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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 214
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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4. Eugen III. Seine erste Flucht aus Rom. Abschaffung der Präfektur. Arnold von Brescia in Rom. Errichtung des Ritterstandes. Wirkung der Vorgänge in Rom auf die Landstädte. Eugen III. anerkennt die Republik. Charakter der römischen Stadtverfassung. Zweite Flucht Eugens. Kampf des Volks mit dem Adel. Rebellion des niederen Klerus gegen die hohe Geistlichkeit. St. Bernhard schreibt an die Römer. Verhältnis Konrads III. zu Rom. Eugen III. in Tusculum.

Sofort versammelten sich die Kardinäle in der Kirche S. Cesario an der Via Appia, und hier fiel ihre einstimmige Wahl auf Bernhard, den Abt von St. Anastasius ad aquas Salvias; so kam die Richtung des Heiligen von Clairvaux durch seinen Schüler auch in den Besitz des Päpstlichen Stuhls. Bernhard von Pisa hatte kein Genie; sein eigener Meister war anfangs betroffen, daß man in so drangvoller Zeit einen simplen Mönch auf den Thron der Christenheit gesetzt habe. Allein die Wähler mußten in ihm Verstand und Willenskraft genug entdeckt haben; die hilfreiche Gnade Gottes, so sagten seine Freunde, goß über den Einfältigen Geist, Anmut und Beredsamkeit aus, und der heilige Meister widmete in der Folge seinem bangen Schüler, dem er voll Selbstverleugnung die apostolischen Füße küßte, das goldene Büchlein »Von der Betrachtung«, die noch heute brauchbarste Anweisung für Päpste, ihr Amt mit Demut und Klugheit zu verwalten.

Der neue Papst konnte ohne Hindernis vom Lateran Besitz nehmen, aber die Senatoren verlegten ihm den Weg zum St. Peter, wo er geweiht werden sollte; sie forderten den Verzicht auf die Zivilgewalt und die Anerkennung der Republik. Rom stand in Waffen; der Papst floh am dritten Tage nach seiner Wahl, am 17. Februar, ins sabinische Kastell Monticelli, wohin ihm die zersprengten Kardinäle folgten; man zog sodann nach Farfa, und hier wurde Eugen III. am 18. Februar 1145 geweiht.

Er nahm seinen Sitz zur Osterzeit in Viterbo, wo er acht Monate blieb. Diese Stadt war während der Kämpfe Heinrichs IV. mit dem Papsttum zu munizipaler Kraft emporgekommen und hatte sich am Ende des XI. Jahrhunderts eine Gemeindeverfassung mit Konsuln an ihrer Spitze gegeben. Sie blieb trotzdem den Päpsten untertänig, die seither in ihren festen Mauern oftmals ein Asyl fanden. Rom befand sich unterdes in den wildesten Kämpfen. Paläste und Türme der päpstlich gesinnten Großen und Kardinäle wurden geplündert und zerstört; der Pöbel gab sich Exzessen der Wut hin; selbst an Pilgern vergriff man sich, und der St. Peter wurde wieder mit Sturmmaschinen verschanzt. Jetzt schaffte die Volksregierung auch die Stadtpräfektur ab. Da dies Amt die Kaisergewalt in Rom darstellte, so konnte seine Aufhebung nur das Zeichen sein, daß die Römer, welche die Nichtachtung Konrads erbitterte, sich von dem Kaisertum loszusagen drohten. Der Patricius allein sollte die Majestät des römischen Senats und Volks repräsentieren, und man vertrieb alle Edlen, die ihm die Anerkennung weigerten.

