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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 157
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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4. Otto III. zieht nach Kampanien. Tod Gregors V. im Februar 999. Gerbert. St. Romuald in Ravenna. Gerbert als Silvester II. Phantastische Ideen Ottos III. in bezug auf die Herstellung des Römischen Reichs. Er kleidet sich in die Formen von Byzanz. Das Zeremonienbuch für seinen Hof. Der Patricius.

Wir kehren zur Geschichte zurück. Vor dem Sommer 998 verließ Otto Rom, um nach Oberitalien zu gehen. Aber schon im November wohnte er wieder in der Stadt einem Konzil bei, worauf er nach Süditalien zog. Seine schwärmerische Seele war durch den Opfertod Adalberts aufgeregt; die Einflüsterungen der Mönche Ravennas, die Ermahnungen St. Nils hatten sein Gewissen durch den Gedanken an die zu grausame Bestrafung der römischen Rebellen erschreckt; er beschloß daher eine Pilgerfahrt zu den Heiligtümern Süditaliens. Wenn es wahr ist, daß er Rom barfüßig verließ, so gab er zum Gerede Grund, er fühle sich durch einen an Crescentius begangenen Meineid beängstigt, und obwohl der Aberglaube an den Anblick solcher Demütigungen gewöhnt war, mußten sie doch die Achtung vor dem Kaiser verringern, der sich ihnen unterzog.

Otto riefen jedoch auch ernste Aufgaben nach dem Süden; hier ordnete er die Verhältnisse der langobardischen Fürsten, die er in ihrer Vasallenpflicht festhielt: Capua, Benevent, Salerno, selbst Neapel huldigten ihm. Seinen Aufenthalt in Kampanien, wo er voll Andacht Monte Cassino besucht hatte, kürzte indes ein wichtiges Ereignis ab: die Kunde erreichte ihn, daß Gregor V. in Rom gestorben sei. Der Tod hatte diesen ersten deutschen Papst im Anfange des Februar hingerafft, und der Argwohn, daß dies durch Gift geschehen sei, lag nahe genug.

Otto beschloß jetzt, nach Rom zurückzukehren; erst pilgerte er nach dem Garganus, einem wilden Kap im Apulischen Meer, auf dem eine uralte Kapelle des Erzengels Michael stand. Der Kultus dieses semitischen Schutzgeistes war aus dem Judentum in die christliche Mythologie hinübergenommen worden und aus Byzanz nach dem Abendlande gedrungen. Der Legende nach war der Erzengel im Jahr 493 auf dem Garganus erschienen, wo man ihm zu Ehren in einer Höhle eine Kirche erbaute. Sie wurde die Metropole des ganzen Engelkultus im Okzident. Ruf der Heiligkeit, Entfernung, großartige Einsamkeit der Natur machten sie zum besuchtesten Wallfahrtsort der Zeit, so daß der Berg Garganus im Abendlande dem entsprach, was der Athos oder Hagionoros für das christliche Morgenland war. Otto selbst hatte eine ganz bestimmte Beziehung zu dieser apulischen Wunderkapelle, denn jene Engelsburg in Rom, welche er erstürmt hatte, war demselben Erzengel Michael geweiht. Barfuß stieg er den heiligen Berg empor. Er verweilte dort in der Grotte unter singenden Mönchen im Büßergewand, Leib und Seele kasteiend, und konnte von der Höhe des Kaps sehnsüchtige Blicke nach Hellas und dem Orient richten. Weiterziehend, besuchte er auch St. Nil, welcher damals mit andern Schwärmern in der Nähe Gaëtas unter ärmlichen Zelten wohnte. Der Kaiser fiel dem Heiligen zu Füßen, leitete ihn voll Ehrfurcht in die Klosterkapelle und betete dort mit ihm. Vergebens forderte er Nilus auf, ihn nach Rom zu begleiten; er stellte ihm eine Gunst frei, aber der Patriarch wünschte nur das Seelenheil des kaiserlichen Jünglings, und dieser legte scheidend seine goldene Krone in die Hände des Propheten, zum Zeugnis, daß die Größe der Welt nichtig und der wahre König in ihr der bedürfnislose Heilige sei.

