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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 18
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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2. Wachstum der römischen Kirche. Spaltung wegen der Bischofswahl. Bonifatius Papst. Der Kaiser Honorius stirbt 423. Valentinianus III. Kaiser unter der Vormundschaft Placidias. Die Vandalen erobern Afrika. Sixtus III. Papst 432. Sein Neubau der Basilika S. Maria Maggiore. Ihre Mosaiken. Weihgeschenke. Luxus der Kirchengeräte.

Während die politischen und bürgerlichen Ordnungen des Altertums verfielen und das Römische Reich durch den immer stärkeren Andrang der Germanen eine Provinz nach der andern verlor und endlich selbst zu erlöschen drohte, gab es in Rom nur eine Institution, die nicht erschüttert ward; vielmehr sollte sie selbst in den furchtbaren Barbaren, wenn auch erst für spätere Zeit, ihren eigenen Beschützer, ja ihre Werkzeuge zur Erlangung der Herrschaft über die Stadt und manche schöne Provinzen Italiens finden. Mitten unter den Wechselfällen von beinahe vier Jahrhunderten der Cäsarenherrschaft hatte eine Hierarchie von Wahlpriestern auf dem Bischofsstuhle Roms gesessen, fast so alt wie das Kaisertum selbst, und seit Petrus, dem legendären Gründer der römischen Gemeinde, zählte man bereits 45 Bischöfe nacheinander, als die Goten die Stadt eroberten. Diese römischen Priester, deren Handlungen bis tief in das IV. Jahrhundert hinein Dunkel bedeckt, lebten und wirkten verborgen und unscheinbar im Schatten des Reichs, und selbst bis in das V. Jahrhundert, bis zu Leo I., gab es auf dem Stuhle Petri auch nicht einen Bischof von geschichtlicher Bedeutung und Größe. Den Schicksalen Roms und des Reichs war die Entwicklung der Kirche still und sicher zur Seite gegangen; erst war sie ein Geheimbund von Glaubensbrüdern; heroische Märtyrer erkämpften ihr das Recht des Daseins; sodann erhob sie sich aus dem Zustande des Leidens zum Angriff gegen das Heidentum; sie triumphierte über die Götter der Staatsreligion und auch über die ketzerischen Lehren des hellenistischen Orients. In den Zeiten der kaiserlichen Sklaverei hatte die Kirche die moralischen Tugenden in sich gesammelt und die Freiheit in der Sphäre des sittlichen Lebens behauptet, nachdem sie in der politischen Welt untergegangen war. Ihre energische Haltung gegenüber der Cäsarendespotie war segensreich und ruhmvoll; aber dieses geistliche Institut verweltlichte in denselben römischen Elementen durch die Notwendigkeit des Zusammenhangs mit der realen Welt wie durch die allem Menschlichen eingeborenen Triebe der Habsucht und Herrschsucht. Wenn diese Materialisierung der christlichen Idee beklagenswert ist, so vergesse man nicht, daß jedes Prinzip seine leibliche Darstellung sucht und daß es diese nur aus den Stoffen der Zeit entnehmen kann. Die zur Kirche gewordene Religion Jesu suchte ihre weltliche Gestalt, und sie bedurfte derselben, um in der hereinbrechenden Flut der Barbarei ihr Leben zu erhalten.

