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Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter - Kapitel 88
Quellenangabe
typetractate
authorFerdinand Gregorovius
year1980
publisherC. H. Beck Verlag
addressMünchen
isbn3-406-07951-2
titleGeschichte der Stadt Athen im Mittelalter
pages3-16
created20011106
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1889
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2.

Alle an den Verhältnissen Griechenlands beteiligten Mächte anerkannten den klugen Antonio, mit Ausnahme Alfonsos V. von Aragonien und Sizilien. Dieser großartige Fürst, der sich seit 1421 in Neapel befand, wo ihn die Königin Johanna II. adoptiert hatte, erinnerte sich mitten in seinen kühnen Entwürfen, das Königreich Neapel an sein Haus zu bringen und mit Sizilien wieder zu vereinigen, auch der Rechte Aragons auf das Herzogtum Athen.Man vergaß diese nicht in Spanien, wo die Könige Aragons den Titel fortführten. In Versen des Diego del Castillo auf den Tod Alfonsos V. heißt es unter anderm.

El tu Rosellon, la tu grande Atenas,
La tu Neopatria y tierras tan buenas,
Porque te non prestan salud nin clemencia?
Entweder war es ein bloßes Gerücht oder eine wirkliche Tatsache, was dem Herzoge gemeldet wurde, daß Alfonso einen Katalanen Thomas Beraldo mit Athen belieben hatte. Dies machte ihn ernstlich besorgt; er gab daher dem Erzbischof Johannes von Theben, welcher gerade nach Rom reiste, den Auftrag, der venezianischen Signorie die Gefahren vorzustellen, die von den Kataloniern drohten, und sie um Unterstützung durch den Bailo Negropontes zu bitten.»Illustr. regem Aragonum investisse quendam dn. Thomam Beraldo Cathalanum de ducatu Athenarum cum dispositione ponendi eum cum suo favore in posses. ipsius ducatus« (Archiv Venedig, Lib. secret. Consilii VIII. fol. 62 , 17. Juli 1422). Die Signorie beruhigte Antonio, indem sie ihn versicherte, daß die Katalanen, wie allgemein bekannt sei, viel Lärmen um Nichts zu machen pflegten.

Venedig blieb Antonio wohlgesinnt, und sein Verhältnis zum Bailo Negropontes war durchaus freundlicher Art. Den durch die Natur gebotenen Wechselverkehr zwischen Attika-Böotien und der benachbarten Insel hatten schon ältere Handels- und Zollverträge noch in der Zeit der Katalanen, wenn nicht schon der La Roche, vielfach erleichtert. Diese Verträge waren verbrieft und lagen in der Kanzlei des Bailo zu Negroponte.Am 7. März 1415 befiehlt der Senat dem dortigen Bailo: »Che debbia far osservar queli pati antigi che son tra el ducame de Thenes per una parte e la yxola de Negroponte per l'altra sora gabelle, comerchi, e franchisie; li qual pati son scripti in la cancellaria de Negroponte« (Misti LI, fol. 4). Auf das Weideland Euböas durfte Antonio seine auserlesenen Rassepferde schicken, und oft flüchteten dorthin bei Türkengefahr Eingesessene des Herzogtums mit ihren Herden und ihrer Habe.Venedig erlaubte Antonio, am 26. Nov. 1425 »ponere supra insula nostra ratias suorum equorum«. So dauerte ein hergebrachter Zustand durch die Jahrhunderte fort; denn schon im Altertum war Euböa ein solcher Zufluchtsort gewesen: Im peloponnesischen Kriege hatten die Athener ihre Herden dort hinübergebracht, als Perikles sie bewog, aus ihren attischen Landgütern in die Stadt zu ziehen. Wie die Untertanen des Herzogs von Athen hatte Venedig auch den Einwohnern der Markgrafschaft Bodonitsa erlaubt, in Zeiten der Not mit Hab und Gut nach Negroponte zu flüchten.

Mit seinem Golde und seiner diplomatischen Kunst suchte sich Antonio vor allem die Freundschaft des türkischen Hofes zu erhalten. Er zahlte dem Sultan gewissenhaft Tribut, begab sich wiederholt in Person nach Adrianopel und spielte den Vasallen des Großherrn wahrscheinlich aufrichtiger als mancher andere Dynast. Er wußte wohl, daß seine Erhaltung einzig von der Laune des Sultans abhing. Seit ihrem Kriegszuge in Achaia im Jahre 1423 blieben die Türken vorerst ruhige Zuschauer der dortigen Umwälzungen, des Sturzes des letzten fränkischen Fürsten Centurione und der Aufrichtung byzantinischer Despotenherrschaften durch die Brüder des Kaisers Johann VI., der nach dem Tode seines Vaters Manuel II. den morschen Thron Konstantinopels bestiegen hatte.