Eugen III. sammelte unterdes in Viterbo die Vasallen der Kirche; denn die meisten Campagna-Grafen waren der Stadt feind, mit der sie kein Band verknüpfte. In einigen Städten saßen noch Comites von alters her, andere wurden von Delegaten des Papsts, unter dem römischen Titel der Praesides und Rektoren regiert. Grafen wie Landstädte wollte Rom sich unterwerfen, so wie Mailand und andere Republiken ihre Nachbarschaften unterwarfen. Die päpstlichen Städte wiederum wollten frei sein, wenn auch die wenigsten stark genug waren, das Beispiel Roms nachzuahmen, wie Corneto, das alte Tarquinii, ein lebhafter Handelsplatz, wo sich schon im Jahre 1144 eine Gemeinde mit Konsuln findet. Auch der Landadel suchte sich unabhängig zu machen, der römische Senat aber ihn zu zwingen, die Belehnung statt im Lateran auf dem Kapitol zu nehmen und unter den Gesetzen der Republik in der Stadt zu wohnen oder jene doch anzuerkennen. Eugen konnte bald viele Lehnsleute der Kirche, die ihm in Narni gehuldigt hatten, mit den erbitterten Feinden Roms, den Tivolesen vereinigen und gegen die Stadt aussenden, wo zugleich die päpstliche Partei den Senat bekämpfte. Selbst der Bann, welchen er über den Patricius Jordan verhing, mochte wirken, und endlich verlangte das ermüdete Volk die Rückkehr des Papstes, den es anerkennen wollte. Er willigte voll Klugheit in einen Vergleich, denn vielleicht sagte er sich, daß es besser für ihn sei, die römische Republik unter die Autorität der heiligen Kirche zu stellen, ehe der Kaiser sie unter die Hoheit des Reiches stellte. Die Römer schafften demnach den Patricius ab, setzten den Präfekten wieder ein und huldigten der Oberhoheit des Papsts, während dieser den Fortbestand der Kommune unter seiner Investitur genehmigte. Eugen III. konnte nach dem Abschluß dieses Vertrages mit dem römischen Volk schon vor Weihnachten 1145 von Sutri aus seinen Einzug in den Lateran halten, und seine Rückkehr glich einem Triumph.

Die Stadtgemeinde hatte also dem Papst ihre Anerkennung abgerungen und er das Prinzip seiner Herrschaft gewahrt, denn der Senat wurde von ihm investiert. In diesem wundersamen Schattenbilde alter Zeiten war nur noch der Name römisch, aber der Charakter neu. Die älteste uns erhaltene Urkunde der Acta Senatus des Mittelalters zeigt unter 25 Senatoren fast nur bürgerliche, früher in unserer Geschichte kaum bemerkte Namen und darunter selbst einen Maler von Profession. Der zuerst überwiegende Bürgerstand gab dem Senat ein plebejisches Gepräge, obwohl schon damals viele Nobili in die Gemeinde getreten waren. Jährlich im September oder November wurde derselbe neu gewählt, und wahrscheinlich fand diese Wahl im Beisein päpstlicher Bevollmächtigter statt. Seine ursprüngliche Anzahl ist unbekannt, und sie war auch später schwankend; weil aber bald nach 1144 die Zahl von 56 Senatoren als Norm angenommen wurde, so scheint es, daß man damals Rom ganz wie im Altertum in 14 Bezirke geteilt hatte, aus denen je 4 als Senatoren erwählt wurden, und der Senat ging vielleicht aus 14 Bannerschaften der Stadt hervor. Der volle Senat bildete den großen Rat oder das Konsistorium, und ein Ausschuß von Konsiliatoren oder Prokuratoren der Republik war an seine Spitze gestellt. Konsiliatoren finden sich auch in Genua und Pisa als Beirat der Konsuln, aber in Rom hatten sie, während der Senat die gesetzgebende Macht besaß, die ausübende Gewalt als höchster regierender Rat. Sie wurden aus dem Senatskörper gewählt, und ihr Amt wechselte mehrmals im Jahr. Konsiliatoren und Konsistorium bilden also den kleinen und großen Rat, alle Vollbürger aber und Urwähler des Senats das Volksparlament, welches sich auf dem Kapitol versammelte, um Beschlüssen beizustimmen und die Rechtfertigung abtretender Magistrate zu hören. Es ist schwer zu sagen, welche Einkünfte der Senat besaß, welche Regale er an sich nahm. Die Münze muß er schon damals dem Papst entzogen haben; und so gingen nach einer Unterbrechung von langen Jahrhunderten wieder Silberstücke durch die Hände der Römer, auf denen die alte Legende Senatus Populusque Romanus zu lesen, aber jetzt das Bild eines Apostels zu sehen war mit der Umschrift »Fürst der Römer«.

Die Ziviljustiz kam an den Senat; der Gerichtshof des Kapitols ( Curia Senatus), gebildet aus Senatoren und rechtskundigen Männern, nahm jedoch oft Pfalzrichter und Dativi als Schöffen in sich auf, so daß sich senatorisches und päpstliches Gericht in manchem Placitum beisammen findet. Selbst Zivilsachen geistlicher Natur, wo Kläger und Beklagter Priester waren, suchte der Senat vor sein Tribunal, das Forum Senatorium, zu ziehen, wogegen die Päpste ankämpften. Denn ihre Kurie dauerte neben der des Senats fort; es finden sich in Streitsachen der Kirchen immer ihre Placita unabhängig von der senatorischen Justiz, von welcher Parteien oft an den Papst, wie umgekehrt von diesem an jene appellierten. Dies sind die Grundzüge der Verfassung, welche sich die Römer damals gaben. Sie ehrt ihre bürgerliche Tatkraft; denn obwohl sie die Oberhoheit des Papsts im Prinzip anerkannten, behaupteten sie doch ihre politische Autonomie, und Rom wurde seither rechtlich eine sich selbst regierende Republik, welche Kriege führte und Frieden schloß, ohne den Papst zu fragen.