In Rom zog Otto in den letzten Tagen des März ein. Er fand die Stadt ruhig, denn die Römer versuchten nicht, einen Papst ihrer Wahl aufzustellen, sie empfingen vielmehr geduldig den Nachfolger Gregors, welchen ihnen der Kaiser gab. Dies war Gerbert, der sich in seinem Gefolge befand, sein eigener Lehrer, ein Genie, das seine Zeit glänzend überstrahlt hat.

Dieser außerordentliche Mann war nicht Deutscher, sondern Franzose, in Burgund aus niedrigem Stande geboren. Als Mönch in Aurillac hatte er sich dem Studium der Mathematik ergeben, welches damals durch die Araber Aufschwung erhielt. Philosophie hatte er in Reims mit solchem Erfolge studiert, daß er dort später als Lehrer gefeiert wurde. Otto I. lernte ihn in Italien kennen, und von seinem Talent angezogen, schenkte er ihm seine Gunst. Auch Otto II. bewunderte ihn, und er verlieh ihm die reiche Abtei Bobbio, allein Gerbert entzog sich bald den unausgesetzten Verfolgungen, die er dort erlitt, um wieder nach Reims, dann an den deutschen Hof zu gehen, wo er sich der kaiserlichen Familie einzuschmeicheln verstand. Nachdem er einige Zeit wieder in Reims gelebt hatte, stieg er im Jahre 991 auf den Erzbischofstuhl dieser Metropole Frankreichs, durch die Gunst Hugo Capets, des neuen Königs, bei dessen Sohne Robert er Lehrer gewesen war. Auf dem Konzil, welches die Absetzung seines Vorgängers Arnulf aussprach, hatte Gerbert die kühnen Verhandlungen der schismatischen Bischöfe Frankreichs in seine Synodalberichte niedergelegt; endlich auf der Synode zu Mouson im Jahre 995 durch den päpstlichen Legaten Leo von St. Bonifaz gezwungen, vom Reimser Stuhl zu steigen, ging Gerbert in Angelegenheiten dieses Papstes nach Rom, wo Otto eben die Krone genommen hatte. Der junge Kaiser lud ihn bei seiner Rückkehr an seinen Hof in Magdeburg ein und ließ sich von ihm im Griechischen und in der Mathematik unterrichten. Endlich verlieh er ihm im Jahre 998 das Erzbistum Ravenna.

Diese berühmte Stadt erreichte damals durch die Tugenden eines Heiligen den Glanz Clunys; denn während Süditalien vom Rufe des St. Nil erfüllt war, hallte Norditalien vom Namen eines Ravennaten wider. Romuald, Abkomme der Herzöge Traversara, war nach einem wüsten Leben im Jahre 925 Eremit geworden, hatte das Kloster St. Apollinaris in Classe reformiert, war wiederum im Venetianischen in die Einsiedelei gezogen und hatte im Jahre 971 ein Eremitenkloster auf der Insel Pereus bei Ravenna gestiftet, welches fortan ein berühmtes Seminar für Anachoreten wurde. Denn Romuald gründete nicht Klöster wie Odo, sondern Eremiteien, die sich bald über Italien verbreiteten. Zu jener Zeit ergriff eine neue mystische Ekstase das Menschengeschlecht; die Sehnsucht nach dem alten Märtyrertum erwachte, die Reichen schenkten wieder ihre Güter an die Kirche, Fürsten pilgerten und büßten, der Doge Petrus Urseolus, die edlen Venetianer Gradenigo und Maurocenus wurden Einsiedler wie ihr Meister Romuald, und auf Bergen, in Höhlen, am Meer, in Wäldern siedelten sich solche schwärmerische Heilige an.