Von den Brüdern Johanns war Theodor II. Despot in Misithra, Konstantin Dragases Herr in Clarenza und Messenien, Thomas mit Ländern in Arkadien ausgestattet. Der kräftigste der sechs Söhne Manuels war Konstantin; er strebte danach, den ganzen Peloponnes, auch auf Kosten seiner Brüder, zu beherrschen. 

Quondam fuerat bellator et armis
Consiliisque potens; Teucros er fuderat hostes
Cum Pelopis regnum antiquum ditione tenebat.
Im Mai 1429 eroberte er Patras, dessen Erzbischof und geistlicher Fürst Pandolfo Malatesta gerade im Abendlande abwesend war. So wurde diese Metropole des fränkischen Achaia wieder byzantinisch. Auch Centurione mußte aus allen seinen Besitzungen weichen. Thomas zwang ihn, in Chalandritza seinem Fürstentum zu entsagen und ihm seine Tochter Katharina zu vermählen. Als Centurione im Jahre 1432 starb, erlosch mit ihm der letzte Schatten des ehemaligen fränkischen Fürstentums der Villehardouin. Der gesamte Peloponnes kehrte jetzt, mit Ausnahme der Kolonien der Venezianer in Messenien und der Argolis, wieder unter die Herrschaft der Griechen zurück, nachdem die Franken dort seit Champlitte 225 Jahre lang Gebieter gewesen waren.

Während so der schwindende Lebensgeist des byzantinischen Reichs im Peloponnes noch einmal aufzuflammen schien, ging Thessalonike an die Türken verloren. Diese große Handelsstadt war zuletzt in den Händen der Venezianer gewesen, denen sie der geistesschwache Despot Andronikos, Manuels Sohn, im Jahre 1423 für die geringe Summe von 50 000 Goldstücken verkauft hatteHierax, Chron. (Sathas, Bibl. gr. medii aevi, Paris 1872, I, p. 256). Andronikos wurde Mönch auf dem Athos (Phrantzes I, c. 40, p. 122). Am 27. Juli 1473 erhielten Ser Sancti Venerio und Niccolo Georgio den Auftrag, Thessalonike für Venedig anzunehmen (Sathas, Mon. Hist. Hell. I, p. 141). Auf jede Weise wollte der Sultan gerade diese Stadt, die übrigens schon früher vorübergehend von den Türken besetzt gewesen war, seinem Reiche einverleiben. Vergebens schickten die Venezianer Gesandte zu ihm und boten ihm große Summen für den Verzicht auf dieselbe an.Romanin, Stor. Doc. di Ven. II, p. 233. Murad verachtete ihr Anerbieten; am 29. März 1430 bezwang er die alte Hauptstadt des Königreichs der Lombarden, von wo aus vor mehr als zweihundert Jahren Hellas von den Franken war erobert worden. Ihre schreckliche Katastrophe unter Blutströmen, Flammen und Trümmern vollendete die Knechtung des nördlichen Griechenlands.Diesen Untergang hat Johannes Anagnostes beschrieben (hinter dem Phrantzes). Der verzweifelte Kaiser Johannes eilte ins Abendland, um seine Rettung in der Unterwerfung unter die römische Kirche durch die Glaubensunion zu suchen.

Nach dem Falle Thessalonikes schickte der Sultan seinen Pascha Sinan zur Unterjochung von Epiros aus. Dort war Antonios Schwager, der berühmte Carlo Tocco, am 4. Juli 1429 zu Joannina ohne leibliche Erben gestorben. Sein schönes Reich, welches außer Albanien und Akarnanien die klassischen Inseln Ithaka, Zakynthos, Kephallenia und Leukas umfaßte, kam an seinen Neffen Carlo II., den Sohn seines Bruders Leonardo.Leonardo hatte Töchter: Maddalena (griech. Theodora genannt), welche 1428 Konstantin, den Despoten Moreas und später letzten Kaiser geheiratet hatte, und Kreusa, die Gemahlin des Centurione (Buchon, N. R. I, p. 318). Die Türken aber verbündeten sich mit Memnon, einem ehrgeizigen Bastard des verstorbenen Despoten, und nach langer Belagerung zwangen sie Joannina am 9. Oktober 1430 zur Ergebung. Karl II. wurde hierauf dem Sultan für Epiros und Akarnanien tributbar.Über die Eroberung Janinas Spir. Lambros, Istorica Meletemata, Athen 1884, p. 167ff. – An Karl II. Tocco schrieb Cyriacus von Ancona 1436 einen Brief, worin er ihn »inclytus Epirotarum rex« nennt (Buchon, N. R. II, p. 348).

