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Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter - Kapitel 77
Quellenangabe
typetractate
authorFerdinand Gregorovius
year1980
publisherC. H. Beck Verlag
addressMünchen
isbn3-406-07951-2
titleGeschichte der Stadt Athen im Mittelalter
pages3-16
created20011106
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1889
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Achtes Kapitel

Der Visconde Rocaberti, Generalvikar. Abzug der Navarresen nach Elis. Die Lehnsbarone des katalanischen Herzogtums. Tod des letzten Grafen von Salona. Seine Witwe Helena Kantakuzena und Tochter Maria. Rückkehr Rocabertis nach Spanien. Ramon de Vilanova, sein Stellvertreter. Die Navarresen in Morea. Roger und Anton de Lauria, Regenten des Herzogtums. Verfall der katalanischen Kompanie. Nerios Verbindungen und Absichten auf Athen. Er erobert die Stadt. Tod Pedros IV. Die Akropolis ergibt sich Nerio. Ende der katalanischen Herrschaft.

1.

Die Abreise Rocabertis nach Griechenland verzögerte sich, sowohl weil dieser bedeutende Staatsmann in Spanien nicht leicht entbehrt werden konnte, als weil die kostspielige Ausrüstung seiner Galeeren mit Nachlässigkeit betrieben wurde. Die Boten Athens und Salonas waren bereits heimgekehrt, aber noch im Frühjahr 1381 befand sich Rocaberti in Katalonien. Pedro kündigte die baldige Ankunft des Vizekönigs den hervorragendsten Großen und Gemeinden an, den Syndici Neopaträs, den Kastellanen Salonas, dem Grafen von Mitra und den Albanesen in seinem Dienst, dem Jofre Zarrovira, dem Luis Fadrique, welchem er befahl, die Burg Neopaträ an Rocaberti zu übergeben und dessen Kriegsvolk in seine Kastelle aufzunehmen.

Die Aufgabe, welche der Visconde in dem fremden Lande durchzuführen übernahm, war schwer genug: Er sollte dort das ganz zerrüttete Herzogtum unter der neuen aragonischen Dynastie wiederherstellen und die Navarresen vertreiben, welche zwar Attika verlassen hatten, aber noch die festen Plätze Böotiens behaupteten. Der König Pedro befahl ihm, das Land durch eine Generalamnestie zu beruhigen, die er allen Einwohnern desselben bewilligen sollte. Auch der rebellische Zweig der Fadrique in Ägina sollte in seine Güter wieder eingesetzt werden, dem Luis Fadrique aber jene Insel auf Lebenszeit verbleiben.Befehl an Rocaberti, Donna Dulce und ihren Sohn Juan wiederherzustellen; Saragossa 8. Mai 1381 (n. 46, p. 266). Am 18. Mai Befehl, Juan d'Aragona unter die Ritter von St. Georg aufzunehmen (n. 51, p. 269). In den Kapiteln von Salona war Pedro, nicht sein Bruder Juan, als Herr Äginas genannt worden, seiner wird hier nicht mehr erwähnt.

Zum Zweck, die Navarresen zu überwinden, bewarb sich Pedro um die Freundschaft aller einflußreichen großen und kleinen Mächte. Er war selbst in Verbindung mit dem ehemaligen griechischen Kaiser Matthaios Kantakuzenos, dem Despoten Misithras, getreten, welchem er den Schutz seines Herzogtums empfohlen hatte.Lerida, 8. Sept. 1380 (Rubio, n. 21, p. 233). Er trug Rocaberti auf, mit Nerio Acciajoli und dessen Schwiegervater Saraceno in Euböa, mit dem venezianischen Bailo Negropontes, mit Magdalena Bondelmonti, der Witwe Leonardos I. Tocco von Kephallenia, mit dem Erzbischof Paolo Foscari von Patras und dem Großmeister Heredia in Morea freundliche Beziehungen anzuknüpfen.Rubio, p. 110. Alle diese Dynasten hatten in der navarresischen Bande denselben Feind zu fürchten, die Republik Venedig im besonderen konnte ihre Festsetzung in Böotien nicht dulden, von wo sie schon nach ihren ersten Eroberungen Euböa anzugreifen Miene gemacht hatten. Es war nur die Schuld des gewaltigen Krieges, welchen die Venezianer gerade in jener Zeit mit Genua führen mußten, daß sie nicht kräftig gegen jene Söldner einschritten. Pedro IV. forderte den Bailo Pantaleone Barbo von Negroponte auf, seinem Vikar Rocaberti Hilfe zu leisten, und den Markgrafen von Bodonitsa, den Herzog des Archipels und andere Vasallen Venedigs an der Verbindung mit den Navarresen zu hindern.Rubio, n. 1, p. 216. Dies erreichte er auch. Seine kräftigste Stütze aber war der damals noch in Morea gebietende Großmeister Heredia. Wenn sich der König noch im September 1380 bei diesem beklagt hatte, daß die Johanniter im Herzogtum Gewalttaten verübten, so konnte er ihn jetzt zur Hilfe gegen den gemeinsamen Feind aufrufen.Saragossa, 8. Mai 1381 (Rubio, n. 50, p. 268; Zurita II, lib. 10, c. 30).