Romuald und Gerbert in Ravenna waren seltsame Gegensätze. Dieser, ränkevoll und ehrgeizig, ein großer Gelehrter, ein genialer Mathematiker, konnte mitleidig auf den Eremiten blicken, der kaum den Psalter zu lesen verstand und die höchste Aufgabe des Menschengeistes in der Verwilderung des mystischen Naturzustandes suchte. Aber zu Romualds Füßen saßen die glanzvollsten Fürsten, demütig seinen Reden lauschend, und derselbe Otto III., welcher mit Bewunderung vor dem Genie seines Lehrers an ihn Briefe mit der Aufschrift schrieb: »Dem weisesten Gerbert, dem in den drei Klassen der Philosophie Gekrönten«, fiel zugleich vor dem unwissenden Eremiten nieder, küßte ehrfurchtsvoll dessen Kutte und steckte sich als Büßer auf sein hartes Binsenlager nieder. Gerbert indes behielt das Erzbistum Ravenna nur ein Jahr, dann erhob ihn ein grenzenloses Glück auf den Heiligen Stuhl, und sein Zögling bewies, daß der Unterricht eines so großen Lehrers nicht fruchtlos gewesen war.

Seine Ernennung ehrte Otto und beschämte den römischen Klerus; denn das Genie des neuen Papsts, der ehedem die barbarische Unwissenheit seiner Vorgänger so scharf kritisiert hatte, ließ die Finsternis Roms nur noch finsterer erscheinen. Am Anfange des April 999 wurde er ordiniert. Er legte sich kühn den Namen des heiligst verehrten, schon mythisch gewordenen Papstes bei: Silvester II. setzte in Otto einen Constantin II. voraus, und grundlos war diese Namenswahl nicht, denn Freundschaft und Dankbarkeit verbanden Lehrer und Schüler. Jenes ideale Bündnis zwischen Papsttum und Kaisertum, welches Otto III. durch seinen Vetter Gregor V. erstrebt hatte, sollte jetzt unter dem neuen Silvester verwirklicht werden. Wer an die Schenkung Constantins glaubte, konnte freilich dem Kaiser sagen, daß der Name Silvester die Herstellung des Kirchenstaats und neue Schenkungen bedeute, aber die Satire der Römer hätte Otto daran erinnern können, daß nach eben dieser Schenkung Constantin dem Papst die ewige Stadt für immer abgetreten hatte, um sich selbst in einen Winkel Europas am Bosporus zurückzuziehen. Otto dagegen wollte Rom zum Kaisersitz erheben und der Schöpfer einer neuen Weltmonarchie sein. Das Ideal Karls schwebte ihm vor, aber der unreife Jüngling war nicht fähig, ein politisches System zu erfassen, wie es für das germanisch-romanische Abendland sich eignete. Seine griechische Erziehung hatte ihn dem Norden entfremdet; statt das politisch für immer verfallene Rom wie Karl nur als Quelle seiner kaiserlichen Majestät und als den von ihm beherrschten Sitz der Kirche zu betrachten, den Schwerpunkt des Reichs aber in Deutschland zu befestigen, wollte er Rom wieder zur Kaiserresidenz erheben, ohne zu bedenken, daß dann erst die römische Kirche durch unabsehbare Kämpfe zu einem Patriarchat herabgedrückt werden mußte, wie es die byzantinische war. Die Grenzen zwischen Kirche und Staat verschwammen in seinem Vorstellen, und mit den despotischen Grundsätzen Justinians mischten sich in ihm Erinnerungen an die Institute der Römischen Republik. Die Kraft Deutschlands hatte das Papsttum aus dem Verfall erhoben und Rom wiederum besiegt; den dortigen Adel, welcher den Umfang seiner eigenen Herrschaft praktischer als Otto auf die Maße Alberichs zu beschränken suchte, glaubte er gebändigt zu haben. Nachdem er jene Kämpfer für eine so kleine Größe der ewigen Stadt an den Galgen gehängt hatte, erschien er sich wie Augustus nach dem Siege bei Actium, und seine ausschweifende Phantasie dehnte die Dimensionen des zertrümmerten Rom wieder zu denen der Welt aus. Er träumte davon, seine Herrschaft als Cäsar über fremde Völker auszubreiten und das Römische Reich herzustellen. Auf einer Bleibulle Ottos III. sieht man Roma als verhülltes Weib mit Schild und Lanze und der Umschrift Renovatio Imperii Romani. Mit absichtlichem Prunk zog er den antiken Begriff der Republik hervor; er sprach selbst von der Mehrung der Macht des römischen Volks und vom Senat. Er nannte sich selbst vorzugsweise Kaiser der Römer, aber auch Konsul des römischen Senats und Volks; er würde den Senat hergestellt haben, wenn er länger gelebt hätte. Keine Urkunde sagt, daß er dies getan hat, aber wir zweifeln nicht, daß er den Römern eine Art städtischer Konstitution gab. Die Macht des Adels war schon zu groß geworden; auch mußte er ihn versöhnen. In einer Zeit, wo sich die korporativen Rechte entschieden ausbildeten und die Herrschergewalt keineswegs absolut war, konnte die Stadt nicht ohne eigene Munizipalverfassung sein. Ihre Spitzen setzte der Kaiser oder Papst ein, aber die Rechte der städtischen Gemeinde waren durch Vertrag sichergestellt.

