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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 10
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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5. Die alte Basilika des St. Paulus. Der damalige Kultus der Heiligen. St. Laurentius extra muros und in Lucina. St. Agnes. St. Crux in Hierusalem. St. Petrus und Marcellinus. St. Marcus. S. Maria Maggiore. S. Maria in Trastevere. St. Clemens. Roms Aussehen im V. Jahrhundert. Kontraste in der Stadt.

Nach der Angabe des Buchs der Päpste soll Constantin auch dem Apostel Paulus auf Bitten Silvesters eine Basilika errichtet haben, eine Millie vor der Stadt an der Straße von Ostia, wo der Heilige der Legende nach von der frommen Matrone Lucina bestattet worden war. Der älteste, unbekannte Bau zu Ehren St. Pauls bestand vielleicht nur in einer Grabkapelle; dann geboten im Jahre 386 die Kaiser Valentinian II., Theodosius und Arcadius dem Stadtpräfekten Sallust, eine größere und glänzendere Basilika auf der Stelle der alten zu errichten. Weil die Goten Alarichs die Basilika St. Pauls bereits als einen schönen Tempel vorfanden und bei der Plünderung verschonten, darf man annehmen, daß Honorius schon im Jahre 404 ihren Bau vollendet hatte.

Diese berühmte Kirche, welche an Schönheit die Basilika St. Peters übertraf, war ihr in der Anlage ähnlich, aber noch größer, 477 Fuß lang und 258 Fuß breit. Wenn man durch eine ihrer Türen eintrat, verlor sich der im herrlichsten Raum schweifende Blick in den majestätischen Schiffen, deren es fünf durch vier Säulenreihen gegliederte gab. Diese Säulen, je 20 in der Reihe, waren antiken Monumenten entnommen. Ihre Ungleichheit (einige der mächtigen korinthischen Kapitelle waren von Stuck und in der Form barbarisch) wurde durch die Anzahl, die Größe und die Köstlichkeit des Steins gemildert. Es gab im Mittelschiff allein 24 Monolithe von dem edelsten phrygischen Marmor (Pavonazetto), gegen 40 Palm hoch. Der Baumeister hatte von Säule zu Säule Bogen geschlagen, über welche eine steile Wand aufragte. Man schmückte wohl nur die Abschnitte derselben über den Säulenhäuptern mit Mosaik und noch nicht mit den Brustbildern der Nachfolger St. Peters, welche erst eine spätere Zeit dort angebracht hat. Die Decken der Schiffe glänzten von vergoldeter Bronze und Boden und Wände von getäfeltem Marmor. Wie im St. Peter schloß das Mittelschiff ein großer Triumphbogen, der auf zwei gewaltigen jonischen Säulen ruhte. Die Schwester des Honorius, Galla Placidia, gab diesem Bogen zur Zeit des Papsts Leo I. den musivischen Schmuck. In seiner Mitte erscheint das gigantische Brustbild Christi, den Stab in der Hand, mit schrecklichem Ernst auf die Gläubigen herabblickend, als wollte es sie auf das Antlitz in den Staub niederwerfen; denn nur diese knechtische Art der Annäherung scheint ein so medusenhaftes Christushaupt zu dulden. Zu den Seiten sieht man die apokalyptischen Symbole der vier Evangelisten, unten die vierundzwanzig Ältesten, am Schluß des Bogens St. Peter und Paul. An diesen rohen Mosaiken zeigte sich zuerst in Rom derjenige Stil, den man byzantinisch nennt. Aber es ist irrig, eine Kunst aus Byzanz herzuleiten, welche traditionell römisch war, ihre Vorbilder für die Behandlung größerer Figuren in den Thermen und Palästen vor sich hatte und welche endlich, was das christliche Kunstideal betraf, nur der Ausdruck des anmutlosen und schwerfälligen Wesens Roms selber gewesen ist. Der Triumphbogen in St. Paul öffnete sich über dem Hauptaltar und der Konfession, unter welcher der Leichnam des Apostels in einem bronzenen Sarge lag; er ließ endlich die mit Mosaiken versehene Tribune hervorscheinen, die von ihm durch den mächtigen Raum des Kreuzschiffes getrennt war.