Nach allen diesen Umwälzungen und solchen Fortschritten der Osmanen im westlichen Illyrien waren die Zustände Griechenlands so beschaffen, daß Antonio Acciajoli neben Venedig der einzige Frankenfürst war, der, obwohl Vasall des Sultans, noch einen eigenen, aus der lateinischen Eroberung herstammenden Staat regierte. Wenn sich dieser auch in keiner glänzenden Verfassung befand, so hatte er doch durch Verheerungen des Kriegs weniger gelitten als andere hellenische Länder. Auf dem finstern Hintergrunde des Elends jener konnte Athen noch als eine Oase in der Wüste erscheinen. Es bedurfte freilich für Antonio keiner großen Anstrengung der Urteilskraft, um einzusehen, daß der Fall des Herzogtums Athen unter das osmanische Schwert nur eine Frage kurzer Zeit sei. Allein er schloß die Augen vor der Zukunft und nutzte die Stunden aus.

Der griechische Geschichtsschreiber Chalkokondylas, Athener von Geburt, dessen einflußreicher Vater zum Hofe Antonios in engen Beziehungen gestanden hatte, hat diesen Acciajoli für einen glücklichen Fürsten erklärt und so über ihn geurteilt: »Er lebte in Wohlfahrt, da er seine Regierung in allen innern und äußern Verhältnissen vortrefflich einzurichten verstand. Sein Vertrag mit den Venezianern sicherte ihm die Ruhe; seiner Besonnenheit verdankte er ein langes und glückliches Leben. Er erwarb Reichtümer, weil er seinen Staat weise verwaltete. Auch die Stadt Athen hat er auf das schönste ausgeschmückt.«Lib. IV, p. 215, 216.

Dies Porträt, welches wahr sein muß, zeigt einen Fürsten von seltenen Eigenschaften, einen vollendeten Staatsmann und Regenten, der sich selbst unter den schwierigsten Verhältnissen der Zeit glücklich zu fühlen vermochte. Sein Vater Nerio hatte das nicht gekonnt; an der Fortdauer seines Staats in seinem Hause verzweifelnd, hatte er sterbend, und wie mit Geringschätzung, das weltberühmte Athen den Priestern der Parthenonkirche zum Geschenk gemacht. Aber der Sohn fand dies Besitztum noch edler Mühen wert; er erwarb es mit den Waffen und behauptete dasselbe mit diplomatischer Kunst.

Leider hat Chalkokondylas keinen Blick auf die innern Angelegenheiten der Stadt und Attikas geworfen und uns nicht gezeigt, ob auch die Athener unter der Regierung Antonios mehr als das negative Glück eines friedlichen Zustandes empfunden haben. Dies dürfte doch zweifelhaft sein, da die Kluft zwischen Griechen und Franken trotz mancher an jene gemachten Zugeständnisse keineswegs geschlossen war. Nichts zeigt uns, daß die hellenische Bevölkerung der Stadt Athen unter der Regierung Antonios einen wirklichen Fortschritt zu nationaler Entwicklung gemacht hatte.

Die Acciajoli waren aus der freiesten Demokratie Italiens hervorgegangen, aber sie hatten im Dienste der Anjou Neapels ihren bürgerlichen Ursprung abgestreift und waren selbstsüchtige Geldspekulanten und dann Despoten geworden wie alle andern fränkischen Tyrannen Griechenlands. Auch sie waren Fremdlinge, deren Regiment im Grunde dieselbe Unterdrückung des hellenischen Volkstums voraussetzte wie zu den Zeiten der La Roche und der Katalanen, wenn sie auch genötigt waren, den Griechen, zumal ihrer nationalen Kirche, mehr Rechte einzuräumen.