Otto holte in dieser Zeit die pedantischen Formen des griechischen Hofs hervor; er setzte sich über die Kluft hinweg, die Rom glücklich vom Despotismus der Byzantiner trennte, und begann sich in morgenländischen Pomp zu kleiden, was ihm den Tadel seiner ernsten Landsleute zuzog. »Der Kaiser«, so sagt ein deutscher Chronist, »begehrte die verschollenen Gebräuche der Römer zu erneuern und tat vieles, was man verschieden beurteilte. Er pflegte allein an einem halbkreisförmigen Tisch zu sitzen, auf einem die andern überragenden Thron.« Otto wurde in seiner Leidenschaft für das Griechische durch Gerbert bestärkt. Als der wissensdurstige Fürst diesen, ehe er noch Papst war, eingeladen hatte, ihn in der klassischen Literatur zu unterrichten, antwortete der Höfling, er wisse nicht zu sagen, welch ein göttliches Geheimnis darin liege, daß Otto, von Geburt Grieche, durch Reichsgewalt Römer, die Schätze griechischer und römischer Weisheit gleichsam geerbt habe. So wurde das Wesen des geistreichen Jünglings durch Schmeichelei verfälscht. Die Höflinge affektierten ihm zu Gefallen griechische Art; selbst ehrliche deutsche Ritter und Recken fingen an, Griechisch zu stammeln, wie man an allen deutschen Höfen des XVIII. Jahrhunderts und noch heute Französisch stammelt, denn so alt ist die erbärmliche Sucht der Deutschen, ihre eigene Natur mit fremdem Flitter zu verfälschen. Wir lesen noch in Gerichtsakten Unterschriften von deutschen Richtern Ottos mit Namen Siegfried und Walther in griechischen Charakteren, geradeso wie das auch in Rom und Ravenna zur byzantinischen Zeit Mode war, wo man sogar lateinische Sätze mit griechischen Lettern schrieb.

Otto studierte das Zeremoniell des byzantinischen Hofs, mit dem er, der Sohn einer Griechin, sich verschwägern wollte, und wohl zu seinem Gebrauch wurde damals ein lateinisches Formelbuch verfaßt, welches teils den »Origines« Isidors entlehnt ist, teils mit den Zeremonienbuch des Constantin Porphyrogenitus übereinstimmt. Die byzantinischen Würden sind dort antiquarisch erklärt und auf Rom angewendet, die phantastische Kleidung des Kaisers, die zehn verschiedenen Kronen aufgezählt und erklärt. Sie waren, nach der Angabe des unbekannten Verfassers, von Efeu, Olivenlaub, Pappelzweigen, von Eichenlaub, von Lorbeer, die Mitra des Janus, das trojanische Phrygium des Paris, die eiserne Krone als Zeichen, daß Pompejus, Julius, Oktavian und Trajan die Welt mit dem Schwert besiegt hatten, die Krone von Pfauenfedern, endlich die mit Edelsteinen besetzte goldene Krone, welche Diokletian vom Perserkönig entlehnt hatte und worauf man die Umschrift las.

Roma caput mundi regit orbis frena rotundi.