Der Reichtum St. Pauls kam jenem des St. Peter gleich. Gold, Silber und Edelgestein in verschwenderischer und märchenhafter Pracht reizten auch hier die Phantasie der Christen und später nur zu sehr der orientalischen Barbaren. Der Dichter Prudentius sah die Basilika zur Zeit des Honorius in ihrem ersten jungfräulichen Glanz und schrieb diese Verse nieder:

Dort im andern Gebiet wahrt Ostias Weg des Paulus Titel,
    Wo linker Hand den Fluß der Rasen gürtet.
Königlich pranget der Ort; ein gütiger Fürst den Tempel weihte,
    Er schloß den Umkreis ein mit großem Aufwand.
Goldene Blätter legt' aufs Gebälk er, damit von goldnem Lichte
    Das Inn're allwärts schien wie Sonnenaufgang.
Über das blonde Gedeck dann stellt' er die Säulen hin von Paros,
    Die vierfach dort der Reihen Ordnung teilet.
Jetzo der Bogen im Schwung glasgrünlich entsteigt und vielfarb bunt er,
    So funkelt schön die Au von Lenzesblumen.

Dies sind die drei Hauptbasiliken Roms, welche die Reihe aller anderen geschichtlich beginnen. Es ist wichtig, darauf zu achten, wem diese Kirchen geweiht waren. Christus, St. Peter und St. Paul waren um die Mitte des IV. Jahrhunderts die Häupter des römischen Kultus und beide Apostel die Patrone der römischen Kirche, jener als ihr traditioneller Gründer und erster Bischof, dieser als Lehrer der Heiden; der eine die hierarchische, der andere die dogmatische Kraft des christlichen Rom. Der Kultus Marias war im IV. Jahrhundert noch nicht offiziell anerkannt; die Heiligen hatten noch keine öffentlichen Kirchen. Die Gotteshäuser wurden noch in der Regel nach den Namen derer genannt, welche sie gestiftet oder erbaut hatten. Doch die immer mehr steigende Verehrung der Märtyrergräber bewirkte bald, daß man ihren Kultus aus den Katakomben in selbständige Stadtkirchen hinüberzog. Die Toten drangen aus den Feldern in die Mauern zurück, und sie verlangten ihre Altäre in der Stadt; auch war es Bedürfnis, die noch lebhaften und zahlreichen Erinnerungen des Heidentums und seiner Tempel durch nicht minder häufige Kirchen in allen Gegenden des großen Rom zu bekämpfen. So wurde die alte Mythologie bald durch eine neue ersetzt.

Laurentius erscheint als einer der ersten Märtyrer, welche die Auszeichnung einer Basilika erhalten haben. Dieser Archidiaconus, Spanier von Geburt, hatte der Legende nach unter Decius in den Thermen der Olympias auf einem glühenden Rost den Tod erlitten. Sein Grab wurde am Tiburtinischen Wege, in den Katakomben des Ager Veranus gezeigt, von vielen Pilgern aus Tuszien und Kampanien besucht und vom spanischen Poeten Prudentius besungen. Nach dem Ende der Christenverfolgungen errichtete man ihm in jenen Katakomben eine Basilika, die dritte vor den Toren Roms, da auch St. Peter außerhalb der Stadt lag. Die Lebensgeschichte Silvesters schreibt auch sie dem Kaiser Constantin zu; ihr erster Bau war eine Gruftkapelle, welche später Sixtus III. herstellte und verschönerte.