Der Visconde segelte endlich mit vier Galeeren von Spanien ab und gelangte im Sommer oder im Herbst 1381 nach Athen, wo er mit allen Ehren empfangen wurde. Er fand hier als Kastellan der Akropolis Romeo de Belarbre und den ehemaligen Viger Calceran de Peralta, welcher aus seiner Gefangenschaft freigeworden war und jetzt, wie ihm der König geboten hatte, die Burg und Stadt dem neuen Regidor übergab.Pedro an Calceran, Saragossa, 8. Mai 1381 (n. 49, p. 268) – »E com hajam entes que sots exit de la prisó en que erets en poder dels dits Navarros, de que havem haut gran placer.« Die aus Zurita II, p. 377, gezogene Angabe Hopfs, daß Calceran aus seiner Haft entkommen, die Akropolis wacker verteidigt und die Navarresen aus Athen geworfen habe, ist unerweislich. So wurde Athen wieder die Hauptstadt des Herzogtums, während sich Theben noch immer in der Gewalt der Navarresen befand. Diese Soldbande behauptete auch Levadia und andere böotische Plätze noch eine Zeitlang, obwohl sie, an der Eroberung des Herzogtums für den Titularkaiser Baux verzweifelnd, wie es scheint, noch vor der Ankunft Rocabertis mit ihrer Hauptmasse unter Majotto de Coquerel nach Morea gezogen war, um dies Land für ihren Brotherrn zu erobern. Hier zwangen die Navarresen alsbald den Großmeister Heredia und seine Ritter zum Abzuge. Sie selbst richteten, dem Beispiele der Katalanen folgend, einen Militärstaat in Elis ein. Ihr Hauptsitz wurde der Hafen Zonklon in der Nähe des alten Pylos mit der festen Burg Navarinon.Der Name Navarin (bei Edrisi Irouda) soll nach Hopf I, S. 24, von den Navarresen abzuleiten sein. Allein schon vorher lag bei Zonklon ein Ort Abarinon. Die Notitia 4. graec. episcop. (Hieroclis Synecdem., ed. Parthey, p. 312) sagt von Pylos: »nunc vocatur Abarinus«. Dort hatte Nikol. von St. Omer ein Schloß gebaut, »le chastel de port de Junch« (Liv. d. l. Conq., p. 275), oder κάστρον του̃ ’Αβαρίνου (Griech. Chron. v. Morea). Buchon erklärt Navarinon wohl richtig mit Neo-Avarinon, im Gegensatz zu Palaeo-Avarino. Um dasselbe als Ort der spanischen Einwandrer zu bezeichnen, nannten es die Griechen Spanochori und nicht Navarino. Leake, Travels in the Morea I, p. 411, glaubt den Namen Navarino entstanden aus εις τὸν ’Αβαρι̃νον.

Die Truppen, welche Rocaberti mit sich geführt hatte, reichten nicht hin, die noch in Theben und Levadia zurückgebliebenen navarresischen Besatzungen zu überwältigen.Zurita, Indices, p. 355, schreibt die Befreiung Levadias und anderer Festungen dem Rocaberti zu. Allein noch im Frühjahr 1383 war Theben in der Gewalt des Feindes, denn in einem am 10. April dieses Jahres zu Tortosa erlassenen Privilegium für Demetrios Rendi sagt der König: »Si et quando civitas et vicaria destives ad dominium er obedientiam nostram venire contingat.«

Die Kräfte des Herzogtums waren völlig erschöpft, Attika und Böotien so verheert und entvölkert worden, daß der König befahl, dort Griechen und Albanesen anzusiedeln unter Gewähr zweijähriger Abgabenfreiheit für solche Kolonisten.»A nos es suplicat que volguessem atorgar a tot grech et albanes, qui vulla venir en lo ducat de Athenes, que sia franch por II anys.« Ulldecona, 31. Dez. 1382 (n. 30, p. 240). Die Besitzverhältnisse befanden sich infolge der Invasion der Navarresen, der Flucht der Einwohner und der Parteikämpfe in gänzlicher Zerrüttung. Alles mußte demnach durch das neue Regiment geordnet werden. Wenn dieses auch die bisherigen Einrichtungen und Gesetze nur wieder aufzunehmen hatte, so war doch der katalanische Staat überhaupt in größere und kleinere Feudalherrschaften zersplittert, mit welchen die Krone Aragon zum Teil Sonderverträge hatte abschließen müssen.