Der Vertrag mit Eugen III. stillte indes nicht den tiefen Aufruhr in Stadt und Land. Adel und Klerus blickten mit Ingrimm auf den Senat, welcher seine Gewalt über die ganze Campagna auszudehnen suchte. Tivoli veranlaßte neue Tumulte, die Römer forderten die Vernichtung dieser Stadt, und der bedrängte Papst duldete das Einreißen ihrer Mauern, was jenen nicht genügte. Eugen III. entzog sich am Ende des Januar 1146 seinen Quälern nach Trastevere oder in die Engelsburg, welche die Pierleoni noch immer behaupteten. Lebenssatt wie Gelasius beklagte er seine Pein und seufzte mit den Worten St. Bernhards, daß der Hirt in Rom nicht Petri Schafe, sondern Wölfe, Drachen und Skorpionen weide. Er ging schon im März nach Sutri, im Mai nach Viterbo, wo er bis zum Ende des Jahres blieb; dann zog er nach Pisa, im März 1147 aber durch die Lombardei nach Frankreich, wo König Ludwig sich zum zweiten Kreuzzuge rüstete.

Eugen war geflohen, doch nicht mit Waffengewalt verjagt; denn die Römer fuhren fort, auch während seiner zweijährigen Abwesenheit die Grundlagen des Vertrags mit ihm anzuerkennen, den Senat als vom Papst investiert zu betrachten. Indes sie fühlten sich nun völlig frei: Tivoli wurde sofort überfallen und durch Hinrichtung vieler Bürger bestraft. Wie Rom durch seinen Senat in die alten Zeiten zurückgekehrt zu sein schien, so sah es sich auch wie damals im Krieg mit lateinischen und tuszischen Städten, die sich wiederum gegen die Stadt verbündeten. Über manche Patrimonien der Kirche fiel jetzt auch der große Adel her, sich schadlos zu halten. Jeder raubte, was er konnte. Der Kirchenstaat löste sich in kleine Baronaldespotien auf, welche, dem Papsttum und dem Senat zugleich feind, die Autonomie Roms schwächten oder hinderten. Diese Adelstyrannen schalteten zumal in Latium, einer armen Landschaft, wo nicht wie in Tuszien und Umbrien ihnen reiche Kommunen das Gleichgewicht hielten. So rieb sich die römische Volkskraft im Kampf mit Städten und Capitanen auf, während Rom, wo jetzt Jordan Pierleone als Bannerträger die städtische Macht behauptete, vom innern Kriege zerfleischt wurde und in der heftigsten Revolution lag.

Es war in dieser Zeit, daß der in einem dunklen Exil verschollene Arnold von Brescia als Demagoge in Rom auftrat. Dieser berühmte Schismatiker war nach dem Tode Innocenz' II. nach Italien zurückgekehrt; Eugen III. hatte ihn sogar in Viterbo vom Kirchenbanne losgesprochen, nachdem er Unterwerfung und Stillschweigen gelobt hatte; der ihm aufgelegten Buße sollte er an den heiligen Stätten in Rom genug tun. Hierher ging also Arnold, vielleicht in derselben Zeit, als Eugen aus Viterbo nach der Stadt zurückkehrte, und er lebte hier anfangs in Verborgenheit, bis er nach der Flucht des Papsts nach Frankreich wieder öffentlich auftrat und, des der Kurie geleisteten Eides nicht mehr gedenkend, seine alten Lehren laut vor den Römern verkündete.

Die Umwälzung in Rom zog ihn mächtig an; Freunde, die er in der Stadt hatte oder sich neu gewann, ermunterten ihn, seine Talente der Sache des Volkes zu leihen, und er tat dies voll begeisterter Hoffnung, sein kirchlich-soziales Ideal durch den Sturz des Dominium Temporale auszuführen. Nichts konnte ihm erfreulicher sein als die Gründung der römischen Gemeinde; wenn es hier gelang, dem Papst die Zivilgewalt zu entreißen, so fielen dadurch alle übrigen Kirchenstaaten, und die christliche Gesellschaft näherte sich wieder dem demokratischen Zustande der ersten unpolitischen Kirche. Es mußte demnach die Hauptaufgabe Arnolds sein, eine Republik in Rom aufrichten zu helfen auf den Grundlagen der bürgerlichen Freiheit.