Die große Verehrung des Laurentius beweisen zwei andere Kirchen, die ihm schon frühe im Marsfelde geweiht wurden. Der Bischof Damasus, als Portugiese dem Heiligen stammverwandt, gründete (366–384) nicht weit vom Theater des Pompejus die Basilika St. Laurentius in Damaso. Sie stand wahrscheinlich an der Curia oder dem Atrium, in welchem Caesar ermordet worden war. Mit ihrem Bau hat vielleicht der Ruin dieses berühmten Monuments begonnen. Die alte Kirche des Damasus wurde erst am Ende des XV. Jahrhunderts abgetragen und durch das neue Gebäude innerhalb des Palasts des Vizekanzlers ersetzt.

Schon vor Honorius entstand auch St. Laurentius in Lucina. Da solche Zusätze in Lucina, in Damaso usw. den Stifter zu bezeichnen pflegen, so hat man eine römische Matrone dieses Namens für die Erbauerin jener Kirche gehalten. Andere glauben, daß sie nach einem Tempel der Juno Lucina benannt worden sei. Doch ein solcher ist auf dem Marsfelde unbekannt. Die Basilika stand in der Nähe jener Sonnenuhr, welche Augustus mit dem ihr als Zeiger dienenden Obelisk aufgestellt hatte.

Auch die Katakombenkirche der heiligen Agnes vor dem Nomentanischen Tor stand schon zur Zeit des Honorius über dem Grabe dieser Märtyrerin neben einem schon älteren Coemeterium; in der Nähe lag das runde Mausoleum, welches wegen seiner auf die Weinlese bezüglichen Mosaiken lange als Bacchustempel gegolten hat, aber in Wirklichkeit die Gruftkapelle der Töchter Constantins, Helena und Constantina, gewesen ist. Die erste war mit Julian, die andere mit Aniballianus, dann mit dem Caesar Gallus vermählt. Ammianus Marcellinus nennt sie: boshaft und frevelvoll. Die Akten der heiligen Agnes, ein unsinniges Machwerk, welches selbst Baronius für untergeschoben hielt, haben aus dieser Constantina eine heilige Jungfrau erdichtet. Seit dem XIII. Jahrhundert wird sie als S. Costanza verehrt. Der große porphyrne Sarkophag, welcher in jener Rotunde gefunden wurde, steht jetzt neben dem ähnlichen Sarkophag der Mutter Constantins im Vatikan. Diese berühmte Kaiserin Helena wurde drei Millien vor dem Pränestischen Tor (Porta Maggiore) an der Via Labicana gleichfalls in einer prachtvollen Rundkapelle beigesetzt; ihre Trümmer erkennt man noch im »Turm der tönernen Töpfe«, Tor Pignatarra.

Der frommen Helena hat die Legende die erste Gründung der Basilika Santa Croce in Gerusalemme zugeschrieben, worin sie einen Teil des von ihr aufgefundenen wahren Kreuzes niedergelegt haben soll. Die Zeit der Entstehung dieser sehr alten Kirche ist unbekannt. Man erbaute sie an der nordöstlichen Ecke der Stadtmauern, neben dem Amphitheatrum Castrense, nahe bei den Bädern der Helena. Das Buch der Päpste verlegt sie in einen unbekannten Palast Sessorium, von dem auch die nahe Porta Maggiore Sessoriana hieß. Selbst die Kirche wurde so genannt; doch hieß sie eigentlich Basilica Heleniana und Hierusalem. Weil sie bereits im Jahre 433 zur Zeit Sixtus' III. mit diesem Titel aufgeführt wird, muß sie schon unter der Regierung des Honorius bestanden haben.

Die letzte der angeblichen Kirchen Constantins war den Heiligen Petrus Exorcista und Marcellinus geweiht. Sie stand auf der Via Labicana am dritten Meilenstein, an einem Ort »ad duas Lauros«, wo eine kaiserliche Villa gelegen war, nicht weit vom Mausoleum der Helena. Sie war eine Katakombenkirche und verdankte nur der Nähe jenes Grabmals die Tradition von ihrem Bau durch Constantin.