Ein Lehnsregister aus der Kanzlei Pedros IV. hat die angesehensten Edlen des untergehenden spanischen Herzogtums Athen namentlich verzeichnet.

Diese waren:

»Don Luis Fadrique von Aragon, Graf von Sola und Herr von Zeitun.

Der Graf von Mitra, welcher 1500 albanesische Reiter im Dienst hat und als Vasall Aragons das königliche Banner führt.

Der Markgraf von Bodonitsa, der jährlich dem Generalvikar vier gerüstete Ritter stellt.

Der Ritter Jofre von Zarrovira.

Andrea Zaval, Kapitän von Neopaträ.

Thomas Despou, Schwiegersohn des Roger Lauria.

Misili (d. i. Melissenos) de Novelles, Herr des Kastells Estañol.Der Name dieser Burg erinnert an den ersten Vikar des sizilianischen Herzogs von Athen, aber ihre Lage ist unbekannt.

Calzeran Puigparadines und sein Bruder Francesco, Herren von Karditsa und Kalandri (Atalante).Rubio (τιμάρια τω̃ν δουκάτω̃ν των ’Αθηνω̃ν... Zeitschrift der histor. Gesellschaft Griechenlands, II, Mai 1887, p. 460), hält diese Puigparadines für die Söhne des im Jahre 1367 ermordeten Pedro de Puig.

Antonio de Lauria und sein Bruder Roger.

Roger de Lauria und sein Bruder Nikolaus, Söhne des Juan de Lauria.

Guillelm Fuster.

Guillelm de Vita.

Pedro de Ballester, Herr von Kabrena und Patricia.Kabrena gilt als Chaironea.

Berengar de Rodaja und andere hochgeehrte Herren in der Stadt Athen.

Petruzo Juanes, Sohn des Ritters Gonsalvo Juanes.

Der Ritter Andrea ...Rubio, n. 42, p. 262. Die Liste stimmt fast durchaus mit der bei Zurita II, lib. 10, c. 30.

Außer dem Markgrafen von Bodonitsa vom venezianischen Hause der Giorgi, dem zweifelhaftesten aller Vasallen Aragons, und dem Grafen von Mitra sind in diesem Register nur zwei alte katalanische Familien von wirklicher Bedeutung verzeichnet, die Fadrique und die Lauria. Alle übrigen waren Herren kleinerer Burgen oder deren Kastellane.

Luis Fadrique hatte das Amt des Generalvikars in die Hände des Visconde niedergelegt und sich in seine Grafschaft Salona zurückgezogen. Daselbst starb er in der zweiten Hälfte des Jahres 1382.Dies authentische Datum zerstört alle Fabeln über den tragischen Tod des letzten Grafen von Salona. Am 18. Nov. 1382 schreibt Pedro IV. an die Witwe: »Havem gran desplaer de la mort del noble En Lois Frederich d'Arago cosi nostre e marit vostre.« Mit ihm verschwand auch der letzte Mann von Ansehen im katalanischen Staat Athen, und sein berühmtes Geschlecht erlosch. Denn von seiner Gemahlin Helena Kantakuzena hatte er nur eine Tochter Maria, die Erbin Salonas und Zeituns. Das Schicksal der Grafschaft, des wichtigsten Lehns im Herzogtum, hing demnach von der Hand dieses Mädchens ab. Der Visconde Rocaberti begehrte Salona an sein eignes Haus zu bringen und so eine Familienherrschaft zu begründen, wie das die Fadrique vermocht hatten. Noch zu Lebzeiten des Don Luis hatte er für seinen Sohn Bernaduch um Maria geworben, und das Verlöbnis war mit der Zustimmung des Königs Pedro wirklich abgeschlossen worden. Als nun Helena diesem den Tod ihres Gemahls anzeigte und ihm den Schutz ihres Landes wie der Rechte ihrer Tochter anempfahl, versprach er ihr diesen; er bestätigte der Erbin auch das Kastell Sidirokastron, aber unter der Bedingung, daß sie sich mit jenem Sohne Rocabertis wirklich vermähle.»Que la dita filla vostra faça de fet e complisca lo matrimoni lo qual es fermat entre lo noble en Bernaduch fill de mossen Dalmau Vesconte de Rochaberti vicari general per nos en los ducats d'Athenes e de la Patria.« Der König an Helene, Tortosa, 18. Nov. 1382 (Rubio, n. 31, p. 341). Hopf (I, S. 25), welcher den Sohn Rocabertis Antonio nennt, irrt demnach, wenn er behauptet, daß dieses Verlöbnis wider den Willen des Königs geschehen sei.

