinrich VI. auf seine Seite. Diese damals mächtigsten Vasallen der Kirche trotzten fortdauernd den Päpsten, welche gezwungen waren, ihnen den Besitz der Seestadt Terracina zu lassen, wo sie als Despoten regierten und die gegen sie wiederholt empörte Gemeinde ab und zu mit Verträgen beschwichtigten.

Auf seinem letzten Zuge nach Sizilien im November 1196 ging der Kaiser, begleitet vom Präfekten Petrus, von Markward und Konrad von Spoleto, durch das römische Gebiet nach Tivoli, Palestrina und Ferentino. Er berührte Rom nicht, aber er unterhandelte von Tivoli aus mit dem Papst, von dem er die Krönung seines kleinen Sohnes Friedrich begehrte. Da Rom von einer Hungersnot bedrängt war, bat der Papst Heinrich, ihr durch Getreide abzuhelfen. In Sizilien erhob sich gegen die Tyrannei des Kaisers die gemißhandelte Nation und seine Gemahlin selbst, die zu den Rebellen übertrat. Heinrich erstickte die Empörung mit einer Unmenschlichkeit, deren Beispiele nur in der Geschichte asiatischer Sultane zu finden sind; aber er selbst wurde, nachdem er das blühende Sizilien zur Wüste gemacht hatte, durch den Tod hinweggerafft. Heinrich VI., in dessen Natur einige große Eigenschaften des Herrschers mit gewissenloser Unehrenhaftigkeit, Habgier und Rohheit des Despoten sich vereinigten, starb erst 32 Jahre alt am 28. September 1197 zu Messina. Ihm folgte ins Grab auch Cölestin III. am 8. Januar 1198. Der Erbe der furchtbaren Macht des Kaisers war ein hilfloses Kind unter eines bigotten sizilianischen Weibes Vormundschaft; aber der Erbe des ohnmächtigen Papsts wurde einer der größten Charaktere des Papsttums überhaupt.

Das Glück der Kirche war grenzenlos.

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