Große Reichtümer jeder Art, bestehend in Schenkungen aus freier Hand, namentlich von Landgütern, die man Patrimonia nannte, waren der Kirche zugeströmt. Die säkularisierten Tempelgüter des Heidentums wurden zum großen Teil auf sie übertragen, und sie legten hauptsächlich den Grund zu ihrem weltlichen Besitz. Die Frömmigkeit reicher Römer, zumal der Frauen, mehrte diesen, und anderes Gut wurde durch Kauf erworben. Die Staatsgewalt selbst anerkannte den zahlreichen Klerus schon seit Constantin als eine bevorzugte Priesterkaste und machte ihn steuerfrei; sie übertrug die Rangordnung der Reichshierarchie auf das Priestertum, welches die kirchliche Verwaltung von Diözesen und Provinzen in Besitz nahm. Die Nachfolger Petri aber waren mit römischer Konsequenz bemüht, dem bischöflichen Stuhle, worauf sie im Lateran saßen, den Vorrang des apostolischen und ihrer Kirche den Primat über alle anderen in der Christenheit zu erobern. Es kam diesen Priestern sehr zustatten, daß ihre Kirche als die alleinige apostolische im Abendlande galt, daher ihr hier der Vorzug schon sehr frühe zuerkannt wurde. Der römische Bischof, der größte Landbesitzer im Reich, noch auf die kirchliche Verwaltung beschränkt und ohne politische Stellung, begann schon im V. Jahrhundert einen großen Einfluß auf die Stadt selbst zu üben; dieser aber war nicht bloß geistlicher und moralischer Natur, sondern bei unzähligen Beziehungen der Kirche auf das ganze bürgerliche Leben auch praktischer Art. Die Entfernung des Kaisers von Rom erhöhte die Ehrfurcht vor der durch den Glauben geheiligten Person des römischen Oberpriesters, und die immer größer werdende Bedrängnis der Römer ließ ihn selber als den einzigen Beschützer und Vater der Stadt erscheinen. Rom, vom Präfekten und vom Senat bürgerlich regiert, kirchlich vorn Bischof gelenkt, vom staatlichen Leben des Reichs, dessen Sitz zu sein es aufgehört hatte, fast abgetrennt, sank immer mehr in eine vereinzelte, nur munizipale Stellung zurück und begann bald nur im Ansehen seines Bischofs einer besonderen Bevorzugung sich bewußt zu werden. Die politischen Dinge wichen nach der gotischen Eroberung immer mehr aus dem Bereich der Teilnahme des Volks und machten kirchlichen Phantasien und Angelegenheiten Platz.

Schon nach dem Jahre 417 wurde die Stadt von dem Streit wider die Pelagianer, jene mutigen Verteidiger der Freiheit des Willens gegen das fatalistische Dogma der augustinischen Prädestination und alleinseligmachenden Kirche, tief in Anspruch genommen, und dazu gesellte sich ein heftiger Wahlkampf um den Besitz des Bischofsstuhls. Der Grieche Zosimus, Nachfolger Innocenz' I., war im Dezember 418 gestorben. Während eine Faktion des Klerus und Volks den Archidiaconus Eulalius im Lateran gewaltsam zum Bischof erwählte, erhob die Mehrzahl den Presbyter Bonifatius. Das Volk war für diesen gestimmt, aber der heidnische Präfekt Aurelius Anicius Symmachus begünstigte seinen Freund Eulalius; er sandte Briefe an Honorius nach Ravenna, worin er sich gegen Bonifatius aussprach, und der Kaiser, welcher die Bischöfe einsetzte, befahl hierauf, den Kandidaten des Präfekten zur Anerkennung zu bringen. Ein Schisma (das dritte dieser Art in der römischen Kirche) spaltete das Volk; der Ehrgeiz hadernder Priester drohte die Stadt mit jenen Greueln zu erfüllen, welche sie zur Zeit des Damasus und Ursicinus erlebt hatte. Eulalius hatte vom Lateran Besitz genommen, Bonifatius sich nach St. Paul zurückgezogen. Als nun der Präfekt einen Tribun zu diesem schickte, ihn vor sich zu laden, erhob sich das Volk und mißhandelte den Boten. Hierauf ließ Symmachus die Befehle des Kaisers kundtun und die Tore der Stadt schließen, um Bonifatius an der Rückkehr nach Rom zu hindern. Aber die Partei des Ausgeschlossenen eilte, dem Kaiser vorzustellen, daß Eulalius unkanonisch gewählt, Bonifatius in aller Form von der großen Mehrheit zum Bischof ernannt worden sei, und Honorius erklärte sich endlich bereit, die Spaltung durch ein Konzil beizulegen. Die streitenden Parteien erschienen auf sein Gebot in Ravenna, dann vor einer Synode zu Spoleto; bis die Sache entschieden war, wurde beiden Kandidaten Rom zu betreten untersagt. Bonifatius nahm darauf Wohnung auf dem Coemeterium der Felicitas an der Via Salara; aber Eulalius, welcher in Antium bei der Kirche des heiligen Hermes seinen Sitz genommen hatte, drang in die Stadt, um während des Osterfestes zu taufen und die Messe im Lateran zu halten, da sein Gegner sich begnügte, in der Basilika St. Agnes vor dem Tor das gleiche zu tun. Dies hatte zur Folge, daß der Kaiser den Eulalius fallen ließ; er wurde aus der Stadt nach Kampanien verbannt, und Bonifatius bestieg als rechtmäßiger Bischof im Jahre 418 den Heiligen Stuhl. Nachdem das politische Leben hingeschwunden war, wurde für die Römer die Wahl ihres Bischofs, als einziger Akt ihres selbständigen Willens, fortan die wichtigste Angelegenheit.