Pferde, Waffen, musikalische Instrumente, selbst die Eunuchen werden beschrieben, die verschiedenen Arten des Triumphs auseinandergesetzt. »Keine Würde, keine Gewalt, keine in der römischen Welt lebende Seele, auch nicht der erhabene Monokrator darf das Kapitol des Saturn, das Haupt der Welt, anders ersteigen als im weißen Gewande. Im Mutatorium des Julius Caesar soll der Alleinherrscher den weißen Purpur nehmen, und, von aller Art Musikanten umgeben, während ihm hebräisch, griechisch und lateinisch akklamiert wird, zum goldenen Kapitol hinangehen. Dort sollen sich alle dreimal bis zur Erde vor ihm neigen und für sein Heil Gott anflehen, der ihn der römischen Welt vorgesetzt hat.« Indes Otto mußte sich begnügen, von diesen antiquierten Herrlichkeiten im Zeremonienbuch zu lesen. Seine Phantasien trugen viel dazu bei, das eitle Vorstellen der Römer von der ewigen Weltstadt zu nähren. Schwärmerische Köpfe konnten sich über den Verlust der städtischen Freiheit mit dem Gedanken trösten, daß Ungarn, Polen, Nordspanien, ja Deutschland römische Provinzen seien und daß sie dort Prokonsuln sein würden; die unwissenden Aristokraten lachten kaum über die Jugendlichkeiten des Kaisers, der ihrem Nationalstolz schmeichelte. Sie drängten sich begierig zu den Graden des Hofes und der Miliz, die er ihnen bot. Wenn er auch nicht Volkstribunen, Konsuln, Diktatoren und Senatoren ernannte, so gab es doch stolzklingende Ämter an seinem Hof, wo sich Protovestiare, Protoskriniare, Logotheten, Archilogotheten, Protospathare wie in Konstantinopel fanden. Den neuen Titel eines Flottenpräfekten trug Gregor von Tusculum. Infolge des Verfalles des Kirchenstaats hatte die päpstliche Flottenstation in Ostia aufgehört; nun aber dachte Otto III. an die Erschaffung einer römischen Marine, und er eilte der Wirklichkeit durch die Ernennung eines Admirals voraus.

Wichtiger war das Amt des Patricius, das er erneuert zu haben scheint, um den Römern, für welche dieser Titel so bedeutungsvoll war, zu schmeicheln. Römische Große führten ihn noch hie und da, vielleicht nur als eine Auszeichnung, welche die ersten Ottonen nach dem Beispiel der griechischen Kaiser verliehen hatten. Aber Otto III. gab ihm ein neues, doch nur höfisches Ansehen; das feierliche Zeremoniell der Ernennung des Patricius wird in der Graphia bemerkt. Der Protospathar und der Präfekt führen den zukünftigen Patricius zum Kaiser, dessen Füße, Knie und Mund er küßt; er küßt alle umstellenden Römer, die ihm Willkomm zurufen; der Kaiser ernennt ihn sodann zu seinem Helfer, Richter und Verteidiger in Sachen der Kirchen und Armen; er bekleidet ihn mit dem Mantel, steckt ihm den Ring an den rechten Zeigefinger und schmückt sein Haupt mit dem goldenen Reifen. Als der erste Patricius zu Ottos Zeit wird Ziazo genannt; im Anfange des XI. Jahrhunderts finden wir Johannes als »Patricius der Stadt Rom«, wo er in seinem eigenen Palast ein Placitum hält, der Stadtpräfekt Crescentius ihm als Richter zur Seite steht, jener aber die erste Stelle hat. Dies Amt barg jedoch den Reiz der Rebellion in sich, denn jene römischen Großen, welche die Papst- und Kaisergewalt bekämpften, nannten sich stets Patricius. Es wurde daher später durch die Würde des Präfekten verdunkelt. Und auch dessen Ansehen scheint Otto III. gehoben zu haben. Der Stadtpräfekt, welcher in der karolingischen Epoche nicht sichtbar gewesen war, begegnete uns in den Jahren 955 und 965 wieder, und bald wurde seine Stellung bedeutender. Er galt als der eigentliche Vertreter der Kaisergewalt, wurde mit Adler und Schwert beliehen und hatte den Blutbann in der Stadt und dem Stadtgebiet. Zugleich war er der ständige Advokat der Kirche mit richterlicher Gewalt.

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