Die religiöse Sekte, welche er in Brescia gestiftet hatte, lebte in Rom wieder auf. Seine Lehren von der apostolischen Armut und Sittenreinheit führten ihm viele Freunde zu; er begeisterte zumal die Frauen. Man nannte seine Anhänger »Lombarden« oder Arnoldisten. Der römische Senat ergriff begierig die Doktrin des feurigen Volksredners von ihrer politischen Seite. Ein Mann in der Mönchskutte, vom Fasten abgezehrt, stand geisterhaft auf den Trümmern des Kapitols und redete zu den Patres Conscripti auf demselben Lokal, wo einst Senatoren, schwelgerische Gebieter über Tausende von Sklaven, geredet hatten, und seine glühende Deklamation, deren Stoff die Kirchenväter und Virgil, das justinianische Gesetz und das Evangelium zugleich hergaben, erklang in dem verdorbenen Latein, der lingua rustica oder Bauernsprache, welche Varro oder Cicero mit Entsetzen würden angehört haben, die aber ein Jahrhundert später als die Sprache Dantes eine neue Literatur erschuf.

Arnold redete oft in öffentlichen Parlamenten. Er schilderte den Stolz, die Habsucht, die Heuchelei und die Laster der Kardinäle; er nannte ihr Kollegium eine Wechslerbank und Räuberhöhle. Er sagte laut vor dem Volk, daß der Papst nicht ein Nachfolger der Apostel als Seelenhirt, sondern ein Brandstifter und Mörder, ein Henker der Kirchen und Verderber der Unschuld sei, der nur sein Fleisch mäste und seine Kasse mit fremdem Gut fülle. Man sei ihm weder Gehorsam noch Verehrung schuldig. »Außerdem seien Menschen nicht zu dulden, welche Rom, den Sitz des Reichs, die Quelle der Freiheit, die Gebieterin der Welt, der Knechtschaft unterwerfen wollen.«

Man mag sich vorstellen, wie solche Reden eines durchaus sittenreinen Reformators in den von Haß gegen das Priesterregiment erfüllten Gemütern der Römer zündeten. Arnold war der große Mann des Tages: die Republik auf dem Kapitol nahm ihn förmlich in ihren Dienst. Sie gebrauchte ihn auch als Ratgeber in Angelegenheiten der städtischen Verfassung; denn so geschah es zu allen Zeiten in Italien, daß kirchliche Reformatoren auf das Gebiet der Politik übertraten und zu Demagogen wurden. Vielleicht wurde die praktische Einsicht des Lombarden unter den Ruinen Roms getrübt und zu tief in antike Traditionen getaucht. Das erwachende Studium des justinianischen Rechts verband sich mit Monumenten und Überlieferungen, die Römer in einem Zauberkreise festzuhalten. Während die übrigen Demokratien in naturgemäßen Formen sich entwickelten, bemühten sich jene, Ruinen wiederherzustellen, und sie verloren sich in schwärmerische Träumereien von der ihnen gebührenden Herrschaft der Welt. Arnold selbst riet, das Kapitol wieder aufzubauen, den alten Senatorenstand, selbst den Ritterstand zu erneuern. In der Errichtung einer Ritterschaft darf man indes keineswegs nur etwas Phantastisches sehen; auch andere Städte schlugen damals Ritter, und Arnold wollte wohl den kleineren volksfreundlichen Adel vereinigen und als eine Waffenmacht der Aristokratie der Konsuln und Capitane entgegenstellen.

Wie der niedere Adel in die Kommune einging, so ergriff auch der niedere Klerus die Ideen von der Gleichheit des Priesterstandes. Von allen Seiten wurde die gregorianische Hierarchie bekämpft, der man das längst zerstörte Bild des Urchristentums entgegenhielt. Die Geistlichkeit der kleineren Kirchen lehnte sich gegen die Kaste der Kardinäle auf, welche bereits wie der große Adel, dem sie meist angehörten, beturmte Paläste in der Stadt besaßen und fürstengleich zu leben pflegten.