Alle diese alten Basiliken, größtenteils Katakombenkirchen, standen vor den Toren oder an den Endpunkten Roms. Doch immer nähere Kreise beschrieb das Christentum um die Stadt, und schon im letzten Jahre Constantins ließ es sich unter dem Kapitole nieder, wenn die Angabe richtig ist, daß der Bischof Marcus dem Evangelium seines Namens eine Basilika gegründet hat. Im Konzil des Symmachus vom Jahre 499 kommt sie als Titel vor.

Unzweifelhaft ist der frühe Bau eine der schönsten Basiliken Roms , die S. Maria Maggiore, welche der Bischof Liberius zwischen 352 und 366 neben dem Macellum der Livia auf dem Esquilin errichtet hat. Dieser Speisemarkt wurde noch im IV. Jahrhundert von Valentinian, Valens und Gratian hergestellt, weil das dortige Viertel noch immer stark bevölkert war. Die Legende knüpft die Gründung der Kirche an eine Vision. Ein reicher Patrizier Johannes sah in der Nacht des vierten August im Traum die Jungfrau Maria, welche ihm befahl, ihr an derjenigen Stelle eine Basilika zu erbauen, wo er am Morgen frischen Schnee würde liegen sehen. Er eilte zu Liberius und meldete ihm seine Erscheinung, und dieser gestand ihm, daß, er denselben Traum gehabt habe. Das Wunder war indes geschehen; Liberius aber ließ im frischen Augustschnee den Plan der Basilika zeichnen, für welche der Patrizier die Mittel hergab. Diese Sage läßt sich durch die Geschichte erklären. Der Bau der neuen Basilika war ein Denkmal des Glaubensbekenntnisses von Nizäa und der orthodoxen Lehre des Athanasius, wofür Liberius selbst zwei Jahre des Exils hatte erdulden müssen. Die »Gottesgebärerin« hatte indessen im IV. Jahrhundert noch keinen anerkannten Kultus in Rom; sie erhielt ihn erst nach dem Jahre 432, als Sixtus III. die Basilica Liberiana neu erbaute, sie mit Mosaiken schmückte und nun der »Mutter Gottes« weihte.

Die schöne Basilika S. Maria in Trastevere, welche nach dem Bischof Calixtus I. benannt wurde, ist von Julius I. zwischen 337 und 354 neu erbaut oder überhaupt gegründet worden. Wann sie der Maria geweiht wurde, ist ungewiß; ihre heutige Gestalt erhielt sie erst von Innocenz II.

Noch merkwürdiger ist die Kirche des heiligen Clemens, eine uralte Basilika zwischen dem Lateran und Colosseum, von der schon Hieronymus am Ende des IV. Säkulum gesprochen hat. Sie wurde jenem berühmten Bischof geweiht, welcher als der zweite oder dritte Nachfolger des Apostels Petrus auf dem Römischen Stuhle gilt. Daß sie ursprünglich aus dem Hause entstanden sei, wo der Konsul Clemens die Gläubigen zu versammeln pflegte, ist nicht zu erweisen. Keine Kirche Roms ist durch ihre lokale Entstehung gleich merkwürdig, denn der Raum, auf welchem sie erbaut worden ist, weist Denkmäler verschiedener Epochen auf. Tief unter ihr liegen großartige Tuffblöcke eines antiken Gebäudes, welches der Zeit der Republik, wenn nicht der Könige angehören muß. Über diesen haben sich Bauten der Kaiserzeit erhoben. Ausgrabungen haben außerdem dargetan, daß die älteste Kirche St. Clemens auf einem antiken Mithrasheiligtum gegründet gewesen ist. Nachdem im Laufe der Jahrhunderte diese Basilika, welche Hieronymus gekannt hatte, untergegangen war, ist über ihr die Kirche des Mittelalters erbaut worden, und deren wenn auch mehrfach veränderte Einrichtung bietet noch heute das anschaulichste Bild der alten Basiliken Roms dar.