Bald darauf handelte es sich um ein viel größeres, einst vom Senat und Volk ausgeübtes Recht, die Besetzung des Kaiserthrones selbst. Am 15. August 423 starb zu Ravenna der Kaiser Honorius, 39 Jahre alt, nach einer langen und schmachvollen, nur durch den Ruin des Reichs denkwürdigen Regierung. Man führte seine Leiche nach Rom, wo sie im Mausoleum am St. Peter bestattet wurde. Sein Tod ließ das abendländische Reich ohne bestimmten Nachfolger. Denn der Mannesstamm des großen Theodosius war im Westen ausgegangen, und Placidia, die Witwe Athaulfs, hatte sich kurz vor ihres Bruders Tode mit ihrem Sohne Valentinian, den sie ihrem zweiten Gemahl Constantius geboren, infolge von Hofkabalen nach Byzanz begeben müssen. Hier war der Kaiser Theodosius II. erst unentschlossen, ob er das Abendland wieder mit dem Morgenlande vereinigen oder einem unmündigen Knaben die Krone des Westens aufs Haupt setzen sollte. Er gab endlich den Bitten seiner Tante Placidia nach: er ernannte diese zur Augusta und Vormünderin ihres Sohnes, welchem er die römische Kaiserwürde zusicherte, indem er ihm seine eigene kleine Tochter Eudoxia verlobte. Hierauf schickte er Mutter und Sohn mit einer Kriegsflotte nach Ravenna, wo ein Usurpator, der Primicerius der Notare, Johannes, den Purpur an sich gerissen hatte. Dieser kühne Mann bemächtigte sich Italiens ohne Mühe; er wurde selbst von Rom als Kaiser anerkannt. Aber er erlag im Jahre 425 den byzantinischen Generalen Ardaburius und Aspar, welche Placidia und Valentinian mit sich führten, Ravenna einnahmen und Johannes hinrichten ließen.

Der Knabe eilte in Begleitung seiner Mutter nach Rom, wo er aus den Händen Helions, des byzantinischen Bevollmächtigten, das kaiserliche Gewand empfing und als Valentinian III. zum Augustus erklärt wurde, in einem Alter von nur sieben Jahren. Der junge Kaiser nahm seinen Sitz in dem festen Ravenna. Hier erzog ihn seine Mutter unter den Weibern und Eunuchen des Palasts, während sie selbst, zu schwach, den zerrütteten Staat zu lenken, eine Beute höfischer Kabalen blieb. Diese Fürstin, deren vielbewegtes Leben ein romanhaftes Interesse erregt, besaß keine Herrschergaben, und obwohl sie von den Talenten zweier großer Feldherren, des Aëtius und des Bonifatius, hätte Gebrauch machen können, beraubte sie sich aus Leichtgläubigkeit und aus Sucht zu Ränken des einen durch den andern. Die Folge der Arglist des Aëtius und ihrer eigenen Schwäche war der Verlust der Provinz Afrika. Bonifatius, durch die unedle Eifersucht seines Nebenbuhlers zum Verrat gedrängt, rief die Vandalen aus Spanien herbei, und nach ihrer Landung im Jahre 429 kamen die Erkenntnis des Irrtums und seine heroische Reue zu spät; denn der furchtbare König Geiserich riß in einem Zeitraum von zehn Jahren Afrika an sich, und mit dieser reichen Provinz, der Kornkammer Roms, bemächtigte er sich des Zuganges zu Italien. Die Stadt Rom sollte die Folgen dieser Ereignisse bald genug erfahren; aber die Geschichte des Reichs wurden von ihr nicht mehr im verödeten Cäsarenpalast oder auf dem trümmernden Kapitol entschieden, sondern schweigend erduldet.