Der Visconde selbst befand sich damals nicht mehr in Griechenland. Dieselbe Fahrlässigkeit in bezug auf die Statthalterschaft der Herzogtümer, welche früher durch die öftere Abberufung Moncadas so unheilvoll gewesen war, wiederholte sich auch jetzt. Pedro IV. hatte die Dienste Rocabertis in Spanien und auf der von Parteien zerspaltenen Insel Sizilien nötig, deren Verwaltung er im Jahre 1380 seinem zweiten Schrie Martin, dem Grafen von Exerica und Luna, übergeben hatte. Dort aber war die Infantin Maria, die Erbtochter Friedrichs III., der Gegenstand der Eifersucht der Großen und fremder Fürsten, ihrer Bewerber, geworden. Der jungen Prinzessin, der legitimen Königin Siziliens und Herzogin Athens, drohte das Schicksal der unglücklichen Mathilde von Hennegau. Sie war ursprünglich der Obhut des Großjustitiars Don Artale de Alagona, Grafen von Mistretta, anvertraut worden, welchen Friedrich III. in seinem Testament zum Generalvikar Siziliens und zu ihrem Vormunde bestellt hatte.Zurita II, lib. 10, p. 373. Allein, im Jahre 1379 hatte sich Guglielmo Ramon Moncada, Graf von Agosta, ein Anhänger Pedros, der Infantin bemächtigt und sie in jene Burg entführt, welche hierauf Artale belagerte.

Rocaberti verließ Athen vor dem Sommer 1387, nachdem er dort dem Ritter Ramon de Vilanova seine Stellvertretung übertragen hatte. Mit seinen vier Galeeren schiffte er zuerst nach Syrakus, verstärkte sich in Sardinien und kehrte nach Sizilien zurück. Hier zwang er Artale, die Belagerung des Kastells Agosta aufzuheben, aus welchem er die Infantin mit sich nahm und nach Cagliari brachte.Indices, p. 355. Cronica del rey Pedro IV. am Schluß. La Lumia, Studi di stor. Sicil. I, p. 553. Später vermählte sie der König Pedro seinem Enkel Martin.

Nach dem Abgange des Visconde scheint Ramon de Vilanova die Beruhigung des Herzogtums Athen und seine Befreiung von den letzten Resten des Feindes glücklich durchgeführt zu haben. Indem die Navarresen Theben und Levadia räumten, vereinigten sie alle ihre Kräfte zur Aufrichtung ihres Militärstaats in Elis. Dazu war die Zeit günstig genug. Denn die Zerrüttung der neapolitanischen Monarchie machte ihnen die Eroberung eines großen Teiles Achaias möglich. Die Königin Johanna war am 2. Mai 1382 auf Befehl Karls III. von Durazzo umgebracht worden, und dieser neue König Neapels hatte Wichtigeres zu tun, als jene Bande von Kriegern aus Morea zu vertreiben. Im Juli 1383 starb auch Jakob de Baux, der letzte fränkische Fürst, welcher den griechischen Kaisertitel getragen hat. Zu seinem Erben hatte er Louis d'Anjou vom Hause Valois eingesetzt;Sein Testament, Tarent, 15. Juli 1383: Bibl. de l'école des chartes 45, 1884, p. 189. aber auch dieser Prinz starb bald darauf, so daß sich Morea für immer der französischen Herrschaft entzog.