Das V. Jahrhundert sah noch mehr Kirchen entstehen, und wenn wir bis dahin keine entdeckt haben, welche nachweislich aus den Trümmern alter Tempel oder in ihnen selbst errichtet worden ist, so werden wir nach der Mitte jenes Säkulums deren manche nachweisen können. Denn jetzt war das Heidentum in Rom erloschen, die Stadt vom Kultus der neuen Religion durchdrungen und von dem schon fest ausgebildeten System der kirchlichen Verwaltung umfaßt, an deren Spitze der hochangesehene Bischof stand. Dennoch sah Rom noch völlig heidnisch aus; seine antike Gestalt dauerte fort; die unansehnlichen Basiliken der christlichen Religion, die größten fern von den Mauern oder an den Enden der Stadt, verloren sich unter den zahllosen Monumenten des Heidentums.

Aber am Anfange des V. Jahrhunderts waren alle diese erhabenen Bauwerke der Römer nur noch tote Pracht von totem Stein, verlassen, verschlossen, verachtet und ungeehrt. Das Christentum, in den Besitz der ungeheuren Stadt gesetzt, war begreiflicherweise unvermögend, dieses unermeßliche Erbe der Väter in sein neues Leben aufzunehmen. Die großen Denkmäler der Kultur des Altertums, die Schönheit und Fülle ihrer Künste, die Arbeit und Lust der Jahrhunderte ließ es in Ruinen gehen, und es brauchte endlich nichts von ihnen als hie und da einen Tempelraum und losgerissene Säulen und Marmorsteine. Nie sah die Geschichte ein gleiches Schauspiel der Abwendung des Menschengeschlechts von einer noch völlig stehenden Kultur. Das antike Rom wurde jedoch nicht von dem neuen christlichen abgetrennt; denn dieses entstand in ihm, und beide vermischten sich miteinander. So erhielt die Stadt des Mittelalters durch die Verbindung der Vergangenheit und Gegenwart, durch das Miteinanderbestehen der antiken Gestalt des Heidentums und der neuen des Christentums das wunderbare Gepräge monumentaler Doppelnatur, wie es sich nirgends sonst in der Welt wiederholt hat.

Auch die Ruinen des Altertums lebten in Rom fort; sie haben hier ihre Geschichte so gut wie die Kirche und das Papsttum, welches den politischen Geist der römischen Weltherrschaft aus den Trümmern des Cäsarentums in sich aufnahm. Die Schatten antiker Römer werden wir selbst unter den Bürgern noch im späten Mittelalter wandeln sehen. Das Heidentum mit seinem Staat, seiner Religion, seiner kosmopolitischen Bildung war denn doch eine zu machtvolle Gestalt gewesen, als daß es ganz hätte untergehen können. Nicht allein seine monumentalen, sondern auch seine moralischen Reste dauerten fort. Durch alle Jahrhunderte erhielt sich im römischen Volk ein Bestand antiker Natur. Man darf sagen, daß die Römer, nachdem der Sieg des Christenglaubens längst entschieden war, die weltgebietende Macht des Papsttums mit begründen halfen, weil sie sich in ihr der antiken Majestät Roms wieder bewußt wurden.

Der Genius des Altertums lebte in der Kirche und ihrem großartigen Kultus fort. In jeder Epoche, sogar in den Zeiten des tiefsten Verfalles, weht uns sein Odemzug aus der Geschichte Roms entgegen, wenn auch nur als träumerische Sehnsucht der unglücklichen Enkel nach der alten Herrlichkeit, als niemals erstorbene Ehrfurcht vor der Größe der Vorfahren und als immer neu erwachender Wahn der möglichen Herstellung des Römerreichs. Nach dem Ende des Mittelalters erschien jener heidnische Genius plötzlich als Sieger über das Christentum wieder, in der glänzenden Form der Renaissance.

Indem ich nun die Gestalt der Stadt zur Zeit des Kaisers Honorius angedeutet habe, will ich die Geschichte langer und zum Teil dunkler Jahrhunderte mit dem V. Jahrhundert beginnen.

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