Die ländliche Bevölkerung des Herzogtums kann sich fortdauernd nur in einer bedrückten Lage befunden haben. Feindliche Überfälle hatten doch auch Böotien und Attika mehrmals heimgesucht, Erdbeben und Seuchen die Landschaften entvölkert, aus denen viele Einwohner von den Türken fortgeschleppt worden waren.Seit dem schwarzen Tode, der 1348 auch in Griechenland schrecklich aufgeräumt hatte, war dort die Pest bis 1431 neunmal wiedergekehrt (Chron. Breve). Manche Gegenden verödeten. In Attika und Böotien wanderten wie im Peloponnes albanesische und wlachische Hirten mit ihren Herden umher. Sie wurden als Kolonisten mit Freuden aufgenommen, auch von den Venezianern in Euböa. Als einst 300 albanesische Familien, mit ihren Sitzen im Lande Antonios unzufrieden, nach jener Insel auswanderten, gestattete dies der venezianische Senat, weil sich aber der Herzog darüber beschwerte, erlaubte jener ihre Rückkehr in seinen Staat, doch wurde dem Bailo Negropontes befohlen, alle solche Albanesen festzuhalten, welche schon früher aus dem Gebiet Levadias und aus Thessalien nach der Insel eingewandert waren und sich hier als nützlich erwiesen hatten.»Quum certa capita Albanensium ducaminis et diversorum locor. numero familiar. trecentarum intraverint insulam et illam volunt habitare, quor. adventus summe placere communitati nre Negropontis...« (Misti LV, fol. 115, 12. Mai 1425). – LVI, fol. 70 , 21. Jan. 1426, Befehl, dem Widerspruch Antonios Folge zu leisten. Dazu Liber Secretor. IX, 48 .

Am Anfange des 15. Jahrhunderts drohte übrigens auch die Insel Euböa sich zu entvölkern. Viele Landgüter und Bauern kamen dort in den Besitz der Juden. Als einmal tausend Familien hinweggezogen waren, hob Venedig im Jahre 1401 die drückende Steuer von 50 Soldi für jede Feuerstelle auf, aber sie führte dieselbe bald wieder ein, weil mit ihr die Erhaltung des Wachtschiffs in Negroponte bestritten wurde.Misti XLV, fol. 137 , 10. Febr. 1401. Sathas, Mon. Hist. Hell. II, p. 79, 20. April 1402. II, p. 122, 30. Mai 1404: »Angaria del Capinico«. Über die Juden »... cum possessiones, stabilia ac villani Insule nostre Negropontis sint pro majori parte pervente ad manus Judeorum, quae res certe deberent esse abhominabiles omnibus christianis...« (II, p. 83, April 1402).

Die agrarischen Verhältnisse im allgemeinen hatten nirgends eine Reform erfahren, aus der ein freier oder doch besser gestellter Bauernstand hätte hervorgehen können. Die Leibeigenschaft blieb nach wie vor der Fluch des Landvolks. Die Servi bildeten damals überall in Griechenland, und überhaupt in Europa, das Hauptbesitztum der großen Landeigentümer wie im Altertum. Als im Jahre 1358 die Einwohner Korinths sich an den Kaiser Robert, den Fürsten Achaias, um Schutz gegen den Türken wandten, sagten sie ausdrücklich, daß solche Korinther jetzt zur Dienstbarkeit herabgekommen seien, die bisher gewohnt gewesen waren, an Leibeigenen und Reichtümern Überfluß zu haben.»Qui consueverunt servis et diviciis habundare...« (Buchon, N. R. II, p. 145). Diese Stelle bemerkte Finlay, Hist. of Greece, IV, p. 168. Die inventarischen Register des Grundherrn verzeichneten mit Genauigkeit den Hausbestand eines jeden seiner Kolonen, wobei die Bauernfamilie einfach mit der Kopfzahl des Viehs zusammengestellt wurde. Gerade aus den griechischen Landgütern der Acciajoli haben sich solche Inventare erhalten.In einem Kataster »varie scritture, spettanti a. M. Angiolo, M. Lorenzo etc. Acciajoli«, im Archiv Florenz finden sich oft Formeln wie »N... habet uxorem, filium, filias duas, bovem unum, oves tres, tenetur solvere...« Diese Dynasten wandten, wie alle anderen Großgrundbesitzer jener Zeit, auf ihre Kolonen nicht das humane Prinzip der Republik Florenz an, die im Jahre 1284 die Sklaverei der Scholle grundsätzlich abgeschafft hatte.