Jetzt hatte Majotto de Cocquerel, der bisherige Bail des Baux', keinen Oberherrn mehr anzuerkennen; er nahm daher mit seinen Kriegern von dem fremden Lande in derselben Weise Besitz, wie es vorher die katalanische Kompanie in Böotien und Attika getan hatte. Wie diese ihr Ursprung an die Verbindung mit dem königlichen Hause Aragon gewiesen hatte, so hätten auch jene Söldner an dem Könige von Navarra einen Rückhalt finden können, wenn derselbe ein machtvoller Herrscher gewesen wäre. Sie hatten sich indes von dem Bezuge auf ihre Heimat abgelöst; ihr Oberhaupt Majotto fuhr fort, die von ihm usurpierte Gewalt in Morea durch seinen bisherigen Titel zu legitimieren: Er nannte sich kaiserlicher Bail des Fürstentums Achaia und der Stadt Lepanto, während die nach ihm angesehensten Hauptleute Pietro Bordo von St. Superan und Berardo Varvassa sich den Titel kaiserlicher Kapitän desselben Fürstentums beilegten.Pedro IV. schreibt: »nobilib. dil. ac devotis nostris Mayoto de Cocharellis militi baiulo, et Petro de Sº Superano capitaneo principatus de la Morea« (Rubio, n. 41, p. 261). Die vollständige Titulatur in der folgenden Note. So nahmen die Navarresen die Stelle des ehemaligen französischen Lehnsadels ein, und sie bemächtigten sich auch der Güter der Acciajoli in Achaia.

Venedig mußte jetzt um seine eigenen Kolonien Im Peloponnes besorgt sein; es suchte daher mit dieser Söldnerbande ein friedliches Verhältnis, indem es dieselbe im Besitz der von ihr eingenommenen Gebiete anerkannte, kraft eines Vertrages, welchen die navarresischen Kapitäne am 18. Januar 1382 mit den Rektoren von Koron und Modon abschlossen.Commem. VIII, p. 114. Darin sind angeführt »Dn. Maiottus de Coctarello hon. bail. imp. princ. Achaye et civit. Neopanti... egreg. et nob. vir Petrus dictus Burdus de Sco. Superano hon. capitanaus dicti principatus – Berardus de Varvassa hon. cap. imp. in dicto princ. Datum Drusii (Andrussa).« Das Datum dieser Urkunde widerlegt die Angabe Hopfs, daß Pedro Bordo de S. Superano erst 1385 nach Griechenland gekommen sei (Monatsberichte der K. Preuß. Akademie der Wissenschaften, 1863, S. 485). Der König Pedro seinerseits konnte froh sein, seine Feinde in Achaia entfernt und beschäftigt zu sehen. Er bewarb sich um ihre Freundschaft; er rühmte sie, daß sie ihm gegen Griechen und Türken, welche Raubzüge ins Herzogtum machten, bereitwillig Hilfe leisteten, und so konnte im Jahre 1385, wo er dies schrieb, kein Platz in Böotien mehr in der Gewalt jener Soldbande sein.Vilanova, 17. Juli 1385.

Zu seiner Zeit war auch Ramon de Vilanova von Athen nach Spanien zurückgekehrt, nachdem er die Regierung den beiden Brüdern Roger und Anton Lauria, den Söhnen Rogers I., anvertraut und Andrea Zaval zum Kapitän Neopaträs ernannt hatte. Der König rief ihn ab, seiner Dienste bedürftig, da er sich mit seinem eigenen Sohne, dem Infanten Juan, in einem das ganze Land Aragon aufregenden Streite befand, und zwar infolge des Hasses, welchen seine zweite Gemahlin, Sibilla, gegen diesen ihren Stiefsohn gefaßt hatte. Rocaberti gehörte zu den entschiedensten Anhängern des Infanten, was Pedro gegen ihn aufbrachte. Als nun Vilanova an seinen Hof kam, verlangte der König vom Visconde, daß er jenen aller Eide und Verpflichtungen entlasse, die er ihm als sein Stellvertreter im Herzogtum Athen geschworen hatte, wogegen Rocaberti Geldforderungen erhob.So ist die Stelle bei Zurita, lib. X, n. 38, p. 387, zu verstehen; es sind Forderungen Rocabertis, nicht Vilanovas, wie Hopf glaubt (II, S. 25). Der Visconde mußte sich fügen; der König nahm ihm das Generalvikariat; er überließ die Verwaltung des Herzogtums vorläufig den Brüdern Lauria, und erst nach einer langen Säumnis, welche, wie er den navarresischen Kapitänen schrieb, durch seine Beschäftigung mit großen heimischen Aufgaben verursacht war, ernannte er zum neuen Statthalter der Herzogtümer Athen und Neopaträ Bernardo de Corella.Zurita behauptet, daß der König aus Haß gegen Rocaberti damals die schon vereinbarte Ehe zwischen dessen Sohne und Maria Fadrique vereitelte (dexò de casar). Von einer Beschuldigung, welche Vilanova dem ehrgeizigen Rocaberti aus dieser beabsichtigten Vermählung gemacht habe, sagt Zurita nichts.

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