Ihre eigene Geschichte in dieser Zeit macht nur die Tätigkeit des Bischofs Sixtus III. denkwürdig, eines Römers, der am 31. Juli 432 den Stuhl Petri bestieg. Unter seinem Vorgänger Coelestin I. (422–432) war im Jahre 431 auf dem Konzil zu Ephesus die Versammlung des byzantinischen Patriarchen Nestorius durchgesetzt worden, welcher der Mutter des Stifters der christlichen Religion das ungeheuerliche Prädikat der »Gottesgebärerin« mutig verweigert hatte, und Sixtus feierte diesen dogmatischen Sieg über die Nestorianer durch den Neubau der Basilika des Liberius, welche er jetzt der Jungfrau Maria, als der Mutter Gottes, weihte. Er schmückte das Innere dieses nachweislich ersten Maria-Tempels in Rom mit Mosaiken, von denen sich viele erhalten haben. Sie gehörten, nächst den Musiven der St. Pudentiana und den rohen Ornamenten in S. Costanza, zu den ältesten Bildwerken dieser Art in Rom. Ihnen gleichzeitig mögen die Überreste musivischer Malereien in S. Sabina auf dem Aventin sein, welche schöne Basilika von einem Bischof Petrus unter Sixtus III. erbaut worden sein soll.

Der Stil der Mosaiken in St. Peter bewahrt noch die Tradition antiker Kunst; er zeigt noch nichts von jenem sogenannten byzantinischen Charakter, der schon wenig später, als Placidia den Triumphbogen in St. Paul verzieren ließ, zur Erscheinung kam. Sie sind die einzigen Roms, welche die Entwicklung des Christentums in einem Zyklus biblischer Geschichten darstellen. Diese Historien sind so verteilt, daß auf den Wänden des Mittelschiffs alttestamentliche Vorstellungen zur christlichen Geschichte im Triumphbogen hinüberleiten. Sie schmücken beide Wände oberhalb des ganzen Architravs als sechsunddreißig viereckige Bilder, je zwei übereinandergestellt. Beginnend mit der Begrüßung Abrahams durch Melchisedek, stellen sie das Leben und die Taten der Patriarchen, des Moses und Josua bis zur Einnahme des Gelobten Landes dar. Die schönsten sind die ersten im idyllisch patriarchalischen Charakter, welche noch viel von antiker Grazie haben und wie Vorläufer der kleinen Gemälde Raffaels in den Loggien erscheinen. Dagegen mag sich der Künstler in den Kampf- und Kriegsszenen aus der Geschichte Josuas nach dem Stil der Skulpturen auf der Säule Trajans gerichtet haben.