Eugen war unterdes im Juni 1148 aus Frankreich nach Italien zurückgekehrt. Auf einer Synode zu Cremona bannte er im Juli Arnold. Voll Furcht vor der Bewegung unter der Geistlichkeit in Rom richtete er aus Brescia an den Klerus der Stadt ein Schreiben, allen denen Strafe drohend, die dem Sektierer Gehör geben würden.

Während Arnold das Volk für die Demokratie entflammte, war sein alter Gegner Bernhard tätig, diesen Brand zu löschen. Die praktische Anwendung seiner eigenen christlichen Grundsätze von der Unstatthaftigkeit der politischen Herrschaft der Bischöfe blieb der Heilige der Welt schuldig, und schwerlich konnte er sich die Stadt Rom anders denken als im Besitze des Papsts, wenn ihm auch die Regierungsform gleichgültig bleiben mochte. Nach der zweiten Flucht Eugens schrieb er an die Römer; er bat das »erhabene und erlauchte« Volk um Nachsicht, daß er, eine geringe Person, zu ihm zu reden wage, aber er erklärte, wie heute jeder Bischof erklärt, daß die dem Papst angetane Gewalt die ganze katholische Welt betreffe. »Eure Väter haben der Stadt den Erdkreis unterworfen, aber ihr wollt sie zur Fabel der Welt machen. Ihr habt das Papsttum aus der Stadt getrieben, nun sehet zu, was aus Rom werden wird: ein hauptloser Rumpf, ein augenloses Angesicht. Zersprengte Schafe, kehrt zu Eurem Hirten zurück! Erlauchte Stadt der Helden, versöhne dich mit deinen wahren Fürsten Petrus und Paulus wieder!« Mit Entrüstung, doch mit diplomatischer Ehrfurcht vor dem Namen Rom sprach hier der Heilige; aber in seinem Innern haßte er die Römer. Er zeichnete anderswo ein Bild von ihnen und nannte jenes »erhabene« Volk stolz, habgierig, eitel und aufrührerisch, unmenschlich und falsch. »Ihre Rede ist groß, aber ihre Taten sind klein. Sie versprechen alles und halten nichts. Sie sind zugleich süße Schmeichler und beißende Verleumder, kurz nichtswürdige Verräter.«

Dem Heiligen sollte sein Schüler Eugen nicht verdanken, was ihm einst Innocenz II. verdankt hatte. Auch an Konrad fand er keinen Lothar. Beide Parteien riefen den König nach Rom; beide brauchten dieselbe Phrase, daß Cäsar nehmen solle, was Cäsars sei; aber Sinn und Absicht waren verschieden. Konrad III. wurde durch seinen verunglückten Kreuzzug, wozu ihn die Ermahnungen und falschen Prophezeiungen des heiligen Abts gedrängt hatten, von Italien ferngehalten; als er sodann anfangs 1149 über Aquileja heimgekehrt war, beschloß er die Romfahrt. Der Bund Rogers mit dem rebellischen Bayernherzog Welf forderte ihn dringend dazu auf, während jener, der Siege Lothars eingedenk, alle Mittel aufbot, ihn fernzuhalten. Konrad hatte mit dem griechischen Kaiser Manuel ein Bündnis gemacht, und auch diesmal sollten die Pisaner ihm ihre Flotte leihen. Dagegen bedurfte der Papst sizilianischer Hilfe wider die Römer und fürchtete, Konrad werde den Vertrag eingehen, welchen sie ihm wiederholt darboten.

Am Ende des Jahrs 1148 ging Eugen nach Viterbo, gegen welche Stadt die Römer bereits Kriegszüge unternahmen. Am Anfange 1149 wagte er sich in die Nähe Roms. Der Graf Ptolemäus nahm ihn in Tusculum auf, und hier begrüßte ihn Ludwig von Frankreich, als er vom Kreuzzuge heimkehrte. Der König sah mit Verwunderung die hilflose Lage des Papsts in dem finstern Kastell; aber er besuchte von dort dennoch Rom, um zu den heiligen Stätten zu wallfahren, und die römischen Republikaner empfingen ihn mit zuvorkommenden Ehren. In Tusculum sammelte Eugen, welcher in Frankreich hinreichende Geldmittel zusammengebracht hatte, die Vasallen der Kirche und Söldnerscharen, an deren Spitze er den Kardinal Guido Puella stellte; in seiner Not schloß er sogar mit dem Könige Roger ein Bündnis, und dieser sandte ihm Truppen; Rom wurde jetzt aufs äußerste bedrängt, allein die Republikaner schlugen die Angriffe ihrer Feinde tapfer zurück.

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