Neben der Leibeigenschaft der Landbauern bestand zugleich das alte Institut der Haussklaverei fort. Der mohammedanische Orient teilte das Bedürfnis derselben dem Abendlande mit; denn die griechischen Kaiser und die Frankenherrscher in der Levante mußten dem Sklavenbedarf der Türken und Mongolen Rechnung tragen, und die lange Berührung mit den Sitten des Orients stumpfte auch bei den dort Handel treibenden Völkern Europas das ohnehin schwache Gefühl für Menschenwürde ab. Die großen Sklavenmärkte in Zaffa und Tana versorgten mit jungen Tataren und Kaukasiern nicht nur die Mameluckensultane Ägyptens und andre Mohammedaner, sondern auch das Abendland. Kein Vornehmer in Konstantinopel und Griechenland und kein reicher Bürger einer italienischen Seestadt fand es unchristlich, Haussklaven zu besitzen. Venezianische und genuesische Schiffe brachten junge Sklavinnen massenhaft auf den Markt ihrer Städte. Noch am Ende des 15. Jahrhunderts zählte man in Venedig allein 3000 Sklaven aus Nordafrika und der Tatarei. Auf 10 000 Köpfe berechnete man jährlich die Sklavenausfuhr Venedigs; sie warf dem Staat zur Zeit des Dogen Tommaso Mocenigo (1413–1423) eine Rente von 50 000 Dukaten ab.V. Lazzari, Del traffico e delle condizioni degli schiavi in Venezia nei tempi di mezzo (Miscellan. di storia italiana I, p. 468). Im allgemeinen: Luigi Cibrario, Della schiavitù e del servaggio, Milano 1868, II. Selbst die Republik Florenz erlaubte durch Beschluß ihres Rates vom 8. März 1363 die Einführung von Sklaven und Sklavinnen, wenn solche nicht Christen waren.A. Zanelli, Le schiave orientali a Firenze nei secoli XIV. e XV., Flor. 1885. Mit Sklaven machte man einander Geschenke. So verehrte die Basilissa Francesca, die Gemahlin Toccos, dem jungen Nerio di Donato eine Sklavin Eudokia, was sie urkundlich verbriefte.Im Dez. 1424 (Buchon, N. R. II, LXVI). Zu ihrem oder ihrer Vorfahren Seelenheil schenkten bisweilen Eigentümer ihren Leibeigenen mit dem Frankenrecht die Freiheit. Der Herzog Nerio II. von Athen bestätigte ein Privilegium Antonios für Georgios Chamaches und gab zum Seelenheil seines Vaters Franco jenem Griechen und seinen Nachkommen die Freiheit.πριβελέγιον Φραγγιτάδες (Buchon, N. R. II, p. 296). Er soll frei sein απὸ πάσης υπαροικίας τε δουλουσύνης, απὸ τε εγγαρίας κανισκίων, μουστοφορίων, ελαιοπαρουχίων καὶ ετέρων άλλων τοιούτης υπαροίκιας. Dieser Grieche war von Antonio zum Φράγγος ελεύθερος erklärt worden. Er muß ein beliebter Mann gewesen sein, denn 1431 schenkte demselben der Kanzler, Domherr und Kantor der heil. Metropole Athens, Guillelmus, ein Grundstück. Zeugen waren andere Canonici majoris eccl. Joannes de Bonalma, Bernardus Hamusti etc.; (Buchon, N.R. II, LXIX, p. 29.).

Durchaus wie zur Zeit der Katalanen lebten demnach auch unter den Acciajoli selbst angesehene Griechen außerhalb des Frankenrechts. Einen auffallenden Beweis dafür liefert die bemerkte Tatsache, daß Nerio I. seiner Geliebten Maria Rendi, der Mutter seines eigenen Sohnes Antonio, die Freiheit und das Recht der Verfügung über ihr Eigentum erst durch sein Testament zuerkannt hatte.»Item volemo... de Maria figlia di Dimitri Rendi sia libera et habbia tutti li beni suoi mobili et stabili la dove si trovano.« Und doch war der Vater dieser Athenerin der um die Franken hochverdiente Notar Demetrios gewesen, welcher noch während des Regiments der Katalanen das Privilegium erhalten hatte, seine Kinder an Lateiner zu verheiraten und frei über sein Gut zu verfügen. Es ist daher wahrscheinlich, daß Maria selbst nicht sein legitimes Kind war.

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