Die Geschichte Christi schmückt den Triumphbogen, welchen Sixtus zur Verherrlichung des Sieges der orthodoxen Kirche über dem Hauptaltar errichten ließ. Die Mitte nimmt das Bild des Thrones ein, vor dem das mystische Buch mit sieben Siegeln liegt. Zur Seite stehen Petrus und Paulus und die vier Symbole der Evangelisten. Es folgt die Verkündigung des Engels an die anmutvoll dasitzende Jungfrau. Noch ist diese nirgends mit dem Nimbus ausgezeichnet. Sodann erblickt man die Darstellung Christi im Tempel oder Maria, die das mit dem Nimbus umgebene Kind trägt. In der zweiten Reihe folgt die Anbetung der Magier, ein Bild von seltsamer Auffassung: das Kind sitzt allein auf dem Throne; zwei Könige, schlanke Jünglinge mit gekrönten phrygischen Mützen, den eiförmigen Helmen der Dioskuren oder den Baretts der dazischen Kriegsgefangenen vom Triumphbogen Trajans ähnlich, stehen mit Geschenken da, und hinter dem Thron erscheinen vier Engel und der himmlische Stern. Auf der andern Seite Christus lehrend im Tempel, zwei Engel hinter sich. Die dritte Reihe stellt eine nicht leicht verständliche Handlung vor Herodes und links den Kindermord dar. Die spätere Malerei hat diese Szene mit roher Brutalität ausgeführt, aber dieses alte Musiv zeigt nur eine Gruppe von ängstlichen Frauen, Kinder auf dem Arm, gegen welche sich drei Krieger lebhaft hinbewegen. Endlich wird das ganze Werk an den Enden des Bogens durch das übliche Abbild der beiden Städte Jerusalem und Bethlehem geschlossen, zu denen Lämmer, Sinnbilder der Gläubigen, aufblicken. Dieses sind die ausgezeichneten Mosaiken der S. Maria Maggiore, ein schönes Denkmal der letzten Blüte der römischen Malerei im V. Jahrhundert.

Das Buch der Päpste zählt den reichen Schmuck auf, welchen Sixtus in seine Marienkirche stiftete. Es scheint darnach, daß seit der gotischen Plünderung das Gold selten geworden war; denn nur ein Becher ( Scyphus) aus purem Golde, 50 Pfund an Gewicht, wird im Katalog verzeichnet. Die übrigen Weihgeschenke sind silbern, unter ihnen ein mit Platten von 300 Pfund belegter Altar und ein 30 Pfund schwerer Hirsch, aus dessen Munde das Wasser in das Taufbecken sprang. Indes gewann Valentinian III. auf Bitten des Bischofs dem erschöpften Schatze noch so viel ab, daß er über der Konfession des St. Peter ein goldenes, mit Edelsteinen verziertes Relief des Erlösers und der zwölf Apostel aufstellte, in der Basilika des Lateran aber ein silbernes Tabernakel ( Fastigium) ersetzte. Denn dies hatten die Goten trotz der Schonung der Kirchen geraubt. Da dieser Schatz allein 511 Pfund wog, so kann man sich vorstellen, wie reich die Beute gewesen war, welche jene Barbaren aus den Kirchen Roms entrafft hatten. Honorius, Placidia, Valentinian und die römischen Bischöfe waren eifrig bemüht, die Verluste zu ersetzen. Die beraubten Kirchen erfüllten sich wieder mit Kostbarkeiten von massivem Gold und Silber, und es gibt keinen unter jenen Bischöfen, dem das Buch der Päpste nicht rühmend die Vasen, Leuchter, Altäre und Bildwerke nachzählte, die er in den Kirchen aufstellen ließ. Vergebens hatte sich der heilige Hieronymus gegen diesen Luxus erklärt. »Die Marmorwände glänzen«, so sagte der große Kirchenvater, »die Decken funkeln von Gold, die Altäre von Edelsteinen, aber die wahren Diener Christi sind ohne Glanz. Mag mir doch niemand entgegnen, daß der Tempel in Judäa reich gewesen ist und daß dort der Tisch, die Leuchter und Weihrauchfässer, die Schalen, Becher und Pfannen und alle anderen Geräte in Gold gewesen sind. Jetzt, da der Herr die Armut zu seinem Tempel gemacht hat, sollen wir ans Kreuz denken und den Reichtum gleich Kot achten.« So Hieronymus. Aber die prunksüchtige Priesterschaft der Kirchen Roms dachte anders; sie bemühte sich, in jeder von ihnen ein Nachbild des Salomonischen Tempels darzustellen, dem man die orientalische Pracht der heiligen Geräte und der Priestergewänder entlehnte, und innerhalb eines Zeitraums von nur vierzig Jahren sammelte sich in Rom wiederum eine reiche Beute für diejenigen Barbaren, welche Glück und Kühnheit in die Stadt führen sollte.

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